Cowboys und AlltagThema

Viehtriebe und Cattle Trails

Kurz erklärt Die große Zeit der Viehtriebe (englisch cattle drives) aus Texas nach Norden lag laut Handbook of Texas zwischen 1866 und 1890, die wichtigsten Wege waren Shawnee, Chisholm, Western und Goodnight-Loving Trail. Eine Herde von bis zu 3.000 Rindern führten etwa elf Leute in rund sechs Wochen zum Markt. Quarantänegesetze, Stacheldraht und die Eisenbahn beendeten die großen Triebe bis Mitte der 1880er Jahre weitgehend.

Eine lange Reihe Longhornrinder durchquert einen breiten, flachen Fluss in der Prärie, Reiter am anderen Ufer als kleine Silhouetten im warmen Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Was war ein Viehtrieb?

Auf einem Viehtrieb (englisch cattle drive) liefen die Rinder selbst zum Markt, begleitet von berittenen Treibern. Im späten 19. Jahrhundert war das nach dem Handbook of Texas der wichtigste Weg, Rinder zu verkaufen, und für Texas eine billige Möglichkeit, überzählige Tiere loszuwerden; zugleich wurde der Viehtrieb zu einem Mythos der amerikanischen Frontier. Seine Blütezeit lag zwischen 1866 und 1890.[1]

Organisierte Triebe gab es in Nordamerika schon im 17. Jahrhundert, vor allem in den Carolinas, Massachusetts, New York und Pennsylvania. Dort gingen die Treiber oft zu Fuß, mit Hütehunden und zahmeren Tieren. In Texas ritten sie und trieben deutlich wildere Rinder, zuerst meist Longhorns und oft herrenlose Mavericks.[1] Schon in den 1830er Jahren brachten Texaner Rinder durch Sumpfland nach New Orleans, wo sie das Doppelte ihres Werts in Texas erzielten. Den ersten verzeichneten großen Trieb führte 1846 Edward Piper, der 1.000 Rinder von Texas nach Ohio trieb.[1, 8] Während des Goldrauschs in Kalifornien zogen in den 1850er Jahren einzelne Herden nach Westen: Ein Rind, das in Texas 14 Dollar wert war, brachte in den Goldgräberlagern 100 Dollar und mehr.[1]

Warum trieben Texaner ihre Rinder nach Norden?

Nach dem Bürgerkrieg hatte Texas viele Rinder und keinen Markt. Das Handbook of Texas schätzt den Bestand bei Kriegsende auf drei bis sechs Millionen Tiere, die Kansas Historical Society spricht von fünf Millionen.[1, 6] Viele waren verwildert und ohne Brandzeichen und in Texas mitunter nur 2 Dollar wert. Im Norden, wo der Krieg die Bestände aufgezehrt hatte, brachte ein Longhorn 40 Dollar und mehr.[1] Nach den Steuerlisten von 1866 und 1867 waren Longhorns in Texas je nach Qualität und Ort bis gut 5 Dollar wert.[2]

Eine Bahnverbindung von Texas nach Norden gab es nicht. 1860 lebten mehr als 86 Prozent der US-Bevölkerung östlich des Mississippi, und Eisenbahnen fuhren im Wesentlichen östlich einer Linie von Chicago nach Atlanta.[2] 1866 brachten Texaner mehr als 260.000 Rinder auf verschiedene Märkte; die meisten Treiber zogen offenbar über den Shawnee Trail zu den Bahnhöfen von Kansas City und Sedalia in Missouri. Dort stießen sie auf bewaffnete Farmer, die das Texasfieber fürchteten, und mehrere Staaten sperrten oder beschränkten den Durchzug texanischer Rinder, mit Geldstrafen bis zu 1.000 Dollar.[1]

Einen Ausweg fand 1867 der Viehhändler Joseph G. McCoy aus Illinois. Er wählte Abilene in Kansas, damals kaum besiedelt, und brachte die Bahngesellschaft dazu, dort Abstellgleise und Anlagen zu bauen und ihm für jeden verladenen Waggon eine Provision zu zahlen. Die Behörden von Kansas überredete er, das Quarantänegesetz in Abilene nicht durchzusetzen. Im ersten Jahr kamen schätzungsweise 35.000 Rinder.[1] McCoy baute nach der Kansas Historical Society das Gasthaus Drovers Cottage und die Great Western Stockyards, die Herden trafen ab September 1867 ein.[6]

Welche Cattle Trails gab es?

