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Karl May

Kurz erklärt Karl May (1842 bis 1912) war ein sächsischer Schriftsteller und der Erfinder von Winnetou und Old Shatterhand. Bevor er als Schriftsteller Erfolg hatte, saß er wegen Diebstahl und Betrug nach der Neuen Deutschen Biographie insgesamt siebeneinhalb Jahre in Haft. In Amerika war er erst 1908, lange nach seinen Western-Romanen, und auch dann nur im Osten der USA und an den Niagarafällen.

Hölzerner Handwebstuhl mit gespannten Leinenfäden in einer schlichten Weberstube mit rauen Wänden, Licht fällt durch die offene Tür
Bild: KI-generiert

Wer war Karl May?

Karl Friedrich May war ein Schriftsteller aus Sachsen. Er kam am 25. Februar 1842 in Ernstthal zur Welt, dem heutigen Hohenstein-Ernstthal, und starb am 30. März 1912 in Radebeul bei Dresden.[1, 2] Seine Reiseerzählungen, in denen ein Ich-Erzähler als Old Shatterhand durch den Wilden Westen oder als Kara Ben Nemsi durch den Orient zieht, machten ihn zu einem der meistgelesenen deutschen Autoren.[1, 2, 6] Das Karl-May-Museum in Radebeul schätzt die weltweite Gesamtauflage auf rund 200 Millionen und zählt Übersetzungen in fast 50 Sprachen.[2]

Die Neue Deutsche Biographie beschreibt ihn als bekannten, aber umstrittenen Erfolgsschriftsteller: umstritten wegen der Idealisierung seiner eigenen Person und der literarischen Qualität seiner Werke.[1] Bevor er als Schriftsteller bekannt wurde, saß er wegen Diebstahl und Betrug jahrelang in Haft. Den amerikanischen Westen, in dem seine bekanntesten Bücher spielen, sah er nie.[1, 2, 6]

Kindheit in Ernstthal

Der Vater Heinrich August May war Weber, die Mutter Christiane Wilhelmine wurde Hebamme. Nach dem Karl-May-Museum starben neun seiner 13 Geschwister als Kleinkinder.[1, 2] Eine kleine Erbschaft finanzierte die Hebammenausbildung der Mutter und besserte seit 1846 die wirtschaftliche Lage der Familie. Das ermöglichte May ab 1856 den Besuch des Lehrerseminars in Waldenburg.[1] In seiner Autobiografie schreibt May, er sei als kleines Kind zeitweise blind gewesen, und die Märchen seiner Großmutter hätten seine Fantasie geweckt; beides ist nach der Neuen Deutschen Biographie nur durch ihn selbst bezeugt.[1] Sein Geburtshaus in Hohenstein-Ernstthal ist seit dem 12. März 1985 als Karl-May-Haus ein Museum.[11]

Warum saß Karl May im Gefängnis?

Das Seminar in Waldenburg verwies May im Januar 1860, nach dem Deutschen Historischen Museum wegen des Diebstahls von sechs Kerzen.[3, 5] Auf ein Gnadengesuch hin durfte er weiterlernen und erhielt 1861 am Seminar in Plauen die Befähigung zum Hilfslehrer.[1, 5] Die erste Stelle in Glauchau verlor er im Oktober 1861 nach knapp zwei Wochen, die zweite an Fabrikschulen in Altchemnitz im Dezember 1861.[1, 3] Am 26. Dezember 1861 wurde er verhaftet, wegen des angeblichen Diebstahls der Taschenuhr eines Zimmergenossen; nach dem Karl-May-Museum lautete der Vorwurf, er habe die Uhr unerlaubt benutzt.[1, 2, 3] Nach der Neuen Deutschen Biographie wurde er ohne wirkliche Beweise verurteilt. Die sechs Wochen Haft verbüßte er vom 6. September bis 20. Oktober 1862 in Chemnitz, im Juni 1863 verlor er endgültig die Erlaubnis, als Lehrer zu arbeiten.[1, 3]

