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Osage

Kurz erklärt Die Osage sind eine indigene Nation, die sich selbst Wahzhazhe nennt. Um 1750 beherrschten sie große Teile von Missouri, Arkansas, Oklahoma und Kansas; seit 1872 lebt die Nation im heutigen Osage County in Oklahoma. Laut eigener Website zählt sie mehr als 25.000 Bürger, Sitz der Regierung ist Pawhuska.

Sanft gewellte Hochgrasprärie mit Felsbändern aus Sandstein und vereinzelten Eichen im warmen Licht der tief stehenden Abendsonne
Bild: KI-generiert

Die Osage sind eine indigene Nation im Nordosten Oklahomas. Sie nennen sich selbst Wahzhazhe.[1, 5] Im Deutschen heißen sie oft "Osage-Indianer". Das Bureau of Indian Affairs führt sie als The Osage Nation; der Sitz ist Pawhuska, ihr Land liegt im heutigen Osage County.[4, 11]

Bevor es die Vereinigten Staaten gab, beherrschten die Vorfahren der Osage laut Osage Nation Millionen Acres in den heutigen Staaten Missouri, Arkansas, Kansas und Oklahoma.[1]

Zum Wort "Indianer" siehe Darf man "Indianer" sagen?, zum Kulturraum die Seite Plains.

Wie nennen sich die Osage selbst?

Die Osage Nation schreibt ihren Namen Wahzhazhe. Ihre Pressestelle heißt Wahzhazhe Communications, und die Seite der Nation über das Reservat hält fest: "We are Wahzhazhe".[1, 5] Das Museum der Nation schreibt Wah-Zha-Zhi, etwa in der Ausstellung "Wah-Zha-Zhi Spirit".[16] Die Sprachabteilung bietet die Schriftart Noto Sans Osage an, mit der sich Osage am Computer schreiben lässt.[21]

Zur Bedeutung gibt es zwei Überlieferungen. Die Encyclopedia of the Great Plains erzählt, wie die alles durchdringende, unsichtbare Lebenskraft Wakonda Ordnung in das Chaos brachte: Sie teilte die Welt in Luft, Land und Wasser und schuf die Mittleren Wasser. Drei Gruppen, die Wakonda zusammenführte, wurden zu den Wa-zha-she, den "Kindern der Mittleren Wasser".[3] Nach der Fassung des Bärenclans, die die Oklahoma Historical Society wiedergibt, sammelten die vier Winde die Fluten der Erde in großen Flüssen. Den Ort nannten die Osage Ni-U-Kon-Ska, die Mittleren Wasser, heute das Gebiet, in dem Missouri, Mississippi, Ohio, Tennessee, Wabash, Arkansas und Illinois zusammenfließen. Daher stamme ihr eigentlicher Name, Ni-U-Kon-Ska, "Volk der Mittleren Wasser".[2]

Ihre Sprache gehört zu den Dhegiha-Sprachen der Sioux-Familie, mit denen der Omaha, Ponca, Kaw und Quapaw.[6]

Woher kommen die Osage?

Die Denkmalbehörde der Osage Nation fasst Archäologie, Überlieferung, Geschichte und Sprachforschung so zusammen: Nach der Überlieferung der Osage und der anderen Dhegiha-Völker liegt ihr Ursprung im Tal des Ohio. Zwischen 200 und 400 n. Chr. zogen die Dhegiha den Ohio hinab bis zum Mississippi, danach den Mississippi hinauf in die Gegend des heutigen St. Louis. Um das Jahr 1000 trennten sich die Vorfahren der Omaha und Ponca, zwischen 1200 und 1250 die Kaw. Die Osage blieben als Letzte im Gebiet von Cahokia und St. Louis; um 1300 zogen sie nach Westen in die Mitte und den Westen des heutigen Missouri. Zu Beginn der geschichtlichen Zeit lebten große Gruppen am Missouri und am Osage River.[6]

Die Überlieferung, die der Ethnologe James Dorsey im 19. Jahrhundert aufschrieb, erzählt die Trennung an der Mündung des Ohio: Ein Teil zog den Mississippi hinab und hieß danach Quapaw, "Volk flussabwärts", die anderen zogen flussaufwärts und hießen Omaha, "die gegen Wind oder Strömung gehen". Zu diesen Omaha gehörten damals noch die späteren Osage, Kaw und Ponca.[6] Die Oklahoma Historical Society nennt eine Legende, nach der die Dhegiha am Indian Knoll nahe der Mündung des Green River in Kentucky entstanden.[2]

