WesternFilm

Chingachgook, die große Schlange (1967)

Kurz erklärt Chingachgook, die große Schlange ist der zweite Indianerfilm der DEFA, gedreht von Richard Groschopp nach James Fenimore Coopers Roman Der Wildtöter. Gojko Mitić spielt den Mohikaner Chingachgook, der 1740 mit seinem Freund Wildtöter seine von Huronen entführte Braut Wahtawah befreien will. Uraufführung war am 25. Juni 1967 auf der Freilichtbühne in Rostock.

Stiller See zwischen dicht bewaldeten Hügeln mit ersten Herbstfarben, Dunst über dem Wasser im Licht der späten Nachmittagssonne
Bild: KI-generiert

Worum geht es in Chingachgook, die große Schlange?

Der Film spielt im Jahr 1740 in Nordamerika. Englische Truppen versuchen, den Franzosen die Kolonien abzujagen, und ziehen auch die indigenen Völker in den Krieg hinein.[1] Von den Franzosen gegen die Delawaren aufgehetzt, entführen die Huronen Wahtawah, die Tochter des Anführers der Delawaren.[1, 2] Sie ist dem Mohikaner Chingachgook versprochen, der bei den Delawaren lebt. Mit seinem weißen Freund Wildtöter macht er sich auf, um sie zu befreien.[1, 2]

Zu den weißen Figuren gehören Tom Hutter, seine Tochter Judith und der Jäger Harry Hurry, der im Roman Hurry Harry heißt; alle drei stehen auch bei Cooper.[1, 5] Nahe dem Lager der Huronen kommen Chingachgook und Wildtöter Skalpjäger in die Quere.[1] Chingachgook gerät in die Gefangenschaft der Huronen. Er versucht, sie davon zu überzeugen, dass der Krieg der Weißen nicht ihr Krieg ist, und scheitert.[1, 2]

Wie endet Chingachgook, die große Schlange?

Achtung, Schluss: Dieser Abschnitt verrät, wie die Geschichte ausgeht.

Einer der Jäger hat inzwischen englische Truppen geholt, und die schlagen die Huronen vernichtend. Ihr schwer verwundeter Anführer erkennt, dass Chingachgook recht hatte, und erklärt den Frieden mit allen anderen Völkern. Chingachgook, Wahtawah und Wildtöter überleben das Gemetzel und kehren ins Gebiet der Delawaren zurück.[1, 2]

Coopers Roman endet anders. Dort gerät Wildtöter selbst in Gefangenschaft, und Chingachgook kommt mit britischen Soldaten zu seiner Rettung. Tom Hutter wird getötet, Judith gesteht Wildtöter ihre Liebe.[6]

Wer spielt in Chingachgook, die große Schlange mit?

Die Titelrolle spielt Gojko Mitić, in der Synchronfassung gesprochen von Karl Sturm. Wildtöter ist Rolf Römer, Wahtawah spielt Andrea Drahota.[1] Mehrere Darsteller kannte das Publikum aus Die Söhne der großen Bärin: Rolf Römer hatte dort den Späher Tobias gespielt, Adolf Peter Hoffmann den Vater Mattotaupa, Helmut Schreiber den Ben und Milan Jablonský Donner vom Berge.[13, 14] Die beiden britischen Offiziere, Hauptmann Warley und Fähnrich Thornton, stammen aus dem Roman, wo sie Captain Warley und Ensign Thornton heißen (Kapitel XXXI).[2, 5]

Darsteller und Rollen laut DEFA-Stiftung[1]
DarstellerRolle
Gojko MitićChingachgook, die große Schlange
Rolf RömerWildtöter
Andrea DrahotaWahtawah
Lilo GrahnJudith Hutter
Helmut SchreiberTom Hutter
Jürgen FrohriepHarry Hurry
Johannes KnittelGespaltene Eiche
Adolf Peter HoffmannDelawaren-Häuptling (hier ein Anführer der Delawaren)
Heinz KlevenowPfeilspitze
Milan JablonskýFlinker Elch
Horst PreuskerHauptmann Warley
Karl ZugowskiFähnrich Thornten, bei filmportal.de Thornton
Günter SchaumburgRoter Büffel

Wie entstand Chingachgook, die große Schlange?

