How the West Was Won – im deutschen Verleih als „Das war der Wilde Westen“ bekannt – ist ein monumentales Filmwerk, das die Besiedlung des amerikanischen Westens über fünf Jahrzehnte und drei Generationen einer Familie erzählt. Der 1962 gedrehte und 1963 in die Kinos gebrachte Western-Epos gilt bis heute als einer der ambitioniertesten Filme der Kinogeschichte. Mit drei Regisseuren, einem All-Star-Cast von über 20 Hollywood-Größen und dem revolutionären Cinerama-Breitwandverfahren setzte MGM alles auf eine Karte – und gewann. Der Film erhielt drei Oscars und spielte weltweit über 50 Millionen Dollar ein. How the West Was Won ist nicht nur ein Western, sondern ein filmisches Denkmal für den Mythos des Wilden Westens.
🎬 How the West Was Won – Das war der Wilde Westen
Das größte Western-Epos der Filmgeschichte (1962)
Ein Epos über die Eroberung des Westens
How the West Was Won erzählt die Geschichte der Besiedlung des amerikanischen Westens nicht als einzelne Handlung, sondern als generationenübergreifendes Familienepos. Der Film folgt der Familie Prescott über fünf Episoden und mehrere Jahrzehnte – von den 1830er Jahren bis in die 1880er. Dabei werden die großen Kapitel der amerikanischen Westexpansion lebendig: Planwagen-Trecks, der Goldrausch, der Bürgerkrieg, der Eisenbahnbau und die Gesetzlosigkeit der Frontier.
Produziert von Metro-Goldwyn-Mayer in Zusammenarbeit mit Cinerama Inc., war der Film ein technisches und logistisches Mammutprojekt. Drei verschiedene Regisseure – Henry Hathaway, John Ford und George Marshall – drehten jeweils unterschiedliche Episoden. Die Verbindung zwischen den Segmenten übernahm der unverwechselbare Erzähler Spencer Tracy, dessen warme Stimme dem epischen Panorama einen persönlichen Rahmen verlieh.
🎥 Was ist Cinerama?
Cinerama war ein revolutionäres Breitwandverfahren, bei dem drei synchronisierte 35-mm-Kameras gleichzeitig filmten. Das Ergebnis wurde auf einer gewölbten, 146° breiten Leinwand projiziert – ein Seherlebnis, das IMAX vorwegnahm. How the West Was Won war einer der letzten und zugleich erfolgreichsten Filme in diesem aufwendigen Verfahren. Die sichtbaren Nahtstellen zwischen den drei Bildstreifen sind bis heute ein Erkennungsmerkmal des Films.
Die fünf Episoden des Films
Der Film gliedert sich in fünf eigenständige, aber miteinander verbundene Episoden, die jeweils ein zentrales Kapitel der amerikanischen Westexpansion beleuchten. Jede Episode hat ihren eigenen Ton, ihre eigenen Stars und – teilweise – ihren eigenen Regisseur.
Episode 1: Die Flüsse
Regie: Henry Hathaway
Die Familie Prescott bricht nach Westen auf. Unterwegs begegnen sie dem Pelzjäger Linus Rawlings (James Stewart), der sich in die älteste Tochter Eve verliebt. Flusspirat Colonel Hawkins (Walter Brennan) lauert den Siedlern auf.
Episode 2: Die Prärie
Regie: Henry Hathaway
Lilith Prescott (Debbie Reynolds) erbt eine Goldmine in Kalifornien und schließt sich einem Planwagen-Treck an. Der Spieler Cleve Van Valen (Gregory Peck) verfolgt sie – zunächst wegen des Goldes, dann aus Liebe.
Episode 3: Der Bürgerkrieg
Regie: John Ford
Zeb Rawlings (George Peppard) kämpft im Bürgerkrieg. Die Schlacht von Shiloh wird in erschütternden Bildern gezeigt. General Sherman (John Wayne) tritt in einem denkwürdigen Kurzauftritt auf.