Andere Deutungen hält die Encyclopedia of the Great Plains fest: Viele sehen den Ursprung in den Wäldern am Ohio, aus denen Angriffe der Irokesen die Osage auf die Prärie drängten; andere halten sie für Nachfahren der Oneota-Kultur in den Flusstälern der Plains.[3] Die Denkmalbehörde der Nation stützt sich auf eine Sprachstudie von Robert Rankin aus dem Jahr 2006, nach der die Dhegiha-Völker nicht von der Oneota-Kultur abstammen.[6] 1673 lebten die Osage laut Encyclopedia of the Great Plains am Osage River im heutigen Missouri.[3]

Breiter Fluss zwischen bewaldeten Kalksteinhängen in Missouri, am Ufer Platanen und Kies im Licht der späten Nachmittagssonne
Flusstal im Westen Missouris Bild: KI-generiert

Gesellschaft und Familie

Die Grundeinheit war das Dorf. Nach der Überlieferung lebten am Anfang alle Osage in einem Dorf an einem Fluss, mit 24 Clans, die sich in zwei Hälften teilten, die Erdleute und die Himmelsleute. Jede Hälfte hatte einen erblichen Anführer; die beiden teilten die Macht mit den Ältesten der Clans und bildeten mit ihnen den Rat des Dorfes.[3] Clans und Verwandtschaft hielten die Osage nach der Oklahoma Historical Society auch auf ihren Wanderungen zusammen.[2]

Beim Zug nach Westen teilten sich die Osage laut Encyclopedia of the Great Plains in drei große Gruppen: die Big und Little Osages im Norden und die Arkansas Osages im Tal des Verdigris River, nördlich der Three Forks des Arkansas River.[3] In den Verträgen mit den USA heißen sie die "Great and Little Osage".[7, 8] Vor 1800 gab es auch im heutigen Oklahoma große Dörfer. Die Gruppe von Black Dog legte laut Oklahoma Historical Society den Black Dog Trail von Baxter Springs in Kansas bis über den 100. Längengrad an, eine gerodete Strecke, auf der acht Reiter nebeneinander Platz hatten; 1803 zog Black Dog nach Ho-tsa-Tun-ka, dem heutigen Claremore. Big Track hatte die Kerngruppen in Oklahoma schon früher an den Three Forks angesiedelt, Claremore führte diese Gruppe nach Claremore Mound; eine dritte große Gruppe, die Grosse Cotes oder Big Hills, lebte bei Nowata.[2]

Der letzte erbliche Anführer der Osage Nation war nach dem Museum der Nation Fred Lookout.[17]

Wirtschaft und Ernährung

Die Osage lebten halb sesshaft. Im Frühjahr und Herbst wohnten sie laut Encyclopedia of the Great Plains in Langhäusern aus Holz in Dörfern auf der Prärie, den Sommer verbrachten sie auf den Plains, den Winter im Wald. Nach der Aussaat im Frühjahr zogen sie zur Jagd hinaus, Anfang Juli kehrten sie zur Ernte zurück und lagerten die Vorräte für den Winter ein; im September ging es wieder auf die Jagd.[3] Neben Jagd und Sammeln betrieben sie nach der Oklahoma Historical Society einen ansehnlichen Ackerbau und ein weites Handelsnetz.[2]

Der Vertrag von 1808 verpflichtete die USA, bei dem neuen Fort am Missouri einen Laden zu führen, in dem die Osage Felle und Pelze gegen Waren tauschen konnten.[7] 1825 sagten die USA ihnen 600 Rinder, 600 Schweine, 1.000 Stück Hausgeflügel, zehn Joch Ochsen, sechs Karren und Ackergerät zu.[8] Bekannt wurden die Osage laut Encyclopedia of the Great Plains für ihre Bandapplikationen aus Seide: Sie schnitten Seidenbänder zu kunstvollen Mustern und nähten sie in Schichten auf Decken und Kleidung.[3]

