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Zugüberfälle im Wilden Westen

Kurz erklärt Bei einem Zugüberfall (englisch train robbery) raubten Bewaffnete vor allem den Tresor im Expresswagen aus. Als ersten Zugüberfall in Friedenszeiten sieht HistoryNet den Überfall der Reno-Bande bei Seymour in Indiana am 6. Oktober 1866; das Adair County in Iowa nennt den Überfall der James-Younger-Bande vom 21. Juli 1873 den ersten auf einen fahrenden Zug. Für 1890 bis 1903 zählt der Historiker John Boessenecker 341 Überfälle und Versuche mit 99 Toten.

Einsame Bahnstrecke mit Holzschwellen, die in einem weiten Bogen durch einen flachen Felseinschnitt in einer Salbeilandschaft führt, im Abendlicht
Bild: KI-generiert

Was war ein Zugüberfall?

Bei einem Zugüberfall (englisch train robbery) hielten Bewaffnete einen Zug an oder stiegen unterwegs zu und raubten vor allem den Expresswagen aus. Darin beförderten Expressgesellschaften wie die Adams Express Company Geld, Wertpapiere und Wertsendungen in Tresoren, bewacht von einem Expressboten (express messenger).[1, 2] Mit der transkontinentalen Eisenbahn, die 1869 Osten und Westen verband, gab es nach PBS mehr Gelegenheiten. Die Räuber konnten den Ort selbst wählen, immer abgelegen und fern von Gesetzeshütern. Meist leerten sie den Tresor im Expresswagen und ließen die Fahrgäste in Ruhe, was ihrem Ruf half.[5]

Viele Züge brachten auch Post. Nach dem Überfall von Gads Hill in Missouri 1874 wurde die Pinkerton-Detektei sofort eingeschaltet, weil die Räuber eingeschriebene Post mitgenommen hatten.[4] Nach dem Überfall am Tunnel 13 im Jahr 1923 suchten auch bewaffnete Postinspektoren nach den Tätern.[15, 16]

Wann war der erste Zugüberfall?

Die Reno-Bande aus dem Jackson County in Indiana soll nach William Bell in der Zeitschrift Wild West den ersten Zugüberfall in Friedenszeiten verübt haben.[1] Am 6. Oktober 1866 fuhr gegen 18.30 Uhr ein Zug der Ohio and Mississippi Railroad aus dem Bahnhof von Seymour. Drei Bandenmitglieder, wahrscheinlich John und Simeon Reno und Frank Sparks, waren dort eingestiegen. Einige Meilen hinter der Stadt drangen sie in den Wagen der Adams Express Company ein und zwangen den Expressboten Elam Miller, die Schlüssel herauszugeben. Nach den Gerichtsakten des Jackson County erbeuteten sie 10.000 Dollar in Goldmünzen und 33 Dollar in Banknoten; den großen Tresor bekamen sie nicht auf.[1]

Am 22. Mai 1868 überfiel die Reno-Bande bei Marshfield in Indiana einen Zug der Jeffersonville, Madison and Indianapolis Railroad. Die Gedenktafel des Indiana Historical Bureau zählt den Überfall zu den frühesten in den USA. Die Räuber koppelten Lokomotive und Expresswagen ab, ließen sie bei Seymour stehen und nahmen Schatzanweisungen und Staatsanleihen aus den Tresoren der Adams Express Company.[2] Bell schätzt die Beute auf 96.000 Dollar in Anleihen, Bargeld und Banknoten.[1]

Das Adair County in Iowa nennt dagegen den Überfall der James-Younger-Bande vom 21. Juli 1873 den ersten auf einen fahrenden Zug. Eine Tafel an einem Lokomotivrad, die die Rock Island Railroad 1954 an der Stelle aufstellte, spricht vom ersten Zugüberfall im Westen.[3] Nach dem Artikel "When the James Gang Ruled the Rails" bei HistoryNet war es der erste Zugüberfall westlich des Mississippi.[4]

Wie liefen Zugüberfälle ab?

