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Der Indian Reorganization Act von 1934
Kurz erklärt Der Indian Reorganization Act, auch Wheeler-Howard Act, ist ein US-Gesetz vom 18. Juni 1934. Er beendete die Aufteilung des Reservatslands in Parzellen, erlaubte den Nationen eigene Verfassungen und Gesellschaften und gab Geld für Landkäufe und Kredite. Er galt nur, wo die Mehrheit nicht dagegen stimmte: Laut einer Schrift des Indian Service von 1947 nahmen ihn 181 Nationen an, 77 lehnten ihn ab.

Was ist der Indian Reorganization Act?
Der Indian Reorganization Act ist ein Bundesgesetz der USA vom 18. Juni 1934. In der amtlichen Gesetzessammlung steht er als Kapitel 576 in Band 48 auf den Seiten 984 bis 988, gezählt als Public Law Nr. 383 des 73. Kongresses; im Senat lief er als Entwurf S. 3645.[1] Er heißt auch Wheeler-Howard Act.[2, 3] Sein amtlicher Titel nennt die Ziele: Land und Ressourcen der Nationen erhalten und entwickeln, ihnen das Recht geben, Unternehmen und andere Organisationen zu gründen, ein Kreditsystem schaffen, ihnen gewisse Rechte der Selbstverwaltung einräumen und die Berufsausbildung fördern.[1]
Präsident Franklin D. Roosevelt unterzeichnete das Gesetz am 18. Juni 1934, wenige Tage vor dem Ende des ersten Kongresses seiner Amtszeit.[2] Das bewilligte Geld stand laut Theodore H. Haas, dem Chefjuristen des United States Indian Service, erst ab Mai 1935 bereit.[2] Nach der Encyclopaedia Britannica sollte das Gesetz die Kontrolle des Bundes über die Nationen verringern und ihre Selbstverwaltung stärken.[5] Die National Archives nennen es das wichtigste Gesetz des sogenannten Indian New Deal, der Reformen für die Nationen in der Regierungszeit Roosevelts.[4]
Wie kam es zum Indian Reorganization Act?
Seit dem Dawes Act von 1887 wurde das gemeinsame Land vieler Reservate in Parzellen für Einzelne aufgeteilt, und Land, das übrig blieb, öffnete die Regierung für Siedler, die nicht indigen waren.[3, 4] Durch den Verkauf dieses "Überschusslands" und von Parzellen schrumpfte das Land der Nationen von 1887 bis 1934 laut Encyclopedia of the Great Plains um zwei Drittel, von 138 auf 52 Millionen Acres; weitere Angaben stehen auf der Seite zum Dawes Act.[6]
Das Institute for Government Research untersuchte auf Bitte von Innenminister Hubert Work vom 12. Juni 1926 die wirtschaftliche und soziale Lage der Native Americans und legte dem Minister seinen Bericht, den Meriam Report, am 21. Februar 1928 vor.[12] Laut Britannica beschrieb er erschreckende Zustände unter der Ordnung des Dawes Act, und viele seiner Empfehlungen gingen in den Indian Reorganization Act ein.[5] Nach den National Archives stellte er fest, dass das Durchschnittseinkommen in den USA 1920 bei 1.350 Dollar je Kopf lag, das eines Native American bei 100 Dollar im Jahr, und gab der Politik der Regierung eine Mitschuld an dieser Armut.[4]
John Collier kämpfte seit Jahren für die Rechte der Nationen und war ab 1923 Sekretär der Indian Defense Association. 1933 ernannte ihn Präsident Roosevelt zum Leiter des Bureau of Indian Affairs, der Bundesbehörde für die Nationen.[4] Laut Encyclopedia of the Great Plains war Collier ein Sozialarbeiter aus New York, der die Politik des Bundes gegenüber den Nationen lange kritisiert hatte. Er hielt die weiße Gesellschaft für zu sehr auf den Einzelnen ausgerichtet und meinte, sie könne von den gemeinschaftlich geprägten Kulturen der Native Americans lernen; er wollte die Politik der erzwungenen Anpassung umkehren und den Nationen wieder eine wirtschaftliche Grundlage geben.[6]
Ideen für das Gesetz kamen auch von den Nationen selbst. Laut Haas schlugen die Klamath in Oregon schon 1927 vor, Nationen als Körperschaften einzutragen; auch Vizepräsident Curtis, ein Kaw, trug Gedanken bei. Ein Vorläufer war der Pueblo Relief Act vom 31. Mai 1933: Er verbot dem Innenminister, das nach diesem Gesetz bewilligte Geld für die Pueblos ohne Zustimmung ihrer eigenen Regierungen auszugeben.[2] Solange der Entwurf im Kongress lag, besuchten Collier und seine wichtigsten Mitarbeiter zehn Treffen in verschiedenen Landesteilen, um mit Abgesandten der Reservate über das Gesetz zu sprechen. Haas nennt diese Beratungen etwas Neues im Verhältnis von Behörde und Nationen.[2]
Was regelte der Indian Reorganization Act?
