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Leonard Peltier

Kurz erklärt Leonard Peltier, Aktivist des American Indian Movement und Bürger der Turtle Mountain Band of Chippewa Indians, wurde am 18. April 1977 wegen Mordes an den FBI-Agenten Jack Coler und Ronald Williams schuldig gesprochen; er bestreitet, die Agenten getötet zu haben. Präsident Biden wandelte im Januar 2025 die restliche Haft in Hausarrest um. Seit dem 18. Februar 2025 lebt Peltier im Reservat Turtle Mountain in North Dakota; begnadigt ist er nicht.

Hügeliges Grasland mit dunklen Kiefern auf den Kämmen im Südwesten South Dakotas, ein Feldweg im warmen Licht des späten Nachmittags
Bild: KI-generiert

Wer ist Leonard Peltier?

Leonard Peltier ist ein indigener Aktivist aus North Dakota und Bürger der Turtle Mountain Band of Chippewa Indians, einer Nation der Ojibwe.[11, 16] Laut Britannica stammt er überwiegend von Ojibwe ab und kam am 12. September 1944 in Grand Forks zur Welt.[1, 2] Als sich seine Eltern trennten, kamen er und eine Schwester zu den Großeltern väterlicherseits in das Reservat Turtle Mountain im Rolette County. Mit neun Jahren schickte man ihn auf ein Internat für indigene Kinder in Wahpeton.[1, 2] Prairie Public schreibt dagegen, nach der Trennung der Eltern sei er auf dieses Internat gekommen und später zu seiner Mutter nach Grand Forks zurückgekehrt.[2] Peltier schrieb später, man habe ihn gewaltsam von seiner Großmutter fortgeholt; mehr zu diesen Schulen steht auf der Seite Internatsschulen für indigene Kinder.[7]

Laut Britannica zog er 1965 nach Seattle, war dort Teilhaber einer Autowerkstatt und half, ein Übergangshaus für indigene Haftentlassene aufzubauen. Prairie Public, der öffentliche Rundfunk von North Dakota, schreibt, er sei schon 1964 im Staat Washington in den Streit um die Fischereirechte indigener Nationen im Nordwesten der USA geraten und 1970 dem American Indian Movement (AIM) beigetreten.[1, 2] Britannica nennt ihn ein Mitglied der Gruppe in Denver und einen Teilnehmer am Trail of Broken Treaties von 1972; über diesen Zug nach Washington und die Bewegung insgesamt berichtet die Seite Red Power: AIM, Alcatraz und Wounded Knee 1973.[1]

Im Frühjahr 1975 kamen Peltier und andere AIM-Mitglieder in das Reservat Pine Ridge in South Dakota, das Land des Oglala Sioux Tribe (mehr auf der Seite der Lakota).[4, 16] Das Bundesberufungsgericht schrieb 1978, ältere Angehörige der Nation hätten AIM eingeladen, um einen politischen Streit zu entschärfen; die Gruppe lagerte in einem Zeltlager, das als "Tent City" bekannt wurde.[4] Nach Darstellung des FBI kamen Peltier und seine Begleiter auf Bitten der AIM-Führung nach einem Treffen in Farmington in New Mexico, und keiner von ihnen stammte aus Pine Ridge.[3]

Was geschah am 26. Juni 1975 in Pine Ridge?

Das FBI sieht keinen konkreten Zusammenhang mit der Besetzung von Wounded Knee 1973, hält es aber für möglich, dass die Spaltung danach zu einer gespannten Lage im Reservat beitrug: Anhänger der Regierung der Nation und ihres Präsidenten standen AIM-Mitgliedern und Traditionalisten gegenüber, und die Kriminalität stieg.[3] Akim D. Reinhardt (Towson University) spricht in der Encyclopedia of the Great Plains von einem regelrechten Bürgerkrieg zwischen AIM und der Privattruppe des Präsidenten Dick Wilson in dessen Amtszeit nach Wounded Knee, von 1973 bis 1976, mit mehr als 50 ungeklärten Morden an AIM-Mitgliedern und Unterstützern. Der Christian Science Monitor nannte 1994 mehr als 40 Tötungen, die meisten an Traditionalisten.[5, 6]