Danach geriet May nach der Neuen Deutschen Biographie tatsächlich auf Abwege.[1] Er prellte Gastwirte um die Zeche und gab sich als vermögender Arzt aus.[5] Am 8. Juni 1865 verurteilte ihn das Bezirksgericht Leipzig wegen mehrfachen Betrugs zu vier Jahren und einem Monat Arbeitshaus, die er in der Strafanstalt Schloss Osterstein in Zwickau verbüßte. Am 2. November 1868 wurde er vorzeitig entlassen.[3, 5] 1869 trat er als angeblicher Polizist und als Gehilfe eines Advokaten auf, beschlagnahmte "Falschgeld" und stahl erneut.[3, 5] Auf dem Weg zu einem Ortstermin entkam er; am 4. Januar 1870 wurde er in einer Scheune in Böhmen gefasst und gab sich als Albin Wadenbach aus. Das Bezirksgericht Mittweida verurteilte ihn am 13. April 1870 zu vier Jahren Zuchthaus.[3] Vom 3. Mai 1870 bis zum 2. Mai 1874 saß er im Zuchthaus Waldheim; in seinen Entlassungspapieren steht der Vermerk, er wolle nach Amerika auswandern.[3]

Wie lange er insgesamt einsaß, geben die Quellen verschieden an: siebeneinhalb Jahre nach der Neuen Deutschen Biographie, fast acht Jahre nach dem Karl-May-Museum, acht Jahre nach der Encyclopedia of the Great Plains.[1, 2, 6] Die Neue Deutsche Biographie schreibt, May habe diese Zeit 30 Jahre lang vor der Öffentlichkeit verbergen können, in seinen Texten aber immer wieder aufgegriffen.[1]

Alter Holzschreibtisch an einem Fenster mit Öllampe, Tintenfass, Stahlfeder und leeren Papierbögen im warmen Abendlicht
Nachempfundene Szene: Schreibtisch eines Schriftstellers im 19. Jahrhundert Bild: KI-generiert

Wie wurde Karl May zum Schriftsteller?

Ab 1875 arbeitete May als Redakteur beim Dresdner Verlag von H. G. Münchmeyer. Im selben Jahr erschien Die Rose von Ernstthal, die erste Erzählung unter seinem Namen.[1, 5] Ebenfalls 1875 veröffentlichte er Inn-nu-woh, der Indianerhäuptling, seine erste Erzählung, die außerhalb Europas spielt. Sie enthält nach dem Karl-May-Museum einen Vorläufer der späteren Winnetou-Figur.[2] 1880 heiratete er Emma Pollmer in Ernstthal.[1]

Ende 1879 bekam May einen festen Mitarbeitervertrag beim Deutschen Hausschatz, einem katholischen Familienblatt aus Regensburg. Dort erschienen seine Reiseerzählungen aus dem Orient, aus denen später Durch die Wüste wurde.[1] Zugleich schrieb er für Münchmeyer fünf Lieferungsromane, die in Heften erschienen, darunter Das Waldröschen und Der verlorne Sohn. Die Neue Deutsche Biographie zählt 513 Hefte mit 12.390 Seiten aus den Jahren 1882 bis 1886, das Museum nennt Erscheinungsjahre bis 1888.[1, 2] Ab 1887 schrieb May Jugenderzählungen für die Zeitschrift Der Gute Kamerad, darunter Der Schatz im Silbersee.[2]

Berühmt wurde May nach dem Karl-May-Museum vor allem durch die Reiseerzählungen, die ab 1892 als Bücher erschienen.[2] Von 1892 bis 1910 erschienen dort 33 Bände der Gesammelten Reiseromane, ab 1896 Gesammelte Reiseerzählungen genannt.[1, 12] Bis zu Mays Tod erreichten sie nach der Neuen Deutschen Biographie eine Gesamtauflage von etwa 1,5 Millionen. 1893 kamen die drei Bände von Winnetou heraus.[1, 12] Welche Bände in welchem Jahr erschienen, zeigt die Liste Karl-May-Bücher in Reihenfolge.

Woher May sein Wissen über den Westen hatte

Namen, Stadtbeschreibungen und Landschaften entnahm May nach der Neuen Deutschen Biographie zum Teil wörtlich aus Lexika und Reiseberichten.[1] Welche Autoren er nutzte, ist nach der Encyclopedia of the Great Plains bis heute eine wichtige Frage der Forschung. Sie nennt Schriftsteller, die selbst in Amerika gewesen waren: Charles Sealsfield, Friedrich Gerstäcker, Balduin Möllhausen und den Iren Mayne Reid.[6] Was Mays Romane mit dem Reisewerk des Prinzen Maximilian zu Wied verbindet, behandelt die Seite Maximilian zu Wied und Karl Bodmer.

