Cowboys und AlltagThema

Stacheldraht und das Ende der offenen Weide

Kurz erklärt Joseph F. Glidden aus DeKalb in Illinois erhielt am 24. November 1874 das US-Patent 157.124 auf einen Stacheldraht aus zwei verdrillten Drähten mit gewickelten Stacheln. Ältere Patente gab es schon, durchgesetzt hat sich sein Draht; der Oberste Gerichtshof der USA bestätigte das Patent 1892. In den 1880er Jahren zäunten Rancher und Farmer die offene Weide ein.

Nahaufnahme von zwei verdrillten Drähten mit gewickelten Stacheln an einem verwitterten Holzpfosten, dahinter unscharf die weite Prärie im warmen Licht der späten Nachmittagssonne
Bild: KI-generiert

Warum brauchte der Westen Stacheldraht?

In den 1870er Jahren kam die Landwirtschaft auf den Great Plains nach dem Handbook of Texas nicht weiter, weil es kein brauchbares Material für Zäune gab, die Felder vor Rindern schützten. Im Osten baute man Zäune aus Stein und Holz. In Texas behalf man sich mit Gräben, Lehmwällen und Dornenhecken, am liebsten aus Osage-Orange (bois d'arc). Weder Hecken noch glatter Draht lösten das Problem der Rancher und Farmer in den Plains.[2] Drahtzäune ohne Stacheln gab es nach dem Obersten Gerichtshof der USA schon lange, doch sie waren schlecht zu sehen oder zu schwach, und so gerieten sie als Schutz gegen Rinder weitgehend außer Gebrauch.[3] Holz für Zäune war in der Region knapp.[8]

Bis dahin weideten die Herden frei auf dem offenen Weideland, englisch open range. Nur Schluchten, Flüsse und andere natürliche Grenzen hielten sie auf. Cowboys hielten die Tiere im Gebiet ihres Besitzers, und im Frühjahr und Herbst trieben die Cowboys mehrerer Ranches das Vieh beim Roundup zusammen und sortierten es nach Brandzeichen.[9] Eigenes Weideland erwarben vor dem Stacheldraht in Texas nach dem Handbook nur wenige Viehzüchter.[13]

Wer hat den Stacheldraht erfunden?

Einen einzelnen Erfinder hat der Stacheldraht nach der Encyclopedia of the Great Plains nicht.[8] Der Oberste Gerichtshof zählte 1892 ältere Patente auf. 1867 ließen William D. Hunt einen Draht mit kleinen, drehbaren Stachelrädern und Lucien B. Smith einen Drahtzaun mit Spulen voller Stacheln patentieren, 1868 erhielt Michael Kelly zwei Patente auf Draht mit flachen Stacheln aus Eisen oder Stahl. Hunts und Smiths Erfindungen schienen dem Gericht kaum mehr als Versuche, in allgemeinen Gebrauch kamen sie nie; von Kellys Draht seien offenbar nie mehr als 3.000 Tonnen im Jahr verkauft worden.[3] Das Oklahoma-Lexikon (Encyclopedia of Oklahoma History) nennt Kellys Draht von 1868 den ersten brauchbaren Stacheldraht.[9]

Joseph F. Glidden war Farmer bei DeKalb in Illinois. Nach dem Joseph F. Glidden Homestead, dem Museum auf seinem früheren Hof, suchte er einen besseren Zaun, weil seine Frau Lucinda sich über Vieh im Hof beklagte. Lucinda erzählte später, im Winter 1872/73 seien Haarnadeln aus einer Schale auf ihrer Kommode verschwunden; ihr Mann habe damit an einer Idee für einen Zaun gearbeitet. Mit dem Schmied Phineas Vaughan baute Glidden eine alte Kaffeemühle so um, dass sie mit einer Kurbeldrehung kleine, gleichmäßige Drahtwindungen formte.[4] Am 12. Mai 1874 erhielt er das US-Patent 150.683 auf einen Drahtspanner für Zäune, ein geschlitztes Rohr mit Spiralfeder, die die Drähte bei Hitze und Kälte gleichmäßig straff halten soll.[3, 17]

