Indigene Völker NordamerikasVolk

Shoshone

Kurz erklärt Die Shoshone sind ein indigenes Volk aus dem Great Basin, Süd-Idaho und dem Westen Wyomings, das sich selbst Newe nennt, "die Menschen". Sie leben heute in mehreren Nationen, etwa in der Wind River Reservation in Wyoming, in der Fort Hall Reservation in Idaho, in Utah, Nevada und im Death Valley. Allein der Eastern Shoshone Tribe hat laut Bureau of Indian Affairs mehr als 3.900 Bürger.

Weites Beifußbecken vor den schneebedeckten Gipfeln der Wind River Range im warmen Licht der späten Nachmittagssonne
Bild: KI-generiert

Die Shoshone sind ein indigenes Volk des westlichen Nordamerika. Ihr Land reichte laut Britannica vom Südosten des heutigen Kalifornien über Nevada und den Nordwesten Utahs bis nach Süd-Idaho und in den Westen Wyomings.[8] Sich selbst nennen viele Shoshone Newe, "die Menschen".[2, 4, 7] Im Deutschen heißen sie oft auch Shoshonen oder "Shoshone-Indianer".

Eine gemeinsame Regierung aller Shoshone gibt es nicht. Die Vereinigten Staaten erkennen mehrere Nationen an, darunter den Eastern Shoshone Tribe in der Wind River Reservation in Wyoming, die Shoshone-Bannock Tribes in der Fort Hall Reservation in Idaho, die Northwestern Band of the Shoshone Nation in Utah und Idaho, Nationen der Western Shoshone in Nevada und den Timbisha Shoshone Tribe im Death Valley.[2, 5, 6, 23] Die Eastern Shoshone teilen ihr Reservat seit 1878 mit den Northern Arapaho.[13]

Zum Wort "Indianer" siehe Darf man "Indianer" sagen?, zu den Kulturräumen die Seiten Great Basin und Plateau und Plains.

Was bedeutet Shoshone, und wie nennen sie sich selbst?

Die Shoshone-Bannock Tribes sprechen auf ihrer Startseite von "our people (Newe)", unseren Leuten.[2] Die Northwestern Band schreibt, Shoshone, Paiute, Bannock und Ute seien miteinander verwandt und nennten sich Newe oder Neme, "die Menschen".[4] Auch die Encyclopedia of the Great Plains nennt Newe den gebräuchlicheren Begriff der Shoshone für sich selbst, und der Rundbrief des Eastern Shoshone Tribe heißt "Newe' News".[7, 27] Der Te-Moak Tribe of Western Shoshone schreibt, weiße Siedler hätten die Newe in den 1820er Jahren in Shoshone umbenannt.[22]

Für den Namen Shoshone nennt die Encyclopedia of the Great Plains eine Herkunft aus der eigenen Sprache: sosoni' ist die Mehrzahl von sonipe, einer hoch wachsenden Grasart. Mehrere Nationen der Plains sprachen von den "Grass House People", wohl nach den kegelförmigen Grashäusern im Great Basin. Schriftlich festgehalten wurde der Name 1805, als Meriwether Lewis von "Sosonees or snake Indians" schrieb.[7] Den alten Namen "Snake", Schlange, führt dieselbe Quelle auf die Zeichensprache zurück. Das Handzeichen, mit dem sich die Shoshone selbst bezeichneten, lasen die meisten als Schlange; bei den Shoshone meinte es den Lachs.[7] Die Northwestern Band erinnert an einen weiteren alten Namen: So-so-goi, "die zu Fuß gehen".[4]

Woher kommen die Shoshone?

Der Eastern Shoshone Tribe schreibt, er lebe seit unvordenklicher Zeit in seinem angestammten Land. Felsbilder im Dinwoody-Stil, Funde im Yellowstone-Nationalpark und Dörfer im Hochgebirge der Absaroka und der Wind River Mountains reichen nach seiner Darstellung mehr als 12.000 Jahre zurück.[1] Wie sich die Vorfahren der Shoshone, die Numa, über das Great Basin ausbreiteten, ist laut Encyclopedia of the Great Plains umstritten; als Ursprung gilt der Südwesten des Great Basin. Um 1500 hatten Shoshone die Rocky Mountains überquert, und um 1700 war eine Gruppe in die südlichen Plains gezogen, aus der die Comanche hervorgingen.[7] Britannica nennt die Comanche einen vergleichsweise jungen Ableger der Wind River Shoshone, der sich nach dem Erwerb von Pferden abspaltete.[8]

