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Das Camp-Grant-Massaker

Kurz erklärt Das Camp-Grant-Massaker war der Angriff auf ein Lager von Aravaipa- und Pinal-Apachen am Aravaipa Creek in Arizona am Morgen des 30. April 1871. Rund 140 bis 150 Männer aus Tucson und San Xavier, Tohono O'odham, Mexikanoamerikaner und einige Anglo-Amerikaner, töteten nach den Quellen 84 bis 144 Menschen, fast nur Frauen und Kinder, und verschleppten etwa 30 Kinder. Ein Gericht in Tucson sprach alle Angeklagten frei.

Stilles Tal eines Wüstenbachs mit hohen Platanen und Pappeln zwischen rötlichen Felswänden, Saguaro-Kakteen an den Hängen im frühen Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Wie kam es zum Camp-Grant-Massaker?

Das Land um den Aravaipa Creek und das untere Tal des San Pedro River im Süden des heutigen Arizona war die Heimat der Aravaipa, die Berge im Norden die der Pinal. Beide Gruppen gehören zu den Western Apache und heute zu den Bands, die mit der San Carlos Reservation verbunden sind.[1] Nach Karl Jacoby nannten sich die beiden Bands, die am engsten mit den Bewohnern von Tucson zu tun hatten, Tsé hiné ("Leute der schwarzen Felsen") und T'iisibaan ("Leute der Pappeln in grauer Keilform"); die Western Apache bestanden aus mehr als zwanzig Bands mit je eigenem Anführer.[10] Die Tohono O'odham nannten alle Apachen 'O:b, "Feind".[10]

Die Wurzeln des Konflikts reichen nach HistoryNet Jahrhunderte zurück: Schon die Spanier an der Mission San Xavier ermunterten ihre Verbündeten, die O'odham, die Kolonie gegen Überfälle der Apachen zu schützen. Western Apache jagten, sammelten, handelten und raubten bis tief nach Sonora hinein, bei den O'odham, den Spaniern, den Mexikanern und schließlich bei den Amerikanern, die nach dem Vertrag von Guadalupe Hidalgo 1848 und dem Gadsden-Kauf in die Gegend kamen.[1] Daneben gab es Abkommen: 1836 schlossen die Apachen im Aravaipa Canyon einen Vertrag mit der mexikanischen Regierung, mit der US-Armee einigten sie sich 1859, 1866 und 1871.[7] Im Mai 1863 griff Captain Thomas T. Tidball mit Freiwilligen aus Kalifornien, Zivilisten und indigenen Verbündeten die Apachen im Aravaipa Canyon an; laut HistoryNet starben dabei 50 Menschen.[1] Die Hintergründe dieser Jahre schildert die Seite über die Apachenkriege; nach HistoryNet hatten die Apachen während des Bürgerkriegs einen Teil der Kontrolle über ihr Land zurückgewonnen.[1]

Camp Grant, anfangs Camp Aravaipa genannt, war ein Posten der US-Armee an der Mündung des Aravaipa Creek in den San Pedro River.[2] HistoryNet gibt die Entfernung nach Tucson mit etwa 60 Meilen an, rund 97 Kilometer.[1]

Eskiminzin und Lieutenant Whitman

Anführer der Aravaipa war 1871 Eskiminzin, ein Pinal, der in die Gruppe eingeheiratet hatte; HistoryNet nennt seinen Namen in der Sprache der Apachen Haské Bahnzin.[1] Im Februar 1871 kamen fünf ältere Frauen aus seiner Gruppe nach Camp Grant. Lieutenant Royal Emerson Whitman, Kommandant des Postens, empfing sie freundlich, und das ermutigte Eskiminzin, seinen Schwiegervater Santo und den Pinal-Anführer Capitán Chiquito.[1] Whitman beschrieb die Gespräche im Mai 1871 in einem Brief: Ein junger Anführer sei mit etwa 25 Leuten gekommen, Anführer von rund 150 Aravaipa, und habe um Frieden gebeten.[3] Nach dem Bericht des Kommissars Vincent Colyer war Eskiminzin der erste Anführer, der in diesem Frühjahr um Frieden bat.[3]

