Indigene Völker NordamerikasThema

Reservate in den USA

Kurz erklärt Ein Reservat ist Land, das einer oder mehreren indigenen Nationen durch Vertrag, Gesetz oder Anordnung als dauerhafte Heimat vorbehalten ist; der Bund hält es für sie treuhänderisch. Laut Bureau of Indian Affairs gibt es rund 326 solcher Gebiete, das Census Bureau zählt für 2025 genau 325. Das größte ist das Reservat der Navajo Nation mit 16 Millionen Acres.

Weite Hochfläche in Nordarizona mit Holzzäunen und einer Schotterstraße, die auf eine rote Tafelbergkante zuführt, im Licht der späten Nachmittagssonne
Bild: KI-generiert

Ein Reservat (englisch reservation) ist in den USA Land, das einer oder mehreren indigenen Nationen als dauerhafte Heimat vorbehalten ist.[1] Im Deutschen heißen diese Gebiete oft "Indianerreservate". Das Reservat ist das Land, die politische Einheit ist die Nation mit eigener Regierung, und nicht jede vom Bund anerkannte Nation hat ein Reservat.[1]

Wie viele Native Americans heute in den USA leben und welche Rechte die Nationen haben, steht auf der Seite Indigene Völker heute. Die Reservate im Südwesten und ihre Geschichte beschreibt auch die Seite Südwesten: Pueblo-Völker, Navajo, Apachen und O'odham.

Was ist ein Reservat?

Das Bureau of Indian Affairs (BIA), die Behörde des Innenministeriums für indigene Angelegenheiten, unterscheidet drei Arten von Land, das der Bund vorbehält: für das Militär, für die Öffentlichkeit und für indigene Nationen. Ein Reservat ist nach seiner Definition Land, das einer Nation oder mehreren durch Vertrag oder andere Vereinbarung mit den USA, durch Anordnung des Präsidenten, Gesetz oder Verwaltungsakt als dauerhafte Heimat vorbehalten ist. Das Eigentum hält der Bund treuhänderisch für die Nation.[1] Manche Reservate sind Reste des ursprünglichen Landes einer Nation, andere schuf die Regierung für Menschen, die sie aus ihrer Heimat vertrieben hatte.[1]

In den Reservaten haben die Bundesstaaten in der Regel keine Hoheit, auch nicht über Steuern, außer der Kongress bestimmt es ausdrücklich.[1] Daneben kennt das BIA weiteres Land in indigener Hand: Parzellen aus der Zeit der Aufteilung, die der Bund für Einzelne treuhänderisch hält; Land mit beschränktem Eigentum, das nur mit Zustimmung des Innenministers verkauft oder belastet werden darf; Reservate einzelner Bundesstaaten, in denen das Recht des Staates gilt; und gewöhnliches Privateigentum.[1]

Wie viele Reservate gibt es in den USA?

Rund 326 Gebiete verwaltet der Bund laut BIA als Reservate. Sie heißen je nach Region Reservation, Pueblo, Rancheria, Mission, Village oder Community. Zusammen hält der Bund rund 56,2 Millionen Acres für Nationen und Einzelne in Treuhand.[1] Das Census Bureau zählt für 2025 genau 325 Reservate, einschließlich der Treuhandflächen außerhalb von Reservaten.[2] Die Liste des BIA vom 30. Januar 2026 nennt 575 anerkannte Nationen. Nicht jede Nation hat ein Reservat, und manche Reservate sind mehreren Nationen vorbehalten; die Zahl der Nationen und die der Reservate sind deshalb nicht dieselbe.[1, 4]