Das Gesetz hat 19 Abschnitte. Viele davon erlauben dem Innenminister etwas, ohne ihn zu verpflichten, oder nennen Höchstsummen, bis zu denen der Kongress Geld bewilligen durfte.[1]
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| 1 | Kein Land eines Reservats darf künftig an Einzelne aufgeteilt werden, gleich ob das Reservat durch Vertrag, Vereinbarung, Gesetz, Verfügung des Präsidenten, Kauf oder auf andere Weise entstanden ist.[1] |
| 2 | Die laufenden Treuhandfristen und Verkaufssperren für Land der Nationen gelten weiter, bis der Kongress anders entscheidet.[1] |
| 3 | Der Innenminister darf übrig gebliebenes "Überschussland" eines Reservats, das zum Verkauf geöffnet war, den Nationen zurückgeben, wenn es dem öffentlichen Interesse dient. Für das Reservat der Papago in Arizona hebt der Abschnitt eine Sperre für den Bergbau vom 28. Oktober 1932 auf und regelt Entschädigungen der Nation.[1] |
| 4 | Land mit Verkaufssperre und Anteile am Vermögen einer Nation dürfen nur mit Genehmigung des Innenministers an die eigene Nation oder ihre Gesellschaft verkauft oder übertragen werden; vererbt werden sie nach dem Recht des Bundesstaats oder des Bundes an Mitglieder und deren Erben. Der Tausch gleichwertigen Landes bleibt erlaubt.[1] |
| 5 | Der Innenminister darf Land, Wasserrechte und Oberflächenrechte innerhalb und außerhalb der Reservate erwerben, dafür bis zu 2.000.000 Dollar im Haushaltsjahr. Das Land gehört den USA als Treuhänder der Nation oder des Einzelnen und ist frei von Steuern der Staaten und Gemeinden.[1] |
| 6 | Wälder werden nach dem Grundsatz der nachhaltigen Nutzung bewirtschaftet, die Zahl des Weideviehs richtet sich nach der Tragfähigkeit der Weiden, und Regeln schützen vor Bodenerosion.[1] |
| 7 | Auf erworbenem Land darf der Innenminister neue Reservate ausrufen oder bestehende erweitern.[1] |
| 8 | Parzellen und Heimstätten außerhalb von Reservaten berührt das Gesetz nicht.[1] |
| 9 | Für die Kosten der Organisation der Nationen stehen bis zu 250.000 Dollar im Jahr bereit.[1] |
| 10 | Ein Umlauffonds von 10.000.000 Dollar gibt Darlehen an Gesellschaften der Nationen für die wirtschaftliche Entwicklung; zurückgezahltes Geld fließt in den Fonds zurück, der Kongress erhält jedes Jahr einen Bericht.[1] |
| 11 | Bis zu 250.000 Dollar im Jahr dienen als Darlehen für Schulgeld an Berufs- und Fachschulen, davon höchstens 50.000 Dollar für High Schools und Colleges.[1] |
| 12 | Für Stellen im Indian Office legt der Innenminister Anforderungen fest; geeignete indigene Bewerber dürfen ohne die Regeln des öffentlichen Dienstes eingestellt werden und haben künftig Vorrang.[1] |
| 13 | Für die Territorien und Besitzungen der USA gilt das Gesetz nicht, in Alaska nur mit den Abschnitten 9, 10, 11, 12 und 16. Die Abschnitte 2, 4, 7, 16, 17 und 18 gelten nicht für 28 namentlich genannte Nationen in Oklahoma, von den Cheyenne und Arapaho bis zu den Cherokee, Chickasaw, Choctaw, Creek und Seminolen. Abschnitt 4 gilt nicht im Reservat der Klamath in Oregon.[1] |