Unsere Väter und ihre Väter vor ihnen haben in diesen Bergen gelebt und in diesem Tal Mais angebaut.

ein junger Anführer der Aravaipa, nach Colyer Eskiminzin, wiedergegeben von Lieutenant Royal E. Whitman, Brief Whitmans vom 17. Mai 1871, in: Third Annual Report of the Board of Indian Commissioners, 1871, S. 60 Übersetzung der Redaktion[3]

Einen Vertrag durfte Whitman nicht schließen. Er versprach Rationen und bat das Hauptquartier um Anweisungen; nach mehr als sechs Wochen kam sein Brief ohne Antwort zurück, nur mit dem Hinweis, er sei nicht vorschriftsmäßig abgefasst.[3] Die Gruppe kam um den 1. März mit allen Angehörigen, am 5. März zählte Whitman mehr als 300 Menschen, später 510.[3] Die Apachen schnitten Heu für die Armee und bekamen dafür Waren; in etwa zwei Monaten lieferten sie nach Whitmans Angaben fast 300.000 Pfund, rund 136 Tonnen. Rancher der Umgebung wollten sie für die Gerstenernte anstellen.[1, 3] Captain Frank Stanwood, der Anfang April das Kommando übernommen hatte, brach am 24. April mit seiner ganzen Truppe zu einer langen Streife auf.[1, 3] Laut Britannica waren die Menschen im Lager faktisch Kriegsgefangene, die regelmäßig gezählt wurden.[2] Mit Whitmans Erlaubnis zogen sie bachaufwärts an eine Quelle mit frischem Wasser, nach HistoryNet an den Ort Gashdla'á Cho O'aa ("Große Platane steht allein").[1, 3]

Die Stimmung in Tucson

Im Frühjahr 1871 überfielen andere Gruppen Siedlungen im Süden Arizonas. Britannica nennt Chiricahua, Edward H. Spicer andere Gruppen am mittleren Gila (Pinaleños) und Chiricahua.[2, 4] Die Zeitung Arizona Citizen schürte die Wut, etwa in einem Leitartikel vom 25. März 1871.[2] Whitman bestritt, dass seine Apachen beteiligt gewesen seien, und verwies auf die Zählungen im Lager.[1, 2] In Tucson plante das Tucson Committee of Public Safety den Angriff. Die weißen Teilnehmer führte William Sanders Oury an, die mexikanischen Jesús María Elías. Samuel Hughes, Generaladjutant des Territoriums, unterstützte den Plan, ohne selbst mitzuziehen, und der Anführer Francisco Galerita warb in San Xavier die O'odham an.[1] Spicer nennt als Antrieb den Rassenhass der Zeit und die Verachtung für die Armee.[4]

Was geschah am 30. April 1871?

Am 28. April 1871 brachen die Angreifer auf. HistoryNet zählt 92 O'odham, mindestens 42 Mexikaner und sechs Weiße, Britannica nennt etwa 150 Männer, nach der üblichen Zählung 6 weiße Amerikaner, 48 Mexikanoamerikaner und 94 Tohono O'odham.[1, 2] Sie sperrten die Straße nach Camp Grant, damit keine Warnung durchkam, und nahmen einen verdeckten Pfad über die Berge.[1, 2]

Kurz vor Sonnenaufgang am Sonntag, dem 30. April, umstellten sie das Lager und griffen die Schlafenden an.[1, 5] Der Angriff dauerte weniger als eine halbe Stunde.[1, 2] Unter den Angreifern wurde niemand auch nur verwundet.[1] Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder.[1, 2] Laut Britannica gibt es Belege, dass Angreifer Frauen vor der Tötung vergewaltigten.[2] Ob die Männer im Lager waren, schildern die Quellen verschieden: HistoryNet und Britannica schreiben, die meisten seien auf der Jagd gewesen, Spicer nennt die kämpfenden Männer abwesend, Whitman dagegen schreibt, sie seien alle dort gewesen, und am 28. April habe er 128 Männer gezählt.[1, 2, 3, 4]

