Indigene Völker NordamerikasVolk
Kwakwaka'wakw (Kwakiutl)
Kurz erklärt Kwakwaka'wakw heißen die Menschen, die Kwak'wala sprechen. Sie leben im Nordosten von Vancouver Island und auf dem Festland gegenüber in British Columbia. Kwakiutl ist eigentlich der Name einer einzigen Gemeinschaft in Fort Rupert; die Kwakiutl First Nation hatte laut kanadischer Regierung im September 2026 1.077 eingetragene Mitglieder.

Kwakwaka'wakw heißen die Menschen, die Kwak'wala sprechen. Ihr Land liegt an der Küste im Nordosten von Vancouver Island und auf dem Festland von British Columbia gegenüber.[1, 13] Bekannter ist im Deutschen der Name Kwakiutl, oft auch "Kwakiutl-Indianer". Er gehört eigentlich nur einer Gemeinschaft, den Kwagu'ł in Fort Rupert, die sich heute Kwakiutl First Nation nennen.[2, 5, 14]
Zum Wort "Indianer" siehe Darf man "Indianer" sagen?, zum Kulturraum die Seite Nordwestküste.
Kwakiutl oder Kwakwaka'wakw: Welcher Name ist richtig?
Das U'mista Cultural Centre in Alert Bay, das sich um das kulturelle Erbe der Kwakwaka'wakw kümmert, beschreibt die Namen so: Seit die Weißen kamen, hießen die Menschen bei der Bundesbehörde Indian Affairs Kwakkewlths, bei den Anthropologen Kwakiutl. "In fact we are the Kwakwaka'wakw", schreibt das Zentrum, Menschen, die Kwak'wala sprechen, aber an verschiedenen Orten leben und ihre Gruppen verschieden nennen.[1, 4] Das Zentrum schreibt den Namen mit Lautzeichen: Kwakwa̱ka̱'wakw.[1]
Kwakiutl war ursprünglich der Name einer einzigen Gruppe. Laut The Canadian Encyclopedia übertrugen Europäer den Namen dieser Nation 1849 auf alle; Britannica schreibt, der Name werde oft für alle Gruppen gebraucht, gehöre aber nur einer Band der Kwakwaka'wakw.[13, 14] Das Dictionary of Canadian Biography hält fest, dass Kwakiutl im 19. und 20. Jahrhundert für alle Sprecher des Kwak'wala stand, inzwischen durch Kwakwaka'wakw ersetzt ist und weiter die Gemeinschaft von Fort Rupert bezeichnet.[15] Das U'mista Cultural Centre führt diese Gemeinschaft als Kwagu'ł mit dem Dorf Tsax̱is (Fort Rupert) an erster Stelle seiner Liste.[2] Die Nation selbst nennt sich Kwakiutl First Nation und schreibt, die Kwakiutl gehörten zur größeren kulturellen Gruppe der Kwakwaka'wakw.[5, 6]
Mythos und Wahrheit
Woher kommen die Kwakwaka'wakw?
