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Butch Cassidy und Sundance Kid
Kurz erklärt Ja, Butch Cassidy und Sundance Kid hat es wirklich gegeben. Butch Cassidy hieß Robert LeRoy Parker und kam am 13. April 1866 in Utah zur Welt, der Sundance Kid hieß Harry Longabaugh. Mit der Wild Bunch überfielen sie in den 1890er-Jahren Züge und Banken, gingen 1901 nach Südamerika und starben wahrscheinlich im November 1908 in San Vicente in Bolivien, sicher identifiziert wurden die Toten aber nie.

Wer waren Butch Cassidy und Sundance Kid?
Butch Cassidy und der Sundance Kid waren Outlaws, also Gesetzlose, im Westen der USA. Butch Cassidy hieß eigentlich Robert LeRoy Parker, der Sundance Kid Harry Alonzo Longabaugh.[1, 2] Beide gehörten zu einer losen Bande von Zug- und Bankräubern, die als Wild Bunch, Hole-in-the-Wall Gang oder Train Robbers' Syndicate bekannt war. Nach Anne Meadows und Daniel Buck erbeutete die Bande zwischen 1889 und den frühen 1900er-Jahren zusammen 200.000 Dollar.[2] 1901 gingen Cassidy, Longabaugh und dessen Begleiterin Etta Place nach Argentinien.[1, 2] Wie und wo die beiden Männer starben, ist bis heute umstritten.[1, 3]
Butch Cassidy: Kindheit in Utah
Robert LeRoy Parker kam am 13. April 1866 in Beaver in Utah zur Welt, als ältestes von 13 Kindern von Maxi und Anne Gillies Parker.[1] Die Familie war mormonisch, die Eltern waren aus England eingewandert.[2] Der Vater verlor Land an einen Nachbarn, der in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gut angesehen war. Nach Mac Blewer von der Wyoming State Historical Society könnte das die Haltung des jungen Roy gegenüber Amtsträgern geprägt haben.[1] 1879 zog die Familie nach Süden auf eine neue Heimstätte in Circleville. Dort lernte er den Ranchhelfer Mike Cassidy kennen, der ihm Reiten, das Werfen des Lassos und Schießen beibrachte und auch, wie man Vieh stiehlt. Dessen Nachnamen übernahm er später.[1]
Woher der Spitzname "Butch" kommt, ist nicht geklärt. Meadows und Buck führen ihn auf eine Zeit als Metzger (butcher) zurück, nach Dick Blust ist die Herkunft bis heute umstritten.[2, 5] Mit 18 Jahren ging er nach Colorado und ins Wyoming-Territorium, stahl weiter Vieh und nutzte Verstecke in Brown's Park, wo Wyoming, Colorado und Utah zusammentreffen, und vielleicht im Hole-in-the-Wall-Gebiet der südlichen Bighorn Mountains.[1] Starke Hinweise sprechen laut Blewer dafür, dass er im Juni 1889 an einem Banküberfall in Telluride in Colorado beteiligt war, auch wenn die Zeitungen damals seinen Namen nicht nannten. Blewer datiert den Überfall auf den 14., Blust auf den 24. Juni 1889; die Beute lag laut Blust bei mehr als 20.000 Dollar.[1, 5]
Sundance Kid: Herkunft und Spitzname
Harry Alonzo Longabaugh stammte aus Pennsylvania. Meadows und Buck nennen als Geburt das Frühjahr 1867 und beschreiben ihn als jüngstes von fünf Kindern einer baptistischen Familie; Britannica gibt 1870 und den Ort Phoenixville an.[2, 4] Mit 15 Jahren ging er in den Westen, arbeitete bei Verwandten in Colorado auf einer Ranch und zog dann als Viehtreiber und Zureiter durch die Rocky Mountains der USA und Kanadas.[2] Wegen Pferdediebstahls saß er 18 Monate im Gefängnis von Sundance in Wyoming, laut Britannica von August 1887 bis Februar 1889. Danach hieß er nach dem Ort Sundance Kid.[2, 4, 6] Nach der Entlassung ging er laut Britannica zum Versteck Hole in the Wall und begann seine Laufbahn als Outlaw.[4]
Seine Begleiterin, bekannt als Etta Place, gibt bis heute Rätsel auf. Sie wurde als Prostituierte, als Lehrerin oder als beides beschrieben, doch ihre Herkunft, ihr Verbleib und sogar ihr wirklicher Name sind unbekannt. Die Pinkerton-Detektei nannte sie auf ihren Steckbriefen Etta, sie selbst nannte sich Ethel. Den Namen Place, den Mädchennamen von Longabaughs Mutter, trug sie als seine angebliche Ehefrau.[2]
Gab es Butch Cassidy und Sundance Kid wirklich?
