Sitting Bull – Kriegshäuptling, Visionär und Symbol des Widerstands
Sitting Bull war einer der berühmtesten Anführer der Lakota-Sioux und wurde zur Ikone des indianischen Widerstands gegen die Expansion der Vereinigten Staaten. Als spiritueller Führer, Kriegshäuptling und unerschütterlicher Verteidiger der Lebensweise seines Volkes führte er die Sioux-Nation in ihre größten Siege – und ihre dunkelsten Stunden. Sein Name steht für Mut, Weisheit und den verzweifelten Kampf um Freiheit in einer sich unaufhaltsam verändernden Welt.
Sitting Bull – Tatanka Iyotake
Krieger, Visionär und unbeugsamer Verteidiger der Lakota-Nation
Wer war Sitting Bull?
Sitting Bull (Lakota: Tatanka Iyotake, „Sitzender Büffelbulle“) war ein Häuptling und spiritueller Führer der Hunkpapa-Lakota, einem Stamm der Sioux-Nation. Geboren um 1831 in der Nähe des Grand River im heutigen South Dakota, wurde er zu einer der bedeutendsten Führungspersönlichkeiten des indianischen Widerstands gegen die Expansion der Vereinigten Staaten. Seine Vision vor der Schlacht am Little Bighorn, sein unbeugsamer Widerstand gegen die Reservatspolitik und sein tragisches Ende machten ihn zur Legende.
Doch Sitting Bull war weit mehr als ein Krieger. Er war Medizinmann, Visionär, Diplomat und in seinen letzten Jahren sogar Entertainer in Buffalo Bill’s Wild West Show. Seine Geschichte ist die Geschichte eines Mannes, der zwischen zwei Welten gefangen war – und keiner von beiden vollständig angehören konnte.
🦬 Die Bedeutung seines Namens
Als Kind trug er den Namen Jumping Badger (Springender Dachs). Mit 14 Jahren bewies er sich im Kampf gegen die Crow und erhielt den Namen seines Vaters: Tatanka Iyotake – „Sitting Bull“. Der Name bezieht sich auf einen Büffel, der sich mitten in einer Herde niederlässt und sich nicht bewegen lässt – ein Symbol für Sturheit, Stärke und Unerschütterlichkeit.
Frühe Jahre: Krieger der Hunkpapa
Sitting Bull wuchs in einer Zeit auf, in der die Lakota-Sioux die unumstrittenen Herrscher der nördlichen Plains waren. Die Büffelherden schienen endlos, die Weißen waren fern, und das Leben folgte den uralten Traditionen der Nomadenvölker.
Der erste Coup
Mit 14 Jahren begleitete Sitting Bull seinen Vater in den Kampf gegen die Crow. In seinem ersten Gefecht bewies er außergewöhnlichen Mut, indem er einen feindlichen Krieger mit seinem Tomahawk niederschlug. Dieses Ereignis – sein erster „Coup“ – markierte den Beginn seiner Karriere als Krieger. In der Kultur der Plains-Indianer war das Zählen von Coups (das Berühren eines Feindes im Kampf) wichtiger als das Töten selbst.
Geburt am Grand River
Geboren als Jumping Badger in einem Lakota-Camp nahe dem heutigen South Dakota. Sein Vater war ein angesehener Krieger der Hunkpapa.
Erster Coup mit 14 Jahren
Im Kampf gegen die Crow beweist er seinen Mut und erhält den Namen seines Vaters: Sitting Bull.
Aufstieg zum Kriegshäuptling
Durch zahlreiche erfolgreiche Kämpfe gegen feindliche Stämme (Crow, Assiniboine, Flathead) und erste Konflikte mit weißen Siedlern erwirbt er sich einen legendären Ruf.
Wird oberster Kriegshäuptling
Die Lakota-Stämme ernennen Sitting Bull zum obersten Kriegshäuptling der gesamten Sioux-Nation – eine außergewöhnliche Ehre.
Die wachsende Bedrohung: Der Konflikt mit den USA
In den 1860er Jahren intensivierte sich der Druck auf die Lakota. Die Entdeckung von Gold in Montana führte zu einem Strom von Goldgräbern, die durch Lakota-Territorium zogen. Die US-Armee baute Forts entlang des Bozeman Trails, einer Route durch das Herz des Jagdgebiets der Sioux.
