Butch Cassidy and the Sundance Kid (1969)

Butch Cassidy and the Sundance Kid (1969) – Der Western, der das Genre revolutionierte

Butch Cassidy and the Sundance Kid ist weit mehr als ein gewöhnlicher Western – der Film von 1969 brach mit nahezu allen Konventionen des Genres und schuf ein Meisterwerk, das bis heute als einer der besten Filme der amerikanischen Kinogeschichte gilt. Mit Paul Newman und Robert Redford in den Hauptrollen, dem brillanten Drehbuch von William Goldman und der visionären Regie von George Roy Hill entstand ein Film, der Humor, Tragik und Abenteuer auf eine Weise verband, wie es das Kino zuvor nicht gesehen hatte. Die Geschichte zweier charmanter Outlaws auf der Flucht vor dem Gesetz wurde zum Kassenschlager und gewann vier Oscars – darunter für das beste Originaldrehbuch und die beste Kamera.

🎬 Butch Cassidy and the Sundance Kid (1969)

Zwei Outlaws, eine Flucht und das Ende einer Ära – der Western, der alles veränderte

4 Academy Awards
$102 Mio. Einspielergebnis weltweit
110 Min. Laufzeit
#1 Kassenhit des Jahres 1969

Die Entstehung eines Klassikers

Butch Cassidy and the Sundance Kid entstand in einer Zeit des Umbruchs – sowohl für Hollywood als auch für das Western-Genre. Ende der 1960er Jahre hatte das klassische Gut-gegen-Böse-Schema ausgedient. Das Publikum verlangte nach komplexeren Figuren, nach Antihelden, die den Geist der Gegenkultur widerspiegelten. Genau in diese Lücke stieß Drehbuchautor William Goldman mit seinem Skript über zwei historische Outlaws, die weder besonders gewalttätig noch besonders böse waren – sondern vor allem charmant, witzig und zutiefst menschlich.

Goldman hatte jahrelang über die historischen Figuren Robert LeRoy Parker (Butch Cassidy) und Harry Alonzo Longabaugh (Sundance Kid) recherchiert. Sein Drehbuch war so begehrt, dass es einen damaligen Rekordpreis von 400.000 Dollar erzielte – die höchste Summe, die jemals für ein Originaldrehbuch bezahlt wurde. Regisseur George Roy Hill erkannte sofort das Potenzial und besetzte die beiden größten Stars jener Zeit in den Hauptrollen.

🎞️ Wusstest du?

Ursprünglich war Steve McQueen für die Rolle des Sundance Kid vorgesehen. McQueen und Newman konnten sich jedoch nicht einigen, wessen Name zuerst auf dem Filmplakat stehen sollte. So kam Robert Redford zum Zug – und wurde über Nacht zum Superstar. Die Chemie zwischen Newman und Redford war so überzeugend, dass sie 1973 für „Der Clou“ erneut gemeinsam vor der Kamera standen.

Die Handlung: Flucht nach vorn

Der Film erzählt die Geschichte der letzten Jahre von Butch Cassidy und dem Sundance Kid, den Anführern der berüchtigten „Hole-in-the-Wall Gang“ im ausgehenden 19. Jahrhundert. Doch statt eines klassischen Outlaw-Epos liefert Butch Cassidy and the Sundance Kid eine melancholische Buddy-Geschichte über zwei Männer, die erkennen müssen, dass ihre Zeit abgelaufen ist.

Akt 1 – Die Hole-in-the-Wall Gang

Raubüberfälle in Wyoming

Butch und Sundance überfallen mit ihrer Bande Züge der Union Pacific Railroad. Doch die Zeiten ändern sich: Die Eisenbahngesellschaft heuert eine Gruppe unerbittlicher Verfolger an – das berüchtigte „Superposse“.

Akt 2 – Die Verfolgungsjagd

„Who are those guys?“

Die zentrale Sequenz des Films: Eine scheinbar endlose Verfolgungsjagd durch Canyons, Flüsse und Gebirge. Egal was Butch und Sundance versuchen – die Verfolger bleiben ihnen auf den Fersen. Die verzweifelte Frage „Who are those guys?“ wird zum Running Gag und zum Symbol der Ausweglosigkeit.

Akt 3 – Flucht nach Bolivien

Neuanfang in Südamerika

Zusammen mit Sundances Geliebter Etta Place fliehen die beiden nach Bolivien. Dort versuchen sie sich als ehrliche Arbeiter – scheitern aber und kehren zum Bankraub zurück. Die Sprachbarriere sorgt für komische, aber auch tragische Momente.

Finale – San Vicente

Das legendäre Standbild

In der bolivianischen Stadt San Vicente werden sie von der Armee umstellt. Der Film endet mit dem ikonischen Freeze Frame: Butch und Sundance stürmen mit gezogenen Waffen aus ihrem Versteck – das Bild friert ein, bevor die Schüsse fallen. Ein Ende, das Filmgeschichte schrieb.

Die Stars: Newman, Redford und Ross

Der Erfolg von Butch Cassidy and the Sundance Kid steht und fällt mit seinen drei Hauptdarstellern. Die Chemie zwischen Paul Newman und Robert Redford gilt bis heute als eine der besten „Buddy“-Dynamiken der Filmgeschichte.