Das größte Reservat ist das der Navajo Nation mit 16 Millionen Acres (umgerechnet rund 65.000 Quadratkilometer) in Arizona, New Mexico und Utah, das kleinste ein Friedhof der Pit River Tribe in Kalifornien mit 1,32 Acres. Viele kleinere Reservate haben weniger als 1.000 Acres. In Alaska gibt es nur ein Reservat, das der Metlakatla Indian Community auf Annette Island.[1] Das kleinste Reservat Arizonas entstand laut National Park Service (NPS) 1972 für die Tonto Apache bei Payson: 85 Acres; der NPS nennt 110 eingetragene Mitglieder.[13]

Einige große Reservate: Fläche laut Bureau of Indian Affairs, Nation oder Inter Tribal Council of Arizona
ReservatLageFläche
Navajo NationArizona, New Mexico, Utah16 Millionen Acres (BIA); mehr als 27.000 Quadratmeilen (Nation)[1, 19]
Pine Ridge (Oglala Sioux Tribe)South Dakota, Nebraska3.500 Quadratmeilen[17]
Tohono O'odham Nationsüdliches Arizonamehr als 2,8 Millionen Acres[18]
San Carlos Apachesüdöstliches Arizona1.834.781 Acres[18]
Fort Apache (White Mountain Apache)östliches Zentralarizona1,6 Millionen Acres[18]
Hopinordöstliches Arizonamehr als 1,5 Millionen Acres[20]

Wer lebt in den Reservaten?

Mehr als die Hälfte der American Indians und Alaska Natives lebt laut BIA außerhalb des Landes ihrer Nationen, viele ziehen für Ausbildung und Arbeit in die Städte. Die meisten kehren nach Angaben des BIA zurück, um Verwandte zu besuchen, an Familienfesten, religiösen oder kulturellen Anlässen teilzunehmen, für ihre Regierung zu arbeiten, bei Wahlen ihrer Nation abzustimmen oder im Alter dort zu leben.[1] Bei der Navajo Nation lebt nach Angaben ihres Präsidenten Buu Nygren etwa die Hälfte der mehr als 400.000 Bürger auf dem Land der Nation.[21]

In manchen Reservaten gehört die große Mehrheit der indigenen Bevölkerung zu einer Nation. Bei der Volkszählung 2020 gaben von den Menschen, die sich allein als American Indian oder Alaska Native bezeichneten, im Reservat und Treuhandgebiet der Navajo Nation fast 90 Prozent allein die Navajo Nation an, in Pine Ridge 81,0 Prozent allein den Oglala Sioux Tribe und in Fort Apache 83,7 Prozent allein die White Mountain Apache Tribe. Allein auf dem Land der Navajo Nation lebten mehr als 4 Prozent aller Menschen in den USA, die sich nur als American Indian oder Alaska Native bezeichneten.[3] In Pine Ridge wohnen nach Angaben des Oglala Sioux Tribe auch Menschen ohne indigene Herkunft.[17]

Wie entstanden die Reservate?

Von 1778, dem ersten Vertrag mit den Delaware, bis 1871 ratifizierte der Senat laut BIA 370 Verträge mit Nationen, mindestens 45 weitere blieben ohne Ratifizierung. Die National Library of Medicine nennt dagegen 389 vom Kongress ratifizierte Verträge mit Nationen (mehr auf der Seite Heilkunde).[23] 1871 beendete der Kongress die Zeit der Verträge; seitdem regeln Gesetze, Anordnungen des Präsidenten und Vereinbarungen die Beziehungen.[1]

Am 28. Mai 1830 unterschrieb Präsident Andrew Jackson den Indian Removal Act. Das Gesetz erlaubte dem Präsidenten, Land westlich des Mississippi gegen das Land der Nationen in den bestehenden Bundesstaaten zu tauschen. Viele Nationen wehrten sich; im Herbst und Winter 1838 und 1839 vertrieb die Regierung die Cherokee gewaltsam nach Westen, und auf diesem Weg, dem Trail of Tears, starben laut Library of Congress etwa 4.000 Cherokee.[5]

