Calamity Jane

Calamity Jane: Zwischen Legende und Wahrheit – Das wilde Leben der Martha Jane Canary

Sie war Scoutin, Trinkerin, Geschichtenerzählerin und eine der berühmtesten Frauen des Wilden Westens – Calamity Jane. Ihr Leben war eine Mischung aus harter Realität und wilder Selbstmythologisierung. Martha Jane Canary (1852–1903) wurde zur Legende, noch während sie lebte. Doch wo hört die Wahrheit auf und wo beginnt die Legende?

Martha Jane Canary – Calamity Jane

Die legendärste Frau des Wilden Westens zwischen Wahrheit und Mythos

1852–1903 51 Jahre Leben voller Abenteuer
~1895 Jahr ihrer Autobiografie
14 Jahre alt bei ihrer ersten Westwanderung
1000+ Bücher, Filme & Shows über sie

Die Anfänge: Von Martha Jane Canary zu Calamity Jane

Martha Jane Canary wurde am 1. Mai 1852 in Princeton, Missouri, geboren – zumindest behauptete sie das. Wie bei vielen Details ihres Lebens ist die Wahrheit schwer zu fassen. Ihr Vater Robert Canary war ein Spieler und Gelegenheitsarbeiter, ihre Mutter Charlotte eine Prostituierte. Die Familie war arm, und Martha Jane wuchs in einem Umfeld auf, das von Instabilität und harten Bedingungen geprägt war.

1865, im Alter von etwa 13 Jahren, machte sich die Familie auf den Weg nach Westen. Sie schlossen sich einem Planwagenzug nach Virginia City, Montana, an – einem der gefährlichsten und abenteuerlichsten Wege der damaligen Zeit. Die Reise sollte Martha Janes Leben für immer verändern.

📜 Die Herkunft des Namens „Calamity Jane“

Wie Martha Jane zu ihrem berühmten Spitznamen kam, ist bis heute umstritten. Ihre eigene Version: Sie rettete einen Captain Egan während eines Indianerüberfalls 1872 und er nannte sie „Calamity Jane“ – die Unglücks-Jane. Historiker bezweifeln diese Geschichte. Wahrscheinlicher ist, dass der Name ihre Neigung zu Alkohol, Streit und Chaos beschrieb – sie war ein „Unglück“ für jeden, der ihr zu nahe kam.

1852

Geburt in Missouri

Martha Jane Canary wird in Princeton, Missouri, als ältestes von sechs Kindern geboren.

1865

Die Westwanderung beginnt

Die Familie Canary schließt sich einem Planwagenzug nach Montana an. Die Reise dauert fünf Monate.

1866

Tod der Mutter

Charlotte Canary stirbt in Blackfoot, Montana. Martha Jane ist 14 Jahre alt.

1867

Tod des Vaters

Auch Robert Canary stirbt. Martha Jane ist nun faktisch Waise und muss für ihre jüngeren Geschwister sorgen.

1870er

Leben als Scoutin und Fuhrfrau

Martha Jane arbeitet in verschiedenen Männerberufen – als Ochsentreiberin, Scoutin und Kurierin.

Das Leben als Scoutin, Trinkerin und Geschichtenerzählerin

Nach dem Tod ihrer Eltern musste Martha Jane sich durchschlagen. Sie kleidete sich wie ein Mann, rauchte, fluchte und trank wie die härtesten Cowboys. In einer Zeit, in der Frauen Korsetts trugen und Tee tranken, ritt Calamity Jane in Männerhosen durch die Prärie und spuckte Tabaksaft.

Sie behauptete später, für die US-Armee als Scoutin gearbeitet zu haben – unter General George Crook während der Indianerkriege der 1870er Jahre. Historische Belege dafür sind dünn, aber sie war definitiv in Militärlagern präsent, wenn auch eher als Wäscherin, Köchin oder Prostituierte.

🏜️

Ochsentreiberin

Martha Jane trieb Ochsenkarren durch die Wildnis – ein knochenharter Job, den normalerweise nur Männer machten.

🔫

Scoutin (angeblich)

Sie behauptete, für die Armee als Scoutin gearbeitet zu haben. Beweise? Keine. Aber sie konnte gut schießen und reiten.

🍺

Trinkerin

Whiskey war ihr ständiger Begleiter. Sie trank mit Cowboys, Soldaten und Goldgräbern – und überbot sie oft.

📖

Geschichtenerzählerin

Calamity Jane erfand ihre eigene Legende. Ihre Autobiografie von 1895 ist voller Übertreibungen und Erfindungen.

Calamity Jane und Wild Bill Hickok: Liebe oder Legende?

