Indigene Völker NordamerikasVolk
Tohono O'odham
Kurz erklärt Die Tohono O'odham, das "Wüstenvolk", leben laut ihrer Nation seit Tausenden von Jahren in der Sonora-Wüste im Süden Arizonas und im Norden Mexikos. Bis 1986 hieß ihre Nation Papago Tribe. Die Tohono O'odham Nation mit Sitz in Sells nennt auf ihrer Website rund 28.000 Mitglieder, eine Übersicht der Nation vom Juni 2026 mehr als 37.000; etwa 3.000 leben in Sonora.

Die Tohono O'odham sind eine indigene Nation der Sonora-Wüste. Ihr Land reichte einst vom Golf von Kalifornien bis zum San Pedro River und von Sonora bis nördlich von Phoenix; seit dem Gadsden-Kauf verläuft die Grenze zwischen den USA und Mexiko mitten hindurch.[1] Die Tohono O'odham Nation im Süden Arizonas besitzt 2,8 Millionen Acres Land in vier getrennten Teilen und ist nach eigenen Angaben das zweitgrößte Reservat in Arizona.[2] Eine Übersicht der Nation vom Juni 2026 nennt es das zweitgrößte der USA; nach der Landfläche im Verzeichnis des U.S. Census Bureau steht es allerdings hinter der Navajo Nation und dem Uintah and Ouray Reservation an dritter Stelle.[4, 20] Bis 1986 hieß sie Papago Tribe, im Deutschen ist auch von "Papago-Indianern" die Rede.[2]
Zum Wort "Indianer" siehe Darf man "Indianer" sagen?, zum Kulturraum die Seite Südwesten.
Was bedeutet Tohono O'odham?
O'odham bedeutet "Menschen" oder "Volk". Nach dem Historiker Karl Jacoby unterschieden die O'odham unter sich drei Gruppen nach Land und Lebensweise: die Akimel O'odham ("Flussvolk"), die am Gila River große bewässerte Felder mit Mais, Kürbissen und Bohnen bestellten, die Hia-Ced O'odham ("Sandvolk"), die in den trockensten Teilen der Sonora-Wüste jagten und sammelten, und dazwischen die Tohono O'odham ("Wüstenvolk"), die Feldbau und Sammeln verbanden. Ihre Mundarten waren gegenseitig verständlich.[12] Alle Gruppen sprechen laut Nation bis heute O'odham, eine Sprache der uto-aztekischen Familie; Britannica nennt sie eine Mundart des Piman.[1, 11]
Spanier, Mexikaner und später Amerikaner nannten die Akimel O'odham Pima und die Tohono O'odham Papago. Jacoby hält beide Namen für mögliche Missverständnisse: Pima gehe vielleicht auf pi ha'icu ("nichts") zurück, Papago auf Babawï oodham ("Bohnenesser").[12] Papago war bis 1986 der amtliche Name der Nation.[2] Das Gesetz zur Neuordnung der indigenen Angelegenheiten von 1934 spricht vom "Papago Tribe" und von der "Papago Indian Reservation".[17] 1937 gab sich der Papago Tribe seine erste Verfassung, 1986 eine neue, mit der er den Namen Tohono O'odham Nation annahm.[2, 3]
Mythos und Wahrheit
Mythos
Papago sei der eigentliche Name des Volkes und Tohono O'odham nur eine neue Bezeichnung.
Was belegt ist
Papago war laut Karl Jacoby der Name, den Spanier, Mexikaner und Amerikaner benutzten, vielleicht eine falsche Wiedergabe von Babawï oodham ("Bohnenesser"). Die Menschen selbst nannten sich O'odham. Den amtlichen Namen Papago Tribe legte die Nation 1986 mit ihrer neuen Verfassung ab.[12, 2]
Auch viele Ortsnamen der Region stammen aus dem O'odham. Tucson geht laut Jacoby auf Cuk Ṣon zurück, englisch "Black Base", Arizona auf 'Al Ṣonag, den "Ort der kleinen Quelle".[12]
Woher kommen die Tohono O'odham?
