Indigene Völker NordamerikasThema

Nordwestküste: die Völker am Nordpazifik

Kurz erklärt Die Nordwestküste ist das Kulturareal der Pazifikküste von der Yakutat Bay in Alaska bis Cape Mendocino in Kalifornien, wo unter anderem Tlingit, Haida, Tsimshian, Kwakwaka'wakw, Nuu-chah-nulth, Makah und Chinook leben. Ihre Wirtschaft beruhte vor allem auf Lachs und anderen Tieren des Wassers. Seuchen ließen ihre Zahl nach Schätzungen zwischen 1780 und 1900 um bis zu 80 Prozent schrumpfen.

Felsige Pazifikküste mit dichtem Regenwald aus Fichten und Zedern, Nebelschwaden über dem Meer und kleine Inseln im warmen Licht der späten Nachmittagssonne
Bild: KI-generiert

Die Nordwestküste ist in der Ethnologie das Kulturareal an der Pazifikküste Nordamerikas: ein schmaler Küstenstreifen mit vorgelagerten Inseln von der Yakutat Bay im Golf von Alaska bis Cape Mendocino im heutigen Kalifornien.[1] Hier leben Nationen wie die Tlingit, Haida, Tsimshian, Kwakwaka'wakw, Nuu-chah-nulth, Makah und Chinook.[1, 9] Britannica führt ihren Artikel über diese Völker unter "Northwest Coast Indian", auch "Pacific Northwest Indian"; im Deutschen ist oft von "Nordwestküsten-Indianern" die Rede.[1, 2]

Zum Wort "Indianer" siehe Darf man "Indianer" sagen?, einen Überblick über alle Kulturräume gibt die Seite Indigene Völker Nordamerikas.

Was ist ein Kulturareal?

Ein Kulturareal (culture area) ist laut Britannica ein zusammenhängendes Gebiet, in dem die meisten Gesellschaften viele Merkmale gemeinsam haben. Abgegrenzt wurden solche Gebiete um 1900, bekannt gemacht hat den Begriff der Anthropologe Clark Wissler, und bis heute gehört er zu den meistgenutzten Rahmen, um Kulturen zu beschreiben.[6] Das Wort "Nordwestküste" ist damit eine Einteilung der Wissenschaft; die Nationen selbst tragen ihre eigenen Namen.[6, 19]

Die Nordwestküste ist nach Britannica das am schärfsten abgegrenzte Kulturareal Nordamerikas. Im Osten bilden die Coast Ranges bis zum Puget Sound, die Cascades bis zum Columbia und die Küstenberge Oregons und Nordwestkaliforniens die Grenze. Nach Süden geht die Küste allmählich in das Kulturareal Kalifornien über, und manche Fachleute zählen die südlichsten Völker schon dazu.[1]

Britannica teilt die Küste in vier "Provinzen". Zur nördlichen zählen die Sprecher des Tlingit, Haida und Tsimshian sowie die Haisla. Zur Wakash-Provinz gehören die übrigen Kwakiutl, wie Britannica die Kwakwaka'wakw nennt, die Bella Coola und die Nuu-chah-nulth. Die Provinz Coast Salish und Chinook reicht bis an die mittlere Küste Oregons und umfasst unter anderem Makah, Chinook und Tillamook. Im Nordwesten Kaliforniens liegen die Tututni-Tolowa, Karok, Yurok, Wiyot und Hupa.[1]

Landschaft und Klima

Die Meeresströmung Kuroshio wärmt die Region: Heiß wird es selten, unter den Gefrierpunkt fallen die Temperaturen kaum. Sie bringt auch viel Regen. In vielen Gegenden fallen im Jahr im Schnitt mehr als 4.060 Millimeter, selbst in den trockensten kaum weniger als 760 Millimeter.[1] Meist steigt das Land steil aus dem Meer und ist von schmalen Meeresarmen und Fjorden zerschnitten; am Puget Sound, im Südwesten Washingtons und an der Küste Oregons ist es flacher.[1]

Dichte Nadelwälder aus Fichten, Douglasien, Hemlocktannen, Roter und Gelber Zeder und im Süden Küstenmammutbäumen boten vielen Tieren und essbaren Pflanzen Raum. Die Wirtschaft der Völker richtete sich laut Britannica vor allem auf das Wasser.[1]

Felsige Pazifikküste mit Kiesstrand, dahinter dichter Regenwald aus Fichten und Zedern, Nebel über dem Meer im späten Nachmittagslicht
Regenwald und Felsküste am Nordpazifik Bild: KI-generiert

Wie lebten die Völker der Nordwestküste?