Den Antrag auf sein wichtigstes Patent hatte Glidden schon am 27. Oktober 1873 eingereicht. Erteilt wurde es am 24. November 1874 als US-Patent 157.124 für eine "Verbesserung an Drahtzäunen". In der Patentschrift nennt Glidden den Zweck: Rinder sollten nicht mehr durch Drahtzäune brechen. Ein kurzer Querdraht wird in der Mitte um einen von zwei Drähten gebogen, seine Enden stehen nach beiden Seiten ab. Der zweite Draht wird mit dem ersten verdrillt und klemmt den Stachel fest, sodass er weder verrutscht noch sich dreht. Lockern sich die Stacheln, zieht ein Spannschlüssel am Pfosten die Drähte wieder straff.[1] Gliddens Draht hieß "The Winner" und wurde nach dem Handbook of Texas das kommerziell erfolgreichste von Hunderten Stacheldrahtmustern.[2]

Alte Kaffeemühle aus Holz und Eisen auf einer Werkbank in einer Scheune, daneben eine Rolle glatter Draht, eine Zange und kurze gebogene Drahtstücke, Licht fällt durch ein Scheunentor
Kaffeemühle, Zange und Draht auf einer Werkbank in einer Scheune Bild: KI-generiert

Glidden, Haish und Ellwood: der Streit um die Patente

In DeKalb tüftelten in den 1870er Jahren drei Männer an einem billigen, haltbaren Zaun: der Farmer Glidden, der Holzhändler Jacob Haish und der Eisenwarenhändler Isaac L. Ellwood. Ellwood gab nach dem Ellwood House Museum seine eigene Idee auf, als er Gliddens Entwurf sah, und kaufte im Juli 1874 für 265 Dollar die Hälfte an Gliddens noch nicht erteiltem Patent. Gemeinsam gründeten die beiden die Barb Fence Company und stellten in DeKalb Stacheldraht her.[5]

Haish hatte nach dem Handbook of Texas schon früher im Jahr 1874 ein Patent auf einen ähnlichen Stachel in S-Form beantragt.[2] Seine Patentschrift unterschrieb er am 11. Juni 1874, den Antrag reichte er am 17. Juni 1874 ein, erteilt wurde das US-Patent 167.240 am 31. August 1875. Sein Stachel ist ein einziges Stück Draht, zu einem S gebogen, dessen zwei Schlaufen beide Drähte des Zauns umfassen.[6]

Am 10. Mai 1876 kaufte der Drahthersteller Washburn and Moen Manufacturing Company aus Massachusetts Gliddens Anteile an den Patenten. Sie zahlte ihm 60.000 Dollar und dazu 25 Cent für je 100 Pfund Draht, der unter diesen Patenten verkauft wurde; mit Ellwood führte sie die Fabrik in DeKalb als I. L. Ellwood and Company weiter.[7, 2] Bis 1876 besaß Washburn and Moen nach dem Handbook of Texas alle wichtigen Stacheldrahtpatente außer dem von Haish und damit fast ein Monopol.[2]

Die Firma und Ellwood klagten gegen Hersteller, die ohne Lizenz Draht machten; 1880 waren vor dem Bundesgericht für den Norden von Illinois rund 14 solche Prozesse anhängig. Am 15. Dezember 1880 erklärte das Gericht im Fall Washburn and Moen gegen Haish die Patente von Hunt und Glidden für gültig. Im Januar und Februar 1881 vergaben die Firma und Ellwood in Chicago mehr als 40 Lizenzen.[7] Haish hatte bis zum Urteil 25.000 Dollar beim Gericht hinterlegt und weigerte sich zunächst, Lizenznehmer zu werden. Am 26. Juli 1881 einigte er sich mit Washburn and Moen: Er übertrug alle seine Patente an die Firma und an Ellwood und erhielt eine Lizenz für 10.000 Tonnen Stacheldraht im Jahr.[7]

Endgültig entschied der Oberste Gerichtshof der USA am 29. Februar 1892 im Fall "The Barbed Wire Patent". Die Beklagten bestritten, dass Gliddens Draht neu war, und beriefen sich auf Zeugen, die ältere Zäune mit solchen Stacheln gesehen haben wollten. Das Gericht verlangte für eine nur mündlich bezeugte Vorwegnahme einen Beweis ohne vernünftigen Zweifel und erklärte das Patent 157.124 für gültig. Der Unterschied zwischen Kellys und Gliddens Zaun sei gering, schrieben die Richter, aber offenbar habe gerade er den Stacheldraht praktisch brauchbar und zum geschäftlichen Erfolg gemacht.[3]

Im Patentrecht gewinnt der letzte Schritt.

