WesternFilm

Joe Kidd (1972)

Kurz erklärt Joe Kidd ist ein Western von John Sturges aus dem Jahr 1972 nach einem Originaldrehbuch von Elmore Leonard; in Deutschland lief er als Sinola. Clint Eastwood spielt einen früheren Kopfgeldjäger, den ein Großgrundbesitzer anheuert, um mexikanischstämmige Amerikaner um Luis Chama zu jagen, die um ihr Land kämpfen. Die Handlung ist erfunden, der Streit um spanische und mexikanische Landtitel in New Mexico ist historisch.

Kleine Dampflokomotive auf einem einzelnen Gleis in einer weiten Wüstenebene, dahinter Saguaro-Kakteen und kahle Berge im Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Worum geht es in Joe Kidd?

In Sinola, einer kleinen Grenzstadt in New Mexico, verurteilt der Richter den Rancher Joe Kidd wegen Trunkenheit und Ruhestörung sowie Wilderei zu zehn Tagen Gefängnis. Mitten in die Verhandlung stürmt eine Gruppe mexikanischstämmiger Amerikaner unter Luis Chama. Sie protestieren dagegen, dass Anglos (englischsprachige Amerikaner) ihnen das Land genommen haben: Ihre rechtmäßigen Urkunden seien absichtlich verbrannt worden, so dass sie ihre Ansprüche nicht beweisen können. Chama nimmt die Urkunden der Anglos vom Richtertisch und zündet sie an.[2] Joe bringt den Richter in Sicherheit und erschießt Naco, einen von Chamas Männern, der die Waffe auf ihn richtet. Sheriff Bob Mitchell stellt eine Posse (Aufgebot) zusammen, Joe will nicht mitreiten, weil er mit Chama keinen Streit hat.[2]

Mit dem Zug treffen der Großgrundbesitzer Frank Harlan, seine Geliebte Elma und mehrere Scharfschützen ein. Er bezahlt Joes Strafe und bietet ihm 500 Dollar, wenn er die Gruppe als Führer in die Berge bringt, angeblich zur Jagd. Joe war früher ein gefürchteter Kopfgeldjäger, ahnt, dass es um Chama geht, und lehnt ab. Als Chamas Leute seine Pferde stehlen und seinen Gehilfen Emilio verletzen, reitet er doch mit, nun für 1.000 Dollar.[2]

Unterwegs lässt Harlan einen wehrlosen Mann aus Chamas Gruppe erschießen. In ihrer Hütte treffen sie Helen Sanchez, die Joe als Mitglied von Chamas Gruppe aus dem Gerichtssaal erkennt; er verrät sie nicht, Harlan nimmt sie mit. In einem mexikanischen Dorf am Fuß der Berge nimmt Harlan die Bewohner als Geiseln und droht, fünf von ihnen zu erschießen, wenn Chama sich nicht bis zum nächsten Morgen stellt. Joe, den Harlan inzwischen entlassen hat, geht zu den Geiseln in die Kirche. Als Harlan fünf Dorfbewohner erschießen lassen will, schießt Joe mit Harlans eigenem Gewehr auf die Schützen, flieht mit Helen und treibt Harlans Pferde davon.[2] Das Lexikon des internationalen Films fasst die Geschichte knapper: Ein wortkarger Revolvermann befreie einen Ort im amerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet vom Terrorregime einer korrupten Obrigkeit.[1]

Wie endet Joe Kidd?

Achtung, Schluss: Dieser Abschnitt verrät, wie die Geschichte ausgeht.

Helen wirft Chama vor, er habe die Dorfbewohner sterben lassen und denke nur an sich. Joe zwingt Chama mit der Waffe, mit ihm nach Sinola zu kommen, und ruft Harlan zu, er finde Chama im Gefängnis der Stadt. Dort warten Harlans Scharfschützen auf den Dächern. Joe übernimmt die Lokomotive eines Zuges vor der Stadt und fährt mit ihr am Bahnhof vorbei in den Saloon, in dem Harlans Männer trinken. Harlan flieht ins Gerichtsgebäude, wo Joe ihn auf dem Stuhl des Richters erwartet und erschießt. Chama übergibt er dem Sheriff, dann reitet er mit Helen zu seiner Ranch.[2]

Wer spielt in Joe Kidd mit?

Die Titelrolle spielt Clint Eastwood. Robert Duvall ist der Großgrundbesitzer Frank Harlan, der mit eigenen Scharfschützen anreist, John Saxon der Anführer Luis Chama. Don Stroud spielt den schießwütigen Lamarr, Stella Garcia Helen Sanchez aus Chamas Gruppe.[1, 2]

Darsteller und Rollen laut AFI Catalog und Lexikon des internationalen Films[1, 2]
DarstellerRolle
Clint EastwoodJoe Kidd
Robert DuvallFrank Harlan
John SaxonLuis Chama
Stella GarciaHelen Sanchez
Don StroudLamarr
James WainwrightMingo
Paul KosloRoy
Gregory WalcottSheriff Bob Mitchell
Lynne MartaElma
Dick Van PattenHotelmanager

Wie entstand Joe Kidd?