In den 1890er Jahren wurde die Weidewirtschaft wichtig. Die Einnahmen aus der Verpachtung der Weiden brachten den Commissioner of Indian Affairs dazu, die Osage "the richest people on earth" zu nennen, das reichste Volk der Erde.[2]

Glaube

Nach der Encyclopedia of the Great Plains sahen die Osage alle Dinge der Welt als Erscheinungen von Wakonda und suchten in Frieden und Einklang mit der Welt zu leben. Die Ältesten der Clans bewahrten heilige Lieder, Rituale und Bündel, mit denen sie wichtige Ereignisse weihten und die Unterstützung Wakondas erbaten.[3] Das Kulturzentrum und die Sprachabteilung der Nation geben Werte, Lehren und Lebensweisen der Wahzhazhe heute in einer eigenen Videoreihe weiter.[22]

Die Osage im 19. Jahrhundert

Vor 1800: eine Macht der Prärie

Die früheste Angabe zur Zahl der Osage stammt laut Encyclopedia of the Great Plains von 1719: Claude-Charles DuTisne zählte in dem einen Dorf, das er besuchte, 200 Krieger und 200 Häuser.[3] Um 1750 beherrschten die Osage nach der Oklahoma Historical Society die Hälfte oder mehr von Missouri, Arkansas, Oklahoma und Kansas. Um diese Zeit nahmen sie den Franzosen deren westlichsten Posten Ferdinandina am Arkansas River ab, und 1790 unternahmen sie bereits Raubzüge in der Nähe von Santa Fe. Als Frankreich Louisiana 1763 an Spanien abgab, merkten die Spanier, dass sie die Osage nicht beherrschen konnten.[2]

Verträge und Vertreibung

Mit dem Louisiana Purchase von 1803 beanspruchten die Vereinigten Staaten laut Osage Nation das Land der Osage für sich; es folgte eine Zeit der erzwungenen Umsiedlung und des Landverlusts.[1] Im Vertrag vom 10. November 1808 versprachen die USA, am Missouri oberhalb der Fire Prairie ein Fort zu bauen und zu besetzen, Fort Clark. Die Great und Little Osage traten dafür alles Land östlich einer Linie ab, die vom Fort nach Süden bis zum Arkansas River lief, dazu alles Land nördlich des Missouri. Ratifiziert wurde der Vertrag am 28. April 1810.[7] 1817 meldete der Superintendent of Indian Affairs William Clark 6.000 Osage.[3]

Am 2. Juni 1825 traten die Great und Little Osage in St. Louis gegenüber William Clark ihre Ansprüche auf Land in Missouri und im Arkansas-Territorium und auf weite Gebiete westlich davon ab. Ihnen blieb ein Gebiet von fünfzig Meilen Breite, das 25 Meilen westlich der Grenze von Missouri begann. Dafür sollten sie zwanzig Jahre lang jährlich 7.000 Dollar erhalten.[8] Im selben Jahr willigten die Osage aus Missouri ein, sich am Verdigris River im heutigen Kansas niederzulassen.[2]

In den 1830er Jahren starben Hunderte Osage an Cholera und Pocken.[3] 1839 zwang die Bundesregierung nach der Oklahoma Historical Society alle Gruppen der Osage, Arkansas und Oklahoma zu verlassen, um die Kämpfe mit den Cherokee zu beenden; die Encyclopedia of the Great Plains nennt als Grund, Platz für die aus dem Osten vertriebenen Nationen zu schaffen.[2, 3] Zum Hintergrund siehe Trail of Tears. Bis 1864 waren die Osage laut eigener Darstellung auf ein Reservat im Südosten von Kansas gedrängt, das Osage Diminished Reserve.[1] Im Vertrag vom 29. September 1865 verkauften sie den USA einen Streifen von fünfzig mal dreißig Meilen im Osten dieses Reservats für 300.000 Dollar, die mit fünf Prozent verzinst werden sollten.[9]

Im November 1868 zog George Armstrong Custer laut National Park Service mit 689 Soldaten der 7. Kavallerie und einem Dutzend Osage als Kundschaftern zum Washita River.[10]