In den Plains wurden die Nationen laut Encyclopedia of the Great Plains nach dem Verlust ihrer Lebensgrundlagen und militärischen Niederlagen auf Reservate beschränkt. Southern Arapaho, einige Gruppen der Cheyenne, Comanche und Kiowa stimmten 1865 und 1867 Verträgen zu, die sie auf Reservate verwiesen; dafür versprach die Regierung Schutz vor Angriffen und Waren als Ausgleich für die vernichteten Bisons und anderes Wild. Als die Rationen nicht reichten, nahmen Comanche und Kiowa ihre Raubzüge wieder auf, und die Armee zwang sie zurück in ihr Reservat am Red River.[6] Die Pine Ridge Indian Reservation in South Dakota entstand 1889 aus einem Teil der Großen Sioux-Reservation, die der Vertrag von Fort Laramie 1868 geschaffen hatte.[17]

Im Südwesten entstanden viele Reservate durch Anordnungen des Präsidenten. 1871 versuchte die Regierung von Ulysses S. Grant laut NPS, die Apachen mit einer "Friedenspolitik" und Reservaten zu befrieden; eines davon war das Rio-Verde-Reservat am Verde River.[13] Eine Anordnung vom 14. Dezember 1872 schuf das Chiricahua-Reservat, löste das Camp-Grant-Reservat auf und fügte dem White-Mountain-Reservat die "San Carlos division" hinzu.[16] Das Reservat der Mescalero in ihren angestammten Bergen, den White und Sacramento Mountains, genehmigte Grant am 29. Mai 1873 per Anordnung.[12]

Wie lebten die Menschen in den Reservaten im 19. Jahrhundert?

Das Leben im Reservat war laut Encyclopedia of the Great Plains ein tiefer Bruch mit dem bisherigen Leben. Manche Nationen lebten fern ihrer Heimat in einer fremden Umwelt, alle verloren die Beweglichkeit, die die Bisonjagd verlangte, und wer zur Jagd das Reservat verlassen durfte, fand Anfang der 1880er Jahre kaum noch Bisons. Für Nationen, die vom Feldbau lebten, taugte das Land oft wenig, und viele wurden wirtschaftlich von den USA abhängig. Zugleich waren die Reservate nach derselben Quelle eine Heimat, in der die Kulturen weiterlebten.[6]

Die Agenten der Regierung zwangen die Menschen laut Encyclopedia of the Great Plains, christliche Gottesdienste zu besuchen, Kleidung und Haarschnitt nach dem Vorbild der Weißen zu tragen, nur vom Bund gebilligten Anführern zu folgen und Bräuche wie den Sonnentanz aufzugeben. Mitte der 1890er Jahre gab es in den USA und Kanada ein Netz von Tages- und Internatsschulen, in denen die Kinder ihre Sprachen nicht sprechen und ihre Religionen nicht ausüben durften.[6]

Reste niedriger Lehmmauern eines alten Armeepostens zwischen Grasbüscheln und Mesquite in einem weiten Wüstental im warmen Abendlicht
Reste eines Armeepostens im Südwesten. Posten wie Fort Verde lagen in der Nähe früher Reservate Bild: KI-generiert

Bosque Redondo, Rio Verde und San Carlos

In Bosque Redondo in New Mexico sollten die Navajo und die Mescalero laut New Mexico Historic Sites fern der besiedelten Gebiete Bauern werden und die Lebensweise der Weißen annehmen; die Behörde nennt das Ziel Assimilation und kulturellen Völkermord. Die meisten Mescalero hatten genug vom Leben als Bauern und von den kärglichen Rationen und verließen das Reservat im November 1865 in der Nacht. Für die Navajo folgten drei weitere Jahre mit Missernten, Leid und Tod, bis General William T. Sherman mit einer Friedenskommission kam.[12] Sein Angebot, nach Oklahoma zu ziehen, lehnten die Anführer der Navajo ab und baten darum, heimzukehren; der Vertrag vom 1. Juni 1868 erlaubte es ihnen.[12]

Mehr dazu auf der Seite Der Lange Marsch der Navajo und Bosque Redondo.