Die Old-Shatterhand-Legende

Seit 1896, auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, gab sich May als der echte Held seiner Romane aus.[1] Am 14. Januar 1896 zog er in die Villa Shatterhand in Radebeul; um Ostern 1896 entstanden dort die Kostümfotos, die ihn als Old Shatterhand zeigen.[3, 1] Laut der Encyclopedia of the Great Plains ließ er Karten mit solchen Bildern drucken und mit "Dr. Karl May" unterschreiben, dazu den Zusatz, er sei als Old Shatterhand bekannt.[6] Einen Doktortitel besaß er nicht; die Neue Deutsche Biographie spricht von einem falschen Titel.[1] Das Karl-May-Museum schreibt, May habe sich "wie einen Popstar" vermarktet.[2]

Nach der Neuen Deutschen Biographie zerbrach dieses Bild zu der Zeit, als May seine erfundenen Reisen tatsächlich nachholen wollte. Am 26. März 1899 trat er eine Reise in den Orient an, die rund 16 Monate dauerte.[1] Schon im Juni 1899 erschien in der Frankfurter Zeitung eine Reihe von Artikeln gegen ihn, einer davon unter dem Titel Karl Mays Reisen; Fehsenfeld und May antworteten mit Gegendarstellungen.[3] Später, unter dem Druck von Prozessen und dem Vorwurf der Hochstapelei, nannte May seine Bücher Märchen und Symbolromane.[1] In seiner Selbstbiographie Mein Leben und Streben von 1910 deutet er das "Ich" der Reiseerzählungen als erdachte Figur, die alle Vorzüge der Menschheit in sich vereinen sollte:[7]

Mein Held mußte die höchste Intelligenz, die tiefste Herzensbildung und die größte Geschicklichkeit in allen Leibesübungen besitzen.

Karl May über Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi, Mein Leben und Streben, Selbstbiographie Band I, Freiburg: Fehsenfeld 1910, S. 146[7]

Prozesse und Pressekampagnen

Um die Jahrhundertwende brachten ihm vor allem die Lieferungsromane für Münchmeyer den Vorwurf ein, ein unsittlicher Schundschriftsteller zu sein; Kulturreformer wie H. Wolgast warfen ihm vor, die deutsche Jugend zu verderben.[1] Ein Gericht bestätigte May 1909, dass Verlegerhand fünf Prozent dieser Texte geändert hatte; seine Urheberschaft insgesamt zu bestreiten, gelang ihm aber nicht.[1] Nach der tabellarischen Biographie der Karl-May-Gesellschaft verurteilte das Landgericht Pauline Münchmeyer am 22. Dezember 1911 im Münchmeyer-Prozess zu einer Zahlung von 60.000 Mark.[3]

Zu Mays Gegnern gehörte der Journalist Rudolf Lebius. Nach dem Deutschen Historischen Museum drohte er May 1904, dessen Vorstrafen zu veröffentlichen; im Lauf der Prozesse wurden sie bekannt.[5] 1910 legte Lebius belastende Gerichtsakten in seiner Schrift Die Zeugen Karl May und Klara May vor.[5] Mein Leben und Streben kam am 25. November 1910 in den Handel und wurde schon am 16. Dezember wegen einer einstweiligen Verfügung, die Lebius erwirkt hatte, wieder zurückgezogen.[13]

In einem Brief hatte Lebius May einen "geborenen Verbrecher" genannt. Am 12. April 1910 sprach ihn das Schöffengericht in Berlin-Charlottenburg trotzdem frei, weil er berechtigte Interessen wahrgenommen habe.[4, 3] In der Berufung verurteilte ihn das Landgericht in Berlin-Moabit am 18. Dezember 1911 zu 100 Mark Geldstrafe, ersatzweise 20 Tagen Gefängnis.[4] Mays Biograf Hermann Wohlgschaft hält fest, dass das eigentliche Hauptverfahren gegen Lebius wegen Mays Tod nicht mehr stattfand.[4] Privat hatte sich May am 4. März 1903 von Emma Pollmer scheiden lassen und am 31. März 1903 seine Sekretärin Klara Plöhn geheiratet.[5, 1]

War Karl May jemals in Amerika?

