PersonenPerson
Hugh Glass
Kurz erklärt Ja, Hugh Glass hat es wirklich gegeben. Nach den überlieferten Berichten wurde der Trapper, wohl aus Pennsylvania, im August 1823 am Grand River im heutigen South Dakota von einer Grizzlybärin schwer verletzt, von zwei Begleitern zurückgelassen und erreichte allein das Fort Kiowa am Missouri. Im Winter 1832 auf 1833 töteten ihn Arikara am Yellowstone.

Wer war Hugh Glass?
Hugh Glass war ein Trapper und Jäger im Pelzhandel am oberen Missouri. Bekannt ist er für eine einzige Geschichte: 1823 überlebte er den Angriff einer Grizzlybärin, wurde von zwei Begleitern für tot zurückgelassen und schlug sich allein zum Fort Kiowa am Missouri durch.[1, 2] Über sein früheres Leben weiß man fast nichts. Hiram Martin Chittenden, der die Geschichte 1902 in seiner Darstellung des Pelzhandels erzählte, kannte als einziges Stück daraus seine Geburt in Pennsylvania.[7] Der erste gedruckte Bericht von 1825 ließ offen, ob er aus Irland oder aus dem schottisch-irischen Pennsylvania stammte.[5] Britannica gibt als Lebensdaten "um 1783" und "um 1833" an.[10]
Schon 1824 nannte man ihn einen alten Mann: So steht es im Bericht von 1825, und nach der South Dakota Historical Society Foundation betonen die meisten Schriften, Glass sei 1823 "ein alter Mann" gewesen.[5, 4]
Im Kampf an den Dörfern der Arikara
Im Frühjahr 1823 schloss sich Glass der Expedition von William Ashley an, die im März in St. Louis aufbrach und den Missouri hinauffuhr.[3, 10] Am 2. Juni 1823 griffen Arikara Ashleys Leute an, die nahe ihren Dörfern an der Mündung des Grand River in den Missouri lagerten, und töteten nach der Encyclopedia of the Great Plains 14 Männer; ein anderer Beitrag derselben Enzyklopädie spricht von zwölf Toten, HistoryNet von 15.[12, 1, 11] Ashleys Verlustliste, die der Missouri Intelligencer am 8. Juli 1823 druckte, führt zwölf Getötete und unter den Verwundeten Hugh Glass.[8]
Das Staatsarchiv von South Dakota bewahrt einen einseitigen Brief, den Glass im Juni 1823 an die Eltern des getöteten Trappers John S. Gardner schickte. Er entstand nahe Ashleys Lager an der Mündung des Cheyenne River und kam um 1902 über einen Nachfahren Gardners an die State Historical Society.[3, 4] Der Brief erzählt, Gardner habe noch eine Weile gelebt, und ein junger "Mr. Smith" aus der Gruppe habe ein Gebet gesprochen, das alle bewegt habe. Ob Glass ihn selbst schrieb, ist offen: 2016 hieß es, er habe als Analphabet gegolten und einen Bekannten schreiben lassen, 2023 nur noch, die Handschrift sei seit jeher umstritten. Darin steht auch, dass Glass selbst verwundet wurde.[4]
Ich selbst wurde ins Bein geschossen.
Colonel Henry Leavenworth brach am 22. Juni 1823 mit 230 Soldaten der 6. US-Infanterie auf und zog mit Trappern und etwa 700 Lakota gegen die Dörfer der Arikara; am 10. August beschoss er sie und verhandelte dann. In der Nacht des 14. August verließen die Bewohner ihre Dörfer.[12] Danach brach Andrew Henry, Ashleys Partner, mit einer kleinen Gruppe über Land zum Yellowstone auf. Glass war dabei.[1, 2, 7]
Was geschah beim Bärenangriff 1823?
