Buffalo Bill – Die lebende Legende des Wilden Westens
William Frederick „Buffalo Bill“ Cody war der berühmteste Showman des 19. Jahrhunderts und verwandelte den Wilden Westen in ein globales Spektakel. Als Scout, Büffeljäger, Indianerkämpfer und später als Gründer von „Buffalo Bill’s Wild West“ wurde er zur lebenden Legende – ein Mann, der die Grenze zwischen Realität und Mythos meisterhaft verwischte und das Bild des amerikanischen Westens für Generationen prägte.
William F. „Buffalo Bill“ Cody
Der Mann, der den Wilden Westen zur Weltshow machte
Die Anfänge: Vom Farmerjungen zur Frontier-Legende
William Frederick Cody wurde am 26. Februar 1846 in Le Claire, Iowa, geboren – in eine Zeit, als der amerikanische Westen noch eine ungezähmte Wildnis war. Seine Kindheit war geprägt von Gewalt, Armut und dem frühen Tod seines Vaters 1857, der als Gegner der Sklaverei in Kansas ermordet wurde.
Mit nur elf Jahren musste der junge Buffalo Bill die Familie ernähren. Er arbeitete als Viehtreiber, Kurier für eine Frachtgesellschaft und später als Pony-Express-Reiter. Diese Jahre formten ihn zum Meisterreiter und Überlebenskünstler – Fähigkeiten, die sein gesamtes Leben prägen sollten.
📜 Der Name „Buffalo Bill“
Woher kam der legendäre Spitzname? Die Geschichte ist umstritten, aber die populärste Version besagt: 1867–1868 wurde Cody von der Kansas Pacific Railroad angeheuert, um Büffelfleisch für die Eisenbahnarbeiter zu liefern. In nur 18 Monaten erlegte er angeblich 4.280 Büffel.
Ein Wettbewerb mit dem Jäger William Comstock – ebenfalls „Buffalo Bill“ genannt – sollte klären, wer den Titel verdiente. Cody gewann mit 69 erlegten Büffeln gegen Comstocks 48. Von da an war er der Buffalo Bill.
Buffalo Bill als Army Scout: Die Indianerkriege
Zwischen 1868 und 1876 diente Buffalo Bill als ziviler Scout für die US Army während der Indianerkriege. Seine Kenntnisse der Plains, seine Fähigkeiten als Tracker und seine Furchtlosigkeit machten ihn zu einem der wertvollsten Scouts der Armee.
Scout unter General Philip Sheridan
Cody führte Truppen durch feindliches Territorium, spürte indianische Kriegsparteien auf und rettete mehrfach Soldaten vor Hinterhalten. Sheridan nannte ihn „den besten Scout, den ich je gesehen habe“.
Das „Duell“ mit Yellow Hair
Nur 18 Tage nach der Schlacht am Little Bighorn tötete Cody den Cheyenne-Krieger Yellow Hair (oft fälschlich „Yellow Hand“ genannt) im Nahkampf. Er nahm dessen Skalp und rief: „Der erste Skalp für Custer!“ – ein Moment, den er später unzählige Male auf der Bühne nachstellte.
Medal of Honor
Cody erhielt die Medal of Honor für seine Tapferkeit als Scout. 1917 wurde sie ihm posthum aberkannt (zusammen mit 910 anderen zivilen Empfängern), aber 1989 wieder zuerkannt – ein Beweis für die anhaltende Kontroverse um seine Person.
Vom Helden zum Showstar: Die Geburt einer Legende
Während Buffalo Bill noch als Scout diente, begann seine Verwandlung zur Medienfigur. Der Schriftsteller Ned Buntline (Edward Judson) traf Cody 1869 und erkannte sofort sein Potenzial. Er schrieb Groschenromane über „Buffalo Bill“ – fantastische, übertriebene Geschichten, die nur wenig mit der Realität zu tun hatten.
📚 Die Macht der Dime Novels
Zwischen 1869 und 1900 erschienen über 1.700 Buffalo-Bill-Romane – mehr als über jede andere Figur des Wilden Westens. Diese Geschichten verkauften sich millionenfach und machten Cody zum bekanntesten lebenden Amerikaner seiner Zeit.
Die Ironie: Während die realen Indianerkriege noch tobten, saß Amerika zu Hause und las fiktive Abenteuer über Buffalo Bill, der Indianer besiegte, Siedler rettete und Banditen jagte.
1872 überredete Buntline Cody, in einem Theaterstück mitzuwirken: „The Scouts of the Prairie“. Cody hatte keine Schauspielererfahrung, vergaß ständig seinen Text und improvisierte wild – aber das Publikum liebte ihn. Seine authentische Präsenz überwältigte jede schauspielerische Unzulänglichkeit.
