Indigene Völker NordamerikasVolk
Navajo
Kurz erklärt Die Navajo, Eigenbezeichnung Diné, sind eine indigene Nation im Südwesten der USA. Ihr Heimatland liegt zwischen vier heiligen Bergen in Colorado, New Mexico und Arizona; das Reservat der Navajo Nation reicht über Arizona, New Mexico und Utah und ist das größte der USA. Am 1. Juni 2026 zählte die Navajo Nation laut eigener Angabe 427.414 eingetragene Bürger.

Die Navajo sind eine indigene Nation im Südwesten der Vereinigten Staaten. Sich selbst nennen sie Diné, ihr Land Diné Bikéyah, und ihre Regierung führt den offiziellen Namen Navajo Nation.[1, 3] Im Deutschen ist oft von "Navajo-Indianer" die Rede, ältere Texte schreiben Navaho.[9] Das Reservat der Navajo Nation reicht über Arizona, New Mexico und Utah und ist laut Bureau of Indian Affairs mit 16 Millionen Acres das größte der USA.[15]
Zum Wort "Indianer" siehe Darf man "Indianer" sagen?, zum Kulturraum die Seite Südwesten: Pueblo-Völker, Navajo, Apachen und O'odham.
Wie nennen sich die Navajo selbst?
Die Eigenbezeichnung ist Diné. Die Navajo Nation trägt sie in den Namen ihrer Ämter, etwa im Department of Diné Education und im Office of Diné Youth, und Präsident Buu Nygren spricht von den Bürgern der Nation als Diné.[1, 2] Die University of Arizona übersetzt Diné mit "das Volk".[17] Das Land der Nation heißt Diné Bikéyah, englisch Navajoland. Das alte Heimatland nennen die Diné nach einer Lehreinheit des National Museum of the American Indian (NMAI) Dinétah, "unter dem Volk".[1, 5]
Der Name Navajo kam über die Spanier. 1629 berichtete Fray Geronimo Zarate-Salmeron von einem Volk am Fluss Chama, das die Leute von Jemez "Apaches de Nabaju" nannten. 1630 schrieb Fray Alonso de Benavides, der Name bedeute "große bebaute Felder", weil diese Gruppe anders als andere Apachen viel Land bestellte. So fasst es Katharine Luomala 1938 in einer Schrift des National Park Service zusammen. Sie nennt auch einen Ort, den die Tewa Navahu nannten, "das große Gebiet bestellter Felder". Wie das Wort genau entstand, ist nicht geklärt: Luomala führt mehrere Deutungen von Sprachforschern an.[9]
Mythos und Wahrheit
Mythos
Die Navajo Nation habe sich 1969 offiziell in Diné Nation umbenannt.
Woher kommen die Navajo?
Nach der Überlieferung der Diné kamen die ersten Menschen aus unteren Welten in diese Gegend herauf. Dinétah ist nach der NMAI-Lehreinheit der Ort, an dem die Menschen der Erde und die Heiligen Wesen (Holy People) einander begegneten; aus diesen Beziehungen stammen die Bräuche, die das Leben der Diné bis heute tragen.[5] Auch Britannica nennt Überlieferungen vom Aufstieg der ersten Menschen aus Welten unter der Erdoberfläche.[4]
Vier heilige Berge begrenzen das Heimatland. Der National Park Service nennt Blanca Peak, Mount Taylor, die San Francisco Peaks und die La Plata Mountains.[7] Nach dem NMAI liegen die Berge in den heutigen Bundesstaaten Colorado, New Mexico und Arizona; das Museum nennt Blanca Peak und Hesperus Mountain als zwei der heiligen Berge, beide in Colorado.[5, 6] Mount Taylor heißt auf Diné Tsoodził.[24]
Die Sprachwissenschaft ordnet Navajo den Apache-Sprachen innerhalb der athapaskischen Sprachfamilie zu. Die meisten anderen Völker, die athapaskische Sprachen sprechen, leben in Kanada und Alaska. Von Kanada aus wanderten die Vorfahren der Navajo und der Apachen laut Britannica in den Südwesten ein, vermutlich zwischen 1100 und 1500. Sie kamen als Jäger und Sammler und übernahmen dort viele Techniken der Ackerbau treibenden Pueblo-Völker.[4, 8]
