GeschichteEreignis

Das Massaker von Wounded Knee

Kurz erklärt Das Massaker von Wounded Knee geschah am 29. Dezember 1890 am Wounded Knee Creek im Reservat Pine Ridge in South Dakota. Beim Entwaffnen der Mnicoujou-Lakota um Spotted Elk (Big Foot) eröffneten Soldaten der 7. Kavallerie das Feuer. Die Schätzungen der Toten reichen von mehr als 150 (US Army) bis etwa 370 (Rosebud Sioux Tribe), darunter viele Frauen und Kinder; 25 Soldaten starben.

Winterliche Prärie mit gefrorenem Bach, kahlen Pappeln am Ufer und sanften Hügeln im Licht der späten Nachmittagssonne
Bild: KI-generiert

Wie kam es zum Massaker von Wounded Knee?

Ende der 1880er Jahre verloren die Lakota einen großen Teil ihres Landes. Ein Gesetz vom 2. März 1889 teilte die Große Sioux-Reservation, die mit dem Vertrag von Fort Laramie von 1868 entstanden war, in sechs getrennte Reservate in North und South Dakota auf, darunter Pine Ridge und Cheyenne River.[8] Laut der Dokumentation zum National Historic Landmark Wounded Knee von 1990 (im Folgenden die Nominierung) traten die Lakota dabei mehr als neun Millionen Acres ab, rund 3,6 Millionen Hektar.[1] Kurz darauf sanken die Lebensmittelrationen der Lakota, weil die Regierung die Mittel für die Reservatsverwaltung kürzte. An der Pine Ridge Agency, dem Verwaltungssitz des Reservats, betrug die Kürzung 1890 etwa 20 Prozent. Eine schwere Dürre zog 1889 und 1890 über die High Plains, 1890 fiel die Ernte aus.[1]

In dieser Lage fand der Geistertanz (Ghost Dance) viele Anhänger. Er ging auf eine Vision zurück, die der Paiute Wovoka, auch Jack Wilson genannt, im Januar 1889 hatte; Wovoka lebte nahe der Walker Lake Reservation im Westen Nevadas.[1] Die Lehre versprach, dass die Weißen verschwinden, die verstorbenen Vorfahren zurückkehren und die Bisonherden wiederkommen würden. Im Herbst 1889 reiste eine Abordnung der Lakota zu Wovoka, eine zweite kam im März 1890 zurück und begann in Pine Ridge zu predigen.[1] Viele Plains-Nationen trugen dabei besondere Hemden; laut der Nominierung glaubten nur die Lakota, dass diese Geisterhemden Kugeln abhielten.[1]

Das Bureau of Indian Affairs, die für die Reservate zuständige Bundesbehörde, sah im Geistertanz eine Gefahr für seine Pläne, die Lakota der Lebensweise der Weißen anzupassen. Siedler und Zeitungen schürten die Angst vor einem Aufstand; die Nominierung nennt diese Furcht unbegründet.[1] Daniel F. Royer, seit Ende September 1890 Agent (Verwalter) von Pine Ridge, verlangte schon im Oktober Soldaten.[1] Am 13. November 1890 ließ Präsident Benjamin Harrison Truppen bereitstellen. Am 20. November erreichte General John R. Brooke mit etwa 400 Soldaten die Pine Ridge Agency, am 26. November folgte das 7. Kavallerieregiment aus Fort Riley in Kansas.[1, 2]

