Cheyenne

Die Cheyenne – Krieger der Great Plains

Die Cheyenne gehören zu den bekanntesten und am meisten respektierten Indianerstämmen des Wilden Westens. Als nomadische Büffeljäger beherrschten sie die Great Plains und wurden zu gefürchteten Kriegern, die über Jahrzehnte hinweg gegen die Expansion der Weißen kämpften. Ihre Geschichte ist geprägt von Stolz, Tapferkeit und tragischen Verlusten – vom freien Leben in den endlosen Prärien bis zur erzwungenen Umsiedlung in Reservate.

Die Cheyenne Nation

Tsitsistas – Das Schöne Volk der Great Plains

10.000+ Stammesmitglieder zur Blütezeit
1700 Beginn der Prärie-Ära
2 Gruppen Nord- und Süd-Cheyenne
44 Friedenshäuptlinge im Rat

Ursprung und Bedeutung des Namens Cheyenne

Der Name Cheyenne stammt nicht von den Cheyenne selbst. Er ist eine französische Verballhornung des Sioux-Wortes „Šahíyena“ (Fremde Sprecher) oder „Šahíya“ (rote Sprecher). Die Cheyenne selbst nannten sich Tsitsistas – „Das Volk“ oder „Das Schöne Volk“ – ein Name, der ihr Selbstbewusstsein und ihre stolze Kultur widerspiegelt.

🗣️ Die Herkunft des Stammes

Die Cheyenne waren ursprünglich ein sesshaftes Volk im Gebiet der Großen Seen (heutiges Minnesota). Sie lebten in Erdhütten, betrieben Ackerbau und stellten Keramik her. Erst im 17. Jahrhundert – unter dem Druck der mit Feuerwaffen ausgerüsteten Ojibwa und Assiniboine – wanderten sie westwärts in die Great Plains. Dort vollzogen sie einen radikalen Wandel: Sie wurden nomadische Büffeljäger und Reiterkrieger.

Die zwei Divisionen der Cheyenne

Im Laufe des 19. Jahrhunderts teilten sich die Cheyenne in zwei geografisch und politisch getrennte Gruppen. Diese Spaltung war nicht das Ergebnis eines Konflikts, sondern eine pragmatische Anpassung an die Gegebenheiten der Great Plains.

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Nördliche Cheyenne

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📍 Gebiet: Montana, Wyoming, Powder River Country
🤝 Verbündete: Lakota Sioux, Arapaho
⚔️ Bekannt für: Battle of the Little Bighorn, Widerstand unter Dull Knife
🏛️ Heute: Northern Cheyenne Indian Reservation, Montana
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Südliche Cheyenne

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📍 Gebiet: Colorado, Kansas, Oklahoma, Texas Panhandle
🤝 Verbündete: Südliche Arapaho, Comanche, Kiowa
⚔️ Bekannt für: Sand Creek Massacre, Dog Soldiers
🏛️ Heute: Teil der Cheyenne and Arapaho Tribes, Oklahoma

Leben und Kultur der Cheyenne

Die Cheyenne entwickelten eine hochkomplexe und spirituell reiche Kultur, die perfekt an das Leben in den Great Plains angepasst war. Ihre Gesellschaft war streng organisiert und folgte klaren Regeln, die das Zusammenleben und Überleben sicherten.

Soziale Struktur und Führung

Die politische Organisation der Cheyenne war bemerkenswert demokratisch und ausgeglichen. Der Stamm wurde von einem Rat aus 44 Friedenshäuptlingen regiert – 40 ordentliche Häuptlinge plus vier übergeordnete Oberhäuptlinge. Diese wurden alle zehn Jahre neu gewählt und mussten Vorbilder an Weisheit, Großzügigkeit und Friedfertigkeit sein.

⚖️ Das Council of Forty-Four

Der Rat der 44 Häuptlinge war die höchste zivile Autorität der Cheyenne. Kriegshäuptlinge hatten keine Stimme in diesem Rat – Krieg und Frieden waren streng getrennte Bereiche. Ein Häuptling musste seine Wut kontrollieren können, durfte keine Rache suchen und sollte sein Vermögen großzügig mit dem Stamm teilen. Wer diese Ideale verletzte, konnte sein Amt verlieren.

