Indigene Völker NordamerikasEreignis

Red Power

Kurz erklärt Red Power nennt der National Park Service die Protestbewegung, die 1968 mit der Gründung des American Indian Movement (AIM) in Minneapolis und ab 20. November 1969 mit der 19 Monate langen Besetzung von Alcatraz begann. 1972 besetzten Teilnehmer des Trail of Broken Treaties das Gebäude des Bureau of Indian Affairs in Washington. 1973 hielten etwa 250 AIM-Anhänger Wounded Knee 71 Tage lang besetzt; zwei Native Americans wurden getötet.

Felsige Insel mit Leuchtturm und alten Gebäuden in der Bucht von San Francisco, vom Wasser aus gesehen im warmen Abendlicht
Bild: KI-generiert

Wie kam es zur Red-Power-Bewegung?

In den 1950er und 1960er Jahren setzte die Bundesregierung laut National Park Service auf zwei Programme: Die Relocation sollte indigene Menschen bewegen, die Reservate zu verlassen und in die Städte zu ziehen, die Termination nahm Nationen ihren rechtlichen Status und ihre Landrechte.[2] Mehr zu beiden Programmen steht auf der Seite Reservate. Viele, die nach Minneapolis und St. Paul gezogen waren, fanden laut MNopedia, dem Lexikon der Minnesota Historical Society, nur schlecht bezahlte Arbeit, schlechte Wohnungen, Diskriminierung und Gewalt. Ihre Zeremonien waren nach MNopedia seit 1884 verboten und damals noch immer illegal.[6]

Ab 1964 organisierte die Survival of American Indians Association unter Hank Adams im Bundesstaat Washington sogenannte Fish-ins: Angehörige der Nationen am Pazifik fischten entgegen den Beschränkungen des Staates, die sie als Verstoß gegen ihre Vertragsrechte ansahen. Vorbild waren die Sit-ins der Bürgerrechtsbewegung im Süden.[4] 1968 forderte Präsident Lyndon B. Johnson eine Politik der Selbstbestimmung für die Nationen, sein Nachfolger Richard Nixon führte sie fort.[4] Indigene Studierende und Aktivisten in den Städten, besonders an der Westküste, organisierten sich in eigenen Gruppen.[2]

Für diese Jahre benutzt der National Park Service den Begriff Red Power: Mit der Gründung des American Indian Movement im Juli 1968 und der Besetzung von Alcatraz ab November 1969 habe die Zeit der Red Power begonnen.[4] Die Aktivisten setzten auf eine Politik der Konfrontation mit Besetzungen und direkten Aktionen, und viele Nationen traten nun gemeinsam auf statt jede für sich gegenüber der Regierung.[4]

Wie entstand das American Indian Movement?

Das American Indian Movement (AIM) entstand in Minneapolis. Laut MNopedia kamen am 28. Juli 1968 rund 200 indigene Menschen zu einem Treffen, das eine Gruppe von Aktivisten um George Mitchell, Dennis Banks und Clyde Bellecourt einberufen hatte.[6] Banks und Bellecourt wollten zuerst die Lage der indigenen Menschen in der Stadt verbessern: Wohnungen, Bildung, Arbeit und den Schutz vor Polizeigewalt.[4]

Für Menschen, die Polizeigewalt erlebt hatten, gründete AIM die AIM Patrol. Die Bewegung half beim Aufbau des Legal Rights Center, das Arme kostenlos vor Gericht vertrat, und des Indian Health Board, das medizinische Hilfe für indigene Menschen anbot. 1972 gründete AIM die Heart of the Earth Survival School, eine eigene Schule.[6] Bald wandte sich die Bewegung der Politik des Bundes gegenüber den Nationen zu, in der sie die Wurzel der Probleme sah. Ihre Ziele reichten laut MNopedia bis zur vollen Wiederherstellung der Souveränität der Nationen und ihrer Vertragsrechte.[4, 6]

Als Anführer gelten meist Dennis Banks, Clyde Bellecourt und Russell Means. MNopedia betont zugleich die oft namenlose Arbeit vieler Frauen, etwa von Pat Bellanger, die fast 50 Jahre für die Bewegung arbeitete und den Spitznamen "Grandma AIM" trug.[6]

Was geschah auf Alcatraz 1969 bis 1971?