Am 15. Dezember 1890 töteten Polizisten der Agency Sitting Bull, der nach der Nominierung im Reservat Standing Rock zu einem Anführer des Geistertanzes geworden war; nach dem National Park Service hielt ihn Agent McLaughlin für einen Beteiligten der Bewegung.[18] Etwa 150 seiner Anhänger flohen, bis zu 40 von ihnen fanden Aufnahme im Dorf von Spotted Elk.[1] Spotted Elk, auch Big Foot genannt, führte eine Gruppe der Mnicoujou-Lakota im Reservat Cheyenne River; die Cheyenne River Sioux Tribe übersetzt den Namen der Mnicoujou mit "Pflanzer am Wasser".[7, 8] General Nelson A. Miles nannte ihn einen der trotzigsten und bedrohlichsten Anführer des Geistertanzes, und am 16. Dezember erging der Befehl, ihn festzunehmen.[1] Zugleich hatten ihn Red Cloud und andere Anführer in Pine Ridge eingeladen, dort beim Frieden mit der Armee zu helfen.[1] Lieutenant Colonel Edwin V. Sumner hielt die Gruppe am 21. Dezember auf, doch in der Nacht des 23. Dezember brach sie heimlich nach Süden in Richtung Pine Ridge auf.[1] Nach Angaben des National Museum of the American Indian legte sie bis Wounded Knee rund 300 Meilen zurück, etwa 480 Kilometer.[11]

Winterliche Grasebene mit sanften Hügeln und vereinzelten Kiefern im Licht der tief stehenden Sonne
Hügel der nördlichen Plains im Winter. Spotted Elks Gruppe zog im Dezember 1890 durch solches Land nach Süden. Bild: KI-generiert

Was geschah am 29. Dezember 1890?

Der 28. Dezember: Abfangen am Porcupine Butte

Spotted Elk war an einer Lungenentzündung erkrankt, und seine Gruppe kam nur langsam voran.[1] Am 26. Dezember hatte Major Samuel M. Whitside mit vier Kompanien der 7. Kavallerie und zwei Feldgeschützen ein Lager am Wounded Knee Creek bezogen, bei einem kleinen Ort mit Laden und Postamt.[1] Am 28. Dezember traf seine Kolonne nordöstlich des Porcupine Butte auf die Gruppe. Spotted Elk führte eine weiße Fahne mit; Whitside befahl ihm, mit seinen Leuten zum Lager der Armee am Wounded Knee Creek zu ziehen.[1] Nach den Berichten des Kongresses widersprach Spotted Elk, weil er nach Pine Ridge wollte, doch Whitside bestand darauf.[8, 9]

Am Abend traf Colonel James W. Forsyth mit vier weiteren Kompanien, einer Einheit von Oglala-Scouts (Kundschaftern) und weiterer Artillerie ein und übernahm als ranghöchster Offizier den Befehl. Die Hotchkiss-Geschütze der Artillerie standen auf einem kleinen Hügel nordwestlich des Zeltlagers.[1] Mehrere Offiziere und Soldaten des Regiments hatten 14 Jahre zuvor in der Schlacht am Little Bighorn gekämpft.[1]

Die Entwaffnung

Am Morgen des 29. Dezember rief Forsyth die Männer der Mnicoujou zu einer Versammlung und befahl ihnen, alle Gewehre abzugeben. Weil nur wenige alte Waffen zusammenkamen, ließ er die Männer und die Zelte durchsuchen.[1] Währenddessen sang ein Mann Lieder des Geistertanzes und warf eine Handvoll Erde in Richtung der Soldaten. Lieutenant John C. Gresham und die meisten Offiziere hielten das für ein verabredetes Zeichen zum Angriff, Lieutenant W. W. Robinson sah dagegen keine feindliche Absicht.[1] Der Überlebende Dewey Beard deutete die Geste als Gebet:[1]

So, wie sie es beim Geistertanz taten, wenn sie den Messias riefen.