Sitting Bull weigerte sich kategorisch, die Verträge anzuerkennen, die andere Häuptlinge mit der US-Regierung geschlossen hatten. Während Red Cloud im Vertrag von Fort Laramie (1868) die Anerkennung der Reservate akzeptierte, blieb Sitting Bull unnachgiebig: „Ich wünsche mir keine Geschenke von der Regierung. Ich möchte nicht in einem Haus leben und nicht, dass mein Volk in Häusern lebt.“
📜 Der Vertrag von Fort Laramie (1868)
Dieser Vertrag garantierte den Lakota die Black Hills und das Powder River Country „für alle Zeit“ – doch er wurde gebrochen, sobald 1874 Gold in den Black Hills gefunden wurde. Sitting Bull hatte den Vertrag nie unterzeichnet und betrachtete ihn als wertlos.
Die Vision vor der Schlacht: Sonnentanz 1876
Im Juni 1876, wenige Wochen vor der Schlacht am Little Bighorn, leitete Sitting Bull die heilige Sonnentanz-Zeremonie. Während des Rituals ließ er sich 100 Stücke Haut von seinen Armen schneiden – ein Opfer an Wakan Tanka, den Großen Geist.
Nach stundenlangem Tanzen ohne Wasser fiel Sitting Bull in Trance und hatte eine Vision: Er sah Soldaten, die wie Heuschrecken vom Himmel fielen, kopfüber in das Lakota-Lager stürzten. Die Interpretation war klar: Die Lakota würden einen großen Sieg erringen.
Ich sah Soldaten fallen wie Heuschrecken, mit den Köpfen nach unten und den Hüten abfallend. Sie fielen direkt in unser Lager.
— Sitting Bulls Vision beim Sonnentanz, Juni 1876
Weniger als zwei Wochen später sollte sich diese Vision auf dramatische Weise erfüllen.
Die Schlacht am Little Bighorn – Custers letztes Gefecht
Am 25. Juni 1876 griff Lieutenant Colonel George Armstrong Custer mit dem 7. Kavallerieregiment ein riesiges Lakota- und Cheyenne-Lager am Little Bighorn River an. Custer hatte die Größe des Lagers katastrophal unterschätzt: Statt einiger hundert Krieger standen ihm 1.500 bis 2.000 gegenüber.
Sitting Bull selbst kämpfte nicht in der Schlacht – er war zu dieser Zeit über 40 Jahre alt und hatte die Rolle des spirituellen Führers inne. Stattdessen beschützte er Frauen und Kinder, während jüngere Kriegshäuptlinge wie Crazy Horse, Gall und Two Moons die Truppen anführten.
Custers Fehler
25. Juni 1876
Custer teilte seine Truppen in drei Gruppen und griff ohne Unterstützung an. Seine Arroganz und Unterschätzung der indianischen Kräfte besiegelten sein Schicksal.
Übermacht der Lakota
Größtes Kriegerlager
Bis zu 10.000 Lakota, Cheyenne und Arapaho campten am Little Bighorn – das größte indianische Kriegerlager, das je versammelt wurde.
Totale Vernichtung
268 Soldaten tot
Custers gesamte Einheit – 268 Männer – wurde ausgelöscht. Es war die verheerendste Niederlage der US-Armee in den Indianerkriegen.
Der Pyrrhussieg
Der Sieg am Little Bighorn war grandios – aber er war auch der Anfang vom Ende. Die amerikanische Öffentlichkeit war schockiert und wütend. Die Regierung reagierte mit einer massiven Militärkampagne. Die Lakota wurden gnadenlos gejagt, ihre Dörfer zerstört, ihre Büffelherden abgeschlachtet.
Crazy Horse
Oglala-Kriegshäuptling
Gall
Hunkpapa-Kriegshäuptling
George A. Custer
Lieutenant Colonel, 7. Kavallerie
Flucht nach Kanada: Das Exil (1877–1881)
Nach dem Sieg am Little Bighorn wurde das Leben für Sitting Bull und seine Anhänger unerträglich. Die US-Armee verfolgte die Lakota unerbittlich. Im Mai 1877 floh Sitting Bull mit etwa 1.000 Anhängern über die kanadische Grenze nach Saskatchewan.
In Kanada waren sie sicher vor der US-Armee – aber nicht vor Hunger und Verzweiflung. Die Büffel waren fast ausgerottet, die Kanadier boten keine Unterstützung, und die harten Winter forderten ihren Tribut. Sitting Bull versuchte vergeblich, einen Deal mit der kanadischen Regierung auszuhandeln, doch man wollte keine „amerikanischen“ Indianer aufnehmen.