Die Kwakiutl First Nation schreibt, ihre Vorfahren lebten seit unvordenklicher Zeit an der Nordostküste von Vancouver Island, jagten und fischten dort.[5] Britannica beschreibt das traditionelle Gebiet der Kwakwaka'wakw als die Ufer der Wasserstraßen zwischen Vancouver Island und dem Festland.[14] Ursprünglich gab es laut The Canadian Encyclopedia etwa 28 Gemeinschaften, die Dialekte des Kwak'wala sprachen.[13]
Das U'mista Cultural Centre stellt 17 Gruppen mit ihren alten Dörfern vor, darunter die Kwagu'ł in Tsax̱is (Fort Rupert), die 'Na̱mǥis in Xwa̱lkw (Cheslakees) am Nimpkish River, die Mama̱liliḵa̱la auf Village Island und die Weḵa'yi in Cape Mudge.[2, 3] Einige Gruppen gibt es nicht mehr, andere schlossen sich zusammen, und manche Dörfer sind seit Jahren verlassen.[1]
Jede Gruppe hat ihre eigene Geschichte über ihren Ursprung. Das U'mista Cultural Centre gibt ein Gespräch wieder, das George Hunt 1906 aufschrieb: Bei einem Fest in Tsax̱is stritten die Anführer der Kwagu'ł, wer ihre Vorfahren erschaffen habe. Am Ende stand die Überlieferung, Möwe, Sonne, Grizzlybär und Donnervogel hätten ihre Masken abgelegt und seien zu den ersten Menschen der einzelnen Gruppen geworden; deshalb bestehen die Kwagu'ł aus mehreren Gruppen.[2] Das Zentrum schreibt, dass sich die Gruppen über ihre alte Rangfolge heute nicht mehr einig sind, und sieht darin ein Zeichen, dass die Kultur lebt und sich verändert.[1]

Gesellschaft und Familie
Die Gesellschaft war nach Rang geordnet. Britannica nennt als Grundlage vor allem ererbte Namen und Vorrechte; dazu konnte das Recht gehören, bestimmte Lieder zu singen, bestimmte Wappen zu zeigen und bestimmte Masken für Zeremonien zu tragen.[14] Namen erhielt man auch bei wichtigen Ereignissen des Lebens. George Hunt etwa bekam laut Dictionary of Canadian Biography bei seiner ersten und seiner zweiten Heirat jeweils einen neuen Namen.[15]
Solche Übergänge machte der Potlatch öffentlich. Das U'mista Cultural Centre nennt ihn die Zeremonie, mit der die Kwakwaka'wakw ihre Geschichten erzählen und Geburt, Heirat, Namensgebung, die Einsetzung eines neuen Chiefs und den Tod sichtbar machen. Das Wort stammt nach dem Zentrum aus der Handelssprache Chinook und bedeutet "geben". Die Gäste sind Zeugen und erhalten dafür Geschenke.[3] Heute geben laut The Canadian Encyclopedia erbliche Chiefs ihre Rechte und Vorrechte bei Potlatches weiter, während gewählte Räte die Bands regieren.[13]
Wirtschaft und Ernährung
Traditionell lebten die Kwakwaka'wakw laut Britannica vor allem vom Fischfang, und ihre Technik beruhte auf der Arbeit mit Holz.[14] Die Kwakiutl First Nation beschreibt ihre Vorfahren als geschickte Fischer, Jäger und Sammler, die ihr Wissen über Potlatches, Erzählungen und Schnitzarbeiten weitergaben.[6]
Laut Kwakiutl First Nation wiesen die Kwakiutl 1835 die Hudson's Bay Company, die große Kompanie des Pelzhandels, auf Kohle bei Suquash hin, etwa 14 Kilometer südöstlich des späteren Fort Rupert. Als die Kompanie 1836 ihr Dampfschiff Beaver schickte, ließen die Kwagu'ł sie nicht selbst abbauen: Sie wollten die Kohle selbst fördern und an die Kompanie verkaufen. Daraus wurde ein Kohlehandel über mehrere Jahre.[7]
Schnitzen, Weben und Kanubau gibt es bis heute. Laut Kwakiutl First Nation schnitzte Calvin Hunt im Mai 1988 den Hunt Pole in Fort Rupert; zusammen mit einer Grabfigur für seinen Vater waren das die ersten solchen Pfähle im Ort seit etwa 70 Jahren. Mit dem Wiederaufleben des Kanubaus 1993 schnitzten Calvin Hunt und sein Neffe Mervyn Child ein 32 Fuß langes Kanu, das die Kwakiutl bei einem Kanutreffen in Bella Bella vertrat, und später weitere große Kanus.[10]
Glaube
Viele Potlatches der südlichen Kwakwaka'wakw waren laut Britannica mit Auftritten von Tanzgesellschaften verbunden. Jede Gesellschaft hatte eine Folge von Tänzen, die Begegnungen von Vorfahren mit übernatürlichen Wesen darstellten; von diesen Wesen stammten nach der Überlieferung Lieder, Tänze und Namen, die dann als Erbe in den Familien blieben.[14] Das U'mista Cultural Centre erklärt, warum die Tänze genau gleich bleiben sollen: Die Geschichte der Vorfahren wird in Liedern und Tänzen weitergegeben, und Masken und Theater helfen den Zeugen, sich daran zu erinnern.[3]
Einen Überblick gibt die Seite Glaube, Symbole und Zeremonien.
