General Custer

General Custer: Der umstrittenste Offizier des Wilden Westens

George Armstrong Custer – kaum ein Name polarisiert in der Geschichte des Wilden Westens mehr. Für die einen war er ein mutiger Kavallerieoffizier, für die anderen ein rücksichtsloser Selbstdarsteller. Seine letzte Schlacht am Little Bighorn River im Jahr 1876 machte ihn zur Legende – und besiegelte sein Schicksal. General Custer wurde nur 36 Jahre alt, doch sein Tod und sein Leben werfen bis heute Fragen auf über Heldentum, Wahnsinn und die brutale Realität der Indianerkriege.

George Armstrong Custer

Vom jüngsten General zum Symbol von „Custer’s Last Stand“

36 Lebensjahre (1839–1876)
23 Jahre alt als General
268 Gefallene am Little Bighorn
25. Juni 1876 – Battle of Little Bighorn

Die frühen Jahre: Vom Klassenclown zum Kriegshelden

George Armstrong Custer wurde am 5. Dezember 1839 in New Rumley, Ohio, geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf – sein Vater war Schmied und Farmer. Schon früh zeigte sich Custers widersprüchlicher Charakter: intelligent, aber undiszipliniert; mutig, aber rücksichtslos.

1857 erhielt er einen Platz an der renommierten United States Military Academy in West Point. Seine akademische Leistung war katastrophal – er schloss 1861 als Letzter seiner Klasse ab (34. von 34 Kadetten). Seine Akte war voll mit Disziplinarverfahren: Zuspätkommen, unerlaubtes Verlassen der Kaserne, Schlägereien. Fast wäre er relegiert worden.

📚 Custers West Point-Bilanz

Custer sammelte während seiner Zeit in West Point 726 Strafpunkte – einer der schlechtesten Rekorde in der Geschichte der Akademie. Ein Kadett wurde ab 200 Punkten normalerweise entlassen. Nur der Ausbruch des Bürgerkriegs rettete seine Karriere – die Armee brauchte dringend Offiziere.

George Armstrong Custer

Brevet Major General der Union Army

📅 Geboren: 5. Dezember 1839 in New Rumley, Ohio
⚔️ Dienstgrad: Lieutenant Colonel (tatsächlich), Brevet Major General (Ehrentitel)
💍 Ehefrau: Elizabeth „Libbie“ Bacon (verheiratet 1864)
🎖️ Berühmte Schlacht: Battle of Little Bighorn, 25. Juni 1876
💀 Gestorben: 25. Juni 1876 in Montana Territory, 36 Jahre alt
🏇 Einheit: 7th U.S. Cavalry Regiment

Bürgerkrieg: Der Aufstieg zum „Boy General“

Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865) verwandelte den mittelmäßigen Kadetten in einen der berühmtesten Kavallerieoffiziere der Union. General Custer zeigte genau die Eigenschaften, die ihn später töten sollten: rücksichtslosen Mut, aggressive Taktiken und eine Vorliebe für spektakuläre Angriffe.

Juli 1861

Erste Schlacht bei Bull Run

Custers erster Kampfeinsatz. Die Union wird vernichtend geschlagen, aber Custer fällt durch seine Tapferkeit auf.

Juni 1863

Beförderung zum Brigadier General

Mit nur 23 Jahren wird Custer zum jüngsten General der US Army. Er übernimmt das Kommando der Michigan Cavalry Brigade.

Juli 1863

Schlacht von Gettysburg

Custers Kavallerie stoppt den berühmten Angriff von General Jeb Stuart. Sein Schlachtruf: „Come on, you Wolverines!“

Oktober 1864

Schlacht von Cedar Creek

Custer wendet eine drohende Niederlage in einen Sieg. Seine aggressive Verfolgung der Konföderierten wird legendär.

April 1865

Appomattox – Das Ende

Custers Kavallerie blockiert General Lees Fluchtweg. Lee kapituliert. Custer erhält den Tisch, auf dem die Kapitulation unterschrieben wurde.

Custers Markenzeichen im Bürgerkrieg

Während des Bürgerkriegs entwickelte Custer einen unverwechselbaren Stil, der ihn zur lebenden Legende machte:

🎩

Die Uniform

Schwarze Samt-Uniform mit goldenen Verzierungen, roter Krawatte und breitkrempigem Hut – er wollte gesehen werden.

