Indigene Völker NordamerikasVolk

Powhatan

Kurz erklärt Die Powhatan sind Algonkin sprechende Völker im Osten Virginias; 1607 herrschte Wahunsenacawh, genannt Powhatan, über 28 bis 32 Gruppen in einem Land namens Tsenacomoco. Nach drei Kriegen mit den Engländern von 1609 bis 1646 blieben kleine Reservate. Heute erkennen die USA sechs Nationen mit Wurzeln in Tsenacomoco an, als erste 2016 die Pamunkey Indian Tribe.

Breiter Gezeitenfluss im Osten Virginias mit Schilfmarsch am Ufer und dunklem Kiefernwald am Horizont im späten Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Die Powhatan sind Algonkin sprechende Völker aus dem Tidewater, der Gezeitenebene an der Chesapeake Bay im Osten des heutigen Virginia. Als englische Siedler 1607 Jamestown gründeten, herrschte Wahunsenacawh, den die Engländer Powhatan nannten, über 28 bis 32 Gruppen und kleinere Herrschaften; ihr Land hieß Tsenacomoco.[1, 2] Nach ihrem Oberhaupt heißen sie im Englischen oft Powhatan Indians, im Deutschen auch "Powhatan-Indianer".[4] Ihre Nachfahren leben heute in mehreren Nationen in Virginia, sechs davon erkennen die Vereinigten Staaten an.[2, 20, 21]

Zum Wort "Indianer" siehe Darf man "Indianer" sagen?, zur bekanntesten Tochter des Oberhaupts die Seite Pocahontas.

Was bedeutet der Name Powhatan?

Powhatan war zuerst ein Ortsname. Wahunsenacawh kam in der Stadt Powhatan an die Macht, einer Siedlung am Nordufer des James River unterhalb der Fälle beim heutigen Richmond. Als John Smith ihm 1607 begegnete, trug er den Namen seiner Heimatstadt, obwohl er inzwischen in seiner neuen Hauptstadt Werowocomoco lebte.[1] Nach ihm und seiner Herkunftsgruppe heißen die Menschen von Tsenacomoco oft einfach Powhatan; den James River nannten sie selbst Powhatan River.[2]

Seinen persönlichen Namen schreiben die Quellen verschieden: Wahunsenacawh (Encyclopedia Virginia), Wahunsunacock oder Wahunsonacock (Encyclopedia Virginia und Pamunkey Indian Tribe), Wahunsenaca (National Park Service).[1, 7, 11, 15] Nach William Strachey, der 1610 und 1611 in Jamestown lebte, nannten ihn die Nachbarn Powhatan, sein eigenes Volk manchmal Ottaniack oder Mamanatowick, und angesprochen wurde er mit Wahunsenacawh.[7] Mamanatowick war der Titel des Oberhaupts über das ganze Bündnis. Strachey übersetzte ihn mit "großer König", die Encyclopedia Virginia mit "mächtige Geister" oder "mächtiger Schamane".[1, 7] Warum die Powhatan mehrere Namen trugen und sie wechselten, erklärt die Seite Wie indigene Namen entstanden.

Auch Tsenacomoco wird verschieden gedeutet. Strachey schrieb "Tsenacommacah"; Frederic W. Gleach übersetzt es mit "dicht besiedelter Ort", James Geary mit "nahe Wohnstätte", Helen C. Rountree mit "unser Ort".[2] Die heutigen Nationen führen jeweils eigene Namen. Den Namen Mattaponi übersetzt die Mattaponi Indian Tribe aus dem Algonkin mit "Landeplatz" oder "Fluss der hohen Ufer".[18]

Woher kommen die Powhatan?

Im heutigen Virginia lebten nach archäologischen Funden schon vor 16.000 bis 22.000 Jahren Menschen, schreibt das Büro des Secretary of the Commonwealth von Virginia.[22] Die Pamunkey Indian Tribe gibt an, ihre Leute lebten seit mindestens 15.000 Jahren auf dem Land ihres heutigen Reservats und in seiner Umgebung.[16] Wann Sprecher des Algonkin in das Tidewater kamen, ist laut Encyclopedia Virginia unbekannt.[6]

Auch wie Tsenacomoco entstand, ist nicht geklärt. Der Historiker James D. Rice nimmt an, dass die Menschen vor etwa 1300 vor allem jagten und sammelten und ohne starke Zentralgewalt lebten. Bis 1607 hatten sich die Gruppen des Tidewater zu kleinen Herrschaften aus einer oder mehreren Städten und zu einem großen Bündnis unter einem Oberhaupt zusammengeschlossen. Als Gründe nennt Rice das Wachstum der Bevölkerung, mehr Ackerbau, die Kleine Eiszeit, Streit um gute Siedlungsplätze sowie mehr Krieg und Fernhandel.[2] Im 16. Jahrhundert erbte Wahunsenacawh die Herrschaft über sechs Kerngruppen: Powhatan, Arrohateck, Appamattuck, Youghtanund, Pamunkey und Mattaponi. Die übrigen gewann er mit Diplomatie und Gewalt hinzu.[1, 2] Pamunkey und Mattaponi beschreiben sich bis heute als zwei dieser sechs Kerngruppen.[15, 19]