Die heutige Lage der Eastern Shoshone in Zentral-Wyoming ist laut derselben Enzyklopädie die Folge schwerer Kriege gegen Blackfeet, Crow und Assiniboine von 1780 bis 1825.[7] Die Bannock, mit denen die Northern Shoshone heute die Shoshone-Bannock Tribes bilden, stammen nach deren eigener Darstellung von Nördlichen Paiute ab. Diese zogen im 17. Jahrhundert aus Nevada und Utah nach Süd-Idaho und gingen mit den Shoshone auf Bisonjagd.[3]

Zu den ältesten Menschenfunden im Land der Shoshone gehört die Buhl-Frau. Straßenarbeiter fanden ihr Skelett 1989 in einem Steinbruch bei Buhl in Idaho. Nach einer Mitteilung des Idaho Transportation Department war die Frau 17 bis 21 Jahre alt. Die Radiokarbondatierung des Knochenkollagens ergab nach dem Archaeology Magazine 10.675 plus oder minus 95 Jahre vor heute (B.P.); eine kalibrierte Zahl nennt die Quelle nicht.[24, 35] Ein Team um Thomas J. Green untersuchte die Gebeine in Absprache mit den Shoshone-Bannock Tribes, bevor sie 1991 wieder bestattet wurden.[24] Mehr dazu steht auf der Seite Die ersten Menschen in Nordamerika.

Die Shoshone verteilten sich auf zwei Kulturräume. Britannica unterscheidet die Western Shoshone in Nevada, die Northern Shoshone in Nord-Utah und Idaho und die Wind River Shoshone im Westen Wyomings; die Comanche zählt sie als vierte Gruppe.[8] Nur die Eastern Shoshone übernahmen laut Encyclopedia of the Great Plains die Lebensweise der Plains.[7] Die übrigen Gruppen gehören zum Great Basin, das die Northwestern Band als raue Wüstenlandschaft beschreibt.[4]

Gesellschaft und Familie

Vor dem Kontakt mit Europäern lebten die Newe nach Darstellung der Northwestern Band in kleinen Großfamilien, die als halbnomadische Jäger und Sammler weit umherzogen. Pferde, Gewehre, die Weißen und Krankheiten zerstörten diese Ordnung, und es entstanden festere Gruppen mit eigener Zugehörigkeit.[4] Bei den Western Shoshone zog laut Britannica jede Familie den größten Teil des Jahres allein umher und kam nur kurz mit anderen zusammen, etwa zu Treibjagden auf Kaninchen und Gabelböcke oder zum Tanz.[8]

Die Eastern Shoshone teilten sich laut Encyclopedia of the Great Plains in zwei Gruppen: die Bisonesser (Guchundeka') in den Tälern von Green River und Wind River und die Schafesser (Dukundeka') in den Rocky Mountains und um den Yellowstone Lake. Der National Park Service schreibt den Namen der Schafesser Tukudika und nennt sie eine Band der Mountain Shoshone.[34] Geführt wurden sie von einem älteren Mann, der sich im Krieg ausgezeichnet hatte und als Träger übernatürlicher Kraft galt, dem daigwahni. Er lenkte die gemeinsamen Jagden und die Wanderungen; für Kriegszeiten wählte man einen eigenen Anführer. Zwei Männerbünde, die jungen Yellow Brows und die älteren Logs, bildeten im Kampf Spitze und Nachhut und wachten über die Ordnung, wenn alle beisammen waren.[7]

Die Arbeit war nach derselben Quelle fest verteilt. Frauen sammelten Pflanzen, zerlegten und verarbeiteten die Bisons, fertigten Tipis und Kleidung und versorgten die Kinder; Männer jagten, führten Krieg und trafen die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen.[7] Kinder lernten laut Northwestern Band früh, gastfreundlich zu sein: Ein Gast galt als müde, hungrig oder durchgefroren, wurde bewirtet und bekam beim Abschied ein Geschenk. Im Winter erzählten vor allem die Großeltern die Geschichten des Volkes.[4]

Wirtschaft und Ernährung

Die Shoshone-Bannock Tribes beschreiben ihre Vorfahren als Jäger und Sammler, die im Frühjahr und Sommer umherzogen und Vorräte für den Winter anlegten. Sie jagten, fischten vor allem Lachs und gruben Wurzeln wie die Camas-Knolle; der Bison war ihre wichtigste Quelle für Nahrung und Rohstoffe.[3] Nachdem im 18. Jahrhundert Pferde gekommen waren, ritten Hunderte aus verschiedenen Nationen Idahos gemeinsam nach Montana auf Bisonjagd. Die letzte große Jagd dieser Art fand 1864 statt.[3] Britannica hält es für wahrscheinlich, dass Wind River und Northern Shoshone schon um 1680 Pferde hatten.[8]