Im Wasser gab es laut Britannica Hering, den fettreichen Kerzenfisch (Eulachon), Stint, Kabeljau, Heilbutt, Muscheln, fünf Lachsarten und Grauwale. Als Vorrat für den Winter dienten vor allem Buckel- und Ketalachs: Diese Arten fressen vor dem Aufstieg in die Flüsse eine Zeit lang nicht, ihr mageres Fleisch hält sich geräuchert und getrocknet lange. Fettere Arten wie der Chinook- oder Königslachs verdarben schneller und wurden meist bald gegessen.[2]

Alle Gruppen bauten Einbäume, große und verstärkte für Lasten und Menschen, kürzere und schmalere für die Jagd auf Meeressäuger.[2] Im Sommer verteilten sich die Hausgemeinschaften auf Fisch- und Beerenplätze. Den Winter verbrachten die meisten in Dörfern mit mehreren großen Häusern. Menschen von hohem Rang überließen die tägliche Arbeit dann oft den Sklaven und schufen Kunstwerke; es war die Zeit der Potlatches, Tänze und Zeremonien.[2]

Die Häuser hatten laut Britannica einen rechteckigen Grundriss mit Wänden und Dach aus Planken. Im Norden waren sie fast quadratisch, bis zu 15,25 mal 16,75 Meter groß und um eine tiefe Grube in der Mitte gebaut. In der Wakash-Provinz maßen sie etwa 12 mal 18,25 bis 30,5 Meter; an ein festes Gerüst aus Zedernpfosten kamen Wand- und Dachplanken, die man abnehmen und im Kanu zu einem anderen Platz bringen konnte.[2] Die Makah lebten nach eigenen Angaben in fünf festen Dörfern mit Langhäusern aus Zedernplanken, etwa 30 Fuß breit und 70 Fuß lang, in denen oft mehrere Generationen wohnten; im frühen 19. Jahrhundert zählten diese Dörfer 2.000 bis 4.000 Menschen.[14]

Stille Bucht der Nordwestküste mit Nadelwald bis ans Ufer und Nebel im Abendlicht
Bucht an der Nordwestküste, an der früher Plankenhäuser aus Zedernholz standen Bild: KI-generiert

Für die meisten Geräte nutzten die Menschen Holz. Aus der Roten Zeder (Thuja plicata) und dem Küstenmammutbaum spaltete man Planken oder höhlten Kanus und Behälter aus. Bis zum Columbia im Süden fertigten sie Kisten aus Zedernbrettern, die sie an eingekerbten Stellen dämpften und bogen. Dechsel, Keile, Meißel und Bohrer waren aus Stein, zum Schleifen diente Haifischhaut.[4]

Gesellschaft und Rang

Die Küste ist laut Britannica die große Ausnahme von der Regel, dass Gesellschaften von Jägern und Sammlern einfache Technik, wenig Besitz und kleine, gleichrangige Gruppen haben. Nahrung gab es reichlich, und die Überschüsse förderten eine Ordnung nach Rang. Grundeinheit war eine Hausgemeinschaft von einigen Dutzend bis über 100 Verwandten. Sie hielt gemeinsame Rechte an Fisch-, Beeren-, Jagd- und Wohnplätzen, dazu an Namen, Liedern, Tänzen und, vor allem im Norden, an Wappen (crests).[3]

Jedes Mitglied hatte einen ererbten Rang, je nachdem, wie eng es mit einem Gründungsahnen verwandt war. Den höchsten Rang hatte, wer einen Titel trug, den man im Englischen mit "chief" übersetzte; diese Person verwaltete den Besitz der Gruppe und bestimmte etwa, wann man zu den Fischplätzen zog. Sklaven, meist als Kinder geraubt, hatten kaum Rechte; eine Hausgemeinschaft besaß laut Britannica meist mindestens einen, selten mehr als ein Dutzend.[3] Im Norden wurden Rang und Besitz über die Mutter weitergegeben, in den übrigen Provinzen meist über den Vater.[4]