Produziert hat den Film das DEFA-Studio für Spielfilme in Potsdam-Babelsberg mit der Künstlerischen Arbeitsgruppe "Roter Kreis", die auch Die Söhne der großen Bärin hergestellt hatte.[14] Laut filmportal.de entstand der Film 1966 und 1967.[2] Regie führte Richard Groschopp, das Drehbuch schrieb er mit Wolfgang Ebeling. Die Kamera führte Otto Hanisch, die Musik schrieb Wilhelm Neef, die Choreografie stammt von Henn Haas.[1, 2] Gedreht wurde in Farbe auf Orwocolor im Breitformat 1:2,35.[2]

Es war der zweite DEFA-Indianerfilm. Am Anfang der Reihe standen laut Filmdienst-Autor Thomas Klein gleich zwei auffällig verschiedene Filme. Die Söhne der großen Bärin spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Great Plains, Chingachgook im Osten und im 18. Jahrhundert, als Großbritannien und Frankreich noch um die Vorherrschaft kämpften. Coopers Romanzyklus ist nach Klein für den amerikanischen Frontier-Mythos von essenzieller Bedeutung.[4]

Wo wurde Chingachgook, die große Schlange gedreht?

Die Filmdatenbanken der DEFA-Stiftung und von filmportal.de nennen keine Drehorte; andere Schauplätze des Genres zeigt die Seite Western-Drehorte im Überblick.[1, 2] Thomas Klein schreibt im Filmdienst von den Drehorten in Bulgarien und der damaligen Tschechoslowakei. Sie seien so gut gewählt, dass man gar nicht erst darüber nachdenke, ob es im Staat New York, wo Cooper die Geschichte ansiedelte, genau so ausgesehen habe.[4] Der Programmtext des Filmfestivals Rotterdam von 2011 verlegt die Dreharbeiten dagegen ins frühere Jugoslawien.[12]

Waldsee in einem Bergtal mit dichtem Buchen- und Fichtenwald an steilen Hängen im Licht der späten Nachmittagssonne
Bergsee im dichten Wald, kein Drehort: Die Quellen nennen Bulgarien und die Tschechoslowakei (Filmdienst) oder Jugoslawien (Festival Rotterdam) Bild: KI-generiert

Was erzählt Coopers Roman Der Wildtöter?

The Deerslayer, deutsch Der Wildtöter, erschien 1841 in zwei Bänden als fünfter der fünf Lederstrumpf-Romane von James Fenimore Cooper. Cooper kehrt darin in die Jugend seines Helden Natty Bumppo zurück. Schauplatz ist der Otsego Lake, im Roman Glimmerglass genannt.[6] Die Ereignisse spielen nach Coopers eigener Angabe zwischen 1740 und 1745 (Kapitel I).[5] Den Namen Deerslayer, Wildtöter, trägt Bumppo bei den Delawaren, bei denen er lebt.[6]

Chingachgook ist von Geburt ein Mohikaner und lebt nach Brauch bei den Delawaren, wie die meisten seines Stammes, der durch die Zunahme unserer Farbe längst zerschlagen ist.

Wildtöter über seinen Freund in James Fenimore Coopers Roman The Deerslayer, Kapitel VIII, Project Gutenberg, eBook 3285 Übersetzung der Redaktion[5]

Wahtawah heißt im Roman Wah-ta-Wah, auf Englisch Hist-oh-Hist; Wildtöter nennt sie das seltenste Mädchen der Delawaren und die von allen jungen Kriegern am meisten umworbene (Kapitel VIII).[5] Die Gegner nennt Cooper abwechselnd Huronen, Irokesen und Mingos; Britannica spricht in ihrer Inhaltsangabe von Irokesen, die mit den Franzosen verbündet sind.[5, 6] Mehr über die Romanreihe steht auf der Seite Lederstrumpf von James Fenimore Cooper, über eine spätere Verfilmung des zweiten Romans auf Der letzte Mohikaner (1992). Den Film beschreibt der Filmdienst als Bearbeitung, die die Vorlage strafft.[3]

Wie viel Wahrheit steckt in Chingachgook, die große Schlange?