| 14 | Leistungen aus einem Gesetz von 1889 für die dort "Sioux" genannten Menschen werden weitergezahlt.[1] |
| 15 | Ansprüche und Klagen von Nationen gegen die USA bleiben unberührt; Ausgaben aus diesem Gesetz dürfen dabei nicht verrechnet werden.[1] |
| 16 | Jede Nation darf sich organisieren und eine Verfassung geben, die mit Mehrheit der erwachsenen Mitglieder angenommen und vom Innenminister genehmigt wird. Die Verfassung gibt ihr das Recht, einen Anwalt zu beauftragen, Verkauf, Pacht und Belastung ihres Landes ohne ihre Zustimmung zu verhindern und mit Bund, Staaten und Gemeinden zu verhandeln. Über geplante Ausgaben des Bundes für die Nation muss der Innenminister sie vorher unterrichten.[1] |
| 17 | Auf Antrag eines Drittels der Erwachsenen stellt der Innenminister einer Nation eine Gründungsurkunde (charter) als Körperschaft aus, die in einer Abstimmung angenommen werden muss. Land im Reservat darf die Körperschaft nicht verkaufen, belasten oder länger als zehn Jahre verpachten; widerrufen kann die Urkunde nur der Kongress.[1] |
| 18 | Das Gesetz gilt nicht in einem Reservat, in dem die Mehrheit der abstimmenden Erwachsenen dagegen stimmt. Der Innenminister muss die Abstimmung binnen eines Jahres ansetzen, geheim und mit 30 Tagen Vorlauf.[1] |
| 19 | Als "Indian" gelten Mitglieder einer anerkannten Nation, die "now under Federal jurisdiction" (jetzt unter der Hoheit des Bundes) steht, ihre Nachkommen, die am 1. Juni 1934 in einem Reservat lebten, und alle anderen mit mindestens der Hälfte "indianischen Blutes" (so der Wortlaut des Gesetzes); dazu die indigenen Völker Alaskas. Erwachsen ist, wer 21 Jahre alt ist.[1] |

Wer stimmte für und wer gegen das Gesetz?
Ob das Gesetz galt, entschieden die Reservate selbst. Nach Abschnitt 18 musste der Innenminister binnen eines Jahres in jedem Reservat abstimmen lassen.[1] Ein Gesetz vom 15. Juni 1935 verlängerte die Frist bis zum 18. Juni 1936. Es legte außerdem fest, dass die Mehrheit der tatsächlich Abstimmenden entscheidet, wenn mindestens 30 Prozent der Wahlberechtigten teilnehmen.[2]
Von 1934 bis 1936 gab es laut Haas 258 Abstimmungen. 181 Nationen mit zusammen 129.750 Menschen nahmen das Gesetz an, 77 Nationen mit 86.365 Menschen lehnten es ab. Die Nationen in Oklahoma und Alaska stimmten nicht ab, weil das Gesetz für sie ohne Abstimmung galt. Für 14 weitere Gruppen, die keine Abstimmung abhielten, galt es ebenfalls.[2]
Etwa die Hälfte der Menschen, die das Gesetz ablehnten, waren nach Haas Navajo, rund 45.000; ihre Abstimmung ging knapp aus. Seine Tabelle verzeichnet für das Navajo-Reservat in Arizona und New Mexico eine Abstimmung am 14. und 15. Juni (ohne Jahresangabe) mit 15.900 Wahlberechtigten, 7.608 Stimmen dafür und 7.992 dagegen.[2] Die National Archives zeigen handgeschriebene Ergebnisse aus der Sanostee Day School auf dem Gebiet der Navajo Nation, datiert auf den 15. Juni 1935.[11] Die Wahlbehörde der Navajo Nation nennt dagegen das Jahr 1934 und erklärt das Ergebnis mit einem Streit: Wegen der Verkleinerung der Herden lag der Rat der Navajo mit vielen Wählern im offenen Konflikt, und die Navajo lehnten das Gesetz vor allem deshalb ab, weil der Rat für die Annahme geworben hatte.