WesternFilm

Rio Bravo (1959)

Kurz erklärt Rio Bravo ist ein Western von Howard Hawks aus dem Jahr 1959, gedreht in und um Tucson in Arizona, unter anderem in Old Tucson. John Wayne spielt Sheriff John T. Chance, der in einer Grenzstadt in Texas einen Mörder festhält und ihn mit einem trinkenden Deputy, einem alten Hilfssheriff und einem jungen Revolvermann gegen die Leute von dessen Bruder verteidigt. Die Handlung ist erfunden; laut Britannica entstand der Film als Antwort auf Zwölf Uhr mittags.

Leere Veranda eines Gefängnisses aus Lehmziegeln an einer staubigen Hauptstraße, an einem Pfosten hängt eine Laterne, Abendlicht über der Wüste
Bild: KI-generiert

Worum geht es in Rio Bravo?

In der texanischen Grenzstadt Rio Bravo erschießt Joe Burdette einen unbewaffneten Mann. Er ist der Bruder des reichen Ranchers Nathan Burdette. Sheriff John T. Chance verhaftet ihn mit Hilfe von Dude, seinem früheren Deputy, der seit zwei Jahren trinkt. Chance will Joe zum Prozess bringen lassen, doch Nathan heuert eine kleine Armee von Revolvermännern an und riegelt die Stadt ab. Per Postkutsche schickt Chance eine Nachricht an den US Marshal; bis Hilfe kommt, werden einige Tage vergehen.[2]

Chances Freund Pat Wheeler, der mit einer Wagenladung Sprengstoff in die Stadt kommt, bietet seine Hilfe an. Chance lehnt ab, er will keine gut meinenden Laien in Gefahr bringen. Ihm bleiben Dude und Stumpy, ein alter, gehbehinderter Hilfssheriff, der das Gefängnis bewacht. Wheelers junger Begleiter Colorado will sich aus der Sache heraushalten.[2, 3] Kurz darauf wird Wheeler hinterrücks erschossen. Dude spürt den Schützen im Saloon auf und ist schneller als er.[2]

In der Stadt ist auch Feathers, eine Spielerin, die Chance mit der nächsten Kutsche fortschicken will. Sie weigert sich zu gehen.[2, 3] Nathan lässt den ganzen Tag Musiker ein bestimmtes Stück spielen. Colorado erkennt es: Es ist das Degüello, das die Mexikaner beim Alamo gespielt haben sollen, als Zeichen, dass es kein Pardon gibt.[2] Als Burdettes Männer Dude gefangen nehmen und Chance mit der Waffe bedrohen, lenkt Feathers sie mit einem Blumentopf ab, den sie durch ein Fenster wirft; Chance und Colorado befreien Dude. Danach lässt Colorado sich doch als Deputy vereidigen, und Dude kommt ohne Flasche über seine Entzugserscheinungen hinweg.[2]

Wie endet Rio Bravo?

Achtung, Schluss: Dieser Abschnitt verrät, wie die Geschichte ausgeht.

Burdettes Leute haben das Hotel besetzt und nehmen dort Chance und Dude gefangen. Nathan bietet einen Tausch an: Dude gegen Joe. Bei der Übergabe am Stadtrand wirft Dude sich auf Joe, und es kommt zum Schusswechsel. Stumpy, der eigentlich im Gefängnis bleiben sollte, kommt dazu und holt Dynamit von einem Wagen. Er wirft die Stangen auf das Haus, in dem sich Nathans Männer verschanzt haben, und Chance bringt sie mit Schüssen zur Explosion. Als das Haus brennt, gibt Nathan auf.[2, 3] Am Ende schickt Dude, der nicht mehr trinkt, Chance zu Feathers.[2]

Wer spielt in Rio Bravo mit?

John Wayne spielt Sheriff John T. Chance, Dean Martin den Trinker Dude, Ricky Nelson den jungen Colorado und Walter Brennan den alten Stumpy. Angie Dickinson ist Feathers, Ward Bond spielt Pat Wheeler.[1, 2] Der AFI Catalog führt den Sänger als Ricky Nelson und seine Figur nur als Colorado; Filmdienst und Britannica schreiben Rick Nelson und Colorado Ryan.[1, 2, 3]

Britannica lobt Martin in dieser frühen dramatischen Rolle und meint, Brennan stehle als griesgrämiger Deputy beinahe den ganzen Film.[3] Für Ward Bond war es laut AFI die letzte große Kinorolle. Nach einer Meldung der Los Angeles Times vom März 1958 hatte Hawks auch mit Frank Sinatra über eine Hauptrolle neben Wayne verhandelt; im Film spielt er nicht mit.[2]