Spanische Berichte des frühen 17. Jahrhunderts verorten die Navajo am Chama River im Norden des heutigen New Mexico, laut Luomala als Bauern und Jäger in der Nähe der Pueblos von Jemez und der Tewa. Im 18. Jahrhundert breiteten sie sich nach Westen bis über die Chuska Mountains aus. Für 1785 nennt Luomala nach einer Arbeit von Thomas (1932) fünf Gebiete der Navajo, darunter Chusca und Chelly westlich der Berge.[9] Im Canyon de Chelly lebten Navajo laut HistoryNet seit dem späten 17. Jahrhundert.[10]
Gesellschaft und Familie
Die traditionelle Gesellschaft der Navajo war laut Britannica matrilinear geordnet, Verwandtschaft und Zugehörigkeit folgten also der Linie der Mutter. Kleine, unabhängige Gruppen verwandter Familien entschieden meist im Konsens; wie andere Apache-Völker hielten die Navajo wenig von einer zentralen politischen Führung. Solche Gruppen gibt es bis heute. Sie richten sich aber auch nach dem Wohnort, und viele haben gewählte Leiter. Eine solche Gemeinschaft besteht aus einer Reihe von Wohnstätten, die über ein weites Gebiet verstreut liegen.[4]
Unter dem Vertrag von 1868 stehen viele Namen: Für die Navajo unterzeichneten 24 "chiefs and head-men" und fünf Mitglieder eines Rates, fast alle mit einem Kreuz als Zeichen. Barboncito steht als "chief" an erster Stelle, Manuelito an siebter.[12] Zum Vertragstag 2024 rief Präsident Buu Nygren die Familien auf, ihre Geschichte, die Herkunft der Großeltern und ihre Clanzugehörigkeit mit ihren Angehörigen zu teilen.[20]
Das traditionelle Wohnhaus ist der Hogan. Die Flagge der Navajo Nation zeigt einen traditionellen Hogan neben einem modernen Haus.[1] Vom Rand des Canyon de Chelly sieht man laut National Park Service bis heute Felder, Vieh und Hogans der Diné, die dort Familien großziehen und Feldfrüchte anbauen.[8]

Wirtschaft: Schafe, Felder, Weberei und Silber
Mit den Spaniern kamen Haustiere in den Südwesten. Nach dem National Park Service wurden Schafzucht und Ackerbau danach zum Mittelpunkt des Lebens der Diné.[7] Wie groß die Herden schon früh waren, zeigt ein Bericht von 1705, den Luomala zitiert: 500 zahme Pferde, 600 Stuten mit Hengsten und Fohlen, etwa 700 schwarze Mutterschafe und 40 Kühe mit Bullen und Kälbern. Zu solchen Herden kamen die Navajo laut Luomala vor allem durch Überfälle.[9]
Das Weben übernahmen die Navajo laut Britannica unter dem Einfluss der Pueblo-Völker. Nach Luomala brachten die Überfälle auch Gefangene und Pueblo-Frauen zu den Navajo, die ihnen das Weben beibrachten; die Decken wurden bald ein gefragtes Handelsgut.[4, 9] Silberschmuck fertigen Navajo seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Handwerk lernten sie laut Britannica wahrscheinlich zuerst von mexikanischen Schmieden.[4] Weberei und Schafe halfen nach dem NMAI auch während der Internierung in Bosque Redondo: Ezekiel Argeanas (Diné) sagt, das Wissen der Frauen über das Weben und die Churro-Schafe habe den Vorfahren das Überleben erleichtert.[22]

Nach der Rückkehr aus Bosque Redondo wurden die Handelsposten wichtig. John Lorenzo Hubbell kaufte 1878 den Handelsposten in Ganado, Arizona. Er verlangte von Webern und Silberschmieden hohe Qualität und förderte sie; laut National Park Service hatte er dadurch dauerhaften Einfluss auf die Teppichweberei und die Silberschmiedekunst der Navajo. Den Posten betreibt heute die Western National Parks Association gemeinsam mit dem National Park Service.[19]
Mehr zu Weberei und Schmuck steht auf der Seite Kunsthandwerk: Töpferei, Weberei, Silberschmuck.