[8] Collier warb weiter für eine Selbstverwaltung der Navajo. Im November 1936 setzte der Rat auf sein Drängen einen Ausschuss ein, und eine Versammlung von fast 250 Navajo entwarf eine Verfassung. Innenminister Harold Ickes lehnte sie ab, erließ aber 1938 Regeln für einen neuen Rat mit 74 Abgeordneten, geheimer Wahl und einem Wahlalter von 21 Jahren. Diese Regeln von 1938 sind laut Wahlbehörde bis heute die Grundlage der Regierung der Navajo Nation.[8]
Auch anderswo war das Gesetz umstritten. Im Reservat Pine Ridge der Lakota stimmten nach Haas 1.169 Menschen dafür und 1.095 dagegen. Die Hopi in Arizona nahmen das Gesetz am 15. Juni 1935 mit 519 zu 299 Stimmen an.[2] In den Reservaten Rosebud und Pine Ridge befürworteten laut Encyclopedia of the Great Plains eher Bewohner, die sich stärker an die Mehrheitsgesellschaft angepasst hatten, das Gesetz wegen seiner wirtschaftlichen Regeln. Traditionell eingestellte Bewohner wollten das Verhältnis zu den USA auf die alten Verträge stützen und lehnten es eher ab.[6] Die Verfassung des Oglala Sioux Tribe nach dem Indian Reorganization Act wurde am 15. Januar 1936 genehmigt.[9]

Wie entstanden die Verfassungen der Nationen?
Wollte eine Nation sich eine Verfassung geben, wählte sie laut Haas einen Ausschuss aus ihren Mitgliedern, der den Entwurf schrieb; das Innenministerium half auf Wunsch. Die Abstimmung über den Entwurf musste der Innenminister ansetzen, wenn der Ausschuss oder ein Drittel der Erwachsenen es verlangte, und scheiterte ein Entwurf, durfte die Nation erneut abstimmen.[2] Eine Verfassung allein machte eine Nation noch nicht zur Körperschaft. Dafür brauchte sie die Gründungsurkunde nach Abschnitt 17, die ihr erlaubte, Verträge zu schließen, vor Gericht zu klagen und verklagt zu werden und Eigentum zu erwerben; erst damit konnte sie Darlehen aus dem Umlauffonds bekommen.[2]
Die erste Verfassung nach dem Gesetz nahmen am 4. Oktober 1935 die Confederated Salish and Kootenai Tribes des Flathead-Reservats in Montana mit 549 zu 123 Stimmen an; Innenminister Ickes genehmigte sie am 28. Oktober 1935. Bald darauf folgten die Reservate Rocky Boy's, Lower Brule und Fort Belknap.[2] In seiner Schrift von 1947 zählt Haas 93 Nationen, Gruppen und Gemeinden in den USA mit Verfassung nach dem Gesetz und 73 mit einer Gründungsurkunde. Das Gesetz galt damals für 195 Gruppen, Oklahoma und Alaska nicht eingerechnet.[2] Britannica nennt für die ganze Zeit etwa 160 Nationen und Dörfer, die sich nach dem Gesetz schriftliche Verfassungen gaben.[5]
Viele Verfassungen glichen sich nach Haas vor allem in den Bestimmungen, mit denen die Nationen die Rechte und Leistungen des Gesetzes nutzen konnten. Bei Mitgliedschaft, Aufbau der Regierung, Rechten der Einzelnen und Aufsicht des Innenministers unterschieden sie sich stark. Manche Nationen verbanden einen modernen Rat mit Befugnissen ihrer traditionellen Anführer, und einige wie die Minnesota Chippewa schlossen sich zu Bünden zusammen.[2]
Was galt in Oklahoma und Alaska?