Die wahre Geschichte dahinter

Chingachgook, Wildtöter und die Familie Hutter sind Figuren aus Coopers Roman.[5, 6] Historisch ist der Hintergrund, der Kampf der Kolonialmächte um Nordamerika. In die Jahre der Romanhandlung fällt der Beginn von King George's War (1744 bis 1748), dem amerikanischen Teil des Österreichischen Erbfolgekriegs und dritten Ringen zwischen Frankreich und Großbritannien um den Kontinent. Laut Britannica prägten ihn blutige Überfälle im Grenzland, bei denen beide Seiten indigene Verbündete einsetzten (siehe auch Die Indianerkriege).[10] Der Film setzt die Handlung auf 1740; zwischen 1713 und 1744 herrschte nach Britannica zwischen Frankreich und Großbritannien formal Frieden, auch wenn es Streit um Grenzen und das Ohio-Tal gab.[10]

Mohikaner, Delawaren und Huronen

Die englische Inhaltsangabe der DEFA-Stiftung nennt Chingachgook "the last of the Mohicans", den letzten der Mohikaner.[1] Die Mohikaner (englisch Mohican) sind laut Britannica ein Volk mit einer Algonkin-Sprache aus dem oberen Tal des Hudson River im heutigen Staat New York. Ihr eigener Name bedeutet "das Volk der Wasser, die nie still sind". Mit den Mohegan aus Connecticut sind sie nicht zu verwechseln.[7] Ab 1736 sammelten sich einige von ihnen in einer Mission in Stockbridge in Massachusetts. Diese Stockbridge-Gruppe zog später nach Wisconsin, wo sich die Munsee ihr anschlossen.[7]

Die Delawaren nennen sich selbst Lenape, nach dem Delaware Tribe of Indians etwa "die Menschen". Den Namen Delaware bekamen die Bewohner am Delaware River, der nach Lord de la Warr benannt ist, einem Gouverneur der Kolonie Jamestown; später ging er auf fast alle Lenape über. Der Delaware Tribe of Indians hat heute seinen Sitz in Bartlesville, Oklahoma.[8]

"Huronen" war ein Spitzname, den die Franzosen den Wendat gaben, einer Nation mit irokesischer Sprache. Im Pelzhandel waren die Wendat, wie die Huronen im Film, Verbündete der Franzosen und Gegner der Haudenosaunee, die ihre Heimat 1649 und 1650 zerstörten.[9] Aus einer Gruppe, die laut The Canadian Encyclopedia vor allem aus Tionontati bestand, wurden die Wyandot; sie ließen sich 1704 bei Detroit nieder. 1738 spalteten sie sich nach einem Streit mit den Odawa und den Franzosen; eine Gruppe zog nach Sandusky und 1748 ins Ohio-Tal.[9] Die Nation Wendat in Wendake bei Québec zählt laut The Canadian Encyclopedia 5.155 eingetragene Mitglieder (Stand April 2024), mehr dazu auf der Seite Huronen.[9]

Hölzerne Palisade eines kleinen Forts aus dem 18. Jahrhundert am Rand eines Mischwalds an einem See im Licht der späten Nachmittagssonne
Palisade am Waldrand: In den 1740er Jahren kämpften Briten und Franzosen um Nordamerika Bild: KI-generiert

Wie wurde Chingachgook, die große Schlange aufgenommen?

Die Uraufführung fand am 25. Juni 1967 auf der Freilichtbühne in Rostock statt, in die Kinos der DDR kam der Film am 30. Juni 1967.[1, 2] Im Fernsehen der DDR lief er erstmals am 22. August 1970 bei DFF 1, in der ARD am 9. November 1976. Die FSK gab ihn ab 6 Jahren frei; auf Video erschien er als Der Wildtöter.[3]

Von falschem Mystizismus befreite DEFA-Produktion nach J.F. Cooper, die die Vorlage strafft, dabei aber ihren humanistischen Gehalt beibehält.

Lexikon des internationalen Films, filmdienst.de, Eintrag Chingachgook, die Große Schlange[3]

Laut filmportal.de machten Filme wie Chingachgook Gojko Mitić auch international bekannt.[11] Welche Filme der Reihe folgten, zeigt die Liste DEFA-Indianerfilme in Reihenfolge. Klein hebt im Filmdienst die Landschaften dieser Filme hervor, ihre Berge, Seen, weiten Ebenen und grünen Wälder.[4]

Zeitleiste

Zeitleiste: Chingachgook, die große Schlange
  1. 1841Coopers Roman The Deerslayer, deutsch Der Wildtöter, erscheint in zwei Bänden.[6]
  2. 25.06.1967Uraufführung auf der Freilichtbühne in Rostock.[1, 2]
  3. 30.06.1967Kinostart in der DDR.[1, 2, 3]
  4. 22.08.1970Erste Ausstrahlung im Fernsehen der DDR (DFF 1).[3]
  5. 09.11.1976Erste Ausstrahlung in der ARD.[3]

Häufige Fragen

Wo wurde Chingachgook, die große Schlange gedreht?