Heute reicht das trockene Land laut Britannica nicht aus, um alle Bewohner mit Ackerbau und Viehzucht zu ernähren. Tausende verdienen ihren Lebensunterhalt außerhalb, manche haben sich auf bewässertem Land am unteren Colorado River oder in Städten wie Los Angeles und Kansas City niedergelassen.[4] Die Entdeckung von Öl in den frühen 1920er-Jahren führte 1923 zu einer ersten Regierung der Nation, auch weil amerikanische Ölgesellschaften Land für die Suche pachten wollten.[1] Die Nation betreibt außerdem Tourismusbetriebe und Handelsposten in ihren Parks.[17]
Glaube
Die Religion der Navajo ist laut Britannica weit verbreitet und vielschichtig. Viele Überlieferungen erzählen vom Aufstieg der ersten Menschen, andere erklären Ursprung und Zweck einzelner Riten. Manche Rituale führen Einzelne oder Familien selbst aus, etwa für Glück auf Reisen und im Handel oder zum Schutz von Feldern und Herden. Aufwendigere Riten leitet ein Fachmann, der nach Umfang und Dauer der Zeremonie bezahlt wird. Traditionell dienten die meisten Riten der Heilung körperlicher und seelischer Krankheiten, und viele werden bis heute ausgeübt.[4] Für manche Zeremonien entstehen Bilder aus Pollen und Blütenblättern; die Sandmalerei geht laut Britannica auf Kontakte mit den Pueblo-Völkern zurück.[4]
Welche Rolle die vier heiligen Berge spielen, beschrieb Russell Begaye, Präsident von 2015 bis 2018. Er sagte 2018, alles, was die Nation tue, von Gesetzen bis zu Verträgen, geschehe innerhalb der vier heiligen Berge; jeder Berg gebe Lehren und Führung, und alle Kinder wüssten von ihnen.[6] Auf der Flagge der Navajo Nation stehen die Berge an den vier Himmelsrichtungen, darüber spannt sich ein Regenbogen als Zeichen der Souveränität.[1]
Einen Überblick über Glauben und Zeremonien indigener Nationen gibt die Seite Glaube, Symbole und Zeremonien.
Die Navajo im 19. Jahrhundert
Nach dem Pueblo-Aufstand von 1680 und seiner Niederschlagung durch die Spanier flohen Bewohner einiger Pueblos am Rio Grande zu den Navajo. Im 18. Jahrhundert kamen laut Britannica wegen Dürre und Hunger auch Hopi zu ihnen, besonders in den Canyon de Chelly.[4] Mit den Spaniern lagen die Navajo nach 1700 immer wieder im Streit: Sie hielten mit manchen Nachbarn Frieden und überfielen andere, schreibt Luomala, und die spanischen Gouverneure versuchten jedes Jahr, ihre Bündnisse zu sprengen.[9]
Im Januar 1805 drang eine Truppe von 500 spanischen Soldaten unter Leutnant Antonio Narbona in den Canyon de Chelly ein, nachdem Navajo den Militärposten Cebolleta überfallen hatten. Die Spanier meldeten 115 getötete Navajo, darunter nach ihren Angaben 90 Kämpfer, und verschleppten 33 Frauen und Kinder in die Sklaverei. Die Überlieferung der Navajo erzählt es anders: Die meisten Männer seien auf der Jagd gewesen, fast alle Toten seien Frauen und Kinder, die sich in einer Felswohnung hoch in der Canyonwand versteckt hatten.[10]
Nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg und dem Vertrag von Guadalupe Hidalgo vom 2. Februar 1848 kam das Land der Navajo unter die Herrschaft der Vereinigten Staaten; im selben Jahr traf laut NMAI die US-Armee ein.[5, 11, 25] Die Navajo schlossen in den folgenden Jahren Verträge und wehrten sich zugleich dagegen, dass die USA Wege vom Osten nach Kalifornien durch ihr Land legten.[5] Die New Mexico Historic Sites beschreiben Überfälle der Diné auf spanische, mexikanische und amerikanische Siedler und die Gegenzüge der Behörden; Verträge wurden geschlossen und gebrochen, ohne dass sich viel änderte.[21] Das NMAI nennt die andere Seite: Über Jahre verteidigten die Navajo ihr Land gegen Sklavenhändler und Viehdiebe aus Mexiko und New Mexico.[25]