Oberster Gerichtshof der USA, Urteil von Richter Brown, The Barbed Wire Patent, 143 U.S. 275, S. 283 (1892) Übersetzung der Redaktion[3]

Wie schnell verbreitete sich der Stacheldraht?

Glidden und Ellwood stellten 1874 nach dem Ellwood House Museum nur 10.000 Pfund Stacheldraht her, fast alles von Hand. 1875 baute die Firma ihre erste Fabrik mit Dampfmaschine und Maschinen für die Stacheln und kam auf mehr als 600.000 Pfund.[5] Der Oberste Gerichtshof nannte 1892 andere Zahlen für den Anfang: Herstellung und Absatz von Gliddens Draht bei der Klägerin seien von 50 Tonnen im Jahr 1874 auf 44.000 Tonnen im Jahr 1886 gestiegen.[3]

Herstellung und Absatz von Stacheldraht laut Quelle
JahrMengeWas gezählt wurde
187410.000 PfundHerstellung von Glidden und Ellwood, laut Ellwood House Museum[5]
187450 TonnenHerstellung und Absatz von Gliddens Draht, laut Oberstem Gerichtshof[3]
1875mehr als 600.000 PfundHerstellung in der ersten Fabrik in DeKalb[5]
18762.840.000 PfundHerstellung laut der Zeitung DeKalb County Manufacturer[5]
187712.863.000 Pfundebenso[5]
187826.655.000 Pfundebenso[5]
187950.337.000 Pfundebenso[5]
188644.000 TonnenHerstellung und Absatz von Gliddens Draht durch Washburn and Moen[3]
1887173.000 TonnenHerstellung und Absatz der Lizenznehmer von Washburn and Moen[3]

Bald gehörten nach der Encyclopedia of the Great Plains 150 Eisenbahngesellschaften zu den Kunden von Glidden und Ellwood, die ihre Gleise mit dem Zaun vor frei laufenden Herden schützten. Mit der Zeit kamen mehr als tausend Stacheldrahtmuster auf den Markt.[8] Wer über die Ebenen des Westens reise, schrieb der Oberste Gerichtshof 1892, sehe dort sehr viel Land hinter solchen Zäunen, das wegen des Holzmangels sonst ungeschützt bliebe.[3]

Die Vorführung in San Antonio

Ellwood hielt Texas nach dem Ellwood House Museum für den größten einzelnen Markt.[5] Nach dem Handbook of Texas reiste Henry Bradley Sanborn 1875 für die Firma von Glidden und Ellwood nach Texas und verkaufte dort den ersten Stacheldraht, ohne den Markt zu erschließen.[2] Sanborn und sein Partner J. P. Warner trafen nach dem Ellwood House Museum auf einen Streit zwischen den Anhängern der freien Weide und den Siedlern, die ihre Felder einzäunen wollten. Selbst Befürworter von Zäunen bezweifelten, dass leichter Draht wilde Longhorns aufhielt, andere fürchteten, die Stacheln würden das Vieh verletzen und die Wunden sich entzünden.[5]

Den Umschwung brachte der Verkäufer John W. Gates, genannt "Bet-a-Million". In San Antonio ließ er einen Pferch aus Gliddens Draht bauen und Longhorns hineintreiben, und der Zaun hielt. In den Einzelheiten gehen die Quellen auseinander: Das Handbook of Texas nennt das Jahr 1876, die Alamo Plaza und Gates' Partner Pete McManus, die Encyclopedia of the Great Plains das Jahr 1878 und die Innenstadt, das Ellwood House Museum die Military Plaza.[2, 8, 5] Danach stiegen die Verkäufe in Texas schnell.[2]

Wie beendete der Stacheldraht die offene Weide?