Der Potlatch

Der Potlatch gehört laut The Canadian Encyclopedia zur Regierungsordnung, Kultur und spirituellen Überlieferung vieler First Nations der Nordwestküste, darunter Kwakwaka'wakw, Nuu-chah-nulth und Coast Salish. Gefeiert wurde er zu Hochzeiten, Geburten und Todesfällen; ein großer Potlatch dauerte mehrere Tage.[7] Das Wort stammt nach Britannica aus der Handelssprache der Region und bedeutet "geben".[3] Gastgeber verteilten Decken, Kanus, geschnitzte Kisten, Kupferplatten und andere Wertsachen an die Gäste. Die Gäste waren Zeugen; so wurden Rang, Namen und Wappen sowie Rechte an Jagd- und Fischgebieten öffentlich anerkannt.[3, 7]

Kanada stellte den Potlatch mit einer Änderung des Indian Act vom 19. April 1884 unter Strafe.[8] Die Canadian Encyclopedia nennt als Dauer des Verbots 1884 bis 1951 und als Grund, dass Regierung und Unterstützer die Zeremonie für unchristlich und verschwenderisch hielten.[7] 1921 gab Dan Cranmer einen großen Potlatch auf Village Island. Laut U'mista Cultural Centre wurden 45 Menschen festgenommen und angeklagt, 20 Männer und Frauen kamen für zwei bis drei Monate in das Gefängnis Oakalla bei Vancouver; die beschlagnahmten Masken und Gegenstände wurden größtenteils in Kisten nach Osten verschickt.[8] Bei der Neufassung des Indian Act 1951 fiel der Paragraph weg.[8] Ein Jahr später hielt Mungo Martin, ein Anführer der Kwakwaka'wakw, einen großen Potlatch, den ersten legalen seit Beginn des Verbots.[7] Museen gaben später Teile der beschlagnahmten Sammlung zurück; Stücke, die 2002 zurückkamen, zeigt das U'mista Cultural Centre in Alert Bay.[8, 9]

Totempfähle

Zu den Schnitzarbeiten gehörten laut Britannica Löffel, Kisten, Masken und Rasseln für Zeremonien, Hausfronten, Innenpfosten und die großen Gedenk- oder Totempfähle. In der nördlichen Provinz zeigten flache, bemalte Schnitzereien die ererbten Wappen der Clans.[4] Solche Pfähle gab es nicht überall an der Küste: Die Chinook Indian Nation schreibt, die Chinook hätten keine Totempfähle geschnitzt, sie stammten von Völkern im heutigen British Columbia und in Alaska.[20]

Glaube

Die Religionen der Küste teilten laut Britannica einige Grundgedanken. Lachse galten als übernatürliche Wesen, die jedes Jahr freiwillig die Gestalt von Fischen annahmen; damit sie wiederkamen, ehrte man den ersten Lachs der Fangzeit mit einer Zeremonie.[4] Persönliche Kraft erwarb man durch die Begegnung mit einem Geistwesen, meist durch Gebet und Vision. Im Norden und in der Wakash-Provinz glaubte man, ferne Vorfahren hätten so ihre Wappen erhalten; diese Wappen zu zeigen und ihre Geschichte zu erzählen, war ein wichtiger Teil der Potlatches. Die Tänze, die aus solchen Begegnungen stammen, bildeten im Winter die großen Zeremonien der Küste.[4]

Einen Überblick gibt die Seite Glaube, Symbole und Zeremonien.

Völker der Nordwestküste

Die Tabelle nennt ausgewählte Völker, ihre Provinz nach Britannica und heutige Regierungen oder Einrichtungen. Offizielle Namen in den USA folgen der Liste des Bureau of Indian Affairs vom 30. Januar 2026.[1, 19]

Ausgewählte Völker der Nordwestküste: Provinz laut Britannica, heutige Nation oder Einrichtung
VolkProvinzHeutige Nation oder Einrichtung
Tlingitnördliche ProvinzCentral Council of the Tlingit & Haida Indian Tribes; Yakutat Tlingit Tribe (Alaska)[1, 11, 19]
Haidanördliche ProvinzCouncil of the Haida Nation (Haida Gwaii); in Alaska im Central Council of the Tlingit & Haida Indian Tribes[1, 10, 11]
Nisga'akeine AngabeNisga'a Lisims Government, seit dem 11. Mai 2000 selbstverwaltet (British Columbia)[17]
Kwakwaka'wakw (Kwakiutl)Wakash-ProvinzKulturzentrum U'mista in Alert Bay, British Columbia[1, 9]
Nuu-chah-nulthWakash-ProvinzNuu-chah-nulth Tribal Council[1, 16]
MakahCoast Salish und ChinookMakah Indian Tribe of the Makah Indian Reservation, Neah Bay (Washington)[1, 13, 19]
ChinookCoast Salish und ChinookChinook Indian Nation, Bay Center (Washington), von den USA nicht anerkannt[1, 19, 21]