💇

Die Haare

Lange blonde Locken, mit Zimtöl parfümiert. Soldaten nannten ihn „Ringlets“ (Locken) oder „Yellow Hair“.

Die Taktik

Frontalangriffe im Galopp, oft persönlich an der Spitze. „Custer’s Luck“ wurde sprichwörtlich – er hatte elf Pferde unter sich erschossen.

📣

Die Publicity

Custer kultivierte bewusst sein Image. Er schrieb Artikel für Zeitungen und posierte gerne für Fotografen.

🎖️ Custers militärische Bilanz im Bürgerkrieg

Schlachten: Über 50 größere Gefechte | Verwundungen: Nie schwer verwundet | Pferde: 11 unter ihm getötet | Höchster Rang: Brevet Major General (Ehrentitel) | Tatsächlicher Rang bei Kriegsende: Captain (reguläre Armee)

Die Nachkriegszeit: Vom Helden zum Problemfall

Nach dem Ende des Bürgerkriegs 1865 stand General Custer vor einem Problem: Die Armee wurde drastisch verkleinert. Sein Brevet-Rang als Major General war nur ein Ehrentitel – sein tatsächlicher Rang war Captain. 1866 wurde er zum Lieutenant Colonel des neu aufgestellten 7th U.S. Cavalry Regiment ernannt.

Die Friedensarmee passte nicht zu Custer. Er war an Ruhm und Aktion gewöhnt – jetzt sollte er Routinepatrouillen reiten. Seine Disziplinprobleme kehrten zurück.

⚖️ Kriegsgericht 1867

Im November 1867 wurde Custer vor ein Kriegsgericht gestellt. Die Anklagepunkte:
1. Unerlaubtes Verlassen seines Kommandos
2. Überanstrengung von Pferden und Männern auf einem Gewaltmarsch
3. Erschießung von Deserteuren ohne Gerichtsverfahren
4. Verweigerung medizinischer Versorgung für verwundete Soldaten

Urteil: Ein Jahr Suspendierung ohne Sold. Er wurde nach 10 Monaten vorzeitig wieder eingesetzt.

Die Indianerkriege: Custer in den Plains

Ab 1868 wurde Custer zum zentralen Akteur in den Indianerkriegen der Plains. Hier zeigte sich die dunkelste Seite seines Charakters. Die gleiche Rücksichtslosigkeit, die im Bürgerkrieg Siege brachte, führte nun zu Massakern.

Das Massaker am Washita River (1868)

Am 27. November 1868 griff Custer ein Cheyenne-Winterlager am Washita River in Oklahoma an. Es war sein erster großer „Sieg“ gegen die Plains-Indianer – und einer der umstrittensten.

Das Washita-Massaker

Im Morgengrauen attackierte das 7th Cavalry das schlafende Dorf von Chief Black Kettle. Die Militärkapelle spielte „Garryowen“, Custers Lieblingsmarsch, während die Soldaten ins Lager stürmten.

Getötet: 103 Cheyenne (davon etwa 20 Krieger, der Rest Frauen, Kinder und Alte)
US-Verluste: 21 Tote (darunter Major Joel Elliott und 18 Mann, die Custer im Stich ließ)
Zerstört: 51 Lodges, 875 Ponys erschossen, Wintervorräte verbrannt

Chief Black Kettle – ein bekannter Friedensbefürworter – wurde mit seiner Frau beim Fluchtversuch erschossen. Vier Jahre zuvor hatte er das Sand-Creek-Massaker überlebt.

Das Washita-Massaker machte Custer zum Helden in den Augen der weißen Öffentlichkeit – und zum verhassten Feind der Plains-Indianer. Die Cheyenne nannten ihn „Hi-es-tzie“ (Long Hair) und schworen Rache.

Der Weg nach Little Bighorn

Die Jahre 1874–1876 waren entscheidend für Custers Schicksal. Eine Kombination aus persönlichem Ehrgeiz, politischen Intrigen und militärischer Fehleinschätzung führte zur Katastrophe.

1874

Black Hills Expedition

Custer führt eine Expedition in die Black Hills von South Dakota – heiliges Land der Lakota. Seine Geologen finden Gold. Der Goldrausch beginnt – und bricht den Fort Laramie-Vertrag.

März 1876

Skandal in Washington

Custer sagt vor dem Kongress gegen Präsident Grants Bruder aus (Korruption in Indianer-Agenturen). Grant ist wütend und verbietet Custer die Teilnahme an der geplanten Kampagne.