Mit dem Draht konnten Rancher ihr Weideland abgrenzen. Charles Goodnight zäunte am Palo Duro Canyon ein und nahm damit nach dem Handbook of Texas hin, dass er klare Rechte am Weideland brauchte und die offene Weide enden würde.[2] Ein Beispiel ist die XIT Ranch im Panhandle von Texas, deren Land der Staat für den Bau seines neuen Kapitols vergeben hatte. Im Frühjahr 1885 war der erste Weidezaun fertig, im folgenden Jahr waren 781 Meilen der Weide eingezäunt. Um 1900 teilten Querzäune die Ranch in 94 Weiden, insgesamt waren 1.500 Meilen Zaun gebaut.[12]

In eingezäunten Weiden ließen sich Rinder gezielt züchten, und die Longhorns, die am besten zur offenen Weide passten, wurden kaum noch gebraucht.[2] Goodnight hielt nach der Encyclopedia of the Great Plains eine reine Linie eingeführter englischer Herefords.[8] In den späten 1880er Jahren brachte der Wechsel von der offenen Weide zu eingezäunten Weiden nach dem Handbook Streit zwischen großen und kleinen Ranchern, zwischen Ranchern und Farmern und zwischen den Ranchbesitzern und ihren Cowboys. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war der Übergang zur geschlossenen Weide in Texas so gut wie abgeschlossen, und die Treibzäune wichen einer vollständigen Einzäunung der Ranches.[13]

Lange Zaunlinie aus Holzpfosten und Stacheldraht am Rand eines roten Canyons im Panhandle von Texas, davor Präriegras, darüber ein weiter Himmel im Abendlicht
Ein Weidezaun am Rand eines Canyons im Panhandle von Texas Bild: KI-generiert

Treibzäune in den Blizzards

Lange Zäune quer durch das Land, englisch drift fences, sollten verhindern, dass Herden im Winter weit nach Süden abwanderten. 1880 und 1881 bauten Viehzüchter im Panhandle von Texas nach dem Oklahoma-Lexikon einen 175 Meilen langen Treibzaun von der Grenze des Indianer-Territoriums nach Westen bis New Mexico. In den strengen Wintern Mitte der 1880er Jahre drängten sich Tausende Rinder an solchen Zäunen und starben in den Schneestürmen; die Katastrophe heißt seitdem "big die-up".[9] Die Encyclopedia of the Great Plains beschreibt, wie die Herden in den Blizzards ihrem Instinkt folgend nach Süden zogen und am Draht erfroren.[8]

Das Ende der langen Viehtriebe

Der Stacheldraht war einer von mehreren Gründen für das Ende der großen Triebe aus Texas. 1885 sperrten sich Kansas und andere nördliche Staaten und Territorien ganz gegen texanische Rinder, die das Texasfieber einschleppen konnten. Den Western Trail versperrten da schon an unzähligen Stellen Stacheldrahtzäune, legal errichtet oder nicht, in Texas wie nördlich des Red River. Behindert durch Quarantänen und Draht, schickten die Züchter ihre Rinder immer öfter mit der Bahn (mehr auf der Seite Viehtriebe und Cattle Trails).[14]

Zaunschneider und Gesetze gegen Zäune

Viehzüchter ohne eigenes Land fanden nach der Dürre von 1883 kaum noch Gras und Wasser. In Texas zerschnitten bewaffnete Gruppen nachts Zäune; im Herbst 1883 schätzte man den Schaden auf 20 Millionen Dollar. Eine Sondersitzung des Parlaments, die am 8. Januar 1884 begann, machte das Zaunschneiden zu einem Verbrechen mit ein bis fünf Jahren Gefängnis.[10] Ein Bundesgesetz vom 25. Februar 1885 verbot, öffentliches Land einzuzäunen, auf das der Erbauer keinen in gutem Glauben erworbenen Anspruch hatte; der Oberste Gerichtshof bestätigte es am 24. Mai 1897 im Fall Camfield (die Kämpfe um die Zäune auf der Seite Die Weidekriege).[11]

Was bedeutete der Stacheldraht für die Nationen im Indianer-Territorium?