Ja, aber erst 1908, als seine Western-Romane längst erschienen waren. Nach der Neuen Deutschen Biographie betrat May in diesem Jahr zum ersten Mal amerikanischen Boden.[1] Am 5. September 1908 legte er mit Klara May auf dem Dampfer Großer Kurfürst ab, nach elf Tagen kamen beide in New York an.[4, 3] Nach knapp einer Woche ging es mit dem Schiff den Hudson hinauf nach Albany, dann nach Buffalo, wo May das Grab und Denkmal des Seneca-Anführers und Redners Sa-go-ye-wat-ha besuchte.[4] Ende September und Anfang Oktober wohnte das Paar im Clifton House auf der kanadischen Seite der Niagarafälle.[4] In der Nähe besuchte May die Reservation der Tuscarora, eine Nation der Haudenosaunee (Irokesen), und ließ sich mit einem ihrer Anführer fotografieren.[4, 3]

Im Oktober fuhren die Mays nach Lawrence in Massachusetts zu Ferdinand Pfefferkorn, einem Arzt und Schulfreund Mays aus Hohenstein-Ernstthal. Dort hielt May am 18. Oktober 1908 vor Deutsch-Amerikanern einen Vortrag mit dem Titel Drei Menschheitsfragen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?[4, 3] Im November ging es über Boston zurück nach New York und von dort mit der Kronprinzessin Cecilie nach Europa; im Dezember war das Paar wieder in Radebeul.[4, 3] Das Karl-May-Museum fasst zusammen: Die einzige USA-Reise führte May nach New York und an die Großen Seen, den Wilden Westen lernte er nicht kennen.[2] Eindrücke der Reise flossen nach Wohlgschaft in Mays letzten Roman Winnetou IV von 1910 ein, in dem die Niagarafälle und das Clifton House vorkommen.[4]

Promenadendeck aus Teakholz eines Überseedampfers um 1900 mit Liegestühlen und Messinggeländer, dahinter graue Atlantikwellen unter weitem Himmel
Nachempfundene Szene: Deck eines Dampfers auf dem Atlantik Bild: KI-generiert

Zeitleiste

Zeitleiste: Karl May
  1. 25.02.1842Karl Friedrich May kommt in Ernstthal als Sohn eines Webers zur Welt.[1, 2]
  2. 26.12.1861Verhaftung in Hohenstein wegen des angeblichen Diebstahls der Taschenuhr eines Zimmergenossen; es folgen sechs Wochen Haft im Herbst 1862.[3, 1, 2]
  3. 08.06.1865Das Bezirksgericht Leipzig verurteilt ihn wegen Betrugs zu vier Jahren und einem Monat Arbeitshaus, die er in Zwickau verbüßt.[3]
  4. 13.04.1870Das Bezirksgericht Mittweida verurteilt ihn zu vier Jahren Zuchthaus; Haft in Waldheim bis zum 2. Mai 1874.[3]
  5. 1875Die Rose von Ernstthal erscheint als erste Erzählung unter seinem Namen; May wird Redakteur beim Verlag Münchmeyer in Dresden.[1]
  6. 1892Bei Friedrich Ernst Fehsenfeld in Freiburg beginnt die Reihe der Gesammelten Reiseromane, später Reiseerzählungen.[1, 12]
  7. 1893Die drei Bände Winnetou der Rote Gentleman erscheinen.[12]
  8. Ostern 1896In der Villa Shatterhand in Radebeul entstehen die Kostümfotos, die May als Old Shatterhand zeigen.[3, 1]
  9. 26.03.1899May bricht zu seiner Orientreise auf, die rund 16 Monate dauert.[1]
  10. 05.09.1908May bricht mit seiner Frau Klara nach Amerika auf; die Reise führt nach New York, an die Niagarafälle und nach Lawrence in Massachusetts.[4, 3]
  11. 12.04.1910Das Schöffengericht Charlottenburg spricht den Journalisten Rudolf Lebius vom Vorwurf der Beleidigung frei.[4, 3]
  12. 18.12.1911Das Landgericht in Berlin-Moabit verurteilt Lebius in der Berufung zu 100 Mark Geldstrafe.[4]
  13. 22.03.1912Vortrag "Empor ins Reich der Edelmenschen" in Wien.[2, 3]
  14. 30.03.1912Karl May stirbt in Radebeul.[1]

Was ist Legende, was ist belegt?