Die Viehtriebswege waren Netze aus vielen Pfaden, die sich weit verzweigten und vor Flussübergängen verengten. Das Handbook of Texas vergleicht den Chisholm Trail mit einem Baum: Zubringer aus Südtexas als Wurzeln, ein Hauptweg als Stamm, Äste zu den Zielen im Norden.[2] Die großen Wege im Überblick, weitere Routen auf der Seite Die Trails des Wilden Westens:

Die großen Viehtriebswege aus Texas
TrailNutzungVerlaufZiele
Shawnee Trail1840er Jahre bis kurz nach dem Bürgerkrieg[5]Austin, Waco, Dallas, Red River bei Preston, Ostrand des heutigen Oklahoma[5]St. Louis, Sedalia, Kansas City, Baxter Springs[5]
Chisholm TrailSommer 1867 bis 1884[2]Südtexas, San Antonio, Austin, Waco, Fort Worth, Red River Station, Indianer-Territorium[2]Abilene, Wichita, Ellsworth[1]
Western Trail1874 bis 1897 (letzter belegter Trieb)[3]San Antonio, Bandera, Kerrville, Fort Griffin, Doan's Crossing am Red River, Camp Supply[3]Dodge City, Ogallala, weiter bis Montana und Kanada[3]
Goodnight-Loving Trail1866 bis zu den Eisenbahnen der frühen 1880er Jahre[4]Young County, Horsehead Crossing am Pecos, den Pecos aufwärts[4]Fort Sumner (New Mexico), Denver, Cheyenne (Wyoming)[4]

Shawnee Trail

Der Shawnee Trail war nach dem Handbook of Texas der früheste und östlichste der großen Wege. Die Viehtreiber übernahmen einen Pfad, den indigene Völker lange für Jagd und Kriegszüge genutzt hatten und den Siedler aus dem Mittleren Westen Texas Road nannten. Woher der Name Shawnee Trail kommt, ist unsicher; vielleicht von einem Dorf der Shawnee am Red River oder von den Shawnee Hills.[5] Schon im Juni 1853 hielten Farmer im Westen von Missouri eine Herde von 3.000 Rindern auf und zwangen die Treiber zur Umkehr. 1855 bildeten Farmer dort Wachkomitees, die texanische Rinder töteten, und im Dezember 1855 trat ein Gesetz gegen kranke Rinder in Kraft; das Territorium Kansas folgte 1859.[5] Im Frühjahr 1866 zogen 200.000 bis 260.000 Longhorns nach Norden, und manche Treiber gerieten an bewaffnete Banden: Den sechzehnjährigen James M. Daugherty überfielen im Südosten von Kansas als Jäger verkleidete Männer und töteten einen seiner Treiber.[5]

Chisholm Trail

Der wichtigste Weg nach Abilene war der Chisholm Trail. Zwischen dem Bürgerkrieg und 1873 zogen nach dem Handbook of Texas mehr als 1,5 Millionen texanische Rinder über ihn nach Abilene, Wichita und Ellsworth.[1] Nach Jahren der Nutzung war er nach der Kansas Historical Society 200 bis 400 Yards breit und so kahl wie eine Stadtstraße.[6] Eine erfahrene Mannschaft aus zwölf Leuten konnte laut Handbook etwa 2.500 Rinder führen.[2]

Seinen Namen hat der Trail von Jesse Chisholm, einem Dolmetscher, Unterhändler und Händler schottisch-cherokesischer Herkunft, der im Indianer-Territorium Handelsposten betrieb und 1868 starb. Als "Chisholm Trail" erscheint der Weg zuerst am 10. April 1869 in der Zeitung Georgetown Watchman in Texas. Auf den Vermessungen des General Land Office von 1871 bis 1873 trägt aber nur ein Abschnitt von etwa 80 Meilen seinen Namen. Amtliche Karten der Zeit nennen den Weg in Texas Eastern Trail, im Indianer-Territorium und in Kansas Abilene Cattle Trail oder Texas Cattle Trail.[2] Für die ganze Strecke setzte sich der Name nach 1911 durch, als Straßenbauvereine aus Kansas, Oklahoma und Texas eine Fernstraße danach benennen wollten. In einem Zeitungsartikel vom 28. September 1911 schrieben Joseph G. McCoy, William "Buffalo Bill" Mathewson, ein enger Gefährte Jesse Chisholms, und der Herausgeber des Abilene Weekly Reflector, die Fernstraße würde die Erinnerung an einen mythischen Trail namens Chisholm Trail bewahren; sie solle Abilene Trail heißen.[2] Das Texas Parks and Wildlife Department schreibt dagegen in einem Unterrichtsmaterial, Jesse Chisholm habe den Trail 1865 angelegt.[7]