Die Nation verbindet ihren Ursprung mit der Sonora-Wüste. Als ihre Vorfahren nennt sie die Hohokam, die sich vor Tausenden von Jahren an Salt River, Gila River und Santa Cruz River niederließen. Sie bauten Kanäle, um Baumwolle, Tabak, Mais, Bohnen und Kürbis zu bewässern, legten Ballspielplätze und große Erdhügel für Zeremonien an und hinterließen rot auf hellbraun bemalte Keramik sowie Schmuck aus Stein, Muschel und Ton.[1] Mehr zu den Hohokam steht auf der Seite Südwesten. Jacoby nennt die Vorfahren Huhugam und schreibt, sie hätten ihre bewässerten Dörfer irgendwann im 15. Jahrhundert verlassen; die O'odham stammten wahrscheinlich von ihnen ab.[12]
Das Land der O'odham hieß Papagueria. Es reichte nach Angaben der Nation im Süden bis Sonora, im Norden bis knapp über Phoenix, im Westen bis zum Golf von Kalifornien und im Osten bis zum San Pedro River, und die O'odham lebten dort seit Tausenden von Jahren.[1] Britannica beschreibt die Tohono O'odham als Volk, das in den Wüsten des heutigen Arizona und im Norden von Sonora lebte und den Akimel O'odham im Norden kulturell nahesteht.[11]
Gesellschaft und Familie
Ein gemeinsames Oberhaupt aller Dörfer gab es lange nicht. Weil die Familien mit den Jahreszeiten umzogen und ihre Felder weit verstreut lagen, brauchten die Tohono O'odham laut Britannica weder große Dörfer noch eine politische Einheit der ganzen Nation. Die größte Einheit war wohl eine Gruppe verwandter Dörfer; ein Dorf bestand aus mehreren Familien, die über die Väter miteinander verwandt waren.[11] Auch Jacoby schreibt, die politische Ordnung der O'odham sei selten über das einzelne Dorf hinausgegangen.[12]
Um das Bündnis gegen die Apachen zu festigen, wurde 1865 vorgeschlagen, einem "Oberhäuptling" 500 Dollar im Jahr und vier Unterführern je 350 Dollar zu zahlen; die Weißen wählten dafür Many Dresses aus dem Dorf Atchi aus.[13] Heute gliedert sich die Nation in elf Distrikte, jeder mit Vorsitz, Stellvertretung, Schriftführung und Kasse.[9]
Wie Wissen weitergegeben wird, beschreibt die Nation so: Es beginnt zu Hause, wenn Eltern ihren kleinen Kindern in den frühen Morgenstunden Lehren für das Leben wiederholen. In kalten Winternächten erzählen Großeltern und andere Älteste Geschichten, die die Werte des Volkes weitergeben.[2]
Wirtschaft und Ernährung
Das Land der Tohono O'odham ist trockener als das der Akimel O'odham am Gila. Ackerbau war deshalb schwieriger, und Wildpflanzen hatten mehr Gewicht. Britannica beschreibt einen Wechsel mit den Jahreszeiten: Im Sommer lebten die Familien in "Felddörfern", im Winter in "Brunnendörfern".[11] Die Nation spricht von Häusern in den Tälern und kühleren Wohnplätzen in den Bergen.[1]
Statt Wasser zu speichern, nutzten die Tohono O'odham laut Britannica die Sturzfluten. Nach den ersten Regenfällen säten sie auf den Schwemmfächern am Ausgang der Trockentäler, bis wohin das Wasser nach einem Gewitter reichte. Weil die Fluten heftig sein konnten, legten sie die Saat 10 bis 15 Zentimeter tief in den Boden. Männer bauten Becken, Gräben und Dämme, um das abfließende Wasser zu bremsen und aufzustauen; Frauen sammelten die Wildpflanzen.[11]

Auf den Feldern wuchsen nach Angaben der Nation Tepary-Bohnen, Kürbis, Melonen und Zuckerrohr. Gesammelt wurden die Früchte des Saguaro, Knospen der Cholla-Kakteen und die Schoten des Mesquite-Strauchs; gejagt wurden Hirsche, Hasen und Pekaris. Den Zeitpunkt für Aussaat, Ernte und Zeremonien bestimmten die O'odham nach der Beobachtung des Wetters.[1]