Bevor Alcatraz ein Gefängnis wurde, war die Insel in der Bucht von San Francisco eine Festung der Armee. Laut National Park Service saßen dort viele Native Americans in Haft, weil sie sich gegen die Regierung gewehrt hatten; die größte Gruppe waren 19 Hopi, die im Januar 1895 auf die Insel kamen.[1, 2] Als ursprüngliche Bewohner der Halbinsel von San Francisco samt Alcatraz nennt der National Park Service die Ramaytush; die Lebensweise der Ohlone sei durch die Ankunft der Spanier in den frühen 1770er Jahren stark gestört worden.[2]

Der National Park Service unterscheidet drei Besetzungen. Am 9. März 1964 landeten fünf Sicangu-Lakota unter Belva Cottier und ihrem Cousin Richard McKenzie auf der Insel und erklärten sie zu indigenem Land. Sie beriefen sich auf den Vertrag von Fort Laramie von 1868, nach dem verlassenes Land des Bundes an die Sioux zurückfallen könne. Nach vier Stunden war die Aktion vorbei, der Bundesanwalt wies den Anspruch als unbegründet zurück.[1] Am 9. November 1969 fuhren Richard Oakes, ein Mohawk aus Akwesasne, und eine Gruppe von Unterstützern mit einem gecharterten Boot hinüber und beanspruchten die Insel symbolisch. Weil viele Nationen vertreten waren, nannte sich die Gruppe Indians of All Tribes.[1]

Am 20. November 1969 begann die eigentliche Besetzung. Unter den etwa 100 Besetzern waren 80 indigene Studierende der University of California in Los Angeles.[1] Auf der Insel bildeten sie einen gewählten Rat, jeder hatte eine Aufgabe, und Entscheidungen fielen einstimmig. Die Besetzer verlangten die Besitzurkunde für die Insel, eine indigene Universität, ein Kulturzentrum und ein Museum; die Unterhändler der Regierung lehnten alles ab.[1]

Felsiges Ufer einer Insel mit verwitterten Betonbauten und Möwen, vom Boot aus gesehen, Nebelschwaden über der Bucht
Die Insel Alcatraz in der Bucht von San Francisco. Vom 20. November 1969 bis Juni 1971 war sie besetzt. Bild: KI-generiert

Die Bundesregierung wartete laut National Park Service ab: FBI und Küstenwache sollten sich heraushalten, in der Hoffnung, die Unterstützung werde nachlassen.[1] Im Januar 1970 kehrten viele Studierende an ihre Hochschulen zurück, andere kamen nach. Am 5. Januar 1970 stürzte Oakes' 13-jährige Stieftochter Yvonne in einem Treppenhaus tödlich, danach verließ Oakes die Insel.[1] Die Regierung stellte den Strom ab und ließ die Wasserbarge abziehen, die die Besetzer mit Frischwasser versorgt hatte; drei Tage später brach auf der Insel ein Feuer aus, das mehrere historische Gebäude zerstörte. Die Regierung machte die Besetzer verantwortlich, diese verdächtigten eingeschleuste Regierungsleute.[1] Drei Besetzer wurden verurteilt, weil sie etwa 600 Pfund Kupfer aus den Gebäuden verkauft hatten.[1]

Nach einem Zusammenstoß zweier Tanker in der Einfahrt der Bucht im Januar 1971 gab Präsident Nixon grünes Licht, einen Räumungsplan auszuarbeiten, der mit möglichst wenigen Menschen auf der Insel und möglichst wenig Gewalt ablaufen sollte. Bewaffnete Federal Marshals, FBI-Agenten und Spezialkräfte holten die letzten fünf Frauen, vier Kinder und sechs unbewaffnete Männer von der Insel. Für das Ende nennt der National Park Service auf derselben Seite den 10. und den 11. Juni 1971.[1]

