Indigene Völker NordamerikasThema

Der Sonnentanz

Kurz erklärt Der Sonnentanz ist die wichtigste religiöse Zeremonie vieler Plains-Nationen, darunter Lakota, Dakota, Cheyenne, Arapaho und Blackfoot. Wer ihn gelobt hat, tanzt und fastet mehrere Tage als Opfer für das Wohl von Familie und Volk. Die USA stellten ihn 1883 unter Strafe, die Politik der Unterdrückung endete 1934, formell fiel das Verbot erst 1978, und viele Nationen feiern ihn bis heute.

Weite grüne Prärie im Frühsommer mit vereinzelten Wildblumen unter einem hohen, fast wolkenlosen Himmel, die Sonne steht tief über flachen Hügeln am Horizont
Bild: KI-generiert

Was ist der Sonnentanz?

Der Sonnentanz (englisch Sun Dance) ist nach Britannica die wichtigste religiöse Zeremonie der Plains-Völker Nordamerikas. Für die Völker, die den Bisonherden folgten, war er der Anlass, zu dem sich sonst getrennte Gruppen trafen und mit Opfern Einzelner und der Gemeinschaft ihren Glauben an das Universum und das Übernatürliche bekräftigten.[2] Die Encyclopedia of the Great Plains nennt ihn zentral für die religiöse Identität der indigenen Völker der Great Plains.[1]

Gesucht wird er im Deutschen oft als Ritual "der Indianer". Gemeint ist eine Zeremonie bestimmter Nationen der Plains, und jede feiert sie auf ihre eigene Weise.[1] Der Name geht laut Encyclopedia of the Great Plains auf die Bezeichnung der Lakota und Dakota zurück: Wi wanyang wacipi, übersetzt "Tanz des Blickens in die Sonne". Andere Plains-Völker haben Namen, die sich nicht auf die Sonne beziehen. Bei Arapaho, Cheyenne und Blackfoot meint der Name die Medizinhütte (medicine lodge), in der getanzt wird.[1]

Welche Völker feiern den Sonnentanz?

Den Kern bildeten nach der Encyclopedia of the Great Plains vier Nationen, die die Zeremonie aus der Zeit der Bisonjagd bis in die Gegenwart fortführen: die Arapaho, die südlichen und nördlichen Cheyenne, die Blackfoot mit Siksika, Bloods (Kainah) und den nördlichen und südlichen Piegan sowie die Lakota und Dakota. Von ihnen kam der Sonnentanz im Süden zu Kiowa und Comanche, im Norden zu den Plains Cree in Saskatchewan und den Sarcee in Alberta und zu fast allen Völkern dazwischen, darunter Arikara, Assiniboine, Crow, Gros Ventre, Hidatsa, Mandan, Pawnee, Plains Ojibwe, Ponca, Shoshone und Ute.[1]

Wann die Zeremonie entstand, ist nicht geklärt. Die meisten Überlieferungen der Nationen verlegen ihre Regeln laut Britannica in eine weit zurückliegende Zeit.[2] Nach der Encyclopedia of the Great Plains entwickelte sie sich bei den berittenen Bisonjägern, die im 18. und 19. Jahrhundert die Great Plains bewohnten; die Oklahoma Historical Society schreibt, sie habe sich irgendwann nach 1800 über die Plains verbreitet.[1, 3] Ende des 19. Jahrhunderts reichte sie laut Britannica von den Saulteaux in Saskatchewan bis zu den Kiowa in Texas.[2] In Oklahoma war der Sonnentanz nach der Oklahoma Historical Society ein Höhepunkt der Sommerlager von Cheyenne, Ponca und Kiowa; die südlichen Arapaho feierten ihn bei ihren Verwandten im Norden.[3]

Was bedeutet der Sonnentanz?

Der Sonnentanz ist nach der Encyclopedia of the Great Plains ein Opfer im gegenseitigen Austausch mit den geistigen Mächten, damit es Freunden, Familie und dem ganzen Volk gut geht. Er soll die Verwandtschaft mit allen Verwandten stiften und erhalten: mit anderen Menschen, mit Tieren und Pflanzen und mit den Wesen der Geisterwelt.[1] Die Cheyenne hielten ihn laut Oklahoma Historical Society jeden Sommer nach der Erneuerung der heiligen Pfeile, als Zeremonie der Welterneuerung mit Gebeten für das Wohl des Volkes und für die Mehrung seiner Lebensgrundlagen.[3]

Wer tanzte, tat das nach Britannica meist, um ein Gelübde zu erfüllen oder um geistige Kraft und Einsicht zu suchen.[2] Bei den Kiowa gelobte laut Oklahoma Historical Society ein Einzelner den Tanz, weil eine Vision ihn dazu drängte, und oft suchte der Tänzer selbst eine Vision.[3] Weil Visionen und Träume der wichtigsten Beteiligten die Zeremonie leiten, ist sie nach der Encyclopedia of the Great Plains von Nation zu Nation und von Mal zu Mal sehr verschieden.[1] Wie Visionen gesucht wurden und werden, beschreibt die Seite Visionssuche, Träume und Visionen.