Whitman, Oberleutnant (First Lieutenant) im 3. Kavallerieregiment, erfuhr gegen halb acht beim Frühstück durch einen Boten aus Camp Lowell, dass eine große Gruppe aus Tucson unterwegs sei. Er hatte nur etwa 50 Infanteristen, alles Rekruten, und keinen anderen Offizier. Die Dolmetscher, die er zum Lager schickte, fanden dort keine Lebenden mehr.[3] Am nächsten Morgen begruben Soldaten und Zivilisten die Toten. Am Abend kamen die ersten Überlebenden einzeln und in kleinen Gruppen zurück.[1, 3]

Viele der Männer, deren Familien alle getötet worden waren, mussten sich abwenden, als ich mit ihnen sprach und ihnen mein Mitgefühl aussprach, unfähig zu sprechen und zu stolz, ihren Schmerz zu zeigen.

Lieutenant Royal E. Whitman, Kommandant von Camp Grant, Brief vom 17. Mai 1871, in: Third Annual Report of the Board of Indian Commissioners, 1871, S. 61 Übersetzung der Redaktion[3]
Breiter Canyon mit flachem Bach, hohen Platanen mit heller Rinde am Ufer, roten Felswänden und Saguaro-Kakteen an den Hängen im warmen Nachmittagslicht
Canyon mit Platanen am Bach. Das Lager lag am Aravaipa Creek, einige Meilen oberhalb von Camp Grant. Bild: KI-generiert

Wie viele Menschen starben?

Die genaue Zahl ist unbekannt. Die Angaben reichen von mindestens 84 (Spicer) bis 144 Toten (HistoryNet).[1, 4] Unter den Toten waren nur wenige Männer: HistoryNet und Whitman nennen acht, Spicer sieben.[1, 3, 4]

Zahl der Toten beim Camp-Grant-Massaker nach Quellen
QuelleAngabe
Edward H. Spicer, Cycles of Conquestmindestens 77 Frauen und Kinder und 7 Männer[4]
Überlebende am 1. Mai 1871, laut Aussage des Armeearztes C. B. Brieslyetwa 85 Tote, davon 8 Männer[3]
Lieutenant Royal E. Whitman, Brief vom 17. Mai 1871etwa 125 Tote und Vermisste, davon 8 Männer[3]
Anklage in Tucson, 1871Mord an 108 Apachen[1]
Britannicamehr als hundert[2]
Karl Jacoby, Shadows at Dawnvielleicht bis zu 140[5]
San Carlos Apache Tribemehr als 140[11]
HistoryNet (Markstrom und Hocking)vielleicht nur 85, vielleicht 144, davon 8 Männer[1]

Nach HistoryNet war Eskiminzin einer der wenigen Männer im Lager. Er entkam mit seiner Tochter, einem Säugling, auf dem Arm, seine Frauen und seine übrigen Kinder starben.[1] Spicer schreibt dagegen, die kämpfenden Männer des Lagers einschließlich Eskiminzins seien abwesend gewesen.[4] Eskiminzin selbst sagte Colyer im September 1871, er und seine Leute seien eines Morgens angegriffen worden, viele seien dabei getötet worden.[3] Colyer schrieb im Herbst 1871, Eskiminzin habe zwei Frauen, fünf Kinder und etwa fünfzig seiner Leute verloren.[3]

Was geschah mit den verschleppten Kindern?

Die Angreifer nahmen Kinder mit. Spicer nennt 29, Colyer 28, Britannica rund 30, der Verlag der University of Arizona "dreißig oder mehr"; Überlebende sprachen am 1. Mai von etwa 25 Gefangenen.[2, 3, 4, 14] Ein Teil blieb in Haushalten in Tucson, auch bei den Tätern, die übrigen wurden nach HistoryNet in Sonora in die Sklaverei verkauft.[1, 14] Colyer hörte im September 1871, die meisten seien von O'odham nach Sonora gebracht und an Mexikaner verkauft worden; vier Monate nach dem Massaker war noch kein Kind zurück.[3] Die meisten sahen ihre Familien nie wieder.[1]

Unsere Toten könnt ihr nicht wieder lebendig machen, aber die, die noch leben, haben wir euch übergeben, und wir sehen auf euch, die ihr schreiben und reden könnt und Soldaten habt, dass ihr sie zurückholt.

