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Gab es das wirklich? Mythen des Wilden Westens

Kurz erklärt Vieles am Bild vom Wilden Westen stimmt nicht. In den fünf großen Rinderstädten von Kansas starben von 1870 bis 1885 nach dem Historiker Robert R. Dykstra 45 Erwachsene eines gewaltsamen Todes, keiner in einem Duell wie im Film, und für 15 westliche Bundesstaaten fanden Forscher von 1859 bis 1900 nur drei oder vier sichere Banküberfälle. Gewalt gab es trotzdem, in Goldgräberlagern und gegen indigene Nationen.

Weite Prärie im Abendlicht mit einem alten Holzzaun, der zu niedrigen Hügeln führt, hohes trockenes Gras und ein einzelner Baum
Bild: KI-generiert

Wie wild war der Wilde Westen wirklich?

Er war weniger wild, als Romane und Filme erzählen. Für die fünf großen Rinderstädte von Kansas zählte der Historiker Robert R. Dykstra von 1870 bis 1885 insgesamt 45 Erwachsene, die eines gewaltsamen Todes starben, Tötungen durch die Polizei eingerechnet. Die Straßenmorde der Legende haben nach seinem Urteil Romanschreiber, Drehbuchautoren und Journalisten stark übertrieben.[1]

Gewalt gab es trotzdem. Im ersten Jahr des Goldrauschs in den Black Hills wurden nach der South Dakota State Historical Society mehr als hundert Morde verübt.[2] In Los Angeles ermordete ein Mob 1871 mindestens 18 chinesische Männer.[3] Am Wounded Knee Creek töteten Soldaten der US-Armee im Dezember 1890 nach dem National Park Service Hunderte überwiegend unbewaffnete Lakota, Männer, Frauen und Kinder.[4]

Die Einträge unten nennen je eine verbreitete Vorstellung, das Urteil (stimmt, stimmt nicht oder teils), die Belege und die Seite, die das Thema ausführlich behandelt.

Alle Mythen auf einen Blick

Mythen des Wilden Westens und ihr Urteil (Belege in den Abschnitten unten)
MythosUrteilAusführlich
Duelle mittags auf der Hauptstraßestimmt nicht[5, 6]Duelle
Ständige Schießereien in den Rinderstädtenstimmt nicht[1]Leben in einer Westernstadt
Jeder trug offen einen Coltstimmt nicht[7]Waffen
Cowboys trugen immer einen Revolverstimmt nicht[8]Cowboys
Im Saloon wurde ständig geschossenstimmt nicht[9, 10]Saloon
Billy the Kid erschoss 21 Männerstimmt nicht[11, 12]Billy the Kid
Wild Bill Hickok tötete Hundertestimmt nicht[13]Wild Bill Hickok
Die Earps wurden freigesprochenstimmt nicht[14]O.K. Corral
In Deadwood jeden Tag ein Mordteils[2, 15]Deadwood
Ständige Banküberfällestimmt nicht[16]Banküberfälle
"Dead or Alive" auf jedem Steckbriefstimmt nicht[17]Wanted-Poster
Gelyncht wurden nur Schuldigestimmt nicht[3]Lynchjustiz
Cowboys waren weißstimmt nicht[8]Cowboys
Jeder vierte Cowboy war schwarzteils[18, 19]Schwarze Cowboys
Jeder trug einen Cowboyhutstimmt nicht[20]Cowboy-Kleidung
Gemeinsames Singen am Lagerfeuerteils[21]Cowboy-Lieder
Der einsame Cowboystimmt nicht[8]Cowboys
Überfälle als größte Gefahr der Siedlerstimmt nicht[22, 23]Oregon Trail
Wagenburg gegen Angriffeteils[24]Planwagen
Die Siedler zogen in leeres Landstimmt nicht[25]Besiedlung
Jeder Goldsucher konnte reich werdenstimmt nicht[26]Goldsucher
Levi Strauss nähte 1849 die ersten Jeansstimmt nicht[27, 28]Levi Strauss
Die Armee hielt Kamelestimmt[29]Mojave-Wüste
Europäer brachten das Skalpierenstimmt nicht[30, 31]Skalpieren
Nur indigene Krieger skalpiertenstimmt nicht[32, 33]Skalpieren
Alle trugen Federhaubenstimmt nicht[34, 35]Federschmuck
Alle lebten in Tipisstimmt nicht[36]Tipi
Die Friedenspfeife diente nur dem Friedenstimmt nicht[37]Friedenspfeife
Manitu als Gott aller indigenen Völkerteils[38, 39]Manitu
Pocahontas rettete Smith aus Liebestimmt nicht[40]Pocahontas
Blutsbrüderschaft als Brauch der Apachenstimmt nicht[41]Winnetou
Native Americans gibt es nicht mehrstimmt nicht[42]Darf man "Indianer" sagen?
Custers letztes Gefecht bis zur letzten Patronestimmt nicht[43]Little Bighorn
Wounded Knee war eine Schlachtstimmt nicht[4, 44]Wounded Knee
1890 endete der Wilde Westen offiziellteils[45, 46]Wann war der Wilde Westen?