Wie läuft ein Sonnentanz ab?

Eine Anleitung steht hier nicht. Hüter heiliger Bündel der Lakota, Dakota und Nakota, der Cheyenne und der Arapaho berieten 2003, wie sie Sonnentanz, Reinigungszeremonie und Visionssuche vor Missbrauch und Ausbeutung schützen können.[12]

Traditionell hielt laut Britannica jede Nation den Sonnentanz einmal im Jahr im späten Frühjahr oder Frühsommer ab, wenn sich nach dem langen Winter die Bisons sammelten; die großen Herden ernährten die Hunderte von Menschen, die zusammenkamen. Die aufwendigsten Formen verlangten von denen, die den Tanz gelobt hatten, bis zu einem Jahr Vorbereitung. Ihre geistigen Lehrer und ihre Großfamilien halfen dabei und brachten das Nötige auf, auch Geschenke für die Lehrer und die Leiter des Rituals, oft verzierte Kleidung, Pferde und Nahrung.[2] Bei den Ponca dauerte die Zeremonie laut Oklahoma Historical Society vier Tage mit Tanz, Fasten und Gebet, im Hochsommer, wenn der Mais Fäden trieb; auch die Cheyenne tanzten und fasteten vier Tage.[3]

Im Mittelpunkt steht ein heiliger Mittelpfahl. Arapaho, Cheyenne und Blackfoot tanzen nach der Encyclopedia of the Great Plains in einer Medizinhütte, deren Dachstangen von diesem Pfahl ausgehen. Die Lakota und Dakota, deren Form heute am bekanntesten und am weitesten verbreitet ist, bauen keine Hütte, sondern einen rituellen Kreis, der nach oben offen ist.[1] Die Tänzer begannen laut Britannica zu einer festgesetzten Stunde und tanzten mit Pausen mehrere Tage und Nächte, ohne zu essen und zu trinken.[2]

In manchen Nationen gehört ein Opfer durch Durchbohren der Haut dazu. Arapaho, Cheyenne, Blackfoot sowie Lakota und Dakota kennen es; Ute, Shoshone und Crow bringen ihr Opfer mit Fasten und intensivem Tanz, ohne Durchbohren.[1] Nach Britannica nahmen das Durchbohren nur die Entschlossensten auf sich, und auch das geschah für das Wohl des Volkes; in manchen Nationen galten solche Opfer dagegen als Selbstüberhebung.[2]

Kleine Bisonherde grast auf einer sommerlichen Prärie mit hohem Gras, dahinter sanfte Hügel im warmen Licht des späten Nachmittags
Bisons auf einer Prärie im Frühsommer Bild: KI-generiert

Sitting Bull und der Sonnentanz von 1876

Im Juni 1876, wenige Wochen vor der Schlacht am Little Bighorn, hielten Lakota und Cheyenne einen Sonnentanz ab, laut der Chronologie des National Park Service vom 4. bis 7. Juni bei den Deer Medicine Rocks, laut der Seite des NPS zu Sitting Bull Mitte Juni.[5, 6] Sitting Bull brachte dabei nach dem NPS ein Opfer seines eigenen Fleisches dar und blieb zwei Tage und zwei Nächte ohne Wasser. Er sah Soldaten zu Pferd kopfüber in das Lager fallen wie Heuschrecken; die Lakota deuteten das als baldigen großen Sieg über die Soldaten.[6] Der NPS schreibt auch, viele Menschen der Plains hätten in Sonnentänzen und Visionssuchen Führung gesucht, und Sitting Bull sei so auch zu einem spirituellen Anführer geworden.[6]

Warum wurde der Sonnentanz verboten?

