Butch Cassidy und Sundance Kid: Die Wild Bunch – Bank- und Zugräuber mit Stil
Sie waren die berühmtesten Gesetzlosen ihrer Zeit – Butch Cassidy und Sundance Kid, die charmanten Anführer der Wild Bunch. Zwischen 1896 und 1901 überfiel diese Bande Banken und Züge im amerikanischen Westen und erbeutete dabei über 200.000 Dollar. Doch im Gegensatz zu brutalen Outlaws wie Jesse James galten sie als „Gentleman-Räuber“, die niemanden unnötig verletzten. Ihre Geschichte endete 1908 in Bolivien – angeblich in einem legendären Feuergefecht. Oder doch nicht?
Die Wild Bunch – Amerikas berühmteste Outlaw-Bande
Butch Cassidy und Sundance Kid: Gentleman-Räuber oder skrupellose Verbrecher?
Wer waren Butch Cassidy und Sundance Kid?
Hinter den legendären Namen verbargen sich zwei ganz normale Männer, die zu den meistgesuchten Verbrechern des amerikanischen Westens wurden. Butch Cassidy (bürgerlich Robert LeRoy Parker) und Harry Alonzo Longabaugh (bekannt als Sundance Kid) führten die Wild Bunch zu einer Serie spektakulärer Bank- und Zugüberfälle, die sie zu Legenden machten – und zu Gejagten.
Butch Cassidy
Der Anführer & Stratege
Sundance Kid
Der Scharfschütze
🔍 Woher kam der Name „Wild Bunch“?
Der Name „Wild Bunch“ (Wilde Bande) wurde der Gruppe von Zeitungen verliehen. Die Outlaws selbst nannten sich oft „Hole-in-the-Wall Gang“ nach ihrem berühmten Versteck im Johnson County, Wyoming. Das Hole-in-the-Wall war eine natürliche Festung – ein Tal, umgeben von steilen Felswänden mit nur einem schmalen Zugang. Sheriffs wagten sich selten dorthin.
Die Karriere der Wild Bunch: Eine Chronologie des Verbrechens
Die Wild Bunch war keine feste Organisation, sondern ein loses Netzwerk von Outlaws, die für bestimmte Überfälle zusammenkamen. Die Kerngruppe um Butch Cassidy und Sundance Kid führte zwischen 1896 und 1901 mindestens 15 dokumentierte Raubüberfälle durch.
Montpelier Bank Robbery, Idaho
Der erste große Coup der Wild Bunch. Butch Cassidy und fünf Komplizen stahlen $7.165 aus der Bank of Montpelier. Die Räuber entkamen trotz Verfolgung durch eine Posse – ein Muster, das sich wiederholen sollte.
Union Pacific Überfall, Wyoming
Der spektakulärste Zugraub: Die Bande sprengte einen Güterwagen mit so viel Dynamit, dass Geldscheine kilometerweit durch die Luft flogen. Beute: $30.000–60.000 (die genaue Summe ist umstritten).
First National Bank, Winnemucca, Nevada
In nur drei Minuten raubten Butch, Sundance und Will Carver $32.640 – einer der profitabelsten Banküberfälle der Wild Bunch. Die Bande entkam erneut spurlos.
Union Pacific Überfall #2, Wyoming
Erneut sprengten sie einen Zug – diesmal mit noch mehr Dynamit. Die Pinkerton-Detektive verstärkten daraufhin die Verfolgung massiv.
Great Northern Train Robbery, Montana
Der letzte große Überfall in den USA. Die Bande erbeutete nicht registrierte Banknoten. Kurz darauf flohen Butch, Sundance und Etta Place nach Südamerika.
Die berühmtesten Überfälle im Detail
Wilcox Train Robbery
2. Juni 1899 • Wyoming
Die Wild Bunch blockierte die Gleise mit gefällten Bäumen, zwang den Zug zum Halten und sprengte den Güterwagen. Das Problem: Sie benutzten zu viel Dynamit – der Wagon explodierte förmlich.
💰 Beute: $30.000–$60.000
Winnemucca Bank
19. September 1900 • Nevada
Drei Minuten – so lange dauerte der Überfall. Butch und Sundance stürmten die Bank am helllichten Tag, während ein dritter Mann die Pferde bewachte. Perfektion in Aktion.