Dewey Beard, Mnicoujou-Lakota, Überlebender von Wounded Knee, zitiert in der National Historic Landmark Nomination Wounded Knee von 1990, Abschnitt 8, S. 12 Übersetzung der Redaktion[1]

Dann weigerte sich Black Coyote, auch Black Fox genannt, sein Gewehr abzugeben. Bei dem Handgemenge löste sich laut der Nominierung versehentlich ein Schuss; die Militärgeschichte der US Army beschreibt einen Schuss in die Luft, während zwei Soldaten den Mann entwaffneten.[1, 3] Ein Bericht des Repräsentantenhauses nennt Black Coyote gehörlos.[9] Zeugen setzten den ersten Schuss später auf etwa 9.15 Uhr.[1]

Das Feuer auf das Lager

Nach dem Schuss eröffneten die Soldaten das Feuer.[9] Die wenigen noch bewaffneten Lakota wehrten sich, andere holten Gewehre von dem Stapel der eingesammelten Waffen. In den ersten Minuten starben laut der Nominierung wahrscheinlich mehr als die Hälfte aller Opfer; Spotted Elk wurde gleich zu Beginn verwundet und später getötet.[1] Nach etwa zehn Minuten flohen die Überlebenden, die meisten nach Süden in eine Schlucht. Dort starben viele weitere, unter ihnen die meisten Frauen und Kinder.[1] Die Hotchkiss-Geschütze schossen auch in Richtung der Schlucht, und Soldaten verfolgten Fliehende bis an ihr oberes Ende; Offiziere schätzten die Entfernung vom Lager später auf anderthalb bis drei Meilen.[1]

Am Nachmittag endete das Schießen. Die Armee zog mit ihren Toten und Verwundeten zur Pine Ridge Agency und nahm die meisten überlebenden Lakota mit, darunter etwa 30 Schwerverwundete in Armeewagen; um 21.30 Uhr erreichte die Kolonne die Agency.[1] Der Oglala Black Elk war laut National Park Service zu Beginn nicht vor Ort. Als er Kanonen und Schüsse hörte, kam er, um sich dem Angriff entgegenzustellen, half Überlebenden und trauerte um die Toten.[5]

Glasvitrine mit wollenem Wintermantel der Armee, Pelzmütze, Lederhandschuhen und Feldflasche auf einem Holzbrett
Winterausrüstung eines Soldaten als Stillleben. Die 7. Kavallerie kam im November 1890 nach Pine Ridge. Bild: KI-generiert

Wie viele Menschen starben in Wounded Knee?

Die genaue Zahl der Toten kennt niemand. Am 3. Januar 1891 begleitete die Armee einen Bestattungstrupp aus Zivilisten an den Ort. Captain Folliet A. Whitney zählte am Versammlungsplatz 47 Tote und vermerkte, dass offenbar schon Tote fortgebracht worden waren.[1] Am folgenden Tag wurden 146 Tote in einem Massengrab auf dem Hügel beigesetzt, auf dem die Geschütze gestanden hatten.[1] Überlebende, Angehörige und ein Rettungstrupp aus der Agency hatten schon vorher Tote und Sterbende weggebracht, und manche Verwundete starben später in Pine Ridge. Der Überlebende Joseph Horn Cloud stellte eine Liste mit 186 Toten zusammen; die Verfasser der Nominierung halten mindestens 250 Tote für fast sicher.[1]

Tote von Wounded Knee nach Quellen
QuelleAngabe
US Army, Militärgeschichte (Fassung von 2001)mehr als 150 getötete Lakota, darunter Frauen und Kinder, ein Drittel so viele Verwundete; 25 tote und 37 verwundete Soldaten[3]
National Museum of the American IndianSpotted Elk und 150 Menschen seiner Gruppe[11]
Library of Congressgeschätzt 200 Tote[2]
National Museum of American Historymehr als 200 Männer, Frauen und Kinder[12]
National Historic Landmark Nomination (1990)146 im Massengrab, 186 auf der Liste von Joseph Horn Cloud, mindestens 250 fast sicher[1]
Associated Press (2025)geschätzt 250 Tote[13]
Rosebud Sioux Tribeetwa 150 bis 370 Männer, Frauen und Kinder[4]
US-Kongress, Resolution vom 25. Oktober 1990etwa 350 bis 375 Tote und Verwundete[17]
US-Repräsentantenhaus, Bericht von 2023mehr als 350 Getötete[9]

Der National Park Service schreibt, Soldaten hätten Hunderte überwiegend unbewaffnete Lakota getötet, Männer, Frauen und Kinder.[5]

Welche Folgen hatte das Massaker?