Bei Adair lösten die Räuber 1873 an einer Kurve eine Schiene und banden ein Seil daran; als der Zug kam, rissen sie die Schiene weg, und die Lokomotive stürzte in den Graben.[3, 4] Bei Gads Hill in Missouri nahmen fünf Männer am 31. Januar 1874 den Stationsvorsteher fest und winkten den Little Rock Express heran.[4] Bei Muncie in Kansas zwangen sie am 8. Dezember 1874 Streckenarbeiter, Schwellen auf die Gleise zu legen, und hielten einen Expresszug mit einem roten Tuch an. An der Rocky Cut bei Otterville in Missouri gaben sie am 7. Juli 1876 mit der roten Laterne eines Brückenwächters das Haltesignal.[4] In Glendale in Missouri zerschlug die neue Bande von Jesse James am 8. Oktober 1879 die Telegrafengeräte des Bahnhofs, damit die Nachricht vom Überfall nicht hinausging (mehr zum Telegrafen im Wilden Westen).[4] Nach Gads Hill hinterließ die Bande eine vorbereitete Pressemitteilung für die Zeitung St. Louis Dispatch.[6]

Später griffen die Räuber zum Dynamit. Bei Wilcox in Wyoming hielten sechs Maskierte am 2. Juni 1899 nach der Zeitung Laramie Boomerang um 2.15 Uhr den Overland Flyer der Union Pacific an, zogen den Zug über eine Brücke und sprengten den Gepäckwagen mit einer viel zu großen Ladung.[9] Bei Tipton, rund 50 Meilen westlich von Rawlins, sprengten sie 1900 wieder den Tresor eines Expresswagens. Für die Flucht standen nach Mac Blewer alle 20 Meilen frische Pferde bereit.[9]

Gleisbogen mit Holzschwellen vor einer kleinen hölzernen Brücke über einen Bach in grüner Hügellandschaft mit hohem Präriegras im Licht des späten Nachmittags
Gleisbogen an einer Bachbrücke im Hügelland von Iowa Bild: KI-generiert

