Der Ölprinz (1965) – Karl Mays Wilder Westen zwischen Öl und Intrige
Der Ölprinz aus dem Jahr 1965 gehört zu den beliebtesten Karl-May-Verfilmungen der 1960er-Jahre und entführt das Publikum in die raue Landschaft des amerikanischen Südwestens. Regisseur Harald Philipp inszenierte eine packende Geschichte um Landbetrug, skrupellose Ölspekulanten und den unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn von Old Surehand und Winnetou. Mit Stewart Granger und Pierre Brice in den Hauptrollen bot der Film ein Staraufgebot, das die Kinokassen klingeln ließ. Doch wie steht Der Ölprinz im Vergleich zu den anderen Karl-May-Filmen da? Und was macht ihn bis heute sehenswert?
🎬 Der Ölprinz (1965)
Karl Mays Abenteuer um Öl, Betrug und Gerechtigkeit im Wilden Westen
Die Entstehung von Der Ölprinz
Mitte der 1960er-Jahre befand sich die Karl-May-Filmwelle auf ihrem Höhepunkt. Nach den Riesenerfolgen von Der Schatz im Silbersee (1962) und den Winnetou-Filmen strömten die Zuschauer in die Kinos, sobald ein neuer May-Western angekündigt wurde. Der Ölprinz basiert auf dem gleichnamigen Roman von Karl May aus dem Jahr 1893 und wurde von der Rialto Film in Zusammenarbeit mit Jadran Film produziert.
Regisseur Harald Philipp, der bereits Der Schut (1964) inszeniert hatte, übernahm die Regie. Das Drehbuch stammte von Fred Denger, der die umfangreiche Romanvorlage auf kinotaugliche 86 Minuten verdichtete. Dabei wurden – wie bei allen Karl-May-Verfilmungen – erhebliche Änderungen gegenüber dem Original vorgenommen. Ganze Handlungsstränge fielen weg, Figuren wurden zusammengelegt oder neu erfunden.
📖 Die Romanvorlage
Karl Mays Roman Der Ölprinz erschien 1893 als Band 37 der Gesammelten Werke. Die Geschichte spielt im Gebiet der Navajo-Indianer und dreht sich um den Betrüger Grinley, der arglose Siedler mit gefälschten Ölquellen um ihr Geld bringen will. Im Film wurde die Handlung stark gestrafft und die Figur des Old Surehand – im Roman nicht Teil dieser Geschichte – als Hauptheld eingefügt, um den Star Stewart Granger prominent zu besetzen.
Die Handlung: Betrug in der Prärie
Die Geschichte von Der Ölprinz beginnt mit einem perfiden Plan: Der skrupellose Betrüger Doktor Doktor Doktor Doktor Grinley – im Film schlicht „der Ölprinz“ genannt – lockt eine Gruppe deutscher Siedler in eine tödliche Falle. Er hat ihnen wertloses Land als ölreich verkauft und will sie nun auf dem Weg dorthin überfallen lassen, um ihre Reisekasse zu stehlen.
Der Plan des Ölprinzen
Der Ölprinz verbündet sich mit dem zwielichtigen Bankier Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor Doktor – nein, im Film einfach mit Banditen und korrupten Geschäftsleuten, die gemeinsam den Siedlertreck ausrauben wollen. Sein Trick: Er gibt sich als seriöser Geschäftsmann aus, der den Siedlern zu Reichtum verhelfen will. In Wahrheit hat er die angeblichen Ölquellen selbst inszeniert.
Old Surehand und Winnetou greifen ein
Doch die Rechnung hat der Ölprinz ohne Old Surehand gemacht. Der legendäre Westmann durchschaut das Komplott und verbündet sich mit Winnetou, dem Häuptling der Apachen. Gemeinsam versuchen sie, die ahnungslosen Siedler vor dem Betrug zu bewahren – und geraten dabei selbst in tödliche Gefahr. Es kommt zu Verfolgungsjagden durch Schluchten, Schießereien an Flussfurten und einem dramatischen Showdown, bei dem die Gerechtigkeit am Ende siegt.
Der Betrug wird eingefädelt
Der Ölprinz verkauft deutschen Siedlern angeblich ölreiches Land. Ein Treck macht sich auf den Weg in den amerikanischen Südwesten, ahnungslos, dass eine Falle auf sie wartet.
Old Surehand ermittelt
Old Surehand und Winnetou erfahren von dem Komplott. Sie versuchen, den Siedlertreck zu warnen, doch der Ölprinz und seine Handlanger setzen alles daran, die beiden auszuschalten.