Die berühmteste Geschichte über Calamity Jane ist ihre angebliche Romanze mit Wild Bill Hickok, dem legendären Revolverhelden. Sie behauptete, sie seien verheiratet gewesen und hätten sogar eine Tochter zusammen gehabt. Die Wahrheit ist weit weniger romantisch.

🎩

Wild Bill Hickok

Revolverheld & Gesetzeshüter

📅 1837–1876: Lebte nur 39 Jahre
💀 Ermordet in Deadwood am 2. August 1876
🎰 Hielt beim Tod das berühmte „Dead Man’s Hand“ (Asse und Achten)
💍 War mit Agnes Thatcher Lake verheiratet – nicht mit Calamity Jane

❌ Der Mythos

  • Verheiratet: Calamity Jane behauptete, sie und Wild Bill seien heimlich verheiratet gewesen.
  • Gemeinsame Tochter: Sie behauptete, eine Tochter namens Jean zu haben, die aus dieser Ehe stammte.
  • Große Liebe: In Büchern und Filmen wurden die beiden als tragisches Liebespaar dargestellt.
  • Treue bis zum Tod: Sie wollte neben ihm begraben werden – und wurde es auch.

✅ Die Realität

  • Bekannte: Sie kannten sich, aber es gibt keine Beweise für eine Romanze.
  • Hickoks Witwe: Wild Bill heiratete Agnes Thatcher Lake im März 1876 – Monate vor seinem Tod.
  • Keine Liebesbriefe: Es existiert kein einziger Brief oder Beweis für eine romantische Beziehung.
  • Selbsterfundene Geschichte: Calamity Jane erfand die Romanze wahrscheinlich, um ihre Legende zu vergrößern.

🔍 Was Historiker wissen

Wild Bill Hickok und Calamity Jane waren beide im Sommer 1876 in Deadwood, South Dakota. Sie verkehrten in denselben Saloons. Aber Hickok war frisch verheiratet und beschrieb Calamity Jane in einem Brief an seine Frau als „eine Frau, die Männerkleidung trägt“. Nicht gerade die Worte eines verliebten Mannes. Dennoch bat Calamity Jane auf dem Sterbebett, neben ihm begraben zu werden – und ihr Wunsch wurde erfüllt.

Deadwood: Die Stadt, die ihre Legende formte

1876 war Deadwood, South Dakota, das Epizentrum des Goldrauschs in den Black Hills. Tausende strömten in die Stadt, darunter auch Calamity Jane. Hier, in diesem gesetzlosen Minencamp, wurde sie zur Legende.

Deadwood war eine Stadt ohne Regeln. Mord, Diebstahl und Prostitution waren an der Tagesordnung. Calamity Jane fühlte sich hier zu Hause. Sie trank in den Saloons, schlief in den Straßen und wurde zur lokalen Berühmtheit – halb bewundert, halb belächelt.

💉

Krankenpflegerin

Während einer Pocken-Epidemie 1878 pflegte sie freiwillig Kranke – eine ihrer wenigen dokumentierten guten Taten.

🎭

Showfrau

In den 1890ern tourte sie mit Wild-West-Shows und erzählte übertriebene Geschichten aus ihrem Leben.

📸

Touristenattraktion

Touristen zahlten dafür, mit der „echten Calamity Jane“ fotografiert zu werden – auch wenn sie betrunken war.

🏚️

Obdachlos

Trotz ihrer Berühmtheit starb sie verarmt. Sie lebte oft auf der Straße oder in billigen Pensionen.

Die Autobiografie: Wahrheit, Lüge und Selbstmythologisierung

1895 veröffentlichte Calamity Jane eine dünne Broschüre mit dem Titel „Life and Adventures of Calamity Jane, By Herself“. Auf gerade mal acht Seiten erzählte sie ihr Leben – oder besser gesagt: die Version, die sie der Welt verkaufen wollte.

⚠️ Die größten Erfindungen in ihrer Autobiografie

1. Die Rettung von Captain Egan: Sie behauptete, einen Offizier vor Indianern gerettet zu haben. Historiker fanden keine Beweise.
2. Arbeit als Scoutin für General Crook: Es gibt keine offiziellen Aufzeichnungen über ihre Anstellung.
3. Teilnahme an militärischen Expeditionen: Wahrscheinlich war sie als Wäscherin oder Köchin dabei – nicht als Scoutin.
4. Die Romanze mit Wild Bill Hickok: Erwähnt sie nicht einmal in ihrer Autobiografie – die Geschichte erfand sie erst später.

Warum log Calamity Jane so schamlos? Vermutlich, weil die Wahrheit – eine verarmte, alkoholkranke Frau, die gelegentlich als Prostituierte arbeitete – nicht verkaufbar war. Die Legende hingegen schon.