Als die Nachricht die Agency erreichte, schossen aufgebrachte Lakota aus der Ferne auf das Lager der Soldaten, und fast alle Lakota dort flohen nach Norden in die Stronghold, eine Zuflucht in den Badlands.[1] In den folgenden Tagen gab es weitere Kämpfe, unter anderem am 30. Dezember bei der Drexel Mission.[1] Bis zum 15. Januar 1891 kehrten die letzten Anhänger des Geistertanzes zur Agency zurück, am 16. Januar übergab Kicking Bear sein Gewehr an General Miles, und am 18. Januar erklärte Miles den Feldzug für beendet.[1]

Miles war am 31. Dezember nach Pine Ridge gekommen. Er erfuhr von den vielen getöteten Unbewaffneten, vermutete, dass Forsyth seine Truppen so aufgestellt hatte, dass sie ins Kreuzfeuer gerieten, und leitete mit Zustimmung aus Washington eine Untersuchung ein.[1] Forsyth wurde im Januar 1891 vom Kommando abgelöst, aber freigesprochen und wieder eingesetzt.[2] In einem Brief vom 15. Januar 1891 an Mary Miles schrieb der General laut einem Bericht des Repräsentantenhauses:[9]

Der abscheulichste, verbrecherische militärische Fehler und ein schreckliches Massaker an Frauen und Kindern.

General Nelson A. Miles, Brief an Mary Miles vom 15. Januar 1891, zitiert im Bericht 118-197 des US-Repräsentantenhauses nach Virginia Johnson, The Unregimented General, Boston 1962, S. 294 Übersetzung der Redaktion[9]

Die Lakota sind laut der Nominierung bis heute überzeugt, dass die Soldaten Custers Tod am Little Bighorn rächen wollten. Offiziere des Regiments bestritten das; Lieutenant Gresham schrieb, 85 Prozent der Männer hätten vorher noch nie Indigene gesehen.[1] Die Nominierung lässt diese Frage ebenso offen wie die, wer zuerst schoss.[1]

Für die Armee war Wounded Knee lange eine Schlacht. Die Militärgeschichte der US Army spricht noch in der Fassung von 2001 von der "Battle of Wounded Knee" und wertet sie als letztes Gefecht der Indianerkriege, das in die Kategorie Krieg falle; spätere Vorfälle ordnet sie als innere Unruhen ein.[3] Laut Library of Congress schrieben manche Zeitungen ab 1912 vom "Wounded Knee Massacre".[2] Wounded Knee fiel in dasselbe Jahr wie die Volkszählung, nach der Frederick Jackson Turner 1893 das Ende der Frontier beschrieb, und gilt deshalb oft als Schlusspunkt dieser Zeit (siehe Wann war der Wilde Westen?).[1]

Für die Lakota bedeutete Wounded Knee nach der Nominierung das Ende der Hoffnungen, die sie in den Geistertanz gesetzt hatten. Nach Black Elks Worten zerbrach damit der heilige Reifen ihrer Welt, und viele fügten sich danach in das Leben im Reservat.[1] Die Rosebud Sioux Tribe schreibt, das Massaker habe das Ende des Widerstands der "Sioux" bis in die moderne Zeit markiert.[4] Die Oglala Sioux Tribe zählt den General Allotment Act und das Massaker zu den katastrophalen Ereignissen ihrer Geschichte mit der US-Regierung und schreibt, wie stark sie heutige Wahrnehmungen und das fehlende Vertrauen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft geprägt hätten, lasse sich kaum überschätzen.[6]