Im Indianer-Territorium, dem heutigen Oklahoma, wurde die Rinderzucht nach dem Bürgerkrieg wichtig, für die Nationen, denen das Land gehörte, ebenso wie für weiße Rancher aus Texas, die dort Weideland pachteten. Beide ließen ihr Vieh zunächst frei weiden. Die meisten Historiker sehen nach dem Oklahoma-Lexikon die Farmer als erste Nutzer des Drahts; im Indianer-Territorium griffen aber zuerst Viehzüchter zu.[9]

Im Cherokee Outlet im Norden des Territoriums zäunten texanische Viehzüchter und Ranchgesellschaften ab 1882 große Flächen ein, meist mit Zustimmung der Cherokee; die Cherokee Nation schreibt ihren Namen in ihrer eigenen Sprache Tsalagi.[9, 15] Anfang 1883 wertete das Innenministerium der USA die Zäune als "Verbesserung", die Landbesitz unterstellte, und drohte, sie entfernen zu lassen. Daraufhin gründeten die Rancher die Cherokee Strip Live Stock Association, die mit der Cherokee Nation einen Pachtvertrag über fünf Jahre schloss. Die Zäune galten nun als vorläufig und als Eigentum der Cherokee Nation. Nach dem Ende der Pacht mussten alle Rinder bis Oktober 1890 das Outlet verlassen. Viel Draht blieb zurück; ihn holten sich Rancher aus Kansas und später Farmer, die nach der Öffnung des Outlet im September 1893 kamen.[9]

Bei den fünf großen Nationen aus dem Südosten, die im Indianer-Territorium lebten, gehörte das Land der Gemeinschaft, und Zäune waren dort kein überliefertes Mittel, um Eigentum oder Vieh zu schützen. In der Cherokee Nation blieb das Weideland weitgehend offen, bis texanische Rancher dort Land pachteten.[9] Die Chickasaw, in ihrer Sprache Chikasha, hielten bis 1882 schätzungsweise 140.000 Rinder in ihrer Nation und nutzten den Draht auch selbst.[9, 16] E. B. Johnson brachte 1885 von einer Reise in den Osten genug Draht für eine Pferdeweide von einer Quadratmeile mit, und als der Draht seinem Vieh nicht schadete, folgten ihm die Nachbarn. Weil weiße Rancher riesige Flächen einzäunten, den Verkehr durch die Nation behinderten und damit Besitz an Land unterstellten, das ihnen nicht gehörte, begrenzte das Parlament der Chickasaw Nation in den 1880er Jahren Weiden auf 640 Acres (mehr auf der Seite Choctaw und Chickasaw).[9]

Mit der Aufteilung des Landes in Parzellen für Einzelne endete die freie Weide. Danach besaßen die Bürger der Nationen kleine Grundstücke, und die meisten Viehzüchter zogen ab. Als die Zuteilung des Landes der Chickasaw 1906 abgeschlossen war, waren Weidezäune dort üblich geworden (zur Aufteilung indigenen Landes die Seite Der Dawes Act 1887, die auch den Weg der fünf Nationen darstellt).[9]