Überfälle und Hinterhalte
Die Banditen greifen an. Es kommt zu mehreren Gefechten, bei denen die Siedler in große Bedrängnis geraten. Gleichzeitig versucht der Ölprinz, die Indianer gegeneinander aufzuhetzen.
Der große Showdown
In einem dramatischen Finale stellen Old Surehand und Winnetou den Ölprinzen. Der Betrug fliegt auf, die Banditen werden besiegt, und die Siedler sind gerettet.
Die Stars: Besetzung und Figuren
Die Besetzung von Der Ölprinz vereinte internationale Stars mit bewährten Darstellern der Karl-May-Reihe. Allen voran Stewart Granger als Old Surehand und Pierre Brice in seiner Paraderolle als Winnetou.
Stewart Granger
als Old Surehand
Pierre Brice
als Winnetou
Harald Leipnitz
als Der Ölprinz (Grinley)
Walter Barnes
als Hatatitla / Sam Hawkens
Drehorte: Jugoslawien als Wilder Westen
Wie die meisten Karl-May-Western wurde auch Der Ölprinz nicht in den USA, sondern in Jugoslawien gedreht. Die spektakulären Landschaften Kroatiens dienten als perfekte Kulisse für den amerikanischen Südwesten.
Plitvicer Seen
Die berühmten Wasserfälle und Seen dienten als atemberaubende Naturkulisse. Heute UNESCO-Weltkulturerbe und Touristenmagnet – auch dank der Karl-May-Filme.
Zrmanja-Schlucht
Die dramatische Flussschlucht ersetzte überzeugend die Canyons des amerikanischen Südwestens. Hier wurden zahlreiche Reit- und Verfolgungsszenen gedreht.
Velebit-Gebirge
Die kargen Felslandschaften des Velebit boten die perfekte Kulisse für die weiten Prärieszenen und Bergpassagen des Films.
Jadran Film Studios
Die Innenaufnahmen und Westernstadt-Szenen entstanden in den Studios von Jadran Film in Zagreb – der wichtigsten Produktionsstätte für die Karl-May-Reihe.
🎥 Wussten Sie schon?
Die kroatischen Drehorte der Karl-May-Filme sind bis heute beliebte Touristenziele. An den Plitvicer Seen erinnern Schilder an die Dreharbeiten, und in der Stadt Starigrad-Paklenica gibt es ein kleines Winnetou-Museum. Die Landschaften Dalmatiens überzeugten so sehr als „Wilder Westen“, dass selbst amerikanische Zuschauer den Unterschied nicht bemerkten.
Der Ölprinz im Kontext der Karl-May-Filmwelle
Der Ölprinz erschien 1965 – einem Jahr, in dem gleich drei Karl-May-Filme in die deutschen Kinos kamen. Die Produktionsmaschinerie lief auf Hochtouren, doch erste Ermüdungserscheinungen beim Publikum zeichneten sich ab.
| Film | Jahr | Regisseur | Besucher (BRD) | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Der Schatz im Silbersee | 1962 | Harald Reinl | ~12 Mio. | Start der Filmwelle |
| Winnetou 1 | 1963 | Harald Reinl | ~10 Mio. | Pierre Brice wird zum Star |
| Old Surehand 1. Teil | 1965 | Alfred Vohrer | ~5,5 Mio. | Stewart Granger debütiert |
| Der Ölprinz | 1965 | Harald Philipp | ~4,7 Mio. | Betrugs-Thematik |
| Winnetou 3 | 1965 | Harald Reinl | ~6 Mio. | Winnetous Tod |
Mit rund 4,7 Millionen Besuchern war Der Ölprinz zwar ein kommerzieller Erfolg, blieb aber hinter den Spitzenwerten der frühen Karl-May-Filme zurück. Die Konkurrenz im eigenen Haus – gleich drei May-Filme im selben Jahr – und die zunehmende Sättigung des Publikums machten sich bemerkbar.
Stärken und Schwächen des Films
⚠️ Schwächen
❌ Die Handlung folgt dem bekannten Schema der Reihe – wenig Überraschungen für Stammzuschauer
❌ Stewart Granger wirkt stellenweise desinteressiert – Gerüchte besagen, er empfand die Rolle als unter seinem Niveau
❌ Die komischen Einlagen der Sidekicks wirken manchmal deplatziert und bremsen die Spannung
❌ Starke Abweichungen von der Romanvorlage enttäuschten eingefleischte Karl-May-Leser
✅ Stärken
✔️ Spektakuläre Landschaftsaufnahmen – die kroatischen Drehorte sind atemberaubend
✔️ Harald Leipnitz als charismatischer Bösewicht ist ein echtes Highlight
✔️ Pierre Brice als Winnetou liefert wie immer eine ikonische Vorstellung
✔️ Die Filmmusik von Martin Böttcher ist stimmungsvoll und eingängig
Die Musik: Martin Böttchers Western-Klänge
Kein Karl-May-Film ohne die unverwechselbare Musik von Martin Böttcher. Auch für Der Ölprinz komponierte der Berliner Filmkomponist einen atmosphärischen Soundtrack, der zwischen epischen Orchesterklängen und melancholischen Melodien pendelt. Böttchers „Old-Surehand-Melodie“ wurde zwar nie so berühmt wie die legendäre „Winnetou-Melodie“, besitzt aber einen eigenen, markanten Charakter.