Bekannte Zugüberfälle von 1866 bis 1924

Zeitleiste: Zugüberfälle 1866 bis 1924
  1. 06.10.1866Mitglieder der Reno-Bande rauben bei Seymour in Indiana den Wagen der Adams Express Company in einem Zug der Ohio and Mississippi Railroad aus, nach William Bell der erste Zugüberfall in Friedenszeiten.[1]
  2. 22.05.1868Die Reno-Bande überfällt bei Marshfield in Indiana einen Zug der Jeffersonville, Madison and Indianapolis Railroad.[2]
  3. 12.12.1868Vigilanten lynchen im Gefängnis von New Albany Frank, William und Simeon Reno sowie Charlie Anderson.[1]
  4. 21.07.1873Die James-Younger-Bande bringt bei Adair in Iowa einen Zug der Rock Island zum Entgleisen; der Lokführer John Rafferty stirbt.[3, 4] Jesse James
  5. 31.01.1874Die Bande überfällt bei Gads Hill in Missouri den Little Rock Express und raubt Fahrgäste, Post und Expresstresor aus.[4, 6] Jesse James
  6. 08.12.1874Überfall auf einen Expresszug der Kansas Pacific bei Muncie in Kansas; die Angaben zur Beute reichen von fast 30.000 bis 55.000 Dollar.[4, 6] Jesse James
  7. 07.07.1876Überfall auf einen Zug der Missouri Pacific an der Rocky Cut bei Otterville in Missouri.[4] Jesse James
  8. 18.09.1877Joel Collins, Sam Bass und vier weitere Männer überfallen bei Big Springs in Nebraska einen Zug der Union Pacific und erbeuten 60.000 Dollar in Goldmünzen.[7]
  9. Frühjahr 1878Die Bande von Sam Bass überfällt vier Züge im Umkreis von 25 Meilen um Dallas.[7]
  10. 08.10.1879Die neue Bande von Jesse James überfällt in Glendale in Missouri einen Zug der Chicago and Alton.[4, 6] Jesse James
  11. 15.07.1881Beim Überfall bei Winston in Missouri werden der Zugführer William Westfall und der Fahrgast Frank McMillan erschossen.[4] Jesse James
  12. 07.09.1881Überfall auf einen Zug der Chicago and Alton an der Blue Cut bei Glendale in Missouri.[4] Jesse James
  13. Februar 1891Die Dalton-Brüder werden beschuldigt, bei Alila in Kalifornien einen Zug der Southern Pacific überfallen zu haben.[8] Dalton-Brüder
  14. 09.05.1891Die Dalton-Bande überfällt einen Zug der Santa Fe bei Wharton im heutigen Oklahoma.[8] Dalton-Brüder
  15. 15.09.1891Die Dalton-Bande überfällt einen Zug der Missouri, Kansas and Texas Railroad bei Leliaetta.[8] Dalton-Brüder
  16. 01.06.1892Die Dalton-Bande überfällt einen Zug der Santa Fe bei Red Rock.[8] Dalton-Brüder
  17. 14.07.1892Die Dalton-Bande überfällt einen Zug der Missouri, Kansas and Texas Railroad bei Adair im Indianer-Territorium.[8] Dalton-Brüder
  18. 02.06.1899Die Wild Bunch hält bei Wilcox in Wyoming den Overland Flyer der Union Pacific an und sprengt den Gepäckwagen.[9, 10] Butch Cassidy und Sundance Kid
  19. 11.07.1899Elzy Lay, Sam Ketchum und zwei andere überfallen einen Zug bei Folsom in New Mexico.[10]
  20. 16.08.1899Tom Ketchum versucht allein, einen Zug bei Folsom zu überfallen, und wird vom Zugführer angeschossen.[13]
  21. 29.08.1900Überfall der Wild Bunch auf einen Zug der Union Pacific bei Tipton in Wyoming; Dick Blust datiert ihn auf den 29. April 1900.[9, 10] Butch Cassidy und Sundance Kid
  22. 26.04.1901Tom Ketchum wird in Clayton in New Mexico gehängt, verurteilt nach dem Gesetz von New Mexico, das Zugraub seit 1887 mit dem Tod bedroht.[13]
  23. 03.07.1901Überfall auf einen Zug der Great Northern bei Wagner in Montana.[9, 10] Butch Cassidy und Sundance Kid
  24. 10.09.1904Die Bande von Bill Miner überfällt westlich von Mission in British Columbia einen Zug der Canadian Pacific Railway.[14]
  25. März 1912Ben Kilpatrick wird bei einem versuchten Zugüberfall bei Sanderson in Texas von einem Expressboten getötet.[10]
  26. 11.10.1923Die Brüder DeAutremont überfallen am Tunnel 13 in Oregon einen Zug der Southern Pacific; der Postbeamte Elvyn Dougherty und drei Eisenbahner sterben.[16, 17]
  27. 14.06.1924Die Brüder Newton rauben aus einem Postzug der Chicago, Milwaukee and St. Paul Werte von 3 Millionen Dollar.[15]

Die James-Younger-Bande

Auf Adair folgten Gads Hill, Muncie und die Rocky Cut (mehr auf der Seite über Jesse James). Bei Gads Hill nahmen die Räuber den 25 Fahrgästen Geld und Schmuck ab und plünderten die Postsäcke und den Tresor der Adams Express Company. Bei Muncie erbeuteten sie nach HistoryNet mindestens 30.000 Dollar, vielleicht 55.000 Dollar, an der Rocky Cut aus zwei Tresoren mehr als 15.000 Dollar.[4] PBS nennt für Muncie fast 30.000 Dollar.[6] Nach dem gescheiterten Banküberfall von Northfield 1876 sammelte Jesse James neue Männer um sich.[4] Am 15. Juli 1881 überfiel diese Bande bei Winston in Missouri einen Zug der Chicago, Rock Island and Pacific. Am 7. September 1881 hielt sie an der Blue Cut bei Glendale mit einer roten Laterne einen Zug der Chicago and Alton an, und der Anführer gab sich als Jesse James zu erkennen.[4]