Am Rio Verde in Arizona hatten Yavapai und Tonto Apache laut NPS in den ersten Jahren zu wenig zu essen, durften das Reservat zum Jagen und Sammeln nicht verlassen und litten an Malaria, Pocken und anderen Krankheiten. Bis 1874 legten sie mit Hilfe der Armee eine Bewässerung an und verkauften Heu und andere Erzeugnisse an die Armee in Fort Verde.[13] Geschäftsleute aus Tucson, die an der Versorgung der Armee verdienten, und Siedler, die das Land wollten, setzten danach durch, dass alle Apachen in einem Reservat leben sollten, in San Carlos. Im Februar und März 1875 mussten 1.450 Yavapai und Apachen 150 Meilen dorthin gehen, mindestens 100 starben unterwegs.[13]

In San Carlos begann der Agent John Clum 1874 laut NPS sofort mit Bauten, einer geregelten Verteilung der Lebensmittel und ersten Formen der Selbstverwaltung. Nach seinem Rücktritt 1877 kehrten Not und Korruption zurück.[13] Kurz zuvor hatte Clum laut NPS Geronimo im Ojo-Caliente-Reservat in New Mexico festnehmen lassen und nach San Carlos gebracht; nach Geronimos Flucht trat er zurück.[15] Auch Gruppen der Chiricahua mussten nach San Carlos, und ihre Unzufriedenheit und häufigen Ausbrüche führten zu einem weiteren Jahrzehnt Krieg.[13, 15] Der Coolidge-Damm, 1928 fertiggestellt, verdrängte Bewohner von San Carlos von ihren Feldern am Gila.[13]

Mehr dazu auf der Seite Die Apachenkriege 1861 bis 1886.

Die Chiricahua blieben nach dem Ende der Kämpfe 1886 Kriegsgefangene der Armee. Viele starben in Florida an Malaria; ihre Kinder schickte man auf Schulen in Pennsylvania, wo viele an Tuberkulose starben. Nach acht Jahren Gefangenschaft kamen die Chiricahua laut NPS nach Fort Sill in Oklahoma, und erst 1913, nach 27 Jahren, waren sie keine Kriegsgefangenen mehr. Ihre Zahl sank laut NPS von 500 im Jahr 1886 auf 261 bei der Freilassung.[14]

Wie verloren die Nationen ihr Land?

Am 8. Februar 1887 beschloss der Kongress den Dawes Act, auch General Allotment Act genannt, benannt nach Senator Henry Dawes aus Massachusetts. Das Gesetz erlaubte dem Präsidenten, das gemeinsame Land eines Reservats in Parzellen für Einzelne aufzuteilen: Ein Familienoberhaupt bekam eine Viertel-Section, Alleinstehende über 18 Jahren und Waisen eine Achtel-Section, andere Kinder eine Sechzehntel-Section.[7] Der Bund hielt das zugeteilte Land 25 Jahre in Treuhand. Land, das nach der Aufteilung übrig blieb, durfte der Innenminister mit Zustimmung der Nation kaufen; der Kongress musste den Kauf bestätigen, und das Land ging an Siedler.[7] Section 8 nahm unter anderem Cherokee, Creek, Choctaw, Chickasaw, Seminolen und Osage im Indianer-Territorium aus; spätere Gesetze dehnten die Aufteilung auch auf sie aus.[7]