Eigene Seiten haben die Tlingit, Haida, Kwakwaka'wakw (Kwakiutl), Chinook und Duwamish. Die Duwamish und die Chinook kämpfen nach Angaben der Chinook Indian Nation beide um ihre Vertragsrechte, und beide fehlen auf der Liste des Bureau of Indian Affairs.[19, 26]

Siehe auch die Seite Chief Seattle.

Die Makah nennen sich auf ihrer Website auch "the Cape People", das Volk am Kap. Der Name Makah kommt nach ihren Angaben von Nachbarvölkern und bedeutet in einer Salish-Sprache "Menschen, die großzügig mit Essen sind".[13] Die Tlingit und Haida in Alaska vertritt der Central Council of the Tlingit & Haida Indian Tribes of Alaska, nach eigenen Angaben mit mehr als 38.000 Bürgern weltweit.[11]

Geschichte: Kontakt, Pelzhandel und Verträge

Die Tlingit trafen laut Britannica als Erste auf Europäer, als 1741 russische Händler in ihrem Gebiet landeten; einen festen Posten errichteten die Russen erst 1799, nach heftigem Widerstand. Spanien schickte 1774 Leute zu den Haida, Großbritannien kam 1778 zu den Nuu-chah-nulth, die USA um 1800 zu verschiedenen Völkern. Alle suchten die Felle von Seeottern, die auf dem chinesischen Markt sehr gefragt waren.[5] Bei den Makah brachte ein Seeotterfell im 18. Jahrhundert nach deren Angaben so viel ein, dass man dafür einen Schoner kaufen konnte.[14]

Die Völker nutzten den Handel für sich. Sie wählten die Waren aus, die zu ihrer Lebensweise passten, etwa Stahlklingen für ihre Dechsel. Tlingit-Häuser belieferten die Handelsposten mit Fisch, Wild und Kartoffeln.[5] An der Mündung des Columbia beschreibt der National Park Service Chinook und Clatsop als wohlhabende, geschickte Händler.[24] Ihre Handelssprache, das Chinuk Wawa oder Chinook Jargon, hat laut Oregon Encyclopedia einen stark vom Chinook geprägten Wortschatz; um 1900 sprach man sie von Nordkalifornien bis in den Südosten Alaskas.[23]

Mehr dazu auf der Seite Pelzhandel: Kompanien, Handelsposten und Trapper.

Mit den Fremden kamen Krankheiten. Pocken, Geschlechtskrankheiten und Masern ließen die indigene Bevölkerung der Region nach Britannica zwischen 1780 und 1900 um bis zu 80 Prozent schrumpfen; mit den Kranken und Toten ging viel Wissen verloren.[5] Die Makah verloren nach eigenen Angaben Tausende Menschen durch Pocken, Tuberkulose, Grippe und Keuchhusten; 1852, kurz vor dem Vertrag von Neah Bay, traf ein Ausbruch der Pocken ihre südlichen Dörfer.[14]

Ab den 1840er Jahren kamen Siedler in großer Zahl in das heutige westliche Washington, nach Oregon, auf Vancouver Island und an den unteren Fraser River. In den USA mussten die Völker nach Verträgen in kleine Reservate ziehen. Im heutigen British Columbia gab es dagegen nach Britannica keine Verträge, die die Landrechte der Völker aufhoben; unbebautes Land galt als Eigentum der Krone.[5] Auf Vancouver Island schloss James Douglas für die britische Krone allerdings von 1850 bis 1854 vierzehn Vereinbarungen mit First Nations. Nach den schriftlichen Fassungen blieben den First Nations ihre Dörfer, Felder sowie Fischerei- und Jagdrechte, alles übrige Land sollte den Siedlern gehören. Viele Nachfahren sagen, die Schriftstücke gäben nicht wieder, was vereinbart wurde.[27] Mitte der 1850er Jahre handelten die USA im Washington-Territorium eine Reihe von Verträgen aus, in denen die Völker den größten Teil ihres Landes abgaben, sich aber bestimmte Rechte vorbehielten.[18] Die Makah unterzeichneten am 31. Januar 1855 in Neah Bay den Vertrag mit Gouverneur Isaac Stevens. 42 Vertreter verhandelten ihn auf Chinook, ein Dolmetscher übertrug ins Englische, und ausdrücklich sicherten sie sich das Recht auf den Walfang.[14, 15] Der Vertrag von Point No Point vom 26. Januar 1855, einer der Verträge dieser Reihe, enthält den Satz:[18]