Bei den Eastern Shoshone machte Bisonfleisch im 18. Jahrhundert laut Encyclopedia of the Great Plains etwa die Hälfte der Nahrung aus, an zweiter Stelle stand Fisch. Dazu kamen Wapitis, Maultierhirsche, Biber, Hasen und Dickhornschafe, Beeren und Wurzeln, die in Erdöfen gegart wurden. Ende Juni und Anfang Juli fand bei Fort Bridger ein Handelstreffen mehrerer Nationen statt.[7]

Die Northwestern Shoshone folgten einem festen Jahreslauf. Im Frühherbst fingen sie Lachs in der Gegend des heutigen Salmon in Idaho, danach jagten sie im Westen Wyomings Bisons, Wapitis, Hirsche, Elche und Gabelböcke. Ende Oktober sammelten sie im Westen Utahs und in Nevada Pinienkerne. Den Winter verbrachten sie bei den heutigen Orten Franklin und Preston in Idaho, an einem Ort namens Moson Kahni, "Heim der Lungen", benannt nach den schwammartigen Felsen.[4]

Geflochtener Weidenkorb mit Pinienkernen neben Zweigen einer Pinyon-Kiefer auf einem Felsen im warmen Abendlicht
Pinienkerne und Zweige einer Pinyon-Kiefer, wie sie im Great Basin gesammelt werden Bild: KI-generiert

Weil Western Shoshone Wurzeln und Knollen ausgruben, wurden sie und andere Völker des Great Basin abwertend "Diggers", Gräber, genannt.[8] Die Northwestern Band schreibt, Rinder und Schafe der Siedler hätten die Täler im Norden Utahs kahl gefressen und viele Shoshone in den Hunger getrieben.[5]

Glaube

Der Glaube der Shoshone beruht laut Encyclopedia of the Great Plains auf einer übernatürlichen Kraft, boha, die ein Mensch vor allem durch Visionen und Träume erhält. Wer diese Kraft zum Heilen einsetzt, heißt boha gande und leitet auch gemeinsame Zeremonien, besonders die Rundtänze.[7] Die Northwestern Band beschreibt, dass ihre Vorfahren die Erde als Mutter ansahen, von der alles kam, was sie zum Leben brauchten.[4]

Später kamen zwei Bewegungen hinzu, die viele Nationen teilen. Den Sonnentanz brachte um 1800 ein Comanche namens Yellow Hand zu den Eastern Shoshone. Die Native American Church lehnten sie zunächst ab; Einfluss gewann sie erst, als Arapaho sie im frühen 20. Jahrhundert erneut einführten.[7]

Die Shoshone im 19. Jahrhundert

Im August 1805 suchte Meriwether Lewis mit drei Begleitern die Shoshone, um Pferde für den Weg über die Berge zu bekommen. Am 12. August überquerte er die kontinentale Wasserscheide am Lemhi Pass. Nachdem er die Shoshone getroffen und Pferde erworben hatte, zog die ganze Expedition am 26. August über den Pass.[26] Sacagawea, die mit der Lewis-und-Clark-Expedition reiste, war laut NPS eine Lemhi-Shoshone, die mit elf oder zwölf Jahren bei einem Überfall der Hidatsa verschleppt worden war. Ihre Anwesenheit half der Expedition, die Pferde zu bekommen.[18] Der Eastern Shoshone Tribe nennt den Anführer Cameahwait Sacagaweas Bruder.[1]

Ab etwa 1810 kamen Pelzhändler in das Land der Northwestern Shoshone, 1825 erreichte Etienne Provost das Tal des Großen Salzsees (siehe Pelzhandel).[5] Washakie, der um 1840 ein führender Anführer der Eastern Shoshone wurde, sah laut seiner Nation mit den Trecks auf dem Oregon Trail die weiße Besiedlung kommen und gewährte den Durchziehenden Schutz.[1] Am 24. Juli 1847 erreichten die ersten Mormonen unter Brigham Young das Salzseetal und begannen bald, auch den Norden Utahs zu besiedeln (siehe Mormon Trail).[4, 5]

Die Northwestern Shoshone hatten nach eigener Darstellung im frühen bis mittleren 19. Jahrhundert den größten Teil der Kultur der Plains übernommen und jagten zu Pferd. Als sich die Mormonen ansiedelten, gab es drei große Gruppen: rund 400 Menschen unter Little Soldier im Weber Valley, ähnlich viele unter Pocatello zwischen Grouse Creek und Bear River und etwa 450 unter Bear Hunter im Cache Valley am unteren Bear River. Bear Hunter galt als wichtigster Anführer der Northwestern Shoshone.[4, 5]