Die Kwakwaka'wakw im 19. Jahrhundert
Im Mai 1849 begann die Hudson's Bay Company, in Beaver Harbour das Fort Rupert zu bauen, als Stützpunkt für die Kohlefelder bei Suquash; der Pelzhandel war dort nach Angaben der Kwakiutl First Nation nur zweitrangig.[7] Am 8. Februar 1851 unterschrieben die Queackar und die Quakeolth in Fort Rupert je einen Vertrag mit James Douglas, dem Vertreter der Kompanie (mehr dazu unten).[12]
In Fort Rupert wuchs George Hunt auf. Er kam laut Dictionary of Canadian Biography am 14. Februar 1854 dort zur Welt, als Sohn des Engländers Robert Hunt, der für die Kompanie arbeitete, und der Tlingit Mary Ebbets (Anisalaga).[15] Hunt wurde Dolmetscher, Führer und Sammler. Ab 1879 kaufte er Gegenstände für Museen und Sammler; die beiden größten Sammlungen mit je mehr als 1.000 Stücken liegen heute im American Museum of Natural History in New York und im Milwaukee Public Museum.[15]
In den 1870er Jahren pachteten zwei Unternehmer laut U'mista Cultural Centre Land auf Cormorant Island für eine Fischsalzerei und brachten die 'Na̱mǥis dazu, von ihrem Dorf am Nimpkish River nach Alert Bay zu ziehen. Es folgten eine Kirche und eine Schule des Missionars Alfred Hall, ein Sägewerk und in den 1880er Jahren ein Indian Agent, ein Beamter der Bundesregierung.[3]
Das Potlatch-Verbot von 1884
Für Missionare und Beamte war der Potlatch nach dem U'mista Cultural Centre verschwenderisch, unmoralisch und heidnisch. 1883 drängten Kirche und Beamte die Bundesregierung zu einer Proklamation, ein Jahr später folgte am 19. April 1884 eine Änderung des Indian Act, die Teilnahme am Potlatch zum Vergehen machte.[3] Die Strafe lautete laut Gesetzestext zwei bis sechs Monate Haft. Der erste Absatz des Gesetzes beginnt so:[3]
Jeder Indianer oder jede andere Person, die das als "Potlatch" bekannte indianische Fest oder den als "Tamanawas" bekannten indianischen Tanz mitfeiert oder dabei hilft, macht sich eines Vergehens schuldig.