Was im August 1823 am Grand River geschah, ist nur aus zweiter Hand überliefert. Die älteste bekannte Fassung erschien im März 1825 ohne Verfassernamen in der Zeitschrift The Port Folio in Philadelphia, als Teil der Reihe "Letters from the West". Der Verfasser gibt dort nach eigener Aussage wieder, was Glass selbst über die vergangenen zehn Monate erzählt hatte, und er kannte die Geschichte von einem Gewährsmann, der Glass in Fort Atkinson erlebt hatte.[5] 1828 erschien der Text leicht überarbeitet in dem Buch "Letters from the West" von James Hall, auf dem Titelblatt "The Hon. Judge Hall"; im Vorwort schreibt der Verfasser, die Briefe seien für die Zeitschrift Port Folio gedacht gewesen.[6] Der Missouri Intelligencer druckte den Bericht am 18. Juni 1825 nach.[7, 8]
Nach diesem Bericht zog Henrys Gruppe den Grand River hinauf durch Prärie mit Gebüsch und wilden Pflaumenbäumen. Glass galt als einer der besten Schützen und ging als Jäger voraus. In einem Dickicht erhob sich eine Bärin, die im Sand gelegen hatte, und packte ihn, bevor er schießen konnte; ihre Jungen waren in der Nähe. Ein Gefährte kam ihm zu Hilfe, dann erschossen die übrigen Männer die Bärin.[5] Glass war schwer verletzt, unter anderem an Kehle, Schulter, linkem Arm und Kopf.[5] Die South Dakota Historical Society Foundation verortet den Angriff etwa zwölf Meilen südlich des heutigen Lemmon, eine andere Mitteilung der Stiftung nahe der Gabelung des Grand River im Perkins County.[2, 4, 17] Philip St. George Cooke, auf den sich Chittenden als zweite Quelle stützt, setzt den Angriff auf den Abend des fünften Reisetags.[7, 8]

Henry konnte den Verletzten nicht mitnehmen, ohne die ganze Gruppe zu gefährden. Gegen eine hohe Belohnung blieben zwei Männer bei Glass, bis er sterben oder transportfähig sein würde. Nach fünf Tagen gaben sie ihn auf, nahmen sein Gewehr, seinen Kugelbeutel und alles Übrige mit, holten Henry ein und meldeten, Glass sei tot und begraben.[5] Nach Cooke sammelten die Männer 80 Dollar für die beiden, die bei Glass bleiben würden.[7]
Wie weit kroch Hugh Glass?
Glass überlebte. Nach dem Bericht von 1825 kroch er zu einer Quelle wenige Schritte entfernt und lag dort zehn Tage, ernährt von Wildkirschen und Büffelbeeren, die er erreichen konnte. Dann machte er sich auf den Weg zum Fort Kiowa, einem Handelsposten am Missouri. Einmal sah er zu, wie Wölfe ein Bisonkalb rissen, und nahm ihnen die Beute ab. So kroch er weiter, bis er den Posten erreichte.[5] Das Fort lag nach Britannica nahe dem heutigen Chamberlain in South Dakota.[10]
Wie weit der Weg war, sagen die Quellen sehr verschieden:
- Der Bericht von 1825 nennt "etwa dreihundertfünfzig Meilen" bis zum Fort.[5]
- Chittenden schrieb 1902 von etwa hundert Meilen, die Encyclopedia of the Great Plains von mehr als 100 Meilen.[7, 1]
- Die South Dakota Historical Society Foundation spricht von fast 200 Meilen, an anderer Stelle von rund 200 Meilen in sechs Wochen.[2, 4]
- Britannica nennt 200 bis 300 Meilen (322 bis 483 Kilometer) in zwei Monaten, HistoryNet 250 Meilen.[10, 11]
Britannica hält es für so gut wie sicher, dass Glass streckenweise kroch. Die Geschichte, ein Grizzlybär habe ihm einmal, als er bewusstlos war, die Wunden sauber geleckt, hält sie dagegen für unwahrscheinlich.[10]
Die Suche nach den beiden Männern