Duelle, Schießereien und Waffen

Revolverhelden duellierten sich mittags auf der Hauptstraße

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Gab es im Wilden Westen wirklich Duelle?). Die Encyclopedia of the Great Plains beschreibt die Kämpfe der Revolvermänner als fast förmliche Ehrenhändel, betrunkene Saloonschlägereien, Schießereien mit mehreren Beteiligten und Angriffe auf Gegner, die nicht auf der Hut waren.[5] Luke Short erschoss am 8. Februar 1887 Timothy Isaiah Courtright, genannt Longhair Jim; nach dem Handbook of Texas war das entgegen den Filmlegenden eine der wenigen Schießereien Mann gegen Mann.[6] Den ersten "Showdown" der Literatur sieht Britannica im Roman "The Virginian" von Owen Wister aus dem Jahr 1902.[47]

In den Rinderstädten wurde ständig auf der Straße geschossen

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Leben in einer Westernstadt). Die 45 gewaltsamen Todesfälle, die Robert R. Dykstra für die fünf großen Rinderstädte von Kansas zählte, ergeben im Schnitt 1,5 Tote je Saison der Viehtriebe. Niemand starb in einem Duell nach Art Hollywoods, weniger als ein Drittel der Opfer schoss zurück, und vier Tote gingen auf Unfälle mit Schusswaffen zurück.[1]

Jeder trug offen einen Colt

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Waffen des Wilden Westens). In Tombstone verbot 1881 eine städtische Verordnung, innerhalb der Stadtgrenzen ohne schriftliche Erlaubnis eine tödliche Waffe am Körper zu tragen. Polizeichef Virgil Earp hatte nach der Entscheidung von Richter Wells Spicer die Aufgabe, jeden, der dagegen verstieß, festzunehmen und zu entwaffnen.[7] Unter den Toten der Rinderstädte von Kansas waren nach Dykstra einige, die gar keine Waffe trugen.[1]

Cowboys trugen auf dem Trail immer einen Revolver

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Cowboys im Wilden Westen). Nur wenige Trail Bosses erlaubten den jungen Treibern eine Pistole, schreibt das Handbook of Texas, denn ein Schuss, der sich löste, konnte die Herde in Panik versetzen. Das Bild vom Cowboy mit dem Revolver verdankt nach dem Handbook mehr Hollywood als der Geschichte.[8]

Im Saloon wurde ständig geschossen

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Der Saloon im Wilden Westen). In Virginia City in Nevada haben Archäologen vier Saloons ausgegraben; Kämpfe waren dort nach Nevada Humanities seltener, als eine Zeichnung von J. Ross Browne aus dem Jahr 1862 vermuten lässt.[9] Funde wie Speiseteller, Cribbage-Bretter, Tonpfeifen und Kristallgläser zeigen nach einer Rezension in der Zeitschrift Archaeology ein ruhigeres, eher clubartiges Lokal, als die Legende erzählt.[10]

Billy the Kid erschoss 21 Männer, einen für jedes Lebensjahr

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Billy the Kid). HistoryNet hält acht oder neun Tote für wahrscheinlicher als die fast zwei Dutzend der Erzählungen.[11] Das Tourismusministerium von New Mexico kam nach einer Meldung der Associated Press von 2010 auf eher neun.[12] Manche rechnen ihm nach der Encyclopedia of the Great Plains sechs oder sieben zu, vielleicht bis zu neun.[5]