Das Zentrum datiert das Verbot an anderer Stelle auf 1885 bis 1951, The Canadian Encyclopedia nennt 1885 als Jahr des Gesetzes.[4, 13] Im Artikel "Potlatch Ban" schreibt The Canadian Encyclopedia, die Änderung des Indian Act vom 19. April 1884 sei am 1. Januar 1885 Gesetz geworden.[21] Lange blieb es fast wirkungslos, weil der Wortlaut zu ungenau war; die Kwakwaka'wakw feierten weiter, bis der Paragraph schärfer gefasst wurde.[3] Auch George Hunt geriet in Konflikt mit dem Gesetz: 1900 wurde er wegen der Teilnahme an einem verbotenen Tanz festgenommen und angeklagt. Sein Anwalt erreichte einen Freispruch mit der Begründung, Hunt sei nur zur wissenschaftlichen Beobachtung dabei gewesen; Franz Boas hatte dafür Veröffentlichungen geliefert.[15]
Franz Boas und George Hunt
Der in Deutschland geborene amerikanische Ethnologe Franz Boas beschrieb laut Britannica in mehr als 5.000 Seiten über fast ein halbes Jahrhundert beinahe jeden Teil der Kultur der Kwakiutl, wie man damals alle Kwakwaka'wakw nannte.[14, 15] Ein großer Teil seines Materials kam von George Hunt. Ihr erstes belegtes Treffen war 1888, danach arbeiteten sie mehr als vier Jahrzehnte zusammen, mit einer Pause von 1912 bis 1915. 1893 verbrachte Hunt sechs Monate in Chicago, wo Boas ihm das Schreiben des Kwak'wala in einem von ihm entwickelten Alphabet beibrachte und er half, eine Ausstellung über die Kwakiutl für die Weltausstellung zu organisieren.[15]
Bis zu seinem Tod am 5. September 1933 in Fort Rupert schrieb Hunt laut Dictionary of Canadian Biography bis zu 10.000 Seiten Texte auf Kwak'wala mit englischer Übersetzung zwischen den Zeilen, von Mythen und Familiengeschichten bis zum Zimmern und Kochen. Boas veröffentlichte elf Bände davon, die meisten unter seinem eigenen Namen. Die Texte zeigen nach derselben Quelle nicht einfach die Sicht der Kwakwaka'wakw; sie folgten ebenso den Forschungsfragen von Boas.[15]
- 1835Kwakiutl weisen die Hudson's Bay Company auf Kohle bei Suquash hin und handeln danach selbst mit Kohle.[7]
- Mai 1849Die Hudson's Bay Company beginnt in Beaver Harbour mit dem Bau von Fort Rupert.[7]
- 08.02.1851Die Queackar und die Quakeolth schließen in Fort Rupert je einen Douglas-Vertrag mit der Hudson's Bay Company.[12]
- 14.02.1854George Hunt kommt in Fort Rupert zur Welt.[15]
- 19.04.1884Eine Änderung des kanadischen Indian Act stellt den Potlatch unter Strafe.[3] Haida
- 1888Erstes belegtes Treffen von George Hunt und Franz Boas.[15]
- 1893George Hunt hilft in Chicago, eine Ausstellung über die Kwakiutl für die Weltausstellung zu organisieren.[15]
- Dezember 1914Premiere von In the Land of the Head Hunters mit Darstellern der Kwakwaka'wakw in New York und Seattle.[16] Edward S. Curtis
- 1921Nach dem Potlatch von Dan Cranmer auf Village Island werden 45 Menschen festgenommen und angeklagt, Masken und Gegenstände beschlagnahmt.[3]
- 1951Bei der Neufassung des Indian Act fällt das Verbot des Potlatch weg.[3]
- 1952Mungo Martin hält in Victoria den ersten öffentlichen Potlatch nach dem Verbot.[3]
- 22.03.1974Die U'mista Cultural Society wird eingetragen.[4]
- November 1980Das U'mista Cultural Centre in Alert Bay öffnet mit der Potlatch Collection.[4]
- 1988Das Royal Ontario Museum gibt seinen Teil der beschlagnahmten Sammlung zurück; in Fort Rupert entsteht der Hunt Pole.[3, 10]
- 200216 Stücke aus dem National Museum of the American Indian kommen nach Alert Bay zurück.[3]
- 2003Die Kwakiutl First Nation tritt vom Verhandlungstisch der Winalagalis Treaty Group zurück, um Ansprüche aus dem Douglas-Vertrag zu verfolgen.[7]
- Februar 2015Kanada sagt der 'Na̱mǥis First Nation Geld für den Abriss der St. Michael's Indian Residential School in Alert Bay zu.[17]