Am 25. und 26. Juni 1975 suchten die FBI-Agenten Jack Coler und Ronald Williams im Reservat nach Jimmy Eagle und anderen Männern, gegen die Haftbefehle wegen bewaffneten Raubs und Körperverletzung mit einer gefährlichen Waffe vorlagen.[3, 4] NBC News nennt nach Akten des FBI einen Diebstahl von Cowboystiefeln als Anlass.[14] Kurz vor Mittag folgten die beiden Agenten in zwei Wagen einem rot-weißen Fahrzeug auf das Gelände der Familie Jumping Bull. Williams meldete über Funk, dass sie beschossen würden.[3, 4] Laut FBI dauerte das Feuer auf die Agenten nach Aussagen im Prozess etwa zehn Minuten; ihre Wagen hatten 125 Einschusslöcher, aus den Waffen der Agenten fielen insgesamt fünf Schüsse.[3] Beide wurden zuerst aus der Ferne verwundet und dann aus nächster Nähe getötet.[3, 4]

Am selben Tag starb das AIM-Mitglied Joe Stuntz.[1, 6] Laut CNN, das sich auf Amnesty International beruft, wurde für seinen Tod nie jemand festgenommen oder angeklagt.[7] Wer die ersten Schüsse abgab, ist nach Britannica nie geklärt worden.[1]

Peltier sagte CNN 1999, er habe im Lager geschlafen, als die Schüsse fielen, habe ein altes Gewehr gegriffen und erst geschossen, nachdem auf ihn gefeuert worden sei; die Agenten habe er nicht getroffen. Das FBI sagt dagegen, die Agenten seien ohne Anlass beschossen worden.[7] Nach Angaben des FBI räumte Peltier am 22. September 1991 in der Fernsehsendung 60 Minutes ein, auf die beiden Agenten geschossen zu haben.[3]

Gewundener Bach zwischen Laubbäumen und hohem Gras in hügeliger Prärie mit Kiefern auf den Hängen, Frühsommer am Mittag
Hügelland im Reservat Pine Ridge im Südwesten South Dakotas. Am 26. Juni 1975 starben hier die FBI-Agenten Jack Coler und Ronald Williams und das AIM-Mitglied Joe Stuntz. Bild: KI-generiert

Wie kam es zur Verurteilung?

Am 17. November 1975 wurden Peltier, Darrelle Dean Butler, Robert Robideau und Jimmy Eagle in einer Anklageschrift des Bundes in zwei Fällen des Mordes ersten Grades und der Beihilfe dazu angeklagt.[3, 4] Im Sommer 1976 sprach ein Geschworenengericht in Cedar Rapids in Iowa Butler und Robideau frei, laut CBS News mit der Begründung der Notwehr.[3, 16] Das FBI erklärt den Freispruch damit, dass beide beim Beginn der Schüsse nicht am Ort waren und es keinen unmittelbaren Beleg gab, dass sie die Agenten als Polizisten erkannten; außerdem habe die Jury viel über frühere Aktionen des FBI gehört. Die Anklage gegen Eagle ließ die Regierung mangels Beweisen fallen.[3]

Peltier war nach Kanada geflohen. Im Februar 1976 nahm ihn die Royal Canadian Mounted Police in der Provinz Alberta fest, im Dezember 1976 wurde er an die USA ausgeliefert.[3, 6] Umstritten ist bis heute, wie die Auslieferung zustande kam. Myrtle Poor Bear hatte drei eidesstattliche Erklärungen abgegeben, die zweite und dritte als angebliche Augenzeugin; diese beiden lagen dem Auslieferungsverfahren bei. Das FBI schreibt, die Auslieferung habe auf anderen Beweisen beruht und Poor Bear sei im Prozess nie als Zeugin aufgetreten, weil die Regierung sie für nicht aussagefähig hielt.[3] Nach dem Berufungsgericht sagte sie im Prozess außerhalb der Anwesenheit der Jury, das FBI habe die Erklärungen vorbereitet und sie unter Drohungen mit körperlicher Gewalt zur Unterschrift gezwungen; das Gericht ließ ihre Aussage vor der Jury nicht zu.[4] Richter Gerald Heaney warf dem FBI 1991 vor, bei der Auslieferung unlautere Mittel eingesetzt zu haben.[6]