Tsenacomoco reichte vom Südufer des James River bis zum Südufer des Potomac, im Westen bis zur Fall-Linie, wo Stromschnellen die Flüsse für Boote sperren, und im Osten bis zur Chesapeake Bay. Die Grenzen schwankten mit der Macht des Oberhaupts.[2] Westlich lebten Völker mit Sioux-Sprachen wie die Monacan, im Norden und Nordwesten irokesisch sprechende Völker wie die Susquehannock. Die Chickahominy wohnten mitten in Tsenacomoco, blieben aber unabhängig.[2] Ihre Lebensweise ähnelte laut Encyclopedia Virginia der anderer Kulturen der östlichen Wälder; mehr dazu auf der Seite Nordöstliches Waldland und Große Seen.[6]

Wie viele Menschen in Tsenacomoco lebten, ist umstritten. Thomas Jefferson schätzte 1784 etwa 8.000, Helen C. Rountree kommt auf etwa 15.000 auf rund 6.000 Quadratmeilen, andere Schätzungen reichen von 13.000 bis gut 22.000.[2] Der National Park Service nennt für den Höhepunkt des Bündnisses etwa 25.000 Menschen, die Pamunkey Indian Tribe für 1607 14.000 bis 21.000.[11, 15]

Gesellschaft und Familie

Jede Gruppe hatte ihr eigenes Oberhaupt, auf Englisch weroance, eine Frau in dieser Rolle hieß weroansqua.[2, 6] Die Oberhäupter saßen in einem Rat, der den Mamanatowick beriet; dazu kamen Priester, die kwiocosuk. In manchen Fragen folgte der Mamanatowick dem Rat, in anderen entschied er allein.[2] Ein stehendes Heer hatte Wahunsenacawh nicht. Er setzte Verwandte und Verbündete als Oberhäupter ein und siedelte Gruppen um; Oberhaupt der Pamunkey, der größten Kerngruppe, war Opechancanough, sein Bruder oder naher Verwandter.[1, 5]

Seine Macht hing davon ab, wie es den Menschen ging. In guten Jahren lieferten sie ihm große Abgaben, vor allem Mais und Bohnen, die in Vorratshäusern für Feste, Handel, Rituale und Notzeiten lagerten. In Hungerjahren und nach Niederlagen schwand das Vertrauen und mit ihm seine Macht.[2] Nach der Encyclopedia Virginia bot man ihm jedes Jahr bis zu 80 Prozent dessen an, was sein Volk erzeugte, doch er nahm nicht alles, und seine Familie bestellte Gärten und jagte wie andere auch.[1]

Die Herrschaft ging über die Mutter weiter. Erben eines Oberhaupts waren seine Brüder, seine Schwestern und deren Kinder, nicht seine eigenen Kinder; Wahunsenacawh muss deshalb der Sohn einer Schwester seines Vorgängers gewesen sein.[1, 9] Er hatte viele Frauen. Nach dem Brauch blieb eine Frau bei ihm, bis sie ein Kind von ihm hatte, dann kehrte sie zu ihrem Volk zurück, und er sorgte aus der Ferne für sie. Die Kinder kamen wahrscheinlich mit acht bis zehn Jahren an seinen Hof.[9]

Wirtschaft und Ernährung

Die Menschen lebten von Flüssen und Wäldern. Frauen sammelten Wildpflanzen und Brennholz, bestellten die Felder mit Mais und Bohnen und kochten, Männer jagten und fischten.[2] Nach dem National Park Service bauten die Frauen auch die Häuser, die die Powhatan yehakins nannten, und stellten Matten, Körbe, Töpfe, Schnüre und hölzerne Löffel her.[11] Für die Häuser steckten sie schlanke Stangen in den Boden und bogen sie oben zu einem Dach zusammen, Matten deckten Dach und Wände. Waren die Felder erschöpft, zog eine Stadt an einen neuen Platz.[2]

Kleines Maisfeld mit Bohnenranken am Rand eines Eichenwaldes im warmen Nachmittagslicht
Maisfeld am Waldrand im Tidewater von Virginia Bild: KI-generiert

