Kriegergesellschaften der Plains-Indianer: Elitekrieger des Wilden Westens
Die Kriegergesellschaften der Plains-Indianer waren weit mehr als militärische Einheiten – sie waren das Herzstück der indianischen Kultur, Träger von Traditionen und Symbole der Ehre. Diese exklusiven Bruderschaften formten die tapfersten Krieger zu organisierten Kampfverbänden, die nicht nur im Krieg, sondern auch im sozialen Leben ihrer Stämme eine zentrale Rolle spielten. Von den berüchtigten Dog Soldiers der Cheyenne bis zu den Kit Fox Warriors der Lakota – diese Kriegergesellschaften prägten die Konflikte des Wilden Westens entscheidend.
Kriegergesellschaften der Plains-Indianer
Elitekrieger, Bruderschaften und militärische Macht in der Prärie
Was waren Kriegergesellschaften?
Die Kriegergesellschaften der Plains-Indianer waren exklusive militärische Bruderschaften, die weit über ihre Funktion als Kampfeinheiten hinausgingen. Sie waren soziale Organisationen, die Männer verschiedener Altersgruppen zusammenbrachten, Traditionen bewahrten und die Ordnung innerhalb der Stämme aufrechterhielten.
Im Gegensatz zu europäischen Militärstrukturen waren diese Gesellschaften freiwillige Vereinigungen. Ein junger Mann wurde entweder durch Familienmitglieder gesponsert oder musste sich durch außergewöhnliche Tapferkeit qualifizieren. Die Mitgliedschaft war eine Ehre – und eine lebenslange Verpflichtung.
🏹 Ursprung und Bedeutung
Die Kriegergesellschaften entstanden vermutlich im 17. und 18. Jahrhundert, als die Plains-Stämme durch die Einführung des Pferdes zunehmend mobiler und kriegerischer wurden. Die Gesellschaften dienten als soziale Klammer in einer Kultur, die stark auf individueller Tapferkeit basierte, aber dennoch koordiniertes Handeln erforderte.
Der Begriff „Kriegergesellschaft“ ist eine Übersetzung – die Stämme selbst verwendeten Namen, die oft auf Tiere, Naturphänomene oder legendäre Eigenschaften Bezug nahmen.
Die wichtigsten Kriegergesellschaften
Jeder Plains-Stamm hatte seine eigenen Kriegergesellschaften, oft sechs bis zwölf verschiedene. Einige waren so berühmt, dass ihr Ruf weit über die Stammesgebiete hinausreichte.
Dog Soldiers
Cheyenne (Hotamétaneo’o)
Kit Fox Warriors
Lakota Sioux (Tokala)
Bow String Soldiers
Cheyenne (Himówihi)
Crow Owners Society
Blackfoot (Kiitáínni)
Big Dog Society
Crow (Ashkisshe)
Contrary Warriors
Verschiedene Stämme (Hohnuhk’e)
Funktionen der Kriegergesellschaften
Die Kriegergesellschaften waren nicht nur militärische Einheiten. Sie erfüllten vielfältige Aufgaben, die für das Funktionieren der Plains-Gesellschaft unerlässlich waren.
Militärische Verteidigung
Schutz des Stammes vor Feinden, Organisation von Kriegszügen und Rachefeldzügen. Im Kampf bildeten sie koordinierte Einheiten.
Stammespolizei
Aufrechterhaltung der Ordnung im Lager, Durchsetzung von Regeln bei Büffeljagden, Bestrafung von Regelverstößen.
Zeremonielle Aufgaben
Organisation und Durchführung von religiösen Festen, Tänzen und Ritualen. Bewahrung spiritueller Traditionen.
Soziale Integration
Schaffung von Bindungen zwischen Männern verschiedener Familienclans. Förderung von Loyalität und Zusammenhalt.
Ausbildung
Training junger Krieger in Kampftechniken, Reiten, Spurenlesen und Überlebensstrategien in der Prärie.
Ehrensystem
Verwaltung des „Coup“-Systems – Anerkennung tapferer Taten und Vergabe von Ehrenzeichen und Titeln.
Das Coup-System: Ehre im Kampf
Das Herz der Kriegergesellschaften war das „Coup“-System – ein komplexes Ehrensystem, das tapfere Taten im Kampf kategorisierte und belohnte. „Coup“ kommt vom französischen Wort für „Schlag“ und bezeichnete das Berühren eines Feindes im Kampf.
🎖️ Die Hierarchie der Coups
1. Coup (Höchste Ehre): Einen lebenden Feind mit der Hand oder einem „Coup Stick“ berühren – erforderte größten Mut
2. Coup: Einen Feind töten
3. Coup: Einen verwundeten Feind berühren
4. Coup: Pferde stehlen oder feindliche Waffen erbeuten
Besondere Ehre: Einen gefallenen Kameraden aus dem Kampf retten – galt oft mehr als das Töten eines Feindes
Interessanterweise war das Töten eines Feindes weniger ehrenhaft als ihn zu berühren und zu entkommen. Dies zeigte die außergewöhnliche Tapferkeit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Ein Krieger, der viele „First Coups“ gesammelt hatte, genoss höchstes Ansehen.