Am 2. Dezember 1882 schrieb Innenminister Henry M. Teller an Hiram Price, den Commissioner of Indian Affairs. Die alten Tänze sollten aufhören, und wenn die Menschen in den Reservaten nicht freiwillig darauf verzichteten, sollten die Agenten der Regierung angewiesen werden, es zu erzwingen. Die Feste dienten nach seiner Meinung nicht dem geselligen Vergnügen, sondern stachelten die jungen Krieger zum Kampf an.[4]

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf etwas lenken, das ich für ein großes Hindernis für die Zivilisierung der Indianer halte, nämlich das Fortbestehen der alten heidnischen Tänze wie des Sonnentanzes, des Skalptanzes und so weiter.

Henry M. Teller, US-Innenminister, an Hiram Price, Schreiben vom 2. Dezember 1882, abgedruckt in den Rules Governing the Court of Indian Offenses vom 30. März 1883 Übersetzung der Redaktion[4]

Das Office of Indian Affairs unter Price arbeitete daraufhin die Rules Governing the Court of Indian Offenses aus, Regeln für Gerichte an den Agenturen der Reservate. Die gedruckte Fassung trägt das Datum 30. März 1883; der Innenminister billigte die Regeln am 10. April 1883.[4, 15] Regel 4 erklärte "sun-dance", "scalp-dance", "war-dance" und alle ähnlichen Feste zu "Indian offenses". Beim ersten Verstoß sollten die Verurteilten bis zu zehn Tage keine Rationen bekommen, bei jedem weiteren 15 bis 30 Tage keine Rationen oder bis zu 30 Tage Haft im Gefängnis der Agentur. Regel 6 stellte die üblichen Praktiken der sogenannten "medicine-men" unter Strafe.[4] Mehr dazu steht auf der Seite Medizinmann und Schamane.

Welches Jahr für das Verbot genannt wird, hängt von der Quelle ab. Die Chronologie des National Park Service zum Little Bighorn gibt für die Lakota den 10. April 1882 an: Damals habe die Regierung alle traditionellen Bräuche und religiösen Handlungen der Lakota verboten.[5] Der Commissioner of Indian Affairs berichtet 1883, der Innenminister habe die Regeln am 10. April gebilligt, nachdem Teller sie im Dezember 1882 angeregt hatte. Der Tag stimmt also mit dem NPS überein, das Jahr nicht.[15] Britannica und die Encyclopedia of the Great Plains nennen 1883. Nach Britannica handelte der Innenminister auf Rat von Mitarbeitern des Bureau of Indian Affairs und durfte das nach Bundesrecht entscheiden, ohne den Kongress oder die Betroffenen zu fragen; 1904 wurde das Verbot erneuert.[2, 7] Die National Indian Law Library weist darauf hin, dass es für den Code von 1883 und die späteren Vorschriften von 1884, 1894 und 1904 keine Ermächtigung durch den Kongress gab.[16] Wie die Behörden wenige Jahre später auf den Geistertanz reagierten, erzählt dessen eigene Seite.

Auch Kanada unterdrückte die Zeremonie. Der Indian Act von 1876 verbot mit seinen späteren Änderungen laut Encyclopedia of the Great Plains religiöse und kulturelle Bräuche wie den Sonnentanz und den Thirst Dance (Dursttanz); mehr Freiheit für Zeremonien brachte erst der Indian Act von 1951.[8] Mehr zu den Nationen nördlich der Grenze steht auf der Seite First Nations, Inuit und Métis in Kanada.

Wie überlebte der Sonnentanz das Verbot?

Die Regierungen der USA und Kanadas hielten die Zeremonie laut Encyclopedia of the Great Plains für Aberglauben statt für Religion. Manche Sonnentänze endeten im 19. Jahrhundert, darunter die der Kiowa, Comanche und Crow; andere gingen im Verborgenen weiter.[1] Bei den Cheyenne verschwand der Sonnentanz nach der Oklahoma Historical Society in den Untergrund und kam im 20. Jahrhundert wieder hervor. Den Sonnentanz der Kiowa im August 1890 brachen die Beteiligten nach Gerüchten über Armeepatrouillen ab; im September desselben Jahres fand ein Geistertanz statt, der für viele Jahre an die Stelle des Sonnentanzes trat. Den letzten Sonnentanz der Ponca gab es 1908.[3]

Während des Verbots lebten nach Britannica abgeschwächte Formen in mehreren Nationen weiter, meist als Teil öffentlicher Feiern zum 4. Juli. Die ursprünglichen Formen ließen sich nie ganz unterdrücken.[2] Die Crow erneuerten die Zeremonie 1941, indem sie die Form der Shoshone als ihre eigene annahmen.[1]

Wann endete das Verbot?