Noch bevor seine Wunden verheilt waren, fuhr Glass mit fünf angeheuerten Männern (engagés) in einem Boot wieder den Missouri hinauf. Er wollte sein Gewehr zurück und sich an dem Mann rächen, der ihn beraubt hatte.[5] Kurz vor dem alten Dorf der Mandan ging er an Land, um auf kürzerem Weg zu Tilton's Fort zu gelangen. Am nächsten Tag töteten Arikara, die sich beim Dorf der Mandan niedergelassen hatten, seine Bootsgefährten. Auch Glass wurde verfolgt, doch zwei berittene Mandan nahmen ihn auf ein Pferd und brachten ihn ins Fort.[5] Nach Chittenden bestätigt eine Meldung im Missouri Intelligencer vom 25. Februar 1824 dieses Ereignis.[7]
Noch am selben Abend brach er allein auf und erreichte nach 38 Tagen Henrys Posten.[5] Die Encyclopedia of the Great Plains beschreibt ihn als neuen Posten an der Mündung des Bighorn in den Yellowstone und datiert die Ankunft auf Dezember 1823. Dort habe Glass den jüngeren der beiden Männer wegen seiner Jugend verschont.[1] Der Mann, den er suchte, war nach dem Bericht von 1825 schon nach Fort Atkinson gezogen; Dale nennt ihn den älteren der beiden.[5, 8]
Am 29. Februar 1824 verließ Glass den Posten am Bighorn als Bote mit Briefen für Fort Atkinson, Chittenden schreibt der 28. Februar.[5, 7] Mit vier Begleitern zog er über den Powder River zum Platte und baute dort Boote aus Fellen. Am Platte trafen sie auf ein Lager von Arikara unter Elk's Tongue (Langue de Biche), mit dem Glass einst einen Winter verbracht hatte. Die Begegnung begann freundlich, dann flohen die Trapper; zwei von ihnen wurden getötet, Glass versteckte sich zwischen Felsen.[5] Ohne Gewehr erreichte er in 15 Tagen das Fort Kiowa.[5]
Obwohl ich mein Gewehr und meine ganze Habe verloren hatte, fühlte ich mich richtig reich, als ich Messer, Feuerstein und Stahl in meinem Kugelbeutel fand.
Im Juni 1824 kam er in Fort Atkinson bei Council Bluffs an.[5, 7] Dort fand er den Mann, der ihn verlassen hatte, in der Uniform eines einfachen Soldaten. Das schützte ihn vor Glass. Der Kommandant ließ Glass sein Gewehr zurückgeben und ihn neu ausrüsten, und damit war sein Zorn nach dem Bericht von 1825 besänftigt. Glass erzählte seine Geschichte nun den staunenden Soldaten der Garnison.[5]
Ließen Jim Bridger und John Fitzgerald Glass im Stich?
Britannica nennt die beiden Männer John Fitzgerald und Jim Bridger, die Encyclopedia of the Great Plains nennt Bridger.[10, 1] Der Bericht von 1825 nennt dagegen keinen Namen.[5] Den Namen Fitzgerald fand Chittenden erst bei Cooke, dessen zweiter Mann namenlos bleibt, ein Junge von 17 Jahren. Dass dieser Junge Bridger war, wusste Chittenden nur von Captain La Barge, der sich an die Überlieferung erinnerte. Einen anderen Beweis als diese "nicht greifbare Überlieferung" gebe es nicht (Übersetzung der Redaktion).[7] Auch Harrison Clifford Dale nannte das 1918 eine Überlieferung.[8]
Nach dem Historiker Aubrey L. Haines nannte Glass die beiden Männer nie selbst. Der Trapper James Stevenson schrieb, Bridger habe ihm von dem Bärenangriff erzählt, aber nie gesagt, er habe Glass verlassen.[2] Bridger war 1822 auf eine Zeitungsanzeige hin in den Pelzhandel gegangen und wurde nach der Stiftung einer der wichtigsten Trapper und Führer im Westen; mehr über ihn steht auf der Seite Entdecker, Trapper und Scouts.[2]
Mythos und Wahrheit
Mythos
Jim Bridger und John Fitzgerald ließen Hugh Glass sterbend zurück, und Glass schwor, sich an beiden zu rächen.