Ja. Beide Männer sind in Akten ihrer Zeit gut belegt:
- Gerichts- und Gefängnisakten aus Wyoming führen Parker 1894 als George Cassidy mit dem Spitznamen "Butch".[1]
- Die Library of Congress verwahrt aus den Akten der Pinkerton-Detektei ein Foto von Parker aus dem Staatsgefängnis in Laramie, aufgezogen auf eine Karteikarte der Detektei mit den Decknamen George Cassady und "Butch" Cassady.[8]
- Zeitungen in Wyoming berichteten laufend über ihn; der Wyoming Press schrieb am 13. August 1898, Butch scheine so viele Leben zu haben wie die sprichwörtliche Katze.[1]
- Im Staatsarchiv von Utah liegt ein Brief vom 30. Mai 1900 an Gouverneur Heber Wells, in dem ein Detektiv berichtet, Cassidy wolle sich stellen.[2]
- Über die Schießerei von San Vicente 1908 gibt es Berichte bolivianischer Behörden und Briefe der US-Gesandtschaft in La Paz.[2]
Strittig sind dagegen das Geburtsjahr von Longabaugh, einzelne Daten der Überfälle und vor allem die Frage, wie die beiden starben.[1, 2, 3, 4, 5]
Gefängnis in Laramie und Begnadigung
Im Herbst 1891 kaufte Parker, den die Gerichts- und Gefängnisakten als George Cassidy führen, mit seinem Partner Al Hainer drei Pferde von einem Mann namens Billy Nutcher. Einen Kaufvertrag gab es nicht, die Pferde waren gestohlen.[1, 5] Am 11. April 1892 nahm ein Trupp unter John Ward, dem Sheriff des Uinta County, die beiden in Auburn im Star Valley fest; Cassidy wurde dabei an der Stirn verletzt.[5] Ein erster Prozess in Lander endete im Juni 1893 mit einem Freispruch. Inzwischen hatte der Rancher Otto Franc Anzeige wegen anderer Pferde erstattet. Im zweiten Prozess, der am 30. Juni 1894 begann, sprachen die Geschworenen Cassidy schuldig und Hainer erneut frei.[5] Richter Jesse Knight verurteilte ihn am 10. Juli 1894 zu zwei Jahren Zwangsarbeit, am 15. Juli kam er als Häftling Nummer 187 ins Staatsgefängnis von Wyoming in Laramie.[1, 5]

Nach 18 Monaten kam Cassidy Anfang 1896 vorzeitig frei.[1] Richter Knight hatte Gouverneur William Richards am 28. September 1895 in einem langen Brief um eine Begnadigung gebeten, unterstützt von Amtsträgern aus Lander und dem Fremont County.[5] Nach Blewer plagte Knight ein Fehler im Prozess: Er hatte den Geschworenen nicht gesagt, dass der Kauf gestohlener Ware in Wyoming nur strafbar ist, wenn der Käufer davon weiß.[1] Richards besuchte Cassidy am 18. Januar 1896 im Gefängnis und unterschrieb laut Blust am 20. Januar die Begnadigung.[5] Ganz sicher war sich der Gouverneur nicht. An Knight schrieb er: "Die Frage ist, wird Cassidy tun, was wir ihm sagen?" (Übersetzung der Redaktion)[1]
Was war die Wild Bunch?