Der Prozess gegen Peltier begann nach Prairie Public am 14. März 1977 vor dem Bundesbezirksgericht in Fargo in North Dakota und dauerte laut FBI fünf Wochen.[2, 3] Laut FBI beantragte die Anklage diesmal, die Geschworenen abzuschirmen, und das Gericht ließ Beweise über das FBI nur zu, wenn sie die Beweise oder Zeugen des Falls betrafen.[3] Am 18. April 1977 sprachen die Geschworenen Peltier in zwei Fällen des Mordes ersten Grades schuldig, am 1. Juni 1977 verurteilte ihn Benson zu zwei aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen.[3, 8] Im Prozess vertrat die Anklage laut CBS News die Ansicht, Peltier habe beide Agenten aus nächster Nähe erschossen; das FBI weist darauf hin, dass die Anklage ihn zugleich der Beihilfe beschuldigte und der Staatsanwalt das im Schlussvortrag ansprach.[3, 16]

1979 floh Peltier aus dem Bundesgefängnis Lompoc in Kalifornien und wurde nach wenigen Tagen gefasst; laut FBI wurde bei der Flucht ein anderer Häftling erschossen.[1, 3] Am 22. Januar 1980 kamen dafür und wegen Waffenbesitzes sieben Jahre Haft hinzu. Das FBI schreibt, das Berufungsgericht für den neunten Bezirk habe die Verurteilung wegen der Flucht 1982 bestätigt, und die Liste des Justizministeriums vom Juli 2025 führt die Strafe weiter auf. Britannica schreibt dagegen, dieses Urteil sei später aufgehoben worden.[1, 3, 8]

Worum geht der Streit um das Verfahren?

Am 14. September 1978 bestätigte das Bundesberufungsgericht für den achten Bezirk (Eighth Circuit) das Urteil, 1979 lehnte der Supreme Court eine Überprüfung ab.[3, 4] Über Anfragen nach dem Freedom of Information Act, dem Gesetz über den Zugang zu Behördenakten, bekam Peltier danach eine große Menge an Daten und Berichten des FBI.[9] Darunter war ein Fernschreiben des FBI-Labors vom 2. Oktober 1975, das das Gewehr aus einem Wagen, der im September 1975 bei Wichita in Kansas ausgebrannt war, als Tatwaffe auszuschließen schien. Die Anklage hatte eine Patronenhülse aus dem Kofferraum von Colers Wagen diesem Gewehr zugeordnet.[3, 9] 1984 ordnete das Berufungsgericht dazu eine Anhörung an.[3, 9]

Am 11. September 1986 entschied das Gericht unter Richter Heaney: Die Anklage habe Peltier günstige Beweise vorenthalten, und es bestehe die Möglichkeit, dass die Jury ihn sonst freigesprochen hätte. Für einen neuen Prozess hätte das Gericht aber überzeugt sein müssen, dass die Jury wahrscheinlich anders entschieden hätte, und das war es nicht.[9, 10] Zugleich hielt es fest, die Hülse sei tatsächlich aus dem Gewehr von Wichita herausgezogen worden (im Urteil "extracted"); dazu habe die Verteidigung, obwohl sie einen eigenen Ballistik-Gutachter hatte, keine Gegenbeweise vorgelegt.[9] Diesen Satz zitiert auch das FBI auf seiner Seite zum Fall.[3]

In der mündlichen Verhandlung zu diesem Berufungsverfahren hatte der Staatsanwalt Lynn Crooks (Assistant U.S. Attorney) gesagt, man könne nicht beweisen, wer die Agenten erschossen habe. Peltier wertete das als Eingeständnis, er könne nur wegen Beihilfe verurteilt sein. Am 7. Juli 1993 wies das Berufungsgericht das zurück: Wie schon das Bezirksgericht hielt es für unklar, ob mit "those agents" die beiden kurz zuvor erwähnten ermordeten Marshals oder die FBI-Agenten gemeint waren, und sah in dem Satz aus acht Wörtern keine Grundlage für ein Eingeständnis; die Anklage habe den Fall von Anfang an auf zwei Begründungen gestützt, eigene Täterschaft oder Beihilfe.[10] Das Justizministerium führt die Strafe als Mord ersten Grades in zwei Fällen; die 33 Kongressmitglieder, die 2023 an Präsident Biden schrieben, sprechen von zwei lebenslangen Strafen wegen Beihilfe.[8, 11] Das Berufungsgericht bezeichnete 1993 die Verurteilung als Verurteilung wegen des vorsätzlichen Mordes an den beiden Agenten; Beihilfe war eine der beiden Begründungen der Anklage, und ein Gehilfe wird nach dem Gesetz wie ein Täter bestraft.[10]