Die Insel bekamen die Besetzer nicht. Laut National Park Service endete aber in der Folge, direkt oder indirekt, die Politik der Termination, und Selbstbestimmung wurde zur offiziellen Politik der USA.[1] Während der Besetzung gab Nixon den Blue Lake mit 48.000 Acres Land an Taos Pueblo zurück (mehr auf der Seite Pueblo-Völker).[1] Alcatraz wurde 1972 Teil der Golden Gate National Recreation Area, statt an Bauträger verkauft zu werden.[2]

Was war der Trail of Broken Treaties 1972?

1972 brachte AIM die Politik der Konfrontation in die Hauptstadt. Hank Adams, Dennis Banks und Russell Means gewannen acht indigene Organisationen, darunter AIM, die Indians of All Tribes und den National Indian Youth Council, für eine Fahrt nach Washington, D.C.[4] Am 6. Oktober 1972 brachen drei Kolonnen in Seattle, San Francisco und Los Angeles auf, eine vierte folgte von Oklahoma aus auf dem Weg des Trail of Tears. Unterwegs machten die Kolonnen in Reservaten Station und sammelten die Beschwerden der Menschen dort.[4] Mehr als 600 Menschen fuhren laut National Library of Medicine mit.[5]

In Minnesota fassten die Teilnehmer ihre Forderungen in einem Papier mit 20 Punkten zusammen, den Twenty Points; der National Park Service nennt Minneapolis als Ort, die National Library of Medicine St. Paul und Hank Adams als Verfasser.[4, 5] Die Twenty Points verlangten unter anderem, wieder Verträge mit den Nationen zu schließen, die bestehenden Verträge rechtlich anzuerkennen, 110 Millionen Acres Land zurückzugeben, die Gesetze zur Termination aufzuheben und die Religionsfreiheit zu schützen.[4] Die Kolonnen sollten in der Woche der Präsidentenwahl in Washington ankommen.[4]

Am 2. November 1972 erreichten sie die Stadt. Nixon war nicht da, geplante Termine in mehreren Ministerien fielen ohne Nachricht aus, und die Unterkunft im Keller einer Kirche reichte nicht.[4] Als das Bureau of Indian Affairs (BIA), die für die Nationen zuständige Bundesbehörde, Hilfe verweigerte, begannen etwa 500 Teilnehmer einen Sitzstreik in seinem Gebäude; die Zahl wuchs laut National Park Service auf mehr als 1.000. Als die Polizei um 17 Uhr räumen wollte, kam es am Eingang zu einem gewaltsamen Handgemenge, die Demonstranten verbarrikadierten die Türen und hängten ein Transparent mit der Aufschrift "Native American Embassy" auf.[4]

Eine Woche lang blieb das Gebäude besetzt. Laut National Park Service bereiteten sich die Besetzer darauf vor, es mit Brandsätzen und Waffen aus Möbeln zu verteidigen. Sie gingen Hunderte Kisten mit Akten durch, die nach ihrer Darstellung Misswirtschaft und Diebstahl von Geld und anderen Mitteln belegten, die die Regierung für indigene Menschen treuhänderisch verwalten sollte.[4] Die Presse berichtete vor allem über die Schäden am Gebäude. Die Regierung Nixon sicherte den Teilnehmern Straffreiheit und rund 66.500 Dollar für die Heimreise zu und setzte eine Arbeitsgruppe zu den Twenty Points ein, die die Forderungen später ablehnte.[4] Der National Park Service nennt die Aktion trotzdem keinen Misserfolg: Viele der Ziele seien in den folgenden Jahren in die Politik gegenüber den Nationen eingegangen.[4] MNopedia schreibt, die Aktion habe AIM zu einem Ziel von COINTELPRO gemacht, dem verdeckten Programm des FBI gegen politische Gruppen im Inland.[6]

Zum ersten Mal überhaupt hatten Angehörige von etwa zweihundert Stämmen gemeinsam für eine Sache gehandelt.