Wild Bill Hickok tötete Hunderte Männer

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Wild Bill Hickok). Die Behauptung stammt von George Ward Nichols, der im Februar 1867 in Harper's New Monthly Magazine schrieb, Hickok habe mit eigener Hand Hunderte Männer getötet.[48] Die Encyclopedia of the Great Plains kommt auf sieben Männer, die Hickok erschoss, ohne die Toten des Bürgerkriegs und der Kämpfe gegen indigene Gruppen.[13]

Die Earps wurden in einem Mordprozess freigesprochen

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Schießerei am O.K. Corral). Nach der Schießerei vom 26. Oktober 1881 in Tombstone beantragte Ike Clanton, Wyatt Earp, seine Brüder und Doc Holliday wegen Mordes anzuklagen. Nach einer Voranhörung von einem Monat sah Richter Wells Spicer keinen hinreichenden Grund für eine Mordanklage und stellte das Verfahren ein. Einen Prozess gab es nicht.[7, 14]

In Deadwood gab es jeden Tag einen Mord

Urteil: teils (ausführlich: Deadwood). Den Mord am Tag nennt HistoryNet eine oft wiederholte Beobachtung. Gewalt war häufig, und weil die Stadt unrechtmäßig auf indigenem Land lag, gab es dort anfangs weder Regierung noch Gesetz; eine Verwaltung bekam Deadwood erst im Oktober 1876.[15] Belegt sind nach der South Dakota State Historical Society mehr als hundert Morde im ersten Jahr des Goldrauschs in den ganzen Black Hills. Unter den Bergleuten galt zugleich die ungeschriebene Regel, dass Claim, Werkzeug und Gold eines Mannes unantastbar waren.[2]

Banküberfälle, Steckbriefe und Selbstjustiz

Schwerer gusseiserner Tresor mit Messingbeschlägen in einem kleinen Bankraum mit Holzdielen und Holztresen, Nachmittagslicht fällt durch ein Fenster
Tresor in einem kleinen Bankraum aus Holz Bild: KI-generiert

Im Wilden Westen wurden ständig Banken überfallen

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Banküberfälle im Wilden Westen). Larry Schweikart und Lynne Doti suchten in 15 Bundesstaaten westlich der Linie Missouri, Minnesota und Texas nach Banküberfällen zwischen 1859 und 1900. Sie fanden drei oder vier sichere Fälle; andere Forscher wiesen sie später auf vielleicht zwei oder drei weitere hin.[16] Der bekannte Überfall der James-Younger-Bande auf die First National Bank in Northfield am 7. September 1876 lag in Minnesota und damit außerhalb dieses Gebiets.[16, 49]

Auf jedem Steckbrief stand "Dead or Alive"

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Wanted-Poster). Anzeigen mit "Wanted: Dead or Alive" gab es, sie waren nach dem Verlagstext zu Robert K. DeArments Buch "Man-Hunters of the Old West" aber den mörderischsten Desperados vorbehalten. Menschenjäger nahmen Gesuchte demnach weit öfter lebend fest, als ihr Ruf nahelegt.[17] Die Belohnung von 500 Dollar, die Lew Wallace am 13. Dezember 1880 auf Billy the Kid aussetzte, galt laut dem Staatsarchiv von New Mexico seiner Ergreifung.[50]

Gelyncht wurden nur überführte Pferdediebe und Mörder

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Lynchjustiz im Wilden Westen). In Los Angeles ermordete am 24. Oktober 1871 ein Mob aus überwiegend Weißen und Latinos mindestens 18 chinesische Männer, ein Zehntel der chinesischen Bevölkerung der Stadt. Nach Britannica war vermutlich nur eines der Opfer an der Schießerei beteiligt, die den Angriff auslöste.[3]

Cowboys: Herkunft, Hut und Alltag

Die Cowboys waren weiße Amerikaner

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Cowboys im Wilden Westen). Auf den Viehtrieben aus Texas war nach einer Schätzung des Handbook of Texas rund ein Drittel der Mannschaften schwarz, hispanoamerikanisch oder indigen, meist ältere Männer, die oft als Koch oder Pferdeknecht arbeiteten.[8] Reiten und Lassowerfen übernahmen die Neuankömmlinge im Westen von den spanischen Vaqueros, und viele Wörter der Viehzucht kommen aus dem Spanischen.[51]