Aufnahmerituale und Initiationen
Die Aufnahme in eine Kriegergesellschaft war kein einfacher Prozess. Sie erforderte Sponsoren, Geschenke und oft das Bestehen gefährlicher Prüfungen.
Der Weg zum Krieger
Die Initiation in eine Kriegergesellschaft konnte Jahre dauern und war einer der wichtigsten Momente im Leben eines jungen Mannes.
Sponsoring
Ein älteres Mitglied musste den Kandidaten vorschlagen. Oft waren dies Verwandte oder Mentoren.
Geschenke
Die Familie des Kandidaten musste wertvolle Geschenke geben – Pferde, Büffelfelle, Waffen.
Prüfung
Der Kandidat musste seine Tapferkeit beweisen – oft durch einen gefährlichen Kriegszug oder eine Vision Quest.
Zeremonie
Aufwendige Rituale mit Tänzen, Gesängen und dem Anlegen der Gesellschafts-Insignien.
⚠️ Das Gelübde der Dog Soldiers
Die berüchtigten Dog Soldiers der Cheyenne legten ein extremes Gelübde ab: Im Kampf rammten sie ihren „Dog Rope“ – einen langen Lederriemen – mit einem Pflock in den Boden. Damit waren sie buchstäblich an den Ort gefesselt und durften nicht mehr zurückweichen, es sei denn, ein anderes Mitglied zog den Pflock heraus. Dieses Ritual symbolisierte absolute Hingabe – viele Dog Soldiers starben, weil sie ihrem Gelübde treu blieben.
Berühmte Anführer von Kriegergesellschaften
Einige Anführer von Kriegergesellschaften wurden zu Legenden – ihre Namen sind bis heute mit Tapferkeit und Widerstand verbunden.
Tall Bull
Anführer der Dog Soldiers (†1869)
Stamm: Cheyenne – Einer der mächtigsten Dog Soldier Chiefs
Berühmt für: Führte erbitterten Widerstand gegen die US-Expansion in Colorado und Kansas
Taktik: Meister der Guerilla-Kriegsführung – überfiel Siedlungen und Eisenbahnarbeiter
Tod: Getötet in der Schlacht am Summit Springs (11. Juli 1869) durch Buffalo Bill Cody – markierte das Ende der Dog Soldiers
Vermächtnis: Symbolisiert den verzweifelten Kampf der Plains-Indianer gegen die Vernichtung ihrer Lebensweise
Roman Nose
Krieger der Crooked Lance Society (†1868)
Stamm: Cheyenne – Mitglied der Elite-Kriegergesellschaft „Crooked Lances“
Besonderheit: Trug einen heiligen Kriegsschmuck, der ihn angeblich unverwundbar machte
Tabu: Durfte keine Nahrung essen, die mit Metalllöffeln berührt wurde – dies würde seine Medizin brechen
Tod: Fiel in der Schlacht bei Beecher Island (1868), nachdem sein Tabu versehentlich gebrochen wurde
Bedeutung: Sein Tod war ein schwerer psychologischer Schlag für die Cheyenne – viele sahen darin ein schlechtes Omen
Kriegergesellschaften im Kampf gegen die USA
Als die US-Armee in die Plains vordrang, wurden die Kriegergesellschaften zur Speerspitze des indianischen Widerstands. Ihre Taktiken, ihr Mut und ihre Organisation machten sie zu gefährlichen Gegnern.
Schlacht am Little Bighorn
Die vereinigten Kriegergesellschaften der Lakota, Cheyenne und Arapaho vernichteten Custers 7. Kavallerie. Die Kit Fox Warriors und Dog Soldiers spielten eine Schlüsselrolle.
Schlacht bei Beecher Island
Roman Nose und die Cheyenne-Kriegergesellschaften griffen eine Gruppe von Army Scouts an. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit scheiterte der Angriff.
Schlacht am Summit Springs
Die Dog Soldiers unter Tall Bull wurden von der 5. Kavallerie überrascht und praktisch ausgelöscht. Tall Bull fiel im Kampf.
Massaker am Washita River
Custer griff ein Cheyenne-Winterlager an. Trotz tapferer Gegenwehr der Kriegergesellschaften wurden über 100 Cheyenne getötet, darunter viele Frauen und Kinder.
Die Dog Soldiers waren die kühnsten und rücksichtslosesten Krieger, denen ich je begegnet bin. Sie kämpften nicht wie gewöhnliche Indianer – sie suchten den Tod, als wäre er ein Freund. Wenn ein Dog Soldier seinen Pflock in den Boden rammte, wusste man: Dieser Mann würde nicht zurückweichen, koste es, was es wolle.