Der Weg nach Oklahoma

Eisenbahnbau und Siedler drängten auch in das Reservat in Kansas. Mit einem Gesetz vom 15. Juli 1870 mussten die Osage ihr Land in Kansas für 1,25 Dollar je Acre an die Regierung verkaufen. Mit dem Erlös kauften ihre Anführer der Cherokee Nation Land im Nordosten des heutigen Oklahoma ab.[1] Der Umzug von 1871 war nach der Oklahoma Historical Society die dritte Vertreibung in 46 Jahren und die schlimmste; alte Grabsteine zeigen, dass vor allem junge Mütter und Säuglinge starben.[2] Laut Osage Nation hatte das Volk bei seiner Ankunft bis zu 95 Prozent seiner Menschen durch Hunger, Krankheit und andere Ursachen verloren und bis zu 90 Prozent seines früheren Landes. 1872 entstand das Reservat, mehr als 2.000 Osage kamen dort an.[1] Die Encyclopedia of the Great Plains nennt 4.000 Osage im Jahr 1870 und nur noch 2.000 im Jahr 1906.[3]

Danach wurde die Weidewirtschaft zur Grundlage des Lebens im Reservat. 1894 wurde dort Öl gefunden.[1]

Zeitleiste: Osage
  1. 1673Die Osage leben am Osage River im heutigen Missouri.[3]
  2. 1719Claude-Charles DuTisne zählt in einem Dorf der Osage 200 Krieger und 200 Häuser.[3]
  3. 10.11.1808Im Vertrag von Fort Clark treten die Great und Little Osage Land östlich einer Linie vom Missouri zum Arkansas River ab.[7]
  4. 02.06.1825Im Vertrag von St. Louis treten die Osage ihr Land in Missouri und Arkansas ab und behalten ein Reservat im heutigen Kansas.[8]
  5. 1839Die Regierung zwingt die Osage, Arkansas und Oklahoma zu verlassen und nach Kansas zu ziehen.[2, 3] Trail of Tears
  6. 29.09.1865Die Osage verkaufen den USA einen Teil ihres Reservats in Kansas für 300.000 Dollar.[9]
  7. November 1868Ein Dutzend Osage zieht als Kundschafter mit George Armstrong Custer zum Washita.[10] Schlacht am Washita
  8. 15.07.1870Ein Gesetz zwingt die Osage, ihr Land in Kansas für 1,25 Dollar je Acre zu verkaufen.[1]
  9. 1872Das Reservat in Oklahoma auf Land, das die Osage der Cherokee Nation abgekauft haben, entsteht.[1] Cherokee
  10. 1894Auf dem Reservat wird Öl gefunden.[1]
  11. 28.06.1906Das Gesetz zur Aufteilung des Landes der Osage (34 Stat. 539) lässt die Bodenschätze in gemeinsamem Besitz.[11]
  12. 01.07.1907Die Rechte an den Bodenschätzen werden in 2.229 headrights geteilt.[3]
  13. Mai 1921Anna Brown, eine Osage, wird tot in einer abgelegenen Schlucht gefunden; ihr Tod gehört zu den Fällen der Reign of Terror.[18] Osage-Morde
  14. April 1923Der Osage Tribal Council bittet die Bundesregierung um Ermittler; das Bureau of Investigation übernimmt.[18] Osage-Morde
  15. Januar 1929William Hale wird verurteilt.[18] Osage-Morde
  16. 1938Das Osage Nation Museum in Pawhuska öffnet.[16]
  17. 05.06.2006Der Osage Tribal Council übergibt die Regierungsgewalt an die neue Regierung nach der Verfassung.[12]

Verträge, Reservat und die Aufteilung von 1906

Die Osage hatten ihr Land in Oklahoma gekauft und besaßen es als freies Eigentum. Deshalb musste die Regierung mit ihnen verhandeln, bevor sie das Land aufteilen konnte.[2, 3] Das Osage County fiel laut Oklahoma Historical Society nie unter den Homestead Act von 1862.[2]

Mit dem Gesetz vom 28. Juni 1906 (34 Stat. 539), dem Osage Allotment Act, wurde das Land aufgeteilt.[11, 14, 23] Die Oberfläche bekamen Einzelne, die Rechte an den Bodenschätzen behielt die Nation gemeinsam. Laut Osage Nation handelten ihre Anführer aus, dass die Bodenschätze für immer unter ihrer Kontrolle bleiben.[1, 3] Nach der Oklahoma Historical Society trennte hier zum ersten Mal ein Bundesgesetz die Rechte an den Bodenschätzen von den Rechten an der Oberfläche.[2]