Abschnitt 13 nahm die Territorien der USA aus. In Alaska galten 1934 nur die Abschnitte über Organisationskosten, Darlehen, Ausbildung, Stellenvorrang und Verfassungen, und für die Nationen in Oklahoma blieben die Abschnitte über Treuhand, Verkaufssperre, neue Reservate, Verfassungen, Gründungsurkunden und Abstimmungen außen vor.[1] Das änderten zwei Gesetze von 1936. Das Gesetz vom 1. Mai 1936 übertrug weitere Abschnitte auf Alaska. Dort durften sich auch Gruppen organisieren, die bis dahin nicht als Nation anerkannt waren, wenn sie eine gemeinsame Arbeit, ein Zusammenschluss oder ein gemeinsamer Wohnort verband. Reservate durfte der Innenminister in Alaska nur ausrufen, wenn die Bewohner in einer Abstimmung zustimmten.[2] Der Oklahoma Indian Welfare Act vom 26. Juni 1936 tat dasselbe für Oklahoma.[2]
Nach dem Bureau of Indian Affairs gaben sich auch eine Reihe von Dörfern der Alaska Natives nach der Ergänzung von 1936 förmliche Regierungsdokumente; der Oklahoma Indian Welfare Act regelte die Organisation der Nationen in Oklahoma.[7] Unter den Nationen der Plains, die sich nach dem Indian New Deal Verfassungen gaben, nennt die Encyclopedia of the Great Plains die Cheyenne und Arapaho in Oklahoma, die Caddo, Pawnee, Ponca, Iowa und Blackfeet.[6]
Welche Folgen hatte der Indian Reorganization Act?
Das Gesetz beendete sofort die Politik der Aufteilung, die fast 50 Jahre gegolten hatte, und sollte den Nationen helfen, ihre Regierungen wieder aufzubauen.[3] Laut Bureau of Indian Affairs schuf es die modernen Regierungen der Nationen.[7] Britannica nennt weitere Folgen: Über den Kreditfonds verbesserten viele indigene Menschen ihre wirtschaftliche Lage, mit dem Geld für Landkäufe kamen Millionen Acres zu den Reservaten hinzu, Gesundheitswesen und Schulen wurden besser ausgestattet, und 1950 ging mehr als die Hälfte der indigenen Kinder auf öffentliche Schulen.[5] In die Schulen des Bureau of Indian Affairs brachte das Gesetz Unterricht in der Geschichte und Kultur der Nationen, anders als die bis dahin übliche Anpassung in den Internatsschulen.[7] Bei Stellen des Bureau of Indian Affairs in den Reservaten hatten indigene Bewerber nun Vorrang.[4]
Auf den Plains nutzten viele Nationen die Möglichkeiten des Gesetzes. Die Blackfeet gaben sich laut Encyclopedia of the Great Plains ein neues Gesetzbuch mit Regeln zum Schutz der Wildtiere, und die Northern Cheyenne bauten mit einem Darlehen von zwei Millionen Dollar eine eigene Viehzucht auf.[6] Dieselbe Enzyklopädie nennt auch die Probleme. Die Regeln des Gesetzes für die Bildung von Regierungen beruhten auf Colliers Bild von den Pueblos und auf europäisch-amerikanischen Vorbildern und wichen deshalb oft von den Vorstellungen der Nationen ab. Viele ihrer Beschlüsse durfte der Innenminister "überprüfen". Das Geld im Kreditfonds reichte meist nicht und ging an die sichersten Schuldner statt an die Bedürftigsten. Und die Frage, ob man sich nach dem Gesetz organisieren sollte, spaltete viele Nationen.[6]
Die National Archives urteilen, der Indian New Deal sei kein voller Erfolg gewesen, habe die Politik des Bundes gegenüber den Nationen aber wesentlich verändert.[4] Das Gesetz selbst nennen sie einen kleinen Schritt auf dem langen Weg zur Selbstbestimmung und die Grundlage dafür, dass viele Regierungen der Nationen wieder auflebten.[3]

Was kam nach dem Indian Reorganization Act?