Laut Filmdienst in Bulgarien und in der damaligen Tschechoslowakei. Ein Programmtext des Filmfestivals Rotterdam von 2011 nennt dagegen Jugoslawien. DEFA-Stiftung und filmportal.de führen keine Drehorte.

Wer spielt in Chingachgook, die große Schlange mit?

Gojko Mitić spielt Chingachgook, Rolf Römer den Wildtöter und Andrea Drahota Wahtawah. Lilo Grahn ist Judith Hutter, Helmut Schreiber Tom Hutter und Jürgen Frohriep Harry Hurry.

Nach welchem Buch entstand der Film?

Nach dem Roman The Deerslayer, deutsch Der Wildtöter, von James Fenimore Cooper. Er erschien 1841 in zwei Bänden als fünfter der fünf Lederstrumpf-Romane und spielt zwischen 1740 und 1745 am Otsego Lake im heutigen Staat New York.

Ist Chingachgook ein Mohikaner oder ein Delaware?

Bei Cooper ist er von Geburt ein Mohikaner, der nach Brauch bei den Delawaren lebt. Auch filmportal.de nennt ihn im Film einen Mohikaner, dem die Tochter des Anführers der Delawaren versprochen ist. Historisch lebten die Mohikaner am oberen Hudson River, die Lenape am Delaware River.

Wann kam Chingachgook, die große Schlange ins Kino?

Die Uraufführung war am 25. Juni 1967 auf der Freilichtbühne in Rostock, in die Kinos der DDR kam der Film am 30. Juni 1967. Das Fernsehen der DDR zeigte ihn erstmals am 22. August 1970, die ARD am 9. November 1976.

Wer waren die Huronen?

Huronen nannten die Franzosen die Wendat, eine Nation mit irokesischer Sprache. Im Pelzhandel waren sie Verbündete der Franzosen und Gegner der Haudenosaunee. Aus einer überwiegend aus Tionontati bestehenden Gruppe wurden die Wyandot, von denen 1748 ein Teil ins Ohio-Tal zog; die Nation Wendat lebt heute in Wendake bei Québec.

Wie lang ist Chingachgook, die große Schlange?

Der Filmdienst und filmportal.de geben 92 Minuten an, die DEFA-Stiftung 91 Minuten. Die FSK hat den Film ab 6 Jahren freigegeben. Auf Video erschien er unter dem Titel Der Wildtöter.

Quellen

  1. Filmdatenbank Chingachgook: Die große Schlange (Filmdatenbank). DEFA-Stiftung. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  2. Filmdatenbank Chingachgook: Die große Schlange. filmportal.de, DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  3. Filmdatenbank Chingachgook, die Große Schlange, Lexikon des internationalen Films. filmdienst.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  4. Presse Thomas Klein: Filmklassiker: DEFA-Indianerfilme. Filmdienst. Stand 18.09.2024. abgerufen am 26.10.2026
  5. Primärquelle James Fenimore Cooper: The Deerslayer; or, The First War-Path. Project Gutenberg, eBook 3285. Stand 1841 (Gutenberg-Ausgabe 2002, aktualisiert 2018). abgerufen am 26.10.2026
  6. Nachschlagewerk The Deerslayer. Encyclopaedia Britannica, The Editors of Encyclopaedia Britannica (zuletzt überarbeitet von J. E. Luebering). Stand 2011. abgerufen am 26.10.2026
  7. Nachschlagewerk Mohican. Encyclopaedia Britannica, Britannica Editors (zuletzt überarbeitet von Elizabeth Prine Pauls). Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  8. Tribal Nation About us. Delaware Tribe of Indians. Stand 01.04.2026. abgerufen am 26.10.2026
  9. Nachschlagewerk C. E. Heidenreich, aktualisiert von Michelle Filice: Wendat (Huron). The Canadian Encyclopedia, Historica Canada. Stand 16.05.2024. abgerufen am 26.10.2026
  10. Nachschlagewerk King George's War. Encyclopaedia Britannica, Britannica Editors. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  11. Filmdatenbank Gojko Mitić, Biografie. filmportal.de, DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  12. Chingachgook, die große Schlange, Programmtext. International Film Festival Rotterdam. Stand 2011. abgerufen am 26.10.2026
  13. Filmdatenbank Die Söhne der großen Bärin (Filmdatenbank). DEFA-Stiftung. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  14. Filmdatenbank Die Söhne der großen Bärin. filmportal.de, DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026

Fehler entdeckt? Hinweis an die Redaktion. Jeder Hinweis wird an der Quelle geprüft.

Passt dazu