Judge Roy Bean: Das Gesetz westlich des Pecos – Der exzentrischste Richter des Westens
Im Wilden Westen gab es viele selbsternannte Gesetzeshüter, doch keiner war so legendär, skurril und umstritten wie Judge Roy Bean. In der gesetzlosen Einöde West-Texas führte er sein „Gericht“ in einem Saloon, nannte sich „The Law West of the Pecos“ und fällte Urteile, die ebenso kreativ wie fragwürdig waren. Seine Verehrung für die Schauspielerin Lillie Langtry grenzte an Besessenheit, seine Rechtsauslegung an Willkür – und doch wurde er zur Legende.
Judge Roy Bean – „The Law West of the Pecos“
Der skurrilste Friedensrichter des Wilden Westens
Der Mann hinter der Legende
Judge Roy Bean war kein ausgebildeter Jurist, kein gewählter Richter im klassischen Sinne – er war ein Saloonbesitzer, der sich selbst zum „Law West of the Pecos“ ernannte. Geboren um 1825 in Kentucky, führte sein Leben über Mexiko, Kalifornien und New Mexico, bevor er sich in der texanischen Einöde niederließ. Dort, wo das Gesetz endete und die Gesetzlosigkeit begann, schuf er sein eigenes Reich.
Phantly Roy Bean Jr.
Justice of the Peace & Saloonkeeper
Der Weg nach Langtry: Von Kentucky in die Einöde
Roy Beans Leben war eine Aneinanderreihung von Abenteuern, Konflikten und Neuanfängen. Sein Weg zum legendären Judge Roy Bean war alles andere als geradlinig.
Flucht nach Mexiko
Nach einem tödlichen Duell in Kalifornien flieht Bean nach Chihuahua, Mexiko. Dort wird er Händler und lernt Spanisch – eine Fähigkeit, die ihm später nützlich sein wird.
Abenteuer in Kalifornien
Bean kehrt nach Kalifornien zurück und betreibt Saloons. Die Legende besagt, er sei einmal beinahe gelyncht worden, überlebte aber dank einer Frau, die den Strick durchschnitt.
Heirat in New Mexico
Bean heiratet Maria Anastacia Virginia Chavez in New Mexico. Sie bekommen vier Kinder, doch Bean bleibt ein ruheloser Geist.
Ankunft in Vinegaroon
Bean lässt sich in Vinegaroon (später Langtry) nieder, einem Eisenbahnlager am Pecos River. Er eröffnet einen Saloon in einem Zelt und wird zum Justice of the Peace ernannt.
Benennung des Saloons
Bean benennt seinen Saloon „The Jersey Lilly“ – nach der britischen Schauspielerin Lillie Langtry, in die er sich unsterblich verliebt hat, ohne sie je getroffen zu haben.
Das Gericht im Saloon: The Jersey Lilly
Das Herzstück von Judge Roy Beans Reich war sein Saloon „The Jersey Lilly“ – gleichzeitig Gerichtssaal, Kneipe und sein persönliches Königreich. Hier fällte er Urteile, servierte Whiskey und hielt Hof über die gesetzlose Einöde West-Texas.
The Jersey Lilly – Saloon & Gerichtssaal
Bar
Whiskey, Bier und selbstgebrannter Schnaps – Haupteinnahmequelle
Richterpult
Ein einfacher Tisch, an dem Bean Recht sprach
Lillie Langtry Portrait
Das einzige „Kunstwerk“ – ein Bild seiner unerreichbaren Liebe
Gesetzbuch
1879 Revised Statutes of Texas – selten geöffnet
Bewaffnung
Revolver griffbereit – für „Ordnung“ im Gerichtssaal
Bruno der Bär
Beans Haustier – ein zahmer Grizzlybär als Attraktion
🏛️ Warum „The Jersey Lilly“?
Roy Bean war besessen von Lillie Langtry, einer berühmten britischen Schauspielerin und Schönheit, die als „The Jersey Lily“ bekannt war (sie stammte von der Insel Jersey). Bean hatte sie nie getroffen, verehrte sie aber aus der Ferne. Er benannte nicht nur seinen Saloon nach ihr, sondern auch die Stadt – Langtry, Texas. Die Schreibweise „Lilly“ statt „Lily“ war ein Fehler, den Bean nie korrigierte.
Die berühmtesten Urteile des Judge Roy Bean
Was Judge Roy Bean zur Legende machte, waren nicht seine juristischen Fähigkeiten, sondern seine skurrilen, oft absurden Urteile. Er interpretierte das Gesetz nach eigenem Gutdünken – und zum eigenen Vorteil.
Der tote Ire
Ein toter Arbeiter wurde mit $40 und einem Revolver gefunden. Bean erklärte: „Das Gesetz verbietet, einen lebenden Mann zu berauben. Da er tot ist, gibt es kein Verbrechen.“ Er behielt die $40 als „Gerichtsgebühr“.
Der Brückenspringer
Ein Mann sprang von einer Brücke in den Tod. Bean verurteilte die Leiche wegen „illegalen Springens von einer Brücke“ zu einer Geldstrafe – natürlich beschlagnahmte er das Geld des Toten.
Der chinesische Eisenbahnarbeiter
Als ein Chinese einen anderen tötete, blätterte Bean durch sein Gesetzbuch und verkündete: „Nirgendwo steht, dass es illegal ist, einen Chinesen zu töten.“ Fall abgewiesen.
Der Prizefight-Promoter
Bean organisierte 1896 einen illegalen Boxkampf auf einer Sandbank im Rio Grande – technisch außerhalb der Gerichtsbarkeit beider Länder. Er verdiente ein Vermögen.