Überlebende von Camp Grant, wiedergegeben von Lieutenant Royal E. Whitman, Brief vom 17. Mai 1871, in: Third Annual Report of the Board of Indian Commissioners, 1871, S. 62 Übersetzung der Redaktion[3]

Gab es einen Prozess?

In Tucson feierten Zeitungen, Bürger und Amtsträger den Angriff.[1] Der Arizona Citizen nannte ihn wenige Tage danach gerechtfertigte Selbstverteidigung.[2] Präsident Ulysses S. Grant nannte ihn dagegen "purely murder", reinen Mord.[1] Der Staatsanwalt des Territoriums, Converse W. C. Rowell, stieß in Tucson auf Widerstand und wurde als Puppe verbrannt; Justizminister Amos Akerman drohte mit dem Kriegsrecht, falls binnen drei Tagen keine Anklage komme.[1, 2]

Im Dezember 1871 klagte die Bundesregierung rund hundert Bewohner von Tucson und San Xavier del Bac an. Der Prozess hieß nach dem Hauptangeklagten U.S. v. Sidney R. DeLong und lief vom 6. bis 11. Dezember im Gerichtsgebäude aus Lehmziegeln in Tucson. DeLong war wenige Wochen nach dem Massaker zum Bürgermeister von Tucson gewählt worden.[6] Britannica nennt 104 Angeklagte vor Gericht.[2] Die Verteidigung sprach von Selbstverteidigung gegen Überfälle der Apachen.[1] Apachen sagten nicht aus: Die Regierung lud keine als Zeugen, und für die Überlebenden war die Reise nach Tucson zu gefährlich.[6] Nach 19 Minuten Beratung sprach die Jury alle Angeklagten frei.[1, 2]

Viel später sagte DeLong laut HistoryNet, er bedaure in seinem Leben nur die Teilnahme am Angriff von Camp Grant.[1] Nach Jacoby gründeten mehrere Täter 1884 die Arizona Pioneers' Society, einen Vorläufer der heutigen Arizona Historical Society; zu ihren ersten Reden und Schriften gehörten Rechtfertigungen des Angriffs.[5]

Welche Folgen hatte das Massaker?

Das Massaker wurde in den ganzen USA bekannt.[4] Laut Spicer gab es der Friedenspolitik, an der der neue Board of Indian Commissioners arbeitete, einen starken Anstoß.[4] Diese "Peace Policy" wollte die Nationen in Reservaten unterbringen und dort zu christlichen Bürgern nach amerikanischem Vorbild machen; wer nicht kam, galt als "feindlich" und konnte von der Armee angegriffen werden.[9] Auf Drängen des Board schickte Grant dessen Sekretär Vincent Colyer nach Arizona, und der Kongress gab dafür 70.000 Dollar.[4, 9]

Colyer erreichte Camp Grant am 13. September 1871. Über dem Posten wehte eine weiße Fahne. Kurz nach seiner Ankunft hörte er, dass 175 bis 200 bewaffnete Männer aus Tucson nur noch zwölf Meilen vom Reservat entfernt waren. Captain William Nelson, nun Kommandant des Postens, verbot ihnen, näher als zehn Meilen heranzukommen, und ließ sie wissen, dass seine Geschütze bereitstünden; widerwillig zogen sie ab.[3] Eskiminzin war nach dem Massaker zunächst zurückgekehrt und hatte seine Familie mit begraben. Als etwa einen Monat später Soldaten aus den White Mountains auf ihn und seine Familie schossen, floh er in die Berge und soll unterwegs einen Weißen getötet haben.[3] Whitman ließ ihn rufen, und am 15. September 1871 sprachen Colyer und Whitman mit den Anführern; bis dahin waren 245 Apachen gekommen, fast alle dieselben wie vor dem Massaker.[3]