🎩

Paul Newman

als Butch Cassidy

Rolle: Der charismatische Anführer, der lieber plant als schießt. Butch ist der Denker des Duos – witzig, optimistisch und stets mit einem Plan.
Leistung: Newman bringt eine Leichtigkeit in die Rolle, die den Film trägt. Sein Timing bei den komödiantischen Szenen ist makellos.
Karriere: Bereits ein etablierter Star (Cool Hand Luke, The Hustler), festigte Newman mit diesem Film seinen Status als Hollywoods führender Leading Man.
🔫

Robert Redford

als Sundance Kid

Rolle: Der schweigsame Scharfschütze mit dem trockenen Humor. Sundance ist der Mann der Tat – skeptisch, loyal und tödlich treffsicher.
Durchbruch: Dieser Film machte Redford zum Superstar. Sein lakonischer Stil und sein Aussehen definierten eine neue Art von Hollywood-Held.
Vermächtnis: Redford benannte sein legendäres Filmfestival in Utah nach seiner Rolle – das Sundance Film Festival ist heute das wichtigste Independent-Filmfestival der Welt.
👩

Katharine Ross

als Etta Place

Rolle: Sundances Geliebte und das emotionale Zentrum des Films. Etta ist keine passive Begleiterin – sie entscheidet selbst, mitzugehen und auch, wann sie geht.
Ikonische Szene: Die Fahrradszene mit Paul Newman zum Song „Raindrops Keep Fallin‘ on My Head“ gehört zu den berühmtesten Filmszenen überhaupt.
Karriere: Ross kam frisch vom Erfolg von „Die Reifeprüfung“ (1967) und war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.

Was den Film so besonders macht

Warum gilt Butch Cassidy and the Sundance Kid über 50 Jahre nach seiner Premiere noch immer als Meisterwerk? Es sind mehrere Faktoren, die diesen Western von allen anderen abheben:

✍️

William Goldmans Drehbuch

Das Skript verbindet mühelos Komödie und Tragödie. Die Dialoge sind so scharf und witzig, dass viele Zeilen zu geflügelten Worten wurden. Goldman erhielt dafür den Oscar.

📷

Conrad Halls Kameraarbeit

Die Oscar-prämierte Kameraführung nutzt natürliches Licht, Sepia-Töne und innovative Techniken. Die Eröffnungssequenz in Stummfilm-Optik ist ein Geniestreich.

🎵

Burt Bacharachs Musik

Der Oscar-prämierte Song „Raindrops Keep Fallin‘ on My Head“ war umstritten – ein Pop-Song in einem Western? Doch er funktioniert perfekt als Ausdruck der Unbeschwertheit.

💔

Melancholie unter der Oberfläche

Unter dem Humor liegt eine tiefe Traurigkeit. Butch und Sundance wissen, dass ihre Welt verschwindet. Der Film ist im Kern eine Elegie auf eine vergangene Ära.

🏆 Die vier Oscars von 1970

Bestes Originaldrehbuch – William Goldman | Beste Kamera – Conrad L. Hall | Bester Song – „Raindrops Keep Fallin‘ on My Head“ (Burt Bacharach/Hal David) | Beste Filmmusik – Burt Bacharach. Der Film war außerdem für drei weitere Oscars nominiert, darunter Bester Film und Beste Regie.

Film vs. Geschichte: Mythos und Realität

William Goldman betonte stets, dass sein Film auf wahren Begebenheiten basiere – fügte aber hinzu: „Nicht dass das irgendetwas bedeuten würde.“ Tatsächlich nimmt sich der Film erhebliche Freiheiten mit der historischen Wahrheit.

🎬 Im Film

  • Butch und Sundance sind unzertrennliche Freunde von Anfang an
  • Die „Superposse“ verfolgt sie ununterbrochen durch die Wildnis
  • Etta Place ist eine Lehrerin aus der Kleinstadt
  • Sie sterben gemeinsam im Kugelhagel in San Vicente, Bolivien
  • Die Gang besteht aus einer kleinen Gruppe

📜 Die historische Realität

  • Die beiden lernten sich erst relativ spät kennen; die Wild Bunch hatte viele wechselnde Mitglieder
  • Die Pinkertons verfolgten sie über Jahre, aber nicht in einer einzigen Jagd
  • Etta Places wahre Identität ist bis heute ungeklärt – eines der großen Rätsel des Wilden Westens
  • Ob sie wirklich 1908 in San Vicente starben, ist historisch umstritten; es gibt Theorien, dass Butch überlebte
  • Die „Wild Bunch“ war mit bis zu 200 Mitgliedern die größte Outlaw-Bande des Westens

Der historische Hintergrund: Das Ende der Outlaw-Ära

Butch Cassidy and the Sundance Kid spielt in einer Übergangszeit, die für das Western-Genre von zentraler Bedeutung ist. Um 1900 war der Wilde Westen faktisch „gezähmt“: Die Eisenbahn verband den Kontinent, Telegrafenlinien ermöglichten schnelle Kommunikation, und Organisationen wie die Pinkerton Detective Agency machten das Outlaw-Dasein zunehmend unmöglich.