— George Armstrong Custer, 7. US-Kavallerie, 1867
Mythos vs. Realität
Wie so vieles aus dem Wilden Westen wurden auch die Kriegergesellschaften von Hollywood und Groschenromanen romantisiert und verfälscht.
❌ Mythos
Chaotische Wilde: Kriegergesellschaften waren unorganisierte Banden, die wahllos angriffen.
Nur Kriegsführung: Sie existierten nur für den Kampf und hatten keine anderen Funktionen.
Blutrünstige Mörder: Ihr einziges Ziel war es, möglichst viele Feinde zu töten.
Alle gleich: Alle Kriegergesellschaften waren identisch in Struktur und Funktion.
✅ Realität
Hochorganisiert: Kriegergesellschaften hatten klare Hierarchien, Regeln und Strategien – vergleichbar mit militärischen Eliteeinheiten.
Multifunktional: Sie waren Polizei, Sozialverband, religiöse Bruderschaft und militärische Einheit in einem.
Ehrensystem: Das Coup-System belohnte Mut mehr als Töten – einen Feind zu berühren war ehrenhafter als ihn zu töten.
Große Vielfalt: Jede Gesellschaft hatte eigene Rituale, Symbole und Spezialisierungen – von Bogenschützen bis zu Scouts.
Das Ende der Kriegergesellschaften
Die Ära der Kriegergesellschaften endete nicht mit einer Schlacht, sondern mit der systematischen Zerstörung der Plains-Kultur durch die US-Regierung.
Die großen Niederlagen
Nach Little Bighorn folgte eine erbarmungslose Verfolgung. Crazy Horse ergab sich 1877, Sitting Bull floh nach Kanada. Die Kriegergesellschaften verloren ihre Führung.
Ausrottung der Büffel
Mit dem Ende der Büffelherden verloren die Plains-Stämme ihre Lebensgrundlage. Die Kriegergesellschaften hatten nichts mehr zu jagen – und nichts mehr zu verteidigen.
Das Massaker von Wounded Knee markierte das endgültige Ende des bewaffneten Widerstands. Die Kriegergesellschaften existierten nur noch als kulturelle Erinnerung.
Verbot der Rituale
Die US-Regierung verbot indianische Zeremonien, Tänze und Versammlungen. Kriegergesellschaften wurden illegal. Viele Traditionen gingen verloren.
Kulturelle Wiederbelebung
Ab den 1930ern begannen Stämme, ihre Traditionen wiederzubeleben. Moderne Kriegergesellschaften existieren heute als kulturelle und zeremonielle Organisationen – besonders zur Ehrung von Veteranen.
Das Vermächtnis der Kriegergesellschaften
Obwohl die militärische Macht der Kriegergesellschaften längst gebrochen ist, lebt ihr Geist weiter – in der Erinnerung, in modernen Veteranenorganisationen und in der kulturellen Identität der Plains-Stämme.
Veteranenehrung
Moderne Kriegergesellschaften ehren heute indianische Veteranen der US-Streitkräfte – eine Tradition, die Tapferkeit und Dienst würdigt.
Kulturelle Bewahrung
Pow-Wows und Zeremonien halten die Tänze, Lieder und Rituale der alten Kriegergesellschaften lebendig.
Historisches Wissen
Die Geschichte der Kriegergesellschaften wird an jüngere Generationen weitergegeben – als Quelle von Stolz und Identität.
Soziale Bindung
Die Idee der Bruderschaft, die die alten Gesellschaften definierten, inspiriert moderne indigene Gemeinschaften.
Fazit: Krieger, Beschützer, Brüder
Die Kriegergesellschaften der Plains-Indianer waren weit mehr als militärische Einheiten – sie waren das soziale und spirituelle Rückgrat ihrer Kulturen. Von den furchtlosen Dog Soldiers bis zu den listigen Kit Fox Warriors verkörperten sie die Werte ihrer Völker: Tapferkeit, Loyalität, Opferbereitschaft und Ehre.
Ihr Kampf gegen die US-Expansion war aussichtslos, aber sie kämpften dennoch – nicht aus Naivität, sondern aus der tiefen Überzeugung, dass manche Dinge es wert sind, dafür zu sterben. Ihre Geschichten sind Zeugnisse von außergewöhnlichem Mut in einer Zeit des Untergangs.
Heute leben die Kriegergesellschaften in neuer Form weiter – nicht mehr als Krieger im traditionellen Sinne, aber als Hüter einer Tradition, die niemals vergessen werden sollte. Sie erinnern uns daran, dass der Wilde Westen nicht nur die Geschichte von Cowboys und Siedlern war, sondern auch die Geschichte von Völkern, die für ihre Freiheit kämpften – bis zum bitteren Ende.
Letzte Bearbeitung am Sonntag, 4. Januar 2026 – 10:51 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.