Sam Bass

Am Abend des 18. September 1877 überfielen sechs Männer unter Joel Collins, unter ihnen Sam Bass, bei Big Springs in Nebraska einen Personenzug der Union Pacific nach Osten. Aus dem Expresswagen nahmen sie nach dem Handbook of Texas 60.000 Dollar in frisch geprägten Zwanzig-Dollar-Goldmünzen, von den Fahrgästen 1.300 Dollar und vier goldene Uhren.[7] Collins und zwei andere wurden binnen weniger Wochen getötet, als sie sich der Festnahme widersetzten. Bass entkam nach Texas und überfiel im Frühjahr 1878 mit einer neuen Bande vier Züge im Umkreis von 25 Meilen um Dallas, ohne viel Geld zu erbeuten.[7]

Die Dalton-Brüder

Im Februar 1891 wurden Bill, Grat, Bob und Emmett Dalton beschuldigt, bei Alila in Kalifornien einen Zug der Southern Pacific überfallen zu haben. Grat wurde verurteilt, obwohl mehr als ein Dutzend Zeugen ihn zur Tatzeit in einem Hotel in Fresno gesehen hatten; Bill wurde freigesprochen.[8] Danach überfiel die Dalton-Bande im heutigen Oklahoma vier Züge: die Santa Fe bei Wharton am 9. Mai 1891, die Missouri, Kansas and Texas Railroad (Katy) bei Leliaetta am 15. September 1891, die Santa Fe bei Red Rock am 1. Juni 1892 und die Katy bei Adair am 14. Juli 1892.[8] Die Missouri, Kansas and Texas Railroad setzte 1892 nach der Kansas Historical Society 40.000 Dollar Belohnung für ihre Festnahme aus (mehr bei den Dalton-Brüdern).[19]

Die Wild Bunch

In Wyoming sind nach Mac Blewer außer dem frühen Viehdiebstahl Butch Cassidys nur zwei Taten der Wild Bunch belegt: die Überfälle auf Züge der Union Pacific bei Wilcox am 2. Juni 1899 und bei Tipton.[9] Bei Wilcox nahmen die Räuber mehr als 50.000 Dollar in Gold, Bargeld, Schmuck und Banknoten mit. Der Zug brachte Gold, mit dem Truppen im Spanisch-Amerikanischen Krieg bezahlt werden sollten; Präsident William McKinley und andere sahen in dem Überfall deshalb weit mehr als ein Ärgernis.[9] Ob Cassidy selbst dabei war, ist nie geklärt worden. Dick Blust geht davon aus, dass er den Überfall plante.[9, 10]

Den Überfall bei Tipton datiert Blewer auf den 29. August 1900, Blust auf den 29. April 1900. Nach Blust waren Harvey "Kid Curry" Logan, Ben Kilpatrick und William Cruzan die Täter und erbeuteten rund 55.000 Dollar.[9, 10] Der Gesetzeshüter Joe LeFors und die Union Pacific sprachen von 50,40 Dollar. Die Zeitung Saratoga Sun hielt das schon damals für unwahrscheinlich, Schätzungen reichen von 50.000 bis 100.000 Dollar.[9] Am 3. Juli 1901 wurde bei Wagner in Montana ein Zug der Great Northern überfallen. Cassidy war nach Blewer vielleicht dabei, Ben Kilpatrick saß dafür nach Blust zehn Jahre im Gefängnis (mehr auf der Seite Butch Cassidy und Sundance Kid).[9, 10]