Colyer bestimmte vier Gebiete als Reservate, darunter eines um Camp Grant für die Aravaipa und andere Pinal.[4] Auf Wunsch der Überlebenden trafen sich vom 21. bis 23. Mai 1872 Vertreter der Anglo-Amerikaner, Mexikanoamerikaner, O'odham und Apachen am San Pedro River nahe dem Aravaipa Canyon und sprachen über einen dauerhaften Frieden.[7] Camp Grant wurde dennoch aufgegeben. Eine Anordnung von Präsident Grant vom 14. Dezember 1872 hob das Camp-Grant-Reservat auf und fügte dem White-Mountain-Reservat die "San Carlos division" hinzu.[16] Die San Carlos Apache Tribe nennt diesen Tag die Gründung ihres Reservats, mit Camp San Carlos am Zusammenfluss von Gila und San Carlos River als Sitz der Agentur.[12] 1873 wurden die Aravaipa und andere Gruppen von Camp Grant nach San Carlos gebracht.[4] Bis 1878 lebten dort laut Spicer mehr als 5.000 Apachen, darunter Gruppen, die vorher nichts miteinander zu tun gehabt hatten.[4] Ab Ende der 1870er Jahre kehrten Überlebende in den Aravaipa Canyon zurück und legten Felder an. Capitán Chiquito starb 1919 auf seinem Hof im Canyon.[8]

Weites Flusstal mit Mesquite-Bäumen und Pappeln, dahinter bewaldete Berge unter einem hohen Himmel mit Quellwolken im späten Nachmittagslicht
Flusstal am Gila River. Die Agentur der San Carlos Apache Reservation entstand 1872 am Zusammenfluss von Gila und San Carlos River. Bild: KI-generiert

Erinnerung heute

Die San Carlos Apache Tribe erzählt das Massaker auf ihrer eigenen Website. Danach töteten Anglo-Amerikaner, Mexikaner und Tohono O'odham aus Tucson am frühen Morgen des 30. April 1871 mehr als 140 unbewaffnete Aravaipa, die fünf Meilen vor Camp Grant friedlich lebten. Die Tragödie habe gezeigt, dass es keine Bundespolitik zum Schutz vor Vigilanten gab, und unmittelbar zur Gründung des Reservats geführt.[11] Die heutigen Mitglieder stammen nach Darstellung der Nation von vielen Bands der Apachen ab, darunter Pinal und Aravaipa.[12]

Der Anthropologe Chip Colwell schreibt, auch Apachen sprächen ungern über das Massaker, zum Teil wegen kultureller Verbote, über die Toten zu reden. Bei seiner Forschung hätten ältere Apachen trotzdem gesprochen.[13] Wegen des Massakers seien die Pinal und Aravaipa aus ihrer Heimat in das spätere Reservat geflohen. Schule und Straßen seiner Kindheit in Tucson tragen nach Colwell die Namen der Anführer des Angriffs.[13]

Am 30. April 1984 kamen nahe den Ruinen von Camp Grant viele Apachen zu einer Gedenkfeier zusammen, darunter der spirituelle Führer Philip Cassadore; Gouverneur Bruce Babbitt hatte den Tag zum Apache Memorial Day erklärt.[1] Im Oktober 1996 baten etwa 80 Menschen aus Tucson das Volk von San Carlos um Vergebung. Raymond Stanley Sr., damals Vorsitzender der San Carlos Apache Tribe, nahm die Entschuldigung an.[1, 2] Zwei Jahre später kam der Ort in das National Register of Historic Places, auch dank Dale Miles, von 1993 bis 1998 Historiker der Nation.[1] 2013 erhielten Nachfahren der Aravaipa einen Schädel zurück, den ein Armeearzt vom Ort des Massakers mitgenommen hatte und der in der Smithsonian Institution lag; die Rückgabe erfolgte nach dem Native American Graves Protection and Repatriation Act von 1990.[2]

Eine Gedenktafel gibt es weder an den Ruinen von Camp Grant noch am Ort des Massakers.[2] Das Bureau of Indian Affairs verwaltet dort 160 Acres, rund 65 Hektar, treuhänderisch für die etwa hundert Nachfahren der Opfer. Sie sind uneins, ob der Ort bekannt gemacht werden soll, weil er sonst geplündert oder entweiht werden könnte.[1]

Wüstenlandschaft mit Saguaro-Kakteen und Kreosotbüschen am Fuß einer Bergkette, ein trockenes Bachbett im Vordergrund, warmes Abendlicht
Sonora-Wüste nördlich von Tucson. Durch solches Land zogen die Angreifer zum Aravaipa Creek. Bild: KI-generiert

Wo geschah das Massaker?