Darsteller und Rollen laut AFI Catalog und Filmdienst
DarstellerRolle
John WayneSheriff John T. Chance[1, 2]
Dean MartinDude[1, 2]
Ricky NelsonColorado Ryan[1, 2]
Angie DickinsonFeathers[1, 2]
Walter BrennanStumpy[1, 2]
Ward BondPat Wheeler[1, 2]
John RussellNathan Burdette[1, 2]
Claude AkinsJoe Burdette[1, 2]
Pedro Gonzalez-GonzalezCarlos, Wirt des Hotels Alamo[2]
Estelita RodriguezConsuelo, seine Frau[2]

Wie entstand Rio Bravo?

Hawks drehte den Film nach Britannica als Antwort auf Zwölf Uhr mittags (High Noon, 1952), in dem ein Gesetzeshüter fast den ganzen Film lang die feigen Bürger vergeblich um Hilfe bittet. Hawks und Wayne ärgerten sich beide über diesen Film, Wayne nannte ihn unamerikanisch.[3] Jeremy Arnold erklärt das für Turner Classic Movies mit Hawks' Sicht auf seine Figuren: Bei ihm zählt, wer zeigt, dass er seine Sache beherrscht. Einen Sheriff, der aus Angst die ganze Zeit um Hilfe bittet, fand Hawks verwerflich, und als direkte Antwort ließ er in Rio Bravo einen Sheriff jedes Hilfsangebot ablehnen.[10] Die Library of Congress schreibt vorsichtiger, der Film sei der Legende nach zum Teil als Erwiderung auf High Noon entstanden.[4]

Der Arbeitstitel lautete A Bull by the Tail, wie die Kurzgeschichte von B. H. McCampbell, auf der das Drehbuch beruht; wo sie erschien, konnte der AFI Catalog nicht feststellen. Das Drehbuch schrieben Jules Furthman und Leigh Brackett, Kameramann war Russell Harlan, den Schnitt besorgte Folmar Blangsted.[1, 2] Hawks produzierte selbst. Rio Bravo blieb der einzige Film seiner Firma Armada Productions, Warner Bros. brachte ihn ins Kino. Für Hawks und Wayne war es die erste gemeinsame Arbeit seit Red River (1948).[2] Gedreht wurde in Technicolor von Anfang Mai bis Mitte Juli 1958.[2]

Die Musik von Dimitri Tiomkin

Die Musik schrieb Dimitri Tiomkin. Von ihm stammen auch die Lieder Rio Bravo und My Rifle, My Pony and Me, die Texte dazu von Paul Francis Webster; Cindy ist ein traditionelles Lied.[2] Das Degüello, das Nathans Musiker spielen, ist traditionell, Tiomkin hat es bearbeitet. Der Hollywood Reporter nannte Tiomkins Fassung für eine Stierkampftrompete eines der wichtigsten Spannungselemente des Films.[2]

Wo wurde Rio Bravo gedreht?

Laut Meldungen des Hollywood Reporter und einer Kritik in Filmfacts entstanden Teile des Films in und um Tucson in Arizona.[2] Einer der Drehorte war Old Tucson, eine Westernstadt aus Kulissen in Tucson.[6, 7] Sie entstand 1939 für den Film Arizona (1940): Columbia Pictures pachtete dafür Land vom Pima County und baute in gut einem Monat mehr als 50 Gebäude, die Tucson in den 1860er Jahren darstellen sollten. 1960 wurde daraus Old Tucson Studios, ein Westernpark und Drehort zugleich. John Wayne drehte dort nach Cronkite News vier Filme, darunter Rio Bravo und El Dorado.[6]

Insgesamt entstanden in Old Tucson laut Cronkite News mehr als 500 Filme ganz oder zum Teil. Ein großer Brand im April 1995 zerstörte fast die Hälfte der Gebäude, ganz wieder aufgebaut wurde die Anlage aus Geldmangel nicht.[6] Während der Corona-Pandemie schloss Old Tucson 2020. Im April 2022 erhielt das Tourismusunternehmen American Heritage Railways den Zuschlag für den Betrieb, im Oktober 2022 öffnete die Anlage wieder.[6]

Stand Oktober 2026 bietet der Betreiber täglich Führungen durch die Studios an. Sie dauern 90 Minuten, führen teils zu Fuß, teils mit einer Bahn über das Gelände und werden von einem Historiker von Old Tucson geleitet. Für den normalen Tagesbetrieb ist der Park nach Angaben des Betreibers derzeit nicht geöffnet. Daneben gibt es die Abendveranstaltungen Nightfall zu Halloween und Yuletide vor Weihnachten.[6, 7, 8] Weitere Drehorte zeigt die Übersicht Western-Drehorte im Überblick.

