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Brimstone (2016)

Kurz erklärt Brimstone ist ein Western des niederländischen Regisseurs Martin Koolhoven mit Dakota Fanning als stummer Hebamme Liz und Guy Pearce als Reverend, der sie verfolgt. Die europäische Koproduktion mit X Filme aus Berlin lief im September 2016 im Wettbewerb von Venedig und am 30. November 2017 in den deutschen Kinos; keine der Quellen nennt eine historische Vorlage.

Kleine weiße Holzkirche mit spitzem Turm auf einer Anhöhe, darunter ein nebliges Tal mit Holzzäunen im späten Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Worum geht es in Brimstone?

Der Film spielt laut filmportal.de in Amerika zur Zeit des Wilden Westens.[2] Er ist in vier Kapitel geteilt, von denen die ersten drei rückwärts in der Zeit erzählt sind.[5] Sie heißen Revelation, Exodus, Genesis und Retribution; die Titel spielen laut Filmdienst auf die Bibel an.[1, 6] In einem Prolog erinnert sich eine Tochter an ihre Mutter: Sie sei eine Kriegerin gewesen, wie man es in jenen Zeiten habe sein müssen, um zu überleben.[1]

Im ersten Kapitel lebt die stumme Liz mit ihrem Mann Eli, ihrer Tochter und Elis Sohn aus erster Ehe in einer frommen Siedlung und arbeitet als Hebamme.[1, 2] Als ein neuer Reverend in den Ort kommt, ist sie verstört, denn sie kennt ihn offenbar von früher.[1] Bald darauf stirbt bei einer Geburt, bei der sie hilft, das Kind. Die Nachbarn geben Liz die Schuld und beschimpfen sie als Hexe; der Reverend sagt ihr laut Hollywood Reporter, er sei gekommen, um sie zu bestrafen.[1, 5] Die Lage spitzt sich zu, und Liz beschließt zu fliehen.[2]

Die beiden folgenden Kapitel führen in ihre Vergangenheit, als sie noch Joanna hieß und sprechen konnte.[1, 5] Im zweiten wird die junge Joanna halb verdurstet aufgelesen und an Frank verkauft, den Wirt eines Saloons mit Bordell in einer Bergbaustadt; das Lokal heißt Frank's Inferno.[1, 6] Das dritte Kapitel spielt in ihrer Kindheit im Haushalt eines Pfarrers. Hier treten der jüngere Reverend, seine niederländische Frau Anna (Carice van Houten) und seine Gemeinde auf, und es wird klar, wie Liz mit ihm verbunden ist.[1, 5] Dazu kommt Samuel, gespielt von Kit Harington, den der Hollywood Reporter einen Atheisten nennt und Screen International einen Banditen; er versteckt sich eine Zeit lang bei der Familie.[5, 6]

Die Kritiken von Filmdienst, Hollywood Reporter und Screen International heben hervor, wie viel Gewalt der Film zeigt, vor allem gegen Frauen. Die FSK gab ihn ab 16 Jahren frei, der Filmdienst empfiehlt ihn erst ab 18.[1, 2, 5, 6]

Wie endet Brimstone?

Achtung, Schluss: Dieser Abschnitt verrät, wie die Geschichte ausgeht.

Das vierte Kapitel trägt den Titel Retribution, also Vergeltung, und spielt laut Hollywood Reporter im Schnee.[5, 6] Wie der Kampf zwischen Liz und dem Reverend ausgeht, schildern die Kritiken von Filmdienst, Hollywood Reporter und Screen International nicht im Einzelnen. Der Filmdienst schreibt, Liz bekomme zwischendurch immer wieder die Gelegenheit, zurückzuschlagen.[1]

Wer spielt in Brimstone mit?

Die Hauptrolle spielt Dakota Fanning, ihren Verfolger Guy Pearce.[1, 2] Im Mai 2015 hatte Screen International für die Hauptrolle noch Mia Wasikowska gemeldet und Robert Pattinson in der Besetzung.[4] Beide stiegen vor den Dreharbeiten aus. Fanning hatte laut Screen zwei Jahre zuvor schon weit oben auf Koolhovens Wunschliste gestanden.[3]

Darsteller und Rollen laut Filmdienst und filmportal.de
DarstellerRolle
Dakota FanningLiz[1, 2]
Guy Pearceder Reverend (filmportal.de: Pfarrer)[1, 2]
Emilia JonesJoanna, die junge Liz[1, 2, 6]
Kit HaringtonSamuel[1, 2]
Carice van HoutenAnna[1, 2]
William HoustonEli[1, 2]
Paul AndersonFrank[1, 2]
Carla JuriElizabeth[1, 2]
Jack HollingtonMatthew[1, 2]

Wie entstand Brimstone?