Wenige Monate nach der Entlassung bildete Cassidy eine Bande, die als Cassidy Gang oder Wild Bunch bekannt wurde.[1] Eine feste Organisation war sie nicht. Zu den Männern um Cassidy und Longabaugh gehörten zeitweise Elzy Lay, Matt Warner, Harvey "Kid Curry" Logan, Ben "Tall Texan" Kilpatrick und Will Carver.[2] Als Stützpunkte nennt die Utah Historical Society drei abgelegene Gegenden, in die Gesetzeshüter kaum vordrangen: das Hole-in-the-Wall-Gebiet in Wyoming, Robbers Roost in Utah und Brown's Park. Wurde es an einem Ort zu gefährlich, zogen die Outlaws über den Outlaw Trail zum nächsten Versteck.[7] Nach Blewer reichten die Verstecke der Bande vom Mogollon Rim in Arizona bis zu den Black Hills in South Dakota.[1]
Die Überfälle von 1896 bis 1901
| Datum | Ort | Was geschah | Beute laut Quelle |
|---|---|---|---|
| 13. August 1896 | Montpelier, Idaho | Banküberfall durch Cassidy, Elzy Lay und Bub Meeks | rund 7.000 Dollar[5] |
| April 1897 | Castle Gate, Utah | Raub der Lohngelder der Pleasant Valley Coal Company durch Cassidy und Lay | weit mehr als 7.000 Dollar[5] |
| 2. Juni 1899 | bei Wilcox, Wyoming | Überfall auf den Zug Overland Flyer der Union Pacific, Cassidys Teilnahme ungeklärt | mehr als 50.000 Dollar laut Blewer[1, 5] |
| 29. August 1900 laut Blewer, 29. April 1900 laut Blust | bei Tipton, Wyoming | Überfall auf einen Zug der Union Pacific | 50,40 Dollar laut Bahn, Schätzungen 50.000 bis 100.000 Dollar[1, 5] |
| 19. September 1900 | Winnemucca, Nevada | Überfall auf die First National Bank durch Cassidy, Longabaugh und Will Carver | 31.640 Dollar, meist in Gold[5] |
| 3. Juli 1901 | bei Wagner, Montana | Zugüberfall, an dem Cassidy vielleicht beteiligt war | keine Angabe[1] |
Den Überfall von Montpelier verübte Cassidy nach Blust und Richard Patterson, um Anwälte für seinen Freund Matt Warner zu bezahlen, der in Utah wegen Mordes vor Gericht stand.[2, 5] Für den Raub in Castle Gate setzte die Kohlengesellschaft 2.000 Dollar Belohnung aus.[5]
Über die Taten in Wyoming kursierten viele Geschichten. Sicher belegt sind dort laut Blewer außer Cassidys frühem Viehdiebstahl nur zwei Taten der Wild Bunch, die Überfälle auf Züge der Union Pacific bei Wilcox und bei Tipton.[1] Bei Wilcox hielten nach dem Laramie Boomerang sechs maskierte Männer am 2. Juni 1899 um 2.15 Uhr morgens den Overland Flyer an und sprengten den Gepäckwagen mit einer viel zu großen Ladung Dynamit.[1] Erste Meldungen sprachen laut Blust von 36.000 Dollar Bargeld und Diamanten im Wert von 10.000 Dollar, später von mehr.[5] Ob Cassidy dabei war, ist nie geklärt worden; Blust geht davon aus, dass er den Überfall plante.[1, 5] Auf der Flucht wurde Joe Hazen, Sheriff des Converse County, bei einer Schießerei nördlich von Casper tödlich verletzt. Nach Zeitungsberichten setzten die Behörden danach 18.000 Dollar Belohnung aus, für die Räuber tot oder lebendig.[1]
Bei Tipton, rund 50 Meilen westlich von Rawlins, sprengten die Räuber wieder einen Tresor; Blust nennt als Täter Harvey Logan, Ben Kilpatrick und William Cruzan.[1, 5] Nach dem Gesetzeshüter Joe LeFors und der Union Pacific fehlten nur 50,40 Dollar. Die Zeitung Saratoga Sun hielt das schon damals für unwahrscheinlich, die Schätzungen reichen von 50.000 bis 100.000 Dollar.[1]
Im November 1900 ließen sich fünf Männer der Bande in Fort Worth in Texas im Fotostudio aufnehmen: Cassidy, Longabaugh, Carver, Logan und Kilpatrick. Die Pinkerton-Detektei bekam Abzüge des Bildes und machte daraus Steckbriefe, die Bande zerstreute sich.[5] Viele Mitglieder wurden in den folgenden Jahren gefasst oder getötet: Elzy Lay kam nach einem Zugüberfall in New Mexico 1899 lebenslang ins Gefängnis, Will Carver starb am 2. April 1901 in Sonora in Texas, als Gesetzeshüter ihn festnehmen wollten.[5]