Im 19. Jahrhundert arbeiteten viele O'odham laut dem Ethnologen Edward H. Spicer zur Erntezeit bei mexikanischen Bauern im Altar-Tal in Sonora. Nach dem Gadsden-Kauf suchten Amerikaner im Land der O'odham nach Erzen; in Ajo entstand eine der ergiebigsten Kupferminen der Welt, und Quijotoa war 1884 eine Bergbaustadt mit 10.000 Einwohnern, wenige Jahre später eine Geisterstadt. Viehzüchter besetzten Wasserstellen, 1885 ist der erste Kampf um ein Wasserloch belegt.[13]
Heute nennt die Nation die Einnahmen aus dem Glücksspiel als wichtige Grundlage für Gesundheit, Polizei, Bildung und Arbeitsplätze; ihren ersten Glücksspielvertrag mit dem Staat Arizona schloss sie 1993.[3, 4]
Glaube
Auf dem Großen Siegel der Nation steht der heilige Berg Baboquivari Peak, nach Angaben der Nation die Heimat von I'itoi.[2] Mitglieder der Nation pilgern bis heute zu Fuß aus der Wüste an den Golf von Kalifornien, um Salz und Muscheln zu sammeln und an den heiligen Wassern zu beten. Die Quitobaquito Springs im heutigen Organ Pipe Cactus National Monument waren laut Nation eine Station auf diesem Weg.[4] Viele Zeremonien folgen dem Jahreslauf, den die O'odham aus dem Wetter ableiteten.[1]
Ihre Geschichte hielten die O'odham auf Kalenderstäben fest. Das waren laut Jacoby Rippen des Saguaro mit eingeritzten Zeichen, die den Hütern halfen, sich an die Ereignisse Jahr für Jahr zu erinnern. Ein Jahr reichte von einer sommerlichen Regenzeit zur nächsten.[12] Die Nation nennt ihre eigene Zeitleiste von 1535 bis 2007 Calendar Stick.[3]
Den christlichen Glauben brachte der Jesuit Eusebio Francisco Kino, der 1687 nach Sonora kam, zu Tohono O'odham und Akimel O'odham, dazu Weizen, Vieh, Obst und Werkzeug aus Metall.[3] Im 20. Jahrhundert gründeten Franziskaner und Presbyterianer Kirchen im Reservat; um die Mitte der 1920er Jahre waren laut Spicer viele Dörfer westlich der Baboquivari Mountains in katholische und presbyterianische Familien gespalten.[13] Die Missionskirche in San Xavier ist laut National Park Service bis heute eine Pfarrkirche.[16]
Die Tohono O'odham vom 17. bis 19. Jahrhundert
Missionen und spanische Herrschaft
Seit dem frühen 18. Jahrhundert sahen die O'odham ihr Land nach eigener Darstellung von fremden Regierungen besetzt.[1] Kino baute bis zu seinem Tod 1711 Missionen auf.[3] Die Mission San Xavier del Bac gründete er laut National Park Service 1692 im O'odham-Dorf Wa:k; die Zeitleiste der Nation nennt das Jahr 1700.[3, 16] Zur Mission im nahen Tumacácori und zu den übrigen Missionen der Spanier siehe Spanische Missionen. Die heutige weiße Kirche von San Xavier bauten Franziskaner von 1783 bis 1797.[16]

1751 erhoben sich Teile der Pimería Alta gegen die Spanier. Anführer war laut Spicer Luís Oacpicagigua aus Saric, unter seinen Verbündeten war der Papago-Anführer Javanino; mehr als hundert Spanier wurden getötet.[13] Bis 1800 hatten sich die O'odham nach und nach vom San Pedro River nach Westen zurückgezogen, nach 1810 wurden die Überfälle der Apachen häufiger, und 1848 wurde die Festung Tubac aufgegeben.[13]
Der Gadsden-Kauf teilt das Land