Was belegt ist
Der erste Bericht von 1825 nennt keine Namen. Fitzgerald steht erst bei Philip St. George Cooke, und dass der Jüngere Jim Bridger war, beruhte nach Hiram Chittenden 1902 nur auf einer mündlichen Überlieferung. Glass verschonte den Jungen und erhielt in Fort Atkinson auf Befehl des Kommandanten sein Gewehr zurück.[5, 7, 2]
Wie starb Hugh Glass?
Nach 1824 blieb Glass im Pelzhandel. Der National Park Service beschreibt, wie er über den Santa Fe Trail nach Santa Fe und Taos zog, bei einem weiteren Kampf einen Pfeil in den Rücken bekam und 1828 am Rendezvous am Bear Lake im heutigen Utah teilnahm.[9] Von dort wurde er zum oberen Missouri geschickt, um zu erfahren, ob die neue Upper Missouri Outfit, eine Tochter der American Fur Company, eine Versorgungskarawane in die Rocky Mountains schicken würde. Im Spätsommer oder Herbst 1828 kam er zum Posten Fort Floyd an der Mündung des White Earth River.[9]
Er blieb und jagte für das neue Fort Union an der Mündung des Yellowstone in den Missouri. Die Männer der Kompanie tauften ein Kielboot "Old Glass", und die Steilufer östlich der Mündung heißen bis heute Glass Bluffs. Chittenden erwähnt, Glass habe auf diesen Felsen Dickhornschafe gejagt.[9, 7] Der Angestellte James Archdale Hamilton schrieb seine Erzählungen auf, um sie zu veröffentlichen; das Manuskript ist verloren.[9]
Kurz nach Neujahr 1833 brach Glass mit Edward Rose und Hilain Menard von Fort Cass auf, dem Posten der Kompanie an der Mündung des Bighorn. Als die drei nicht weit davon das Eis des Yellowstone überquerten, gerieten sie in einen Hinterhalt von Arikara und wurden alle getötet.[9] Maximilian Prinz zu Wied, der davon hörte, schrieb von einer Gruppe von 30 Arikara, die am anderen Ufer versteckt gewesen sei.[7] Britannica verortet den Tod bei Fort Cass im heutigen Treasure County in Montana, die Encyclopedia of the Great Plains und die South Dakota Historical Society Foundation datieren ihn auf den Winter 1832 auf 1833.[10, 1, 2] Nach dem National Park Service nahm der Trapper Johnson Gardner später zwei der Arikara gefangen, die an dem Überfall beteiligt gewesen sein sollen, und tötete sie; die Arikara töteten Gardner, als sie ihn ihrerseits fassten.[9]
Die Arikara (Sahnish) und die Trapper
Die Arikara nennen sich selbst Sahnish und bilden heute mit den Mandan und Hidatsa die MHA Nation, auch Three Affiliated Tribes genannt; seit dem 15. Mai 1936 regiert sich die Nation selbst.[14] Ihre Sprache gehört zur Sprachfamilie Caddo, wie die der Pawnee.[14] Nach der Geschichtsseite der Nation lebten die Sahnish um 1794 bis 1795 an der Mündung des Grand River, 1804 trafen Lewis und Clark dort drei Dörfer mit etwa 3.000 Menschen. Die Nation wendet sich gegen die Vorstellung, die Sahnish seien ziellos den Missouri hinaufgewandert: Nach ihren mündlichen Historikern folgte der Weg nach Westen einem Auftrag aus alter Überlieferung.[14]
Den Angriff vom 2. Juni 1823 erklärt die Bildungsseite der State Historical Society of North Dakota mit der Vorgeschichte der Sahnish. Lewis und Clark hatten den Dorfanführer Ankedoucharo nach Washington reisen lassen, wo er starb; die Sahnish erfuhren erst ein Jahr später davon und waren, wie es dort heißt, "zu Recht" zornig. Danach seien sie den Weißen zwei Jahrzehnte lang feindlich gewesen, und 1823 hätten sie Ashleys Leute aus Rache für den Tod ihres Anführers angegriffen.[13] Die Encyclopedia of the Great Plains nennt einen wirtschaftlichen Grund: Die Arikara wehrten sich dagegen, dass Amerikaner den Fluss hinauf vordrangen, denn dann hätten sie ihre Rolle als Zwischenhändler im Pelzhandel verloren.[12]