Viele Parzellen lagen laut National Archives in Wüsten oder Halbwüsten und taugten nicht für den Feldbau, und wer Bauer werden wollte, konnte oft Werkzeug, Tiere und Saatgut nicht bezahlen. Erbten mehrere Menschen eine Parzelle, wurde sie zu klein, und Land von Menschen, die die Bedingungen der Regierung nicht annahmen, wurde an Käufer ohne indigene Herkunft verkauft.[7] Sobald Parzellen aus der Treuhand fielen, wurden laut BIA Steuern des Staates und der Gemeinde fällig, und so gingen Tausende Acres verloren.[1] Wie stark das Land der Nationen von 1887 bis 1934 schrumpfte, nennen die Quellen unterschiedlich: Die Encyclopedia of the Great Plains spricht von einem Verlust um zwei Drittel, von 138 auf 52 Millionen Acres.[6] Der National Park Service nennt für 1934 nur noch 48 Millionen Acres, ein Verlust von 65 Prozent.[22] Heute hält der Bund laut BIA noch 10.059.290,74 Acres als Parzellen von Einzelnen und ihren Erben in Treuhand.[1]

Vom Indian Reorganization Act zur Selbstbestimmung

Mit dem Indian Reorganization Act endete die Aufteilung: Seit dem 18. Juni 1934 darf kein Land eines Reservats mehr an Einzelne zugeteilt werden.[8] Jede Nation darf sich nach dem Gesetz organisieren und eine Verfassung geben, wenn die erwachsenen Mitglieder in einer Abstimmung mit Mehrheit zustimmen und der Innenminister sie genehmigt.[9] Der Commissioner of Indian Affairs John Collier, seit 1933 im Amt, wollte damit laut Encyclopedia of the Great Plains die Politik der Anpassung umkehren und den Nationen wieder eine wirtschaftliche Grundlage geben; das Gesetz vergrößerte auch das Land in gemeinsamem Besitz.[6] Die meisten anerkannten Nationen sind laut BIA nach diesem Gesetz organisiert.[1]

Zwischen 1953 und den frühen 1960er Jahren folgte die Termination. Sie sollte laut Encyclopedia of the Great Plains den Anspruch auf bestimmte Leistungen des Bundes beenden und den Treuhandstatus des Landes aufheben, sodass die Reservate unter das Recht und die Steuern der Bundesstaaten gefallen wären.[6] Britannica rechnet die Termination den 1950er bis 1970er Jahren zu; viele Nationen verloren damals ihren Status als souveräne Gemeinschaft, und einige Gruppen im Südwesten beantragten später die Anerkennung neu.[11] Zugleich bot das BIA ein freiwilliges Umzugsprogramm in Städte wie Chicago, Denver, Los Angeles, Cleveland und Seattle an. Als es begann, lebten laut National Archives knapp 8 Prozent der Native Americans in Städten, bei der Volkszählung 2000 waren es etwa 64 Prozent.[10] Mit dem Public Law 280 übertrug der Kongress 1953 einigen Bundesstaaten die Strafgerichtsbarkeit über American Indians in Reservaten.[1]

Seit Anfang der 1960er Jahre setzte die Bundespolitik laut Encyclopedia of the Great Plains auf Selbstbestimmung.[6] Der Indian Self-Determination and Education Assistance Act von 1975 und der Tribal Self-Governance Act von 1994 erlauben den Nationen laut BIA, Programme des BIA für ihre Bürger selbst zu führen.[1]

Leben in den Reservaten heute

In den Reservaten regieren sich die Nationen selbst. Sie geben sich Verfassungen, erlassen und vollstrecken Gesetze, erheben Steuern, bestimmen, wer ihr Bürger ist, und dürfen Fremde von ihrem Land ausschließen. Für Mitglieder einer Nation gilt im Reservat nur das Recht des Bundes und der Nation, wenn der Kongress nichts anderes bestimmt; die meisten Nationen haben eigene Gerichte. An der Spitze steht je nach Nation ein Chairman, Principal Chief, Governor oder President.[1] Beim Oglala Sioux Tribe in Pine Ridge wählen die Bürger zum Beispiel alle zwei Jahre einen Rat von 21 Mitgliedern.[17]