Der Pferdedieb
Bean verurteilte einen Pferdedieb zum Erhängen, begnadigte ihn dann aber – nachdem der Mann seine gesamten Ersparnisse für „Gerichtskosten“ übergeben hatte.
Die Waffenträger
Bean verbot das Tragen von Waffen in seinem Saloon – außer für sich selbst. Wer protestierte, zahlte eine Geldstrafe oder wurde hinausgeworfen.
Hear ye! Hear ye! This honorable court is now in session, and if any galoot wants a snort before we start, let him step up to the bar and name his poison.
— Judge Roy Bean bei Eröffnung einer Gerichtsverhandlung
Mythos vs. Realität: Was stimmt wirklich?
Wie bei allen Legenden des Wilden Westens ist es schwer, bei Judge Roy Bean Fakt von Fiktion zu trennen. Viele Geschichten wurden im Laufe der Zeit dramatisiert oder erfunden.
❌ Mythos
✅ Realität
Die Liebe zu Lillie Langtry: Eine einseitige Romanze
Die größte Obsession von Judge Roy Bean war seine Verehrung für die britische Schauspielerin Lillie Langtry. Diese einseitige Liebe wurde zu einem zentralen Teil seiner Legende.
💔 Die tragische Liebesgeschichte
Lillie Langtry (1853–1929), geboren auf der Kanalinsel Jersey, war eine der berühmtesten Schauspielerinnen und Schönheiten ihrer Zeit. Sie war Geliebte von Prinz Edward (später König Edward VII.) und international gefeiert. Roy Bean verliebte sich in sie, ohne sie je getroffen zu haben – nur durch Zeitungsberichte und Fotos.
Beans Verehrung:
- Benannte seinen Saloon „The Jersey Lilly“ nach ihr
- Benannte die Stadt Langtry nach ihr
- Hängte ihr Bild prominent im Saloon auf
- Schrieb ihr Briefe (die sie nie beantwortete)
- Träumte davon, sie einmal zu treffen
Die bittere Ironie: Lillie Langtry besuchte Langtry, Texas – am 4. Januar 1904, zehn Monate nach Beans Tod. Sie besichtigte den Saloon und soll gesagt haben: „Welch seltsamer alter Mann er gewesen sein muss.“
Das Ende einer Ära
Roy Bean starb am 16. März 1903 im Alter von etwa 78 Jahren in seinem Saloon in Langtry. Die Todesursache war wahrscheinlich eine Kombination aus Alter, Alkohol und allgemeiner Schwäche. Die Legende besagt, er starb nach einem letzten Trinkgelage.
Der Boxkampf-Coup
Bean organisiert den illegalen Prizefight zwischen Bob Fitzsimmons und Peter Maher auf einer Sandbank im Rio Grande. Über 200 Zuschauer kamen – Bean verdiente ein kleines Vermögen.
Verlust des Richteramts
Bean verliert die Wiederwahl als Justice of the Peace. Sein Nachfolger wird Jesus Torres. Bean ist verbittert, betreibt aber weiter seinen Saloon.
Tod in Langtry
Roy Bean stirbt in seinem Saloon. Die genauen Umstände bleiben unklar. Er wird auf dem Whitehead Memorial Museum in Del Rio beigesetzt.
Langtry kommt nach Langtry
Lillie Langtry besucht die nach ihr benannte Stadt. Sie besichtigt den Saloon und erfährt von Beans Verehrung. Sie ist gerührt, aber auch verwirrt über die exzentrische Hommage.
Das kulturelle Vermächtnis
Judge Roy Bean wurde nach seinem Tod zu einer amerikanischen Legende. Seine Geschichte wurde unzählige Male erzählt, dramatisiert und verfälscht – aber sie fasziniert bis heute.
„The Westerner“ (1940)
Film mit Walter Brennan als Judge Bean – gewann einen Oscar für die beste Nebendarstellung.
„The Life and Times of Judge Roy Bean“ (1972)
Film mit Paul Newman in der Hauptrolle – stark fiktionalisiert, aber unterhaltsam.
Judge Roy Bean Visitor Center
Museum in Langtry, Texas – bewahrt die Erinnerung an den exzentrischen Richter.
Bücher & Legenden
Dutzende Bücher, Comics und Geschichten über „The Law West of the Pecos“.
Roy Bean was a character, not a villain. He was rough, he was ready, and he was his own law – but in a land where there was no other law, maybe that was exactly what was needed.
— Historiker C.L. Sonnichsen über Judge Roy Bean
Fazit: Der Richter, der keine Regeln kannte
Judge Roy Bean war kein Held im klassischen Sinne – er war ein Opportunist, ein Selbstdarsteller und ein Mann, der das Gesetz nach eigenem Gutdünken auslegte. Aber er war auch ein Produkt seiner Zeit: In der gesetzlosen Einöde West-Texas, wo die nächste „richtige“ Autorität Hunderte von Kilometern entfernt war, füllte er ein Machtvakuum.
Seine Urteile waren oft absurd, seine Methoden fragwürdig, und seine Verehrung für Lillie Langtry grenzte an Obsession. Doch genau diese Exzentrik machte ihn zur Legende. Er war nicht der gerechteste Richter, nicht der gebildetste, nicht der ehrlichste – aber er war der unvergesslichste.
Heute steht sein Saloon „The Jersey Lilly“ als Museum – ein Zeugnis einer Ära, in der das Gesetz westlich des Pecos nur einen Namen hatte: Roy Bean.
Letzte Bearbeitung am Sonntag, 4. Januar 2026 – 11:42 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.