Western Trail

1874 trieben John T. Lytle und sein Partner Tom M. McDaniel 3.500 Longhorns vom Medina County in Texas zur Red Cloud Agency bei Fort Robinson in Nebraska, für die Lytle einen Liefervertrag der Regierung hatte. Dabei legten sie nach dem Handbook of Texas den Western Trail an, der auch Dodge City Trail, Fort Griffin Trail oder Texas Trail heißt.[3] Die Encyclopedia of the Great Plains schreibt den Weg dagegen Lucien Maxwell zu, der etwa ein Jahrzehnt nach 1867 von Belton in Texas nach Nordwesten zog.[8] Für die Saison 1876 baute die Atchison, Topeka and Santa Fe Railway ihre Verladeanlagen in Dodge City aus, und die meisten Herden folgten nun Lytles Route.[3, 1]

Von Dodge City führten bis 1884 fünf Wege durch das westliche Kansas nach Ogallala an der Union Pacific in Nebraska, weil neue Quarantänegesetze von 1876, 1877 und 1881 die Grenze immer weiter nach Westen schoben. Von dort zogen Herden weiter bis Montana und Kanada. Einige Longhorns liefen das ganze System von 2.600 Meilen ab, das manchmal Great Western Trail heißt.[3] In 21 Jahren brachten die Treiber nach dem Handbook rund vier Millionen Rinder über den Western Trail zu Märkten, Agenturen und Weiden im Norden. Den letzten belegten Trieb aus Texas führte 1897 "Scandlous John" McCanless von der XIT Ranch nach Montana.[3] Nach der Encyclopedia of the Great Plains nutzten die Treiber den Western Trail dagegen nur bis 1892, als Siedler die Route im Oklahoma-Territorium einzäunten.[8]

Goodnight-Loving Trail

Im Frühjahr und Frühsommer 1866 trieben Charles Goodnight und Oliver Loving ihre erste Longhornherde auf der Route der Butterfield-Post von Fort Belknap zur Horsehead Crossing am Pecos und den Fluss hinauf nach Fort Sumner in New Mexico. Im Herbst 1866 verlängerte Loving den Weg über Las Vegas, den Santa Fe Trail und den Raton Pass bis Denver. Am Raton Pass verlangte "Uncle Dick" Wootton zehn Cent je Tier Wegzoll; Goodnight zahlte unter Protest.[4] 1868 lieferte Goodnight Rinder an John Wesley Iliff in Cheyenne in Wyoming. Viehzüchter aus Texas, New Mexico und Colorado nutzten den Trail, bis Anfang der 1880er Jahre die Eisenbahn in den Südwesten kam.[4] Für Loving und danach vier Jahre für Goodnight ritt der schwarze Cowboy Bose Ikard (Schwarze Cowboys im Wilden Westen).[14]

Wie viele Rinder zogen nach Norden?

Die Schätzungen gehen nach dem Handbook of Texas weit auseinander, meist ohne Belege. Wie viele Rinder den Chisholm Trail selbst berührten, lässt sich nicht feststellen, weil es weitere Routen durch das Indianer-Territorium gab.[2]

Schätzungen der Rinderzahlen auf den Trails aus Texas
Zeitraum und WegRinderHerkunft der Zahl
1866 bis 1884, alle Triebe aus Texas nach Nordenrund 5.200.000[2]US Bureau of Statistics, nach dem Handbook of Texas[2]
1867 bis 1875, alle Triebe nach Nordenmehr als 2.400.000[2]US Bureau of Statistics, nach dem Handbook of Texas[2]
1866 bis 1890, aus Texas zu Märkten und Weiden im Nordenmehr als 5.000.000[9]Encyclopedia of the Great Plains (Kenneth C. Dagel)[9]
1871 allein600.000 bis 700.000[8]Encyclopedia of the Great Plains (Richard W. Slatta)[8]
Chisholm Trail bis 1873mehr als 1.500.000[1]Handbook of Texas, Artikel Cattle Trailing[1]
Weg nach Dodge City bis 18852.700.000 bis 6.000.000[1]Handbook of Texas, Artikel Cattle Trailing[1]
Western Trail in 21 Jahrenrund 4.000.000[3]Handbook of Texas, Artikel Western Trail[3]

Wie lief ein Viehtrieb ab?