Laut Britannica geschah das Massaker nahe dem heutigen Ort Winkelman, etwa 70 Meilen (115 Kilometer) nördlich von Tucson. Die Karte zeigt Winkelman, Tucson und San Carlos nach den Koordinaten des U.S. Census Bureau.[2, 15]

Karte: Tucson, Winkelman und San Carlos118° W116° W114° W112° W110° W108° W106° W104° W102° W30° N32° N34° N36° N38° N40° N1Camp-Grant-Massaker2Tucson3San Carlos
Karte: Tucson, Winkelman und San Carlos
  1. 1Camp-Grant-Massaker (Winkelman, nahe dem Ort des Massakers) 32,98° N, 110,76° W[15]
  2. 2Tucson, Ausgangsort der Angreifer 32,15° N, 110,87° W[15]
  3. 3San Carlos, Sitz der San Carlos Apache Tribe 33,34° N, 110,48° W[15]
Umrisse: Natural Earth (gemeinfrei). Eigene Darstellung ohne Kartendienst.

Zeitleiste

Zeitleiste: Camp-Grant-Massaker
  1. Februar 1871Fünf ältere Frauen der Aravaipa kommen nach Camp Grant; Lieutenant Royal E. Whitman nimmt sie freundlich auf.[1]
  2. März 1871Eskiminzins Gruppe lässt sich bei Camp Grant nieder; Whitman zählt bald mehr als 300, später 510 Menschen.[3]
  3. 28.04.1871Die Angreifer brechen von Tucson zum Aravaipa Creek auf.[1, 2]
  4. 30.04.1871Vor Sonnenaufgang greifen sie das Lager am Aravaipa Creek an.[1, 2]
  5. 17.05.1871Whitman schildert das Massaker in einem Brief an Colonel J. G. C. Lee.[3]
  6. 15.09.1871Vincent Colyer und Whitman sprechen in Camp Grant mit den Anführern der Apachen.[3]
  7. Dezember 1871Prozess in Tucson vom 6. bis 11. Dezember; die Jury spricht alle Angeklagten frei.[1, 6]
  8. 21.05.1872Bis zum 23. Mai beraten Apachen, O'odham, Mexikanoamerikaner und Anglo-Amerikaner am San Pedro River über Frieden.[7]
  9. 14.12.1872Eine Anordnung von Präsident Grant hebt das Camp-Grant-Reservat auf und fügt dem White-Mountain-Reservat die San Carlos division hinzu; die San Carlos Apache Tribe nennt diesen Tag die Gründung ihres Reservats.[12, 16] Apachen
  10. 1873Die Aravaipa und andere Gruppen von Camp Grant werden nach San Carlos gebracht.[4]
  11. 30.04.1984Gedenkfeier nahe den Ruinen von Camp Grant am Apache Memorial Day.[1]
  12. Oktober 1996Etwa 80 Menschen aus Tucson bitten in San Carlos um Vergebung.[1, 2]
  13. 1998Der Ort des Massakers kommt in das National Register of Historic Places.[1]
  14. 2013Nachfahren der Aravaipa erhalten einen Schädel eines Opfers aus der Smithsonian Institution zurück.[2]

Mythos und Wahrheit

Häufige Fragen

Wann und wo war das Camp-Grant-Massaker?

Am frühen Morgen des 30. April 1871 an einem Lager am Aravaipa Creek, einige Meilen oberhalb des Armeepostens Camp Grant im Süden Arizonas. Laut Britannica liegt der Ort nahe dem heutigen Winkelman, etwa 70 Meilen nördlich von Tucson.