Flucht nach Südamerika
Im Februar 1901 verließen Cassidy, Longabaugh und Etta Place New York und fuhren nach Buenos Aires.[1] Auf jeden der beiden Männer war damals eine Belohnung von 1.000 Dollar ausgesetzt, die Pinkerton-Detektei war ihnen auf der Spur.[2] Nach Meadows und Buck kamen sie im März 1901 mit dem britischen Schiff Herminius an und fuhren im Juni nach Patagonien. Im Cholila-Tal im damaligen Territorium Chubut lebten sie als James "Santiago" Ryan sowie Mr. und Mrs. Harry "Enrique" Place auf einer Ranch und züchteten Schafe, Rinder und Pferde. Mit den Nachbarn kamen sie gut aus; Anfang 1904 übernachtete der Gouverneur des Territoriums, Julio Lezana, in ihrem Blockhaus.[2] Britannica gibt für die Zeit auf der Ranch die Jahre 1902 bis 1906 an.[3]
Im März 1903 schickte die Pinkerton-Detektei ihren Agenten Frank Dimaio nach Buenos Aires.[2] Am 14. Februar 1905 überfielen zwei englischsprachige Banditen die Bank in Río Gallegos im Süden Patagoniens. Cassidy und Longabaugh galten als Hauptverdächtige, wurden aber nie als Täter identifiziert. Als ein Haftbefehl drohte, flohen die drei im Mai 1905 über den See Nahuel Huapi nach Chile.[2] Am 19. Dezember 1905 raubten Cassidy, Longabaugh, Etta Place und ein unbekannter Helfer 12.000 Pesos aus der Banco de la Nación in Villa Mercedes in Argentinien.[2, 5] Etta Place kehrte bald darauf endgültig in die USA zurück, laut Britannica 1907.[2, 3]
In Bolivien arbeitete Cassidy ab 1906 unter dem Namen James "Santiago" Maxwell bei der Zinnmine Concordia in den Anden, Longabaugh kam später nach. Zu ihren Aufgaben gehörte es, Lohngelder zu bewachen.[1, 2] 1908 kündigten sie, nachdem Longabaugh betrunken öffentlich mit ihren Taten geprahlt hatte.[2] Am 4. November 1908 überfielen zwei maskierte Männer bei Tupiza den Boten Carlos Peró der Bergbaufirma Aramayo, Francke y Compañía. Statt der erwarteten 80.000 Pesos trug er nur 15.000 bei sich, die Räuber nahmen das Geld und ein Maultier der Firma mit.[2, 9]
Zeitleiste
- 13.04.1866Robert LeRoy Parker, später Butch Cassidy, kommt in Beaver in Utah zur Welt.[1]
- August 1887Harry Longabaugh kommt wegen Pferdediebstahls für 18 Monate ins Gefängnis von Sundance in Wyoming und heißt danach Sundance Kid.[4]
- 15.07.1894Cassidy kommt als Häftling Nummer 187 ins Staatsgefängnis von Wyoming in Laramie.[1, 5]
- 20.01.1896Gouverneur William Richards unterschreibt nach Dick Blust die Begnadigung Cassidys.[5]
- 13.08.1896Cassidy, Elzy Lay und Bub Meeks überfallen die Bank in Montpelier in Idaho.[5]
- 02.06.1899Die Wild Bunch überfällt bei Wilcox in Wyoming den Zug Overland Flyer der Union Pacific.[1]
- 19.09.1900Cassidy, Longabaugh und Will Carver überfallen die First National Bank in Winnemucca in Nevada.[5]
- November 1900Fünf Männer der Bande lassen sich in Fort Worth fotografieren; die Pinkerton-Detektei macht aus dem Bild Steckbriefe.[5]
- Februar 1901Cassidy, Longabaugh und Etta Place verlassen New York in Richtung Buenos Aires.[1]
- 19.12.1905Überfall auf die Banco de la Nación in Villa Mercedes in Argentinien.[2]
- 04.11.1908Zwei Maskierte rauben bei Tupiza die Lohngelder der Bergbaufirma Aramayo.[2, 9]
- 07.11.1908Nach einem Schusswechsel in San Vicente in Bolivien werden zwei Amerikaner tot aufgefunden, wahrscheinlich Cassidy und Longabaugh.[2]
- 1991Bei einer Graböffnung in San Vicente finden Forscher die Gebeine eines anderen Mannes; der DNA-Vergleich passt nicht.[9]
Was ist Legende, was ist belegt?