Britannica fasst die offenen Fragen so zusammen: Es gebe keine bekannten Zeugen der Tötung, die Tatwaffe sei nicht bekannt, die Identität des Fahrzeugs sei fraglich, und das FBI habe zugegeben, Tausende Dokumente zurückgehalten zu haben.[1] Reinhardt schreibt in der Encyclopedia of the Great Plains, die Regierung habe im Prozess Zeugen eingeschüchtert und Beweise gefälscht.[5] Das FBI hält dagegen, Peltier habe fünf Anwälte seiner Wahl auf Staatskosten bekommen; seine Argumente hätten drei Bezirksrichter und zwei Berufungsgerichte geprüft, und der Supreme Court habe es zweimal abgelehnt, den Fall anzunehmen.[3]

Wie sehen das FBI und die Angehörigen der Agenten den Fall?

Für das FBI ist Peltier der Täter. Es verweist auf Zeugen, nach denen er als Einziger ein Gewehr vom Typ AR-15 trug, die einzige Waffe am Ort, die das Kaliber der tödlichen Geschosse abfeuern konnte, und auf die Hülse aus Colers Kofferraum.[3] Bei der Anhörung zur Bewährung 2009 sagte Thomas J. Harrington, Executive Assistant Director des FBI, einen Mörder ohne Reue zu entlassen, füge den Agenten und ihren Familien nur weiteren Schmerz zu.[3] Der damalige FBI-Direktor Christopher Wray schrieb 2024, mindestens 22 Bundesrichter hätten die Beweise geprüft und seien alle zum Ergebnis gekommen, dass die Verurteilung bestehen müsse.[3] Im Januar 2025 warnte Wray Präsident Biden in einem Brief, jede Erleichterung für Peltier sei völlig ungerechtfertigt und ein Affront gegen den Rechtsstaat.[16]

Die Familie von Jack Coler erklärte am 20. Januar 2025, sie sei nach Jahren des Kampfes, Peltier in Haft zu halten, frustriert und sehr verärgert. Der Bewährungsausschuss habe eine Entlassung abgelehnt, das mache die Entscheidung des Präsidenten in letzter Minute umso überraschender und enttäuschender.[14] Natalie Bara, Präsidentin der FBI Agents Association, nannte die Umwandlung am selben Tag einen grausamen Verrat an den Familien und Kollegen der Agenten; deren Familien trügen bis heute die Last ihres Verlusts.[15]

Was sagen Unterstützer und Amnesty International?

Amnesty International schickte 1977 Beobachter zum Prozess und setzte sich jahrzehntelang für seine Freilassung ein.[17, 18] Laut CBS News betrachtete die Organisation ihn als politischen Gefangenen.[16] Die Kongressmitglieder schrieben 2023 von Verfassungsverstößen und Fehlverhalten der Anklage, auf die inzwischen Beteiligte selbst hingewiesen hätten.[11] Der frühere Bundesanwalt James Reynolds, dessen Behörde Peltier angeklagt hatte, bat Biden 2021 um eine Umwandlung der Strafe, und die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierung forderte 2022 seine Freilassung.[7, 11]

Richter Heaney, der das Urteil von 1986 geschrieben hatte, warb 1991 in einem Brief an Senator Daniel Inouye, den Vorsitzenden des Senatsausschusses für indigene Angelegenheiten, für eine mildere Strafe. Die Regierung habe auf Wounded Knee 1973 überreagiert und 1975 den Konflikt mit angeheizt. Das sei keine rechtliche Rechtfertigung für Peltiers Handeln und kein Grund, das Urteil aufzuheben, aber ein mildernder Umstand.[6] Unter den Fürsprechern nennt NBC News Papst Franziskus, den Dalai Lama, Nelson Mandela und Desmond Tutu.[14]

Welche Gnadengesuche und Bewährungsanträge gab es?