Breite, staubige Hauptstraße einer Westernstadt mit Fassaden aus Lehm und Holz, dahinter Saguaro-Kakteen und kahle Berge im Nachmittagslicht
Eine Westernkulisse in der Sonora-Wüste, wie sie Old Tucson bei Tucson in Arizona zeigt Bild: KI-generiert

Wie viel Wahrheit steckt in Rio Bravo?

Die wahre Geschichte dahinter

Die Handlung ist erfunden. Als Vorlage nennt der AFI Catalog nur die Kurzgeschichte von B. H. McCampbell.[2] Wie das Amt des Sheriffs im Westen wirklich aussah, wer ihn wählte und was ein Deputy tat, erklärt die Seite Sheriff im Wilden Westen, die auch Rio Bravo und Zwölf Uhr mittags vergleicht.

Einen echten historischen Bezug hat das Degüello. Nach dem Handbook of Texas war es die Musik, die mexikanische Militärkapellen am Morgen des 6. März 1836 spielten, als Signal für den Angriff von Antonio López de Santa Anna auf das Alamo. Das Wort bezeichnet das Enthaupten oder das Durchschneiden der Kehle; in der spanischen Geschichte wurde es mit Kampfmusik verbunden, die in verschiedenen Fassungen die gnadenlose Vernichtung des Feindes ankündigte.[9] Im Film erklärt Colorado das Stück als das Lied, das die Mexikaner den Belagerten im Alamo spielten, und das Hotel, in dem Chance wohnt, heißt Alamo.[2] Den Verlauf der Belagerung beschreibt die Seite Das Alamo.

Alte Messingtrompete auf einer Holzbank in einem dämmrigen Raum mit Lehmwänden, durch ein kleines Fenster fällt warmes Abendlicht
Eine Trompete wie die, mit der im Film das Degüello gespielt wird Bild: KI-generiert

Wie wurde Rio Bravo aufgenommen?

Die Premiere war am 18. März 1959 in New York, regulär kam der Film am 4. April 1959 in die Kinos der USA.[2] Variety schrieb, er beginne mit einem der schnellsten und härtesten Anfänge überhaupt; nach 90 Sekunden sei Wayne niedergeschlagen, ein zweiter Mann bewusstlos und ein dritter ermordet. Die New York Herald Tribune sah eine Satire auf die Gewalt nach Westernart.[2] Laut Britannica war der Film ein kommerzieller Erfolg.[3]

In Deutschland lief Rio Bravo ab dem 25. August 1959, die ARD zeigte ihn erstmals am 5. Dezember 1972. Das Lexikon des internationalen Films nennt ihn einen herausragenden Western, den Hawks mit professioneller Gelassenheit und ironischen Zwischentönen inszeniert habe, und hält ihn für sehenswert. Die FSK gab ihn ab 12 Jahren frei.[1]

In späteren Jahren gewann der Film laut AFI bei Kritik und Publikum an Ansehen; 1978 zählte ihn die Zeitung Village Voice zu den 25 denkwürdigsten Kultfilmen.[2] Am 17. Dezember 2014 nahm die Library of Congress ihn in das National Film Registry auf, als einen von 25 Filmen dieses Jahres.[4, 5]

Ein kluger Western, in dem das Wortspiel der Schießerei ebenbürtig ist.

Library of Congress zur Aufnahme in das National Film Registry, Pressemitteilung vom 17. Dezember 2014, Abschnitt Rio Bravo (1959) Übersetzung der Redaktion[4]

Hawks und Wayne drehten die Geschichte noch zweimal in abgewandelter Form, in El Dorado (1966) und Rio Lobo (1970), dem letzten Film von Hawks.[1, 3] John Carpenter übernahm 1976 für Assault on Precinct 13 das Thema der belagerten Gesetzeshüter in einer Geschichte der Gegenwart; 2005 drehte Jean-François Richet davon eine Neuverfilmung.[2]

Zeitleiste: Rio Bravo
  1. Mai 1958Beginn der Dreharbeiten, die bis Mitte Juli 1958 dauern.[2]
  2. 18.03.1959Premiere in New York.[2]
  3. 04.04.1959Kinostart in den USA.[2]
  4. 25.08.1959Deutsche Erstaufführung.[1]
  5. 05.12.1972Erste Ausstrahlung im deutschen Fernsehen (ARD).[1]
  6. 17.12.2014Die Library of Congress nimmt den Film in das National Film Registry auf.[4]

Häufige Fragen

Wer spielt in Rio Bravo mit?