Schon zu Lebzeiten wurde Cassidy zur Legende. Man erzählte sich, er habe Ranchern die Hypotheken bezahlt und den Armen großzügig Geld gegeben; nach Blewer entstand daraus eine Art Robin-Hood-Folklore.[1] Die Utah Historical Society sieht darin auch Berechnung, weil die Großzügigkeit der Bande Hilfe und Unterschlupf in den abgelegenen Tälern sicherte. Ein Mitglied der Bande schrieb darüber:[7]
Wie viele Cowboy-Outlaws damals gaben Butch und ich gern viel Geld an die Armen, die Bedürftigen und die Würdigen. So machten wir uns in unseren eigenen Augen zu einer Art Robin Hoods, gewannen viel Beliebtheit und Schutz in der Öffentlichkeit und rechtfertigten uns vor uns selbst.
Mythos und Wahrheit
Mythos
Butch Cassidy und Sundance Kid waren Gentleman-Räuber, an deren Händen kein Blut klebte.
Was belegt ist
Cassidy beteuerte, er habe nie einen Menschen getötet, und Longabaugh sagte 1908 seinem Gastgeber A. G. Francis, er habe nur in Notwehr geschossen. Tote gab es trotzdem: Nach dem Zugüberfall von Wilcox 1899 starb Sheriff Joe Hazen bei der Verfolgung der Räuber, und in San Vicente traf 1908 ein Schuss Cassidys den Soldaten Victor Torres, der kurz darauf starb.[1, 2]
Mehrere Autoren berichten von einem Versuch Cassidys, aus dem Leben als Outlaw auszusteigen. Nach Charles Kelly und älteren Darstellungen bat er im Herbst 1899 den Anwalt Orlando Powers in Salt Lake City um Hilfe bei einer Begnadigung. Richard Patterson hält diesen Wunsch für überzeugend belegt und verweist auf einen Brief vom 30. Mai 1900 im Staatsarchiv von Utah. Darin schrieb der Detektiv W. S. Seavey an Gouverneur Heber Wells, Cassidy werde sich stellen, wenn man ihn in Ruhe lasse und die Union Pacific ihn als Wachmann einstelle.[2] Die Erzählung von einem geplatzten Treffen mit Vertretern der Bahn hält Patterson dagegen für wackelig, und eine Notiz, die Cassidy dabei hinterlassen haben soll, ist nach dem Historiker Dan Buck möglicherweise eine Fälschung.[2]
Den Namen Butch Cassidy hielt laut Blewer der Film "Butch Cassidy and the Sundance Kid" lebendig, der 1969 herauskam.[1] In Deutschland lief er ab dem 10. Oktober 1969 als Zwei Banditen. Regie führte George Roy Hill, Paul Newman spielte Butch Cassidy, Robert Redford den Sundance Kid und Katharine Ross Etta Place; das Lexikon des internationalen Films nennt 1968 als Produktionsjahr.[10] Der Film bringt die beiden von New York direkt nach Bolivien. Tatsächlich gingen sie zuerst nach Argentinien.[2]
Mythos und Wahrheit
Mythos
Butch Cassidy und Sundance Kid starben im Kugelhagel der bolivianischen Armee, wie es der Film von 1969 zeigt.
Was belegt ist
In San Vicente stellten nach Meadows und Buck ein Hauptmann, zwei Soldaten und ein Polizeiinspektor aus Uyuni die beiden. Nach einem Schusswechsel fand man sie am Morgen des 7. November 1908 tot in ihrem Zimmer, und die Zeugen schlossen daraus, dass Cassidy erst seinen verwundeten Partner und dann sich selbst erschossen hatte.[2, 9]
Wie starben Butch Cassidy und Sundance Kid?