Mit der Unabhängigkeit Mexikos kamen die O'odham unter mexikanische Herrschaft.[1] Der Gadsden-Kauf, den die Nation auf 1853 datiert und der im Juni 1854 abgeschlossen war, teilte das Land der O'odham fast in zwei Hälften zwischen den USA und Mexiko.[1, 5] Die USA sagten zu, die Landrechte der mexikanischen Bürger zu achten, zu denen die O'odham zählten. Zunächst merkten die O'odham davon wenig, denn niemand hatte ihnen gesagt, dass ihr Land verkauft worden war, und die Grenze wurde kaum überwacht.[1] Nach Spicer lebten nach der Vermessung der Grenze 1858 mindestens drei Viertel der verbliebenen O'odham in den USA.[13]
In den USA wurden die Tohono O'odham Verbündete gegen die Apachen, deren Kriege die Seite Apachenkriege beschreibt. 1865 sagten die O'odham von San Xavier zu, eine Truppe von 150 berittenen Kämpfern zu stellen, die mit den Amerikanern Überfälle der Apachen abwehren oder vergelten sollte.[13] Die Western Apache wiederum überfielen laut HistoryNet seit Generationen O'odham, Spanier, Mexikaner und schließlich Amerikaner; schon die Spanier an der Mission San Xavier hatten die O'odham als Schutz gegen die Apachen eingesetzt.[14]
Das Camp-Grant-Massaker 1871
Beim Camp-Grant-Massaker am 30. April 1871 überfiel eine Truppe aus Tucson und San Xavier vor Sonnenaufgang ein Lager von Aravaipa und Pinal bachaufwärts des Armeepostens Camp Grant. Geplant hatte den Angriff das Tucson Committee of Public Safety, die Weißen führte William Sanders Oury, die Mexikaner Jesús María Elías. Der Ausschuss gewann den Anführer Francisco Galerita in San Xavier, der die O'odham überzeugen sollte, die die Apachen seit Langem als Feinde sahen.[14]
Wie viele Männer aufbrachen, zählen die Quellen verschieden: HistoryNet nennt 92 O'odham, mindestens 42 Mexikaner und sechs Weiße, Britannica nach der üblichen Zählung 94 Tohono O'odham, 48 Mexikanoamerikaner und 6 weiße Amerikaner, zusammen etwa 150.[14, 15] Getötet wurden nach HistoryNet 85 bis 144 Menschen, nur acht davon Männer; Britannica spricht von mehr als hundert Toten, vor allem Frauen, Kindern und Alten. Fast 30 Kinder verschleppten die Angreifer; ein Teil blieb in Haushalten in Tucson, die übrigen wurden in Sonora in die Sklaverei verkauft.[14, 15]
Die O'odham waren die größte Gruppe der Angreifer. HistoryNet betont aber, ohne die Planung und den Einfluss der Weißen und Mexikaner hätte es den Angriff nicht gegeben, und Darstellungen, die nur die Zahl der O'odham herausstellen, verzerrten das Geschehen.[14] Die Anklage richtete sich gegen 100 Beschuldigte, viele nur als "Indians of San Xavier del Bac" aufgeführt, wegen Mordes an 108 Apachen. Nach 19 Minuten Beratung sprach die Jury in Tucson alle frei.[14]
Laut Spicer konnte ein Chronist der O'odham in San Xavier erst 1875 berichten, dass die Gefahr durch die Apachen vorüber war.[13] In Sonora gerieten in den Jahren bis 1908 auch O'odham in die Deportationen, mit denen die mexikanische Regierung vor allem die Yaqui nach Yucatán und Oaxaca verschleppte: Spicer nennt neben Mayo und Opata ausdrücklich "Papagos".[19]
- 1692Der Jesuit Eusebio Francisco Kino gründet die Mission San Xavier del Bac im O'odham-Dorf Wa:k (laut Nation 1700).[16, 3]
- 1751Aufstand in der Pimería Alta unter Luís Oacpicagigua; der Papago-Anführer Javanino schließt sich an.[13]
- 1783Franziskaner beginnen den Bau der heutigen Kirche von San Xavier, fertig 1797.[16, 3]
- Juni 1854Der Gadsden-Kauf ist abgeschlossen; die neue Grenze teilt das Land der O'odham fast in zwei Hälften.[5, 1]
- 1865Die O'odham von San Xavier sagen zu, 150 berittene Kämpfer gegen Überfälle der Apachen zu stellen.[13] Apachenkriege
- 30.04.1871Beim Camp-Grant-Massaker stellen O'odham aus San Xavier die meisten Angreifer; Männer aus Tucson planten den Überfall.[14, 15] Camp-Grant-Massaker