1863 hatte die US-Armee die in New Mexico eingedrungenen Truppen der Konföderation besiegt und genug Soldaten frei (Der Bürgerkrieg und der Wilde Westen).[21] General James H. Carleton befahl Christopher "Kit" Carson einen Feldzug der verbrannten Erde: Carsons Truppen brannten Dörfer nieder, schlachteten das Vieh und zerstörten Wasserstellen, um die Diné auszuhungern.[5] Im Januar 1864 zog Carson mit 389 Soldaten durch den Canyon de Chelly, und bis zum Sommer ergaben sich laut HistoryNet rund 8.000 Navajo.[10] Die Armee trieb die Gefangenen in Gruppen zu Fuß nach Bosque Redondo bei Fort Sumner in New Mexico. Die Diné nennen diese Vertreibung den Langen Marsch (Long Walk), den Ort Hwéeldi, nach der Navajo Nation den Ort des Leidens, der Not und der Krankheit.[21, 26]
Zwischen 1863 und 1866 wurden nach dem NMAI mehr als 10.000 Navajo nach Bosque Redondo gebracht. Dort starben nach einer weiteren Lehreinheit des NMAI 2.000 Menschen, jeder vierte Internierte; andere Quellen nennen andere Zahlen.[5, 22] Am 1. Juni 1868 unterzeichneten Navajo-Anführer in Fort Sumner mit General William T. Sherman und Colonel Samuel F. Tappan einen Vertrag, der ihnen die Rückkehr erlaubte. Laut NMAI sind die Navajo die einzige Nation, die sich mit einem Vertrag einer Umsiedlung entzog und in ihre Heimat zurückkehrte. Am 18. Juni 1868 machten sie sich laut Library of Congress auf den Heimweg.[12, 23, 25]
Ablauf, Opferzahlen und Folgen beschreibt die Seite Der Lange Marsch der Navajo.
- 1630Fray Alonso de Benavides deutet den Namen Navajo als "große bebaute Felder".[9]
- 1805Im Januar 1805 dringt eine spanische Truppe unter Antonio Narbona in den Canyon de Chelly ein; die Spanier melden 115 getötete Navajo.[10]
- 09.09.1849Im Canyon de Chelly schließen Navajo und Vereinigte Staaten einen Vertrag.[11]
- 1863Anfang 1863 bringt die Armee die Mescalero als Erste nach Bosque Redondo.[21] Apachen
- 19.09.1863General James H. Carleton schreibt, die Navajo sollten fern ihrer Heimat eine neue Lebensweise annehmen.[5]
- 1864Bis zum Sommer 1864 ergeben sich rund 8.000 Navajo; die Märsche nach Bosque Redondo beginnen.[10, 20]
- November 1864Im November 1864 sind etwa 8.570 Menschen in Bosque Redondo interniert.[22]
- 12.01.1864Kit Carson zieht mit 389 Soldaten in den Canyon de Chelly.[10]
- November 1865Im November 1865 fliehen die meisten Mescalero aus dem Lager.[21] Apachen
- 1866Laut NMAI hat Carson bis 1866 angeordnet, keine weiteren Gefangenen mehr nach Bosque Redondo zu schicken.[22] Kit Carson
- 01.06.1868In Fort Sumner unterzeichnen Navajo-Anführer und die Friedenskommissare Sherman und Tappan den Vertrag Naaltsoos Sání.[23, 12]
- 18.06.1868Die Diné brechen laut Library of Congress zum Rückweg in ihre Heimat auf.[23]
- 25.07.1868Der Senat ratifiziert den Vertrag mit den Navajo.[12]
- 29.05.1873Ein Erlass von Präsident Grant schafft das Mescalero Apache Reservation.[21] Apachen
- 1923Eine erste Regierung der Nation entsteht, auch weil Ölgesellschaften Land pachten wollen.[1, 16]
- 1942Im Mai 1942 beginnen die ersten 29 Navajo-Rekruten ihre Ausbildung und entwickeln den Code der Navajo Code Talker.[1]