Jeder vierte Cowboy war schwarz

Urteil: teils (ausführlich: Schwarze Cowboys). Die Zahl nennen der National Park Service in einem Unterrichtsmaterial und das Smithsonian Magazine als Schätzung von Historikern; woher sie stammt, sagen beide nicht.[18, 19] Das Handbook of Texas schätzt für die Mannschaften der Viehtriebe aus Texas rund ein Drittel Schwarze, Hispanoamerikaner und Indigene zusammen.[8]

Jeder Mann im Westen trug einen breitkrempigen Cowboyhut

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Cowboy-Kleidung). Der meistverkaufte Hut des späten 19. Jahrhunderts war nach HistoryNet östlich wie westlich des Mississippi die Melone; auch der Gesetzeshüter Bat Masterson trug sie. John B. Stetsons Modell "Boss of the Plains", ab 1865 in Philadelphia hergestellt, war trotzdem sofort beliebt.[20] Die Buckaroos im Norden Nevadas trugen in den 1890er Jahren nach der Library of Congress kleine Filzhüte.[52]

Abends sangen die Cowboys gemeinsam am Lagerfeuer

Urteil: teils (ausführlich: Cowboy-Lieder). Gesungen wurde, nach der Encyclopedia of the Great Plains aber meist von Einzelnen, nicht von Gruppen.[21] Auf dem Trail sangen die Männer nachts, wenn sie abwechselnd langsam um die lagernden Rinder ritten, um die Tiere zu beruhigen.[53]

Der Cowboy ritt allein durch die Prärie

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Cowboys im Wilden Westen). Auf den Viehtrieben aus Texas arbeitete kein Cowboy allein: Eine Herde der Vertragstreiber umfasste nach dem Handbook of Texas bis zu 3.000 Tiere und beschäftigte etwa elf Leute, vom Trail Boss über die jungen Treiber bis zu Pferdeknecht und Koch.[8]

Siedler, Trails und Goldrausch

Die größte Gefahr für die Siedler waren Überfälle

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Oregon Trail). Die größte Gefahr auf dem Oregon Trail waren nach der Oregon Encyclopedia Krankheiten, vor allem die Cholera; an zweiter Stelle der Todesursachen standen Unfälle. Vor 1860 töteten Native Americans etwa 400 Auswanderer, die Auswanderer töteten mehr Native Americans, und die große Mehrheit der Begegnungen verlief friedlich.[22] Für den National Park Service gehörten die indigenen Menschen meist zu den geringsten Problemen der Auswanderer; oft trieben sie Handel mit ihnen.[23]

Siedler bildeten jeden Abend eine Wagenburg gegen Angriffe

Urteil: teils (ausführlich: Planwagen). Am Abend stellten die Auswanderer ihre Wagen im Kreis auf. Das diente nach dem National Park Service aber weniger dem Schutz vor Angriffen als dem Vieh, für das der Kreis ein Pferch war, und dem Schutz vor Viehdieben, wilden Tieren und Wetter.[24]

Ein einzelner Planwagen mit weißer Plane steht auf einer Grasprärie, dahinter flache Hügel im Abendlicht
Ein Planwagen allein auf der Prärie Bild: KI-generiert

Die Siedler zogen in leeres Land

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Besiedlung des Westens). Für Siedler, Einwanderer und Heimstätter war der Westen nach dem National Park Service leeres Land, für die Native Americans dagegen ihre Heimat.[25] Das Smithsonian National Museum of the American Indian beschreibt Amerika vor der Kolonisierung als Heimat Tausender Kulturen und die leere Wildnis als eine Vorstellung der Kolonisten.[40]

Jeder Goldsucher konnte reich werden

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Goldsucher). Louise Clappe, die 1851 und 1852 Briefe aus den Goldminen Kaliforniens schrieb, kannte viele Bergleute, deren Ertrag nie viel über einen Tageslohn von sechs bis acht Dollar hinausging. Ein Claim, der zehn Dollar am Tag brachte, galt als sehr wertvoll, und große Funde waren nach ihren Worten so selten wie der Hauptgewinn in der Lotterie.[26]

Levi Strauss nähte im Goldrausch von 1849 die ersten Jeans

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Levi Strauss). Levi Strauss war Kaufmann und kam erst Anfang März 1853 nach San Francisco. Die Arbeitshose mit Nieten erfand der Schneider Jacob Davis in Reno, wo er Ende 1870 die erste nähte; Levi Strauss & Co. und Davis erhielten am 20. Mai 1873 das Patent Nr. 139.121.[27] Die Historikerin des Unternehmens, Tracey Panek, zählt die Geschichte vom Schneider Levi, der Hosen aus Segeltuch nähte, zu den Legenden, die die Firma früher selbst verbreitet hat.[28]