Die meisten Triebe begannen nach dem Texas Parks and Wildlife Department im Frühjahr: Dann gab es unterwegs Gras, und die Herden kamen vor dem Winter im Norden an.[7] Den größten Teil brachten Vertragstreiber zum Markt, die für meist 1 bis 1,50 Dollar je Tier fremde Rinder trieben. Von 1866 bis 1890 bewegten sie nach dem Handbook of Texas bis zu 90 Prozent des Verkehrs auf den Trails. Der Aktivste war wohl John T. Lytle, der mit mindestens drei Partnern von 1871 bis 1886 etwa eine halbe Million Rinder nach Kansas lieferte.[1]

Wie viele Cowboys brauchte man für 3.000 Rinder?

Für eine Herde von bis zu 3.000 Tieren rechnet das Handbook of Texas mit etwa elf Leuten, das Texas Parks and Wildlife Department für rund 3.000 Rinder mit zwölf bis fünfzehn Mann.[1, 7] Nach dem Artikel über den Chisholm Trail führte eine erfahrene Mannschaft aus zwölf Leuten, mit Trail Boss, Koch, Pferdehüter und Treibern, etwa 2.500 Rinder.[2] Der Historiker Philip Ashton Rollins schätzte nach der Encyclopedia of the Great Plains einen Mann auf 250 bis 350 Rinder; jeder Reiter brauchte sechs bis acht Pferde.[8] Der Trail Boss hatte nach dem Texas Parks and Wildlife Department das letzte Wort wie ein Kapitän auf einem Schiff, und als nächstwichtiger galt manchen der Koch.[7] Als Monatslohn nennt der Artikel über den Chisholm Trail etwa 90 Dollar für den Trail Boss, 50 Dollar oder mehr für den Koch und 30 Dollar für einen Treiber; Vorräte für drei Monate kosteten bis zu 400 Dollar.[2] Andere Lohnangaben des Handbook stehen auf der Seite Cowboys im Wilden Westen.

Ein Tag auf dem Trail

Vorn fuhren der Küchenwagen, der Chuckwagon, und der Gerätewagen und suchten den Lagerplatz, dahinter kamen die Pferdehüter mit den Ersatzpferden, der "remuda". Ein paar Treiber ritten an der Spitze der Herde ("point"), zwei oder mehr an den Flanken und zwei oder mehr am staubigen Ende ("drag"), wohin oft Neulinge oder Bestrafte kamen. Mit zehn bis fünfzehn Meilen am Tag weideten sich die Rinder in etwa sechs Wochen zum Markt.[1] Nach ein paar Wochen waren die Tiere "trail broke" und leichter zu führen.[8] Liefen Rinder mehrerer Züchter gemeinsam, bekam jedes Tier zusätzlich zum Zeichen des Besitzers ein gemeinsames "road brand", und der Trail Boss führte eine Liste der Brandzeichen.[7]

Wenig an der Arbeit war glanzvoll, und die meisten Tage verliefen nach dem Handbook of Texas ereignislos. Gefährlich wurden Unwetter, Stampeden und Flussüberquerungen, selten auch Zusammenstöße mit Angehörigen indigener Nationen.[1] Eine Stampede, die panische Flucht der Herde, konnte schon ein Windgeräusch oder ein aufblitzender Wasserbehälter auslösen. Die Treiber setzten sich dann vor die Herde und lenkten sie in einen Kreis, den sie immer enger zogen; ihr Singen sollte unruhige Herden beruhigen.[7] Nur wenige Trail Bosses erlaubten ihren jungen Treibern Pistolen, weil sich Schüsse unbeabsichtigt lösen und die Herde in Panik versetzen konnten.[1]

Hölzerner Küchenwagen mit Plane auf offener Prärie an einem Lagerplatz, eine Kaffeekanne über einem kleinen Feuer, Sättel am Boden und eine grasende Herde in der Ferne im späten Nachmittagslicht
Lager auf dem Trail: Der Küchenwagen fuhr der Herde voraus und suchte den Lagerplatz. Bild: KI-generiert