Ihre Felder zäunten die Powhatan nicht ein, und sie rodeten mehr Land, als sie bebauten. Auf den freien Flächen wuchsen Wildgetreide, essbare Kräuter und Heilpflanzen; die Engländer hielten solches Land für "unverbessert" und damit für frei.[2] Das meiste Eiweiß lieferten Hirsche; Wasservögel und Wanderfische wie den Maifisch (shad) gab es nur zu bestimmten Jahreszeiten.[2] Die Flüsse verbanden die Städte und trugen Handel, Nachrichten und Krieg; für manche Gruppen reichte das Handelsnetz bis zu den Großen Seen.[2] Den Maifisch züchten die Mattaponi heute in einer eigenen Brutanlage auf ihrem Reservat.[19]

Glaube

Die Priester, die kwiocosuk, berieten die Oberhäupter.[2] Schon der Titel Mamanatowick deutet laut Encyclopedia Virginia darauf hin, dass die Rolle des Oberhaupts auch eine religiöse war. Seine Schätze verwahrte Wahunsenacawh vor allem in Tempeln wie Uttamussak im Land der Pamunkey, nach der Encyclopedia Virginia dem heiligsten Tempel von Tsenacomoco.[1, 5] Englische Kolonisten berichteten im Krieg, die Powhatan riefen ihren Gott Okee an.[3] Die mündliche Überlieferung der Mattaponi nennt die Priester quiakros und beschreibt sie als geistliche Führer, politische Berater, Ärzte, Geschichtsbewahrer und Hüter der Verhaltensregeln.[11]

Im 18. und 19. Jahrhundert verbanden die Mattaponi nach eigener Darstellung ihre Überlieferung mit englischen Gewohnheiten und wurden größtenteils Christen. Auf ihrem Reservat steht heute die Mattaponi Indian Baptist Church.[19]

Jamestown 1607: Was geschah, als die Engländer kamen?

Am 26. April 1607 segelten die Schiffe Susan Constant, Godspeed und Discovery in die Chesapeake Bay, nach der Encyclopedia Virginia mit 144 Männern und Jungen an Bord, die Besatzungen eingerechnet. Schon am ersten Abend griffen Einheimische eine Landungsgruppe an und verwundeten zwei Engländer.[2] Am 13. Mai wählten die Siedler den Platz für Jamestown; nach dem National Park Service gründeten 104 Männer und Jungen die Siedlung. Bewohnt war der Ort nicht, er lag aber im Jagdgebiet der Powhatan.[10] Genauer gehörte er zum Land der Paspahegh, einer Gruppe des Bündnisses.[3]

Ohne die Hilfe der Powhatan wäre die Siedlung nach dem National Park Service wohl gescheitert: Die Engländer starben an Krankheiten und hungerten, und Wahunsenacawh schickte ihnen Nahrung.[10] Bis zum 25. Juni 1607 hatte er einen Gesandten nach Jamestown geschickt, der Frieden zusagte. Im Dezember 1607 nahm eine Jagdgruppe unter Opechancanough John Smith gefangen und brachte ihn nach Werowocomoco am York River.[1, 5] Dort unterzog ihn Wahunsenacawh wohl einer Zeremonie mit einer Scheinhinrichtung, um ihn als untergeordnetes Oberhaupt aufzunehmen, und bot ihm den Ort Capahosic an. Smith lehnte unter Berufung auf seinen König ab.[1]

Im September 1608 wollten Christopher Newport und Smith den Mamanatowick zum Untertan des englischen Königs machen und ihn krönen. Nach Jamestown kam er dafür nicht; Smith gibt seine Antwort so wieder, auch er sei ein König, und dies sei sein Land. In Werowocomoco weigerte er sich zu knien, und erst als die Engländer ihm auf die Schultern drückten, beugte er leicht die Knie.[1] Bald darauf stellte er den Handel mit den Engländern ein.[3] 1609 verließ er Werowocomoco und zog nach Orapax am Chickahominy River, weiter im Landesinneren.[2]

Eine Stadt der Paspahegh zeigt heute die Jamestown-Yorktown Foundation im Museum Jamestown Settlement als Nachbau im Freien, neben einem Fort aus den Jahren 1610 bis 1614. Die Ausstellungen dort behandeln die Kulturen der Powhatan, der Engländer und der Westzentralafrikaner im Virginia des 17. Jahrhunderts.[12] Den Ort des alten Jamestown auf Jamestown Island erhalten der National Park Service und Preservation Virginia.[10]

Die Englisch-Powhatan-Kriege von 1609 bis 1646

Die Encyclopedia Virginia unterscheidet drei Kriege, von 1609 bis 1614, von 1622 bis 1632 und von 1644 bis 1646; die Pamunkey Indian Tribe übernimmt diese Einteilung.[3, 15] Den Begriff "Anglo-Powhatan War" prägte der Historiker J. Frederick Fausz. Für die Powhatan, die oft, aber in kleinem Rahmen Krieg führten, passt die strenge Trennung von Krieg und Frieden nach dem Ethnologen Frederic W. Gleach kaum.[3] Getötete Powhatan zählen die Quellen nur bei einzelnen englischen Angriffen.[3, 4]