Dennis Banks, AIM, Dennis Banks und Richard Erdoes: Ojibwa Warrior, 2004, S. 144, zitiert vom National Park Service Übersetzung der Redaktion[4]

Was geschah 1973 in Wounded Knee?

Im Reservat Pine Ridge in South Dakota, dem Land der Oglala Sioux Tribe, war die Lage Anfang 1973 gespannt. Nach MNopedia bat Gladys Bissonette von der Oglala Sioux Civil Rights Organization AIM um Hilfe, weil traditionell lebende Lakota von weißen Selbstjustizgruppen und Anhängern des damaligen Präsidenten der Oglala Sioux Tribe, Dick Wilson, bedroht würden.[6]

Am 27. Februar 1973 besetzten Anhänger des AIM den Ort Wounded Knee, laut Justizministerium etwa 250 Native Americans.[7, 8] Der Ort war 1890 Schauplatz des Massakers von Wounded Knee, an das AIM 1973 mit einem Abzeichen zum 83. Jahrestag erinnerte.[6] Hunderte Bundesbeamte mit militärischer Bewaffnung umstellten das Dorf.[6] Für den U.S. Marshals Service war es die längste zivile Unruhe in seiner Geschichte; Marshals aus allen Rängen meldeten sich freiwillig für den Einsatz.[8] Die Besetzer verlangten laut MNopedia Anhörungen zu ihrem Vertrag und eine Untersuchung des BIA.[6]

Der Community Relations Service des Justizministeriums vermittelte während der ganzen Zeit zwischen den Besetzern und den Behörden, darunter dem U.S. Marshals Service und der Polizei des BIA.[7] Am 8. Mai 1973, nach 71 Tagen, übergaben die Besetzer ihre Waffen und ließen sich festnehmen.[7, 8] Als Ergebnis vermittelte der Community Relations Service ein Treffen von Vertretern des Weißen Hauses mit traditionellen Anführern, die das Justizministerium "chiefs and headmen of the Sioux tribe" nennt, über Verträge und den Indian Reorganization Act von 1934.[7]

Welliges Präriegras mit Raureif, ein zugefrorener Bach zwischen niedrigen Hügeln und kahlen Bäumen im tiefen Licht eines Wintertags
Winterliche Prärie im Südwesten von South Dakota. Die Besetzung von Wounded Knee fiel in die Monate Februar bis Mai 1973. Bild: KI-generiert

Laut MNopedia kämpften die Besetzer 71 Tage lang gegen die Kräfte der Regierung; der U.S. Marshals Service spricht von zehn Wochen paramilitärischer Einsätze und Verhandlungen.[6, 8]

Tote und Verletzte in Wounded Knee 1973 nach Quellen
GruppeAngabeQuelle
Besetzer und Unterstützerzwei Tote: Buddy Lamont und Frank ClearwaterMNopedia[6]
Besetzer und Unterstützerzwei getötete Native AmericansU.S. Marshals Service[8]
BundesbeamteU.S. Marshal Lloyd Grimm (District of Nebraska) schwer verletztU.S. Marshals Service[8]
Bundesbeamteein FBI-Agent schwer verletztU.S. Marshals Service[8]

In den zweieinhalb Monaten erschienen laut U.S. Marshals Service Hunderte Berichte von Fernsehsendern, Agenturen und Zeitungen. MNopedia schreibt, große Medien seien die ganze Zeit vor Ort gewesen und hätten weltweit Schlagzeilen gemacht.[6, 8]

Welche Folgen hatte die Red-Power-Bewegung?