Das Recht, an den gewohnten und üblichen Plätzen und Stellen Fisch zu fangen, wird den genannten Indianern ferner gesichert, gemeinsam mit allen Bürgern der Vereinigten Staaten.

Vertrag von Point No Point, Washington-Territorium, 26. Januar 1855, zitiert von der Northwest Indian Fisheries Commission, Seite About Us Übersetzung der Redaktion[18]

Die Verträge, die Anson Dart 1851 bei Tansy Point mit mehreren Chinook-Völkern schloss, ratifizierte die Regierung der USA nie; die beteiligten Völker verloren ihr Land, ohne die versprochenen Rechte zu bekommen.[25] An großen Teilen der Küste lag die Schulbildung indigener Kinder jahrzehntelang in der Hand von Missionaren.[5] Als der Pelzhandel Ende des 19. Jahrhunderts zusammenbrach, fanden viele Arbeit in der Lachsfischerei und in den Konservenfabriken, Frauen vor allem in der Verarbeitung.[5]

Siehe auch Internatsschulen für indigene Kinder.

Kiesstrand an einer stillen Bucht mit angeschwemmten Zedernstämmen, dahinter Nadelwald und Nebel im Abendlicht
Zedernstämme am Strand einer Bucht: Aus einem einzigen Stamm entstand ein Einbaum. Bild: KI-generiert

Die Völker der Nordwestküste heute

1912 gründeten Tlingit, Haida und andere Völker im Südosten Alaskas die Native Brotherhoods, 1923 die Native Sisterhoods. Sie gingen vor Gericht gegen Benachteiligung vor; noch in den 1940er Jahren hingen an manchen Geschäften Schilder wie "No natives or dogs allowed".[5, 12] Ein Gesetz von 1935 erkannte Tlingit und Haida als einen gemeinsamen "tribe" an, 1968 sprach ihnen der Court of Claims nach dem Central Council 7,5 Millionen Dollar für das Land des Tongass National Forest und des Glacier Bay National Monument zu.[12] Der Congressional Research Service nennt dagegen eine Barzahlung von 7,2 Millionen Dollar aus einem Vergleich mit den USA.[28] Der Alaska Native Claims Settlement Act von 1971 regelte die Landansprüche in Alaska mit etwa 44 Millionen Acres und 962 Millionen Dollar, verwaltet von Gesellschaften, an denen die indigenen Menschen als Anteilseigner beteiligt sind.[5]

In Washington wurden Angehörige der Vertragsnationen noch in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren festgenommen, weil sie entgegen dem Recht des Bundesstaats fischten; die Northwest Indian Fisheries Commission spricht von den "Fish Wars". 1974 bestätigte ein Bundesgericht im Fall U.S. v. Washington, der Boldt Decision, die Fischereirechte aus den Verträgen. Seitdem verwalten die Nationen die Bestände gemeinsam mit dem Bundesstaat und haben Anspruch auf einen gleichen Anteil der Lachse, die jedes Jahr gefangen werden dürfen. Die Kommission arbeitet für 20 Vertragsnationen im Westen Washingtons, darunter die Makah.[18] Nach Angaben der Makah nahmen sie den Walfang unter internationalem und nationalem Recht wieder auf und erlegten am 17. Mai 1999 ihren ersten Wal seit 70 Jahren.[15]