Mai 1876

Custer fleht um Wiederaufnahme

Custer reist nach Washington und bettelt Grant um Vergebung an. Grant gibt nach – aber Custer wird nicht Oberbefehlshaber, sondern nur Kommandeur des 7th Cavalry unter General Terry.

Juni 1876

Die Kampagne beginnt

Drei Armeekolonnen sollen die „feindlichen“ Lakota und Cheyenne einkesseln. Custer will unbedingt der Erste sein, der sie findet – er braucht einen Sieg für seine Karriere.

Ich könnte mit dem 7th Cavalry die gesamte Sioux-Nation ausschalten.

— George A. Custer, vor der Little Bighorn-Kampagne, Mai 1876

Die Schlacht am Little Bighorn – „Custer’s Last Stand“

Am 25. Juni 1876 fand General Custer das größte Indianerlager, das je auf den Plains zusammengekommen war. Was er nicht wusste: Er hatte nicht 800 Krieger gefunden, wie er annahm, sondern mindestens 2.000 – vielleicht sogar 3.000.

Die Ereignisse des 25. Juni 1876

Custers Entscheidungen an diesem Tag waren fatal:

Ablehnung von Verstärkung

Custer lehnte zusätzliche Kavallerie und Gatling-Geschütze ab – sie würden ihn „verlangsamen“.

🚫

Ablehnung von Aufklärung

Scouts warnten ihn, das Lager sei riesig. Custer ignorierte sie: „Ich habe genug Männer, um jeden Indianer in den Plains zu besiegen.“

✂️

Teilung der Truppen

Custer teilte das 7th Cavalry in drei Gruppen – 210 Mann unter seinem direkten Kommando, der Rest getrennt unter Reno und Benteen.

Sofortiger Angriff

Obwohl Männer und Pferde erschöpft waren, befahl Custer den sofortigen Angriff – ohne auf Verstärkung zu warten.

Kräfteverhältnis am Little Bighorn

🇺🇸 7th U.S. Cavalry

Gesamtstärke: ~700 Mann
Unter Custer direkt: 210 Mann
Unter Major Reno: ~140 Mann
Unter Captain Benteen: ~125 Mann
Bewaffnung: Springfield-Karabiner
Verluste: 268 Tote, 55 Verwundete

🪶 Lakota, Cheyenne & Arapaho

Krieger geschätzt: 2.000–3.000
Anführer: Crazy Horse, Gall, Two Moon
Spiritueller Führer: Sitting Bull
Bewaffnung: Mix: Bögen, Gewehre, Lanzen
Verluste: 40–100 (umstritten)

Custers letzter Kampf

Was genau in Custers letzten Minuten geschah, weiß niemand – alle 210 Soldaten unter seinem direkten Kommando starben. Basierend auf archäologischen Funden und Aussagen von Indianern rekonstruieren Historiker folgendes Szenario:

Die letzten 45 Minuten

15:00 Uhr: Custer erreicht einen Hügelkamm über dem Little Bighorn. Er sieht das riesige Lager – über 1.000 Tipis. Zu spät erkennt er seinen Fehler.

15:15 Uhr: Hunderte Krieger unter Crazy Horse und Gall überfluten Custers Position. Die Soldaten versuchen, eine Verteidigungslinie zu bilden.

15:30 Uhr: Die Pferde brechen aus und rennen davon. Die Soldaten sind zu Fuß – in der offenen Prärie gegen berittene Krieger.

15:45 Uhr: Der Widerstand bricht zusammen. Kleine Gruppen kämpfen isoliert weiter. Custer und etwa 40 Mann machen ihren letzten Stand auf einem Hügel.

16:00 Uhr: Es ist vorbei. Kein Soldat von Custers Gruppe überlebt. Die Leichen werden verstümmelt – eine übliche Praxis der Plains-Indianer.

🔍 Custers Leiche

Custers Körper wurde zwei Tage später gefunden. Er hatte zwei Schusswunden – eine in der linken Brust, eine in der linken Schläfe. Im Gegensatz zu den meisten anderen Leichen wurde er nicht skalpiert (seine Haare waren kurz geschnitten) und nicht verstümmelt. Einige Historiker glauben, die Indianer erkannten ihn nicht – andere, dass Cheyenne-Frauen, die ihn kannten, seinen Körper schützten.