- 1874Eine Anordnung des Präsidenten schafft das Reservat San Xavier mit 69.200 Acres.[13]
- 1882Ein kleines Reservat bei Gila Bend kommt hinzu (nach Spicer 1884).[3, 13]
- 01.02.1917Eine Anordnung des Präsidenten schafft die Papago Indian Reservation (nach Spicer eingerichtet 1918).[17, 13]
- 18.06.1934Der Indian Reorganization Act öffnet das Land der Papago wieder für den Bergbau und regelt Entschädigungen.[17] Indian Reorganization Act
- 1937Die erste Verfassung des Papago Tribe wird genehmigt.[2, 3]
- 1986Mit einer neuen Verfassung wird aus dem Papago Tribe die Tohono O'odham Nation.[2, 3]
- August 2026Ein Bundesrichter lehnt den Eilantrag der Nation gegen den Mauerbau ab und verlangt Beratungen mit der Nation.[21]
- 16.06.2026Die Nation klagt gegen die Regierung der USA, um eine Grenzmauer auf ihrem Land zu verhindern.[5]
Verträge und Reservat
Nach Spicer haben die Tohono O'odham nie einen Vertrag mit den USA geschlossen; er erklärt das damit, dass sie auf der Seite der Amerikaner gekämpft hatten. Ohne Vertrag hatten sie keinen förmlichen Schutz gegen Siedler.[13] 1874 schuf eine Anordnung des Präsidenten ein Reservat von 69.200 Acres um die Mission San Xavier, Ein kleines Gebiet bei Gila Bend kam hinzu, nach der Zeitleiste der Nation 1882, nach Spicer 1884.[3, 13] Der größte Teil des Landes zwischen Santa Cruz River und Gila Bend blieb für Siedler offen. In den folgenden fünfzig Jahren lebten laut Spicer von geschätzt rund 5.000 Tohono O'odham höchstens 400 bis 500 in den beiden Reservaten.[13]
Das Hauptreservat entstand erst im 20. Jahrhundert. Dem Text des Gesetzes von 1934 nach schuf es eine Anordnung des Präsidenten vom 1. Februar 1917 die Papago Indian Reservation; Spicer schreibt, das Reservat sei 1917 vorgeschlagen und 1918 mit zwei Millionen Acres eingerichtet worden.[17, 13] Die Rechte an Bodenschätzen blieben ausgenommen, und ein Streifen in der Mitte gehörte erst ab 1931 dazu.[13] In Sells entstand eine Indianeragentur.[13]
Der Indian Reorganization Act vom 18. Juni 1934 hob eine Anordnung vom 28. Oktober 1932 auf, die das Land der Papago für den Bergbau gesperrt hatte, und öffnete es wieder für Schürfer. Für verlorene Verbesserungen sollte der Papago Tribe Schadenersatz erhalten, für genutztes Land höchstens fünf Cent je Acre im Jahr.[17] 1937 genehmigte das Innenministerium die Verfassung des Papago Tribe, 1978 kam Florence Village zur Nation.[2, 3]
| Landteil | Lage | Fläche |
|---|---|---|
| Hauptteil mit Sells | südlich von Casa Grande bis zur Grenze nach Mexiko, in den Countys Pinal, Pima und Maricopa | mehr als 2,7 Millionen Acres[2] |
| San Xavier | südlich von Tucson | 71.095 Acres[2] |
| San Lucy | bei Gila Bend | kleinerer Landteil[2] |
| Florence Village | bei Florence | kleinerer Landteil[2] |
Zusammen umfasst das Land laut Nation 2,8 Millionen Acres oder 4.460 Quadratmeilen, etwa die Größe von Connecticut; das U.S. Census Bureau gibt 4.453,718 Quadratmeilen Landfläche an.[2, 20]
Die Tohono O'odham heute
Die Liste des Bureau of Indian Affairs vom 30. Januar 2026 führt die Nation als Tohono O'odham Nation of Arizona.[10] Ihre Regierung sitzt in Sells, der größten Gemeinde, die im Ortsverzeichnis des U.S. Census Bureau als Sells CDP steht.[2, 18] Die Verfassung von 1986 teilt die Gewalten auf Exekutive mit Vorsitz und stellvertretendem Vorsitz, Legislative und Justiz; in den Legislativrat entsendet jeder der elf Distrikte zwei Abgeordnete.[2, 3] Die übrigen O'odham gehören zu drei weiteren anerkannten Nationen, der Gila River Indian Community, der Ak-Chin Indian Community und der Salt River Pima-Maricopa Indian Community; die Hia-Ced O'odham sind nicht anerkannt.[1] Für sie wurde 2003 Land bei Why in Arizona gekauft.[3]