Am Anfang der Legende steht May selbst mit der Behauptung, er sei Old Shatterhand und habe erlebt, was er erzählt.[1] Seine zweite Frau Klara schrieb sie später fort. In einem Bericht von 1931 behauptete sie, er habe sie an den Niagarafällen zurückgelassen, um allein zu den Apachen zu reisen, und sei wohl auch im Yellowstone-Park geklettert. Wohlgschaft nennt solche Geschichten freie Erfindungen; weder die Zeit noch Mays Gesundheit hätten solche Touren erlaubt.[4]

Die Blutsbrüderschaft zwischen Winnetou und Old Shatterhand schließen die beiden im ersten Winnetou-Band von 1893.[8] Ein Infoblatt der Karl-May-Vereinigung und der Karl-May-Stiftung schreibt, diese Vorstellung sei Mays Fantasie entsprungen und bei den indigenen Völkern Nordamerikas nie bekannt gewesen.[9] Im selben Band beendet Winnetous Vater Intschu tschuna eine Rede mit "Howgh!", und Old Shatterhand sagt, der gute Manitou habe ihm beigestanden.[8] Was das Wort Manitu tatsächlich bedeutet, erklärt die Seite Manitu. Mays Romane sind Literatur und keine Quelle über die Apachen oder andere Nationen. Das Infoblatt hebt hervor, May habe in seinen Reiseerzählungen für die unterdrückten indigenen Völker Partei ergriffen.[9] Wie das Wort "Indianer" heute gesehen wird, zeigt die Seite Darf man "Indianer" sagen?.

Wie starb Karl May?

Am 22. März 1912 sprach May in Wien über Empor ins Reich der Edelmenschen, nach dem Karl-May-Museum vor fast 3.000 Zuhörern; im Saal saß die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner.[2, 3] Leicht erkältet kehrte er nach Radebeul zurück. Acht Tage nach dem Vortrag, am 30. März 1912, starb er dort in seinem Haus.[4, 1, 3] Als Todesursache nennt Wohlgschaft Herzschlag, das Deutsche Historische Museum ebenso.[4, 5] Das Karl-May-Museum hält dagegen die Folgen einer chronischen Blei- oder Cadmium-Vergiftung für wahrscheinlich, etwa durch Trinkwasser aus Bleirohren.[2] Bertha von Suttner schrieb einen Nachruf.[2] Beerdigt wurde May am 3. April 1912 in Radebeul.[4]

Die Hufeisenfälle des Niagara vom kanadischen Ufer im Herbst, weiße Gischt über grünem Wasser, Bäume in Rot und Gold im späten Nachmittagslicht
Nachempfundene Szene: Niagarafälle im Herbst, wo May 1908 wohnte Bild: KI-generiert

Nachleben: Stiftung, Verlag und Museum

Klara May wurde Alleinerbin, mit der Auflage aus dem Testament, das Vermögen für eine Stiftung zugunsten junger Schriftsteller zu verwenden; die Karl-May-Stiftung wurde am 5. März 1913 bestätigt. Am 1. Juli 1913 gründeten Klara May, Friedrich Ernst Fehsenfeld und der Jurist Euchar Albrecht Schmid den Verlag der Karl-May-Stiftung, der seit 1915 Karl-May-Verlag heißt.[10] Dieser Verlag gab Mays Werke später bearbeitet und teils unter neuen Titeln heraus, etwa Unter Geiern ab 1914.[2, 14] Nach dem Ende der urheberrechtlichen Schutzfrist erschien etwa der Sammelband Der Sohn des Bärenjägers laut der Karl-May-Gesellschaft ab 1963 bei zahlreichen Verlagen.[14]

Seit dem 1. Dezember 1928 gibt es in Radebeul das Karl-May-Museum.[10] In der DDR galt May lange als verfemt; die Wende in seiner Beurteilung setzte nach der Neuen Deutschen Biographie 1982 ein.[1] Wo sein Werk heute auf Freilichtbühnen weiterlebt, zeigen die Seiten Karl-May-Spiele Bad Segeberg, Elspe Festival und Wilder Westen in Deutschland.

Karl May und die Filme

Mit Der Schatz im Silbersee, uraufgeführt am 12. Dezember 1962 in Stuttgart, begann die Reihe der Karl-May-Filme der 1960er Jahre.[15] Alle Filme mit Uraufführung und Vorlage zeigt die Liste Die Karl-May-Filme in Reihenfolge. Über zwei Darsteller der Reihe berichten die Seiten Pierre Brice und Lex Barker. Über Mays eigenes Leben drehte Hans Jürgen Syberberg 1974 einen biografischen Film.[1] Die Debatte um Winnetou von 2022 behandelt die Seite Die Winnetou-Debatte 2022.

Häufige Fragen

War Karl May jemals in Amerika?

Ja, aber erst 1908, mit 66 Jahren. Er fuhr mit seiner Frau Klara nach New York, reiste über Albany und Buffalo zu den Niagarafällen und fuhr im Oktober weiter zu einem Schulfreund nach Lawrence in Massachusetts. Den Westen der USA, in dem seine Romane spielen, hat er nie gesehen.