Prozesse und Spaltung

1974 standen Dennis Banks und Russell Means im Bundesgericht in St. Paul wegen Verschwörung und Körperverletzung vor Gericht. Nach neun Monaten stellte Richter Fred J. Nichols alle Anklagen ein und begründete das mit Fehlverhalten der Regierung.[6] Laut MNopedia zerfiel die Bewegung danach zunehmend, auch durch Streit untereinander und die Versuche des FBI, sie zu spalten.[6] 1978 zogen bei The Longest Walk mehrere Hundert Menschen von San Francisco nach Washington, um gegen die Haft von Leonard Peltier und elf Gesetzentwürfe zu protestieren, die Vertragsrechte bedroht hätten; die Entwürfe scheiterten.[6]

Gesetze für Selbstbestimmung

Am 4. Januar 1975 wurde der Indian Self-Determination and Education Assistance Act Gesetz, Public Law 93-638.[14] Der Kongress stellte darin fest, die lange Vorherrschaft des Bundes über die Programme für indigene Menschen habe deren Fortschritt gebremst und ihnen eine wirksame Stimme bei Planung und Umsetzung verweigert.[14] Abschnitt 102 verpflichtete den Innenminister, auf Antrag einer Nation Verträge mit ihr zu schließen, damit sie Programme des Bundes für ihre Bürger selbst plant und führt; ablehnen durfte er nur aus im Gesetz genannten Gründen, etwa wenn der Schutz des Treuhandvermögens nicht gesichert war (mehr auf der Seite Reservate).[14]

Weites Grasland mit einem Feldweg und hölzernen Strommasten unter hohem Himmel, Wolkenschatten auf sanften Hügeln
Grasland in den nördlichen Plains. Seit 1975 können Nationen Programme des Bundes für ihre Bürger selbst führen. Bild: KI-generiert

Am 11. August 1978 folgte der American Indian Religious Freedom Act. Seitdem ist es Politik der USA, das Recht indigener Menschen zu schützen, ihre traditionellen Religionen auszuüben, einschließlich des Zugangs zu heiligen Stätten, des Besitzes heiliger Gegenstände und der Zeremonien.[15] MNopedia nennt das Gesetz den größten Erfolg von The Longest Walk; Präsident Jimmy Carter unterschrieb es wenige Tage nach der Ankunft der Teilnehmer.[6]

Der Fall Leonard Peltier

Nach Darstellung des FBI gab es keinen konkreten Zusammenhang zwischen Wounded Knee und den Morden von 1975. Die Spaltung, die aus Wounded Knee entstand, habe aber möglicherweise zur Spannung im Reservat Pine Ridge beigetragen: Anhänger der damaligen Regierung der Nation und ihres Präsidenten standen AIM-Mitgliedern und Traditionalisten gegenüber, und die Kriminalität stieg.[9] Am 26. Juni 1975 wurden dort die FBI-Agenten Jack Coler und Ronald Williams erschossen.[9] Leonard Peltier, AIM-Aktivist und Bürger der Turtle Mountain Band of Chippewa Indians, einer Nation der Ojibwe, wurde am 18. April 1977 wegen Mordes in zwei Fällen schuldig gesprochen und am 1. Juni 1977 zu zwei aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen verurteilt.[9, 10, 12] Nach der Liste des Justizministeriums kamen 1980 sieben Jahre wegen Flucht aus der Haft und Waffenbesitzes hinzu; Britannica schreibt dagegen, dieses Urteil sei später aufgehoben worden.[10, 17]

Das FBI hält Peltier für den Täter. Es verweist auf eine Patronenhülse aus dem Kofferraum von Colers Wagen, die nach dem FBI-Labor zu Peltiers Gewehr passte, und darauf, dass 1993 auch der Vorwurf zurückgewiesen wurde, die Anklage habe ihre Begründung geändert. Nach Angaben des FBI räumte Peltier 1991 in der Fernsehsendung 60 Minutes ein, auf die beiden Agenten geschossen zu haben.[9] Der damalige FBI-Direktor Christopher Wray schrieb 2024, mindestens 22 Bundesrichter hätten die Beweise geprüft und seien alle zum selben Ergebnis gekommen: Die Verurteilung müsse bestehen bleiben.[9] Zu den Mitangeklagten, die 1976 in einem eigenen Prozess in Cedar Rapids freigesprochen wurden, schreibt das FBI: Sie seien beim Beginn der Schüsse nicht am Ort gewesen, und anders als bei Peltier gebe es keinen unmittelbaren Beleg, dass sie die Agenten als Polizisten erkannten; deshalb habe die Verteidigung dort Notwehr geltend gemacht.[9]