Zeitleiste: Shoshone
  1. 12.08.1805Meriwether Lewis überquert auf der Suche nach den Shoshone und ihren Pferden den Lemhi Pass.[26] Lewis-und-Clark-Expedition
  2. 26.08.1805Mit Pferden der Shoshone zieht die ganze Expedition von Lewis und Clark über den Lemhi Pass.[26] Lewis-und-Clark-Expedition
  3. 24.07.1847Die ersten Mormonen unter Brigham Young erreichen das Salzseetal.[5] Mormon Trail
  4. 29.01.1863Massaker am Bear River: Soldaten der California Volunteers unter Patrick Edward Connor greifen das Winterlager der Northwestern Shoshone unter Bear Hunter an; die Angaben zu den Toten reichen von 224 bis fast 500.[5, 14, 15, 17]
  5. 02.07.1863Erster Vertrag von Fort Bridger mit den Eastern Bands der Shoshone.[10]
  6. 30.07.1863Vertrag von Box Elder mit den Northwestern Bands der Shoshone.[11]
  7. 01.10.1863Vertrag von Ruby Valley mit den Western Bands der Shoshone.[12]
  8. 14.06.1867Ein Erlass von Präsident Andrew Johnson schafft das Fort Hall Reservation.[2]
  9. 03.07.1868Zweiter Vertrag von Fort Bridger: Reservate für Eastern Shoshone am Wind River und für die Bannock.[9]
  10. 1874Der Kongress bestätigt die Brunot Cession; die Eastern Shoshone geben etwa 700.000 Acres ab.[13]
  11. 1876Etwa 120 Shoshone reiten als Scouts mit General George Crook bis zur Schlacht am Rosebud.[13] Großer Sioux-Krieg
  12. 18.03.1878Die ersten Northern Arapaho treffen im Reservat am Wind River ein.[13]
  13. 1900Washakie, Anführer der Eastern Shoshone, stirbt.[1]
  14. 1937Die Verfassung der Shoshone-Bannock Tribes nach dem Indian Reorganization Act wird genehmigt.[2] Indian Reorganization Act
  15. 1983Der Timbisha Shoshone Tribe wird bundesweit anerkannt.[23] Death Valley
  16. 29.04.1987Die Northwestern Band of the Shoshone Nation wird als eigene Nation anerkannt.[5]
  17. 01.11.2000Der Timbisha Shoshone Homeland Act soll der Nation dauerhaft Land in ihrem angestammten Gebiet sichern.[23] Death Valley

Was geschah 1863 am Bear River?

Im Winter 1862/63 überfielen Shoshone unter Bear Hunter Siedler, Telegrafenarbeiter und Wagenzüge. Der NPS nennt als Hintergrund eine Reihe von Vorfällen zwischen Siedlern und Indigenen, etwa das Erhängen eines indigenen Jungen, den man für einen Pferdedieb hielt, obwohl ein englischer Einwanderer ihn verteidigte.[14] Die Nominierung des Ortes als National Historic Landmark beschreibt die Northwestern Shoshone als Menschen, die der Verlust ihrer Nahrungsquellen und ihrer Lebensweise in die Verzweiflung getrieben hatte.[15]

Im Januar 1863 zog Colonel Patrick Edward Connor mit Soldaten der California Volunteers von Camp Douglas (beim NPS auch Fort Douglas) in Utah durch tiefen Schnee nach Norden zum Lager von Bear Hunter beim heutigen Preston in Idaho.[15, 16] Am Morgen des 29. Januar 1863 griffen sie das Lager in der Schlucht des Battle Creek westlich des Bear River an. Laut NPS töteten die Soldaten die meisten Männer und dazu Frauen, Kinder und Alte; viele Frauen und Kinder nahmen sie gefangen.[16] Bear Hunter wurde gefangen genommen, gefoltert und getötet.[14]

Wie viele Shoshone starben, ist nicht sicher. Connor meldete 224 Leichen auf dem Feld, Lieutenant Colonel George S. Evans etwa 275. Überlebende nannten James D. Doty, dem Superintendenten für indigene Angelegenheiten im Utah-Territorium, 255 getötete Männer, Frauen und Kinder. Der Historiker Brigham D. Madsen hält mindestens 280 Tote für eine vernünftige Zahl.[15] Der NPS nennt rund 250 Tote, darunter etwa 90 Frauen und Kinder.[14] Die Northwestern Band spricht von etwa 350 Toten, auf der Seite ihres Projekts Wuda Ogwa von fast 500.[5, 17] Von den Soldaten starben laut Nominierung 14 sofort und sieben später an ihren Verwundungen.[15]