Die Militärgesellschaften

Während die Häuptlinge für Frieden und Ordnung sorgten, waren die Militärgesellschaften für Verteidigung, Jagd und Kriegszüge zuständig. Jeder Cheyenne-Krieger gehörte einer dieser Gesellschaften an.

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Dog Soldiers

Die berühmteste und gefürchtetste Kriegergesellschaft. Sie lehnten Kompromisse mit den Weißen ab und kämpften bis zum bitteren Ende.

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Elk Soldiers

Elitekrieger, die für ihre Disziplin und Tapferkeit bekannt waren. Sie trugen Kopfschmuck aus Elchgeweih.

🦊

Fox Soldiers

Schnelle Späher und Kundschafter, die für ihre Gerissenheit und taktische Intelligenz geschätzt wurden.

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Bowstring Soldiers

Eine der ältesten Gesellschaften, bekannt für ihre Bogenschützen und ihre Rolle bei der Büffeljagd.

Spiritualität und heilige Gegenstände

Die Religion der Cheyenne war animistisch – sie glaubten, dass alle Dinge – Tiere, Pflanzen, Steine, Flüsse – eine Seele besitzen. Im Zentrum ihres spirituellen Lebens standen zwei heilige Gegenstände:

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Die heiligen Pfeile

Mahuts – vier heilige Pfeile, die dem Stamm vom Kulturheros Sweet Medicine gebracht wurden. Sie symbolisierten die Macht über Leben und Tod.

🎩

Der Büffelhut

Esevone – ein heiliger Büffelkopfschmuck, der dem Stamm von der Prophetin Erect Horns geschenkt wurde. Er garantierte erfolgreiche Büffeljagden.

Die wichtigsten Häuptlinge und Krieger

Die Geschichte der Cheyenne ist untrennbar mit den Namen großer Anführer verbunden, die ihr Volk durch die schwersten Zeiten führten.

🕊️

Black Kettle

Friedenshäuptling (ca. 1803–1868)

🎖️ Führer der südlichen Cheyenne, suchte stets Frieden mit den Weißen
⚔️ Überlebte das Sand Creek Massacre 1864, bei dem er verzweifelt eine weiße Friedensflagge schwenkte
💀 Wurde 1868 beim Washita-Massaker von George Armstrong Custer getötet – trotz Friedensbemühungen
🗡️

Roman Nose

Dog Soldier Krieger (ca. 1830–1868)

Über 1,90 m groß, galt als unverwundbar durch seinen magischen Kopfschmuck
🎯 Führte zahlreiche erfolgreiche Überfälle gegen US-Truppen und Siedler
💀 Starb 1868 in der Schlacht von Beecher Island, nachdem sein Schutzmedizin gebrochen wurde
🏔️

Dull Knife

Nördlicher Cheyenne (ca. 1810–1883)

🤝 Eigentlicher Name: Morning Star (Vooheheve), von den Weißen Dull Knife genannt
⚔️ Kämpfte bei Little Bighorn an der Seite von Crazy Horse und Sitting Bull
🏃 Führte 1878 den legendären „Cheyenne Outbreak“ – 1.500 km Flucht aus Oklahoma zurück nach Montana
🐕

Tall Bull

Dog Soldier Anführer (ca. 1830–1869)

🛡️ Einer der militantesten Gegner der weißen Expansion
⚔️ Führte die Dog Soldiers in zahlreichen Überfällen in Kansas und Colorado
💀 Starb 1869 in der Schlacht von Summit Springs – das Ende der Dog Soldiers

Chronologie: Die Cheyenne im Kampf um ihre Heimat

Die Geschichte der Cheyenne im 19. Jahrhundert ist eine Geschichte des zunehmenden Konflikts mit der weißen Expansion. Was als vereinzelte Zusammenstöße begann, eskalierte zu einem verzweifelten Überlebenskampf.

1851

Vertrag von Fort Laramie

Die Cheyenne unterzeichnen einen Friedensvertrag mit den USA. Sie erhalten ein großes Territorium zwischen North Platte und Arkansas River zugesichert. Der Frieden hält nicht lange.