33 Abgeordnete und Senatoren des Kongresses schrieben im Oktober 2023 an Präsident Biden, Peltier verbüße zwei lebenslange Strafen wegen Beihilfe in einem Fall, in dem seine Mitangeklagten wegen Notwehr freigesprochen worden seien.[12] Sie verwiesen auf Gerald Heaney, den Richter seines Berufungsverfahrens von 1986, der 1991 und 2000 seine Freilassung gefordert habe, und auf den früheren Bundesanwalt James Reynolds, dessen Behörde die Anklage geführt hatte und der eine Umwandlung der Strafe befürwortete.[12]

Am 19. Januar 2025 wandelte Präsident Joseph R. Biden den Rest der Haftstrafe in Hausarrest um, wirksam ab 18. Februar 2025; alle anderen Teile des Urteils ließ er bestehen.[11] An diesem Tag verließ Peltier nach 49 Jahren das Gefängnis; Unterstützer sollten ihn laut KOTA in sein Zuhause im Reservat Turtle Mountain bei Belcourt in North Dakota bringen (mehr auf der Seite Leonard Peltier: nach 49 Jahren Haft im Hausarrest).[13]

Zeitleiste

Zeitleiste: Red Power
  1. 09.03.1964Fünf Sicangu-Lakota besetzen Alcatraz für vier Stunden.[1]
  2. 28.07.1968Gründungstreffen des American Indian Movement in Minneapolis mit rund 200 Menschen.[6]
  3. 09.11.1969Richard Oakes und die Indians of All Tribes beanspruchen Alcatraz symbolisch.[1] Mohawk
  4. 20.11.1969Beginn der 19 Monate langen Besetzung von Alcatraz.[1]
  5. Juni 1971Bundesbeamte holen die letzten Besetzer von Alcatraz.[1]
  6. 06.10.1972Die Kolonnen des Trail of Broken Treaties brechen nach Washington auf.[4]
  7. 02.11.1972Beginn der einwöchigen Besetzung des Gebäudes des Bureau of Indian Affairs.[4]
  8. 27.02.1973Anhänger des AIM besetzen Wounded Knee im Reservat Pine Ridge.[8] Massaker von Wounded Knee
  9. 08.05.1973Die Besetzung von Wounded Knee endet nach 71 Tagen.[7, 8]
  10. 04.01.1975Der Indian Self-Determination and Education Assistance Act wird Gesetz.[14]
  11. 26.06.1975Im Reservat Pine Ridge werden die FBI-Agenten Jack Coler und Ronald Williams erschossen.[9]
  12. 01.06.1977Leonard Peltier wird zu zwei aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen verurteilt.[9, 10]
  13. 11.08.1978Der American Indian Religious Freedom Act wird Gesetz.[15]
  14. 18.02.2025Peltier verbüßt den Rest seiner Strafe nach der Umwandlung durch Präsident Biden im Hausarrest.[11]
  15. September 2025Der National Park Service eröffnet auf Alcatraz die Ausstellung Welcome to Indian Land.[3]

Erinnerung heute

Der National Park Service, der Alcatraz verwaltet, zeigt seit September 2025 auf der Insel die Ausstellung "Welcome to Indian Land: Resistance, Resilience and Activism" über die Besetzungen.[3] Zum 50. Jahrestag der Besetzung paddelten 2019 traditionelle Boote vieler Nationen in einer Kanufahrt nach Alcatraz.[2] Nach Angaben des National Park Service kommen jedes Jahr 1,4 Millionen Besucher auf die Insel.[2]