Das Drehbuch schrieb Elmore Leonard; seine Website führt es als Originaldrehbuch, der Arbeitstitel war Sinola.[2, 3] Leonard hatte in den 1950er Jahren neben seiner Arbeit als Werbetexter Westerngeschichten für Zeitschriften geschrieben; zwei davon verkaufte er an Hollywood, 3:10 to Yuma und The Tall T. Später schrieb er Drehbücher, um sich mit dem Geld das Schreiben von Romanen leisten zu können.[4]

Produziert hat den Film Sidney Beckerman für Eastwoods Firma Malpaso und Universal Pictures; ausführende Produzenten waren Robert Daley, Clint Eastwood und Jennings Lang.[2] Regie führte John Sturges, die Kamera hatte Bruce Surtees, die Musik schrieb Lalo Schifrin.[1, 2] Gedreht wurde von Ende Oktober bis Mitte Dezember 1971.[2] Mit Joe Kidd begann laut AFI die lange Zusammenarbeit von Malpaso mit dem Regieassistenten James Fargo, dem Cutter Ferris Webster und dem Szenenbildner Henry Bumstead. Fargo und Webster arbeiteten die ganzen 1970er Jahre mit Eastwood, Bumstead bis zu seinem Tod am 24. Mai 2006.[2]

Wo wurde Joe Kidd gedreht?

In den eingeblendeten Credits dankt Joe Kidd dem Forest Service für Drehorte im Inyo National Forest in Kalifornien. Nach Meldungen des Hollywood Reporter und der Zeitschrift Filmfacts wurde außerdem bei Bishop und Lone Pine in Kalifornien und in Tucson in Arizona gedreht.[2]

Drehorte laut AFI Catalog[2]
DrehortBundesstaatWas dort entstand
Old TucsonArizonaTeile des Films[2]
Inyo National ForestKalifornienAußenaufnahmen, in den Credits eigens genannt[2]
Bishop und Lone PineKalifornienAußenaufnahmen[2]

Durch Old Tucson, das auch auf der Seite zu Rio Bravo vorkommt, führte eine Schmalspurbahn, die kurz vor dem Saloon endete; weitere Kulissen und Landschaften des Genres zeigt die Übersicht Western-Drehorte im Überblick. Nach einer späteren Quelle, die das AFI zitiert, kam Sturges so auf die Idee, die Lokomotive am Schluss in den Saloon fahren zu lassen. Bumstead erinnerte sich, dass dieses Ende erst nach Drehbeginn beschlossen wurde.[2]

Runde Granitfelsen und Beifußbüsche vor dem steilen, schneebedeckten Ostrand der Sierra Nevada, dazwischen ein schmaler Feldweg im goldenen Nachmittagslicht
Felsen und Berge am Ostrand der Sierra Nevada: Bei Lone Pine und Bishop entstanden Außenaufnahmen des Films Bild: KI-generiert

Wie viel Wahrheit steckt in Joe Kidd?

Die Stadt Sinola, Joe Kidd, Luis Chama und Frank Harlan sind erfunden. Weder das AFI noch der Filmdienst nennen eine historische Vorlage, Leonards Website spricht von einem Originaldrehbuch.[1, 2, 3] Historisch ist der Streit um Land, das Spanien und Mexiko in New Mexico vergeben hatten.[5] Um Land und vernichtete Urkunden geht es auch im Film.[2]

New Mexico kam 1848 mit dem Vertrag von Guadalupe Hidalgo an die USA, und von den Flächen, die Gemeinschaften aus spanischen und mexikanischen Landzuteilungen beanspruchten, erkannten die USA mehr als ein Drittel nicht an.[5]

Als Beispiel für den Streit nennt der Rechnungshof des Kongresses (GAO) die Zuteilung von Tierra Amarilla im Norden New Mexicos. Sie war 1832 an Manuel Martinez, seine acht Söhne und weitere Siedler vergeben worden. Der Kongress bestätigte sie am 21. Juni 1860 als Zuteilung an einen Einzelnen; die Familie Martinez verkaufte später das Gemeindeland, und die Siedler verloren ihr Recht, es zu nutzen.[5] Nach Darstellung der Erben stellte der Kongress 1881 fast 600.000 Acres (knapp 243.000 Hektar) zu Unrecht auf eine Einzelperson aus statt auf die Gemeinschaft.[5]

Im Juni 1967 nahmen Bewaffnete im Gerichtsgebäude des Rio Arriba County in Tierra Amarilla zwei Geiseln. Dort sollten sich Mitglieder der Alianza Federal de Mercedes wegen unerlaubter Versammlung verantworten. Die Alianza unter Reies López Tijerina forderte, das Land der spanischen und mexikanischen Zuteilungen den Erben zurückzugeben.[5] Laut GAO wurden zwischen 1971 und 1980 im Kongress 22 Gesetzentwürfe und Entschließungen eingebracht, die eine Kommission für die offenen Ansprüche vorsahen; ausgelöst wurden sie zum Teil durch den Überfall auf das Gerichtsgebäude von 1967.[5] Eine Verbindung zwischen dem Film und dem Überfall von 1967 stellen weder das AFI noch der Filmdienst noch Leonards Website her.[1, 2, 3]

Handgegrabener Bewässerungsgraben durch trockene Erde zwischen hohen Pappeln, dahinter kahle Hügel im Abendlicht
Ein Tal in New Mexico: In einer Gegend wie dieser nimmt Harlan im Film die Bewohner als Geiseln Bild: KI-generiert

Wie wurde Joe Kidd aufgenommen?