Nach dem Feldzug von Leavenworth brannte der Pelzhändler Joshua Pilcher beide Dörfer nieder.[12] Die Seite der State Historical Society of North Dakota beschreibt den August 1823 als Wendepunkt: Vorher hätten Händler und Reisende die Arikara als freundlich beschrieben, danach habe es auf beiden Seiten Überfälle und Morde gegeben.[13] Die Händler verachteten die Arikara wegen ihres Widerstands, am deutlichsten 1823, und nannten sie den "schrecklichen Stamm" (Horrid Tribe). Nach der Encyclopedia of the Great Plains richtete sich dieses Urteil danach, wie nützlich die Arikara dem Pelzhandel waren.[1] Auch der Bericht von 1825 zeigt sie aus Sicht der Trapper und mit abwertenden Wörtern.[5]

Zeitleiste
- 1823Glass schlägt sich allein bis zum Fort Kiowa am Missouri durch.[5]
- 02.06.1823Arikara greifen Ashleys Expedition nahe ihren Dörfern am Missouri an; Glass wird am Bein verwundet.[3, 4, 8]
- August 1823Eine Grizzlybärin verletzt Glass am Grand River schwer; zwei Begleiter lassen ihn nach fünf Tagen zurück.[2, 5]
- Dezember 1823Glass erreicht Henrys neuen Posten an der Mündung des Bighorn in den Yellowstone und verschont den jüngeren der beiden Männer.[1]
- 29.02.1824Glass bricht vom Posten am Bighorn als Bote nach Fort Atkinson auf; Chittenden nennt den 28. Februar.[5, 7]
- Juni 1824In Fort Atkinson bekommt Glass sein Gewehr zurück und erzählt seine Geschichte.[5, 7]
- März 1825Die Zeitschrift The Port Folio in Philadelphia druckt den ersten bekannten Bericht über Glass.[5]
- 1828Glass nimmt am Rendezvous am Bear Lake teil und geht danach an den oberen Missouri.[9]
- 1833Kurz nach Neujahr töten Arikara Glass, Edward Rose und Hilain Menard auf dem Eis des Yellowstone bei Fort Cass.[9]
- 1915John G. Neihardt veröffentlicht das Versepos The Song of Hugh Glass.[15]
- 2015Der Film The Revenant von Alejandro González Iñárritu erzählt die Geschichte neu.[16, 10] The Revenant
Was ist Legende, was ist belegt?
Für die Encyclopedia of the Great Plains ist kaum eine Epoche der amerikanischen Geschichte so stark durch Erzählungen und so wenig durch genaue Untersuchung geprägt wie die des Pelzhandels. Die Geschichte von Hugh Glass hält sie trotzdem für wahrscheinlich wahr.[1] Für Chittenden war 1902 keine der Erzählungen aus dem Leben in den Plains besser belegt. Er kannte drei gedruckte Fassungen: den Bericht im Missouri Intelligencer, der ihn aus dem Port Folio übernommen hatte, die Bücher von Rufus Sage und von Philip St. George Cooke. Den ersten hielt er für den genauesten, Cookes Fassung an einer Stelle für "zu stark gefärbt, um wahr zu sein", wohl durch die vielen Wiederholungen (Übersetzung der Redaktion).[7]
Dale nennt als Fundstelle Cookes Buch "Scenes and Adventures in the Army" von 1857. Sage schrieb nach Dale fälschlich, Glass habe 1843 noch in Taos gelebt.[8] HistoryNet stützt seine Nacherzählung zusätzlich auf die Erinnerungen des Trappers George C. Yount, der nach eigener Angabe mit Glass gesprochen hatte. Der Artikel erzählt außerdem, Glass sei Jahre vorher bei den Skidi-Pawnee gefangen gewesen und dann bei ihnen aufgenommen worden; eine Quelle dafür nennt er nicht.[11] Chittenden zufolge lebte die Geschichte um 1900 bei den alten Männern der Berge und Plains mündlich weiter.[7]
Mythos und Wahrheit
Mythos
Hugh Glass kroch 200 Meilen allein durch die Wildnis bis zum Fort Kiowa.