Round-up und Brandzeichen

Zwischen den Trieben arbeiteten die Cowboys auf den Ranches. Auf der offenen Weide der nördlichen Great Plains trieben sie die Rinder nach der Encyclopedia of the Great Plains im Frühjahr zusammen, um sie zu zählen und zu brandmarken, und im Herbst, um die Schlachtrinder für den Markt herauszutrennen. Die Round-ups des späten 19. Jahrhunderts glichen im Prinzip und weitgehend auch in der Praxis denen von heute.[9] Die Herden selbst kamen anfangs oft aus Texas, das als Zuchtgebiet mit mildem Wetter Rinder an Rancher weiter im Norden verkaufte; die Weiden im Norden dienten der Mast.[9]

Brandzeichen sind alt: Ägyptische Grabmalereien, mindestens 4.000 Jahre alt, zeigen nach dem Handbook of Texas schon Round-ups und das Brennen von Rindern. Bis zur Erfindung der Tätowierung war das eingebrannte Zeichen die einzige Markierung, die ein Leben lang hielt. Nach Amerika brachten es die Spanier; die drei lateinischen Kreuze von Hernán Cortés waren vielleicht das erste Brandzeichen der westlichen Hemisphäre, und nach dem Handbook ordnete die Krone 1537 eine Vereinigung der Viehzüchter an, die Mesta, bei der jedes Zeichen in Mexiko-Stadt eingetragen werden musste.[11] Die frühen spanischen Zeichen in Texas waren eher Bilder mit Schnörkeln als Buchstaben; angloamerikanische Rancher nannten sie "quién sabes", weil sie sie nicht lesen konnten, und brannten selbst meist ihre Initialen ein.[11]

Ab 1848 sah Texas die Eintragung der Brandzeichen beim County Clerk vor; ein nicht eingetragenes Zeichen galt nicht als Beweis für das Eigentum. Eine eigene Sprache beschreibt die Zeichen: Ein liegender Buchstabe ist "lazy", ein schräger "tumbling", einer mit Flügeln "flying", einer in einem Viertelkreis "rocking". Üblich wurde die linke Hüfte, ein Gesetz schrieb das nicht vor. Dazu kamen Ohrkerben (englisch earmarks), die fast jeder Viehzüchter der Zeit des offenen Weidelands in die Ohren schnitt, etwa der "jinglebob" von John S. Chisum.[11] Mit Brandzeichen befasst sich in Texas ein umfangreiches Recht; 1913 wurde die Regel zur Eintragung geändert, nachdem Diebstähle von Tieren mit nicht eingetragenen Zeichen ungestraft geblieben waren (Rustling, Maverick). Zu den ältesten bis heute geführten Brandzeichen zählt das "Running W" der King Ranch, das Richard King 1869 einführte.[11]

Rinder in einem breiten Bergtal an einem klaren Fluss, grobe Holzkoppeln und ein Planwagen neben einer Blockhütte, einige Reiter weit entfernt, dahinter ein Felsgipfel im späten Nachmittagslicht
Round-up in einem Flusstal: Im Frühjahr wurden die Rinder gezählt und gebrandmarkt. Bild: KI-generiert

Rinderstädte und Eisenbahn

Ziel der Triebe waren die Bahnhöfe. Von 1866 bis 1885 trieben Texaner nach der Kansas Historical Society jedes Jahr Hunderttausende Longhorns zu den Verladestellen in Kansas; den größten Teil des Handels bekamen Abilene, Ellsworth, Wichita, Dodge City und Caldwell.[6] 1873 kamen mehr als 150.000 Rinder nach Ellsworth, aber nur gut 30.000 gingen dort auf die Bahn; die meisten anderen kauften Rancher für die Weiden im Westen. Von 1875 bis 1885 verlud Dodge City jedes Jahr mehr als 75.000 Rinder.[6] Saloons und Tanzhäuser gehörten zu jeder dieser Rinderstädte (Der Saloon).[6]

Die Eisenbahn bestimmte, wohin die Herden zogen. In Abilene hielt die Kansas Pacific, in Dodge City die Atchison, Topeka and Santa Fe, in Ogallala die Union Pacific.[1, 3] Bahnverbindungen aus Texas nach Norden gab es nach dem Handbook of Texas ab 1873, doch die Frachtkosten waren zwei- bis dreimal so hoch wie die Gebühr der Vertragstreiber, und die Triebe gingen weiter.[1] Nach Fort Worth kam die Texas and Pacific Railway am 19. Juli 1876. Die Stadt hieß schon kurz nach dem Bürgerkrieg "Cowtown", weil die Treiber dort auf dem Weg zum Chisholm Trail Vorräte kauften.[12] Mehr zur Bahn im Westen auf der Seite Die erste transkontinentale Eisenbahn.