Das AFI nennt für die Eröffnung in New York den 19. Juli 1972 und als Veröffentlichung nur den Monat Juli 1972.[2] In Deutschland startete er am 8. September 1972 als Sinola im Verleih der CIC, freigegeben ab 16 Jahren.[1]

Das Lexikon des internationalen Films nennt ihn einen Spätwestern, der Eastwood viel Gelegenheit zur Imagepflege gebe; die Figur des einsamen Rächers sei eine "veredelte Django-Variante". Der gut gestaltete Film verherrliche teils zynisch Faustrecht und Selbstjustiz und bemühe sich sichtlich, mit den Vorgaben des Italowesterns mitzuhalten.[1]

Zeitleiste: Joe Kidd
  1. 1971Dreharbeiten von Ende Oktober bis Mitte Dezember, unter anderem in Old Tucson und in Kalifornien.[2]
  2. 19.07.1972Eröffnung in New York laut AFI.[2]
  3. 08.09.1972Deutsche Erstaufführung unter dem Titel Sinola.[1]

Häufige Fragen

Wie heißt Joe Kidd auf Deutsch?

In Deutschland kam der Film am 8. September 1972 als Sinola ins Kino. So hieß auch der Arbeitstitel, und so heißt im Film die Grenzstadt in New Mexico, in der die Geschichte beginnt.

Wer spielt in Joe Kidd mit?

Clint Eastwood spielt Joe Kidd, Robert Duvall den Großgrundbesitzer Frank Harlan und John Saxon den Anführer Luis Chama. Stella Garcia ist Helen Sanchez, Don Stroud der Scharfschütze Lamarr.

Wo wurde Joe Kidd gedreht?

Laut AFI Catalog in Old Tucson in Arizona und in Kalifornien, im Inyo National Forest und in der Gegend von Bishop und Lone Pine. Gedreht wurde von Ende Oktober bis Mitte Dezember 1971.

Beruht Joe Kidd auf einer wahren Geschichte?

Die Stadt Sinola und die Figuren sind erfunden; das Drehbuch ist ein Originalstoff von Elmore Leonard. Historisch ist der Hintergrund: In New Mexico wurden nach 1848 laut GAO von 9,38 Millionen Acres beanspruchtem Gemeinschaftsland aus spanischen und mexikanischen Zuteilungen 3,42 Millionen Acres nicht zuerkannt, und 1967 eskalierte der Streit am Gericht in Tierra Amarilla.

Wer hat das Drehbuch zu Joe Kidd geschrieben?

Elmore Leonard. Er hatte in den 1950er Jahren Westerngeschichten geschrieben, von denen er zwei an Hollywood verkaufte, darunter 3:10 to Yuma, und verdiente später mit Drehbüchern das Geld für seine Romane. Die Musik schrieb Lalo Schifrin.

Wie lang ist Joe Kidd und ab wie viel Jahren ist er freigegeben?

Das Lexikon des internationalen Films gibt 88 Minuten an, das AFI 87 bis 88 Minuten. Freigegeben ist der Film ab 16 Jahren, nicht feiertagsfrei.

Quellen

  1. Filmdatenbank Sinola, Lexikon des internationalen Films. filmdienst.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  2. Filmdatenbank Joe Kidd (1972), AFI Catalog of Feature Films. American Film Institute. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  3. Film and TV: Joe Kidd (Website des Autors über sein Werk). Elmore Leonard, elmoreleonard.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  4. The Story (Biografie, Text von Gregg Sutter). Elmore Leonard, elmoreleonard.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  5. Amtliche Stelle Treaty of Guadalupe Hidalgo: Findings and Possible Options Regarding Longstanding Community Land Grant Claims in New Mexico (GAO-04-59). U.S. General Accounting Office. Stand 04.06.2004. abgerufen am 26.10.2026

Fehler entdeckt? Hinweis an die Redaktion. Jeder Hinweis wird an der Quelle geprüft.

Passt dazu

  • WesternJeremiah Johnson (1972)

    Sydney Pollacks Western mit Robert Redford als Trapper in den Bergen Utahs.

  • WesternDer Texaner (1976)

    Clint Eastwoods Western The Outlaw Josey Wales von 1976.

  • WesternHeaven's Gate (1980)

    Michael Ciminos Western über den Johnson-County-Krieg von 1892 wurde ein Kassendesaster.

  • Indigene Völker NordamerikasNordwestküste

    Die Völker der Nordwestküste, oft Nordwestküsten-Indianer genannt, leben zwischen Alaska und Kalifornien.