- 1968Die Navajo Nation gründet das Navajo Community College, heute Diné College.[18]
- 21.05.1968Der Navajo Nation Council nimmt die Flagge der Navajo Nation an.[1]
- 1991Die Regierung der Navajo Nation wird in drei Gewalten neu geordnet.[1]
- 17.09.1992Die Navajo Code Talker werden im Pentagon geehrt.[1]
- 2005Das Bosque Redondo Memorial in Fort Sumner wird eingerichtet.[27]
- 2011Der Navajo Nation Council wird von 88 auf 24 Abgeordnete verkleinert.[16]
- 01.06.2018Zum 150. Jahrestag zeigt das Navajo Nation Museum das Original des Vertrags.[23, 28]
- 22.06.2023Der Supreme Court entscheidet im Streit um Wasser gegen die Navajo Nation.[4]
- 01.06.2026Die Navajo Nation zählt 427.414 eingetragene Bürger.[2]
Verträge und Reservat
Am 9. September 1849 schlossen die Navajo im "Tal von Cheille", dem Canyon de Chelly, einen Vertrag mit den Vereinigten Staaten. Für die USA unterschrieben John M. Washington, Gouverneur von New Mexico und Kommandeur der Truppen dort, und der Indian Agent James S. Calhoun, für die Navajo Mariano Martinez als "head chief" und Chapitone. Die Navajo erkannten darin die Hoheit der USA an und versprachen Frieden, freien Durchzug und die Herausgabe von Gefangenen und gestohlenem Gut; die USA wollten Militärposten errichten und die Grenzen des Gebiets festlegen. Ratifiziert wurde der Vertrag am 9. September 1850.[11]
Die Navajo Nation nennt den Vertrag vom 1. Juni 1868 das Grunddokument der Diné.[26] Der Senat ratifizierte ihn am 25. Juli 1868, verkündet wurde er am 12. August 1868. Artikel 2 legte das Reservat fest: im Norden der 37. Breitengrad, im Süden eine Linie durch das alte Fort Defiance, im Westen etwa 109 Grad 30 Minuten westlicher Länge, mit dem ganzen Canyon de Chelly. Nach Artikel 6 mussten die Navajo ihre Kinder von sechs bis sechzehn Jahren zur Schule schicken; für je dreißig Kinder versprachen die USA ein Schulhaus und eine Lehrkraft. In Artikel 9 verzichteten die Navajo auf Land außerhalb des Reservats und sagten zu, Eisenbahnen, Straßen und Poststationen nicht zu behindern. Artikel 10 band jede spätere Abtretung von Land an die Zustimmung von drei Vierteln der erwachsenen Männer, und Artikel 12 sah 150.000 Dollar vor, unter anderem für 15.000 Schafe und Ziegen.[12]
Die Schulpflicht ist laut Library of Congress die Bestimmung, die in den mündlichen Überlieferungen der Diné am häufigsten vorkommt, wohl weil sie die größte Sorge auslöste.[23] Die Navajo Nation sieht im Vertrag trotz der darin angelegten Assimilation die Grundlage, auf der sie Souveränität und Selbstregierung ausüben konnte.[20]

Das Reservat von 1868 umfasste nach dem NMAI 3,5 Millionen Acres und damit nur einen Bruchteil des alten Heimatlandes. Im späten 19. und im 20. Jahrhundert wuchs es: Das NMAI nennt heute etwa 17 Millionen Acres im Nordwesten New Mexicos, im Nordosten Arizonas und im Südosten Utahs, das Bureau of Indian Affairs 16 Millionen Acres, die Navajo Nation mehr als 27.000 Quadratmeilen. Britannica gibt für Reservat und zugeteiltes Land mehr als 24.000 Quadratmeilen (64.000 Quadratkilometer) an.[1, 4, 6, 15, 24] 2018 beschloss die Nation den Kauf zweier großer Ranches in Colorado, ihre ersten Landkäufe in diesem Staat. Sie bringen die Nation näher an Blanca Peak und Hesperus Mountain, zwei ihrer heiligen Berge.[6]
Den Landstreit zwischen Navajo und Hopi beschreibt die Seite Hopi.