Der Potlatch von 1921 und die Rückgabe der Sammlung
1921 gab Dan Cranmer einen großen Potlatch auf Village Island ('Mimkwa̱mlis). Nach seiner Erinnerung wählte er den Ort, um dem Indian Agent auszuweichen und weil dort die Verwandten seiner Frau lebten. Der Indian Agent Halliday und Sergeant Donald Angerman von der Polizei British Columbias ließen danach 45 Menschen festnehmen und anklagen, etwa weil sie Reden gehalten, getanzt oder Geschenke getragen und angenommen hatten.[3]
Die Urteile beruhten laut U'mista Cultural Centre auf einer unrechtmäßigen Absprache: Gaben ganze Gruppen ihre Potlatch-Gegenstände ab, wurden die Strafen ihrer verurteilten Mitglieder zur Bewährung ausgesetzt. 22 Verurteilte erhielten Bewährungsstrafen, 20 Männer und Frauen kamen in das Gefängnis Oakalla bei Vancouver, für zwei Monate beim ersten und drei Monate beim zweiten Vergehen.[3] The Canadian Encyclopedia fasst zusammen, dass etwa die Hälfte der 45 Festgenommenen ins Gefängnis musste.[13]
Halliday lagerte die beschlagnahmten Masken und Gegenstände in der anglikanischen Gemeindehalle von Alert Bay, stellte sie gegen Eintritt aus und verkaufte 33 Stücke an den New Yorker Sammler George Heye; das Ministerium rügte ihn dafür. Der größte Teil ging in Kisten nach Osten, an das Victoria Memorial Museum in Ottawa (heute Canadian Museum of History) und an das Royal Ontario Museum in Toronto. Duncan Campbell Scott, stellvertretender Leiter des Department of Indian Affairs, nahm einige Stücke in seine private Sammlung.[3, 13]
Der Potlatch ging danach in den Untergrund. Bei der Neufassung des Indian Act 1951 fiel der Paragraph 149 ohne Ersatz weg, und 1952 hielt Chief Mungo Martin in Victoria den ersten öffentlichen Potlatch.[3] Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre begannen Jimmy Sewid und andere, die Rückgabe zu betreiben. Die National Museums of Canada stimmten zu, ihren Teil zurückzugeben, verlangten aber ein Museum, das die Sammlung sicher aufbewahrt. So entstanden zwei Häuser: das Kwakiutl Museum in Cape Mudge, heute Nuyumbalees Cultural Centre, und das U'mista Cultural Centre in Alert Bay.[3, 13]

Die U'mista Cultural Society wurde am 22. März 1974 eingetragen, ihr Haus in Alert Bay öffnete im November 1980; im Mittelpunkt der Dauerausstellung steht die "Potlatch Collection". Die meisten Gegenstände sind nach Angaben der Gesellschaft heute zurück, im U'mista Cultural Centre und im Nuyumbalees Museum.[4] Das Royal Ontario Museum gab seine Stücke erst 1988 zurück. Im Juli 2000 beschloss der Vorstand des National Museum of the American Indian der Smithsonian Institution, 16 weitere Stücke zurückzugeben; sie kamen 2002 nach Alert Bay. Eine Verwandlungsmaske aus dem British Museum ist dort als Dauerleihgabe zu sehen, und wo eine unbekannte Zahl weiterer Gegenstände geblieben ist, weiß das Zentrum nicht.[3]
Edward S. Curtis und der Film von 1914
Der Fotograf Edward S. Curtis drehte mit Laiendarstellern aus Gemeinschaften der Kwakwaka'wakw den Stummfilm In the Land of the Head Hunters, der im Dezember 1914 Premieren in New York und Seattle hatte. Laut Rutgers University war es der erste abendfüllende Spielfilm, in dem nur indigene Menschen Nordamerikas spielten.[16] George Hunt arbeitete von 1911 bis 1914 für Curtis' Fotos der Kwakiutl und war beim Film unter anderem Bühnenbauer, Dolmetscher, Lieferant von Requisiten und wichtigster kultureller Berater.[15]