Native Americans sind auch Bürger der USA; 1924 verlieh der Kongress allen übrigen in den USA geborenen American Indians die Staatsbürgerschaft.[1] Steuern zahlen sie laut BIA wie alle anderen, mit Ausnahmen für Einkommen aus Treuhandland, für Einkommen und Käufe im Reservat, für die keine Steuern des Bundesstaats anfallen, und für die Grundsteuer auf Reservats- und Treuhandland.[1]

Britannica beschreibt das Leben in den Reservaten des Südwestens trotz Entwicklungsprojekten im 20. Jahrhundert als weiterhin schwer im Vergleich zum Rest des Landes, besonders bei den Tohono O'odham, den Hopi und in Fort Apache.[11] Rund ein Drittel der Familien der Navajo hat laut Präsident Nygren kein Leitungswasser im Haus und muss Wasser holen. Auf dem Höhepunkt der Covid-19-Pandemie verlor die Navajo Nation nach Angaben von Präsident Nygren im Durchschnitt zehn Menschen am Tag an das Virus; er führt die hohe Sterblichkeit zum Teil auf den fehlenden Zugang zu sauberem Wasser zurück.[21] 2024 warb Nygren vor dem Senat für einen Vergleich über Wasserrechte, der der Navajo Nation, der Hopi Tribe und der San Juan Southern Paiute Tribe eine sichere Versorgung mit Wasser bringen soll.[21]

Hölzerne Wasserfässer neben einem Brunnen mit Handpumpe in der Hochwüste im Licht der späten Nachmittagssonne
Wasser holen: Viele Haushalte in der Navajo Nation haben kein Leitungswasser Bild: KI-generiert

Für den Südwesten nennt Britannica Unternehmen der Nationen, Programme für Tourismus mit dem Verkauf von Schmuck, Keramik und Textilien und in einigen Nationen den Abbau von Kohle und Uran.[11] Die Hopi Tribe lädt auf ihr Land ein und bittet, ihre Gesetze, ihre Kultur und ihre Lebensweise zu achten.[20]

Zeitleiste: Reservate von 1778 bis heute

Zeitleiste: Reservate in den USA: Verträge, Gesetze und Umsiedlungen
  1. 1778Die USA schließen den ersten Vertrag mit einer Nation, den Delaware.[1]
  2. 11.03.1824Kriegsminister John C. Calhoun gründet das Bureau of Indian Affairs in seinem Ministerium.[1]
  3. 28.05.1830Präsident Andrew Jackson unterschreibt den Indian Removal Act.[5] Indian Removal Act
  4. 1838Im Herbst und Winter 1838 und 1839 vertreibt die Regierung die Cherokee nach Westen; etwa 4.000 sterben auf dem Trail of Tears.[5] Trail of Tears
  5. November 1865Die meisten Mescalero verlassen das Reservat Bosque Redondo in der Nacht.[12]
  6. 01.06.1868Ein Vertrag erlaubt den Navajo, aus Bosque Redondo in ihre Heimat zurückzukehren.[12] Der Lange Marsch der Navajo
  7. 1871Der Kongress beendet die Zeit der Verträge mit den Nationen; bis dahin hat der Senat 370 Verträge ratifiziert.[1]
  8. 1871Die Regierung Grant schafft im Rahmen ihrer Friedenspolitik das Rio-Verde-Reservat in Arizona.[13]
  9. 14.12.1872Eine Anordnung von Präsident Grant schafft das Chiricahua-Reservat und fügt dem White-Mountain-Reservat die San Carlos division hinzu.[16]
  10. 29.05.1873Präsident Grant genehmigt per Anordnung das Reservat der Mescalero Apache.[12]
  11. Februar 18751.450 Yavapai und Apachen müssen vom Rio Verde nach San Carlos gehen; mindestens 100 sterben unterwegs.[13]
  12. 08.02.1887Der Dawes Act erlaubt die Aufteilung des gemeinsamen Landes der Reservate in Parzellen für Einzelne.[7] Dawes Act
  13. 1889Die Pine Ridge Indian Reservation entsteht aus einem Teil der Großen Sioux-Reservation.[17]
  14. 1913Die Chiricahua sind nach 27 Jahren keine Kriegsgefangenen mehr.[14]
  15. 02.06.1924Präsident Calvin Coolidge unterschreibt den Indian Citizenship Act.[1] Indian Citizenship Act
  16. 1928Der Coolidge-Damm verdrängt Bewohner von San Carlos von ihren Feldern am Gila.[13]
  17. 18.06.1934Der Indian Reorganization Act beendet die Aufteilung des Landes der Reservate.[8] Indian Reorganization Act
  18. 1953Beginn der Termination; das Public Law 280 überträgt einigen Bundesstaaten die Strafgerichtsbarkeit in Reservaten.[6, 1]
  19. 1972Für die Tonto Apache entsteht bei Payson ein Reservat von 85 Acres, das kleinste Arizonas.[13]
  20. 1975Der Indian Self-Determination and Education Assistance Act erlaubt den Nationen, Programme des Bundes selbst zu führen.[1]
  21. 1994Der Tribal Self-Governance Act erlaubt den Nationen ebenfalls, Programme des Bureau of Indian Affairs selbst zu führen.[1]
  22. 30.01.2026Die Liste des Bureau of Indian Affairs nennt 575 anerkannte Nationen.[4]