Die Nominierung von Edwin C. Bearss und Merle Wells aus dem Jahr 1990 nennt das Geschehen das blutigste Massaker an indigenen Menschen im Westen zwischen 1848 und 1891.[15] Der Ort ist laut der Liste des NPS seit dem 21. Juni 1990 ein National Historic Landmark.[30] Die Shoshone nennen den Ort Boa Ogoi. 2003 bekam die Northwestern Band 26 Acres des Geländes geschenkt, 2018 kaufte sie weiteres Land am Ort.[5, 17]

Verträge und Reservate

1863 schlossen die Vereinigten Staaten Verträge mit mehreren Gruppen der Shoshone. Der erste entstand am 2. Juli 1863 in Fort Bridger im Utah-Territorium mit den Eastern Bands. Die Shoshone sicherten zu, dass Auswandererwege, Telegrafen- und Postkutschenlinien und die geplante Eisenbahn ungestört bleiben. Dafür sollten sie 20 Jahre lang jedes Jahr Waren im Wert von 10.000 Dollar erhalten, als Ausgleich für das vertriebene Wild. Der Vertrag beschreibt ihr Land vom Tal des Snake River im Norden bis zum Yampa River und den Uinta Mountains im Süden.[10] Der Eastern Shoshone Tribe beziffert das Gebiet auf 44 Millionen Acres.[1]

Am 30. Juli 1863 unterschrieben die Northwestern Bands in Box Elder einen Vertrag mit General P. Edward Connor und James Duane Doty. Sie traten dem Vertrag von Fort Bridger bei und bekamen sofort Lebensmittel und Waren für 2.000 Dollar, weil der Krieg sie laut Vertragstext in völlige Not gebracht hatte.[11] Die Northwestern Band betont, dass sie darin kein Land abtrat.[5] Am 1. Oktober 1863 folgte in Ruby Valley in Nevada ein Vertrag mit den Western Bands. Er erlaubte Bergbau, Siedlungen und Ranches in ihrem Land und sah Reservate vor, wann immer der Präsident es für richtig hielt; als Ausgleich versprach er 20 Jahre lang jährlich 5.000 Dollar.[12] Fast ein Jahrhundert später bot die Regierung laut Te-Moak Tribe 26 Millionen Dollar Entschädigung an. Die Western Shoshone lehnten ab und verlangten ihr Land zurück.[22]

Der zweite Vertrag von Fort Bridger vom 3. Juli 1868 mit den Eastern Shoshone und den Bannock legte die Reservate fest. Artikel 2 beschreibt ein Gebiet am Wind River für die Shoshone und verspricht den Bannock ein eigenes Reservat in der Gegend von Portneuf und Kansas Prairie. Artikel 4 sichert das Recht, auf unbesetztem Land der USA zu jagen, solange es dort Wild gibt. Nach Artikel 11 gilt eine Abtretung von Gemeinschaftsland nur mit der Unterschrift der Mehrheit der erwachsenen Männer. Für die Shoshone unterschrieb als Erster Washakie.[9]

Washakie durfte nach Darstellung des Eastern Shoshone Tribe den Ort des Reservats selbst wählen und nahm das "Warm Valley", das Becken des Wind River, ein beliebtes Winterlager.[1] Die Größe des Reservats geben die Quellen verschieden an: rund 3,2 Millionen Acres laut WyoHistory, 4,4 Millionen laut der Nation.[1, 13] Mit der Brunot Cession, ausgehandelt 1872 und vom Kongress 1874 bestätigt, gaben die Eastern Shoshone etwa 700.000 Acres im Süden ab, darunter das Tal des Popo Agie und Gebiete bei South Pass.[13] Nach weiteren Abtretungen und der Aufteilung des Landes unter dem Dawes Act blieben laut Nation 2,2 Millionen Acres; die Encyclopedia of the Great Plains nennt 2.268.000 Acres.[1, 7]

Das Fort Hall Reservation in Idaho entstand laut Shoshone-Bannock Tribes durch einen Erlass von Präsident Andrew Johnson vom 14. Juni 1867; der Vertrag von 1868 bestätigte es als dauerhafte Heimat der Shoshone und Bannock. Es umfasste anfangs 1,8 Millionen Acres und wegen eines Vermessungsfehlers ab 1872 nur noch 1,2 Millionen; Gesetze und die Aufteilung in Parzellen verkleinerten es weiter.[2, 3] Heute umfasst es 544.000 Acres.[21]