Buffalo Bill’s Wild West: Die Show, die die Welt veränderte
1883 gründete Buffalo Bill seine eigene Show: „Buffalo Bill’s Wild West“ (bewusst nicht „Show“ genannt – es sollte authentisch wirken). Dies war keine gewöhnliche Zirkusvorstellung, sondern ein gigantisches Spektakel, das den Westen zum Leben erweckte.
Sharpshooting
Annie Oakley schoss brennende Zigaretten aus dem Mund ihres Mannes, zerschmetterte Glaskugeln im Flug und traf Ziele über die Schulter mit einem Spiegel.
Reiter galoppierten durch die Arena, sprangen von Pferd zu Pferd und stellten die legendären Eilpost-Ritte nach.
Postkutschenüberfall
Indianer (echte Lakota und Cheyenne) griffen eine Postkutsche an, Buffalo Bill rettete die Passagiere in letzter Sekunde.
Schlacht am Little Bighorn
Die berühmteste Schlacht des Westens wurde mit 100 Darstellern nachgestellt – inklusive echter Veteranen auf beiden Seiten.
Büffeljagd
Echte Büffel wurden durch die Arena getrieben, während Buffalo Bill vom Pferd aus auf sie „schoss“ (mit Platzpatronen).
Die Stars der Wild West Show
Annie Oakley
„Little Sure Shot“
Die größte Scharfschützin der Geschichte. Mit 1,50 m Körpergröße war sie klein, aber tödlich genau. Sitting Bull gab ihr den Spitznamen „Watanya Cicilia“ (Little Sure Shot).
16 Jahre bei der Show (1885–1901). Sie war der bestbezahlte Performer nach Buffalo Bill selbst und der einzige Star, der Cody an Popularität übertraf.
Verdiente bis zu $1.000 pro Woche – ein Vermögen in den 1890ern, als ein durchschnittlicher Arbeiter $10–15 pro Woche verdiente.
Sitting Bull
Lakota-Häuptling
Der Mann, der Custer besiegte. Nur neun Jahre nach der Schlacht am Little Bighorn trat er in Buffalo Bills Show auf – eine unglaubliche historische Ironie.
Vier Monate bei der Show (1885). Er ritt lediglich durch die Arena – das Publikum jubelte, weil sie den „Mörder von Custer“ sahen. Sitting Bull hasste es.
Freundschaft mit Cody. Trotz ihrer Geschichte auf gegnerischen Seiten entwickelten die beiden eine unwahrscheinliche Freundschaft. Sitting Bull nannte Cody „Pahaska“ (Langes Haar).
Die Europa-Tourneen: Buffalo Bill erobert die Alte Welt
1887 brachte Buffalo Bill seine Show nach Europa – und löste eine beispiellose „Western-Manie“ aus. Die Tournee begann in London zur Feier des Goldenen Jubiläums von Königin Victoria.
Königin Victoria
Die Königin, die seit dem Tod ihres Mannes 1861 keine öffentlichen Veranstaltungen besuchte, kam zur Show – ihr erstes Theaterbesuch in 26 Jahren.
Kaiser Wilhelm II.
Der deutsche Kaiser war so begeistert, dass er Buffalo Bill bat, ihm das Schießen beizubringen. Cody ließ ihn vom Pferd aus auf Glaskugeln schießen.
Paris 1889
Während der Weltausstellung sahen 2,5 Millionen Menschen die Show – darunter Thomas Edison, der Cody mit seiner neuen Erfindung filmte: dem Kinetoskop.
Papst Leo XIII.
Der Papst empfing Buffalo Bill im Vatikan und segnete ihn – ein ungewöhnlicher Anblick: Ein Frontiersman, der vor dem Heiligen Vater kniete.
Ich bin ein alter Mann geworden und habe viele Krieger in vielen Ländern getroffen. Aber ich habe nie einen gesehen, der so geschickt mit Waffen war und so ruhig im Angesicht der Gefahr wie Buffalo Bill.
— Sitting Bull über William F. Cody
Mythos vs. Realität: Was war wahr an Buffalo Bill?
Wie bei allen Legenden des Wilden Westens ist es schwer, Fakt von Fiktion zu trennen. Buffalo Bill selbst trug massiv zur Mythologisierung seiner Person bei – aber vieles war tatsächlich wahr.