Laut FBI lehnte die Bewährungskommission der USA (U.S. Parole Commission) Peltiers Entlassung 1993, 1996, 1998 und 2009 ab.[3] Ende 1993 gingen nach dem Christian Science Monitor Bittschriften mit mehr als einer halben Million Unterschriften an das Weiße Haus.[6] Über ein Gnadengesuch von 2000 entschied Präsident Bill Clinton nicht, einem Gesuch von 2016 gab Präsident Barack Obama nicht statt, und 2022 lehnte das Justizministerium ein Gesuch um Umwandlung der Strafe ab.[3] Am 2. Juli 2024 verweigerte die Kommission erneut die Bewährung; erst 2026 hätte er wieder einen Antrag stellen können.[12, 14, 16]

Was hat Präsident Biden im Januar 2025 entschieden?

Am 19. Januar 2025 unterschrieb Präsident Joseph R. Biden eine Gnadenurkunde (Executive Grant of Clemency). Sie wandelt den Rest der Freiheitsstrafe in Hausarrest um, wirksam ab 18. Februar 2025, und lässt alle anderen Teile des Urteils bestehen.[13] Bekannt gab Biden die Entscheidung nach Amnesty International am 20. Januar 2025 in der letzten Stunde seiner Amtszeit, nach NBC News wenige Minuten vor der Vereidigung von Donald Trump; viele Berichte nennen den 20. Januar als Datum.[14, 17, 19] Das Weiße Haus erklärte, Peltier könne seine restlichen Tage im Hausarrest verbringen, werde aber nicht für die zugrunde liegenden Taten begnadigt. Als Gründe nannte das Büro des Präsidenten laut CNN Peltiers schwere Krankheiten und seine enge Verbindung zur indigenen Gemeinschaft, in der er eine führende Rolle habe.[7, 14]

Der National Congress of American Indians schrieb, der Fall stehe seit Langem für die systematische Ungerechtigkeit gegenüber indigenen Völkern.[7] Die frühere Innenministerin Deb Haaland vom Pueblo of Laguna, erste Native American in diesem Amt, begrüßte die Entscheidung.[16] Paul O'Brien, Direktor von Amnesty International USA, nannte die Entlassung wegen der Zweifel an einem fairen Prozess, der fast 50 Jahre Haft, Peltiers Gesundheit und Alter richtig, fügte aber hinzu, er solle nicht auf Hausarrest beschränkt bleiben.[18]

Wo lebt Leonard Peltier heute?

Am Morgen des 18. Februar 2025 verließ Peltier, damals 80 Jahre alt, das Bundesgefängnis Coleman in Florida.[16] Der Sender KOTA aus Rapid City berichtete, er sei nach 49 Jahren entlassen worden; Mitglieder der Organisation NDN Collective sollten ihn in sein Zuhause im Reservat Turtle Mountain bei Belcourt bringen.[19]

Heute bin ich endlich frei!

Leonard Peltier am Tag seiner Entlassung, Äußerung vom 18. Februar 2025, zitiert von CBS News Übersetzung der Redaktion[16]

Am 19. Februar 2025 sprach er in Belcourt zu Unterstützern und sagte, die Unterstützung habe ihn völlig überrascht. Jamie Azure, Vorsitzender der Turtle Mountain Band, sagte dem Sender KFYR, er wolle mit Peltier über dessen Rechte als Bürger der Nation sprechen.[20] Nach seinem Anwalt Kevin Sharp hatte die Nation ein eingerichtetes Haus für ihn bereit.[7] Peltier selbst sagte im Oktober 2026, indigene Menschen hätten ihm das Haus gekauft, nicht die Regierung, und er habe nun ein paar Acres Land statt einer Zelle.[22]

Bewaldete Hügel mit Birken und Espen an einem stillen See im Spätwinter, Schneereste und Schilf am Ufer
Hügel- und Seenlandschaft der Turtle Mountains im Norden North Dakotas, dem Land der Turtle Mountain Band of Chippewa Indians Bild: KI-generiert

Laut ICT, einem indigenen Nachrichtenportal, verbüßt Peltier im Oktober 2026 weiter den Rest seiner Strafe in seinem Haus in Belcourt. Die Lobbyistin Holly Cook Macarro von NDN Collective sagte ICT, er habe keinen Freigang bekommen, um am 4. Oktober 2026 eine Ausstellung seiner Bilder in New York zu besuchen.[21] Peltier malt; in der Haft schrieb er das Buch "Prison Writings: My Life Is My Sun Dance", das 1999 erschien.[1, 16]