Snake River mit Pappeln am Ufer in der weiten Ebene Süd-Idahos im Licht der tief stehenden Sonne
Der Snake River in der Ebene im Südosten Idahos Bild: KI-generiert

Im Großen Sioux-Krieg ritten 1876 etwa 120 Shoshone unter Wisha, Nawkee und Luishaw als Scouts mit General George Crook bis zur Schlacht am Rosebud, kurz vor der Schlacht am Little Bighorn.[13] Im Frühjahr 1878 kamen etwa 950 Northern Arapaho mit einer Eskorte der Armee in das Reservat am Wind River, obwohl beide Nationen noch vier Jahre zuvor gegeneinander gekämpft hatten. Am 18. März 1878 trafen die ersten 21 Zelte unter Black Coal ein. Die Shoshone waren nach dem Bericht ihres Agenten weiter dagegen, nahmen die Arapaho aber vorerst auf. Aus der vorläufigen Lösung wurde eine dauerhafte, und in den 1930er Jahren erhielt das Reservat den Namen Wind River Reservation.[13]

Die Shoshone heute

Die Liste des Bureau of Indian Affairs vom 30. Januar 2026 führt mehrere Shoshone-Nationen mit eigener Regierung.[6] Fünf Nationen mit Sitz und Zahl der Bürger, soweit eine Quelle sie nennt:

Shoshone-Nationen: offizielle Namen laut BIA-Liste 2026, Sitz und Bürger nach Herkunft der Angabe
Offizieller NameSitz und LandBürger
Eastern Shoshone Tribe of the Wind River Reservation, WyomingFort Washakie, Wind River Reservation, gemeinsam mit den Northern Arapahomehr als 3.900 laut BIA, ohne Jahr; die Website des Northern Arapaho Tribe nennt mehr als 4.216, ebenfalls ohne Jahr[6, 20, 25, 33]
Shoshone-Bannock Tribes of the Fort Hall ReservationFort Hall Reservation im Südosten Idahos, fünf Bezirkeetwa 5.900 laut Polizeiseite der Nation, mehr als 6.000 laut ihrer Startseite, beide ohne Jahr[2, 6, 21]
Northwestern Band of the Shoshone NationHauptsitz in Ogden (Utah), Büro in Pocatello (Idaho), Land bei Washakie in Utah[5, 31]454 im Januar 1995 laut Nation[5, 6]
Te-Moak Tribe of Western Shoshone Indians of Nevadavier Gruppen: Battle Mountain, Elko, South Fork und Wellskeine Angabe[6, 22]
Timbisha Shoshone TribeFurnace Creek im Death Valley National Park, Kalifornienkeine Angabe[6, 23]

Weitere Nationen der Western Shoshone führt die Liste als Duckwater Shoshone Tribe, Ely Shoshone Tribe of Nevada und Yomba Shoshone Tribe of the Yomba Reservation, Nevada; dazu kommen gemeinsame Nationen mit Paiute wie die Shoshone-Paiute Tribes of the Duck Valley Reservation, Nevada.[6] Britannica schätzt für das frühe 21. Jahrhundert rund 41.000 Nachfahren der vier Shoshone-Gruppen, die Comanche eingerechnet.[8]

Den Eastern Shoshone Tribe führt ein Business Council mit sechs Mitgliedern; Vorsitzender war laut der Seite der Nation vom Dezember 2024 Wayland Large.[25] Den Sitz Fort Washakie verzeichnet das Census Bureau bei 43,006905 Grad Nord und 108,920417 Grad West.[29] Die Shoshone-Bannock Tribes regiert der Fort Hall Business Council nach einer Verfassung, die 1937 unter dem Indian Reorganization Act genehmigt wurde. 97 Prozent des Reservatslandes gehören heute den Tribes oder einzelnen indigenen Eigentümern. Seit fünf Jahrzehnten arbeiten sie daran, den Snake River und seine Lachszüge wiederherzustellen, und fordern, die vier unteren Staudämme am Snake River zu entfernen.[2]

Die Northwestern Band ist seit dem 29. April 1987 als eigene Nation anerkannt. Im Sommer 1960 hatten Vertreter der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die Häuser der Siedlung Washakie niederbrennen lassen, weil sie den Ort irrtümlich für verlassen hielten; die Kirche gab der Gruppe später 184 Acres Land bei Washakie.[5] Am Bear River verwandelt die Nation heute Ackerland zurück in Feuchtgebiete und plant ein Kulturzentrum. Nach ihrer Schätzung kann das Projekt Wuda Ogwa dem Großen Salzsee jedes Jahr 13.000 Acre-Fuß Wasser zurückgeben.[17]

Die Timbisha Shoshone lebten laut NPS schon Jahrhunderte im Death Valley, bevor Weiße das Tal betraten.[28] Bundesweit anerkannt sind sie seit 1983. Seit 1936 lebten sie auf etwa 40 Acres bei Furnace Creek im heutigen Nationalpark; der Timbisha Shoshone Homeland Act vom 1. November 2000 sollte der Nation dauerhaft Land in ihrem angestammten Gebiet sichern.[23] Mehr dazu auf der Seite Death Valley.