💰 Beute: $32.640
Tipton Train Robbery
29. August 1900 • Wyoming
Erneut ein Zugraub mit Sprengstoff. Diesmal zwangen sie den Lokführer, den Zug zu einem vorbereiteten Ort zu fahren – weit weg von jeglicher Hilfe. Professionell geplant.
💰 Beute: $50.000+
Castle Gate Payroll Robbery
21. April 1897 • Utah
Butch Cassidy stahl die Lohnauszahlung einer Kohlemine – $7.000 in Gold. Er ritt mitten durch die Stadt, während die Arbeiter zusahen. Niemand wagte, ihn aufzuhalten.
💰 Beute: $7.000 (Gold)
🔍 Die Methode der Wild Bunch
Was die Wild Bunch von anderen Outlaw-Banden unterschied, war ihre Professionalität. Sie planten wochenlang, kundschafteten Fluchtrouten aus, versteckten frische Pferde entlang der Strecke und nutzten die Geografie zu ihrem Vorteil. Butch Cassidy galt als Meister der Logistik – er kannte jeden Cañon, jeden Fluss, jedes Versteck zwischen Montana und New Mexico.
Die Mitglieder der Wild Bunch
Die Wild Bunch war kein festes Team. Für verschiedene Überfälle kamen unterschiedliche Outlaws zusammen. Hier die wichtigsten Mitglieder:
Elzy Lay
Butchs bester Freund
Harvey Logan (Kid Curry)
Der gefährliche Killer
Etta Place
Die mysteriöse Begleiterin
Die Pinkerton-Detektive: Der unerbittliche Feind
Nach dem Wilcox-Zugraub 1899 setzte die Union Pacific Railroad die Pinkerton National Detective Agency auf die Wild Bunch an. Die Pinkertons waren die FBI-Vorläufer ihrer Zeit – skrupellose Profis mit unbegrenzten Ressourcen.
🕵️ Die Pinkerton-Strategie
Die Pinkertons jagten die Wild Bunch mit einer neuen Methode: Sie fotografierten die Outlaws (das berühmte „Fort Worth Five“-Foto von 1900), druckten Tausende Steckbriefe und infiltrierten ihre Verstecke. Zum ersten Mal in der Geschichte konnten Verbrecher nicht mehr einfach in einen anderen Staat fliehen und neu anfangen – ihre Gesichter waren überall bekannt.
Sie waren überall. Wo wir auch hinkamen, waren die Pinkertons schon da oder kamen kurz nach uns. Es war, als würden sie unsere Gedanken lesen. Am Ende gab es nur noch eine Möglichkeit: das Land verlassen.
— Zugeschrieben an Butch Cassidy, ca. 1901
Flucht nach Südamerika
1901 wurde der Druck zu groß. Butch Cassidy, Sundance Kid und Etta Place flohen nach Argentinien, wo sie unter falschen Namen eine Ranch kauften und versuchten, ein ehrliches Leben zu führen. Doch alte Gewohnheiten sterben schwer.
Rancher in Patagonien
Die drei lebten als „James Ryan“, „Harry Place“ und „Ethel Place“ auf einer Ranch in Cholila, Argentinien. Nachbarn beschrieben sie als freundlich und hilfsbereit. Für kurze Zeit schien die Flucht zu funktionieren.
Rückkehr zum Verbrechen
Als die Pinkertons auch in Südamerika auftauchten, kehrten die beiden zum Raub zurück. Sie überfielen Banken in Argentinien und Chile. Etta Place verschwand 1907 – vermutlich kehrte sie in die USA zurück.
San Vicente, Bolivien
Nach einem Überfall auf eine Minengesellschaft wurden zwei amerikanische Banditen in San Vicente von bolivianischen Soldaten umzingelt. Nach einem Feuergefecht fand man zwei Leichen. Waren es Butch und Sundance?
Das mysteriöse Ende in Bolivien
Die offizielle Version: Am 6. November 1908 wurden zwei Amerikaner in San Vicente, Bolivien, nach einem Überfall von Soldaten gestellt. Nach einem Feuergefecht wurden beide tot aufgefunden – angeblich durch Selbstmord, um der Gefangennahme zu entgehen.