Von dem Western sprach Martin Koolhoven laut Screen International zum ersten Mal, als er an seinem Kriegsfilm Winter in Wartime (2008) arbeitete. Die Produzentin Els Vandevorst, die mit ihm 2010 die Firma N279 Entertainment gegründet hatte, beschreibt einen siebenjährigen Weg bis zum fertigen Film.[3] Als Vorbilder nennt Koolhoven nach derselben Quelle The Night of the Hunter von Charles Laughton und Spiel mir das Lied vom Tod von Sergio Leone.[3] Die niederländische Filmseite FilmVandaag schreibt, er liebe besonders die Italowestern, habe dem Genre aber eine niederländische Note geben wollen und dafür die strenge calvinistische Seite der niederländischen Kirche gewählt.[10]

Am Drehbuch schrieb Koolhoven mehr als drei Jahre, auf Englisch mit niederländischer Färbung und mit Hilfe des Übersetzers Sam Garrett.[3] Der niederländische Filmfonds lehnte das Projekt zuerst ab und förderte die Entwicklung dann doch. Vandevorst bestand darauf, dass der Film nicht unter 10 Millionen Euro zu machen sei; am Ende betrug das Budget laut Screen und FilmVandaag 12 Millionen Euro.[3, 10] Wenige Wochen vor Drehbeginn stieg der deutsche Partner Babelsberg aus. Über den britischen Produzenten Paul Trijbits kamen Uwe Schott und X Filme als neue deutsche Partner dazu.[1, 3]

Produziert haben laut filmportal.de X Filme Creative Pool (Berlin), N279 Entertainment (Amsterdam), Prime Time (Brüssel), Backup Films (Paris), FilmWave (London) und Illusion Film & Television (Göteborg). Gefördert wurde der Film vom Medienboard Berlin-Brandenburg, von der Mitteldeutschen Medienförderung und vom Deutschen Filmförderfonds.[2] Das Medienboard sagte 0,3 Millionen Euro zu.[7] Die wichtigen Posten im Stab besetzten laut Screen Niederländer; der Hollywood Reporter nennt Kameramann Rogier Stoffers und Szenenbildner Floris Vos.[3, 5] Den Schnitt machte Job ter Burg, die Musik schrieb Tom Holkenborg.[1, 2]

Wo wurde Brimstone gedreht?

Gedreht wurde laut filmportal.de vom 15. Juni bis 27. Juli 2015.[2] Im Mai 2015 hatte Screen International als geplante Drehländer Rumänien, Spanien und Deutschland gemeldet.[4] Die späteren Angaben weichen davon und voneinander ab. Für Deutschland kündigt eine Meldung zur Förderung durch das Medienboard Berlin-Brandenburg vom 1. Juli 2015 Dreharbeiten in Berlin an.[7]

Drehländer laut den Quellen
QuelleDrehländer
filmportal.deUngarn, Rumänien, Spanien, Deutschland[2]
Screen International, September 2016Ungarn, Österreich, Spanien, Deutschland[3]
The Hollywood Reporter, September 2016Deutschland, Österreich, Ungarn, Spanien[5]

Welche Orte in den anderen Ländern genau dienten, nennt keine der Quellen dieser Seite. Laut Hollywood Reporter ließ Floris Vos die europäischen Schauplätze wie einen zusammenhängenden, nicht näher bestimmten amerikanischen Westen aussehen, mit Schlamm, Regen und im vierten Kapitel Schnee.[5] Die Handlung umfasst laut Screen vier Jahreszeiten.[3]

Verschneite Hügel mit dunklem Nadelwald und einem einzelnen Blockhaus, aus dessen Schornstein Rauch steigt, im fahlen Winterlicht
Winterlandschaft mit Blockhaus: Das vierte Kapitel des Films spielt im Schnee Bild: KI-generiert

Wie viel Wahrheit steckt in Brimstone?