Der Erste Krieg (1609 bis 1614)

Von 1606 bis 1612 herrschte eine Dürre, laut Encyclopedia Virginia die trockenste Zeit seit 770 Jahren. Die Ernten schrumpften, und die Kolonisten erpressten und stahlen Mais.[2, 3] Im Spätsommer 1609 brannten Engländer unter George Percy und John Martin eine Siedlung der Nansemond nieder, an den Fällen des James River kämpften Engländer unter Francis West um die Stadt Powhatan.[3] Im November 1609 lockte Wahunsenacawh Kolonisten unter John Ratcliffe nach Orapax; etwa 33 Männer, zwei Drittel der Gruppe, wurden getötet. Danach schnitten seine Krieger das Fort von Handel und Wald ab.[3] Im Hungerwinter 1609/10, der "Starving Time", starben nach der Encyclopedia Virginia 160 Kolonisten, rund 75 Prozent; der National Park Service nennt nach William Strachey 80 bis 90 Prozent.[3, 10]

Mit dem neuen Gouverneur Thomas West, Baron De La Warr, schlugen die Engländer 1610 zurück. Am 9. Juli 1610 töteten sie in einer Stadt der Kecoughtan 12 bis 14 Menschen, im August 1610 in einer Stadt der Paspahegh 15 oder 16; die Frau und zwei Kinder des Oberhaupts Wowinchopunck wurden gefangen genommen und getötet.[3] Nach Fausz brachten die Engländer Methoden aus Irland mit: Täuschung und Hinterhalt, das wahllose Töten von Menschen jeden Alters und Geschlechts und die Zerstörung ganzer Dörfer.[3] Die Pamunkey Indian Tribe schildert diese Jahre ebenso; englische Soldaten hätten Dörfer verbrannt und Frauen und Kinder getötet.[15] 1611 ließ Sir Thomas Dale die Städte der Nansemond niederbrennen und gründete flussaufwärts die Siedlung Henricus.[3]

Im April 1613 entführte Samuel Argall Pocahontas, die Tochter des Mamanatowick, mit Hilfe von Iopassus, einem Oberhaupt der Patawomeck.[3] Der Krieg endete im April 1614, als sie John Rolfe heiratete und Wahunsenacawh seinen Befehl aufhob, die Engländer anzugreifen, wo immer es ging.[1, 3]

Der Zweite Krieg (1622 bis 1632)

Nach dem Frieden breiteten sich die Tabakpflanzungen der Engländer am James River aus.[4] Pocahontas starb im März 1617 in England, der Tod Wahunsenacawhs wurde den Kolonisten im April 1618 gemeldet.[1, 4] Sein Nachfolger Opitchapam nahm den Namen Otiotan an. 1621 nahmen er und Opechancanough noch einmal neue Namen an, Sasawpen und Mangopeesomon; nach Helen C. Rountree deutet das auf Vorbereitungen für einen Krieg hin.[4, 5]

Am Morgen des 22. März 1622 griffen Krieger unter Opechancanough fast gleichzeitig die verstreuten englischen Siedlungen an. Die Zahl der Toten geben die Quellen verschieden an: mehr als 300 Kolonisten und damit fast ein Drittel der Bevölkerung (James D. Rice), vielleicht bis zu 347 (Helen C. Rountree) oder 350 bis 400 von 1.200 Siedlern (National Park Service).[4, 5, 10] Jamestown blieb verschont, weil ein Powhatan-Junge, der bei den Engländern lebte, warnte; die Encyclopedia Virginia nennt unter mehreren Warnern auch einen Erwachsenen namens Chauco.[5, 10]

Die Engländer antworteten mit Feldzügen gegen die Ernten. Im Herbst und Winter 1622/23 überfielen sie Dörfer, um den Mais zu rauben.[4] Am 22. Mai 1623 empfingen Opitchapam und Opechancanough eine englische Abordnung am Pamunkey River zu Friedensgesprächen; die Gäste reichten vergifteten Wein und schossen dann auf ihre Gastgeber.[4, 5] Im Juli 1624 kam es bei einer Stadt der Pamunkey zur einzigen großen Schlacht dieses Kriegs; während gekämpft wurde, vernichteten Engländer die Felder.[4] 1632 beendete ein Abkommen den Krieg. Um 1640 lebten in Virginia erstmals mehr Engländer als Menschen aus Tsenacomoco.[4]

Der Dritte Krieg (1644 bis 1646)