Die Rechte wurden laut Encyclopedia of the Great Plains in 2.229 gleiche Anteile geteilt, die headrights, einen für jede Person auf der Liste vom 1. Juli 1907. Die Anteile werden nicht weiter geteilt; Kinder, die später geboren wurden, waren Mitglieder der Nation, bekamen aber keinen eigenen Anteil.[3] Jeder Inhaber eines Anteils erhielt nach der Oklahoma Historical Society etwas mehr als 640 Acres im heutigen Osage County, anders als bei anderen Aufteilungen in Oklahoma blieb kein Überschussland übrig (zum Vergleich: Dawes Act). Das Vermögen der Nation aus Verträgen und Landverkäufen in Kansas wurde verteilt, für jeden lebenden Osage etwas mehr als 10.000 Dollar; die Einnahmen aus Weide- und Bergbaupacht gingen vierteljährlich an alle, die 1907 gelebt hatten.[2]

Als 1907 der Verfassungskonvent für den neuen Staat Oklahoma tagte, schickten die Osage zwei eigene Delegierte.[2] Im Ersten Weltkrieg nahmen Osage-Männer laut Oklahoma Historical Society die Einberufung an und meldeten sich freiwillig, obwohl sie noch keine Staatsbürger der USA waren.[2]

Ölreichtum und die Morde der 1920er Jahre

Erst nach der Aufteilung von 1906 und 1907 brachte das Öl nennenswerte Einnahmen, in den 1920er Jahren kam der Satz vom "reichsten Volk der Erde" der Wahrheit nahe.[2] Das FBI beschreibt, wie die Osage über ihre headrights Anteile am Verkauf des Öls erhielten und sehr reich wurden.[18] 1924 gewann ein Pferd namens Black Gold, das Osage gezüchtet, trainiert und besessen hatten, das Kentucky Derby und machte den Ausdruck "Black Gold" in den ganzen USA bekannt.[2]

Alter hölzerner Bohrturm ohne Aufschrift auf einer grasbewachsenen Anhöhe der Prärie, daneben Eichen, unter klarem Himmel im späten Nachmittagslicht
Prärie im Osage County mit einem alten Bohrturm Bild: KI-generiert

Der Reichtum zog Menschen an, die es auf das Geld der Osage abgesehen hatten. Im Mai 1921 wurde Anna Brown, eine Osage, tot in einer abgelegenen Schlucht gefunden; sie war erschossen worden. Zwei Monate später starb ihre Mutter Lizzie Q unter verdächtigen Umständen, zwei Jahre danach wurde ihr Cousin Henry Roan erschossen, und im März 1923 kamen ihre Schwester Rita und deren Mann Bill Smith ums Leben, als ihr Haus gesprengt wurde. Mindestens zwei Dutzend Menschen starben laut FBI in dieser Zeit, darunter Osage und ein bekannter Ölunternehmer; der Anwalt W. W. Vaughn, der seinen Verdacht teilen wollte, wurde aus einem Zug gestoßen. Die Zeitungen nannten diese Jahre die Reign of Terror, die Schreckensherrschaft.[18]

Private Ermittler kamen nicht weiter. Der Osage Tribal Council bat deshalb die Bundesregierung um Hilfe, und nach der Bitte vom April 1923 schickte das Bureau of Investigation, aus dem das FBI wurde, Agenten in das Osage County.[18] Unter Tom White ermittelten vier Agenten verdeckt, als Versicherungsvertreter, Viehkäufer, Ölsucher und Kräuterheiler. Der Verdacht fiel auf William Hale, einen Viehzüchter, den man "King of the Osage Hills" nannte. Sein Neffe Ernest Burkhart war mit Annas Schwester Mollie verheiratet; starben Anna, ihre Mutter und ihre beiden Schwestern in dieser Reihenfolge, gingen alle headrights auf Burkhart über.[18, 19] Als der Neffe aussagte, ließ sich laut FBI beweisen, dass Hale die Morde an Annas Familie in Auftrag gegeben hatte, um an die Ölrechte zu kommen. Im Januar 1929 wurde Hale für den Mord an Henry Roan zu lebenslanger Haft verurteilt.[25] Nach dem FBI bekamen auch ein bezahlter Mörder und ein Anwalt Haftstrafen.[18]