Viehtriebe durch das Indianer-Territorium

Die Wege nach Kansas führten durch das Indianer-Territorium, das heutige Oklahoma. Die dort lebenden Nationen verlangten von den Treibern nach dem Handbook of Texas zunehmend Weidegebühren für den Durchzug; das war einer der Gründe, warum sich die Triebe ab etwa 1876 nach Westen verlagerten.[1] Der Western Trail führte durch die Reservate der Comanche, Kiowa und Apache und der Cheyenne und Arapaho und durch den Cherokee Outlet. Soldaten aus Fort Elliott, Fort Sill, Fort Reno und Camp Supply begleiteten anfangs die Herden, auch um das Land der Nationen vor Schäden und Überweidung zu schützen. Als die Triebe größer und häufiger wurden, trat eine Weidegebühr an die Stelle der Begleitung.[3]

Den neuen Weg nutzten die meisten Treiber nach dem Handbook erst, als Comanche und Kiowa nach dem Red-River-Krieg entwaffnet und in Reservate gezwungen waren.[1] Gekämpft hatte die US-Armee gegen Krieger der Kiowa, Comanche, Cheyenne und Arapaho; der Artikel Cattle Trailing datiert den Krieg auf 1871 bis 1876, der eigene Handbook-Artikel zum Red River War auf Juni 1874 bis Frühjahr 1875.[1, 15] Rinder vom Trail gingen auch an die Agenturen der Reservate: Lytles erste Herde 1874 war für die Red Cloud Agency bestimmt, und Zweige des Western Trail führten zu Agenturen wie Fort Berthold, Cheyenne River und Standing Rock.[3]

Warum endeten die Viehtriebe?

Die Staaten entlang der Trails erließen nach dem Handbook of Texas Quarantänegesetze, die die Herden um besiedelte Gebiete herumleiteten oder nur im Winter durchließen. 1885 verbot Kansas den Trieb texanischer Rinder über seine Grenzen ganz. Weil Kansas mit seinen Bahnlinien für das Geschäft zentral war, trug das zusammen mit den Gesetzen anderer Staaten wesentlich zum Ende der Viehtriebe bei, die zwanzig Jahre geblüht hatten.[10] Sheriff Pat Sughrue aus dem Ford County musste nach der Kansas Historical Society auf Anweisung des Gouverneurs Treiber an der Grenze zurückschicken.[6] Die Encyclopedia of the Great Plains datiert die entscheidende Quarantäne in Kansas dagegen auf 1884.[8]

Dazu kam der Stacheldraht: Der Western Trail war an unzähligen Stellen mit Zäunen versperrt, legalen und illegalen, in Texas wie nördlich des Red River. Ein Gesetz für einen bundeseigenen "National Trail" für Rinder scheiterte im Repräsentantenhaus, und die Züchter schickten ihre Tiere immer öfter mit der Bahn.[1] In Kansas kamen nach der Kansas Historical Society Mitte der 1880er Jahre mehrere Gründe zusammen: Bahnlinien reichten direkt nach Texas, Käufer verlangten besser gezüchtetes Vieh, und Siedler füllten das restliche offene Land. 1885 waren die Viehtriebe dort vorbei, das Geschäft mit Rindern nicht: 1890 stand Kansas in der Rinderzucht an dritter Stelle der USA.[6] Vereinzelte Triebe gab es nach der Encyclopedia of the Great Plains noch ein Jahrzehnt lang.[8] Was das Ende für die Treiber bedeutete, steht auf den Seiten Cowboys im Wilden Westen und Schwarze Cowboys im Wilden Westen.

Viehtriebe heute

Die Fort Worth Stockyards, nach dem Handbook of Texas über fünf Jahrzehnte einer der großen Viehmärkte der USA, hielten im Dezember 1992 ihre letzte Auktion ab. Seitdem kommen Touristen wegen der Restaurants, Läden und Westernatmosphäre; das Handbook nennt die Chisholm Trail Days im Juni als eines der Feste im Viertel.[12] Dort führen nach den Angaben auf der Seite der Fort Worth Herd Treiber zweimal am Tag eine Herde Longhorns die East Exchange Avenue entlang (Stand Oktober 2026).[13] Die offizielle Longhornherde des Staates Texas lebt seit 1948 in Fort Griffin; das Texas Parks and Wildlife Department nennt den Ort Fort Griffin State Park, das Handbook of Texas Fort Griffin State Historic Site der Texas Historical Commission. Am Ort führte früher der Western Trail vorbei.[7, 16, 3]