Was belegt ist
Die Entfernung ist nicht gesichert. Der erste Bericht von 1825 nennt etwa 350 Meilen, Hiram Chittenden 1902 etwa 100, die South Dakota Historical Society Foundation fast 200 und Britannica 200 bis 300 Meilen. Belegt ist, dass Glass das Fort ohne Gewehr erreichte; dass er streckenweise kroch, hält Britannica für so gut wie sicher.[5, 7, 2, 10]
1915 machte John G. Neihardt aus dem Stoff das Versepos "The Song of Hugh Glass". In seiner Vorbemerkung schreibt er, er habe die Episode bei Chittenden gefunden, der sie aus den drei gedruckten Quellen zitiere.[15] Die South Dakota Historical Society Foundation nennt außerdem den Roman "Lord Grizzly" von Frederick Manfred, der 1954 erschien.[4, 18] Im Kino wurde die Geschichte 1971 zu "Man in the Wilderness" mit Richard Harris in der Hauptrolle.[1] 2015 folgte The Revenant (USA, Regie Alejandro González Iñárritu) mit Leonardo DiCaprio als Glass und Tom Hardy.[16, 10] Seit dem Erfolg des Films richtet sich der Blick nach dem National Park Service vor allem auf den Bärenangriff, den Weg zum Fort und den Wunsch nach Rache und nach den gestohlenen Sachen.[9] Nach der South Dakota Historical Society Foundation hat der Film das Interesse an Glass neu geweckt.[2]

Hugh Glass im Film
Im Film
Häufige Fragen
Gab es Hugh Glass wirklich?
Ja. Eine Verlustliste von William Ashley aus dem Juni 1823 führt ihn unter den Verwundeten, und das Staatsarchiv von South Dakota bewahrt einen Brief von 1823 unter seinem Namen. Im Juni 1824 erzählte er seine Geschichte in Fort Atkinson, im März 1825 stand sie zum ersten Mal gedruckt in der Zeitschrift The Port Folio.
Was geschah mit Hugh Glass 1823?
Nach den überlieferten Berichten griff ihn im August 1823 am Grand River im heutigen South Dakota eine Grizzlybärin an. Andrew Henry ließ zwei Männer gegen Belohnung bei dem Schwerverletzten zurück. Nach fünf Tagen gingen sie mit seinem Gewehr fort und meldeten, er sei tot.
Wie weit kroch Hugh Glass?
Die Angaben gehen weit auseinander. Der erste Bericht von 1825 nennt etwa 350 Meilen bis zum Fort Kiowa, der Historiker Hiram Chittenden 1902 nur etwa 100 Meilen. Die South Dakota Historical Society Foundation spricht von fast 200 Meilen, Britannica von 200 bis 300 Meilen.
Haben Jim Bridger und John Fitzgerald Hugh Glass im Stich gelassen?
So erzählt es die Legende. Der erste Bericht von 1825 nennt keine Namen. Fitzgerald taucht erst bei Philip St. George Cooke auf, und dass der junge zweite Mann Jim Bridger war, beruhte nach Chittenden nur auf einer mündlichen Überlieferung.
Woran starb Hugh Glass?
Er wurde getötet. Nach dem National Park Service überquerten Glass, Edward Rose und Hilain Menard Anfang 1833 bei Fort Cass das Eis des Yellowstone und gerieten in einen Hinterhalt von Arikara. Alle drei starben.
Ist The Revenant eine wahre Geschichte?