Wie viele Mitglieder die Nation hat, steht auf ihren eigenen Seiten verschieden: Die Seite "About" nennt rund 28.000, eine Übersicht vom Juni 2026 mehr als 37.000 eingetragene Mitglieder, von denen etwa die Hälfte auf dem Land der Nation lebt, meist in 60 kleinen und oft abgelegenen Gemeinden.[2, 4] Die Distriktübersicht der Nation (Stand Herbst 2016) führte schon 33.643 eingetragene Mitglieder auf, davon 13.055 auf dem Land der Nation; die Angabe von rund 28.000 liegt darunter.[9] Rund 3.000 eingetragene Mitglieder leben in Sonora auf dem Land der Vorfahren.[4] Britannica nannte für das frühe 21. Jahrhundert mehr als 20.000 Menschen mit Vorfahren unter den Tohono O'odham.[11] Etwa neun Gemeinden der O'odham in Mexiko liegen nahe am Südrand der Nation, manche nur durch die Grenze getrennt.[1]

Das Tohono O'odham Community College der Nation wurde 1998 gegründet und nahm 2000 den Unterricht auf. Seit 2004 sendet der Radiosender KOHN-FM, 2007 öffnete das Tohono O'odham Cultural Center and Museum.[3]
Die Grenze zu Mexiko
Auf 62 Meilen grenzt die Nation an Mexiko.[4, 5] Nach ihrer Darstellung hindern die Einwanderungsgesetze die O'odham daran, die Grenze frei zu überqueren; Mitglieder müssen Pass oder Grenzausweis vorzeigen. Die Grenzpolizei hat nach Angaben der Nation immer wieder Mitglieder festgehalten und abgeschoben, die nur durch ihr traditionelles Land reisten; Grenzbeamte sollen auch Federn gewöhnlicher Vögel, Kiefernnadeln und Süßgras beschlagnahmt haben, die für Zeremonien gebraucht werden.[1] Seit einer Vereinbarung mit dem Heimatschutzministerium und der Grenzbehörde CBP gibt die Nation eine eigene Enhanced Tribal Card aus. Sie ist einem Pass gleichgestellt, ersetzt ihn aber nicht, gilt auf dem Landweg zwischen den USA, Kanada und Mexiko und ist acht Jahre gültig.[8]
Die Nation arbeitet nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten mit den Grenzbehörden zusammen: Seit 1974 hat der Zoll ein Büro auf ihrem Land, 1985 entstand die Spureneinheit Shadow Wolves aus indigenen Zollbeamten, und nach einer Vereinbarung von 2007 baute die CBP Fahrzeugsperren entlang der ganzen Grenze der Nation.[5] Eine Mauer lehnt sie ab. Im Februar 2020 zerstörten Bauarbeiten der CBP laut Nation heilige Stätten und Gräber am Monument Hill und beschädigten die Quitobaquito Springs, im April 2026 wurde das rund 1.000 Jahre alte Bodenbild Las Playas Intaglio beschädigt.[5] Am 16. Juni 2026 reichte die Nation Klage gegen die Regierung der USA ein; der Legislativrat hatte einstimmig zugestimmt.[5, 6] Mitte August 2026 lehnte der Bundesrichter Richard Leon ihren Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Bau ab. Laut KJZZ verwies er auf die geplanten Bauarbeiten innerhalb der Roosevelt Reservation, eines 60 Fuß breiten Landstreifens unter Bundeshoheit, und verlangte, dass die Behörden sich mit der Nation beraten; die Nation prüfte danach nach eigener Aussage weitere rechtliche Schritte.[21] Im Oktober 2026 berichtet sie auf ihrer Startseite weiter über den Streit mit dem Heimatschutzministerium.[7]
Offizielle Website: Tohono O'odham Nation.