Curtis inszenierte vieles. Nach Rutgers University zeigt der Film Kunstwerke und viele Tänze so, wie die Kwakwaka'wakw sie kannten. Plankenhäuser, Kleidung aus Zedernrinde und die großen Einbäume waren 1914 noch bekannt, wurden aber immer weniger benutzt. Kopfjagd, Zauberei und der Umgang mit menschlichen Überresten gehörten zu einer längst vergangenen Zeit, und den Walfang samt gemietetem Wal übernahm Curtis von Nachbarvölkern.[16] Zugleich zeigt der Film Zeremonien, die damals unter dem Potlatch-Verbot standen; Rutgers sieht darin einen Weg, auf dem die Kwakwaka'wakw ihre Tänze durch die Zeit des Verbots trugen.[16] 1973 kam eine neu geschnittene Fassung mit neuer Tonspur als In the Land of the War Canoes heraus.[15, 16]
Verträge und Land
Die beiden Verträge von Fort Rupert vom 8. Februar 1851 haben fast denselben Wortlaut. Die Queackar und die Quakeolth traten darin der Hudson's Bay Company das Land zwischen McNeill's Harbour und Hardy Bay ab, bis zwei Meilen ins Innere der Insel. Ihre Dorfplätze und eingezäunten Felder sollten ihnen und ihren Nachkommen bleiben, und sie durften auf dem unbesetzten Land weiter jagen und wie bisher fischen. Die Queackar erhielten 64 Pfund Sterling, die Quakeolth 86 Pfund; unterschrieben haben Wale und elf weitere sowie Wawattie und 15 weitere mit ihrem Zeichen.[12] Sie gehören zu den Douglas-Verträgen, die die kanadische Regierung nach einer Ausgabe von 1875 veröffentlicht.[12]
Die Kwakiutl First Nation versteht sich bis heute als Vertragsnation nach dem Douglas-Vertrag von 1851. Er sei von der Krone weitgehend nicht umgesetzt, aber nie erloschen, und sichere Rechte an Dorfplätzen, Feldern, Jagdgebieten und Fischerei.[8] Ende 2003 trat die Nation nach eigenen Angaben vom Verhandlungstisch der Winalagalis Treaty Group im Vertragsprozess von British Columbia zurück, um Ansprüche aus dem Douglas-Vertrag zu verfolgen; ihr Vertragsbüro ist geschlossen.[7] The Canadian Encyclopedia führt die Kwakiutl Nation dagegen noch in der vierten von sechs Stufen dieses Prozesses.[13] Die BC Treaty Commission führt die Kwakiutl Nation (Stand August 2025) ebenfalls in Stufe 4, aber mit dem Vermerk "Not Currently Negotiating", also derzeit ohne Verhandlungen.[22]

Die Kwakwaka'wakw heute
Die Kwakiutl First Nation hat ihren Sitz in Fort Rupert bei Port Hardy. Ihr gewählter Rat trifft sich im Verwaltungsgebäude in Fort Rupert; die Mitglieder werden für zwei Jahre gewählt, Chief Councillor ist laut Website der Nation (Seite vom Juni 2026) Verna Hunt.[5, 9] Die Nation betreibt die Wagalus School von der Vorschule bis zur siebten Klasse; neben dem Lehrplan von British Columbia bietet sie Sprachunterricht und kulturelle Programme.[5] Im September 2026 hatte sie laut Crown-Indigenous Relations and Northern Affairs Canada 1.077 eingetragene Mitglieder, davon 318 im eigenen Reservat und 721 außerhalb eines Reservats.[11]
Für alle Kwakwaka'wakw gibt es keine einheitliche Zahl. Britannica nennt für 2014 etwa 7.700 Menschen in 15 Nationen und Bands, in der kanadischen Volkszählung 2016 gaben laut The Canadian Encyclopedia 3.670 Menschen Vorfahren der Kwakwaka'wakw an.[13, 14] Neun Bands, darunter die Kwakiutl First Nation, bilden den Kwakiutl District Council; die Regierung von British Columbia nennt für sie zusammen 5.167 Menschen.[18]
Kwak'wala gehört zur Sprachfamilie Wakash und gilt als gefährdet.[13] Das U'mista Cultural Centre hat ein eigenes Programm, um die Sprache wiederzubeleben.[20]
In Alert Bay stand die St. Michael's Indian Residential School, ein Internat für indigene Kinder; Hazel Alfred aus Fort Rupert besuchte dort die zweite Klasse.[19] Im Februar 2015 sagte die kanadische Regierung der 'Na̱mǥis First Nation 1,8 Millionen Dollar für den Abriss des Gebäudes und die Sanierung des Geländes zu und unterstützte Zeremonien der Heilung am Ort.[17]
Offizielle Websites: Kwakiutl First Nation und U'mista Cultural Centre.