Am 18. April 1644 griff Opechancanough, inzwischen ein alter Mann, noch einmal an. Die Encyclopedia Virginia nennt etwa 400 getötete Kolonisten, der National Park Service 350 bis 400 von 8.000 Siedlern.[5, 10] 1646 nahm eine Truppe unter Gouverneur William Berkeley Opechancanough in seinem Fort am oberen Pamunkey River gefangen. In Jamestown erschoss ihn ein Wächter, nach dem National Park Service gegen den Befehl.[5, 10] Hunderte Gefangene aus diesem Krieg verkauften die Engländer laut Pamunkey Indian Tribe in die Sklaverei.[15]

Zeitleiste: Powhatan
  1. 26.04.1607Englische Schiffe erreichen die Chesapeake Bay; im Mai gründen die Siedler Jamestown im Land der Paspahegh.[2, 3, 10]
  2. Dezember 1607Opechancanough nimmt John Smith gefangen; in Werowocomoco nimmt Wahunsenacawh ihn wohl mit einer Zeremonie als untergeordnetes Oberhaupt auf.[1, 5]
  3. September 1608Christopher Newport und John Smith krönen Wahunsenacawh in Werowocomoco, um ihn zum Untertan des englischen Königs zu machen.[1]
  4. November 1609Ein Hinterhalt bei Orapax und die Blockade von Jamestown eröffnen den Ersten Englisch-Powhatan-Krieg.[3]
  5. 10.08.1610Engländer überfallen eine Stadt der Paspahegh, töten 15 oder 16 Menschen und richten die Frau und zwei Kinder des Oberhaupts Wowinchopunck hin.[3]
  6. April 1613Samuel Argall entführt Pocahontas bei den Patawomeck.[3] Pocahontas
  7. April 1614Die Ehe von Pocahontas und John Rolfe beendet den Ersten Englisch-Powhatan-Krieg.[1, 3] Pocahontas
  8. April 1618Der Tod Wahunsenacawhs wird den Kolonisten gemeldet.[1]
  9. 22.03.1622Angriffe unter Opechancanough eröffnen den Zweiten Englisch-Powhatan-Krieg; die Zahl der getöteten Kolonisten reicht in den Quellen von mehr als 300 bis 400.[4, 5, 10]
  10. 22.05.1623Bei Friedensgesprächen am Pamunkey River reichen Engländer vergifteten Wein und schießen auf die Gastgeber.[4, 5]
  11. 1632Ein Abkommen beendet den Zweiten Englisch-Powhatan-Krieg.[4]
  12. 18.04.1644Opechancanough greift erneut an; die Quellen nennen 350 bis etwa 400 getötete Kolonisten.[5, 10]
  13. 1646Opechancanough wird gefangen genommen und in Jamestown erschossen; im Oktober schließt Necotowance einen Vertrag, der den Gruppen Land zuweist und sie dem englischen König unterstellt.[2, 5, 10]
  14. 29.05.1677Cockacoeske, Oberhaupt der Pamunkey, unterzeichnet den Vertrag von Middle Plantation.[15]
  15. 1924Der Racial Integrity Act von Virginia führt indigene Menschen amtlich nicht mehr als eigene Gruppe.[6]
  16. 02.07.2015Das US-Innenministerium erkennt die Pamunkey Indian Tribe an, wirksam am 28. Januar 2016.[14]
  17. 29.01.2018Ein Gesetz des Kongresses erkennt sechs Nationen in Virginia an, darunter Chickahominy, Upper Mattaponi, Rappahannock und Nansemond.[21]

Verträge und Reservate

Schon 1614 schlossen die Chickahominy einen eigenen Vertrag mit Thomas Dale. Sie sagten zu, zwei Scheffel Mais je Mann zu liefern und Krieger zum Schutz der Engländer zu schicken, und durften sich dafür weiter selbst regieren; so hält es der Kongress in den Feststellungen des Gesetzes von 2018 fest.[21]

Den Dritten Krieg beendete im Oktober 1646 ein Vertrag, den Necotowance, der Nachfolger Opechancanoughs, schloss. Er machte alle Gruppen zu Untertanen des englischen Königs und wies ihnen Land zu, das die Siedler aber meist missachteten.[2] Nach der Zusammenfassung der Pamunkey Indian Tribe durften Engländer das Land nördlich des York River nur mit Erlaubnis betreten. Indigene Menschen dagegen brauchten eine Erlaubnis und ein Abzeichen oder einen gestreiften Rock, wenn sie auf die Halbinsel kamen, und schuldeten jedes Jahr 20 Biberfelle.[15] Land erhielten nach dem Vertrag unter anderem die Pamunkey, Mattaponi, Nottoway, Chickahominy, Nansemond und Accomac.[6]