Zeitleiste: vom ersten Patent bis zum Ende der offenen Weide

Zeitleiste: Stacheldraht
  1. 1868Michael Kelly erhält zwei Patente auf Drahtzäune mit Stacheln.[3]
  2. 27.10.1873Joseph F. Glidden aus DeKalb in Illinois reicht den Antrag auf sein Stacheldrahtpatent ein.[1]
  3. 12.05.1874Glidden erhält das US-Patent 150.683 auf einen Drahtspanner mit Feder für Zäune.[3, 17]
  4. Juli 1874Isaac L. Ellwood kauft für 265 Dollar die Hälfte an Gliddens noch nicht erteiltem Patent.[5]
  5. 24.11.1874Glidden erhält das US-Patent 157.124 für seinen Stacheldraht, der "The Winner" heißt.[1, 2]
  6. 1875Henry Bradley Sanborn verkauft für Glidden und Ellwood den ersten Stacheldraht in Texas.[2]
  7. 31.08.1875Jacob Haish aus DeKalb erhält das US-Patent 167.240 auf seinen Stachel in S-Form.[6]
  8. 1876Nach dem Handbook of Texas zeigen John W. Gates und Pete McManus in San Antonio, dass Gliddens Draht Longhorns aufhält; die Encyclopedia of the Great Plains nennt 1878.[2, 8]
  9. 10.05.1876Die Washburn and Moen Manufacturing Company kauft Gliddens Anteil an den Patenten für 60.000 Dollar und eine Gebühr je verkauftem Draht.[7]
  10. 15.12.1880Ein Bundesgericht in Illinois erklärt in Prozessen gegen Haish und andere Hersteller die Patente von Hunt und Glidden für gültig.[7]
  11. 26.07.1881Haish überträgt alle seine Patente an Washburn and Moen und Ellwood und erhält eine Lizenz.[7]
  12. 1882Texanische Viehzüchter beginnen, im Cherokee Outlet Weiden einzuzäunen, meist mit Zustimmung der Cherokee.[9] Cherokee
  13. 1883Die Cherokee Strip Live Stock Association pachtet das Cherokee Outlet für fünf Jahre von der Cherokee Nation.[9] Cherokee
  14. 1884Texas macht das Zaunschneiden zu einem Verbrechen mit ein bis fünf Jahren Gefängnis.[10] Weidekriege
  15. 1885Auf der XIT Ranch in Texas wird im Frühjahr der erste Weidezaun fertig.[12]
  16. 25.02.1885Ein Bundesgesetz verbietet, öffentliches Land ohne Anspruch darauf einzuzäunen.[11]
  17. Oktober 1890Alle Rinder müssen das Cherokee Outlet verlassen; viele Zäune bleiben stehen.[9] Cherokee
  18. 29.02.1892Der Oberste Gerichtshof der USA erklärt Gliddens Patent 157.124 für gültig.[3]
  19. 24.05.1897Der Oberste Gerichtshof bestätigt im Fall Camfield das Bundesgesetz gegen Zäune auf öffentlichem Land.[11]

Mythos und Wahrheit

Wo lässt sich die Geschichte des Stacheldrahts heute sehen?

Zwei Sammlungen bewahren nach der Encyclopedia of the Great Plains die Geschichte des Stacheldrahts: das Kansas Barbed Wire Museum in LaCrosse in Kansas und das Devil's Rope Museum in McLean in Texas.[8] Die Unterlagen der Texas Barbed Wire Collectors Association liegen im Panhandle-Plains Historical Museum in Canyon in Texas.[2] In DeKalb erinnern das Joseph F. Glidden Homestead mit Scheune, Wohnhaus und Schmiede an Glidden und das Ellwood House Museum an Isaac L. Ellwood.[4, 5]

Mehr zu Cowboys, Ranches und Weideland

Häufige Fragen

Wer hat den Stacheldraht erfunden?

Einen einzelnen Erfinder gibt es nicht. Michael Kelly erhielt schon 1868 Patente auf Drahtzäune mit Stacheln. Durchgesetzt hat sich der Draht von Joseph F. Glidden aus DeKalb in Illinois, der am 24. November 1874 das US-Patent 157.124 bekam.

Wann wurde der Stacheldraht patentiert?

Glidden reichte seinen Antrag am 27. Oktober 1873 ein, erteilt wurde das Patent am 24. November 1874. Schon am 12. Mai 1874 war ihm ein anderes Patent erteilt worden, auf einen Drahtspanner mit Feder für Zäune.

Wie heißt Stacheldraht auf Englisch?

Auf Englisch heißt er barbed wire. Gliddens erfolgreichster Draht trug den Namen "The Winner".

Worum ging der Patentstreit zwischen Glidden und Haish?

Jacob Haish aus DeKalb hatte einen Stachel in S-Form patentieren lassen und bestritt die Rechte der Firma Washburn and Moen, die Gliddens Patente gekauft hatte. Ein Bundesgericht erklärte die Patente von Hunt und Glidden am 15. Dezember 1880 für gültig; im Juli 1881 übertrug Haish seine Patente an die Firma. 1892 bestätigte der Oberste Gerichtshof Gliddens Patent.

Warum beendete der Stacheldraht die offene Weide?

Mit dem billigen Draht konnten Rancher und Farmer auch in den holzarmen Plains ihr Land abgrenzen. Herden ließen sich gezielt züchten, und lange Zäune versperrten die alten Trails. Zusammen mit Quarantänen gegen das Texasfieber und der Eisenbahn beendete das die großen Viehtriebe aus Texas.