Personen aus der Geschichte der Tohono O'odham
- Javanino, ein Anführer der Papago, schloss sich 1751 dem Aufstand des Luís Oacpicagigua an und verließ ihn später wieder.[13]
- Many Dresses aus dem Dorf Atchi wurde laut Spicer 1865 von den Amerikanern zum "Oberhäuptling" der Papago bestimmt; für dieses Amt waren 500 Dollar im Jahr vorgeschlagen.[13]
- Francisco Galerita, Anführer in San Xavier, warb 1871 die O'odham für den Angriff bei Camp Grant an.[14]
- Pia Machita führte laut Spicer noch rund 60 Jahre nach dem Gadsden-Kauf Dörfer in der Wüste, die sich weiter zu Mexiko bekannten.[13]
Weitere Lebensläufe stehen in der Liste Bekannte indigene Persönlichkeiten.
Häufige Fragen
Was bedeutet Tohono O'odham?
O'odham heißt "Menschen" oder "Volk", Tohono O'odham "Wüstenvolk". Die O'odham unterschieden selbst nach Land und Lebensweise das Flussvolk (Akimel O'odham), das Wüstenvolk (Tohono O'odham) und das Sandvolk (Hia-Ced O'odham).
Sind Papago und Tohono O'odham dasselbe?
Ja. Papago war der Name, den Spanier, Mexikaner und Amerikaner für die Tohono O'odham benutzten. 1937 gab sich der Papago Tribe seine erste Verfassung, 1986 nahm die Nation mit einer neuen Verfassung den Namen Tohono O'odham Nation an.
Wo leben die Tohono O'odham heute?
Vor allem auf den vier getrennten Landteilen der Tohono O'odham Nation im Süden Arizonas: dem großen Hauptteil um Sells, San Xavier bei Tucson, San Lucy bei Gila Bend und Florence Village. Etwa die Hälfte der Mitglieder lebt nach Angaben der Nation auf diesem Land, rund 3.000 Mitglieder leben in Sonora in Mexiko.
Wie viele Tohono O'odham gibt es?
Die Seite "About" der Nation nennt rund 28.000 Mitglieder, eine Übersicht der Nation vom Juni 2026 mehr als 37.000 eingetragene Mitglieder. Britannica schätzte im frühen 21. Jahrhundert mehr als 20.000 Menschen mit Vorfahren unter den Tohono O'odham.
Was hatten die Tohono O'odham mit dem Camp-Grant-Massaker zu tun?
O'odham aus San Xavier stellten am 30. April 1871 die meisten Angreifer, nach HistoryNet 92, nach Britannica 94. Geplant hatten den Angriff auf das Lager der Aravaipa und Pinal Männer aus Tucson um William Sanders Oury und Jesús María Elías. Mehr dazu auf der Seite Camp-Grant-Massaker.
Warum ist die Grenze zu Mexiko für die Tohono O'odham ein Problem?
Der Gadsden-Kauf teilte das Land der O'odham fast in zwei Hälften. Heute grenzt die Nation auf 62 Meilen an Mexiko, Mitglieder brauchen für die Einreise in die USA Pass oder Grenzausweis. Im Juni 2026 hat die Nation gegen das Heimatschutzministerium geklagt, um eine Grenzmauer auf ihrem Land zu verhindern. Ein Bundesrichter lehnte im August 2026 ihren Eilantrag gegen den Bau ab, berichtet KJZZ.