Die US-Armee hielt im Südwesten Kamele

Urteil: stimmt (siehe auch Mojave-Wüste). Der Kongress bewilligte am 3. März 1855 30.000 Dollar für den Kauf von Kamelen, am 29. April 1856 kamen 32 Tiere und ein auf See geborenes Junges in Indianola in Texas an. Die Armee setzte sie unter anderem bei der Vermessung einer Wagenstraße von Fort Defiance in New Mexico zum Colorado River ein und in Kalifornien für Transporte durch die Wüste. In Kalifornien wurden einige Tiere 1863 versteigert, andere entkamen in die Wüste; in Texas verkaufte die Bundesregierung ihre Kamele 1866.[29]

Indigene Völker: Skalpe, Federhauben und Tipis

Erst die Europäer brachten das Skalpieren nach Nordamerika

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Skalpieren). Archäologische Belege für das Skalpieren reichen in Nordamerika nach Britannica mindestens bis ins frühe 14. Jahrhundert zurück; in einem Massengrab bei Crow Creek in South Dakota zeigen einige der Toten Spuren davon.[30] Die Encyclopedia of the Great Plains datiert den Ort, ein Dorf der Vorfahren der Arikara, auf 1325 und nennt 486 Tote.[31] Kopfgelder auf Skalpe ließen die Praxis während der Kolonisierung zunehmen, zum Beispiel unter Willem Kieft, dem Gouverneur der niederländischen Kolonie Neu-Amsterdam.[30]

Skalpiert haben nur indigene Krieger

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Skalpieren). Nach dem Krieg mit den Dakota von 1862 setzte Minnesota Kopfgelder auf Skalpe von Dakota aus: Ab Juli 1863 bekamen freiwillige Späher 25 Dollar je Skalp, andere Personen 75 Dollar, ab dem 22. September 200 Dollar.[32] William F. Cody, bekannt als Buffalo Bill, tötete am 17. Juli 1876 am Warbonnet Creek in Nebraska einen Cheyenne namens Yellow Hair und zeigte dessen Skalp danach auf der Bühne.[33]

Alle indigenen Völker trugen Federhauben

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Federschmuck). Die Federhaube aus Adlerfedern trugen nach Britannica einige Angehörige der Völker der Great Plains als Zeichen ihrer Leistungen, als Ehre für bedeutende Krieger oder Anführer. Weil Euro-Amerikaner im 19. Jahrhundert die Plains-Völker meist nur von Gemälden kannten, hielten sie die Haube für allgemeine indigene Tracht. Ende des 19. Jahrhunderts setzten deshalb auch Angehörige anderer Nationen sie für Touristen auf, und Western in Film und Fernsehen verstärkten das Bild.[34] Die Onondaga Nation beschreibt für die Haudenosaunee (früher Irokesen genannt) einen eng anliegenden Hut mit Federn, den gasdó•wä•', an dessen Federstellung man die Nation eines Mannes erkennt.[35]

Alle indigenen Völker lebten in Tipis

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Tipi). Britannica nennt das Tipi das typische Zelt der Plains-Völker. Seine Schönheit habe es zum verbreiteten Bild der Wohnung aller indigenen Völker gemacht, dabei waren Wigwam, Hogan, Iglu, Langhaus, Pueblo und Erdhaus ebenso wichtige Wohnformen.[36]

Die Friedenspfeife diente nur dem Frieden

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Friedenspfeife). Der National Park Service nennt "peace pipe" eine Fehlbezeichnung: Siedler und Soldaten sahen, dass bei Vertragsschlüssen geraucht wurde, und hielten die Pfeife deshalb für ein bloßes Zeichen des Friedens. Nach dem NPS ist sie das wichtigste Mittel der Verständigung zwischen den spirituellen Mächten und den Menschen.[37]