Für ihren Einsatz bei Wounded Knee erhielten laut AP 20 Soldaten der 7. Kavallerie die Medal of Honor; die Nominierung von 1990 spricht von 28 Ausgezeichneten.[13, 1] Nach einer Empfehlung des Kongresses im Verteidigungsgesetz von 2022 ließ Verteidigungsminister Lloyd Austin die Auszeichnungen 2024 prüfen. Im September 2025 gab sein Nachfolger Pete Hegseth bekannt, dass die Soldaten ihre Medaillen behalten.[13]

Zeitleiste

Zeitleiste: Massaker von Wounded Knee
  1. Januar 1889Der Paiute Wovoka hat die Vision, aus der der Geistertanz hervorgeht.[1] Geistertanz
  2. 02.03.1889Ein Gesetz teilt die Große Sioux-Reservation in sechs getrennte Reservate auf.[8] Lakota
  3. 20.11.1890General John R. Brooke erreicht mit etwa 400 Soldaten die Pine Ridge Agency.[1]
  4. 15.12.1890Polizisten der Agency töten Sitting Bull im Reservat Standing Rock.[1] Sitting Bull
  5. 23.12.1890Die Gruppe von Spotted Elk (Big Foot) bricht nachts in Richtung Pine Ridge auf.[1]
  6. 28.12.1890Die 7. Kavallerie fängt die Gruppe nordöstlich des Porcupine Butte ab und bringt sie zum Wounded Knee Creek.[1]
  7. 29.12.1890Massaker von Wounded Knee: Beim Entwaffnen eröffnen Soldaten das Feuer; die Zahl der Toten nennen die Quellen verschieden: mehr als 150 laut US Army, geschätzt 200 laut Library of Congress, mindestens 250 laut NHL-Nominierung von 1990, etwa 150 bis 370 laut Rosebud Sioux Tribe.[1, 2, 3, 4]
  8. 04.01.1891146 Tote werden in einem Massengrab beigesetzt.[1]
  9. 18.01.1891General Nelson A. Miles erklärt den Feldzug für beendet.[1]
  10. 28.05.1903Überlebende weihen am Massengrab ein Denkmal ein.[1]
  11. 1912Manche Zeitungen sprechen nun vom Wounded Knee Massacre statt von einer Schlacht.[2]
  12. 08.05.1973Die 71 Tage dauernde Besetzung von Wounded Knee durch das American Indian Movement endet.[14] Red Power
  13. 1986Lakota-Älteste gründen den Big Foot Memorial Ride.[11]
  14. 25.10.1990Der Kongress der USA spricht in einer Resolution sein tiefes Bedauern aus.[9, 17]
  15. 21.10.2022Oglala Sioux Tribe und Cheyenne River Sioux Tribe verpflichten sich, ihr Land am Massakerort als Gedenkstätte zu erhalten.[8, 9]
  16. September 2025Verteidigungsminister Pete Hegseth entscheidet, dass die Soldaten, die für Wounded Knee die Medal of Honor erhielten (laut AP 20), sie behalten.[13]
  17. 19.12.2025Der Wounded Knee Massacre Memorial and Sacred Site Act wird Gesetz.[10]

Erinnerung heute: Gedenkort der Lakota

Am 28. Mai 1903 errichtete der Überlebende Joseph Horn Cloud mit Angehörigen und Freunden am Massengrab ein Denkmal, auf dem viele Namen der Getöteten stehen.[1] Die Stätte ist als Wounded Knee National Historic Landmark geschützt; die Nominierung beschreibt sanft gewelltes Grasland mit einer Fläche von 870 Acres, etwa 352 Hektar. Für die Lakota wurde der Ort heiliger Boden, den Überlebende, Verwandte und Nachfahren in Erinnerung halten.[1]