Feuchtwiesen mit Schilf und Weiden an einem ruhigen Fluss in einem breiten Tal im Herbst, dahinter sanfte Berge
Feuchtgebiete an einem Fluss im Norden von Utah und Süden von Idaho Bild: KI-generiert

Die Sprache Shoshone gehört laut dem Eintrag der Encyclopedia of the Great Plains von 2011 zum numischen Zweig der uto-aztekischen Sprachfamilie und wird von etwa 5.000 Menschen in Nevada, Idaho und Wyoming gesprochen.[7] Britannica nennt die Dialekte so ähnlich, dass sich Sprecher von den entgegengesetzten Enden des Gebiets verstanden.[8]

Offizielle Websites: Eastern Shoshone Tribe, Shoshone-Bannock Tribes, Northwestern Band of the Shoshone Nation, Te-Moak Tribe of Western Shoshone.

Bekannte Persönlichkeiten

  • Washakie wurde laut Eastern Shoshone Tribe um 1840 ein führender Anführer der Shoshone und vertrat sie in den Verträgen mit den USA. Sein Name bedeutet nach derselben Quelle Rassel aus Rohhaut. Er starb 1900 und erhielt nach Angabe der Nation als einziger Native American volle militärische Ehren. Der Armeeposten am Wind River wurde in Fort Washakie umbenannt.[1]
  • Sacagawea, eine Lemhi-Shoshone, reiste 1805 und 1806 mit Lewis und Clark. Laut NPS starb sie vermutlich 1812 in Fort Manuel Lisa.[18] Der Eastern Shoshone Tribe schreibt dagegen, sie sei in späteren Jahren zu ihrem Volk zurückgekehrt, liege auf dem Friedhof bei Fort Washakie begraben und habe viele Nachfahren im Reservat.[1] Diese Fassung vertrat vor allem die Historikerin Grace Raymond Hebard; die meisten Fachleute halten laut WyoHistory den Tod im Jahr 1812 für weit besser belegt.[19] Die Überlieferung der Mandan, Hidatsa and Arikara Nation nennt einen Tod 1869 nach einem Überfall bei Wolf Point in Montana und ein Grab bei Fort Buford.[32]
  • Bear Hunter führte die Northwestern Shoshone im Cache Valley und wurde 1863 beim Massaker am Bear River getötet.[4, 14]
  • Pocatello führte eine Gruppe der Northwestern Shoshone und zog laut Northwestern Band oft zur Bisonjagd nach Wyoming; sein Land beschreibt der Vertrag von Box Elder zwischen dem Raft River und den Portneuf Mountains.[5, 11]

Weitere Lebensläufe stehen in der Liste Bekannte indigene Persönlichkeiten.

Häufige Fragen

Wie nennen sich die Shoshone selbst?

Viele Shoshone nennen sich Newe, "die Menschen". So schreiben es die Shoshone-Bannock Tribes und die Northwestern Band of the Shoshone Nation, die auch die Form Neme nennt. Der Rundbrief des Eastern Shoshone Tribe heißt "Newe' News".

Was bedeutet der Name Shoshone?

Laut Encyclopedia of the Great Plains kommt er vom Shoshone-Wort sosoni', der Mehrzahl von sonipe, einer hoch wachsenden Grasart. Schriftlich festgehalten wurde der Name 1805 von Meriwether Lewis. Der ältere Name "Snake" geht auf ein Handzeichen zurück, das bei den Shoshone selbst den Lachs meinte.

Gibt es die Shoshone heute noch?

Ja. Die Vereinigten Staaten erkennen mehrere Shoshone-Nationen an, darunter den Eastern Shoshone Tribe in Wyoming, die Shoshone-Bannock Tribes in Idaho, die Northwestern Band of the Shoshone Nation, den Te-Moak Tribe of Western Shoshone in Nevada und den Timbisha Shoshone Tribe im Death Valley.

Wo leben die Shoshone heute?