My maiden name was Marthy Cannary, was born in Princeton, Missouri, May 1st, 1852… I left Montana in the spring of 1876, and went to Deadwood, where I had many adventures.

— Calamity Jane, „Life and Adventures of Calamity Jane“ (1895)

Die letzten Jahre: Armut, Alkohol und Ausbeutung

In ihren letzten Lebensjahren war Calamity Jane ein tragisches Bild. Der Alkohol hatte ihren Körper zerstört, und sie war oft obdachlos. Promoter nutzten sie aus, stellten sie in Wild-West-Shows aus und kassierten ab, während sie betrunken auf der Bühne stand.

1901 trat sie bei der Pan-American Exposition in Buffalo, New York, auf – so betrunken, dass sie kaum noch sprechen konnte. Sie wurde gefeuert. Zurück in South Dakota lebte sie in Armut, bettelte um Geld und Alkohol.

1895–1902

Wild-West-Show-Karriere

Calamity Jane tourte mit verschiedenen Shows, darunter die „Palace Museum Show“. Oft war sie zu betrunken, um aufzutreten.

1. August 1903

Tod in Terry, South Dakota

Calamity Jane stirbt im Alter von 51 Jahren an den Folgen von Alkoholismus und Lungenentzündung.

4. August 1903

Beerdigung neben Wild Bill Hickok

Ihr letzter Wunsch wird erfüllt: Sie wird auf dem Mount Moriah Cemetery in Deadwood neben Wild Bill Hickok begraben.

Das Vermächtnis: Wie Calamity Jane zur Legende wurde

Calamity Jane starb verarmt und vergessen – aber ihr Mythos lebte weiter. Schon zu Lebzeiten wurde sie in Groschenromanen verewigt, und nach ihrem Tod explodierte die Legendenbildung.

Calamity Jane in der Popkultur

📚

Groschenromane

Ab den 1880ern erschienen Dutzende erfundene Abenteuergeschichten über sie.

🎬

Hollywood-Filme

Doris Day spielte sie 1953 in „Calamity Jane“ – als singende, tanzende Heldin.

📺

TV-Serien

Sie erschien in „Deadwood“ (2004–2006) und zahlreichen Western-Serien.

🎭

Theaterstücke

Ihr Leben wurde mehrfach auf die Bühne gebracht – meist stark romantisiert.

🎮

Videospiele

Sie taucht in Western-Games auf – als schießwütige Heldin.

🪦

Touristenattraktion

Ihr Grab in Deadwood ist bis heute ein beliebtes Pilgerziel.

🎭 Die Doris-Day-Verklärung

Der Film „Calamity Jane“ (1953) mit Doris Day ist vermutlich die bekannteste Darstellung – und die am weitesten von der Realität entfernte. Doris Day singt, tanzt und trägt makellose Wildlederkleidung. Die echte Calamity Jane war eine alkoholkranke, ungepflegte Frau, die in Lumpen herumlief. Aber Hollywood wollte keine Tragödie – es wollte ein Musical.

Fazit: Die Frau hinter der Legende

Calamity Jane war keine Heldin. Sie war keine Scoutin, keine Kriegerin und wahrscheinlich auch nicht die große Liebe von Wild Bill Hickok. Sie war eine Frau, die in extremer Armut aufwuchs, früh ihre Eltern verlor und sich in einer Männerwelt durchschlagen musste – oft mit Alkohol, Lügen und Selbsterfindung.

Aber genau das macht sie faszinierend. Martha Jane Canary weigerte sich, die Rolle zu spielen, die die Gesellschaft für Frauen vorgesehen hatte. Sie trug Hosen, ritt wie ein Mann, trank wie ein Cowboy und schuf ihre eigene Legende. In einer Zeit, in der Frauen unsichtbar sein sollten, machte sie sich lautstark bemerkbar.

Heute ist es schwer, die wahre Martha Jane von der Legende Calamity Jane zu trennen. Vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Denn die Legende ist Teil ihres Vermächtnisses – eine Geschichte, die sie selbst mitgeschrieben hat, mit jedem erfundenen Abenteuer, jedem übertriebenen Heldenakt, jeder selbstbewussten Lüge.

Am 4. August 1903 wurde sie neben Wild Bill Hickok begraben – ein letzter Akt der Selbstmythologisierung. Ob er sie geliebt hat oder nicht, spielt keine Rolle mehr. In der Legende sind sie für immer vereint – und das ist vielleicht die größte Geschichte, die Calamity Jane je erzählt hat.

Letzte Bearbeitung am Sonntag, 4. Januar 2026 – 9:49 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.

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