Zeitleiste

Zeitleiste: Leonard Peltier
  1. 1944Leonard Peltier kommt laut Britannica am 12. September 1944 in Grand Forks in North Dakota zur Welt.[1, 2]
  2. 26.06.1975Im Reservat Pine Ridge werden die FBI-Agenten Jack Coler und Ronald Williams getötet, am selben Tag stirbt das AIM-Mitglied Joe Stuntz.[3, 6] Red Power
  3. Februar 1976Die kanadische Bundespolizei nimmt Peltier in Alberta fest; im Dezember 1976 wird er an die USA ausgeliefert.[3, 6]
  4. 18.04.1977Ein Geschworenengericht in Fargo spricht ihn in zwei Fällen des Mordes ersten Grades schuldig.[3]
  5. 01.06.1977Richter Paul Benson verurteilt ihn zu zwei aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen.[3, 8]
  6. 14.09.1978Das Bundesberufungsgericht für den achten Bezirk bestätigt das Urteil.[4]
  7. 11.09.1986Das Berufungsgericht stellt fest, dass die Anklage ihm günstige Beweise vorenthielt, lehnt einen neuen Prozess aber ab.[9, 10]
  8. 07.07.1993Das Berufungsgericht weist seinen Einwand zurück, die Anklage habe ihre Begründung geändert.[10]
  9. 02.07.2024Ihm wird erneut die Bewährung verweigert.[12]
  10. 19.01.2025Präsident Biden unterschreibt die Umwandlung der restlichen Haft in Hausarrest; eine Begnadigung ist es nicht.[13]
  11. 18.02.2025Peltier verlässt das Bundesgefängnis Coleman in Florida; am nächsten Tag spricht er in Belcourt im Reservat Turtle Mountain zu Unterstützern.[16, 19, 20]

Leonard Peltier im Film

Der Dokumentarfilm "Incident at Oglala" von 1992 entstand unter der Regie von Michael Apted; Robert Redford produzierte ihn und sprach den Kommentar. Larry J. Zimmerman (University of Iowa) schreibt in der Encyclopedia of the Great Plains, der Film lege nahe, wie weit FBI und Anklage für eine Verurteilung gegangen seien; Agenten des FBI kämen darin wegen der Regeln der Behörde nicht zu Wort. Apteds Spielfilm "Thunderheart" aus demselben Jahr greift die Ereignisse lose auf.[23] Seit dem 12. Oktober 2026 zeigt Netflix den Dokumentarfilm "Free Leonard Peltier" von Jesse Short Bull und David France.[21]

Häufige Fragen

Ist Leonard Peltier frei?

Nicht im rechtlichen Sinn. Am 18. Februar 2025 verließ er das Bundesgefängnis Coleman in Florida, doch nach der Gnadenurkunde von Präsident Biden verbüßt er den Rest seiner Strafe im Hausarrest. Er lebt im Reservat Turtle Mountain bei Belcourt in North Dakota.

Wurde Leonard Peltier begnadigt?

Nein. Biden wandelte im Januar 2025 nur die restliche Haftstrafe in Hausarrest um und ließ alle anderen Teile des Urteils bestehen. Das Weiße Haus erklärte ausdrücklich, Peltier werde nicht für die zugrunde liegenden Taten begnadigt.

Warum wurde Leonard Peltier verurteilt?

Ein Geschworenengericht in Fargo sprach ihn am 18. April 1977 in zwei Fällen des Mordes ersten Grades schuldig, begangen an den FBI-Agenten Jack Coler und Ronald Williams am 26. Juni 1975 im Reservat Pine Ridge. Am 1. Juni 1977 erhielt er zwei aufeinanderfolgende lebenslange Haftstrafen. Peltier bestreitet, die Agenten getötet zu haben.

Wie alt ist Leonard Peltier?

Laut Britannica wurde er am 12. September 1944 in Grand Forks in North Dakota geboren. Im Oktober 2026 ist er damit 82 Jahre alt.

Wo lebt Leonard Peltier heute?

In einem Haus im Reservat Turtle Mountain bei Belcourt in North Dakota, dem Land seiner Nation, der Turtle Mountain Band of Chippewa Indians. Dort verbüßt er nach Berichten vom Oktober 2026 weiter den Rest seiner Strafe im Hausarrest.

Was sagen die Familien der getöteten FBI-Agenten?