Episode 4: Die Eisenbahn
Regie: George Marshall
Der Bau der transkontinentalen Eisenbahn treibt einen Keil zwischen die Siedler und die Ureinwohner. Zeb Rawlings gerät zwischen die Fronten von Eisenbahnboss Mike King (Richard Widmark) und den Arapaho-Indianern.
Episode 5: Die Gesetzlosen
Regie: Henry Hathaway
Der Starcast – Hollywoods Crème de la Crème
Kein Western zuvor und kaum einer danach versammelte eine derart beeindruckende Riege an Stars. Das war der Wilde Westen war ein Schaufenster für praktisch jede große Persönlichkeit des klassischen Hollywood-Westerns – und darüber hinaus.
James Stewart
als Linus Rawlings
John Wayne
als General Sherman
Gregory Peck
als Cleve Van Valen
🌟 Weitere Stars im Ensemble
Neben den Hauptdarstellern glänzten Henry Fonda als Wyatt Earp (einer seiner letzten Western-Auftritte), Richard Widmark als skrupelloser Eisenbahnbaron, Debbie Reynolds als lebensfrohe Lilith Prescott, Eli Wallach als Bandit Charlie Gant, Karl Malden als Trapper Zebulon Prescott, Robert Preston als Planwagen-Scout, Lee J. Cobb als Marshal Lou Ramsey und Agnes Moorehead als resolute Familienmutter. Spencer Tracy fungierte als Off-Erzähler und verband die Episoden mit seiner markanten Stimme.
Die drei Regisseure und ihre Handschrift
Eine der ungewöhnlichsten Entscheidungen in der Produktionsgeschichte von How the West Was Won war der Einsatz von drei verschiedenen Regisseuren. Jeder brachte seinen eigenen Stil ein – und genau das macht den Film so faszinierend.
Henry Hathaway
Drehte drei der fünf Episoden (Flüsse, Prärie, Gesetzlose). Sein handwerklich solider, actionorientierter Stil bildet das Rückgrat des Films. Hathaway war der „Arbeitstier-Regisseur“ und verantwortete den Großteil der Produktion.
John Ford
Inszenierte nur die Bürgerkriegs-Episode – und lieferte die künstlerisch stärkste Sequenz. Fords düstere, melancholische Darstellung der Schlacht von Shiloh ist ein Meisterwerk für sich. Es war einer seiner letzten großen Filme.
George Marshall
Übernahm die Eisenbahn-Episode. Marshall, bekannt für seine Komödien und leichteren Western, brachte Tempo und Spannung in den Konflikt zwischen Eisenbahn und Ureinwohnern. Seine Büffelstampede-Szene ist atemberaubend.
Die Cinerama-Revolution – Technik als Spektakel
Was Das war der Wilde Westen von allen anderen Western-Epen seiner Zeit unterschied, war das Cinerama-Verfahren. Diese Technik schuf ein Kinoerlebnis, das selbst heutige IMAX-Vorführungen in den Schatten stellt.
Das Cinerama-Prinzip
Drei 35-mm-Kameras filmten gleichzeitig, wobei jede einen Drittel des Panoramas einfing. Die drei Streifen wurden im Kino synchron auf eine riesige, gewölbte Leinwand projiziert – ein Sichtfeld von fast 146 Grad.
Die Herausforderungen am Set
Die Cinerama-Kamera war riesig und unhandlich. Schauspieler durften nicht in die „Nahtstellen“ zwischen den drei Bildstreifen blicken, da dort Verzerrungen auftraten. Die Regisseure mussten ihre Inszenierung komplett an die Technik anpassen.
Das berühmte „Cinerama-Wobble“
Trotz aller Bemühungen sind die Übergänge zwischen den drei Bildstreifen sichtbar – besonders in Szenen mit geraden Linien wie Horizonten oder Gebäuden. In der späteren Einzelfilm-Version (Super Panavision 70) wurden diese Probleme gemildert.