Manitu ist der Gott aller indigenen Völker

Urteil: teils (ausführlich: Manitu). Das Wort kommt aus dem Algonkin und hieß ursprünglich "geheimnisvoll, heilig". Der Duden erklärt Manitu in der Glaubensvorstellung indigener nordamerikanischer Bevölkerungsgruppen als allem innewohnende, unpersönliche, auch als Geist personifizierte Macht.[38] Im Wörterbuch der Ojibwe steht manidoo für einen Manitu, einen Geist oder Gott.[39]

Pocahontas rettete John Smith und verliebte sich in ihn

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Pocahontas). Von der Rettung erzählt zuerst Smith selbst in seiner "Generall Historie". Die meisten Historiker halten sie nach dem National Museum of the American Indian für falsch, manche deuten den Vorgang als Adoptionszeremonie, andere halten den Hergang für möglich; sicher wissen lässt es sich laut Museum nicht. Pocahontas war viel jünger als in heutigen Filmen, und ihre Verbindung zu Smith war nach dem Museum höchstwahrscheinlich nicht romantisch.[40] Als die Engländer im Mai 1607 Jamestown gründeten, war sie nach dem National Park Service etwa elf Jahre alt.[54]

Die Blutsbrüderschaft war ein Brauch der Apachen

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Winnetou). Die Vorstellung vom Blutsbruder Winnetou entsprang nach der Karl-May-Vereinigung der Fantasie Karl Mays und war bei den indigenen Völkern Nordamerikas nie bekannt.[41]

Native Americans gibt es heute nicht mehr

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Darf man "Indianer" sagen?). Das Bureau of Indian Affairs führt in seiner Liste vom 30. Januar 2026 575 bundesrechtlich anerkannte indigene Nationen in den USA.[42]

Schlachten und das Ende der Epoche

Custer und seine Männer kämpften geschlossen bis zur letzten Patrone

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Schlacht am Little Bighorn). Nach dem National Park Service wurden am Little Bighorn nur etwa 40 der ursprünglich 210 Männer auf dem Hügel eingeschlossen, auf dem heute das Denkmal steht; Hunderte Krieger der Lakota und Cheyenne umstellten sie. Gegen Ende versuchten Soldaten zu Fuß und zu Pferd auszubrechen, keiner kam durch.[43]

Wounded Knee war die letzte Schlacht der Indianerkriege

Urteil: stimmt nicht (ausführlich: Massaker von Wounded Knee). Am 29. Dezember 1890 schossen Soldaten der US-Armee am Wounded Knee Creek in der Pine Ridge Reservation auf Native Americans; nach der Library of Congress starben schätzungsweise 200 Menschen, und schon die anfängliche Bezeichnung als "Schlacht" war umstritten.[44] Der National Park Service schreibt, Soldaten hätten Hunderte überwiegend unbewaffnete Lakota getötet, Männer, Frauen und Kinder.[4]

1890 erklärte die Regierung den Wilden Westen für beendet

Urteil: teils (ausführlich: Wann war der Wilde Westen?). Der Leiter der Volkszählung von 1890 stellte fest, dass sich keine Siedlungsgrenze mehr ziehen lasse, und strich sie deshalb aus den Berichten. Frederick Jackson Turner machte diese Mitteilung 1893 zum Ausgangspunkt seines Vortrags über die Frontier.[45] Vom Wilden Westen spricht die Mitteilung nicht, und New Mexico und Arizona wurden erst 1912 Bundesstaaten.[45, 46]

Woher kommen die Mythen über den Wilden Westen?

Viele Bilder entstanden schon zu Lebzeiten der Beteiligten, so die Hunderte Toten, die George Ward Nichols 1867 in Harper's New Monthly Magazine Wild Bill Hickok zuschrieb.[48] Buffalo Bill stand wenige Monate nach dem Gefecht am Warbonnet Creek 1876 in einem Stück mit dem Titel "The Red Right Hand: or Buffalo Bill's First Scalp for Custer" auf der Bühne und zeigte dort Federhaube, Schild und Skalp von Yellow Hair.[33] Mark Twain gab zu, er habe als Zeitungsmann in Virginia City in den 1860er Jahren die Fantasie zu oft über die Tatsachen siegen lassen, wenn es an Nachrichten fehlte.[10]

Später kamen Roman, Film und Fernsehen dazu. Owen Wisters "The Virginian" von 1902 trug nach Britannica dazu bei, den Cowboy zur Ikone der amerikanischen Populärkultur zu machen.[47] Den Cowboyhut auf jedem Kopf hielt der Autor und Historiker Lucius Beebe sogar für eine Erfindung des Malers Frederic Remington.[20]

Mehr zum Wilden Westen

Häufige Fragen

War der Wilde Westen wirklich so wild?