Elzy Lay und die Brüder Ketchum in New Mexico

Am 11. Juli 1899 überfielen Elzy Lay, Sam Ketchum und zwei andere einen Zug bei Folsom in New Mexico; nach Jeffrey Burton waren das Will Carver, der ein Feuer am Gleis entzündete, und Red Weaver, der wohl Wache hielt. Dick Blust nennt eine Beute von 50.000 bis 70.000 Dollar, Marshal Creighton Foraker sprach nach Jeffrey Burton bald darauf von 30.000 Dollar.[10, 13] Eine siebenköpfige Posse stellte die Räuber im Turkey Creek Canyon, wie Blust schreibt; Burton nennt die Schlucht Turkey Canyon. Nach Burton führte sie Deputy U.S. Marshal Wilson Elliott an, zu ihr gehörte Sheriff Edward Farr aus Colorado; Blust nennt auch Marshal Foraker unter den Männern der Posse. Farr und ein weiterer Mann der Posse wurden getötet, Sam Ketchum und Lay verwundet.[10, 13] Am Abend des 16. August 1899 versuchte Tom Ketchum, ein jüngerer Bruder von Sam, allein einen Zug bei Folsom zu überfallen. Der Zugführer Frank Harrington traf ihn mit einer Schrotflinte am rechten Arm, der später amputiert wurde.[13]

Bill Miner in Kanada

Ezra Allen "Bill" Miner hatte in Kalifornien Postkutschen ausgeraubt und ab 1866 mehrmals im Gefängnis San Quentin gesessen; nach seiner Entlassung 1902 überfiel er Züge.[14] Am 10. September 1904 hielt seine Bande wenige Kilometer westlich von Mission in British Columbia den Transcontinental Express Nr. 1 der Canadian Pacific Railway an. Sie erbeutete nach der Canadian Encyclopedia Goldstaub im Wert von etwa 6.000 Dollar, mehr als 900 Dollar Bargeld und US-Anleihen über 50.000 Dollar.[14] Miner galt als erster Zugräuber Kanadas, doch schon 1874 war in Ontario ein Zug der Great Western Railway überfallen worden.[14] Der Versuch bei Monte Creek am 8. Mai 1906 brachte 15 Dollar. Am 14. Mai 1906 wurden Miner und zwei Komplizen gefasst; Miner bekam lebenslange Haft und floh am 8. August 1907 aus dem Gefängnis.[14]

Wer starb bei Zugüberfällen?

Der Historiker John Boessenecker zählt nach einer Rezension bei HistoryNet für die Jahre 1890 bis 1903 341 Überfälle und Überfallversuche auf Züge, bei denen 99 Menschen starben.[12] Bei Adair starb 1873 der Lokführer John Rafferty aus Des Moines, als die Lokomotive umstürzte. Den Heizer Dennis Foley zählt das Adair County zu den Toten, nach HistoryNet überlebte er mit schweren Verbrennungen.[3, 4] Bei Winston erschossen die Räuber 1881 den Zugführer William Westfall und den Fahrgast Frank McMillan. Das Bandenmitglied Dick Liddil sagte später aus, Jesse James habe Westfall und Frank James McMillan erschossen; Frank James wurde 1883 vom Mord an McMillan freigesprochen.[4]

Bei der Verfolgung der Räuber von Wilcox wurde 1899 Joe Hazen, Sheriff des Converse County, bei einer Schießerei am Castle Creek nördlich von Casper tödlich verletzt.[9] Im März 1912 versuchte Ben Kilpatrick, bei Sanderson in Texas einen Zug zu überfallen. Der Expressbote David Trousdale von Wells Fargo, den er als Geisel genommen hatte, tötete ihn und seinen Komplizen H. "Ole" Hobek.[10]

Mitglieder der Reno-Bande wurden selbst Opfer von Vigilanten. Im Juli 1868 holten Maskierte bei Seymour im Abstand weniger Tage zweimal je drei Gefangene aus dem Gewahrsam der Behörden und lynchten sie. In der Nacht zum 12. Dezember 1868 drangen rund 100 Maskierte in das Gefängnis von New Albany ein und lynchten Frank, William und Simeon Reno sowie Charlie Anderson. Ermittelt wurde keiner der Täter.[1] Nach dem Indiana Historical Bureau wurden die Bandenmitglieder gelyncht, bevor einer von ihnen vor Gericht kam (mehr zur Lynchjustiz im Wilden Westen).[2]

Wie wehrten sich Bahnen, Expressfirmen und Post?