Nach dem Zweiten Weltkrieg schlug die Politik um. Von 1953 bis Anfang der 1960er Jahre verfolgte der Bund laut Encyclopedia of the Great Plains die Termination: Nationen sollten den Anspruch auf bestimmte Leistungen des Bundes verlieren, und der Treuhandstatus ihres Landes sollte enden, sodass die Reservate unter das Recht und die Steuern der Bundesstaaten gefallen wären. Auf den Plains traf das die Northern Ponca. Gleichzeitig förderte der Bund den Umzug in Städte wie Denver.[6] Vertreter der Plains-Nationen brachten mehrere Gesetzentwürfe zur Termination im Kongress zu Fall oder erreichten Änderungen. Seit Anfang der 1960er Jahre setzte die Politik des Bundes dann auf Selbstbestimmung.[6]
Laut Britannica bauten die 1960er und 1970er Jahre auf den Zielen des Gesetzes auf, indem die Nationen die Verwaltung vieler Dienste in den Reservaten selbst übernahmen.[5] Das Bureau of Indian Affairs nennt den Indian Self-Determination and Education Assistance Act von 1975 und den Tribal Self-Governance Act von 1994 als Gesetze, die die Zusammenarbeit von Behörde und Nationen grundlegend verändert haben (mehr auf der Seite Reservate).[7]
Der Indian Reorganization Act heute
Die meisten bundesrechtlich anerkannten Nationen sind laut Bureau of Indian Affairs nach dem Indian Reorganization Act organisiert.[7] Britannica nennt es bis heute die Grundlage der Gesetzgebung des Bundes für die Nationen.[5] Die Verfassung des Oglala Sioux Tribe von 1936 gilt mit Änderungen von 1969, 1985 und 1997 weiter.[9]
Mehrmals stand Abschnitt 5 vor Gericht, nach dem der Innenminister Land für Nationen in Treuhand nimmt. 1995 klagte South Dakota dagegen; der Fall kam bis vor den Obersten Gerichtshof, der ihn an ein unteres Gericht zurückverwies, und spätere Klagen gegen diesen Teil des Gesetzes scheiterten laut Britannica ebenfalls.[5] Am 24. Februar 2009 entschied der Oberste Gerichtshof im Fall Carcieri v. Salazar über die Worte "now under Federal jurisdiction" in Abschnitt 19: Gemeint seien Nationen, die 1934 unter der Hoheit des Bundes standen. Die Narragansett in Rhode Island, seit 1983 vom Bund anerkannt, gehörten 1934 nicht dazu. Deshalb durfte der Innenminister ein Grundstück von 31 Acres nicht für sie in Treuhand nehmen.[10]
Zeitleiste
- 1887Mit dem Dawes Act beginnt die Aufteilung von Reservatsland in Parzellen; bis 1934 schrumpft das Land der Nationen laut Encyclopedia of the Great Plains von 138 auf 52 Millionen Acres.[6] Dawes Act
- 21.02.1928Das Institute for Government Research legt Innenminister Hubert Work den Meriam Report vor, der die Lage in den Reservaten unter der Ordnung des Dawes Act beschreibt.[5, 12]
- 1933Präsident Franklin D. Roosevelt ernennt John Collier zum Leiter des Bureau of Indian Affairs.[4]
- 31.05.1933Der Pueblo Relief Act bindet die nach ihm bewilligten Ausgaben für die Pueblos an die Zustimmung ihrer Regierungen.[2] Pueblo-Völker
- 18.06.1934Präsident Roosevelt unterzeichnet den Indian Reorganization Act.[1, 2]
- 14.06.1935Die Navajo stimmen am 14. und 15. Juni knapp gegen das Gesetz: 7.608 Stimmen dafür, 7.992 dagegen.[2, 11] Navajo
- 15.06.1935Ein Gesetz ändert die Regeln der Abstimmungen und verlängert die Frist bis zum 18. Juni 1936.[2]
- 04.10.1935Die Confederated Salish and Kootenai Tribes nehmen als Erste eine Verfassung nach dem Gesetz an.[2]
- 15.01.1936Die Verfassung des Oglala Sioux Tribe nach dem Gesetz wird genehmigt.[9] Lakota
- 01.05.1936Ein Gesetz überträgt weitere Abschnitte auf Alaska.[2]
- 26.06.1936Der Oklahoma Indian Welfare Act überträgt die wesentlichen Regeln auf Oklahoma.[2]
- 1938Innenminister Harold Ickes erlässt Regeln für einen neuen Rat der Navajo mit 74 Abgeordneten.[8] Navajo
- 1953Beginn der Termination, die den Treuhandstatus des Landes der Nationen beenden soll.[6]
- 24.02.2009Carcieri v. Salazar: Landkäufe in Treuhand nur für Nationen, die 1934 unter der Hoheit des Bundes standen.[10]
Karte: Sitze von Nationen auf dieser Seite
- 1Navajo (Window Rock, Hauptstadt der Navajo Nation) 35,67° N, 109,06° W[13]
- 2Lakota (Pine Ridge, Sitz des Oglala Sioux Tribe) 43,03° N, 102,55° W[14]
- 3Cheyenne (Lame Deer, Sitz des Northern Cheyenne Tribe) 45,62° N, 106,61° W[15]
- 4Hopi (Kykotsmovi, Sitz der Hopi Tribe) 35,81° N, 110,66° W[16]
Mythos und Wahrheit
Mythos und Wahrheit
Mythos
Mit dem Indian Reorganization Act bekamen die Nationen ihr Land zurück.