Mehr zum Thema

Häufige Fragen

Wie viele Reservate gibt es in den USA?

Das Bureau of Indian Affairs nennt rund 326 Gebiete, die als Reservate verwaltet werden, darunter Pueblos, Rancherias und Dörfer. Das Census Bureau zählt für 2025 genau 325 Reservate einschließlich der Treuhandflächen außerhalb von Reservaten. Zusammen hält der Bund rund 56,2 Millionen Acres für Nationen und Einzelne in Treuhand.

Welches ist das größte Reservat der USA?

Das Reservat der Navajo Nation mit 16 Millionen Acres in Arizona, New Mexico und Utah, laut Navajo Nation mehr als 27.000 Quadratmeilen. Das kleinste ist laut Bureau of Indian Affairs ein Friedhof der Pit River Tribe in Kalifornien mit 1,32 Acres.

Leben alle Native Americans in Reservaten?

Nein. Mehr als die Hälfte lebt laut Bureau of Indian Affairs außerhalb des Landes ihrer Nationen. Viele ziehen für Ausbildung und Arbeit in die Städte und kehren für Familie, Feste, Wahlen oder im Alter zurück.

Wem gehört das Land eines Reservats?

Das Eigentum hält der Bund treuhänderisch für die Nation. In den Reservaten regieren die Nationen sich selbst, die Bundesstaaten haben dort in der Regel keine Hoheit, auch nicht über Steuern, wenn der Kongress nichts anderes bestimmt.

Wie entstanden die Reservate?

Durch Verträge, Gesetze und Anordnungen des Präsidenten. Verträge schlossen die USA laut Bureau of Indian Affairs von 1778 bis 1871. Im Südwesten gehen viele Reservate auf Anordnungen zurück, etwa das der Mescalero Apache von 1873.

Was war der Dawes Act?

Ein Gesetz vom 8. Februar 1887, das das gemeinsame Land vieler Reservate in Parzellen für Einzelne aufteilte. Übriges Land konnte an Siedler gehen. Bis 1934 schrumpfte das Land der Nationen laut Encyclopedia of the Great Plains von 138 auf 52 Millionen Acres, laut National Park Service auf 48 Millionen.

Was bedeutet "Indianerreservat"?

So heißen die Reservate im Deutschen oft. Gemeint ist das Land; die politische Einheit ist die Nation mit eigener Regierung. Zum Wort "Indianer" siehe die Seite Darf man "Indianer" sagen?.