Die Oklahoma Historical Society nennt die Osage-Morde den ersten Mordfall des FBI. Seitdem bestimmen nach ihrer Darstellung Klischees über reiche Indigene und Bücher über die Morde das Bild der Osage, während über die Mehrheit wenig gesagt wird, die ihren Kindern die beste Bildung ermöglichte und Rinder züchtete.[2] Die Osage Nation selbst beschreibt die Reign of Terror als eine Zeit, in der Nichtindigene erneut ihr Land und ihren Reichtum suchten und dafür auch mordeten.[1] 2017 erschien das Buch "Killers of the Flower Moon" von David Grann, das später verfilmt wurde.[20] Ausführlich behandeln die Seiten Die Osage-Morde und Killers of the Flower Moon (2023) das Thema. In der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre wurden die Osage nach der Oklahoma Historical Society wieder arm.[2]

Die Osage heute

In der Liste des Bureau of Indian Affairs vom 30. Januar 2026 steht die Nation als The Osage Nation. Ihre Websites sind osagenation-nsn.gov und für die Kultur osageculture.com.[4, 5, 22] Am 5. Juni 2006 übergab der Osage Tribal Council die Regierungsgewalt an eine neue Regierung nach einer Verfassung, mit getrennter Exekutive, Gesetzgebung und Rechtsprechung.[12] An der Spitze stehen Principal Chief Joe Tillman und Assistant Principal Chief John Shaw.[13] Über die Bodenschätze wacht der Osage Minerals Council mit acht gewählten Mitgliedern; ihm überträgt die Verfassung die Verwaltung der Bodenschätze nach dem Gesetz von 1906.[11]

Das Reservat der Osage Nation ist laut Minerals Council das Osage County mit etwa 1.475.000 Acres. Die Nation besitzt alle Rechte an den Bodenschätzen im County und erhält Einnahmen aus allem Öl und Gas, das dort gefördert wird. Der Sitz der Nation, der Osage Nation Campus, liegt in Pawhuska.[11] Die Kulturseite der Nation nennt etwa 1.470.938 Acres oder 2.298 Quadratmeilen; damit ist das Osage County der größte County Oklahomas.[1] Ob das County rechtlich noch ein Reservat ist, ist umstritten: Die Osage Nation vertritt, ihr Reservat sei nie aufgehoben worden und decke sich mit dem Osage County. Das Bundesberufungsgericht des Tenth Circuit entschied dagegen am 5. März 2010 im Verfahren Osage Nation v. Irby, das Reservat sei aufgehoben worden.[23]

Zahl der Osage nach Jahren und Herkunft der Angabe
JahrOsageHerkunft
18176.000William Clark, nach der Encyclopedia of the Great Plains[3]
18704.000Encyclopedia of the Great Plains[3]
1872mehr als 2.000 erreichten das ReservatOsage Nation[1]
19062.000Encyclopedia of the Great Plains[3]
19072.229 auf der Liste der AufteilungEncyclopedia of the Great Plains, Osage Nation Museum[3, 17]
2023mehr als 20.000 eingetragene Mitglieder, etwa 6.800 im Gebiet der NationPrincipal Chief Geoffrey Standing Bear laut FBI[20]
heute (Seite von 2024)mehr als 25.000, davon 4.467 im Osage CountyOsage Nation[1]

Wer Mitglied ist, richtet sich nach der Abstammung: Die Nation verlangt den Nachweis der direkten Abstammung von einer Person auf der Grundliste nach dem Osage Allotment Act von 1906.[14] Die Encyclopedia of the Great Plains spricht von zwei Formen der Mitgliedschaft, weil nach 1907 Geborene keinen eigenen headright bekamen.[3]

Die Sprachabteilung entstand 2003 auf Beschluss des 31. Osage Tribal Council; die Verfassung von 2006 erkennt den Schutz der Sprache als angeborenes Recht des Volkes an. Ziel ist nach dem Strategieplan der Nation, dass die große Mehrheit der Mitglieder die Sprache zumindest in den Grundzügen spricht.[15] Das Osage Nation Museum in Pawhuska besteht seit 1938 und ist nach eigener Angabe das älteste von einer Nation geführte Museum der USA. Angeregt hatte es der Ratsherr und Schriftsteller John Joseph Mathews, gemeinsam mit dem Tribal Council und Chief Fred Lookout; den Grundstock bildet die Sammlung des Händlers John L. Bird, die der Rat 1927 kaufte.[16] 2024 zeigte das Museum die Ausstellung "2229" mit Fotografien der ursprünglichen Landempfänger.[17]