1934 gab der Commissioner of Indian Affairs John Collier ein Rundschreiben zur Religionsfreiheit heraus, das örtliche und regionale Verbote traditioneller Zeremonien in Frage stellte. Viele dieser Bräuche waren bis dahin im Verborgenen weitergeführt worden; nach der National Library of Medicine öffnete Colliers Aufruf den Weg für eine öffentliche Erneuerung, die indigene Heiler anführten.[9] Die Oklahoma Historical Society nennt den Titel des Rundschreibens, "Indian Religious Freedom and Indian Culture", und schreibt, damit habe die Politik der Unterdrückung geendet.[3]

Volle Freiheit, den Sonnentanz zu feiern, gab es nach der Encyclopedia of the Great Plains erst nach der Mitte des 20. Jahrhunderts.[1] Die Bibliothek der University of North Dakota schreibt, das Verbot religiöser Bräuche habe rechtlich bis 1978 fortbestanden.[4] Nach der National Indian Law Library wurde es erst durch den American Indian Religious Freedom Act von 1978 formell beseitigt.[16] Am 11. August 1978 machte der American Indian Religious Freedom Act es zur Politik der USA, das Recht der indigenen Völker zu schützen, ihre überlieferten Religionen zu glauben, auszudrücken und auszuüben, einschließlich des Zugangs zu heiligen Stätten, des Besitzes heiliger Gegenstände und der Freiheit, in Zeremonien und überlieferten Riten zu beten.[10]

Zeitleiste: Sonnentanz, Verbot und Erneuerung

Zeitleiste: Sonnentanz, Verbot und Erneuerung
  1. 04.06.1876Laut Chronologie des National Park Service halten Lakota und Cheyenne vom 4. bis 7. Juni bei den Deer Medicine Rocks einen Sonnentanz ab; Sitting Bull sieht in einer Vision Soldaten in das Lager fallen.[5] Sitting Bull
  2. 10.04.1882Laut Chronologie des National Park Service verbietet die Regierung alle traditionellen Bräuche und religiösen Handlungen der Lakota; Tag und Monat entsprechen der Billigung der Regeln am 10. April 1883, das Jahr weicht ab.[5, 15] Lakota
  3. 02.12.1882Innenminister Henry M. Teller verlangt, die alten Tänze wie Sonnentanz und Skalptanz zu beenden, notfalls mit Zwang.[4]
  4. 30.03.1883Die gedruckten Rules Governing the Court of Indian Offenses tragen dieses Datum; Regel 4 erklärt den Sonnentanz zum Vergehen, bestraft mit Entzug der Rationen oder Haft.[4]
  5. 10.04.1883Der Innenminister billigt die Regeln für die Courts of Indian Offenses.[15]
  6. August 1890Die Kiowa brechen ihren Sonnentanz nach Gerüchten über Armeepatrouillen ab; im September findet ein Geistertanz statt.[3] Geistertanz
  7. 1904Das Verbot des Sonnentanzes in den USA wird erneuert.[2]
  8. 1908Die Ponca halten ihren letzten Sonnentanz.[3]
  9. 1934Laut Oklahoma Historical Society beendet das Rundschreiben "Indian Religious Freedom and Indian Culture" von Commissioner John Collier die Politik der Unterdrückung.[3, 9]
  10. 1941Die Crow erneuern den Sonnentanz und übernehmen dafür die Form der Shoshone.[1] Crow (Apsáalooke)
  11. 1951Der neue Indian Act gibt den Nationen in Kanada mehr Freiheit für religiöse und kulturelle Zeremonien.[8]
  12. 11.08.1978Der American Indian Religious Freedom Act schützt die Ausübung der überlieferten Religionen und Zeremonien; nach der National Indian Law Library beseitigt er damit das Verbot von 1883 formell.[10, 16]
  13. 09.03.2003Nach einem Treffen in Eagle Butte lässt Arvol Looking Horse in der Mitte des Sonnentanzes nur noch indigene Menschen zu.[12]

Der Sonnentanz heute

Nach Britannica blieb der Sonnentanz im frühen 21. Jahrhundert ein wichtiges religiöses Ritual vieler Plains-Völker.[2] Für die Southern Ute ist er, einmal im Jahr im Hochsommer gehalten, die wichtigste spirituelle Zeremonie ihrer Überlieferung. 2026 war er für den 30. Juli bis 3. August angesetzt; Auskunft gibt die Abteilung für kulturelle Bewahrung der Nation (Cultural Preservation Department).[11]