Die Musik war die halbe Miete bei den Karl-May-Filmen. Wenn die Winnetou-Melodie erklang, hatten die Zuschauer Gänsehaut – noch bevor ein einziger Schuss gefallen war.
— Zeitgenössische Filmkritik, 1965
Konflikte hinter den Kulissen
🎭 Spannungen am Set
Stewart Grangers Unmut
Der Hollywood-Veteran sah die Karl-May-Filme als Abstieg. Er beklagte sich über die straffen Drehpläne und die seiner Meinung nach simplen Dialoge. Dennoch spielte er professionell – das Geld stimmte.
Zeitdruck bei der Produktion
Drei Karl-May-Filme in einem Jahr bedeuteten enormen Produktionsdruck. Schauspieler und Crew arbeiteten teilweise an mehreren Filmen gleichzeitig, was sich auf die Qualität auswirkte.
Drehbuch-Kompromisse
Die Verdichtung des umfangreichen Romans auf Spielfilmlänge erforderte schmerzhafte Kürzungen. Wichtige Nebenhandlungen und Charakterentwicklungen fielen dem Rotstift zum Opfer.
Der Ölprinz und das Ende einer Ära
Der Ölprinz markiert einen Wendepunkt in der Karl-May-Filmreihe. Zwar war der Film noch erfolgreich, doch die goldenen Jahre gingen zu Ende. 1965 war auch das Jahr, in dem Winnetou 3. Teil mit dem Tod des beliebten Apachenhäuptlings das Publikum schockierte. Die Formel begann sich zu erschöpfen.
⚠️ Zeichen des Wandels
Ab 1966 sanken die Besucherzahlen der Karl-May-Filme kontinuierlich. Die Konkurrenz durch die italienischen Italo-Western – allen voran Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar (1964) – veränderte die Sehgewohnheiten des Publikums. Die heile Welt der Karl-May-Filme wirkte plötzlich altmodisch gegenüber den zynischen Anti-Helden eines Clint Eastwood.
TV-Dauerbrenner
Wie alle Karl-May-Filme läuft Der Ölprinz regelmäßig im deutschen Fernsehen – besonders an Feiertagen ein fester Programmpunkt.
DVD & Blu-ray
Der Film ist in restaurierter Fassung auf Blu-ray erhältlich und begeistert neue Generationen mit seinen Landschaftsaufnahmen.
Karl-May-Festspiele
Die Geschichte wird regelmäßig bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg und Elspe als Bühnenstück aufgeführt.
Nostalgie-Faktor
Für Millionen Deutsche ist Der Ölprinz ein Stück Kindheitserinnerung – verbunden mit Sonntagsnachmittagen vor dem Fernseher.
Fazit: Ein solider Karl-May-Western mit Charme
Der Ölprinz ist kein Meisterwerk des Western-Genres, aber ein solider, unterhaltsamer Abenteuerfilm, der sein Publikum bis heute zu fesseln weiß. Die Kombination aus spektakulären Landschaften, einem charismatischen Bösewicht und der bewährten Doppelspitze Winnetou/Old Surehand macht den Film zu einem würdigen Vertreter der Karl-May-Reihe. Er zeigt die Stärken und Schwächen der deutschen Western-Tradition in konzentrierter Form: große Gefühle, schlichte Moral und eine Prise Humor.
Wer sich für die Geschichte des deutschen Abenteuerfilms interessiert, kommt an Der Ölprinz nicht vorbei. Er steht exemplarisch für eine Ära, in der das deutsche Kino seine ganz eigene Version des Wilden Westens erschuf – nicht historisch akkurat, aber mit einer Leidenschaft und Unschuld, die in der heutigen Filmlandschaft ihresgleichen sucht. Und wenn Pierre Brice als Winnetou durch die kroatischen Schluchten reitet, dann ist für einen Moment alles so, wie es sein soll: Die Guten gewinnen, die Bösen verlieren, und die Sonne geht über der Prärie unter.
Letzte Bearbeitung am Samstag, 11. April 2026 – 11:23 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.