Weniger, als Filme zeigen. In den fünf großen Rinderstädten von Kansas starben von 1870 bis 1885 nach Robert R. Dykstra 45 Erwachsene eines gewaltsamen Todes, keiner in einem Duell wie im Film. Brutal war der Westen trotzdem: Im ersten Jahr des Goldrauschs in den Black Hills wurden mehr als hundert Morde verübt, und 1890 töteten Soldaten am Wounded Knee Creek Hunderte überwiegend unbewaffnete Lakota.

Gab es Duelle im Wilden Westen?

Selten. Die Schießerei, in der Luke Short 1887 Timothy Isaiah Courtright erschoss, nennt das Handbook of Texas eine der wenigen Schießereien Mann gegen Mann. Daneben nennt die Encyclopedia of the Great Plains Saloonschlägereien, Schießereien mit mehreren Beteiligten und einzelne Angriffe auf Gegner, die nicht auf der Hut waren.

Wie viele Banküberfälle gab es im Wilden Westen?

Larry Schweikart und Lynne Doti fanden für 15 Bundesstaaten westlich der Linie Missouri, Minnesota und Texas zwischen 1859 und 1900 drei oder vier sichere Banküberfälle. Andere Forscher wiesen sie später auf vielleicht zwei oder drei weitere hin.

Wie viele Menschen tötete Billy the Kid?

Nicht 21, wie die Legende sagt. HistoryNet hält acht oder neun Tote für wahrscheinlich, das Tourismusministerium von New Mexico kam 2010 auf eher neun.

Haben nur indigene Krieger skalpiert?

Nein. Kolonien und Bundesstaaten zahlten Kopfgelder auf Skalpe, Minnesota etwa ab 1863 für Skalpe von Dakota. Buffalo Bill zeigte 1876 den Skalp eines Cheyenne namens Yellow Hair auf der Bühne. In Nordamerika ist das Skalpieren zugleich schon für das frühe 14. Jahrhundert belegt.

Trugen alle indigenen Völker Federhauben?

Nein. Die Federhaube aus Adlerfedern trugen einige Angehörige der Völker der Great Plains als Ehrenzeichen. Die Haudenosaunee tragen einen eigenen Hut mit Federn, den gasdó•wä•'.

Wann endete der Wilde Westen?

Ein festes Datum gibt es nicht. Nach der Volkszählung von 1890 ließ sich keine durchgehende Siedlungsgrenze mehr ziehen, New Mexico und Arizona wurden erst 1912 Bundesstaaten. Mehr dazu auf der Seite Wann war der Wilde Westen?

Woher kommen die Mythen über den Wilden Westen?

Viele entstanden schon zu Lebzeiten der Beteiligten, in Zeitschriften wie Harper's New Monthly Magazine und auf der Bühne von Buffalo Bill. Später verbreiteten Romane wie "The Virginian" von 1902, Western in Film und Fernsehen und Journalisten die Bilder weiter.