Nach Bacon's Rebellion unterzeichnete Cockacoeske, das Oberhaupt der Pamunkey, am 29. Mai 1677 die Articles of Peace, den Vertrag von Middle Plantation. Unter ihr fanden mehrere frühere Gruppen von Tsenacomoco noch einmal zusammen; die Chickahominy und die Rappahannock unterstellten sich ihr nicht.[6, 15] Der Vertrag schuf laut National Park Service weitere Reservate und bekräftigte eine jährliche Abgabe von Fisch und Wild.[10]

Diese Abgabe gibt es bis heute: Pamunkey und Mattaponi überbringen sie dem Gouverneur von Virginia, am vierten Mittwoch im November.[6, 19] Das Reservat der Mattaponi am Mattaponi River wurde nach eigener Angabe 1658 eingerichtet und umfasst rund 150 Acres.[26] Das Reservat der Pamunkey umfasst rund 1.600 Acres am Pamunkey River; die Nation hält es für womöglich das einzige Land an der Ostküste, das nie abgetreten wurde.[16] Im späten 19. Jahrhundert wurden die vier verbliebenen Reservatsgruppen, Gingaskin, Mattaponi, Nottoway und Pamunkey, gedrängt, ihr Land unter den Mitgliedern aufzuteilen. Die Pamunkey lehnten ab und behielten Reservat, Kirche und Schule.[15]

Ruhige Flussbiegung im Tidewater mit hohem Ufer, Schilfgürtel und Kiefern, im Wasser eine Reihe alter Holzpfähle, Abendlicht
Flusslandschaft im Tidewater von Virginia mit Holzpfählen im Wasser Bild: KI-generiert

Der Racial Integrity Act von 1924

Der Racial Integrity Act von Virginia aus dem Jahr 1924 verbot Ehen über die amtlichen Grenzen der "Rassen" hinweg und verlangte die Angabe auf Geburts- und Heiratsurkunden. Als "weiß" galt nur, wer keine andere als europäische Abstammung hatte, alle anderen, auch indigene Menschen, galten als "colored".[6] Eine Ausnahme, die "Pocahontas clause", schützte Virginier, die Pocahontas und John Rolfe als Vorfahren beanspruchten.[6, 9] Rechtlich gab es damit keine indigene Bevölkerung Virginias mehr; dagegen wehrten sich unter anderem der Pamunkey-Chief George Major Cook und der Mattaponi-Chief George F. "Thunder Cloud" Custalow.[6] Für verfassungswidrig erklärte es nach der Pamunkey Indian Tribe erst der Supreme Court 1967 im Fall Loving v. Virginia.[16]

Pocahontas, Disney und was belegt ist

Zwei Filme erzählen die Begegnung von Pocahontas und John Smith: der Zeichentrickfilm "Pocahontas" von Walt Disney aus dem Jahr 1995 und Terrence Malicks "The New World" von 2005. Beide stellen eine Liebesgeschichte zwischen dem jungen Mädchen und Smith in den Mittelpunkt, die laut Encyclopedia Virginia unwahrscheinlich ist.[9] Die Rettungsszene beschrieb Smith erst 1624 in seiner "Generall Historie". In einem Brief wenige Monate nach dem Besuch in Werowocomoco erwähnte er nur ein Festmahl und ein Gespräch mit Wahunsenacawh.[9] Sein Buch entstand mitten im Zweiten Krieg und zeigt verräterische Einheimische, einen heldenhaften Smith und als einzige "gute" Figur die "Prinzessin Pocahontas"; berühmt wurde sie erst in den 1820er Jahren.[9]

Die Mattaponi erzählen die Begegnung nach ihrer mündlichen Überlieferung, die 2007 als Buch "The True Story of Pocahontas: The Other Side of History" erschien: Die "Rettung" sei eine Zeremonie gewesen, die Smith zu einem verbündeten Oberhaupt machte, und sein Leben sei nie in Gefahr gewesen.[11] Ihre Überlieferung enthalte die wahre Geschichte von John Smith und Pocahontas, schreibt die Mattaponi Indian Tribe.[18] Bei den Powhatan trug Pocahontas mehrere Namen: Amonute, den geheimen Namen Matoaka und den Spitznamen Pocahontas; bei ihrer Taufe kam Rebecca hinzu.[7, 9]

Welche Sprache sprachen die Powhatan?