Der Film von 2015 greift die Geschichte von Hugh Glass auf, ist aber kein Beleg für sie. Seit dem Film stehen nach dem National Park Service vor allem der Bärenangriff und der Wunsch nach Rache im Blick. Im ersten Bericht von 1825 bekam Glass sein Gewehr zurück und gab sich damit zufrieden.
Hat sich Hugh Glass gerächt?
Nach den frühen Berichten nicht. Den jüngeren der beiden Männer verschonte er, den älteren fand er im Juni 1824 als Soldaten in Fort Atkinson. Der Kommandant ließ ihm sein Gewehr zurückgeben.
Quellen
- Nachschlagewerk David J. Wishart: Fur Trade Lore (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 25.10.2026
- Museum The Legendary Hugh Glass and Jim Bridger. South Dakota Historical Society Foundation. Stand 29.01.2016. abgerufen am 25.10.2026
- Museum Kevin Larsen: Hugh Glass's 200-year-old letter notes comrades' death. South Dakota Historical Society Foundation. Stand 23.05.2023. abgerufen am 25.10.2026
- Museum Hugh Glass letter on display at Cultural Heritage Center. South Dakota Historical Society Foundation. Stand 21.01.2016. abgerufen am 25.10.2026
- Primärquelle Letters from the West, No. XIV: The Missouri Trapper (ohne Verfassernamen), The Port Folio Bd. 19, Nr. 275, S. 214 bis 219 (Digitalisat im Internet Archive). The Port Folio, Philadelphia. Stand März 1825. abgerufen am 25.10.2026
- Primärquelle James Hall: Letters from the West, Vorwort und Letter XIX: The Missouri Trapper, S. 293 bis 305 (Digitalisat im Internet Archive). Henry Colburn, London. Stand 1828. abgerufen am 25.10.2026
- Fachbuch Hiram Martin Chittenden: The American Fur Trade of the Far West, Bd. 2, Kapitel Miraculous Escape of Hugh Glass, S. 698 bis 706 (Digitalisat im Internet Archive). Francis P. Harper, New York. Stand 1902. abgerufen am 25.10.2026
- Fachbuch Harrison Clifford Dale: The Ashley-Smith Explorations and the Discovery of a Central Route to the Pacific, 1822 bis 1829, S. 74, 86 und 87 (Digitalisat im Internet Archive). Arthur H. Clark Company, Cleveland. Stand 1918. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Rod Lassey: Beyond the Bear, Hugh Glass on the Upper Missouri. National Park Service, Fort Union Trading Post National Historic Site. Stand 24.04.2021. abgerufen am 25.10.2026
- Nachschlagewerk Amy Tikkanen: Hugh Glass (American frontiersman). Encyclopaedia Britannica. Stand 26.02.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Presse Hugh Glass: The Truth Behind the Revenant Legend. HistoryNet. Stand 12.06.2006. abgerufen am 25.10.2026
- Nachschlagewerk Jo Lea Wetherilt Behrens: Arikara Expedition (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle The Sahnish (Arikara). North Dakota Studies, State Historical Society of North Dakota. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Tribal Nation MHA Nation History. Mandan, Hidatsa and Arikara Nation (Three Affiliated Tribes). Stand 17.08.2026. abgerufen am 25.10.2026
- Primärquelle John G. Neihardt: The Song of Hugh Glass, mit Vorbemerkung des Autors (Digitalisat im Internet Archive). The Macmillan Company, New York. Stand 1915. abgerufen am 25.10.2026
- Filmdatenbank The Revenant (USA 2015). Det Danske Filminstitut, Filmdatabasen. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Amtliche Stelle Geographic Names Information System, Eintrag 1256086: Lemmon, Populated Place, Perkins County, South Dakota (Abfrage im Kartendienst geonames der National Map). U.S. Geological Survey. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
- Nachschlagewerk Manfred, Frederick (The Biographical Dictionary of Iowa). University of Iowa Press, Digital Editions. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
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Alexander Müller Gründer und Herausgeber von Wilder-Westen.org
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