Wie viele Menschen starben beim Camp-Grant-Massaker?

Die genaue Zahl ist nicht bekannt. Die Angaben reichen von mindestens 84 (Spicer) bis 144 Toten (HistoryNet), die Anklage lautete auf Mord an 108 Apachen. Unter den Toten waren nur wenige Männer, die meisten waren Frauen und Kinder.

Wer waren die Täter?

Rund 140 bis 150 Männer aus Tucson und San Xavier del Bac, nach HistoryNet 92 Tohono O'odham, mindestens 42 Mexikaner und sechs Weiße. Geplant hatten den Angriff Männer aus Tucson um William Sanders Oury und Jesús María Elías.

Wurden die Täter bestraft?

Nein. Im Dezember 1871 standen in Tucson rund hundert Angeklagte vor Gericht. Nach 19 Minuten Beratung sprach die Jury alle frei, obwohl Präsident Ulysses S. Grant den Angriff reinen Mord genannt hatte.

Was wurde aus den verschleppten Kindern?

Die Angreifer verschleppten etwa 30 Kinder. Ein Teil blieb in Haushalten in Tucson, die übrigen wurden nach Sonora in die Sklaverei verkauft. Die meisten sahen ihre Familien nie wieder.

Wer war Eskiminzin?

Eskiminzin war 1871 Anführer der Aravaipa, ein Pinal, der in die Gruppe eingeheiratet hatte. Er hatte bei Lieutenant Whitman um Frieden gebeten, überlebte das Massaker nach HistoryNet mit seiner Tochter, einem Säugling, auf dem Arm und verlor seine Frauen und weitere Kinder.

Quellen

  1. Presse Carol A. Markstrom und Doug Hocking: Massacre at Dawn in Arizona Territory (zuerst in Wild West, Oktober 2013). HistoryNet. Stand 14.06.2017, geändert 29.04.2020. abgerufen am 25.10.2026
  2. Nachschlagewerk Sanat Pai Raikar: Camp Grant massacre. Encyclopaedia Britannica. Stand 26.04.2025. abgerufen am 25.10.2026
  3. Archiv Karl Jacoby: Shadows at Dawn, The Event. Brown University, Website zum Buch Shadows at Dawn. Stand 2008. abgerufen am 25.10.2026
  4. Archiv Karl Jacoby: Shadows at Dawn, The Trial. Brown University, Website zum Buch Shadows at Dawn. Stand 2008. abgerufen am 25.10.2026
  5. Archiv Karl Jacoby: Shadows at Dawn, The Treaty. Brown University, Website zum Buch Shadows at Dawn. Stand 2008. abgerufen am 25.10.2026
  6. Archiv Karl Jacoby: Shadows at Dawn, Apache Interviews and Correspondence (1871 bis 1930). Brown University, Website zum Buch Shadows at Dawn. Stand 2008. abgerufen am 25.10.2026
  7. Archiv Karl Jacoby: Shadows at Dawn, Vincent Colyer's Report (1872). Brown University, Website zum Buch Shadows at Dawn. Stand 2008. abgerufen am 25.10.2026
  8. Archiv Karl Jacoby: Shadows at Dawn, The Peoples: Apache. Brown University, Website zum Buch Shadows at Dawn. Stand 2008. abgerufen am 25.10.2026
  9. Tribal Nation Our History. San Carlos Apache Tribe. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  10. Tribal Nation Our History and Culture. San Carlos Apache Tribe. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  11. Presse Chip Colwell: Why the Camp Grant Massacre Matters Today. SAPIENS. Stand 30.04.2021. abgerufen am 25.10.2026
  12. Amtliche Stelle 2023 Gazetteer Files: Places, Arizona. U.S. Census Bureau. Stand 2023. abgerufen am 25.10.2026
  13. Primärquelle Executive Order: Establishment and Modification of Apache and White Mountain Indian Reservations in Arizona, 14. Dezember 1872, nach Kappler, Indian Affairs: Laws and Treaties, 1904, S. 812 f.. The American Presidency Project, University of California, Santa Barbara. Stand 14.12.1872. abgerufen am 25.10.2026

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