Die Geschichte des Ortes Wounded Knee und die Erinnerung der Lakota an 1890 stehen auf der Seite Massaker von Wounded Knee, die Proteste gegen die Dakota Access Pipeline 2016 und 2017 auf der Seite Die Proteste von Standing Rock. Viele Besetzer von Alcatraz wurden später laut National Park Service Anführer ihrer Nationen, Lehrer, Richter, Historiker oder Künstler.[2]

Wo lagen die Orte der Red-Power-Bewegung?

Alcatraz liegt in der Bucht von San Francisco, Wounded Knee im Reservat Pine Ridge in South Dakota, Minneapolis in Minnesota.[1, 6, 7, 16]

Karte: Alcatraz und Wounded Knee125° W120° W115° W110° W105° W100° W95° W90° W25° N30° N35° N40° N45° N50° N1Red Power2Massaker von Wounded Knee
Karte: Alcatraz und Wounded Knee
  1. 1Red Power (Alcatraz Island, Bucht von San Francisco) 37,83° N, 122,42° W[16]
  2. 2Massaker von Wounded Knee (Wounded Knee National Historic Landmark) 43,13° N, 102,37° W[18]
Umrisse: Natural Earth (gemeinfrei). Eigene Darstellung ohne Kartendienst.

Mythos und Wahrheit

Häufige Fragen

Was war die Red-Power-Bewegung?

So nennt der National Park Service die Protestbewegung indigener Aktivisten in den USA, die nach dem Vorbild der Bürgerrechtsbewegung mit Besetzungen und direkten Aktionen für Souveränität und Vertragsrechte kämpfte. Als Beginn nennt er die Gründung des American Indian Movement im Juli 1968 und die Besetzung von Alcatraz ab November 1969.

Wann und wo wurde das American Indian Movement gegründet?

In Minneapolis. Laut MNopedia der Minnesota Historical Society kamen am 28. Juli 1968 rund 200 indigene Menschen zu einem Treffen, das Aktivisten um George Mitchell, Dennis Banks und Clyde Bellecourt einberufen hatten. Zuerst ging es um die Lage der indigenen Menschen in der Stadt, etwa um Polizeigewalt, Wohnungen und Arbeit.

Warum besetzten indigene Aktivisten Alcatraz?

Die Gruppe Indians of All Tribes verlangte die Insel für eine indigene Universität, ein Kulturzentrum und ein Museum. Laut National Park Service wollten die Besetzer die Öffentlichkeit auf die Lage der indigenen Menschen aufmerksam machen und Selbstbestimmung einfordern. Die Besetzung dauerte vom 20. November 1969 bis Juni 1971.

Was geschah 1973 in Wounded Knee?

Am 27. Februar 1973 besetzten etwa 250 Anhänger des AIM den Ort Wounded Knee im Reservat Pine Ridge. Bundesbeamte umstellten den Ort, die Besetzung endete nach 71 Tagen am 8. Mai 1973. Zwei Native Americans wurden getötet, ein U.S. Marshal und ein FBI-Agent schwer verletzt.

Wie viele Menschen starben in Wounded Knee 1973?

Zwei: MNopedia nennt Buddy Lamont und Frank Clearwater, der U.S. Marshals Service spricht von zwei getöteten Native Americans. Schwer verletzt wurden nach Angaben des Marshals Service der U.S. Marshal Lloyd Grimm und ein FBI-Agent.

Ist Leonard Peltier frei?

Präsident Biden wandelte am 19. Januar 2025 die restliche Haftstrafe in Hausarrest um, ab 18. Februar 2025; alle anderen Teile des Urteils bleiben bestehen. An diesem Tag verließ Peltier das Gefängnis; Unterstützer sollten ihn laut einem Bericht des Senders KOTA in das Reservat Turtle Mountain in North Dakota bringen. Begnadigt ist er damit nicht.