Das Problem: Die Leichen wurden nie eindeutig identifiziert. Es gab keine Autopsie, keine Fotos, keine forensischen Beweise. Die bolivianischen Behörden behaupteten, es seien „Bandidos Yanquis“ gewesen – aber waren es wirklich Butch und Sundance?
Mythos vs. Realität: Was stimmt wirklich?
🎬 Hollywood-Mythos
- ✗ Sie starben in einem heroischen Feuergefecht gegen die bolivianische Armee
- ✗ Sie töteten nie jemanden und waren reine „Gentleman-Räuber“
- ✗ Sie waren beste Freunde seit ihrer Kindheit
- ✗ Etta Place war eine Lehrerin, die sich in Sundance verliebte
- ✗ Sie sprangen von einer Klippe in einen Fluss, um zu entkommen
📚 Historische Realität
- ✓ Ihr Tod in Bolivien ist nicht eindeutig bewiesen
- ✓ Butch tötete nie jemanden; Sundance möglicherweise schon
- ✓ Sie trafen sich erst als Erwachsene in Wyoming
- ✓ Ettas Identität ist bis heute ungeklärt
- ✓ Der berühmte Klippensprung ist reine Hollywood-Erfindung
Haben sie überlebt? Die Theorien
Viele Historiker bezweifeln, dass Butch Cassidy und Sundance Kid 1908 in Bolivien starben. Es gibt zahlreiche Berichte über Sichtungen in den folgenden Jahrzehnten:
🔍 Beweise für ein Überleben
1. Butch Cassidy in Wyoming (1925): Ein Mann namens William T. Phillips behauptete bis zu seinem Tod 1937, er sei Butch Cassidy. Er kannte Details, die nur Butch wissen konnte.
2. DNA-Tests (2011): Forscher exhumierten einen Leichnam aus San Vicente – die DNA stimmte nicht mit Butchs Verwandten überein.
3. Familienmitglieder: Butchs Schwester Lula Parker Betenson behauptete bis 1975, ihr Bruder habe sie 1925 besucht.
4. Sundance in Mexiko: Es gibt Berichte, dass Sundance bis in die 1930er in Mexiko lebte.
Das kulturelle Vermächtnis
Ob sie nun 1908 starben oder nicht – Butch Cassidy und Sundance Kid wurden zu Ikonen des amerikanischen Westens. Ihr Ruf als „Gentleman-Räuber“ überdauerte die Zeit.
Film & Fernsehen
Der Film „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ (1969) mit Paul Newman und Robert Redford wurde zum Klassiker und zementierte ihren Status als Volkshelden.
Literatur
Dutzende Bücher, Biographien und Romane erzählen ihre Geschichte – oft mit widersprüchlichen Details, was den Mythos nur verstärkt.
Tourismus
Orte wie Hole-in-the-Wall, Wyoming, und San Vicente, Bolivien, sind heute Touristenattraktionen. Museen widmen ihnen ganze Ausstellungen.
Popkultur
Ihr Image als charmante Outlaws beeinflusste unzählige Filme, Serien und Videospiele – von „Red Dead Redemption“ bis zu modernen Western.
Fazit: Verbrecher oder Volkshelden?
Butch Cassidy und Sundance Kid waren Kriminelle – daran gibt es keinen Zweifel. Sie stahlen Hunderttausende Dollar, sprengten Züge und lebten außerhalb des Gesetzes. Doch im Vergleich zu brutalen Outlaws wie Jesse James oder die Dalton Gang galten sie als „zivilisiert“.
Butch Cassidy tötete nachweislich nie einen Menschen. Er plante seine Überfälle so, dass niemand verletzt wurde. Sundance Kid war ein Scharfschütze, aber auch er vermied unnötige Gewalt. Diese „Gentleman-Räuber“-Mentalität – kombiniert mit ihrem mysteriösen Ende – machte sie zu Legenden.
Starben sie 1908 in Bolivien? Oder kehrten sie zurück und lebten unter falschen Namen bis ins hohe Alter? Die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ihre Geschichte bis heute fasziniert: Die Wild Bunch entkam nicht nur der Justiz – sie entkam auch der Geschichte selbst.
Letzte Bearbeitung am Sonntag, 4. Januar 2026 – 11:30 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.