Die Navajo heute
Die Navajo Nation steht in der Liste des Bureau of Indian Affairs vom 30. Januar 2026 als "Navajo Nation, Arizona, New Mexico, & Utah".[3] Hauptstadt ist Window Rock in Arizona, benannt nach einem Felsbogen aus rotem Sandstein neben dem Verwaltungszentrum.[1] Seit 1991 hat die Regierung drei Gewalten, eine ausführende, eine gesetzgebende und eine rechtsprechende.[1] An der Spitze stehen ein Präsident und ein Vizepräsident; im Oktober 2026 ist Buu Nygren Präsident.[2, 17] Der Navajo Nation Council entstand 1923 als erster Rat; seit der Reform von 2011 hat er 24 statt 88 Abgeordnete, gewählt in ihren Wahlbezirken.[16] Sie vertreten die 110 Chapters, die Gemeinden der Nation, die in fünf Agencies gegliedert sind; jedes Chapter wählt einen eigenen Präsidenten, einen Vizepräsidenten und einen Sekretär, der zugleich Schatzmeister ist.[17]
Am 1. Juni 2026 zählte die Navajo Nation nach ihrer Meldung an das Bureau of Indian Affairs 427.414 eingetragene Bürger.[2] Bei der Volkszählung 2020 gaben unter den Menschen, die sich allein als American Indian bezeichneten, 14,6 Prozent die Navajo Nation an, mehr als bei jeder anderen Nation. Zählt man Mehrfachangaben mit, lag Cherokee mit 23,8 Prozent vorn und die Navajo Nation mit 6,7 Prozent auf dem zweiten Platz.[13] Britannica nennt nach derselben Volkszählung fast 425.000 Menschen mit zumindest teilweiser Navajo-Abstammung, mehr als 315.000 davon allein Navajo.[4] Auf dem Reservat und den Treuhandflächen der Navajo Nation lebten 2020 laut Census Bureau mehr als 4 Prozent aller Menschen in den USA, die sich allein als American Indian oder Alaska Native bezeichneten.[13]
In den USA wird zu Hause häufiger Navajo gesprochen als jede andere indigene Sprache Nordamerikas. Nach der American Community Survey 2006 bis 2010 waren es 169.471 Menschen ab fünf Jahren, fast neunmal so viele wie bei Yupik oder Dakota.[14] Im Zweiten Weltkrieg diente die Sprache als Code: Im Mai 1942 begannen die ersten 29 Navajo-Rekruten ihre Ausbildung und entwickelten in Camp Pendleton in Kalifornien den Code. Etwa 400 Navajo wurden laut Navajo Nation als Code Talker ausgebildet und funkten von 1942 bis 1945 bei allen Angriffen der Marines im Pazifik. Am 17. September 1992 wurden sie im Pentagon geehrt.[1]
Mehr dazu steht auf der Seite Die Navajo Code Talker.
1968 gründete die Navajo Nation das Navajo Community College, heute Diné College. Nach eigener Darstellung ist es das erste College, das Native Americans für Native Americans gegründet haben; 1976 wurde es als erstes von einer Nation getragenes College für zwei Studienjahre akkreditiert.[18] Auf seiner Seite zur Geschichte zitiert das College einen Satz, den Manuelito wenige Tage vor seinem Tod 1893 gesagt habe:[18]
Mein Enkelkind, Bildung ist die Leiter. Sag unserem Volk, es soll sie nehmen.
Um Wasser stritt die Navajo Nation bis vor den Supreme Court. Sie argumentierte, Verträge aus der Mitte des 19. Jahrhunderts verpflichteten die Bundesregierung, sich um den Wasserbedarf des Reservats zu kümmern. Am 22. Juni 2023 entschied das Gericht gegen sie: Die Verträge verlangten von der Regierung keine aktiven Schritte.[4]
Das Navajo Nation Museum in Window Rock widmet sich der Kultur der Nation.[1] Dort liegt eine der Ausfertigungen des Vertrags von 1868, die der Friedenskommissar Samuel F. Tappan erhalten hatte. Seine Nichte Clare "Kitty" Weaver fand sie im Familienbesitz und bestand darauf, sie den Diné zurückzugeben; das Museum erhielt sie 2018 oder 2019.[20, 26]
Offizielle Websites: Navajo Nation, Office of the President and Vice President und Navajo Nation Council.
Bekannte Persönlichkeiten
- Manuelito führte im Januar 1864 laut HistoryNet mit Barboncito die Navajo im Canyon de Chelly, übernahm 1868 bei den Verhandlungen eine führende Rolle und setzte sein Zeichen unter den Vertrag.[10, 12, 23]
- Barboncito steht als "chief" an erster Stelle der Unterzeichner von 1868. Nach dem NMAI schilderte er den Friedenskommissaren das Leben in Gefangenschaft und erklärte, dass Bosque Redondo weder für Ackerbau noch für Schafzucht taugte.[12, 22]
- Ganado Mucho übernahm laut Library of Congress mit Barboncito und Manuelito eine führende Rolle bei den Verhandlungen; im Vertrag steht er als Gañado Mucho.[12, 23]
- Hastiin Hoskinini erhielt nach Angaben der Navajo Nation bei der Unterzeichnung eine Ausfertigung des Vertrags und versteckte sie; wo sie geblieben ist, ist nicht überliefert.[26]
- Jennifer Nez Denetdale, Historikerin der Diné, hat über den Vertrag von 1868 geschrieben. Laut Library of Congress betont sie, dass die Navajo eine Umsiedlung in das Indianer-Territorium fürchteten und dass Frauen auf einen Vertrag mit der Rückkehr drängten.[5, 23]
Weitere Lebensläufe stehen in der Liste Bekannte indigene Persönlichkeiten, die Rolle des Armeeführers im Navajo-Feldzug auf der Seite Kit Carson.