Was hat Red Power erreicht?

Laut National Park Service endete in der Folge die Politik der Termination, und Selbstbestimmung wurde die offizielle Politik der USA. 1975 trat der Indian Self-Determination and Education Assistance Act in Kraft, 1978 der American Indian Religious Freedom Act.

Quellen

  1. Amtliche Stelle Troy Johnson: We Hold the Rock. The Alcatraz Indian Occupation. National Park Service, Alcatraz Island. Stand 08.04.2025. abgerufen am 26.10.2026
  2. Amtliche Stelle Welcome to Indian Land Virtual Exhibit. National Park Service, Alcatraz Island. Stand 07.04.2026. abgerufen am 26.10.2026
  3. Amtliche Stelle Welcome to Indian Land: Resistance, Resilience and Activism on Alcatraz. National Park Service, Alcatraz Island. Stand 21.11.2025. abgerufen am 26.10.2026
  4. Amtliche Stelle The Trail of Broken Treaties, 1972. National Park Service. Stand 26.06.2024. abgerufen am 26.10.2026
  5. Amtliche Stelle 1972: Trail of Broken Treaties raises environmental health concerns (Native Voices, Timeline). National Library of Medicine. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  6. Nachschlagewerk Jon Lurie: American Indian Movement (AIM). MNopedia. Minnesota Historical Society. Stand 02.08.2019, geändert 09.04.2025. abgerufen am 26.10.2026
  7. Amtliche Stelle Peaceful End to the Siege at Wounded Knee. U.S. Department of Justice, Community Relations Service. Stand 21.04.2023. abgerufen am 26.10.2026
  8. Amtliche Stelle Incident at Wounded Knee. U.S. Marshals Service, History. Stand 07.03.2023. abgerufen am 26.10.2026
  9. Amtliche Stelle RESMURS Case (Reservation Murders). Federal Bureau of Investigation, History. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  10. Amtliche Stelle Commutations Granted by President Joseph Biden (2021-2025). U.S. Department of Justice, Office of the Pardon Attorney. Stand 09.07.2025. abgerufen am 26.10.2026
  11. Primärquelle Executive Grant of Clemency for Leonard Peltier, unterzeichnet von Präsident Joseph R. Biden. U.S. Department of Justice, Office of the Pardon Attorney. Stand 19.01.2025. abgerufen am 26.10.2026
  12. Amtliche Stelle Ranking Member Grijalva Leads Bipartisan, Bicameral 33-Member Letter Requesting Clemency for Indigenous Activist Leonard Peltier (mit Text des Briefs). U.S. House Committee on Natural Resources, Democrats. Stand 06.10.2023. abgerufen am 26.10.2026
  13. Presse Adrian Carbajal: Leonard Peltier released from prison after 49 years. KOTA Territory News, Rapid City. Stand 18.02.2025. abgerufen am 26.10.2026
  14. Gesetz und Vertrag Public Law 93-638, 88 Stat. 2203 (Indian Self-Determination and Education Assistance Act). U.S. Congress, U.S. Government Publishing Office. Stand 04.01.1975. abgerufen am 26.10.2026
  15. Gesetz und Vertrag 42 U.S. Code § 1996: Protection and preservation of traditional religions of Native Americans (Pub. L. 95-341 vom 11.08.1978). Legal Information Institute, Cornell Law School. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  16. Amtliche Stelle Alcatraz Island, San Francisco Bay, California, circa 1903 (NPGallery-Datensatz mit Ortsangabe Alcatraz Island). National Park Service, NPGallery. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  17. Nachschlagewerk Amanda K. Cox: Leonard Peltier. American Indian activist. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  18. Amtliche Stelle Wounded Knee National Historic Landmark. National Register of Historic Places Registration Form, verfasst von Richard E. Jensen und Eli Paul, Nebraska Historical Society. National Park Service, U.S. Department of the Interior. Stand 06.12.1990. abgerufen am 24.10.2026

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