Was belegt ist
Abschnitt 1 verbot, weiteres Land aufzuteilen. Der Innenminister durfte übrig gebliebenes Überschussland zurückgeben und mit höchstens 2 Millionen Dollar im Jahr Land kaufen. Von 1887 bis 1934 war das Land der Nationen laut Encyclopedia of the Great Plains von 138 auf 52 Millionen Acres geschrumpft; nach Britannica kamen mit dem Geld für Landkäufe Millionen Acres zu den Reservaten hinzu.[1, 5, 6]
Mythos und Wahrheit
Mythos und Wahrheit
Mythos
Die Verfassungen nach dem Gesetz setzten die traditionellen Regierungen der Nationen fort.
Was belegt ist
Laut Encyclopedia of the Great Plains beruhten die Regeln des Gesetzes für die Bildung von Regierungen auf Colliers Bild von den Pueblos und auf europäisch-amerikanischen Vorbildern und wichen oft von den Vorstellungen der Nationen ab; viele Beschlüsse der neuen Regierungen durfte der Innenminister überprüfen. Manche Nationen verbanden laut Haas einen modernen Rat mit Befugnissen ihrer traditionellen Anführer.[2, 6]
Häufige Fragen
Was ist der Indian Reorganization Act einfach erklärt?
Ein Gesetz der USA vom 18. Juni 1934. Es verbot, das Land der Reservate weiter an Einzelne aufzuteilen, erlaubte den Nationen, sich Verfassungen zu geben und Gesellschaften zu gründen, und stellte Geld für Landkäufe, Kredite und Ausbildung bereit. Jedes Reservat konnte in einer Abstimmung entscheiden, ob das Gesetz für es gelten sollte.
Warum heißt das Gesetz auch Wheeler-Howard Act?
Wheeler-Howard Act ist ein zweiter Name des Gesetzes, den die National Archives verwenden und der auch im amtlichen Titel des Alaska-Gesetzes von 1936 steht. Amtlich ist es Kapitel 576 der Gesetzessammlung von 1934, Public Law Nr. 383 des 73. Kongresses.
Wie viele Nationen stimmten für den Indian Reorganization Act?
Laut Theodore H. Haas, Chefjurist des Indian Service, gab es von 1934 bis 1936 insgesamt 258 Abstimmungen. 181 Nationen mit 129.750 Menschen nahmen das Gesetz an, 77 mit 86.365 Menschen lehnten es ab. Etwa die Hälfte der Ablehnenden waren Navajo.
Warum lehnten die Navajo den Indian Reorganization Act ab?
Nach der Wahlbehörde der Navajo Nation lag der Rat der Navajo wegen der Verkleinerung der Herden mit vielen Wählern im Streit. Die Navajo stimmten das Gesetz vor allem deshalb nieder, weil der Rat dafür geworben hatte. Haas nennt 7.608 Stimmen dafür und 7.992 dagegen.
Galt der Indian Reorganization Act in Oklahoma und Alaska?