Die Folgen: Mythos und Realität

Die Nachricht von Custers Tod erreichte die Ostküste am 4. Juli 1876 – genau am 100. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Die Nation war schockiert. Zeitungen sprachen von „Massaker“, „Hinterhalt“ und „Martyrium“.

❌ Der Mythos

Custer der Held: Ein tapferer Offizier, der bis zum letzten Mann kämpfte.

Hinterhalt: Die Indianer lockten Custer in eine Falle.

Übermacht: Custer hatte keine Chance gegen 10.000 Krieger.

Last Stand: Custer und seine Männer starben in heroischer Formation.

✓ Die Realität

Custer der Hasardeur: Er ignorierte Befehle, teilte seine Truppen und griff überstürzt an.

Kein Hinterhalt: Custer griff an – die Indianer verteidigten ihr Lager.

2.000–3.000 Krieger: Immer noch Übermacht, aber nicht 10.000.

Chaos: Archäologische Funde zeigen: Es war ein chaotisches Gemetzel, keine geordnete Verteidigung.

Custers Vermächtnis

Die Debatte über General Custer dauert bis heute an. War er ein mutiger Kavallerist oder ein rücksichtsloser Selbstdarsteller? Ein Opfer der Umstände oder Architekt seiner eigenen Zerstörung?

⚔️

Militärische Kompetenz

Im Bürgerkrieg brillant – aggressive Taktiken funktionierten gegen konventionelle Armeen. Gegen Guerilla-Kämpfer der Plains versagte seine Methode.

🎭

Selbstvermarktung

Custer war ein Meister der PR. Er schrieb Artikel, posierte für Fotos und kultivierte sein Image als „Boy General“ – ein früher Celebrity.

💔

Menschliche Kosten

Sein Ehrgeiz kostete Hunderte das Leben – Soldaten am Little Bighorn, Cheyenne am Washita, Pferde auf Gewaltmärschen.

📚

Kulturelle Ikone

Über 1.000 Bücher, Dutzende Filme – Custer ist eine der bekanntesten Figuren des Wilden Westens, geliebt und gehasst zugleich.

Custer war ein großartiger Kavallerieoffizier – im Bürgerkrieg. Aber die Indianerkriege erforderten Geduld, Vorsicht und Respekt vor dem Gegner. Das waren nicht Custers Stärken. Am Little Bighorn zahlte er den Preis für seine Arroganz.

— Historiker Robert Utley, „Cavalier in Buckskin“, 1988

Fazit: Der Mann hinter dem Mythos

General Custer bleibt eine der widersprüchlichsten Figuren der amerikanischen Geschichte. Er war mutig bis zur Rücksichtslosigkeit, ehrgeizig bis zur Selbstsucht, und charismatisch genug, um Männer in den Tod zu führen – und sie gingen bereitwillig.

Seine militärischen Fähigkeiten im Bürgerkrieg waren unbestreitbar – 23-jährige Generäle sind selten, und das aus gutem Grund. Aber in den Plains traf Custer auf einen Gegner, den er nicht verstand und nicht respektierte. Die Lakota, Cheyenne und Arapaho waren keine konföderierte Kavallerie – sie kämpften für ihr Land, ihre Familien und ihre Existenz.

Am 25. Juni 1876, auf einem staubigen Hügel in Montana, endete Custers Glückssträhne. „Custer’s Luck“ war aufgebraucht. Die Schlacht am Little Bighorn wurde zum Symbol für die Tragödie der Indianerkriege – für beide Seiten. Für Custer und das 7th Cavalry war es ein Desaster. Für die Lakota und Cheyenne war es ein Pyrrhussieg – ihr größter Triumph beschleunigte nur ihre endgültige Niederlage.

Heute, fast 150 Jahre später, steht auf dem Schlachtfeld ein Denkmal – nicht nur für die gefallenen Soldaten, sondern auch für die getöteten Krieger. Vielleicht ist das die passendste Erinnerung: Beide Seiten verloren. Custer verlor sein Leben und seinen Ruf. Die Plains-Indianer verloren ihre Freiheit und ihre Lebensweise.

George Armstrong Custer bleibt, was er immer war – ein Mann voller Widersprüche, weder reiner Held noch reiner Schurke, sondern ein Produkt seiner Zeit: ehrgeizig, mutig, rücksichtslos und letztlich menschlich.

Letzte Bearbeitung am Sonntag, 4. Januar 2026 – 12:04 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.

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