Die Sprachen von Tsenacomoco fassen Sprachwissenschaftler als Virginia-Algonkin oder Powhatan zusammen; sie gehören zu den Ost-Algonkin-Sprachen, die von Labrador bis North Carolina reichten.[8] Überliefert sind nur Wortlisten. John Smith druckte 1612 46 Wörter, darunter "Mockasins" und "Tomahacks", die ins Englische eingingen. William Strachey sammelte mehr als 400, von denen der Linguist Frank T. Siebert Jr. nur 263 als Powhatan gelten ließ.[8]

Am 4. März 1727 entließ die Kolonie ihre bezahlten Dolmetscher für Powhatan, weil die Sprache nicht mehr verbreitet genug war. 1844 erinnerten sich zwei ältere Frauen im Reservat der Pamunkey nur noch an einen Abzählreim.[8] Sprachwissenschaftler nennen die Sprache ausgestorben; das Wort ist laut Encyclopedia Virginia bei manchen Nationen umstritten. Für "The New World" setzte der Linguist Blair Rudes die Sprache aus den alten Wortlisten und verwandten Sprachen wie Passamaquoddy annähernd wieder zusammen.[8]

Die Powhatan-Nationen heute

Nachfahren der Gruppen von Tsenacomoco leben heute in mehreren Nationen in Virginia. Die Encyclopedia Virginia nennt außer den Pamunkey und den Mattaponi mit ihren Reservaten im King William County die Chickahominy, Eastern Chickahominy, Nansemond, Patawomeck, Rappahannock und Upper Mattaponi.[2] Als erste Nation Virginias erkannte das US-Innenministerium die Pamunkey Indian Tribe an, entschieden am 2. Juli 2015 und wirksam am 28. Januar 2016.[14, 16] Sechs weitere Nationen erkannte der Kongress mit dem Thomasina E. Jordan Indian Tribes of Virginia Federal Recognition Act vom 29. Januar 2018 an.[21] Eine davon, die Monacan Indian Nation, gehörte nicht zu Tsenacomoco: Die Monacan sprachen eine Sioux-Sprache und lebten westlich der Fall-Linie.[2, 21]

Nationen mit Wurzeln in Tsenacomoco: offizieller Name laut BIA-Liste 2026, Anerkennung und Lage laut Commonwealth of Virginia
Offizieller NameAnerkennung durch VirginiaAnerkennung durch die USALage
Pamunkey Indian Tribe17. Jahrhundert2015, wirksam 2016Pamunkey River, King William County[14, 20, 22]
Mattaponi Indian Tribe17. Jahrhundertnicht in der BIA-ListeMattaponi River, King William County[18, 20, 22]
Chickahominy Indian Tribe19832018Charles City County[20, 21, 22]
Chickahominy Indian Tribe-Eastern Division19832018New Kent County[20, 21, 22]
Upper Mattaponi Tribe19832018King William County[20, 21, 22]
Rappahannock Tribe, Inc.19832018Indian Neck, King and Queen County[20, 21, 22]
Nansemond Indian Nation19852018 (im Gesetz Nansemond Indian Tribe)Städte Suffolk und Chesapeake[20, 21, 22]
Patawomeck2010nicht in der BIA-ListeStafford County[20, 22]

Die Mattaponi Indian Tribe zählt nach eigener Angabe rund 450 eingetragene Nachfahren. Sie wird von einem Chief, einem Assistant Chief und sieben Ratsmitgliedern regiert; auf ihrem Reservat liegen eine Kirche, das Mattaponi Tribal Museum und eine Fischbrutanlage für den Maifisch.[18, 19] Bei den Pamunkey wählen die Bürger einen Chief für vier Jahre, gewählt im selben Jahr wie der US-Präsident, und sieben Ratsmitglieder; der Rat bestimmt einen Assistant Chief.[17] Seit 1979 betreibt die Nation das Pamunkey Indian Museum, eines der ersten Museen an der Ostküste, die eine Nation selbst führt. Ihre Töpferei hat sich erhalten; in den 1930er Jahren baute Virginia auf dem Reservat eine Töpferschule.[6, 16]

Handgeformte Tongefäße in Erdtönen auf einem Holztisch vor einer rauen Bretterwand, warmes Seitenlicht
Gefäße aus Flusston, wie sie im Tidewater von Virginia entstehen Bild: KI-generiert

Das Reservat der Pamunkey ist auf drei Seiten von Fluss und Marsch umgeben, und der steigende Meeresspiegel bedroht es. Nach Modellen des Virginia Institute of Marine Science könnte der größte Teil in den nächsten 75 Jahren unter Wasser stehen. 2025 nahm der National Trust for Historic Preservation das Reservat in seine Liste der elf am stärksten gefährdeten historischen Orte auf.[16]

Die Rappahannock Tribe schreibt, ihre Vorfahren hätten John Smith im Dezember 1607 in ihrer Hauptstadt Topahanocke getroffen, am Fluss, der ihren Namen trägt.[23] Die Nansemond Indian Nation versteht sich als indigenes Volk des Nansemond River und betreut ihre Bürger in Städten wie Suffolk, Chesapeake und Norfolk.[24]

Offizielle Websites: Pamunkey Indian Tribe, Mattaponi Indian Tribe, Chickahominy Indian Tribe, Upper Mattaponi Tribe, Rappahannock Tribe, Nansemond Indian Nation.