Bekannte Persönlichkeiten
- George Hunt (1854 bis 1933), aufgewachsen in Fort Rupert, Sammler und Mitarbeiter von Franz Boas und Edward S. Curtis.[15]
- Dan Cranmer gab 1921 den Potlatch auf Village Island, nach dem 45 Menschen festgenommen wurden; das U'mista Cultural Centre gibt von ihm auch eine Erzählung der 'Na̱mǥis aus dem Jahr 1930 wieder.[2, 3]
- Mungo Martin hielt 1952 in Victoria den ersten öffentlichen Potlatch nach dem Verbot.[3]
- Jimmy Sewid setzte sich ab den späten 1950er Jahren für die Rückgabe der beschlagnahmten Sammlung ein.[3]
- Calvin Hunt, erblicher Chief der Kwagu'ł in Fort Rupert, schnitzte 1988 den Hunt Pole und baut Kanus.[10]
Weitere Lebensläufe stehen in der Liste Bekannte indigene Persönlichkeiten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kwakiutl und Kwakwaka'wakw?
Kwakwaka'wakw ist der Name aller Gruppen, die Kwak'wala sprechen. Kwakiutl hieß ursprünglich nur eine von ihnen, die Kwagu'ł in Fort Rupert. Europäer übertrugen den Namen 1849 auf alle; Ethnologen übernahmen ihn, die Behörde Indian Affairs schrieb Kwakkewlth. Heute steht er vor allem für die Kwakiutl First Nation in Fort Rupert.
Wie nennen sich die Kwakiutl selbst?
Das U'mista Cultural Centre schreibt: "In fact we are the Kwakwaka'wakw", also die Menschen, die Kwak'wala sprechen. Die Gemeinschaft in Fort Rupert heißt in ihrer Sprache Kwagu'ł; sie selbst nennt sich auf Englisch Kwakiutl First Nation.
Wo leben die Kwakwaka'wakw heute?
An der Küste im Nordosten von Vancouver Island und auf dem gegenüberliegenden Festland von British Columbia, etwa in Fort Rupert bei Port Hardy, in Alert Bay auf Cormorant Island und in Cape Mudge. Viele Mitglieder leben außerhalb der Reservate; bei der Kwakiutl First Nation sind es laut kanadischer Regierung 721 von 1.077 eingetragenen Mitgliedern.
Warum war der Potlatch in Kanada verboten?
Kirche und Beamte drängten die Regierung, die Feier zu verbieten, weil sie sie für verschwenderisch, unmoralisch und heidnisch hielten. Ein Gesetz vom 19. April 1884 stellte den Potlatch unter Strafe. Erst bei der Neufassung des Indian Act 1951 fiel der Paragraph weg.
Was geschah 1921 auf Village Island?
Dan Cranmer gab dort einen großen Potlatch. Die Behörden nahmen danach 45 Menschen fest, 20 Männer und Frauen kamen für zwei bis drei Monate ins Gefängnis. Masken und andere Gegenstände wurden beschlagnahmt und an Museen und Sammler gegeben; vieles ist inzwischen zurück in Alert Bay und Cape Mudge.