Die Adams Express Company stand nach William Bell unter dem Schutz der Pinkerton-Detektei. Nach dem Überfall von Seymour 1866 ließ Allan Pinkerton Agenten in einem Saloon der Stadt verdeckt ermitteln, und auch nach Marshfield 1868 fasste die Detektei mehrere Verdächtige.[1, 2] Nach Adair 1873 fuhr ein Zug mit bewaffneten Männern von Council Bluffs nach Adair und setzte unterwegs kleine Trupps ab, für die gesattelte Pferde bereitstanden.[3] Nach Wilcox 1899 jagten Posses aus Hunderten Männern, bezahlt von der Union Pacific und zum Teil mit Spürhunden aus Beatrice in Nebraska, die Räuber wochenlang ohne Erfolg.[9] Edward Harriman, Vorsitzender des Direktoriums der Union Pacific, versuchte nach WyoHistory, mit Cassidy Kontakt aufzunehmen; ein Treffen kam nicht zustande.[11]

Die Belohnungen kamen oft von den Bahnen. Im Juli 1881 versprachen Vertreter von Eisenbahn- und Expressgesellschaften bei einem Treffen mit Gouverneur Thomas Crittenden in St. Louis je 5.000 Dollar für die Auslieferung von Frank und Jesse James und weitere je 5.000 Dollar für ihre Verurteilung.[4] Nach dem Überfall von Wilcox berichteten Zeitungen von Belohnungen über 18.000 Dollar (Steckbriefe der Wild Bunch zeigt die Seite Wanted-Poster und Steckbriefe).[9]

In New Mexico stand nach Jeffrey Burton seit 1887 auf Zugraub und versuchten Zugraub die Todesstrafe. Tom Ketchum wurde am 11. September 1900 im Union County zum Tod verurteilt und am 26. April 1901 in Clayton gehängt, nach Burton als erster Mensch, der für den bloßen Versuch eines Zugüberfalls öffentlich hingerichtet wurde.[13] Die Postbeamten in den Postwagen mussten nach dem Smithsonian National Postal Museum kleine Pistolen vom Kaliber .38 tragen. Als der Postzug von Salt Lake City unterwegs angehalten wurde, vertrieben die diensthabenden Beamten die Räuber mit Schüssen.[15]

Wann endete die Zeit der Zugüberfälle?

Zugüberfälle gab es nach der Oregon Encyclopedia bis in die 1930er Jahre.[17] 1921 meldete der Generalpostmeister dem Kongress nach dem Smithsonian National Postal Museum eine plötzliche und ungewöhnliche Zunahme der Überfälle auf Postzüge. Im Jahr davor hatte es mindestens drei Dutzend Postraube mit einer Beute von mehr als 6,3 Millionen Dollar gegeben.[15] Am 14. Juni 1924 raubten die vier Brüder Newton aus einem Postzug der Chicago, Milwaukee and St. Paul Railway Bargeld, Schmuck und Wertpapiere im Wert von 3 Millionen Dollar.[15]

Am 11. Oktober 1923 überfielen die Brüder Ray, Roy und Hugh DeAutremont am Tunnel 13 in den Siskiyou Mountains im Süden Oregons den Zug Nr. 13 der Southern Pacific. Der Postbeamte Elvyn Dougherty hatte sich im Postwagen eingeschlossen. Die Brüder sprengten den Wagen mit viel zu viel Dynamit, Dougherty starb, der Wagen brannte aus. Gold, das die Täter nach dem Postal Museum im Postwagen vermuteten, war nicht an Bord; die Oregon Encyclopedia spricht von einigen Tausend Dollar in bar, auf die sie gehofft hatten.[16, 17] Außerdem erschossen sie den Lokführer Sidney Bates, den Heizer Marvin Seng und den Bremser Johnson, den die Oregon Encyclopedia Coyl, das Postal Museum Charles nennt.[16, 17]