Zeitleiste: Viehtriebe aus Texas

Zeitleiste: Viehtriebe aus Texas
  1. 1846Edward Piper treibt 1.000 Rinder von Texas nach Ohio, der erste verzeichnete große Viehtrieb.[1, 8]
  2. Juni 1853Farmer im Westen von Missouri halten eine Herde von 3.000 Rindern auf und zwingen die Treiber zur Umkehr.[5]
  3. Dezember 1855In Missouri tritt ein Gesetz gegen kranke Rinder in Kraft.[5]
  4. 1859Das Territorium Kansas erlässt ein Schutzgesetz gegen texanische Rinder.[5]
  5. 1866Texaner treiben mehr als 260.000 Rinder zu verschiedenen Märkten; Charles Goodnight und Oliver Loving eröffnen ihren Trail nach New Mexico.[1, 4]
  6. 1867Joseph G. McCoy macht Abilene in Kansas zum Verladeplatz für texanische Rinder; im ersten Jahr kommen schätzungsweise 35.000 Tiere.[1, 6] Abilene
  7. 10.04.1869Der Name Chisholm Trail erscheint zum ersten Mal in einer Zeitung, dem Georgetown Watchman in Texas.[2] Chisholm Trail
  8. 1873Eine erneute Quarantäne schließt Abilene für Rinder aus dem Süden.[1] Abilene
  9. 1874John T. Lytle und Tom M. McDaniel treiben 3.500 Longhorns zur Red Cloud Agency und legen den Western Trail an.[3]
  10. 1876Die Atchison, Topeka and Santa Fe Railway baut ihre Verladeanlagen in Dodge City aus; die meisten Herden ziehen nun über den Western Trail.[1, 3] Dodge City
  11. 19.07.1876Die Texas and Pacific Railway erreicht Fort Worth.[12]
  12. 1885Kansas sperrt sich ganz gegen den Trieb texanischer Rinder.[10]
  13. 1893Theobald Smith und Fred Lucius Kilborne weisen den Erreger des Texasfiebers nach und zeigen, dass Zecken ihn übertragen.[10]
  14. 1897"Scandlous John" McCanless treibt Rinder der XIT Ranch nach Montana, der letzte belegte Viehtrieb aus Texas.[3]
  15. 1948Die offizielle Longhornherde des Staates Texas bekommt ihre Heimat im Fort Griffin State Park.[7]
  16. Dezember 1992Die Fort Worth Stockyards halten ihre letzte Auktion ab.[12]

Mythos und Wahrheit

Cowboys schrieben auch selbst über das Leben auf dem Trail. Nach der Encyclopedia of the Great Plains veröffentlichte Charles A. Siringo 1885 "A Texas Cow Boy" und löste eine Flut ähnlicher Bücher von wechselnder Qualität und Glaubwürdigkeit aus. Joseph G. McCoy hatte schon 1874 mit "Historic Sketches of the Cattle Trade" den ersten großen Bericht über das Leben auf dem Trail vorgelegt.[8]

Mehr zu Cowboys und Trails

Häufige Fragen

Was war ein Viehtrieb?

Auf einem Viehtrieb (cattle drive) liefen die Rinder zu Fuß zum Markt, begleitet von berittenen Treibern. Im späten 19. Jahrhundert war das nach dem Handbook of Texas der wichtigste Weg, Rinder aus Texas zu verkaufen; die Blütezeit lag zwischen 1866 und 1890.

Wie viele Cowboys brauchte man für eine Herde von 3.000 Rindern?

Das Handbook of Texas rechnet für eine Herde von bis zu 3.000 Tieren mit etwa elf Leuten, das Texas Parks and Wildlife Department mit zwölf bis fünfzehn Mann. Dazu gehörten Trail Boss, Koch, Pferdehüter und Treiber.

Wie lange dauerte ein Viehtrieb?

Mit zehn bis fünfzehn Meilen am Tag weideten sich die Rinder nach dem Handbook of Texas in etwa sechs Wochen zum Markt. Für den Chisholm Trail nennt das Handbook Vorräte für drei Monate, die bis zu 400 Dollar kosten konnten.

Welche Cattle Trails gab es?