Exklusives Erlebnis
Weltweit konnten nur rund 100 Kinos Cinerama-Filme zeigen. Die Premiere fand am 1. November 1962 im Londoner Casino Cinerama Theatre statt, der US-Start folgte am 20. Februar 1963.
Produktion und Dreharbeiten
Die Dreharbeiten zu How the West Was Won erstreckten sich über mehrere Monate und zahlreiche Drehorte in den gesamten Vereinigten Staaten. Das Budget betrug rund 15 Millionen Dollar – eine gewaltige Summe für die frühen 1960er Jahre.
| Aspekt | Detail |
|---|---|
| Produktionsstudio | Metro-Goldwyn-Mayer / Cinerama Inc. |
| Produzent | Bernard Smith |
| Drehbuch | James R. Webb (basierend auf Artikeln aus LIFE Magazine) |
| Musik | Alfred Newman & Ken Darby |
| Kamera | William H. Daniels, Milton Krasner, Charles Lang Jr., Joseph LaShelle |
| Budget | ca. 15 Millionen USD |
| Einspielergebnis | ca. 50 Millionen USD weltweit |
| Drehorte | Kentucky, Illinois, Ohio, Colorado, South Dakota, Arizona, Kalifornien u.a. |
| Laufzeit | 162 Minuten (mit Ouvertüre und Intermission) |
⚠️ Tragischer Zwischenfall am Set
Während der Dreharbeiten zur Floßfahrt-Szene auf dem Gunnison River in Colorado kam es zu einem schweren Unfall. Ein Stuntman ertrank bei den gefährlichen Stromschnellen-Aufnahmen. Der Vorfall überschattete die Produktion und führte zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen für die restlichen Dreharbeiten.
Die Oscars und weitere Auszeichnungen
Das war der Wilde Westen wurde bei der Oscar-Verleihung 1964 in insgesamt acht Kategorien nominiert und konnte drei Academy Awards gewinnen. Der Film bewies damit, dass das Western-Genre auch auf höchstem filmkünstlerischen Niveau bestehen konnte.
🏆 Oscars und Nominierungen 1964
Oscar: Bestes Drehbuch
James R. Webb erhielt den Oscar für das beste Originaldrehbuch – eine beeindruckende Leistung angesichts der komplexen Episodenstruktur.
Oscar: Bester Schnitt
Harold F. Kress gewann für den Filmschnitt – eine Herkulesaufgabe bei drei Regisseuren, fünf Episoden und dem Cinerama-Format.
Oscar: Bester Ton
Das Mehrkanal-Soundsystem von Cinerama bot ein immersives Klangerlebnis, das die Academy mit dem Tonpreis würdigte.
Weitere Nominierungen
Nominiert für Bester Film, Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Beste Kostüme und Beste Musik. Insgesamt acht Nominierungen unterstrichen die Qualität des Epos.
Die Musik – Alfred Newmans Meisterwerk
Die Filmmusik von Alfred Newman und Ken Darby ist ein eigenständiges Kunstwerk. Der Score verbindet orchestrale Grandezza mit authentischen Folksongs und schafft so eine Klanglandschaft, die den Wilden Westen in all seinen Facetten einfängt.
This land has a name today, and is marked on maps. But the names and the marks and the maps all had to be won, won from nature and from primitive man.
— Spencer Tracy als Erzähler in How the West Was Won
Besonders der Titelsong „How the West Was Won“, gesungen von Ken Darby und seinem Chor, wurde zum Ohrwurm einer ganzen Generation. Die Musik begleitet die epischen Landschaftsaufnahmen mit einer Wucht, die im Cinerama-Surroundsound ihre volle Wirkung entfaltete. Newmans Score wurde zwar nicht mit dem Oscar ausgezeichnet, gilt aber unter Filmmusik-Kennern als einer der besten Western-Soundtracks überhaupt.