Keine der Quellen nennt eine überlieferte Geschichte als Vorlage. Das Drehbuch stammt von Koolhoven selbst.[1, 2, 3] Der Rahmen ist die Landnahme im amerikanischen Westen des 19. Jahrhunderts.[1, 5] Der Filmdienst beschreibt eine Welt, in der die unsicheren Verhältnisse der Landnahme in der Neuen Welt und eine aus Europa mitgebrachte puritanische Frömmigkeit Gewalt und Ausbeutung begünstigen.[1] Der Hollywood Reporter nennt den Reverend einen Calvinisten mit niederländischer Frau, Screen International spricht von einem lutherischen Prediger.[5, 6]

Wie Frauen im Westen lebten und arbeiteten, auch in Saloons und Bordellen, beschreiben die Seiten Frauen im Wilden Westen und Prostitution im Wilden Westen. Niederländische Siedler, die mit ihrem Pfarrer nach Amerika kamen, gab es tatsächlich: 1847 führte der Geistliche A. C. Van Raalte eine Gruppe aus den Niederlanden an den Ort des heutigen Holland in Michigan, der danach weitere niederländische Einwanderer anzog.[11]

Gefaltete Leinentücher, eine Eisenschere, eine weiße Emailleschüssel und eine Petroleumlampe auf einem rohen Kiefernholztisch
Gegenstände einer Hebamme an der Frontier, wie sie Liz im ersten Kapitel braucht Bild: KI-generiert

Wie wurde Brimstone aufgenommen?

Seine Premiere hatte der Film im September 2016 im Wettbewerb der 73. Filmfestspiele von Venedig, die vom 31. August bis 10. September 2016 dauerten; danach lief er in Toronto.[2, 5, 8] Boyd van Hoeij nannte ihn im Hollywood Reporter einen protestantischen Western, mit einer zermürbenden Laufzeit von 149 Minuten und einem durchgehend düsteren Ton, aber mit einer moralischen Botschaft, die ihren Grundsätzen treu bleibt. Die rückwärts erzählte Ordnung hält er für wenig ergiebig.[5] Lee Marshall von Screen International fand den Film reißerisch und unangenehm; zusammengehalten werde er nur von den beträchtlichen schauspielerischen Fähigkeiten von Guy Pearce und Dakota Fanning.[6] Pearces niederländischen Akzent nennt Marshall perfekt, van Hoeij unsicher.[5, 6]

Felicitas Kleiner nennt Brimstone im Filmdienst zwiespältig: Der Film stelle eine Frau und ihren Überlebenskampf in den Mittelpunkt, doch der krasse Sadismus der Inszenierung schlage immer wieder ins Ausbeuterische um. Dank der Bilder von Rogier Stoffers und der Darsteller könne der Film zwar fesseln, er male aber genüsslich aus, wie seine Heldin missbraucht und gequält wird.[1]

In den Niederlanden gewann Brimstone am 29. September 2017 sechs der neun Gouden Kalveren, für die er nominiert war, beim Nederlands Film Festival: bester Film, Regie, Kamera, Szenenbild, Musik und Tongestaltung. Laut NOS hatte nie zuvor ein Film so viele Gouden Kalveren bekommen.[9] Beim Europäischen Filmpreis 2017 wurde Leendert van Nimwegen für Maske und Frisuren ausgezeichnet.[1, 2]

In Deutschland startete der Film am 30. November 2017 im Verleih von Koch Media. Die FSK gab ihn am 21. März 2017 ab 16 Jahren frei, feiertagsfrei.[1, 2] Als Titel nennt der Filmdienst auch Brimstone: Erlöse uns von dem Bösen. Im Fernsehen lief er laut Filmdienst am 11. Februar 2022 bei 3sat.[1]

Zeitleiste: Brimstone
  1. 15.06.2015Beginn der Dreharbeiten.[2]
  2. 27.07.2015Ende der Dreharbeiten.[2]
  3. September 2016Uraufführung im Wettbewerb der 73. Filmfestspiele von Venedig.[2, 8]
  4. 2017Europäischer Filmpreis für Maske und Frisuren an Leendert van Nimwegen.[1, 2]
  5. 29.09.2017Sechs Gouden Kalveren beim Nederlands Film Festival, darunter für den besten Film.[9]
  6. 30.11.2017Kinostart in Deutschland.[1, 2]
  7. 11.02.2022Erste Ausstrahlung im deutschen Fernsehen bei 3sat.[1]

Häufige Fragen

Beruht Brimstone auf einer wahren Geschichte?