🎭 Mythos
- Erlegte 4.280 Büffel in 18 Monaten (wahrscheinlich übertrieben, aber er war definitiv ein produktiver Jäger)
- Kämpfte in 16 Indianerschlachten (die genaue Zahl ist unklar)
- Ritt für den Pony Express mit 14 Jahren (möglich, aber nicht dokumentiert)
- Rettete unzählige Siedler vor Indianerangriffen (dramatisiert in Dime Novels)
✅ Realität
- War tatsächlich Army Scout und erhielt die Medal of Honor
- Tötete Yellow Hair 1876 im Nahkampf (gut dokumentiert)
- Gründete eine der erfolgreichsten Shows der Geschichte
- Setzte sich für faire Behandlung der Indianer ein (zahlte ihnen faire Löhne)
- Unterstützte das Frauenwahlrecht öffentlich
Buffalo Bill als Unternehmer und Visionär
Hinter dem Showman steckte ein scharfsinniger Geschäftsmann. Buffalo Bill verstand Marketing besser als die meisten seiner Zeitgenossen und nutzte neue Technologien geschickt:
Fotografien & Poster
Tausende von Werbeplakaten überschwemmten jede Stadt vor der Show. Codys Gesicht war eines der meistfotografierten der Welt.
Frühe Filme
1894 wurde Cody von Edison gefilmt – einer der frühesten Films überhaupt. 1913 produzierte er einen Spielfilm über die Indianerkriege.
Pressearbeit
Cody hatte ein Händchen für PR. Jede Show wurde von Pressekonferenzen, Interviews und spektakulären Stunts begleitet.
Logistik-Genie
Die Show reiste mit 500 Menschen, 500 Pferden und Tonnen von Ausrüstung – eine logistische Meisterleistung im 19. Jahrhundert.
Der Niedergang: Schulden und das Ende einer Ära
Trotz seines enormen Erfolgs war Buffalo Bill kein guter Finanzverwalter. Er gab Geld aus, so schnell er es verdiente – für gescheiterte Geschäftsvorhaben, zweifelhafte Investitionen und einen verschwenderischen Lebensstil.
Finanzielle Probleme
Die Show kämpfte mit sinkenden Besucherzahlen. Kino und andere Unterhaltungsformen wurden populärer. Cody musste sich mit anderen Shows zusammenschließen.
Bankrott
Nach 30 Jahren musste Buffalo Bill Konkurs anmelden. Seine Show wurde versteigert. Der 67-jährige Cody musste sich Geld leihen, um über die Runden zu kommen.
Die letzten Jahre
Cody trat in kleineren Shows auf, oft als Nebenattraktion. Der einst stolze Showman war zu einer Kuriosität geworden – ein lebender Relikt einer vergangenen Ära.
Tod in Denver
Buffalo Bill starb im Alter von 70 Jahren bei seiner Schwester in Denver, Colorado. Zehntausende kamen zur Beerdigung. Er wurde auf dem Lookout Mountain begraben – mit Blick auf die Berge, die er so liebte.
Das Vermächtnis: Wie Buffalo Bill den Westen erfand
Buffalo Bill tat mehr als jeder andere, um das Bild des „Wilden Westens“ zu schaffen, das wir heute kennen. Seine Show definierte Cowboys, Indianer, Sheriffs und Outlaws für Generationen – und beeinflusst die Popkultur bis heute.
Hollywood-Western
Fast jeder Western-Film basiert auf Motiven, die Buffalo Bill popularisierte: Postkutschenüberfälle, Schießereien, heldenhafte Scouts.
Rodeo-Sport
Die Wild West Show gilt als Geburtsort des modernen Rodeos. Bronc Riding und Bull Riding wurden dort erfunden.
Cowboy-Kultur
Der ikonische Look – Stetson-Hut, Stiefel, Bandana – wurde durch Codys Show weltweit bekannt.
Museen & Tourismus
Das Buffalo Bill Center of the West in Cody, Wyoming, ist eines der größten Western-Museen der Welt.
Literatur
Von Karl May bis Larry McMurtry – die Western-Literatur ist ohne Buffalo Bills Einfluss undenkbar.
Globale Ikone
Cody machte den amerikanischen Westen zum internationalen Phänomen – von Europa bis Japan.
Fazit: Der Mann, der zur Legende wurde
Buffalo Bill war ein Mann der Widersprüche: Ein Indianerkämpfer, der Indianer fair behandelte und bezahlte. Ein Showman, der Mythen erschuf, aber auf echten Erfahrungen aufbaute. Ein Geschäftsmann, der Millionen verdiente und verlor. Ein Held für Millionen, der in Armut starb.
Was bleibt, ist eine Legende, die größer ist als die Person selbst. William F. Cody nahm die raue Realität des Westens und verwandelte sie in ein Spektakel, das die Welt verzauberte. Er erfand nicht den Wilden Westen – aber er zeigte ihn der Welt und prägte damit unser Bild einer Ära für immer.
Ob man ihn als Helden, Showman oder Mythenmacher sieht – Buffalo Bill bleibt eine der faszinierendsten Figuren der amerikanischen Geschichte. Seine Show mag verschwunden sein, aber seine Legende lebt weiter – in jedem Western-Film, jedem Rodeo und jeder Geschichte über den Wilden Westen.
Letzte Bearbeitung am Sonntag, 4. Januar 2026 – 10:36 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.