Nur zum Teil. Abschnitt 13 nahm Alaska bis auf einige Abschnitte aus, und für 28 namentlich genannte Nationen in Oklahoma galten wichtige Abschnitte nicht. Gesetze vom 1. Mai 1936 für Alaska und vom 26. Juni 1936 für Oklahoma übertrugen die wesentlichen Regeln auf beide Gebiete.
Was änderte der Indian Reorganization Act am Dawes Act?
Er beendete die Aufteilung von Reservatsland in Parzellen, die der Dawes Act von 1887 eingeführt hatte, und verlängerte die Treuhandfristen der bestehenden Parzellen. Übrig gebliebenes Land durfte der Innenminister den Nationen zurückgeben, und für Landkäufe standen bis zu 2 Millionen Dollar im Jahr bereit.
Gilt der Indian Reorganization Act heute noch?
Ja. Laut Bureau of Indian Affairs sind die meisten anerkannten Nationen nach diesem Gesetz organisiert. Der Oberste Gerichtshof entschied 2009 im Fall Carcieri v. Salazar, dass der Innenminister Land nur für Nationen in Treuhand nehmen darf, die 1934 unter der Hoheit des Bundes standen.
Quellen
- Gesetz und Vertrag Chap. 576, An Act to conserve and develop Indian lands and resources (Indian Reorganization Act), 48 Stat. 984. U.S. Congress, Statutes at Large, 73. Kongress, 2. Sitzung (U.S. Government Publishing Office). Stand 18.06.1934. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Theodore H. Haas: Ten Years of Tribal Government Under I.R.A. (Tribal Relations Pamphlets 1), mit Tabelle der Abstimmungen und den Gesetzen von 1935 und 1936. United States Indian Service, Department of the Interior (Library des U.S. Department of the Interior). Stand 1947. abgerufen am 25.10.2026
- Archiv An Act of June 18, 1934, Public Law 73-383, 48 STAT 984, to Conserve and Develop Indian Lands and Resources (DocsTeach). National Archives, DocsTeach (National Archives Foundation). Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Eric Rhodes: Indian New Deal (Pieces of History). National Archives, History Office. Stand 30.11.2015. abgerufen am 25.10.2026
- Nachschlagewerk Indian Reorganization Act. Encyclopaedia Britannica, The Editors (zuletzt bearbeitet von Teagan Wolter). Stand 25.08.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Nachschlagewerk Philip J. Deloria und Christopher K. Riggs: Native Americans. Encyclopedia of the Great Plains, University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Frequently Asked Questions. Bureau of Indian Affairs, U.S. Department of the Interior. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Tribal Nation History (Navajo Elections Website). Navajo Nation, Navajo Election Administration. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Oglala Sioux Tribe. South Dakota Department of Tribal Relations. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Primärquelle Carcieri v. Salazar, No. 07-526 (2009), Syllabus. Supreme Court of the United States (Legal Information Institute, Cornell Law School). Stand 24.02.2009. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Cody White: Getting Out the Vote: Indian Reorganization Act Elections on the Rez (The Text Message). National Archives, National Archives at Denver. Stand 05.03.2024. abgerufen am 25.10.2026
- Primärquelle Lewis Meriam u. a.: The Problem of Indian Administration (Meriam Report), Titelseite und Anschreiben (Report of a Survey made at the request of the Secretary of the Interior). Institute for Government Research, Johns Hopkins Press (Wiedergabe: National Indian Law Library, Native American Rights Fund). Stand 1928. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle 2024 Gazetteer Files, Places, South Dakota. U.S. Census Bureau. Stand 2024. abgerufen am 27.10.2026
- Amtliche Stelle 2024 Gazetteer Files, Places, Montana. U.S. Census Bureau. Stand 2024. abgerufen am 24.10.2026
- Amtliche Stelle 2024 Gazetteer Files, Places, Arizona. U.S. Census Bureau. Stand 2024. abgerufen am 27.10.2026
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Alexander Müller hat Wilder-Westen.org gegründet und gibt es heraus. Er lebt in Bertingen in Sachsen-Anhalt, führt dort SEO NW und verantwortet Redaktion, Technik und Gestaltung.
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