In Kanada trat am 11. Mai 2000 das Nisga'a Final Agreement in Kraft, nach Angaben der Nisga'a der erste moderne Vertrag in British Columbia; seitdem gilt der Indian Act für die Nisga'a nicht mehr.[17] 1990 hatte sich die Provinzregierung bereit erklärt, über die British Columbia Treaty Commission über Landansprüche zu verhandeln. Laut Britannica wurde die erste Grundsatzvereinbarung 1999 unterzeichnet, und um 2000 kamen die Verhandlungen nur langsam voran.[5] Der Council of the Haida Nation sieht die Haida als rechtmäßige Erben von Haida Gwaii und seine Aufgabe darin, Land und Gewässer zu hüten und Kultur und Sprache weiterzugeben.[10] In Alaska führt die Liste des Bureau of Indian Affairs vom 30. Januar 2026 unter anderem die Hydaburg Cooperative Association und die Organized Village of Kasaan (mehr auf der Seite Haida).[19]

Das U'mista Cultural Centre in Alert Bay arbeitet für das kulturelle Erbe der Kwakwaka'wakw und will die Sprache Kwak'wala wiederbeleben.[9] Bei der Inter-Tribal Canoe Journey, die 1989 mit dem "Paddle to Seattle" begann, fahren Kanufamilien in der Regel jedes Jahr zu einer anderen gastgebenden Nation, 2010 etwa zu den Makah und 2014 nach Bella Bella in British Columbia; am Ende gibt die Gastgeberin einen Potlatch.[22]

Mehr dazu auf den Seiten Indigene Völker heute, First Nations, Inuit und Métis in Kanada und Der Alaska-Kauf 1867.

Zeitleiste der Nordwestküste

Zeitleiste: Nordwestküste
  1. 1741Russische Händler landen im Gebiet der Tlingit, der erste Kontakt eines Volkes der Nordwestküste mit Europäern.[5]
  2. 1774Spanien schickt Leute zu den Haida.[5]
  3. 1778Großbritannien kommt zu den Nuu-chah-nulth.[5]
  4. 1851Bei Tansy Point schließt Anson Dart Verträge mit mehreren Chinook-Völkern; die Regierung der USA ratifiziert sie nie.[25] Chinook
  5. 31.01.1855Die Makah unterzeichnen in Neah Bay den Vertrag mit Isaac Stevens und sichern sich das Recht auf den Walfang.[14, 15]
  6. 19.04.1884Eine Änderung des kanadischen Indian Act stellt den Potlatch unter Strafe.[8]
  7. 1912Tlingit, Haida und andere Völker im Südosten Alaskas gründen die Native Brotherhoods.[5, 12]
  8. 1921Nach dem Potlatch von Dan Cranmer auf Village Island werden 45 Menschen festgenommen und angeklagt.[8]
  9. 1935Ein Gesetz des Kongresses erkennt Tlingit und Haida als einen gemeinsamen "tribe" an.[12]
  10. 1951Bei der Neufassung des Indian Act fällt das Verbot des Potlatch weg.[8]
  11. 1968Der Court of Claims spricht Tlingit und Haida 7,5 Millionen Dollar für Land im Tongass National Forest und im Glacier Bay National Monument zu.[12]
  12. 1971Der Alaska Native Claims Settlement Act regelt die Landansprüche in Alaska.[5]
  13. 1974Die Boldt Decision im Fall U.S. v. Washington bestätigt die Fischereirechte der Vertragsnationen.[18]
  14. 1989Mit dem "Paddle to Seattle" beginnt die Inter-Tribal Canoe Journey.[22]
  15. 17.05.1999Die Makah erlegen ihren ersten Wal seit 70 Jahren.[15]
  16. 11.05.2000Das Nisga'a Final Agreement tritt in Kraft, der erste moderne Vertrag in British Columbia.[17]