1858–1859

Goldrausch in Colorado

Der Pike’s Peak Goldrausch bringt Zehntausende Siedler ins Cheyenne-Territorium. Die Büffelherden werden dezimiert, Jagdgründe zerstört. Die Spannungen steigen dramatisch.

1864

Sand Creek Massacre

Am 29. November 1864 überfällt Colonel John Chivington ein friedliches Cheyenne-Lager unter Black Kettle. 150–200 Menschen – hauptsächlich Frauen, Kinder und Alte – werden massakriert. Es ist einer der dunkelsten Tage in der Geschichte des Wilden Westens.

1868

Battle of Washita

George Armstrong Custer greift erneut Black Kettles Lager an – diesmal am Washita River in Oklahoma. Black Kettle und seine Frau werden getötet, während sie zu fliehen versuchen.

1876

Battle of the Little Bighorn

Nördliche Cheyenne unter Two Moons kämpfen an der Seite der Lakota gegen Custer. Es ist der größte Sieg der Plains-Indianer – aber auch der Anfang vom Ende.

1876–1877

Vernichtungsfeldzug

Nach Little Bighorn jagt die US-Armee die Cheyenne erbarmungslos. Dörfer werden niedergebrannt, Vorräte vernichtet. Im Winter 1876/77 greift Colonel Ranald Mackenzie Dull Knifes Lager an – 25 Cheyenne sterben, 11 Babys erfrieren.

1878

Der Cheyenne Outbreak

Dull Knife und Little Wolf führen 297 Cheyenne aus dem Elend der Oklahoma-Reservation zurück nach Montana – 1.500 km durch feindliches Territorium. Eine der größten Fluchtaktionen der Indianerkriege.

1879

Fort Robinson Tragedy

Dull Knifes Gruppe wird in Fort Robinson gefangen gehalten. Als sie sich weigern, nach Oklahoma zurückzukehren, werden ihnen Nahrung, Wasser und Heizung entzogen – mitten im Winter. 64 Menschen fliehen verzweifelt; die meisten werden getötet.

1884

Northern Cheyenne Reservation

Nach Jahren des Leidens wird den nördlichen Cheyenne endlich erlaubt, in Montana zu bleiben. Eine eigene Reservation wird geschaffen – ein kleiner Sieg nach so viel Verlust.

Die Massaker: Sand Creek und Washita

Zwei Ereignisse prägen das kollektive Gedächtnis der Cheyenne mehr als alle anderen: die Massaker von Sand Creek und Washita. Beide Male wurden friedliche Lager angegriffen, beide Male gab es kaum militärischen Widerstand – und beide Male war Black Kettle das Opfer.

☠️ Sand Creek Massacre – 29. November 1864

Am frühen Morgen des 29. November 1864 griff Colonel John Chivington mit 675 Soldaten der Colorado-Miliz ein Cheyenne-Lager am Sand Creek an. Black Kettle hisste verzweifelt eine amerikanische Flagge und eine weiße Friedensflagge – doch die Soldaten ignorierten sie.

Was folgte, war kein Kampf, sondern ein Gemetzel. 150 bis 200 Cheyenne wurden getötet – zwei Drittel davon Frauen und Kinder. Soldaten skalpiertenLeichen, schnitten Genitalien ab und nahmen sie als Trophäen mit. Schwangere Frauen wurden aufgeschlitzt, Babys erschlagen.

Chivington rechtfertigte das Massaker mit den Worten: „Nissen machen Läuse“ – gemeint waren indianische Kinder. In Denver wurden die mitgebrachten Skalps in einem Theater ausgestellt. Später wurde Chivington offiziell verurteilt – aber nie bestraft.

Ich sah die Leichen dieser ermordeten Frauen und Kinder, wie sie dort lagen – die meisten von ihnen skalpiert, einige mit abgeschnittenen Ohren, anderen waren die Genitalien abgeschnitten worden… Schlimmer als jede Indianergräueltat, die ich je gesehen habe.

— Captain Silas Soule, US-Kavallerie, Augenzeuge von Sand Creek

Die wichtigsten Schlachten der Cheyenne

Die Cheyenne waren gefürchtete Krieger. In zahlreichen Gefechten stellten sie ihre taktische Brillanz unter Beweis – doch am Ende war die materielle Überlegenheit der US-Armee erdrückend.