Am 21. Juni 1990 hielt der National Park Service in Wounded Knee eine öffentliche Versammlung zum Entwurf der Nominierung ab. Die Ältesten fanden die heutige Sicht der Lakota darin zu schwach vertreten. Daraufhin führte der Park Service im Juli und August 1990 Gespräche mit vier Nachfahren von Überlebenden: Leona Broken Nose, Celane Not Help Him, Leonard Little Finger und Birgil Kills Straight.[1] Celane Not Help Him, eine Enkelin von Dewey Beard, erzählte, ihr Großvater habe beim Erzählen geweint und danach draußen für die Getöteten gesungen.[1]

1986 riefen die Lakota-Ältesten Curtis Kills Ree und Birgil Kills Straight den Sitanka Wokiksuye ins Leben, den Big Foot Memorial Ride, der Spotted Elks Weg nach Wounded Knee nachreitet. Zum 100. Jahrestag ritt am 29. Dezember 1990 ein Gedenkritt nach Wounded Knee.[11] Seit 1992 heißt der Ritt Oomaka Tokatakiya (Future Generations Ride); er dauert zwei Wochen, ist rund 300 Meilen lang und soll bei Jugendlichen Führungsfähigkeiten fördern.[11] Am 25. Oktober 1990 sprach der Kongress der USA in der Resolution S. Con. Res. 153 sein tiefes Bedauern aus, gerichtet an die "Sioux people" und besonders an die Nachfahren der Opfer und Überlebenden.[9, 17]

Im Februar 1973 besetzten etwa 250 Anhänger des American Indian Movement (AIM) den Ort Wounded Knee. Nach 71 Tagen endete die Besetzung am 8. Mai 1973, als AIM die Waffen abgab und sich festnehmen ließ (mehr unter Red Power).[14]

2022 kauften die Oglala Sioux Tribe und die Cheyenne River Sioux Tribe gemeinsam rund 40 Acres, etwa 16 Hektar, des Massakergeländes von einem privaten Eigentümer. Am 21. Oktober 2022 verpflichteten sich beide Nationen, das Land als Gedenkstätte und heilige Stätte zu erhalten, ohne Bebauung für Gewerbe und ohne Glücksspiel.[8, 9] Der Wounded Knee Massacre Memorial and Sacred Site Act vom 19. Dezember 2025 stellt das Land unter besonderen Schutz (restricted fee status): Es bleibt Eigentum der beiden Nationen, gehört zum Reservat Pine Ridge, untersteht der Gerichtsbarkeit der Oglala Sioux Tribe und darf nur mit Zustimmung des Kongresses und der Nationen veräußert werden.[10]

Kleine Pferdeherde auf schneebedecktem Präriegras unter klarem Winterhimmel, im Hintergrund sanfte Hügel
Pferde auf winterlicher Prärie. Seit 1986 erinnert ein Gedenkritt an Spotted Elks Weg nach Wounded Knee. Bild: KI-generiert

Wo liegt Wounded Knee?

Wounded Knee liegt am gleichnamigen Bach im Reservat Pine Ridge im Südwesten von South Dakota, etwa 15 Meilen, rund 24 Kilometer, von der Pine Ridge Agency entfernt; das Schießen war laut der Nominierung bis dorthin zu hören.[1] Das Gelände gehört heute zum Oglala Lakota County.[10] Pine Ridge ist die Heimat der Oglala Sioux Tribe, die nach eigenen Angaben mehr als 52.000 eingeschriebene Mitglieder hat.[6] Die Lakota gehören zu den Oceti Sakowin, den Sieben Ratsfeuern, zu denen die Cheyenne River Sioux Tribe Lakota, Dakota und Nakota zählt (mehr unter Sioux).[7]

Karte: Wounded Knee im Reservat Pine Ridge125° W120° W115° W110° W105° W100° W95° W90° W25° N30° N35° N40° N45° N50° N1Massaker von Wounded Knee
Karte: Wounded Knee im Reservat Pine Ridge
  1. 1Massaker von Wounded Knee (Wounded Knee National Historic Landmark) 43,13° N, 102,37° W[1]
Umrisse: Natural Earth (gemeinfrei). Eigene Darstellung ohne Kartendienst.