Welche Sprache sprechen die Tohono O'odham?
O'odham, eine Sprache der uto-aztekischen Familie. Alle Gruppen der O'odham sprechen sie laut Nation bis heute, jede mit eigener Mundart.
Quellen
- Tribal Nation About Tohono O'odham Nation. Tohono O'odham Nation. Stand 04.06.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Tribal Nation Issue Brief: Background on the Tohono O'odham Nation. Tohono O'odham Nation. Stand Juni 2026. abgerufen am 25.10.2026
- Tribal Nation Fact Sheet: Border Security Measures on the Tohono O'odham Nation. Tohono O'odham Nation. Stand Juni 2026. abgerufen am 25.10.2026
- Tribal Nation Public Service Announcement: Tohono O'odham Nation Sues Department of Homeland Security over Plans to Take Part of its Reservation for Border Wall. Tohono O'odham Nation. Stand 17.06.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Tribal Nation Tohono O'odham Nation (Startseite). Tohono O'odham Nation. Stand 16.10.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Tribal Nation Enhanced Tribal Card. Tohono O'odham Nation. Stand 26.05.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Indian Entities Recognized by and Eligible To Receive Services From the United States Bureau of Indian Affairs, 91 FR 4102. Bureau of Indian Affairs, U.S. Department of the Interior (Federal Register). Stand 30.01.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Nachschlagewerk Tohono O'odham. Encyclopaedia Britannica, Britannica Editors. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Archiv Karl Jacoby: Shadows at Dawn, The Peoples: O'odham. Brown University, Website zum Buch Shadows at Dawn. Stand 2008. abgerufen am 25.10.2026
- Fachbuch Edward H. Spicer: Cycles of Conquest. The Impact of Spain, Mexico, and the United States on the Indians of the Southwest, 1533 bis 1960, Kapitel 5: Upper Pimas (ISBN 9780816540853). University of Arizona Press, Onlineausgabe (Open Arizona). Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Presse Carol A. Markstrom und Doug Hocking: Massacre at Dawn in Arizona Territory (zuerst in Wild West, Oktober 2013). HistoryNet. Stand 14.06.2017, geändert 29.04.2020. abgerufen am 25.10.2026
- Nachschlagewerk Sanat Pai Raikar: Camp Grant massacre. Encyclopaedia Britannica. Stand 26.04.2025. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Mission San Xavier del Bac. National Park Service. Stand 10.04.2024. abgerufen am 25.10.2026
- Gesetz und Vertrag Chap. 576, An Act to conserve and develop Indian lands and resources (Indian Reorganization Act), 48 Stat. 984. U.S. Congress, Statutes at Large, 73. Kongress, 2. Sitzung (U.S. Government Publishing Office). Stand 18.06.1934. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle 2023 Gazetteer Files: Places, Arizona. U.S. Census Bureau. Stand 2023. abgerufen am 25.10.2026
- Fachbuch Edward H. Spicer: Cycles of Conquest. The Impact of Spain, Mexico, and the United States on the Indians of the Southwest, 1533 bis 1960, Kapitel 2: Mayos and Yaquis (ISBN 9780816540853). University of Arizona Press, Onlineausgabe (Open Arizona). Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle 2023 Gazetteer Files: American Indian/Alaska Native/Native Hawaiian Areas, National. U.S. Census Bureau. Stand 2023. abgerufen am 25.10.2026
- Presse Alisa Reznick: Tohono O'odham weigh legal options after U.S. court denies bid to stop wall construction on land. KJZZ (Fronteras Desk). Stand 18.08.2026. abgerufen am 26.10.2026
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Markus Roth Autor und Redakteur
Markus Roth lebt in Berlin und schreibt seit 2018 für Wikipedia. Seine Schwerpunkte sind Geschichte und Wissenschaft; für Wilder-Westen.org schreibt er über Verkehr, Wirtschaft und das Leben im Südwesten.
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GeschichteCamp-Grant-Massaker 1871Am 30. April 1871 töteten Männer aus Tucson bei Camp Grant mindestens 84 Aravaipa und Pinal.