Was hat Franz Boas mit den Kwakiutl zu tun?
Der Ethnologe Franz Boas schrieb über fast ein halbes Jahrhundert mehr als 5.000 Seiten über die Kwakiutl. Ein großer Teil seines Materials stammt von George Hunt aus Fort Rupert, der bis zu 10.000 Seiten Texte auf Kwak'wala verfasste.
Ist der Film In the Land of the Head Hunters echt?
Der Film von Edward S. Curtis aus dem Jahr 1914 ist ein Spielfilm mit Laiendarstellern der Kwakwaka'wakw. Kunst und viele Tänze sind laut Rutgers University echt, Kopfjagd und Zauberei stammen aus längst vergangener Zeit, den Walfang übernahm Curtis von Nachbarvölkern.
Quellen
- Tribal Nation The Kwak̓wala Speaking Peoples. U'mista Cultural Centre. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- Tribal Nation The Kwakwaka'wakw Tribes. U'mista Cultural Centre. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- Tribal Nation The History of the Potlatch Collection. U'mista Cultural Centre. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- Museum About Us. U'mista Cultural Society, U'mista Cultural Centre. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- Tribal Nation Welcome to the Kwakiutl First Nation (Startseite). Kwakiutl Band Council. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- Tribal Nation Lands and Resources: Referral Review and Engagement Policy. Kwakiutl Band Council. Stand 13.05.2026. abgerufen am 26.10.2026
- Tribal Nation Traditional Carvings. Kwakiutl Band Council. Stand 05.09.2024. abgerufen am 26.10.2026
- Amtliche Stelle Registered Population: Kwakiutl (Nr. 626). Crown-Indigenous Relations and Northern Affairs Canada, First Nation Profiles. Stand September 2026. abgerufen am 26.10.2026
- Gesetz und Vertrag Treaty Texts: Douglas Treaties (Queackar Tribe und Quakeolth Tribe, Fort Rupert, 08.02.1851), nach Papers Connected with the Indian Land Question, 1875. Crown-Indigenous Relations and Northern Affairs Canada. Stand 30.08.2013. abgerufen am 26.10.2026
- Nachschlagewerk Gloria Cranmer Webster: Kwakwaka'wakw (Kwakiutl). The Canadian Encyclopedia, Historica Canada. Stand 08.06.2023. abgerufen am 26.10.2026
- Nachschlagewerk Judith Berman: Hunt, George (Xawe, 'Maxwalagalis, Q'exitaso, Nołq'ołala). Dictionary of Canadian Biography, Bd. 16, University of Toronto und Université Laval. Stand 2017. abgerufen am 26.10.2026
- Fachaufsatz Edward Curtis Meets the Kwakwaka'wakw: In the Land of the Head Hunters (About). Rutgers, The State University of New Jersey. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- Amtliche Stelle Government of Canada Supports Healing and Reconciliation at St. Michael's Indian Residential School in Alert Bay, British Columbia. Aboriginal Affairs and Northern Development Canada. Stand 18.02.2015. abgerufen am 26.10.2026
- Amtliche Stelle Kwakiutl District Council. Government of British Columbia, First Nations Negotiations. Stand 29.12.2023. abgerufen am 26.10.2026
- Tribal Nation U'mista Cultural Society (Startseite). U'mista Cultural Centre. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- Nachschlagewerk Taylor Noakes: Potlatch Ban. The Canadian Encyclopedia, Historica Canada. Stand 11.01.2024. abgerufen am 26.10.2026
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Alexander Müller Gründer und Herausgeber von Wilder-Westen.org
Alexander Müller hat Wilder-Westen.org gegründet und gibt es heraus. Er lebt in Bertingen in Sachsen-Anhalt, führt dort SEO NW und verantwortet Redaktion, Technik und Gestaltung.
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