Aspekt Historische Fakten Darstellung im Film
Zeitraum Aktiv ca. 1896–1908 Komprimiert auf wenige Jahre
Überfälle Mindestens 6 große Banküberfälle, diverse Zugüberfälle Fokus auf zwei Zugüberfälle
Bolivien Lebten dort ca. 6 Jahre als Rancher Kurzer Aufenthalt, schneller Rückfall
Gewalt Butch tötete angeblich nie jemanden persönlich Wird im Film thematisiert
Tod Umstände bis heute umstritten Ikonisches Freeze-Frame-Ende

🎯 Das Ende einer Ära – im Film und in der Realität

Der Film fängt ein Gefühl ein, das weit über die Geschichte zweier Outlaws hinausgeht: das Bewusstsein, dass eine ganze Lebensweise verschwindet. Als Butch sagt: „I got vision, and the rest of the world wears bifocals“, spricht er nicht nur über sich selbst – er spricht über den gesamten Wilden Westen. Die Eisenbahn, der Telegraf, die Pinkerton-Agenten, die modernen Waffen: All das machte den klassischen Outlaw obsolet. Butch Cassidy and the Sundance Kid ist im Kern die Geschichte vom Ende des amerikanischen Frontier-Mythos – erzählt mit einem Lächeln und einer Träne.

Kulturelle Bedeutung und Einfluss

Die Wirkung von Butch Cassidy and the Sundance Kid auf die Filmgeschichte kann kaum überschätzt werden. Der Film definierte das „Buddy-Movie“-Genre und beeinflusste Generationen von Filmemachern.

🎬

Buddy-Movie-Genre

Von „Lethal Weapon“ bis „Thelma & Louise“ – die Formel zweier ungleicher Partner auf der Flucht geht direkt auf diesen Film zurück.

🏔️

Sundance Film Festival

Robert Redford gründete das Festival 1978 in Utah und benannte es nach seiner Rolle. Heute ist es das wichtigste Indie-Filmfestival der Welt.

🎭

New Hollywood

Der Film steht am Beginn der New-Hollywood-Ära, die konventionelle Erzählmuster aufbrach und komplexere, ambivalentere Geschichten ermöglichte.

📜

Drehbuch-Revolution

William Goldman wurde durch den Erfolg zum gefragtesten Drehbuchautor Hollywoods. Sein Buch „Adventures in the Screen Trade“ wurde zur Bibel angehender Autoren.

🤠

Western-Genre erneuert

Zusammen mit den Italo-Western und „The Wild Bunch“ (ebenfalls 1969) bewies der Film, dass das Genre relevanter und erwachsener sein konnte.

🏛️

National Film Registry

2003 wurde der Film in die Library of Congress aufgenommen – als „kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam“ für die USA.

Boy, I got vision, and the rest of the world wears bifocals.

— Butch Cassidy (Paul Newman)

Der Film im Kontext von 1969

Butch Cassidy and the Sundance Kid kam in einem der bemerkenswertesten Filmjahre überhaupt in die Kinos. 1969 erschienen auch „Easy Rider“, „The Wild Bunch“, „Midnight Cowboy“ und „True Grit“. Es war das Jahr, in dem Hollywood erwachsen wurde – und der Western sich neu erfinden musste.

⚡ 1969 – Das Jahr, das Hollywood veränderte

Während Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“ den Western in extreme Gewalt tauchte und Dennis Hoppers „Easy Rider“ die Gegenkultur feierte, wählte George Roy Hill einen anderen Weg: Er machte einen Western, der sein Publikum zum Lachen brachte – und gleichzeitig zum Weinen. Diese Balance aus Unterhaltung und Tiefgang machte Butch Cassidy and the Sundance Kid zum kommerziell erfolgreichsten Film des Jahres.

Fazit: Warum Butch Cassidy and the Sundance Kid zeitlos ist

Butch Cassidy and the Sundance Kid ist mehr als ein Western – es ist ein Film über Freundschaft, Freiheit und die Weigerung, sich einer sich verändernden Welt anzupassen. Paul Newman und Robert Redford schufen mit ihrer einzigartigen Chemie zwei der unvergesslichsten Figuren der Filmgeschichte. William Goldmans Drehbuch bewies, dass ein Western gleichzeitig witzig, spannend und zutiefst bewegend sein kann. Und George Roy Hills Regie verband all diese Elemente zu einem Ganzen, das auch über 50 Jahre später nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Wer den Wilden Westen im Kino verstehen will, kommt an diesem Film nicht vorbei. Butch Cassidy and the Sundance Kid steht für den Moment, in dem das Western-Genre seine eigene Vergänglichkeit erkannte – und daraus eines der schönsten Werke der Filmgeschichte formte. Das ikonische Freeze Frame am Ende ist nicht nur das Ende zweier Outlaws: Es ist ein Standbild, das eine ganze Ära für die Ewigkeit einfriert.

Letzte Bearbeitung am Samstag, 11. April 2026 – 11:30 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.

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