Gab es Winnetou wirklich?

Nein. Winnetou ist eine Romanfigur. Einen Vorläufer stellte May 1875 in der Erzählung Inn-nu-woh, der Indianerhäuptling vor; berühmt wurde die Figur mit den drei Winnetou-Bänden von 1893. Die Apachen, zu denen May ihn zählt, sind dagegen eine reale Nation.

Wer hat Winnetou geschrieben?

Karl May aus Ernstthal in Sachsen. Die Winnetou-Trilogie erschien 1893 im Verlag von Friedrich Ernst Fehsenfeld in Freiburg, ein vierter Band 1910. Mehr über die Figur steht auf der Seite Winnetou.

Warum war Karl May im Gefängnis?

Ab 1861 wurde er mehrfach verurteilt, zuerst wegen des angeblichen Diebstahls der Taschenuhr eines Zimmergenossen, dann wegen Betrug und Diebstahl. Er gab sich unter anderem als Arzt und als Polizist aus. Bis 1874 saß er nach der Neuen Deutschen Biographie insgesamt siebeneinhalb Jahre, zuletzt im Zuchthaus Waldheim.

Woran ist Karl May gestorben?

Er starb am 30. März 1912 in Radebeul, acht Tage nach einem Vortrag in Wien. Sein Biograf Hermann Wohlgschaft nennt als Todesursache Herzschlag. Das Karl-May-Museum hält eine chronische Blei- oder Cadmium-Vergiftung für die wahrscheinliche Ursache.

Was war die Old-Shatterhand-Legende?

Ab 1896 gab sich May als echter Held seiner Romane aus und ließ sich in Kostüm als Old Shatterhand fotografieren. Dazu kamen ein falscher Doktortitel und der Name Villa Shatterhand für sein Haus. Wegen Prozessen und Pressekampagnen ließ sich dieser Schein nach 1899 nicht mehr halten.

Wie viele Bücher hat Karl May geschrieben?

Allein die Gesammelten Reiseerzählungen bei Fehsenfeld umfassen 33 Bände, erschienen von 1892 bis 1910. Dazu kommen Jugenderzählungen, fünf Lieferungsromane und viele kürzere Texte. Die Encyclopedia of the Great Plains spricht von etwa achtzig Büchern. Die Liste steht auf der Seite Karl-May-Bücher in Reihenfolge.

Quellen

  1. Nachschlagewerk Annette Deeken: May, Karl, in: Neue Deutsche Biographie 16, S. 519 bis 522. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 1990. abgerufen am 26.10.2026
  2. Museum Karl May: Biografie und Werk (Angaben des Museums). Karl-May-Museum gGmbH Radebeul. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  3. Museum Karl May 1842 bis 1912 (Susanne Eckelmann). Deutsches Historisches Museum, LeMO Lebendiges Museum Online. Stand 14.09.2014. abgerufen am 26.10.2026
  4. Nachschlagewerk Meredith McClain: May, Karl (1842 bis 1912), Encyclopedia of the Great Plains. University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 26.10.2026
  5. Indianer? Ein Informationsblatt zu aktuellen Diskursen. Karl-May-Vereinigung in Zusammenarbeit mit der Karl-May-Stiftung Radebeul (Datei auf karl-may-vereinigung.de). Stand 16.05.2023 (Dateiname). abgerufen am 26.10.2026
  6. Museum Geschichte des Karl-May-Museums (Angaben des Museums über sich selbst). Karl-May-Museum gGmbH Radebeul. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  7. Museum Karl-May-Geburtshaus: Gebäudehistorie und Museumsentwicklung. Karl-May-Haus Hohenstein-Ernstthal. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  8. Karl Mays Gesammelte Reiseerzählungen: Übersicht der Erstausgaben aller 33 Bände. Karl-May-Gesellschaft. Stand 26.10.2023. abgerufen am 26.10.2026
  9. Editorische Hinweise: Mein Leben und Streben. Karl-May-Gesellschaft. Stand 01.07.2018. abgerufen am 26.10.2026
  10. Editorische Hinweise: Der Sohn des Bärenjägers (Textvorlagen und Textgeschichte). Karl-May-Gesellschaft. Stand 07.07.2024. abgerufen am 26.10.2026
  11. Filmdatenbank Der Schatz im Silbersee (1962). filmportal.de, DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026

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