Quellen

  1. Nachschlagewerk Robert R. Dykstra: Cattle Towns. Encyclopedia of the Great Plains, University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026
  2. Museum Mining in South Dakota, Education Kit. South Dakota State Historical Society. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  3. Nachschlagewerk Thad King, Melissa Petruzzello: Los Angeles Chinese Massacre of 1871. Encyclopaedia Britannica. Stand 17.06.2025. abgerufen am 27.10.2026
  4. Amtliche Stelle Black Elk. National Park Service. Stand 30.07.2025. abgerufen am 27.10.2026
  5. Nachschlagewerk Roger D. McGrath: Gunslingers. Encyclopedia of the Great Plains, University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026
  6. Nachschlagewerk Carol E. Williams: Courtright, Timothy Isaiah (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand überarbeitet 19. September 2019. abgerufen am 27.10.2026
  7. Primärquelle Decision of Judge Wells Spicer after the Preliminary Hearing in the Earp-Holliday Case, 30. November 1881 (Abschrift in Famous Trials von Douglas O. Linder). Famous Trials, Douglas O. Linder (früher University of Missouri-Kansas City School of Law). Stand 1881, Onlinefassung ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  8. Nachschlagewerk Cattle Trailing (Jimmy M. Skaggs). Texas State Historical Association, Handbook of Texas. Stand 1976, überarbeitet 07.10.2020. abgerufen am 27.10.2026
  9. Nachschlagewerk Havens in a Heartless World Part I: Virginia City's Saloons and Archaeology of the Wild West (Text Ronald M. James und Kelly J. Dixon). Nevada Humanities, Online Nevada Encyclopedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  10. Presse Jennifer Pinkowski: Wild West Saloon Life (Rezension zu Kelly J. Dixon, Boomtown Saloons, University of Nevada Press 2005). Archaeology, Archaeological Institute of America, Bd. 58, Nr. 6. Stand November/Dezember 2005. abgerufen am 27.10.2026
  11. Presse Billy the Kid: Facts and Information About the Wild West Outlaw. HistoryNet. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  12. Presse No Pardon For Billy The Kid (Meldung der Associated Press). KRWG Public Media. Stand 31.12.2010. abgerufen am 27.10.2026
  13. Nachschlagewerk Roger D. McGrath: Hickok, Wild Bill (1837 bis 1876). Encyclopedia of the Great Plains, University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026
  14. Amtliche Stelle Showdown at the O.K. Corral: The Trial of Wyatt Earp. United States Court of Appeals for the Second Circuit, Justice For All. Stand 19.10.2023. abgerufen am 27.10.2026
  15. Presse Mary Franz: Who Were the Real Men of Deadwood? (zuerst in Wild West). HistoryNet. Stand 25.07.2006, geändert 17.06.2022. abgerufen am 27.10.2026
  16. Fachaufsatz Larry Schweikart: The Non-Existent Frontier Bank Robbery. Foundation for Economic Education. Stand 01.01.2001. abgerufen am 27.10.2026
  17. Fachbuch Robert K. DeArment: Man-Hunters of the Old West (Verlagstext), ISBN 9780806155852. University of Oklahoma Press. Stand 2017. abgerufen am 27.10.2026
  18. Amtliche Stelle Engaging with Cowpoke History (Katherine Crawford-Lackey). National Park Service. Stand Last updated 25.03.2025. abgerufen am 27.10.2026
  19. Presse The Lesser-Known History of African-American Cowboys (Katie Nodjimbadem). Smithsonian Magazine. Stand 13.02.2017. abgerufen am 27.10.2026
  20. Presse David Lauterborn: Stetson Invented the Cowboy Hat, Westerners Gave It Wings. HistoryNet. Stand 26.01.2024. abgerufen am 27.10.2026
  21. Nachschlagewerk Alfred W. Cochran: Cowboy Music (Encyclopedia of the Great Plains, hrsg. von David J. Wishart). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026
  22. Nachschlagewerk William L. Lang: Oregon Trail. The Oregon Encyclopedia, Oregon Historical Society und Portland State University. Stand 25. September 2024. abgerufen am 27.10.2026
  23. Amtliche Stelle Death and Danger on the Emigrant Trails (Reihe The Emigrant Experience). National Park Service. Stand 29. Dezember 2020. abgerufen am 27.10.2026
  24. Amtliche Stelle Traveling the Emigrant Trails (Reihe The Emigrant Experience). National Park Service. Stand 29.04.2025. abgerufen am 27.10.2026
  25. Amtliche Stelle Native Americans and the Homestead Act. National Park Service, Homestead National Historical Park. Stand Last updated 17.09.2024. abgerufen am 27.10.2026
  26. Primärquelle Louise Clappe (Dame Shirley): The Shirley Letters from California Mines in 1851-52, Briefe 2, 3, 10, 15 und 17, hrsg. von Thomas C. Russell. Thomas C. Russell, San Francisco 1922; Ausgabe Project Gutenberg, eBook 23280. Stand Briefe 1851 bis 1852, zuerst in The Pioneer 1854 bis 1855 (Gutenberg-Ausgabe 2007, aktualisiert 2014). abgerufen am 27.10.2026
  27. Fachaufsatz Lynn Downey (Levi Strauss & Co.): Levi Strauss (Immigrant Entrepreneurship). German Historical Institute, Washington, D.C.. Stand 08.06.2011, aktualisiert 22.08.2018. abgerufen am 27.10.2026
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  29. Nachschlagewerk Geoffrey Abbott: scalping. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
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