Häufige Fragen
Wie nennen sich die Navajo selbst?
Diné. Die Navajo Nation trägt das Wort in Ämtern wie dem Department of Diné Education, die University of Arizona übersetzt es mit "das Volk". Ihr Land nennen die Diné Diné Bikéyah. Der offizielle Name der Regierung bleibt Navajo Nation.
Woher kommt der Name Navajo?
Er stammt aus spanischen Berichten des 17. Jahrhunderts, die von den "Apaches de Nabaju" sprechen. Fray Alonso de Benavides deutete den Namen 1630 als "große bebaute Felder". Wie das Wort genau entstand, ist nicht geklärt.
Sind die Navajo das größte indigene Volk der USA?
Das hängt von der Zählung ab. Bei der Volkszählung 2020 nannten Menschen, die sich allein als American Indian bezeichneten, am häufigsten die Navajo Nation (14,6 Prozent). Zählt man Mehrfachangaben mit, lag Cherokee vorn. Das Reservat der Navajo Nation ist das größte der USA.
Wo leben die Navajo heute?
Viele leben im Reservat der Navajo Nation im Nordosten Arizonas, im Nordwesten New Mexicos und im Südosten Utahs; Hauptstadt ist Window Rock in Arizona. Tausende arbeiten und leben außerhalb, laut Britannica etwa in Los Angeles oder Kansas City.
Wie viele Navajo gibt es?
Die Navajo Nation meldete für den 1. Juni 2026 427.414 eingetragene Bürger. Britannica nennt nach der Volkszählung 2020 fast 425.000 Menschen mit zumindest teilweiser Navajo-Abstammung, mehr als 315.000 davon allein Navajo.
Welche Sprache sprechen die Navajo?
Navajo, eine Sprache aus der athapaskischen Sprachfamilie. Nach der American Community Survey 2006 bis 2010 sprachen 169.471 Menschen in den USA zu Hause Navajo, mehr als jede andere indigene Sprache Nordamerikas.
Was war der Lange Marsch der Navajo?
Die Deportation der Diné durch die US-Armee nach Bosque Redondo bei Fort Sumner in New Mexico ab 1863. Nach dem Smithsonian wurden bis 1866 mehr als 10.000 Navajo dorthin gebracht. Der Vertrag vom 1. Juni 1868 erlaubte die Rückkehr.
Wer waren die Navajo Code Talker?
Navajo, die im Zweiten Weltkrieg bei den US-Marines Nachrichten in einem Code auf der Grundlage ihrer Sprache übermittelten. Laut Navajo Nation wurden etwa 400 ausgebildet, die ersten 29 begannen im Mai 1942.