Was waren die Zaunschneider?

Viehzüchter ohne eigenes Land, die sich von Wasser und Gras abgeschnitten sahen, zerschnitten 1883 in Texas nachts Zäune. Texas machte das Zaunschneiden 1884 zu einem Verbrechen. Mehr dazu auf der Seite Die Weidekriege.

Was bedeutete der Stacheldraht für die Nationen im Indianer-Territorium?

Im Cherokee Outlet zäunten texanische Viehzüchter ab 1882 Weiden ein, die Zäune galten später als Eigentum der Cherokee Nation. Die Chickasaw Nation, deren Bürger selbst Rinder hielten, begrenzte Weiden auf 640 Acres, weil weiße Rancher riesige Flächen einzäunten. Mit der Aufteilung des Landes in Parzellen endete die freie Weide.

Quellen

  1. Primärquelle Joseph F. Glidden: Improvement in Wire-Fences, US-Patent 157.124 (Antrag vom 27. Oktober 1873). United States Patent Office; Ausgabe Google Patents. Stand 24.11.1874. abgerufen am 25.10.2026
  2. Nachschlagewerk Frances T. McCallum, James Mulkey Owens: Barbed Wire (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1952, überarbeitet 22. Juli 2020. abgerufen am 25.10.2026
  3. Primärquelle The Barbed Wire Patent, 143 U.S. 275 (1892), Washburn and Moen Manufacturing Company gegen Beat 'Em All Barbed Wire Company. Supreme Court of the United States, United States Reports (U.S. Government Publishing Office). Stand 29.02.1892. abgerufen am 25.10.2026
  4. Museum Barbed Wire. Joseph F. Glidden Homestead and Historical Center, DeKalb. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  5. Museum Barbed Wire and I.L. Ellwood. Ellwood House Museum, DeKalb. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  6. Primärquelle Jacob Haish: Improvement in Wire-Fence Barbs, US-Patent 167.240. United States Patent Office; Ausgabe Google Patents. Stand 31.08.1875. abgerufen am 25.10.2026
  7. Primärquelle Thorn Wire Hedge Company gegen Washburn and Moen Manufacturing Company, 159 U.S. 423 (1895). Supreme Court of the United States, United States Reports (U.S. Government Publishing Office). Stand 11.11.1895. abgerufen am 25.10.2026
  8. Nachschlagewerk Anne Dingus: Barbed Wire (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 25.10.2026
  9. Nachschlagewerk Dianna Everett: Barbed Wire (The Encyclopedia of Oklahoma History and Culture). Oklahoma Historical Society. Stand 15.01.2010. abgerufen am 25.10.2026
  10. Nachschlagewerk Wayne Gard: Fence Cutting (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1952, überarbeitet 16. Dezember 2024. abgerufen am 25.10.2026
  11. Primärquelle Camfield v. United States, 167 U.S. 518 (1897), mit dem Wortlaut von Abschnitt 1 des Gesetzes vom 25. Februar 1885, c. 149, 23 Stat. 321. Supreme Court of the United States, United States Reports (U.S. Government Publishing Office). Stand 24.05.1897. abgerufen am 25.10.2026
  12. Nachschlagewerk Hugh Allen Anderson: XIT Ranch (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1976, überarbeitet 15. Juli 2020. abgerufen am 25.10.2026
  13. Nachschlagewerk T. C. Richardson, Harwood P. Hinton: Ranching (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1952, überarbeitet 30. April 2019. abgerufen am 25.10.2026
  14. Nachschlagewerk Jimmy M. Skaggs: Cattle Trailing. Texas State Historical Association, Handbook of Texas. Stand 1976, überarbeitet 07.10.2020. abgerufen am 25.10.2026
  15. Tribal Nation Cherokee Immersion School. Cherokee Nation, Language Department. Stand 06.10.2026. abgerufen am 25.10.2026
  16. Tribal Nation Home (Startseite, Chikasha saya). The Chickasaw Nation. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  17. Primärquelle Joseph F. Glidden: Improvement in Wire-Stretchers for Fences, US-Patent 150.683 (Antrag vom 14. März 1874). United States Patent Office; Ausgabe Google Patents. Stand 12.05.1874. abgerufen am 25.10.2026

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