Die Jahre des Hungers
Im Exil in Kanada litten Sitting Bulls Anhänger unter extremem Hunger. Die Büffel waren verschwunden, die kanadische Regierung verweigerte Hilfe, und die US-Regierung bot „Begnadigung“ nur gegen Rückkehr und Aufgabe aller Waffen an. Einer nach dem anderen kehrten die Lakota in die USA zurück – hungrig, gebrochen, hoffnungslos.
Am 19. Juli 1881 ritt Sitting Bull mit den letzten 186 Anhängern über die Grenze zurück. Er übergab sein Gewehr nicht einem Offizier, sondern seinem achtjährigen Sohn Crow Foot – ein symbolischer Akt, der zeigte, dass er sich nicht unterwarf, sondern nur der Realität beugte.
Leben in der Reservation: Standing Rock (1881–1890)
Nach seiner Rückkehr wurde Sitting Bull in der Standing Rock Reservation in South Dakota interniert. Die Bedingungen waren demütigend: Er wurde streng überwacht, seine Bewegungen eingeschränkt, und der Indianeragent James McLaughlin betrachtete ihn als Störfaktor.
Buffalo Bill’s Wild West Show
1885 machte Sitting Bull eine überraschende Wendung: Er schloss sich Buffalo Bill Codys Wild West Show an. Für vier Monate tourte er durch die USA und Kanada, trat vor Tausenden von Zuschauern auf und verdiente 50 Dollar pro Woche – eine enorme Summe für die damalige Zeit.
Doch Sitting Bull war kein glücklicher Entertainer. Er war schockiert von der Armut, die er in den amerikanischen Städten sah, und verstand nicht, warum ein so reiches Land seine Armen nicht versorgte. Das meiste Geld, das er verdiente, verschenkte er an Bettler und Obdachlose.
🎪 Eine ungewöhnliche Freundschaft
Sitting Bull und Buffalo Bill Cody entwickelten eine echte Freundschaft. Cody respektierte Sitting Bull und behandelte ihn mit Würde – etwas, das der Häuptling in der Reservation selten erfuhr. Als Sitting Bull die Show verließ, schenkte ihm Cody einen Zirkushengst namens „Old Vic“.
Der Ghost Dance und das tragische Ende
1890 erreichte eine neue Bewegung die Reservationen: der Ghost Dance. Diese spirituelle Bewegung, gegründet vom Paiute-Propheten Wovoka, versprach die Rückkehr der Büffel, die Auferstehung der Toten und das Verschwinden der Weißen – wenn die Indianer nur den Ghost Dance tanzten.
Sitting Bull selbst war skeptisch gegenüber dem Ghost Dance, erlaubte aber seinen Anhängern, daran teilzunehmen. Das war genug für Indianeragent James McLaughlin, der Sitting Bull seit Jahren loswerden wollte. Er überzeugte seine Vorgesetzten, dass Sitting Bull eine Bedrohung darstellte und verhaftet werden musste.
4:00 Uhr morgens – Die Verhaftung
43 indianische Polizisten, unterstützt von US-Truppen, umstellen Sitting Bulls Hütte am Grand River. Sie sollen ihn nach Fort Yates bringen.
6:00 Uhr – Der Tumult beginnt
Sitting Bull wird aus seiner Hütte gezerrt. Seine Anhänger versammeln sich, die Stimmung ist aufgeheizt. Sitting Bull scheint zu zögern, mitzukommen.
6:30 Uhr – Schüsse fallen
Ein Anhänger Sitting Bulls, Catch-the-Bear, erschießt Lieutenant Bull Head, den Anführer der indianischen Polizei. Bull Head feuert zurück und trifft Sitting Bull in die Brust. Ein zweiter Polizist, Red Tomahawk, erschießt Sitting Bull mit einem Kopfschuss.
Der Zirkushengst und der letzte Tanz
Eine bizarre Anekdote markiert Sitting Bulls Tod: Während des Tumults hörte „Old Vic“, der Zirkushengst, die Schüsse – und begann seine Kunststücke aufzuführen. Das Pferd, trainiert auf Applaus und Lärm, tanzte mitten im Chaos, als wäre es eine Show. Für viele Lakota war es ein Zeichen: Selbst das Pferd tanzte für Sitting Bull.