John Wayne spielt Sheriff John T. Chance, Dean Martin den Deputy Dude, Ricky Nelson den jungen Colorado und Walter Brennan den alten Stumpy. Angie Dickinson ist die Spielerin Feathers, John Russell der Rancher Nathan Burdette und Claude Akins dessen Bruder Joe.

Wo wurde Rio Bravo gedreht?

In und um Tucson in Arizona. Zu den Drehorten gehörte Old Tucson, eine Westernkulisse, die 1939 für den Film Arizona entstand. Gedreht wurde laut AFI Catalog von Anfang Mai bis Mitte Juli 1958.

Warum gilt Rio Bravo als Antwort auf Zwölf Uhr mittags?

In Zwölf Uhr mittags bittet ein Marshal die Bürger vergeblich um Hilfe. Nach Britannica ärgerten sich Hawks und Wayne über den Film, Wayne nannte ihn unamerikanisch, und Rio Bravo entstand als Antwort darauf. Die Library of Congress schreibt vorsichtiger, der Film sei der Legende nach zum Teil als Erwiderung entstanden. In Rio Bravo lehnt der Sheriff die Hilfe gut meinender Laien ab und verlässt sich auf einen trinkenden Deputy, einen alten Hilfssheriff und einen jungen Revolvermann.

Welche Lieder kommen in Rio Bravo vor?

Laut AFI Catalog die Lieder Rio Bravo und My Rifle, My Pony and Me von Dimitri Tiomkin mit Texten von Paul Francis Webster sowie das traditionelle Cindy. Dazu kommt das Degüello, eine traditionelle Musik, die Tiomkin für den Film bearbeitet hat.

Beruht Rio Bravo auf einer wahren Geschichte?

Nein. Vorlage war laut AFI Catalog eine Kurzgeschichte von B. H. McCampbell. Historisch ist das Degüello: Mit dieser Musik gaben mexikanische Militärkapellen am Morgen des 6. März 1836 das Signal zum Sturm auf das Alamo.

Wie lang ist Rio Bravo?

Der Filmdienst gibt 140 Minuten an, der AFI Catalog 140 bis 141 Minuten. Die FSK hat den Film ab 12 Jahren freigegeben.

Gibt es eine Fortsetzung von Rio Bravo?

Keine direkte. Hawks und Wayne drehten aber zwei Western, die die Geschichte abwandeln: El Dorado (1966) mit Robert Mitchum und Rio Lobo (1970), den letzten Film von Hawks.

Wann kam Rio Bravo in die deutschen Kinos?

Die deutsche Erstaufführung war am 25. August 1959. Im Fernsehen zeigte die ARD den Film zum ersten Mal am 5. Dezember 1972.

Quellen

  1. Filmdatenbank Rio Bravo, Lexikon des internationalen Films. filmdienst.de. Stand Aktualisiert am 27.08.2026. abgerufen am 26.10.2026
  2. Filmdatenbank Rio Bravo (1959), AFI Catalog of Feature Films. American Film Institute. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  3. Nachschlagewerk Rio Bravo, Artikel von Lee Pfeiffer. Encyclopaedia Britannica. Stand 02.09.2026. abgerufen am 26.10.2026
  4. Amtliche Stelle Cinematic Treasures Named to National Film Registry, Pressemitteilung. Library of Congress. Stand 17. Dezember 2014. abgerufen am 26.10.2026
  5. Amtliche Stelle Complete National Film Registry Listing. Library of Congress, National Film Preservation Board. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  6. Presse Move 'em out! Historic Old Tucson film studio has reopened after two years, von Paloma Garcia. Cronkite News, Arizona PBS. Stand 25. November 2022. abgerufen am 26.10.2026
  7. Old Tucson Studios Tours (Angaben des Betreibers über sich selbst). Old Tucson Entertainment. Stand 2026. abgerufen am 26.10.2026
  8. Nachschlagewerk Degüello, Handbook of Texas Online. Texas State Historical Association. Stand Revision 20.07.2020. abgerufen am 26.10.2026
  9. Presse El Dorado (1966), Artikel von Jeremy Arnold. Turner Classic Movies. Stand 9. März 2007. abgerufen am 26.10.2026

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