Eine historische Vorlage nennt keine der Quellen, auch nicht Filmdienst und filmportal.de. Martin Koolhoven schrieb das Drehbuch selbst. Als Vorbilder nannte er laut Screen International The Night of the Hunter von Charles Laughton und Spiel mir das Lied vom Tod von Sergio Leone.

Wo wurde Brimstone gedreht?

Laut filmportal.de vom 15. Juni bis 27. Juli 2015 in Ungarn, Rumänien, Spanien und Deutschland, wo laut einer Meldung zur Förderung durch das Medienboard Berlin-Brandenburg Dreharbeiten in Berlin vorgesehen waren. Screen International und der Hollywood Reporter nennen Ungarn, Österreich, Spanien und Deutschland.

Wer spielt in Brimstone mit?

Dakota Fanning spielt Liz, Guy Pearce den Reverend und Emilia Jones die junge Liz, die damals noch Joanna heißt. Kit Harington ist Samuel, Carice van Houten die Frau des Reverends, Anna.

Ist Brimstone ein deutscher Film?

Er ist eine Koproduktion mehrerer europäischer Länder. Deutscher Partner war X Filme Creative Pool aus Berlin mit dem Produzenten Uwe Schott; das Medienboard Berlin-Brandenburg sagte dem Film 0,3 Millionen Euro Förderung zu. Regie und die wichtigsten Posten im Stab kamen aus den Niederlanden.

Wie lang ist Brimstone und ab wie viel Jahren ist er freigegeben?

Der Film dauert laut Filmdienst und filmportal.de 149 Minuten. Die FSK gab ihn ab 16 Jahren frei, die pädagogische Empfehlung des Filmdienstes lautet ab 18.

Wann kam Brimstone in die deutschen Kinos?

Am 30. November 2017 im Verleih von Koch Media. Im Fernsehen zeigte ihn laut Filmdienst 3sat am 11. Februar 2022.

Wer hat die Musik zu Brimstone geschrieben?

Tom Holkenborg. Beim Nederlands Film Festival 2017 erhielt er dafür eines der sechs Gouden Kalveren des Films.

Quellen

  1. Filmdatenbank Brimstone, Lexikon des internationalen Films (mit Kritik von Felicitas Kleiner). filmdienst.de. Stand Aktualisiert am 21.02.2022. abgerufen am 27.10.2026
  2. Filmdatenbank Brimstone. filmportal.de, DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  3. Presse Geoffrey Macnab: Venice: Why 'Brimstone' producer needed "balls of steel" and how it helped 'Game Of Thrones'. Screen International (screendaily.com). Stand 02.09.2016. abgerufen am 27.10.2026
  4. Presse Andreas Wiseman: 'Brimstone' inks France, Germany deals ahead of shoot. Screen International (screendaily.com). Stand 15.05.2015. abgerufen am 27.10.2026
  5. Presse Boyd van Hoeij: 'Brimstone': Venice Review. The Hollywood Reporter. Stand 03.09.2016. abgerufen am 27.10.2026
  6. Presse Lee Marshall: 'Brimstone': Venice Review. Screen International (screendaily.com). Stand 03.09.2016. abgerufen am 27.10.2026
  7. Filmdatenbank Medienboard Berlin-Brandenburg vergibt 5,2 Millionen Euro Förderung. filmportal.de, DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum. Stand 01.07.2015. abgerufen am 27.10.2026
  8. Filmdatenbank Wim Wenders im Venedig-Wettbewerb. filmportal.de, DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum. Stand 28.07.2016. abgerufen am 27.10.2026
  9. Presse Brimstone grote winnaar van de Gouden Kalveren. NOS. Stand 29.09.2017, geändert 30.09.2017. abgerufen am 27.10.2026
  10. Presse Michel van Dam: Recensie 'Brimstone'. FilmVandaag. Stand 11.01.2017. abgerufen am 27.10.2026
  11. Nachschlagewerk Holland (Michigan). Encyclopaedia Britannica, Britannica Editors. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026

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