Mythos und Wahrheit

Wounded Knee in Buch und Film

Schon 1914 wurde Wounded Knee laut Library of Congress für einen Kinofilm nachgestellt.[2] 1970 erschien das Buch "Bury My Heart at Wounded Knee" des Bibliothekars Dee Brown über die Geschichte der indigenen Völker im Westen. Die Library of Congress nahm es in ihre Ausstellung der Bücher auf, die Amerika geprägt haben: Vorher hätten nur wenige Amerikaner die Einzelheiten der ungerechten Behandlung gekannt, und das Buch habe sich mehr als vier Millionen Mal verkauft.[15] Auf Deutsch heißt es "Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses". Nach dieser Vorlage drehte Yves Simoneau 2007 den gleichnamigen US-Film Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses.[16]

Häufige Fragen

Wann war das Massaker von Wounded Knee?

Am 29. Dezember 1890. Am Tag davor hatte die 7. Kavallerie die Gruppe von Spotted Elk (Big Foot) abgefangen und an den Wounded Knee Creek gebracht. Am Morgen sollten die Männer ihre Gewehre abgeben, dabei fiel der erste Schuss.

Wie viele Menschen starben in Wounded Knee?

Die Angaben reichen von mehr als 150 (Militärgeschichte der US Army) über geschätzt 200 (Library of Congress) bis etwa 370 (Rosebud Sioux Tribe). 146 Tote wurden im Massengrab beigesetzt, die Dokumentation zum National Historic Landmark von 1990 hält mindestens 250 Tote für fast sicher. Auf Seiten der Armee starben 25 Soldaten.

Warum heißt es Massaker und nicht Schlacht?

Das Ereignis hieß zunächst Battle of Wounded Knee, und die Militärgeschichte der Armee nennt es in der Fassung von 2001 noch so. Unter den Toten waren viele unbewaffnete Frauen und Kinder, und laut Library of Congress schrieben manche Zeitungen ab 1912 vom Wounded Knee Massacre. Das Gesetz von 2025 zum Schutz des Ortes trägt das Wort Massacre im Namen.

Wer war Big Foot?

Spotted Elk, auch Big Foot genannt, führte eine Gruppe der Mnicoujou-Lakota im Reservat Cheyenne River. Er war an einer Lungenentzündung erkrankt, als die Armee seine Gruppe auf dem Weg nach Pine Ridge abfing, und wurde am 29. Dezember 1890 getötet.

Was geschah 1973 in Wounded Knee?

Im Februar 1973 besetzten etwa 250 Anhänger des American Indian Movement den Ort Wounded Knee. Die Besetzung endete nach 71 Tagen am 8. Mai 1973. Mehr dazu auf der Seite Red Power.

Behielten die Soldaten ihre Medal of Honor?

Ja. 20 Soldaten der 7. Kavallerie hatten laut AP die Medal of Honor erhalten. Eine 2024 angeordnete Prüfung endete im September 2025 mit der Entscheidung von Verteidigungsminister Pete Hegseth, die Auszeichnungen nicht abzuerkennen.

Was hat "Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses" mit Wounded Knee zu tun?

So heißt auf Deutsch das Buch "Bury My Heart at Wounded Knee" des Bibliothekars Dee Brown von 1970 über die Geschichte der indigenen Völker im Westen. Nach ihm entstand 2007 ein gleichnamiger Film von Yves Simoneau.

Wo liegt Wounded Knee?

Im Reservat Pine Ridge im Südwesten von South Dakota, heute im Oglala Lakota County, rund 15 Meilen von der Pine Ridge Agency entfernt. Ein Teil des Geländes gehört seit 2022 der Oglala Sioux Tribe und der Cheyenne River Sioux Tribe.