Karte: Nationen der Nordwestküste

Karte: Sitze der Nationen der Nordwestküste170° W165° W160° W155° W150° W145° W140° W135° W130° W125° W120° W115° W110° W105° W100° W95° W90° W85° W80° W75° W70° W65° W60° W55° W25° N30° N35° N40° N45° N50° N55° N60° N65° N70° N1Chinook2Tlingit3Haida4Kwakwaka'wakw5Duwamish
Karte: Sitze der Nationen der Nordwestküste
  1. 1Chinook (Bay Center, Sitz der Chinook Indian Nation) 46,62° N, 123,95° W[29]
  2. 2Tlingit (Juneau (Mittelpunkt der City and Borough of Juneau), Sitz des Central Council of the Tlingit & Haida Indian Tribes) 58,37° N, 134,18° W[30]
  3. 3Haida (Skidegate (HlG̲aagilda) auf Haida Gwaii, ein Sitz des Council of the Haida Nation) 53,27° N, 131,99° W[31]
  4. 4Kwakwaka'wakw (Kwakiutl) (Fort Rupert, Sitz der Kwakiutl First Nation) 50,70° N, 127,42° W[32]
  5. 5Duwamish (Duwamish Longhouse and Cultural Center, West Seattle) 47,56° N, 122,35° W[33, 34]
Umrisse: Natural Earth (gemeinfrei). Eigene Darstellung ohne Kartendienst.

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Häufige Fragen

Welche Völker leben an der Nordwestküste?

Britannica nennt von Norden nach Süden Tlingit, Haida, Tsimshian, Kwakiutl (Kwakwaka'wakw), Bella Coola, Nuu-chah-nulth, Coast Salish, Quileute-Chimakum, Kwalhioqua und Chinook. Dazu kommen kleinere Völker an der Küste Oregons und in Nordwestkalifornien, etwa Tillamook, Coos, Yurok und Hupa.

Was ist mit "Nordwestküsten-Indianer" gemeint?

So werden im Deutschen oft die indigenen Völker der Pazifikküste zwischen dem Süden Alaskas und Nordwestkalifornien genannt, englisch Northwest Coast Indians. Das Wort "Indianer" ist eine Fremdbezeichnung; diese Seite nennt die Nationen bei ihren Namen.

Wovon lebten die Völker der Nordwestküste?

Vor allem vom Wasser: Lachs, Hering, Kerzenfisch, Heilbutt, Muscheln, Meeressäuger und bei manchen Völkern Wale. Für den Winter wurde vor allem magerer Lachs geräuchert und getrocknet; im Sommer sammelten die Menschen Beeren und jagten.

Was ist ein Potlatch?

Eine Zeremonie vieler Völker der Nordwestküste, etwa der Kwakwaka'wakw, Nuu-chah-nulth und Coast Salish, zu Hochzeiten, Geburten oder Todesfällen. Der Gastgeber beschenkt die geladenen Gäste, die als Zeugen Rang, Namen, Wappen und Rechte bestätigen.

Warum war der Potlatch verboten?

Kanada verbot den Potlatch 1884 mit einer Änderung des Indian Act, weil Regierung, Missionare und Beamte ihn für verschwenderisch hielten. 1921 wurden nach einem großen Potlatch auf Village Island 45 Menschen angeklagt. 1951 fiel das Verbot weg.

Haben alle Völker der Nordwestküste Totempfähle geschnitzt?

Nein. Die Chinook Indian Nation schreibt, die Chinook hätten keine Totempfähle geschnitzt; das taten Völker im heutigen British Columbia und in Alaska. Im Norden zeigten die Schnitzereien die ererbten Wappen der Clans.

Gibt es die Völker der Nordwestküste heute noch?

Ja. Der Central Council of the Tlingit & Haida Indian Tribes of Alaska vertritt nach eigenen Angaben mehr als 38.000 Bürger, die Northwest Indian Fisheries Commission arbeitet für 20 Vertragsnationen in Washington, und die Nisga'a in British Columbia regieren sich seit 2000 nach eigenem Vertrag selbst.