Ermittler der Southern Pacific und der Post suchten fast vier Jahre nach den Brüdern. Der Forensiker E. O. Heinrich von der University of California in Berkeley erkannte Flecken auf einem zurückgelassenen Overall als Harz der Douglasie und fand in einer Tasche einen Einlieferungsschein für ein Einschreiben, unterschrieben von Roy DeAutremont.[17] Mehr als zwei Millionen Steckbriefe gingen in alle Welt, die Belohnung erreichte 15.900 Dollar. Im Februar 1927 wurde Hugh als Soldat auf den Philippinen erkannt und festgenommen, die Zwillinge Ray und Roy wenig später in Steubenville in Ohio. Alle drei bekamen lebenslange Haft.[16]

Tunnelportal aus grauem Naturstein an einer eingleisigen Bahnstrecke in einem dichten Nadelwald im Gebirge, Sonnenlicht fällt schräg durch die Bäume auf die Schienen
Tunnelportal an einer Gebirgsstrecke im Süden Oregons Bild: KI-generiert

Mythos und Wahrheit

Zugüberfälle im Film

Im Dezember 1903 kam "The Great Train Robbery" heraus, produziert von Thomas Edison, Regie Edwin S. Porter. Ein Blog der National Archives nennt ihn einen der ersten Kriminalfilme und ein Urbild des Westerns. Porter schnitt zwischen dem gefesselten Telegrafisten und den Räubern im Zug hin und her, um zu zeigen, dass beides zugleich geschah.[18] Den Überfall bei Tipton griff nach Dick Blust der Film "Zwei Banditen" von 1969 in der Szene mit der Explosion des Expresswagens auf.[10]

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Häufige Fragen

Wann war der erste Zugüberfall?

Als ersten Zugüberfall in Friedenszeiten sieht William Bell den Überfall der Reno-Bande bei Seymour in Indiana am 6. Oktober 1866. Das Indiana Historical Bureau zählt den Überfall derselben Bande bei Marshfield am 22. Mai 1868 zu den frühesten in den USA. Das Adair County in Iowa nennt den Überfall der James-Younger-Bande vom 21. Juli 1873 den ersten auf einen fahrenden Zug.

Wer überfiel Züge im Wilden Westen?

Bekannt sind die Reno-Bande in Indiana, die James-Younger-Bande um Jesse James, Sam Bass, die Dalton-Brüder, die Wild Bunch um Butch Cassidy sowie Elzy Lay und die Brüder Ketchum in New Mexico. In Kanada überfiel Bill Miner 1904 einen Zug der Canadian Pacific Railway.

Wie wurden Züge im Wilden Westen überfallen?

Die Räuber lösten Schienen, legten Schwellen auf die Gleise, gaben mit einer roten Laterne das Haltesignal oder stiegen an einem Bahnhof zu. Meist wollten sie an den Tresor im Expresswagen, den sie um 1900 oft mit Dynamit sprengten.

Wie viele Menschen starben bei Zugüberfällen?

Eine Gesamtzahl für den ganzen Wilden Westen nennen die Quellen dieser Seite nicht. Für die Jahre 1890 bis 1903 zählt der Historiker John Boessenecker 341 Überfälle und Überfallversuche auf Züge, bei denen 99 Menschen starben.

Stand auf Zugraub die Todesstrafe?

In New Mexico ja: Dort stand nach Jeffrey Burton seit 1887 auf Zugraub und versuchten Zugraub die Todesstrafe. Tom Ketchum wurde nach einem gescheiterten Überfall am 26. April 1901 in Clayton gehängt.

Was war der letzte große Zugüberfall?

So nannten manche Autoren den Überfall der Brüder DeAutremont am Tunnel 13 in Oregon am 11. Oktober 1923, bei dem vier Eisenbahner und Postbeamte starben. Die Oregon Encyclopedia hält den Namen für irreführend, weil die Täter nichts erbeuteten und es Zugüberfälle bis in die 1930er Jahre gab.