Bekannte Persönlichkeiten

  • Wahunsenacawh (Powhatan), Mamanatowick von Tsenacomoco. John Smith schätzte ihn 1607 auf fast 60 Jahre, was auf eine Geburt um 1550 deutet; sein Tod wurde im April 1618 gemeldet.[1]
  • Pocahontas (um 1596 bis 1617), seine Tochter, 1613 von Engländern entführt, 1614 mit John Rolfe verheiratet, gestorben im März 1617 in Gravesend in England.[11]
  • Opechancanough (gestorben 1646), Bruder oder naher Verwandter Wahunsenacawhs, Oberhaupt der Pamunkey und spätestens 1630 Mamanatowick. Er führte die Angriffe von 1622 und 1644 und wurde nach seiner Gefangennahme in Jamestown erschossen.[5]
  • Uttamatomakkin, ein Priester im Gefolge von Pocahontas, kehrte im Mai 1617 aus England zurück und berichtete Opechancanough sehr ungünstig über die Engländer.[4]
  • Cockacoeske, Oberhaupt der Pamunkey, unterzeichnete 1677 den Vertrag von Middle Plantation; die Engländer nannten sie "Queen of the Pamunkey".[15]

Weitere Lebensläufe stehen in der Liste Bekannte indigene Persönlichkeiten.

Häufige Fragen

Wer waren die Powhatan?

Ein Bündnis Algonkin sprechender Gruppen im Tidewater von Virginia, das 1607 unter Wahunsenacawh stand, den die Engländer Powhatan nannten. Ihr Land hieß Tsenacomoco und reichte vom James River bis zum Potomac. Nachfahren leben heute in mehreren Nationen in Virginia.

Was bedeutet der Name Powhatan?

Powhatan war der Name einer Stadt am James River beim heutigen Richmond. Dort kam Wahunsenacawh an die Macht, und nach seiner Heimatstadt nannten ihn Nachbarn und Engländer Powhatan. Später ging der Name auf die Menschen seines ganzen Bündnisses über.

Gibt es die Powhatan heute noch?

Ja. Pamunkey und Mattaponi haben bis heute Reservate im King William County. Dazu kommen unter anderem die Chickahominy, die Eastern Chickahominy, die Upper Mattaponi, die Rappahannock und die Nansemond. Die Mattaponi zählen nach eigener Angabe rund 450 eingetragene Nachfahren.

Welche Powhatan-Nationen sind von den USA anerkannt?

Die Pamunkey Indian Tribe seit 2016, dazu seit dem Gesetz vom 29. Januar 2018 die Chickahominy Indian Tribe, die Eastern Division der Chickahominy, die Upper Mattaponi Tribe, die Rappahannock Tribe und die Nansemond Indian Nation. Die Mattaponi Indian Tribe ist nur vom Staat Virginia anerkannt.

Wie viele Menschen starben beim Angriff von 1622?

Die Angaben gehen auseinander. Die Encyclopedia Virginia nennt mehr als 300 Kolonisten oder vielleicht bis zu 347, der National Park Service 350 bis 400 von 1.200 Siedlern. Für die Powhatan nennen die Quellen nur Zahlen einzelner englischer Gegenangriffe.

Stimmt die Geschichte aus dem Disney-Film Pocahontas?

Kaum. Pocahontas war 1607 etwa elf Jahre alt, und ihre Verbindung zu John Smith war laut National Museum of the American Indian höchstwahrscheinlich nicht romantisch. Die Rettungsszene kennt nur Smiths Buch von 1624; die meisten Historiker halten sie für falsch.

Welche Sprache sprachen die Powhatan?

Eine Algonkin-Sprache, die Sprachwissenschaftler Virginia-Algonkin oder Powhatan nennen. Überliefert sind nur Wortlisten, vor allem von John Smith und William Strachey. Am 4. März 1727 entließ die Kolonie ihre bezahlten Dolmetscher, weil die Sprache nicht mehr verbreitet genug war.

Quellen

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  2. Nachschlagewerk John Salmon: Tsenacomoco (Powhatan Paramount Chiefdom). Encyclopedia Virginia, Virginia Humanities. Stand 07.12.2020, zuletzt aktualisiert 13.02.2025. abgerufen am 25.10.2026
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  4. Nachschlagewerk James Douglas Rice: Anglo-Powhatan War, Second (1622 bis 1632). Encyclopedia Virginia, Virginia Humanities. Stand 07.12.2020, zuletzt aktualisiert 26.08.2024. abgerufen am 25.10.2026
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