Die Familie von Jack Coler erklärte am 20. Januar 2025, sie sei frustriert und sehr verärgert über die Umwandlung der Strafe, nachdem der Bewährungsausschuss eine Entlassung abgelehnt hatte. Die FBI Agents Association nannte die Entscheidung einen grausamen Verrat an den Familien und Kollegen der Agenten.

Gibt es Filme über Leonard Peltier?

Ja. Der Dokumentarfilm "Incident at Oglala" von 1992 entstand unter der Regie von Michael Apted, Robert Redford produzierte und sprach ihn. Seit dem 12. Oktober 2026 zeigt Netflix den Dokumentarfilm "Free Leonard Peltier" von Jesse Short Bull und David France.

Quellen

  1. Nachschlagewerk Amanda K. Cox: Leonard Peltier. American Indian activist. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  2. Presse Merry Helm: Leonard Peltier part 1 (Dakota Datebook, Beitrag vom 14.03.2017). Prairie Public NewsRoom. Stand 10.06.2022. abgerufen am 27.10.2026
  3. Amtliche Stelle RESMURS Case (Reservation Murders). Federal Bureau of Investigation, History. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  4. Primärquelle United States v. Peltier, 585 F.2d 314 (8th Cir. 1978), Urteil vom 14.09.1978. United States Court of Appeals for the Eighth Circuit, Text bei OpenJurist. Stand 14.09.1978. abgerufen am 27.10.2026
  5. Nachschlagewerk Akim D. Reinhardt: American Indian Movement. Encyclopedia of the Great Plains. University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026
  6. Presse Brad Knickerbocker: US Is Under Pressure to Ask if Justice Was Done in Case Against Native American. The Christian Science Monitor. Stand 03.02.1994. abgerufen am 27.10.2026
  7. Amtliche Stelle Commutations Granted by President Joseph Biden (2021-2025). U.S. Department of Justice, Office of the Pardon Attorney. Stand 09.07.2025. abgerufen am 27.10.2026
  8. Primärquelle United States v. Peltier, 800 F.2d 772 (8th Cir. 1986), Urteil vom 11.09.1986. United States Court of Appeals for the Eighth Circuit, Text bei OpenJurist. Stand 11.09.1986. abgerufen am 27.10.2026
  9. Primärquelle Peltier v. Henman, 997 F.2d 461 (8th Cir. 1993), Urteil vom 07.07.1993. United States Court of Appeals for the Eighth Circuit, Text bei OpenJurist. Stand 07.07.1993. abgerufen am 27.10.2026
  10. Amtliche Stelle Ranking Member Grijalva Leads Bipartisan, Bicameral 33-Member Letter Requesting Clemency for Indigenous Activist Leonard Peltier (mit Text des Briefs). U.S. House Committee on Natural Resources, Democrats. Stand 06.10.2023. abgerufen am 27.10.2026
  11. USA: Urge clemency for Native American activist (Urgent Action, AMR 51/8258/2024). Amnesty International. Stand 03.07.2024. abgerufen am 27.10.2026
  12. Primärquelle Executive Grant of Clemency for Leonard Peltier, unterzeichnet von Präsident Joseph R. Biden. U.S. Department of Justice, Office of the Pardon Attorney. Stand 19.01.2025. abgerufen am 27.10.2026
  13. FBI Agents Association Statement on Commutation of Leonard Peltier. FBI Agents Association. Stand 20.01.2025. abgerufen am 27.10.2026
  14. USA: Further Information: Leonard Peltier's sentence commuted (Urgent Action, AMR 51/8947/2025). Amnesty International. Stand 23.01.2025. abgerufen am 27.10.2026
  15. Amnesty International Welcomes Release of Leonard Peltier. Amnesty International USA. Stand 18.02.2025. abgerufen am 27.10.2026
  16. Presse Adrian Carbajal: Leonard Peltier released from prison after 49 years. KOTA Territory News, Rapid City. Stand 18.02.2025. abgerufen am 27.10.2026
  17. Presse Kevin Abourezk: Netflix drops Free Leonard Peltier film on Indigenous Peoples Day. ICT. Stand 12.10.2026. abgerufen am 27.10.2026
  18. Nachschlagewerk Larry J. Zimmerman: Incident at Oglala. Encyclopedia of the Great Plains. University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026

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