Die Eastern Shoshone leben mit den Northern Arapaho in der Wind River Reservation in Wyoming, die Shoshone-Bannock Tribes in der Fort Hall Reservation im Südosten Idahos. Die Northwestern Band hat ihren Hauptsitz in Ogden und ein Büro in Pocatello, die Western Shoshone leben in mehreren Reservaten und Colonies in Nevada.

Was geschah 1863 am Bear River?

Am 29. Januar 1863 griffen Soldaten der California Volunteers unter Colonel Patrick Edward Connor ein Winterlager der Northwestern Shoshone beim heutigen Preston in Idaho an. Die Angaben zu den Toten reichen von 224 Leichen in Connors Bericht bis zu fast 500 nach der Northwestern Band; der NPS nennt rund 250.

Sind Shoshone und Comanche verwandt?

Ja. Laut Encyclopedia of the Great Plains zog um 1700 eine Gruppe der Shoshone in die südlichen Plains und wurde zu den Comanche. Britannica nennt die Comanche einen jungen Ableger der Wind River Shoshone, der sich nach dem Erwerb von Pferden abspaltete.

Wo ist Sacagawea begraben?

Darüber gibt es mehrere Überlieferungen. Der Eastern Shoshone Tribe schreibt, sie liege auf dem Friedhof bei Fort Washakie in der Wind River Reservation. Die meisten Fachleute halten laut WyoHistory einen Tod im Jahr 1812 in Fort Manuel Lisa am Missouri für weit besser belegt. Das Sacagawea Project Board der Mandan, Hidatsa and Arikara Nation überliefert einen Tod 1869 und ein Grab bei Fort Buford.

Quellen

  1. Tribal Nation About: the Shoshone Tribe, The Reservation, Chief Washakie, Sacajawea. Eastern Shoshone Tribe. Stand 06.11.2024. abgerufen am 25.10.2026
  2. Tribal Nation Shoshone-Bannock Tribes (Startseite). Shoshone-Bannock Tribes. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  3. Tribal Nation About. Shoshone-Bannock Tribes. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  4. Tribal Nation About. Northwestern Band of the Shoshone Nation. Stand 17.10.2025. abgerufen am 25.10.2026
  5. Tribal Nation History. Northwestern Band of the Shoshone Nation. Stand 19.07.2024. abgerufen am 25.10.2026
  6. Amtliche Stelle Indian Entities Recognized by and Eligible To Receive Services From the United States Bureau of Indian Affairs, 91 FR 4102. Bureau of Indian Affairs, U.S. Department of the Interior (Federal Register). Stand 30.01.2026. abgerufen am 25.10.2026
  7. Nachschlagewerk Christopher Loether: Shoshones. Encyclopedia of the Great Plains, University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 25.10.2026
  8. Nachschlagewerk Shoshone. Encyclopaedia Britannica, Britannica Editors. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  9. Gesetz und Vertrag Fort Bridger Treaty of 1868 (Treaty with the Eastern Band Shoshoni and Bannock, 15 Stat. 673, Abschrift nach Kappler). Eastern Shoshone Tribe. Stand 20.12.2022. abgerufen am 25.10.2026
  10. Gesetz und Vertrag Treaty with the Eastern Shoshoni, 1863 (18 Stats. 685), Text nach Kappler. Tribal Treaties Database, Oklahoma State University Libraries. Stand 02.07.1863. abgerufen am 25.10.2026
  11. Gesetz und Vertrag Treaty with the Shoshoni-Northwestern Bands, 1863 (13 Stats. 663), Text nach Kappler. Tribal Treaties Database, Oklahoma State University Libraries. Stand 30.07.1863. abgerufen am 25.10.2026
  12. Gesetz und Vertrag Treaty with the Western Shoshoni, 1863 (Ruby Valley, 18 Stats. 689), Text nach Kappler. Tribal Treaties Database, Oklahoma State University Libraries. Stand 01.10.1863. abgerufen am 25.10.2026
  13. Nachschlagewerk The Arapaho Arrive: Two Nations on One Reservation. WyoHistory.org, Wyoming State Historical Society. Stand 23.06.2018. abgerufen am 25.10.2026
  14. Amtliche Stelle Bear Hunter. National Park Service. Stand 14.09.2017. abgerufen am 25.10.2026
  15. Amtliche Stelle Battle Detail: Bear River (The Civil War, Kennung ID001). National Park Service. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  16. Tribal Nation Wuda Ogwa Land Restoration and Cultural Interpretive Center. Northwestern Band of the Shoshone Nation. Stand 20.08.2026. abgerufen am 25.10.2026
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