Quellen
- Tribal Nation Navajo Nation Enrollment Continues to Grow, Reflecting the Strength of Our People. Navajo Nation, Office of the President and Vice President. Stand 08.06.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Indian Entities Recognized by and Eligible To Receive Services From the United States Bureau of Indian Affairs, 91 FR 4102. Bureau of Indian Affairs, U.S. Department of the Interior (Federal Register). Stand 30.01.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Nachschlagewerk Navajo. Encyclopaedia Britannica, The Editors of Encyclopaedia Britannica. Stand 08.05.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Museum The Long Walk (Lehreinheit The Navajo Treaties). Smithsonian, National Museum of the American Indian, Native Knowledge 360°. Stand 2019. abgerufen am 25.10.2026
- Museum Navajo Nation Land Purchase (Lehreinheit The Navajo Treaties). Smithsonian, National Museum of the American Indian, Native Knowledge 360°. Stand 2019. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle People. National Park Service, Navajo National Monument. Stand 21.10.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle History and Culture. National Park Service, Canyon de Chelly National Monument. Stand 29.04.2025. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Katharine Luomala: Navaho Life of Yesterday and Today, Kapitel 3: The Period of Spanish Rule. National Park Service, Western Museum Laboratories (Onlinefassung bei npshistory.com). Stand 1938. abgerufen am 25.10.2026
- Presse David T. Zabecki: Attacked by Both Spanish and American Invaders, This Sandstone Navajo Stronghold Was Built for Defense. HistoryNet. Stand 02.06.2023. abgerufen am 25.10.2026
- Gesetz und Vertrag Treaty with the Navaho, 1849 (9 Stat. 974), Text nach Kappler. Oklahoma State University Libraries, Tribal Treaties Database. Stand 09.09.1849. abgerufen am 25.10.2026
- Gesetz und Vertrag Treaty with the Navaho, 1868 (15 Stat. 667), Text nach Kappler. Oklahoma State University Libraries, Tribal Treaties Database. Stand 01.06.1868. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Ana I. Sánchez-Rivera, Paul Jacobs, Cody Spence: A Look at the Largest American Indian and Alaska Native Tribes and Villages in the Nation, Tribal Areas and States. U.S. Census Bureau. Stand 03.10.2023, Page Last Revised 19.02.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Julie Siebens, Tiffany Julian: Native North American Languages Spoken at Home in the United States and Puerto Rico: 2006 bis 2010 (ACSBR/10-10). U.S. Census Bureau. Stand Dezember 2011. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Frequently Asked Questions. Bureau of Indian Affairs, U.S. Department of the Interior. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Tribal Nation Our Legacy and History (About Us and History). Navajo Nation Council, Legislative Branch. Stand 03.09.2025. abgerufen am 25.10.2026
- Navajo Nation, Arizona, New Mexico and Utah. University of Arizona, Native American Advancement, Initiatives, and Research (NAAIR). Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
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- Tribal Nation Navajo Nation Memorial Day and Treaty Day. Navajo Nation, Office of the President and Vice President. Stand 01.06.2024. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Bosque Redondo History. New Mexico Department of Cultural Affairs, New Mexico Historic Sites. Stand 08.09.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Museum Bosque Redondo (Lehreinheit The Navajo Treaties). Smithsonian, National Museum of the American Indian, Native Knowledge 360°. Stand 2019. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Jennifer Davis: Naaltsoos Sání and the Long Walk Home (In Custodia Legis). Library of Congress, Law Library. Stand 18.06.2018. abgerufen am 25.10.2026
- Museum Returning Home (Lehreinheit The Navajo Treaties). Smithsonian, National Museum of the American Indian, Native Knowledge 360°. Stand 2019. abgerufen am 25.10.2026
- Museum Navajo Treaty, 1868 (Ausstellung Nation to Nation). Smithsonian, National Museum of the American Indian. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Tribal Nation Navajo Nation Acknowledges Legacy of the Indian Citizenship Act, Enduring Significance of Treaty Day. Navajo Nation, Office of the President and Vice President. Stand 02.06.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Bosque Redondo Memorial at Fort Sumner Historic Site. New Mexico Historic Sites, New Mexico Department of Cultural Affairs. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Archiv Jim Zeender: The Navajo Treaty Travels to the Navajo Nation (Pieces of History). National Archives. Stand 01.08.2018. abgerufen am 25.10.2026
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Markus Roth Autor und Redakteur
Markus Roth lebt in Berlin und schreibt seit 2018 für Wikipedia. Seine Schwerpunkte sind Geschichte und Wissenschaft; für Wilder-Westen.org schreibt er über Verkehr, Wirtschaft und das Leben im Südwesten.
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GeschichteLanger Marsch der Navajo und Bosque RedondoAb 1864 trieb die US-Armee Tausende Diné zu Fuß nach Bosque Redondo in New Mexico.
Indigene Völker NordamerikasSüdwestenDie Völker des Südwestens, oft Südwest-Indianer genannt, leben vor allem in Arizona und New Mexico.
PersonenManuelitoManuelito war einer der Navajo-Anführer im Widerstand gegen die Deportation nach Bosque Redondo.
Indigene Völker NordamerikasHopiDie Hopi, oft Hopi-Indianer genannt, sind ein Pueblo-Volk im Nordosten Arizonas.