Quellen

  1. Amtliche Stelle Frequently Asked Questions. Bureau of Indian Affairs, U.S. Department of the Interior. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  2. Amtliche Stelle National Native American Heritage Month: November 2025 (Facts for Features CB25-FF.09). U.S. Census Bureau. Stand Page Last Revised 19.02.2026. abgerufen am 25.10.2026
  3. Amtliche Stelle Indian Entities Recognized by and Eligible To Receive Services From the United States Bureau of Indian Affairs, 91 FR 4102. Bureau of Indian Affairs, U.S. Department of the Interior (Federal Register). Stand 30.01.2026. abgerufen am 25.10.2026
  4. Amtliche Stelle Indian Removal Act: Primary Documents in American History. Library of Congress, Research Guides. Stand Last Updated 23.10.2026. abgerufen am 25.10.2026
  5. Nachschlagewerk Philip J. Deloria und Christopher K. Riggs: Native Americans. Encyclopedia of the Great Plains, University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 25.10.2026
  6. Gesetz und Vertrag Dawes Act (1887), Milestone Documents, mit Gesetzestext. National Archives. Stand Last reviewed 08.02.2022. abgerufen am 25.10.2026
  7. Gesetz und Vertrag 25 U.S. Code § 5101: Allotment of land on Indian reservations. Legal Information Institute, Cornell Law School. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  8. Gesetz und Vertrag 25 U.S. Code § 5123: Organization of Indian tribes; constitution and bylaws and amendment thereof; special election. Legal Information Institute, Cornell Law School. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  9. Archiv Native American Urban Relocation (Educator Resources). National Archives. Stand Last reviewed 24.09.2025. abgerufen am 25.10.2026
  10. Nachschlagewerk Indigenous peoples of the American Southwest: The 20th and 21st centuries. Encyclopaedia Britannica, Laura Thompson und Britannica Editors. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  11. Amtliche Stelle Bosque Redondo History. New Mexico Department of Cultural Affairs, New Mexico Historic Sites. Stand 08.09.2026. abgerufen am 25.10.2026
  12. Amtliche Stelle Yavapai and Tonto Apaches. National Park Service, Tonto National Monument. Stand 11.10.2020. abgerufen am 25.10.2026
  13. Amtliche Stelle Post Apache Wars. National Park Service, Chiricahua National Park. Stand 19.08.2018. abgerufen am 25.10.2026
  14. Amtliche Stelle The Apache Wars Part II: Geronimo. National Park Service, Chiricahua National Park. Stand 19.08.2018. abgerufen am 25.10.2026
  15. Primärquelle Executive Order: Establishment and Modification of Apache and White Mountain Indian Reservations in Arizona, 14. Dezember 1872, nach Kappler, Indian Affairs: Laws and Treaties, 1904, S. 812 f.. The American Presidency Project, University of California, Santa Barbara. Stand 14.12.1872. abgerufen am 25.10.2026
  16. Tribal Nation Oglala Sioux Tribe (Startseite, Überschrift The Pine Ridge Indian Reservation). Oglala Sioux Tribe. Stand 16.07.2024. abgerufen am 25.10.2026
  17. Member Tribes. Inter Tribal Council of Arizona. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  18. Tribal Nation History. Navajo Nation. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  19. Tribal Nation Welcome to the Hopi Tribe (Startseite). The Hopi Tribe. Stand 25.10.2026. abgerufen am 25.10.2026
  20. Amtliche Stelle Native Americans and the Homestead Act. National Park Service, Homestead National Historical Park. Stand Last updated 17.09.2024. abgerufen am 25.10.2026
  21. Amtliche Stelle 1832: Winnebago-U.S. treaty promises doctor (Ausstellung Native Voices, Zeitleiste). National Library of Medicine, National Institutes of Health. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026

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    Der Indian Reorganization Act von 1934 beendete die Aufteilung der Reservate.