Bisonherde auf hohem, goldgelbem Präriegras unter weitem Himmel, im Hintergrund sanfte Hügel im Licht der späten Nachmittagssonne
Bisons auf der Hochgrasprärie im Nordosten Oklahomas Bild: KI-generiert

Die Osage Nation betreibt eigene Schulen, ein Museum und auf ihrer Ranch eine Bisonherde.[1]

Bekannte Persönlichkeiten

  • John Joseph Mathews, Ratsmitglied und Schriftsteller, regte in den 1930er Jahren das Osage Nation Museum an.[16]
  • Fred Lookout, nach dem Museum der Nation der letzte erbliche Anführer der Osage.[16, 17]
  • Black Dog, Anführer einer der größten Gruppen in Oklahoma vor 1800, zog 1803 nach Claremore.[2]
  • Bacon Rind, General Clarence Tinker sowie Maria und Marjorie Tallchief nennt die Oklahoma Historical Society unter den bekannten Osage.[2]
  • Mollie Burkhart verlor in den 1920er Jahren ihre Mutter und ihre Schwestern durch die Morde, die William Hale in Auftrag gegeben hatte.[18]

Weitere Lebensläufe stehen in der Liste Bekannte indigene Persönlichkeiten.

Die Osage im Film

Häufige Fragen

Wie nennen sich die Osage selbst?

Wahzhazhe. So schreibt die Osage Nation den Namen auf ihren Seiten, das Museum der Nation schreibt Wah-Zha-Zhi. Die Encyclopedia of the Great Plains übersetzt die Form Wa-zha-she mit "Kinder der Mittleren Wasser".

Wo leben die Osage heute?

Das Land der Osage Nation ist das heutige Osage County im Nordosten Oklahomas, mit dem Regierungssitz Pawhuska. Laut Osage Nation leben dort 4.467 der mehr als 25.000 Bürger. Die Nation nennt das County ihr Reservat; rechtlich ist das umstritten.

Wie viele Osage gibt es heute?

Die Osage Nation nennt auf ihrer Kulturseite mehr als 25.000 Bürger. 1906 waren es laut Encyclopedia of the Great Plains nur etwa 2.000, auf der Liste der Aufteilung von 1907 standen 2.229 Namen.

Warum wurden die Osage reich?

Schon in den 1890er Jahren brachte die Verpachtung von Weiden viel Geld. 1894 wurde Öl gefunden, und bei der Aufteilung des Landes 1906 behielt die Nation die Rechte an den Bodenschätzen gemeinsam. Die Einnahmen gingen an die Inhaber der 2.229 Anteile, der headrights, und stiegen in den 1920er Jahren stark.

Was waren die Osage-Morde?

In den frühen 1920er Jahren starben im Osage County laut FBI mindestens zwei Dutzend Menschen, darunter Osage und ein bekannter Ölunternehmer. Die Zeitungen sprachen von der Reign of Terror. Das Bureau of Investigation, das spätere FBI, wies nach, dass der Viehzüchter William Hale die Morde an Anna Brown und ihrer Familie in Auftrag gegeben hatte, um an die Ölrechte zu kommen; er wurde im Januar 1929 für den Mord an Henry Roan verurteilt.

Was ist ein headright?

Ein gleicher Anteil an den Bodenschätzen der Nation. 1907 wurden die Rechte in 2.229 Anteile geteilt, einer für jede Person auf der Liste. Laut Encyclopedia of the Great Plains werden die Anteile nicht weiter geteilt; später Geborene sind Mitglieder, aber ohne eigenen Anteil.

Welche Sprache sprechen die Osage?

Osage gehört zu den Dhegiha-Sprachen der Sioux-Familie, wie die Sprachen der Omaha, Ponca, Kaw und Quapaw. Die Sprachabteilung der Nation arbeitet seit 2003 daran, die Sprache wiederzubeleben.