Wer teilnehmen darf, entscheiden die Gemeinschaften selbst, und sie sind sich darin nicht einig. Am 8. und 9. März 2003 trafen sich im Kulturzentrum von Eagle Butte in South Dakota, mit der Cheyenne River Sioux Tribe als Gastgeberin, spirituelle Führer und Hüter heiliger Bündel der Lakota, Dakota und Nakota, der Cheyenne und der Arapaho. Sie sprachen über Missbrauch in Zeremonien, die Vermischung mit New-Age-Glauben und Geld für Zeremonien. Die Entscheidung überließen sie Arvol Looking Horse, dem Hüter der Heiligen Pfeife des Weißen Büffelkalbs in der 19. Generation. Er gab bekannt, dass vom 9. März 2003 an in der Mitte des Sonnentanzes nur noch indigene Menschen tanzen sollten.[12]

Die Ältesten des Afraid of Bear/American Horse Sun Dance in den Black Hills widersprachen in einer Antwort, die Indian Country Today im April 2003 abdruckte. Die Tiospaye, die ihren Sonnentanz tragen, seien in Fragen des Lebens und der Religion eigenständig, und die Ältesten, die den Tanz leiten, hätten nie Bedenken gegen nicht-indigene Tänzer geäußert, solange der Respekt gewahrt bleibe.[13]

Gegen Nachahmungen wandten sich Lakota schon früher. Auf dem Lakota Summit V, einem Treffen von Lakota, Dakota und Nakota aus den USA und Kanada, wurde am 10. Juni 1993 eine Erklärung gegen die Ausbeutung der Spiritualität der Lakota angenommen. Sie beklagt unter anderem "Sonnentänze" für Nicht-Indigene, die Scharlatane und Sektenführer als Nachahmung der heiligen Riten abhielten. Unterzeichnet haben sie Wilmer Stampede Mesteth (Oglala Lakota), Darrell Standing Elk (Sicangu Lakota) und Phyllis Swift Hawk (Kul Wicasa Lakota).[14]

Gewitterwolken türmen sich am Sommerabend über einer weiten Graslandschaft, die Sonne bricht seitlich durch und färbt das Gras golden
Sommergewitter über den Great Plains Bild: KI-generiert

Mythos und Wahrheit

Mehr zu Glaube und Zeremonien

Häufige Fragen

Was ist der Sonnentanz?

Der Sonnentanz (englisch Sun Dance) ist die wichtigste religiöse Zeremonie vieler Völker der Great Plains. Die Tänzer bringen ein Opfer, damit es Familie und Volk gut geht, und erfüllen damit oft ein Gelübde. Jede Nation feiert ihn auf eigene Weise.

Wie geht der Sonnentanz?

Den Ablauf bestimmt jede Nation selbst, und manche lassen Außenstehende nicht in die Mitte der Zeremonie. Allgemein bekannt ist: Er findet einmal im Jahr im späten Frühjahr oder Sommer statt, und wer ihn gelobt hat, tanzt mehrere Tage und Nächte, ohne zu essen und zu trinken. Eine Anleitung gibt es auf dieser Seite nicht.

Seit wann gibt es den Sonnentanz?

Das ist nicht sicher bekannt. Nach der Encyclopedia of the Great Plains entwickelte er sich bei den berittenen Bisonjägern der Plains im 18. und 19. Jahrhundert, nach der Oklahoma Historical Society verbreitete er sich irgendwann nach 1800. Die meisten Überlieferungen der Nationen verlegen seinen Ursprung in eine weit zurückliegende Zeit.

Wann wurde der Sonnentanz verboten?

Innenminister Henry M. Teller verlangte am 2. Dezember 1882 ein Ende der alten Tänze. Die Regeln für die Courts of Indian Offenses, die der Innenminister am 10. April 1883 billigte, stellten den Sonnentanz dann unter Strafe; die Chronologie des National Park Service nennt für die Lakota schon den 10. April 1882. Die Politik der Unterdrückung endete laut Oklahoma Historical Society 1934, rechtlich fiel das Verbot nach der National Indian Law Library erst mit dem American Indian Religious Freedom Act von 1978.

Welche Völker feiern den Sonnentanz?

Zum Kern gehören Arapaho, Cheyenne, Blackfoot sowie Lakota und Dakota. Von dort kam der Sonnentanz zu fast allen anderen Plains-Völkern, etwa zu Kiowa, Crow, Shoshone, Ute und Plains Cree.

Gibt es den Sonnentanz heute noch?