Quellen

  1. Nachschlagewerk Elizabeth Prine Pauls: Northwest Coast Indian. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  2. Nachschlagewerk Elizabeth Prine Pauls: Northwest Coast Indian, Abschnitt Subsistence, settlement patterns, and housing. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  3. Nachschlagewerk Elizabeth Prine Pauls: Northwest Coast Indian, Abschnitt Stratification and social structure. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  4. Nachschlagewerk Elizabeth Prine Pauls: Northwest Coast Indian, Abschnitt Cultural continuity and change. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  5. Nachschlagewerk Elizabeth Prine Pauls: culture area. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  6. Nachschlagewerk René R. Gadacz: Potlatch. The Canadian Encyclopedia, Historica Canada. Stand 07.06.2024. abgerufen am 24.10.2026
  7. Tribal Nation The History of the Potlatch Collection. U'mista Cultural Centre. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  8. Tribal Nation U'mista Cultural Society (Startseite). U'mista Cultural Centre. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  9. Tribal Nation Council of the Haida Nation (Startseite). Council of the Haida Nation. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  10. Tribal Nation Central Council of the Tlingit & Haida Indian Tribes of Alaska (Startseite). Central Council of the Tlingit & Haida Indian Tribes of Alaska. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  11. Tribal Nation Our History: A Timeline. Central Council of the Tlingit & Haida Indian Tribes of Alaska. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  12. Tribal Nation The Makah Reservation, Neah Bay, Washington (Startseite). Makah Tribe. Stand 04.08.2026. abgerufen am 24.10.2026
  13. Tribal Nation About our History. Makah Tribe. Stand 12.08.2025. abgerufen am 24.10.2026
  14. Tribal Nation Whaling. Makah Tribe. Stand 13.06.2024. abgerufen am 24.10.2026
  15. Tribal Nation Welcome (Startseite). Nuu-chah-nulth Tribal Council. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  16. Tribal Nation Nisga'a Treaty. Nisga'a Lisims Government. Stand 08.10.2024. abgerufen am 24.10.2026
  17. About Us. Northwest Indian Fisheries Commission. Stand 01.10.2025. abgerufen am 24.10.2026
  18. Amtliche Stelle Indian Entities Recognized by and Eligible To Receive Services From the United States Bureau of Indian Affairs, 91 FR 4102. Bureau of Indian Affairs, U.S. Department of the Interior (Federal Register). Stand 30.01.2026. abgerufen am 24.10.2026
  19. Tribal Nation FAQ. Chinook Indian Nation. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  20. Tribal Nation Who We Are. Chinook Indian Nation. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  21. Tribal Nation Inter-Tribal Canoe Journey. Chinook Indian Nation. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  22. Nachschlagewerk Henry Zenk: Chinook Jargon. The Oregon Encyclopedia, Oregon Historical Society und Portland State University. Stand 25.09.2024. abgerufen am 24.10.2026
  23. Amtliche Stelle History and Culture: People: Tribes. National Park Service, Lewis and Clark National Historical Park. Stand 14.06.2024. abgerufen am 24.10.2026
  24. Amtliche Stelle Tansy Point. National Park Service, Lewis and Clark National Historic Trail. Stand 06.09.2024. abgerufen am 24.10.2026
  25. Tribal Nation History resources: Educational Resources. Chinook Indian Nation. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  26. Vancouver Island (Douglas) Treaties. University of Victoria und Songhees Nation (Website zur Konferenz 2017). Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  27. Amtliche Stelle Alaska Native Lands and the Alaska Native Claims Settlement Act (ANCSA): Overview and Selected Issues for Congress (R46997). Congressional Research Service, Library of Congress. Stand 22.12.2021. abgerufen am 26.10.2026
  28. Amtliche Stelle 2024 Gazetteer Files, Places, Washington. U.S. Census Bureau. Stand 2024. abgerufen am 24.10.2026
  29. Amtliche Stelle 2023 Gazetteer Files, Places: Alaska (Juneau city and borough). U.S. Census Bureau. Stand 2023. abgerufen am 26.10.2026
  30. Amtliche Stelle Canadian Geographical Names Database: Skidegate (JDEKA). Natural Resources Canada. Stand 18.11.1998. abgerufen am 26.10.2026
  31. Tribal Nation Welcome to the Kwakiutl First Nation (Startseite). Kwakiutl Band Council. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  32. Tribal Nation Visit the Longhouse. Duwamish Tribe. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  33. Amtliche Stelle Geocoder, Adressabfrage 4705 W Marginal Way SW, Seattle, WA 98106 (Public Address Ranges, Current Benchmark). U.S. Census Bureau. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026

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  • Indigene Völker NordamerikasChinook

    Die Chinook, oft Chinook-Indianer genannt, leben an der Mündung des Columbia River.

  • Indigene Völker NordamerikasTlingit

    Die Tlingit, oft Tlingit-Indianer genannt, leben in Südostalaska und im Yukon.

  • Indigene Völker NordamerikasHaida

    Die Haida, oft Haida-Indianer genannt, leben auf Haida Gwaii in Kanada und in Alaska.

  • Indigene Völker NordamerikasKwakiutl

    Die Kwakwaka'wakw, oft Kwakiutl oder Kwakiutl-Indianer genannt, leben in British Columbia.