⚔️

Fetterman Fight

21. Dezember 1866

Cheyenne und Lakota locken Captain William Fetterman in einen Hinterhalt. Alle 81 Soldaten werden getötet – die schlimmste Niederlage der US-Armee bis zu diesem Zeitpunkt.

🦬

Battle of Beecher Island

17.–25. September 1868

Dog Soldiers unter Roman Nose belagern eine Gruppe von Scouts. Roman Nose stirbt im Kampf – ein schwerer Schlag für den Widerstand.

🏞️

Battle of Summit Springs

11. Juli 1869

Tall Bull und die Dog Soldiers werden von der 5. Kavallerie überrascht und vernichtet. Es ist das Ende der militanten Dog Soldier-Bewegung.

Battle of Little Bighorn

25.–26. Juni 1876

Nördliche Cheyenne unter Two Moons kämpfen mit Sitting Bull und Crazy Horse. Custers gesamtes Regiment wird vernichtet – 268 Soldaten tot.

Leben in den Reservationen

Nach der militärischen Niederlage wurden die Cheyenne in Reservationen gezwungen – ein Leben, das ihrer nomadischen Kultur völlig widersprach. Die Bedingungen waren katastrophal.

⚠️ Die Realität der Reservationen

Hunger: Versprochene Rationen kamen selten oder gar nicht an. Korrupte Agenten verkauften Lebensmittel auf dem Schwarzmarkt.
Krankheiten: Malaria, Typhus und Tuberkulose grassierten. Ohne Büffel fehlte die Hauptnahrungsquelle.
Kultureller Genozid: Kinder wurden in Internatsschulen gezwungen, ihre Sprache und Religion aufzugeben.
Sterberate: In Oklahoma starben in den ersten Jahren bis zu 40% der umgesiedelten Cheyenne.

Die Cheyenne heute

Die Cheyenne haben überlebt – gegen alle Widrigkeiten. Heute gibt es zwei offiziell anerkannte Stämme mit zusammen über 20.000 Mitgliedern.

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Northern Cheyenne Tribe

Etwa 5.000 Mitglieder auf der Northern Cheyenne Indian Reservation in Montana – 1.800 km² Land, das sie 1884 erkämpften.

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Cheyenne and Arapaho Tribes

Über 12.000 eingeschriebene Mitglieder in Oklahoma. Beide Stämme teilen sich Verwaltung und Territorium.

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Spracherhalt

Die Cheyenne-Sprache wird aktiv wiederbelebt. Immersionsprogramme in Schulen sollen sie für zukünftige Generationen bewahren.

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Kulturelle Renaissance

Traditionelle Zeremonien wie der Sun Dance werden wieder öffentlich praktiziert. Kunsthandwerk und Powwows blühen.

Fazit: Das Erbe der Cheyenne

Die Geschichte der Cheyenne ist eine Geschichte von Anpassung, Widerstand und Überleben. Von sesshaften Ackerbauern wurden sie zu den vielleicht besten Reitern und Kriegern der Great Plains. Sie entwickelten eine komplexe Gesellschaft mit demokratischen Strukturen, die ihrer Zeit weit voraus waren.

Doch ihr Weg war auch geprägt von unsäglichem Leid. Die Massaker von Sand Creek und Washita, die Vernichtung der Büffelherden, die erzwungene Umsiedlung in lebensfeindliche Reservationen – all das hätte das Ende bedeuten können. Dass die Cheyenne heute noch existieren, ihre Sprache wiederbeleben und ihre Kultur pflegen, ist ein Zeugnis unglaublicher Resilienz.

Die Cheyenne kämpften nicht nur für Land – sie kämpften für ihre Lebensweise, für ihre Freiheit, für das Recht, „Das Schöne Volk“ zu sein. Ihr Vermächtnis lebt weiter – in den Geschichten, die erzählt werden, in den Zeremonien, die praktiziert werden, und in der Würde, mit der sie ihre Identität bewahren.

Letzte Bearbeitung am Sonntag, 4. Januar 2026 – 10:14 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.

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