Historische Genauigkeit und filmische Freiheit
Wie bei jedem Hollywood-Epos nahm sich auch How the West Was Won erhebliche künstlerische Freiheiten gegenüber der historischen Realität. Der Film basierte auf einer Serie von Artikeln im LIFE Magazine, die die Westexpansion populärwissenschaftlich aufbereiteten.
Historisch korrekt
Die großen Themen – Planwagen-Trecks, Goldrausch, Bürgerkrieg, Eisenbahnbau – werden grundsätzlich korrekt dargestellt. Die Schlacht von Shiloh und der Bau der transkontinentalen Eisenbahn sind historisch verankert.
Vereinfacht dargestellt
Die Rolle der Ureinwohner wird stark vereinfacht und aus rein euroamerikanischer Perspektive erzählt. Die Vertreibung der Native Americans wird als Begleiterscheinung des „Fortschritts“ marginalisiert.
Filmische Fiktion
Die Familie Prescott/Rawlings ist fiktiv. Die Zusammenführung historischer Ereignisse in eine Familiengeschichte dient der dramaturgischen Verdichtung – nicht der historischen Dokumentation.
📖 Die LIFE-Magazine-Vorlage
Drehbuchautor James R. Webb adaptierte für How the West Was Won eine mehrteilige Artikelserie aus dem LIFE Magazine, die 1959 unter dem Titel „How the West Was Won“ erschienen war. Die Artikel erzählten die Geschichte der Westexpansion in einzelnen Kapiteln – eine Struktur, die Webb für den Film übernahm und mit der fiktiven Prescott-Familie verband.
Das Vermächtnis von How the West Was Won
How the West Was Won markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Western-Genres. Der Film war gleichzeitig Höhepunkt und Abgesang einer Ära – das letzte große, ungebrochen optimistische Epos über die Eroberung des Westens, bevor die revisionistischen Western der späten 1960er und 1970er Jahre das Genre grundlegend veränderten.
Letzter Cinerama-Spielfilm
Der Film war einer der letzten narrativen Spielfilme im echten Drei-Streifen-Cinerama-Verfahren. Danach wurde das Verfahren durch einfachere Breitwandformate ersetzt.
TV-Serie 1977–1979
Der Erfolg des Films inspirierte eine gleichnamige TV-Serie auf ABC, die die Geschichte der Familie Macahan im Wilden Westen über drei Staffeln weitererzählte.
Restaurierung und Blu-ray
2006 wurde der Film aufwendig digital restauriert. Die Smilebox-Blu-ray von 2008 simuliert das gewölbte Cinerama-Bild und gilt als Referenz für Heimkino-Enthusiasten.
National Film Registry
1997 wurde How the West Was Won in die National Film Registry der Library of Congress aufgenommen – als kulturell, historisch und ästhetisch bedeutsamer Film.
Fazit: Ein Monument des Western-Kinos
How the West Was Won – Das war der Wilde Westen ist mehr als ein Film – es ist ein filmisches Monument. Mit seinem beispiellosen Staraufgebot, der revolutionären Cinerama-Technik und seiner epischen Erzählung über fünf Jahrzehnte amerikanischer Geschichte setzte der Film 1962 Maßstäbe, die bis heute nachwirken. John Fords düstere Bürgerkriegs-Episode, James Stewarts warmherziger Mountain Man, die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen – all das verschmilzt zu einem Gesamtwerk, das seinesgleichen sucht.
Natürlich ist der Film ein Kind seiner Zeit: Die unkritische Verherrlichung der Westexpansion und die marginale Darstellung der Ureinwohner würden heute anders ausfallen. Doch als Zeugnis des klassischen Hollywood-Westerns, als technische Pionierleistung und als pures Kinospektakel bleibt Das war der Wilde Westen ein unverzichtbares Werk – nicht nur für Western-Fans, sondern für alle, die die Magie des großen Kinos erleben wollen.
Letzte Bearbeitung am Samstag, 11. April 2026 – 10:23 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.