Quellen

  1. Amtliche Stelle Wounded Knee National Historic Landmark. National Register of Historic Places Registration Form, verfasst von Richard E. Jensen und Eli Paul, Nebraska Historical Society. National Park Service, U.S. Department of the Interior. Stand 06.12.1990. abgerufen am 24.10.2026
  2. Amtliche Stelle Wounded Knee Massacre: Topics in Chronicling America. Library of Congress, Research Guides. Stand 12.06.2025. abgerufen am 24.10.2026
  3. Amtliche Stelle American Military History, Kapitel 14: Winning the West. The Army in the Indian Wars, 1865 to 1890. U.S. Army Center of Military History, Army Historical Series. Stand Seite aktualisiert 27.04.2001. abgerufen am 24.10.2026
  4. Tribal Nation History and Culture: Wolakota, Heritage, Lakota Chiefs. Rosebud Sioux Tribe. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  5. Amtliche Stelle Black Elk. National Park Service. Stand 30.07.2025. abgerufen am 24.10.2026
  6. Tribal Nation Oglala Sioux Tribe (Startseite, Überschrift The Pine Ridge Indian Reservation). Oglala Sioux Tribe. Stand 16.07.2024. abgerufen am 24.10.2026
  7. Tribal Nation History. Cheyenne River Sioux Tribe. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  8. Amtliche Stelle Senate Report 119-71: Wounded Knee Massacre Memorial and Sacred Site Act. U.S. Senate, Committee on Indian Affairs (U.S. Government Publishing Office). Stand 02.10.2025. abgerufen am 24.10.2026
  9. Amtliche Stelle House Report 118-197: Wounded Knee Massacre Memorial and Sacred Site Act. U.S. House of Representatives, Committee on Natural Resources (U.S. Government Publishing Office). Stand 14.09.2023. abgerufen am 24.10.2026
  10. Gesetz und Vertrag Public Law 119-61, 139 Stat. 1977 (Wounded Knee Massacre Memorial and Sacred Site Act). U.S. Congress, U.S. Government Publishing Office. Stand 19.12.2025. abgerufen am 24.10.2026
  11. Museum The Ride to Wounded Knee (Ausstellung A Song for the Horse Nation). Smithsonian, National Museum of the American Indian. Stand Ausstellung 2011 bis 2013. abgerufen am 24.10.2026
  12. Museum Buffalo Soldiers, Geronimo, and Wounded Knee (The Price of Freedom). Smithsonian, National Museum of American History. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  13. Presse Hegseth says Wounded Knee soldiers will keep their Medals of Honor (The Associated Press). NBC News. Stand 26.09.2025. abgerufen am 24.10.2026
  14. Amtliche Stelle Peaceful End to the Siege at Wounded Knee. U.S. Department of Justice, Community Relations Service. Stand 21.04.2023. abgerufen am 24.10.2026
  15. Amtliche Stelle Books That Shaped America: 1950 to 2000 (Dee Brown, Bury My Heart at Wounded Knee). Library of Congress, Ausstellung. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  16. Filmdatenbank Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses (2007). filmdienst.de, Lexikon des internationalen Films. Stand Aktualisiert am 01.02.2018. abgerufen am 24.10.2026
  17. Amtliche Stelle Sitting Bull. National Park Service, Little Bighorn Battlefield National Monument. Stand 23.04.2025. abgerufen am 24.10.2026

Fehler entdeckt? Hinweis an die Redaktion. Jeder Hinweis wird an der Quelle geprüft.

Passt dazu

  • GeschichteTrail of Tears

    Der Trail of Tears (Pfad der Tränen) war die Vertreibung der Cherokee 1838 und 1839 nach Oklahoma.

  • GeschichteGesetze und Verträge

    Gesetze und Verträge von 1787 bis 1934 ordneten den Westen der USA.

  • GeschichteIndian Removal Act 1830

    Am 28. Mai 1830 unterschrieb Andrew Jackson den Indian Removal Act.

  • WesternItalowestern

    Was Italowestern ausmacht, wie viele es gab und was sie vom US-Western trennt.