Was ist ein Expresswagen?

Ein Wagen im Zug, in dem Expressgesellschaften wie die Adams Express Company Geld, Wertpapiere und Wertsendungen in Tresoren beförderten. Ein Expressbote bewachte die Sendungen. Mehr dazu bei Wells Fargo und American Express.

Quellen

  1. Presse Reno Gang's Reign of Terror (William Bell, zuerst in Wild West, Februar 2004). HistoryNet. Stand 12.06.2006, aktualisiert 09.08.2016. abgerufen am 25.10.2026
  2. Amtliche Stelle Marshfield Train Robbery (Text des Historical Marker von 2002 mit Belegen). Indiana Historical Bureau. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  3. Amtliche Stelle Parks & Recreation Areas: Jesse James Historical Park. Adair County, Iowa, Conservation Board. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  4. Presse Donald L. Gilmore: When the James Gang Ruled the Rails (zuerst in Wild West, August 2000). HistoryNet. Stand 12.06.2006, aktualisiert 19.08.2022. abgerufen am 25.10.2026
  5. Presse Jesse James' Bank Robberies. PBS American Experience, WGBH Educational Foundation. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  6. Presse The Life and Death of Jesse James (Zeitleiste). PBS American Experience, WGBH Educational Foundation. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  7. Nachschlagewerk Wayne Gard: Bass, Sam (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1952, überarbeitet 07.01.2026. abgerufen am 25.10.2026
  8. Nachschlagewerk Nancy B. Samuelson: Dalton Gang (The Encyclopedia of Oklahoma History and Culture, Eintrag DA006). Oklahoma Historical Society. Stand 15.01.2010. abgerufen am 25.10.2026
  9. Nachschlagewerk Butch Cassidy in Wyoming (Mac Blewer, WyoHistory.org). Wyoming State Historical Society. Stand 08.11.2014. abgerufen am 25.10.2026
  10. Nachschlagewerk The Outlaw and his Lawyer: Butch Cassidy and Douglas Preston (Dick Blust, WyoHistory.org). Wyoming State Historical Society. Stand 18.01.2025. abgerufen am 25.10.2026
  11. Nachschlagewerk Gregory Nickerson: Industry, Politics and Power: the Union Pacific in Wyoming. WyoHistory.org, Wyoming State Historical Society. Stand 08.11.2014. abgerufen am 25.10.2026
  12. Presse Johnny D. Boggs: Book Review. Shotguns and Stagecoaches (John Boessenecker, 2018). HistoryNet. Stand 27.09.2018. abgerufen am 25.10.2026
  13. Presse Tom Ketchum and His Gang (Jeffrey Burton, zuerst in Wild West, Februar 2002). HistoryNet. Stand 12.06.2006, aktualisiert 05.08.2016. abgerufen am 25.10.2026
  14. Nachschlagewerk Edward Butts: William Miner. The Canadian Encyclopedia, Historica Canada. Stand 07.05.2008, zuletzt bearbeitet 18.01.2019. abgerufen am 25.10.2026
  15. Museum Mail by Rail: Robberies (Ausstellung). Smithsonian National Postal Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  16. Museum Behind the Badge: Train Robbery (Ausstellung). Smithsonian National Postal Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  17. Nachschlagewerk Jeff LaLande: DeAutremont Brothers Train Hold-up at Tunnel 13 (The Oregon Encyclopedia). Oregon Historical Society. Stand zuletzt aktualisiert 21.07.2025. abgerufen am 25.10.2026
  18. Archiv Richard Green: The Great Train Robbery (Blog The Unwritten Record). National Archives and Records Administration. Stand 03.12.2013, aktualisiert 24.03.2021. abgerufen am 25.10.2026
  19. Nachschlagewerk Emmett Dalton (Kansapedia). Kansas Historical Society. Stand Februar 2013. abgerufen am 25.10.2026

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