Wounded Knee – Zwei Wochen später
Am 29. Dezember 1890, nur 14 Tage nach Sitting Bulls Tod, massakrierte die US-Armee etwa 300 Lakota-Männer, Frauen und Kinder bei Wounded Knee Creek. Es war das letzte Kapitel der Indianerkriege – und eine der dunkelsten Stunden der amerikanischen Geschichte.
Sitting Bulls 17-jähriger Sohn Crow Foot war unter den Toten. Er hatte sich nach dem Tod seines Vaters Chief Big Foot angeschlossen, der versuchte, die Spannungen zu deeskalieren. Stattdessen wurden sie alle niedergemetzelt.
Mythos vs. Realität: Das Bild Sitting Bulls
❌ Der Mythos
• Sitting Bull führte persönlich die Schlacht am Little Bighorn
Er war spiritueller Führer, kämpfte aber nicht aktiv.
• Er war ein unversöhnlicher Feind aller Weißen
Er hatte weiße Freunde (Buffalo Bill) und adoptierte sogar einen weißen Jungen.
• Er starb im Kampf wie ein Krieger
Er wurde bei einer Verhaftung erschossen, nicht im Kampf.
✅ Die Realität
• Er war ein komplexer Diplomat
Sitting Bull verhandelte mit Kanadiern, Amerikanern und anderen Stämmen.
• Er war ein liebevoller Vater
Er hatte mehrere Frauen und viele Kinder, die er sehr liebte.
• Er war tief spirituell
Seine Vision beim Sonnentanz zeigte seine Rolle als Medizinmann.
Das Vermächtnis Sitting Bulls
Sitting Bull starb als Gefangener in seinem eigenen Land – doch sein Vermächtnis überdauerte seinen Tod bei Weitem. Er wurde zum Symbol des Widerstands, der Würde und des Kampfes für Freiheit.
Kulturelles Symbol
Sitting Bull ist eine der bekanntesten Figuren der Native American Geschichte und wird in Büchern, Filmen und Liedern gewürdigt.
Widerstandsikone
Seine kompromisslose Haltung inspiriert bis heute indigene Aktivisten weltweit im Kampf um Rechte und Anerkennung.
Historische Bedeutung
Die Schlacht am Little Bighorn bleibt ein Wendepunkt in der Geschichte des amerikanischen Westens und der Indianerkriege.
Popkultur
Von Westernfilmen bis zu Rockbands – Sitting Bull ist ein fester Bestandteil der amerikanischen Popkultur.
Seht ihr, Brüder, der Frühling ist gekommen; die Erde hat die Umarmung der Sonne empfangen, und wir werden bald die Ergebnisse dieser Liebe sehen! Jeder Same ist erwacht, und ebenso ist alles tierische Leben erwacht. Aus dieser großen Kraft heraus haben auch wir unsere Existenz; deshalb geben wir allen Dingen unsere Nachbarn, sogar unseren tierischen Nachbarn, dieselben Rechte wie uns selbst, auf dieser Erde zu leben.
— Sitting Bull, überlieferte Rede
Fazit: Ein Mann zwischen den Welten
Sitting Bull lebte in einer Zeit des radikalen Wandels – einer Zeit, in der die alte Welt der Plains-Indianer unwiderruflich unterging. Er kämpfte mit allen Mitteln, um seine Lebensweise zu verteidigen: mit Waffen, mit Diplomatie, mit spiritueller Kraft und mit unerschütterlicher Würde.
Sein Leben war eine Tragödie – doch auch ein Triumph. Er weigerte sich, sich zu beugen, selbst als alles verloren war. Er starb nicht als gebrochener Mann, sondern als jemand, der bis zum letzten Atemzug für seine Überzeugungen eintrat.
Heute, mehr als 130 Jahre nach seinem Tod, bleibt Sitting Bull ein Symbol – für Widerstand, für kulturelle Identität, für die Würde eines Volkes, das alles verlor, aber niemals seinen Stolz aufgab. Seine Geschichte erinnert uns daran, dass hinter jedem „Sieg“ des Wilden Westens unzählige verlorene Leben, zerstörte Kulturen und gebrochene Versprechen stehen – und dass wahre Größe nicht im Siegen liegt, sondern im Kämpfen für das, was richtig ist, selbst wenn der Kampf aussichtslos erscheint.
Letzte Bearbeitung am Sonntag, 4. Januar 2026 – 10:35 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.