Anne Meadows und Daniel Buck haben über Jahrzehnte südamerikanische Archive und Polizeiberichte ausgewertet.[9] Nach ihrer Darstellung ritten die beiden am Abend des 6. November 1908 mit dem Maultier der Firma Aramayo in das Bergbaudorf San Vicente, das auf 14.500 Fuß (etwa 4.400 Meter) in den Anden liegt, und kamen bei Bonifacio Casasola unter.[2] Der Ortsvorsteher Cleto Bellot meldete sie einem Trupp aus Uyuni, der am selben Nachmittag eingetroffen war und nach zwei Yankees mit einem Maultier der Firma suchte.[2] Als die Männer den Hof betraten, schoss Cassidy aus der Tür und traf den Soldaten Victor Torres, der wenig später starb. Es folgte ein Schusswechsel. Bellot hörte aus dem Zimmer drei verzweifelte Schreie, dann wurde es still.[2, 9] Im Morgengrauen des 7. November fand man beide tot.[2]
Begraben wurden die beiden am selben Nachmittag auf dem Friedhof des Dorfes. Zwei Wochen später erkannte Peró sie als die Männer, die ihn überfallen hatten, obwohl er von den Maskierten nur die Augen gesehen hatte. Ihre Namen stellten die Behörden in Tupiza nicht fest; Ende 1910 schickte die bolivianische Regierung Sterbeurkunden für zwei Männer unbekannten Namens.[2, 9] Fotos der Toten wurden nie gemacht.[9]

Weil die Toten nie sicher identifiziert wurden, gibt es mehrere Versionen:
- Meadows und Buck: Tod in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1908 in San Vicente; Dick Blust nennt den 8. November 1908 als Tag der gemeldeten Schießerei.[2, 5]
- Britannica gibt als Todesjahr 1909 mit Fragezeichen an, als Ort die Zinnminen von Concordia bei San Vicente, ebenfalls mit Fragezeichen. Nach Darstellungen der Pinkerton-Detektei starb der Sundance Kid an seinen Wunden, und Cassidy nahm sich das Leben.[3, 4]
- Eine andere Geschichte lässt beide im Dezember 1911 bei einem Banküberfall in Mercedes in Uruguay sterben.[3]
- Wieder andere lassen Cassidy in die USA zurückkehren und 1937 in Spokane in Washington oder in Johnnie in Nevada sterben; Longabaugh soll unter dem Namen Harry Long noch in den 1930er-Jahren oder bis 1957 im Westen gelebt haben.[1, 3, 4]
William Pinkerton hielt die Nachricht aus San Vicente 1913 für erfunden, und die Detektei stellte die Suche nie offiziell ein.[2] Cassidys Schwester Lula Parker Betenson schrieb 1975 in ihrem Buch "Butch Cassidy, My Brother", ihr Bruder habe die Familie 1925 in Circleville besucht und bis zu seinem Tod 1937 unter falschem Namen im Staat Washington gelebt.[9] Laut Blewer erzählten auch Josie Bassett, eine frühere Freundin, der Gesetzeshüter Hank Boedecker aus Lander und Verwandte, er sei in den 1920er-Jahren zurückgekehrt. Einen eindeutigen Beweis, dass er aus Südamerika zurückkam, gibt es aber nicht. William T. Phillips, der 1937 in Spokane starb, war nach Blewer ein Nachahmer, der in Wyoming nach Cassidys angeblich vergrabenem Gold suchte.[1]
Die Graböffnung von 1991
1991 ließen Meadows und Buck mit Erlaubnis der bolivianischen Behörden das vermutete Grab in San Vicente öffnen, unterstützt von dem forensischen Anthropologen Clyde Snow. Gefunden wurden das Skelett eines Mannes und ein Schädelstück eines zweiten. Ein DNA-Vergleich mit Verwandten von Parker und Longabaugh ergab keine Übereinstimmung, das Skelett gehörte wahrscheinlich dem deutschen Bergmann Gustav Zimmer.[9] Wo die beiden Outlaws liegen, ist damit offen. In den USA gibt es laut Blewer kein bekanntes Grab von Butch Cassidy.[1, 9]
Butch Cassidy und Sundance Kid im Film
Im Film
Häufige Fragen
Gab es Butch Cassidy und Sundance Kid wirklich?
Ja. Butch Cassidy hieß Robert LeRoy Parker, der Sundance Kid Harry Alonzo Longabaugh. Gerichts- und Gefängnisakten aus Wyoming, Karteikarten der Pinkerton-Detektei und bolivianische Akten belegen ihr Leben, und die Library of Congress verwahrt ein Foto von Butch Cassidy aus dem Gefängnis.
Wie hießen Butch Cassidy und Sundance Kid richtig?
Butch Cassidy wurde als Robert LeRoy Parker geboren und nannte sich nach seinem Lehrmeister Mike Cassidy später George Cassidy. Der Sundance Kid hieß Harry Alonzo Longabaugh; seinen Spitznamen bekam er nach dem Gefängnis von Sundance in Wyoming.