Ja. Viele Plains-Völker halten ihn bis heute, die Southern Ute zum Beispiel einmal im Jahr im Hochsommer. Die Crow erneuerten ihn 1941 mit der Form der Shoshone.

Dürfen Nicht-Indigene am Sonnentanz teilnehmen?

Das entscheiden die Gemeinschaften selbst, und sie sind sich nicht einig. Arvol Looking Horse, Hüter der Heiligen Pfeife des Weißen Büffelkalbs, ließ 2003 in der Mitte des Sonnentanzes nur noch indigene Menschen zu. Die Ältesten eines Sonnentanzes in den Black Hills widersprachen und hielten an ihrer offenen Praxis fest.

Quellen

  1. Nachschlagewerk Dale Stover: Sun Dance (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln, Hrsg. David J. Wishart. Stand 2011. abgerufen am 25.10.2026
  2. Nachschlagewerk Sun Dance. Encyclopaedia Britannica, Britannica Editors. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  3. Nachschlagewerk Gloria A. Young: Sun Dance. The Encyclopedia of Oklahoma History and Culture. Oklahoma Historical Society. Stand 15.01.2010. abgerufen am 25.10.2026
  4. Primärquelle Hiram Price: Rules Governing the Court of Indian Offenses, mit dem Schreiben von Henry M. Teller vom 2. Dezember 1882 (Transkription). Department of the Interior, Office of Indian Affairs; University of North Dakota Scholarly Commons. Stand 30.03.1883. abgerufen am 25.10.2026
  5. Amtliche Stelle A Chronology of the Battle of the Little Bighorn and Aftermath. National Park Service, Little Bighorn Battlefield National Monument. Stand 03.07.2025. abgerufen am 25.10.2026
  6. Amtliche Stelle Sitting Bull. National Park Service, Little Bighorn Battlefield National Monument. Stand 23.04.2025. abgerufen am 25.10.2026
  7. Nachschlagewerk Charles H. Lippy: Religion (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln, Hrsg. David J. Wishart. Stand 2011. abgerufen am 25.10.2026
  8. Nachschlagewerk Philip J. Deloria und Christopher K. Riggs: Native Americans. Encyclopedia of the Great Plains, University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 25.10.2026
  9. Amtliche Stelle 1934: Commissioner calls for religious freedom for American Indians (Ausstellung Native Voices, Zeitleiste). National Library of Medicine, National Institutes of Health. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  10. Gesetz und Vertrag 42 U.S. Code § 1996: Protection and preservation of traditional religions of Native Americans (American Indian Religious Freedom Act, Pub. L. 95-341, 11.08.1978). Legal Information Institute, Cornell Law School. Stand Gesetzestext. abgerufen am 25.10.2026
  11. Tribal Nation Sun Dance. Southern Ute Indian Tribe. Stand ohne Datum (Termin 2026). abgerufen am 25.10.2026
  12. Presse Arvol Looking Horse: Looking Horse Proclamation on the Protection of Ceremonies (vom 13. März 2003). Indian Country Today (ICT). Stand 25.04.2003. abgerufen am 25.10.2026
  13. Primärquelle Declaration of War Against Exploiters of Lakota Spirituality (Lakota Summit V, 10. Juni 1993), Abschrift auf der Seite von Raymond A. Bucko. Creighton University, Department of Sociology and Anthropology. Stand 25.04.2012. abgerufen am 25.10.2026
  14. Primärquelle Report of the Commissioner of Indian Affairs 1883, S. 10 bis 11 (Auszug, H.Ex.Doc. 1, Pt. 5, Vol. 2, Serial Set 2191). Government Printing Office; Abschrift University of Idaho Library. Stand 1883. abgerufen am 25.10.2026
  15. Civilization Regulations and Policy (Research Guides). National Indian Law Library, Native American Rights Fund. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026

Fehler entdeckt? Hinweis an die Redaktion. Jeder Hinweis wird an der Quelle geprüft.

Passt dazu

  • Indigene Völker NordamerikasVisionssuche, Träume und Visionen

    Die Visionssuche ist eine Zeremonie vieler indigener Völker Nordamerikas.

  • Indigene Völker NordamerikasAdlerfedern

    Adlerfedern haben für viele indigene Nationen einen heiligen Platz.

  • Indigene Völker NordamerikasFriedenspfeife (Kalumet)

    Die Friedenspfeife, englisch peace pipe, nennt der National Park Service eine Fehlbezeichnung.

  • WesternDie besten Western-Romane

    Welche Western-Romane gelten als die besten?