Quellen

  1. Tribal Nation About the Osage Nation Reservation. Osage Nation (Osage Culture). Stand 15.02.2024. abgerufen am 24.10.2026
  2. Nachschlagewerk Louis F. Burns: Osage (tribe) (The Encyclopedia of Oklahoma History and Culture, Eintrag OS001). Oklahoma Historical Society. Stand 15.01.2010. abgerufen am 24.10.2026
  3. Nachschlagewerk Willard Hughes Rollings: Osages. Encyclopedia of the Great Plains, University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 24.10.2026
  4. Amtliche Stelle Indian Entities Recognized by and Eligible To Receive Services From the United States Bureau of Indian Affairs, 91 FR 4102. Bureau of Indian Affairs, U.S. Department of the Interior (Federal Register). Stand 30.01.2026. abgerufen am 24.10.2026
  5. Tribal Nation Osage Nation (Startseite, Wahzhazhe Communications). Osage Nation. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  6. Gesetz und Vertrag Treaty with the Osage, 1808 (7 Stat. 107), in: Charles J. Kappler, Indian Affairs: Laws and Treaties, Bd. 2, S. 95 bis 99. Oklahoma State University Library (Kappler-Ausgabe, Government Printing Office). Stand 1904. abgerufen am 24.10.2026
  7. Gesetz und Vertrag Treaty with the Osage, 1825 (7 Stat. 240), in: Charles J. Kappler, Indian Affairs: Laws and Treaties, Bd. 2, S. 217 bis 221. Oklahoma State University Library (Kappler-Ausgabe, Government Printing Office). Stand 1904. abgerufen am 24.10.2026
  8. Gesetz und Vertrag Treaty with the Osage, 1865 (14 Stat. 687), in: Charles J. Kappler, Indian Affairs: Laws and Treaties, Bd. 2, S. 878 bis 883. Oklahoma State University Library (Kappler-Ausgabe, Government Printing Office). Stand 1904. abgerufen am 24.10.2026
  9. Amtliche Stelle History and Culture. National Park Service, Washita Battlefield National Historic Site. Stand 31.07.2021. abgerufen am 24.10.2026
  10. Tribal Nation Minerals Council. Osage Nation. Stand 14.09.2026. abgerufen am 24.10.2026
  11. Tribal Nation Government (Who We Are). Osage Nation. Stand 02.10.2026. abgerufen am 24.10.2026
  12. Tribal Nation Executive Branch. Osage Nation. Stand 28.09.2026. abgerufen am 24.10.2026
  13. Tribal Nation Membership / CDIB. Osage Nation. Stand 27.08.2026. abgerufen am 24.10.2026
  14. Tribal Nation Language. Osage Nation Language Department (Osage Culture). Stand 21.08.2026. abgerufen am 24.10.2026
  15. Museum Museum. Osage Nation Museum (Osage Culture). Stand 22.05.2023. abgerufen am 24.10.2026
  16. Museum Allottee 2229 Digitization Project. Osage Nation Museum (Osage Culture). Stand 28.03.2024. abgerufen am 24.10.2026
  17. Amtliche Stelle Osage Murders Case (History, Famous Cases and Criminals). Federal Bureau of Investigation. Stand 23.10.2023. abgerufen am 24.10.2026
  18. Amtliche Stelle A Byte Out of History: Murder in the Osage Hills (archivierte Seite). Federal Bureau of Investigation. Stand Januar 2005. abgerufen am 24.10.2026
  19. Amtliche Stelle Osage Discussion Spotlights Relationship Between FBI and Native Americans. Federal Bureau of Investigation. Stand 23.10.2023. abgerufen am 24.10.2026
  20. Tribal Nation Osage Orthography. Osage Nation Language Department (Osage Culture). Stand 04.05.2023. abgerufen am 24.10.2026
  21. Tribal Nation Osage Culture (Startseite). Osage Nation (Osage Culture). Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  22. Amtliche Stelle Osage Nation v. Irby, No. 09-5050 (10th Cir. March 5, 2010). United States Court of Appeals for the Tenth Circuit. Stand 05.03.2010. abgerufen am 24.10.2026
  23. Amtliche Stelle 2025 Gazetteer Files, Places, Oklahoma. U.S. Census Bureau. Stand 2025. abgerufen am 24.10.2026
  24. Tribal Nation Did You Know? Osage Murders. Osage Nation. Stand 03.11.2014, geändert 06.05.2021. abgerufen am 26.10.2026

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