Wie starben Butch Cassidy und Sundance Kid?
Nach den Forschungen von Anne Meadows und Daniel Buck starben sie in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1908 in San Vicente in Bolivien nach einem Schusswechsel mit Soldaten und Polizei. Die Behörden konnten die Namen der Toten nicht feststellen, deshalb gibt es bis heute Gegenversionen bis hin zu einer Rückkehr Cassidys in die USA.
Wo sind Butch Cassidy und Sundance Kid begraben?
Die beiden Toten von San Vicente wurden 1908 auf dem Friedhof des Dorfes beigesetzt. Bei einer Graböffnung 1991 fand man dort aber die Gebeine eines anderen Mannes, wahrscheinlich des deutschen Bergmanns Gustav Zimmer. In den USA gibt es kein bekanntes Grab von Butch Cassidy.
Was war die Wild Bunch?
Die Wild Bunch war eine lockere Bande von Zug- und Bankräubern um Butch Cassidy, zu der zeitweise der Sundance Kid, Elzy Lay, Harvey Logan, Ben Kilpatrick und Will Carver gehörten. Sie versteckte sich in abgelegenen Gegenden wie Hole in the Wall in Wyoming, Robbers Roost in Utah und Brown's Park.
Woher hat der Sundance Kid seinen Namen?
Harry Longabaugh saß wegen Pferdediebstahls 18 Monate im Gefängnis von Sundance in Wyoming, laut Britannica von August 1887 bis Februar 1889. Danach hieß er Sundance Kid.
Ist der Film "Zwei Banditen" eine wahre Geschichte?
Der Film von George Roy Hill mit Paul Newman und Robert Redford beruht auf den echten Outlaws, nimmt sich aber Freiheiten. So reisen die beiden im Film von New York direkt nach Bolivien, tatsächlich gingen sie zuerst nach Argentinien, wo sie jahrelang eine Ranch betrieben.
Quellen
- Nachschlagewerk Butch Cassidy in Wyoming (Mac Blewer, WyoHistory.org). Wyoming State Historical Society. Stand 08.11.2014. abgerufen am 24.10.2026
- Presse Butch Cassidy, darin: The Last Days of Butch Cassidy and the Sundance Kid (Anne Meadows und Daniel Buck, zuerst in Wild West, Februar 1997) und Butch Cassidy's Surrender Offer (Richard Patterson, zuerst in Wild West, Februar 2006). HistoryNet. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
- Nachschlagewerk The Outlaw and his Lawyer: Butch Cassidy and Douglas Preston (Dick Blust, WyoHistory.org). Wyoming State Historical Society. Stand 18.01.2025. abgerufen am 24.10.2026
- Nachschlagewerk Crook County, Wyoming (Nicole Lebsack, WyoHistory.org). Wyoming State Historical Society. Stand 08.11.2014. abgerufen am 24.10.2026
- Amtliche Stelle Butch Cassidy (Michael W. Johnson, aus History of Daggett County). Utah Historical Society, History to Go. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
- Archiv Robert LeRoy Parker, alias Butch Cassidy, head-and-shoulders portrait (Katalogeintrag, LC-DIG-ppmsca-10772). Library of Congress, Prints and Photographs Division. Stand 1893. abgerufen am 24.10.2026
- Presse The Mysterious Deaths of Butch Cassidy and the Sundance Kid (Christopher Klein). HISTORY.com, A&E Television Networks. Stand 13.04.2016, aktualisiert 28.05.2025. abgerufen am 24.10.2026
- Filmdatenbank Zwei Banditen (Butch Cassidy and the Sundance Kid, USA 1968). filmdienst.de, Lexikon des internationalen Films. Stand Aktualisiert am 19.11.2019. abgerufen am 24.10.2026
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Alexander Müller Gründer und Herausgeber von Wilder-Westen.org
Alexander Müller hat Wilder-Westen.org gegründet und gibt es heraus. Er lebt in Bertingen in Sachsen-Anhalt, führt dort SEO NW und verantwortet Redaktion, Technik und Gestaltung.
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GeschichteZugüberfälle im Wilden WestenZugüberfälle von den Reno-Brüdern 1866 bis zum Tunnel 13 im Jahr 1923.

WesternZwei Banditen (1969)Zwei Banditen ist ein Western über Butch Cassidy und Sundance Kid mit Paul Newman und Robert Redford.