Die großen Wege aus Texas waren der Shawnee Trail nach Missouri, der Chisholm Trail nach Abilene und anderen Orten in Kansas, der Western Trail nach Dodge City und weiter nach Norden und der Goodnight-Loving Trail nach New Mexico und Colorado.

Wie viele Rinder wurden aus Texas nach Norden getrieben?

Die Schätzungen gehen weit auseinander. Das US Bureau of Statistics schätzte für 1866 bis 1884 rund 5,2 Millionen Rinder, die Encyclopedia of the Great Plains nennt für 1866 bis 1890 mehr als 5 Millionen. Über den Chisholm Trail zogen laut Handbook of Texas bis 1873 mehr als 1,5 Millionen Rinder.

Warum endeten die Cattle Drives?

Quarantänegesetze gegen das Texasfieber sperrten die Wege, 1885 schloss sich Kansas ganz gegen texanische Rinder ab. Stacheldraht versperrte die Trails, Siedler füllten das offene Land, und als die Eisenbahn bis nach Texas reichte, schickten die Züchter ihre Rinder mit dem Zug.

Was ist ein Round-up?

Beim Round-up trieben Cowboys die Rinder von der offenen Weide zusammen. Nach der Encyclopedia of the Great Plains wurden die Tiere im Frühjahr gezählt und gebrandmarkt, im Herbst trennten die Cowboys die Schlachtrinder für den Markt heraus.

Warum wurden Rinder gebrandmarkt?

Ein eingebranntes Zeichen war bis zur Erfindung der Tätowierung die einzige Markierung, die ein Leben lang hielt. Es zeigte, wem ein Tier gehörte; in Texas sah das Recht ab 1848 die Eintragung beim County Clerk vor; ein nicht eingetragenes Zeichen galt nicht als Eigentumsbeweis.

Quellen

  1. Nachschlagewerk Jimmy M. Skaggs: Cattle Trailing. Texas State Historical Association, Handbook of Texas. Stand 1976, überarbeitet 07.10.2020. abgerufen am 24.10.2026
  2. Nachschlagewerk Wayne Ludwig: Chisholm Trail. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1952, überarbeitet 26.07.2025. abgerufen am 24.10.2026
  3. Nachschlagewerk Jimmy M. Skaggs, überarbeitet von Gary und Margaret Kraisinger: Western Trail. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1976, überarbeitet 01.07.2026. abgerufen am 24.10.2026
  4. Nachschlagewerk T. C. Richardson: Goodnight-Loving Trail. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1976, überarbeitet 18.04.2017. abgerufen am 24.10.2026
  5. Nachschlagewerk Wayne Gard: Shawnee Trail. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1952, überarbeitet 11.10.2016. abgerufen am 24.10.2026
  6. Nachschlagewerk Cowtowns (Kansapedia). Kansas Historical Society. Stand Juli 2010, geändert Februar 2013. abgerufen am 24.10.2026
  7. Amtliche Stelle Vaqueros and Cowboys: Background for Teachers (Keep Texas Wild). Texas Parks and Wildlife Department. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  8. Nachschlagewerk Richard W. Slatta: Cattle Trails (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 24.10.2026
  9. Nachschlagewerk Kenneth C. Dagel: Cattle Ranching (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 24.10.2026
  10. Nachschlagewerk Tamara Miner Haygood: Texas Fever. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1952, überarbeitet 17.05.2017. abgerufen am 24.10.2026
  11. Nachschlagewerk David Dary: Cattle Brands. Texas State Historical Association, Handbook of Texas. Stand 1952, überarbeitet 19.04.2017. abgerufen am 24.10.2026
  12. Nachschlagewerk J'Nell L. Pate: Fort Worth Stockyards. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1995, überarbeitet 03.06.2016. abgerufen am 24.10.2026
  13. The Fort Worth Herd (Angaben des Betreibers über sich selbst). Visit Fort Worth. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  14. Nachschlagewerk Joseph Andrew Blackman: Ikard, Bose. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1995, überarbeitet 16.09.2020. abgerufen am 24.10.2026
  15. Nachschlagewerk James L. Haley: Red River War. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1952, überarbeitet 27.01.2021. abgerufen am 25.10.2026
  16. Nachschlagewerk Longhorn Cattle (von Donald E. Worcester), Handbook of Texas Online. Texas State Historical Association. Stand 1952, überarbeitet 29.10.2025. abgerufen am 27.10.2026

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