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Colt Express
Kurz erklärt Colt Express ist ein Brettspiel von Christophe Raimbault, das der französische Verlag Ludonaute im Oktober 2014 herausbrachte. Zwei bis sechs Personen ab 10 Jahren rauben als Banditen einen dreidimensionalen Zug aus, eine Partie dauert etwa 40 Minuten. 2015 wurde Colt Express Spiel des Jahres.

Was ist Colt Express?
Colt Express ist ein Brettspiel für zwei bis sechs Personen ab 10 Jahren, eine Partie dauert nach Angaben des Verlags etwa 40 Minuten. Erfunden hat es Christophe Raimbault. Der Verlag Ludonaute brachte es im Oktober 2014 heraus.[1, 3, 4] Alle spielen Banditen, die einen Personenzug überfallen. Bündnisse gibt es nicht: Jeder will den Fahrgästen die meiste Beute abnehmen, bevor der Zug in den Bahnhof einfährt.[3]
Der Zug steht als Modell auf dem Tisch, mit einer Lokomotive und bei drei bis sechs Personen je Person einem Wagen. Der letzte Wagen ist der Dienstwagen am Zugende (englisch caboose). Vor der ersten Partie werden Wagen und Lokomotive nach einer beiliegenden Anleitung zusammengebaut.[4] Die Jury Spiel des Jahres nennt Lok und Waggons als dreidimensionalen Spielplan einen echten Hingucker.[1]
Wie spielt man Colt Express?
Eine Partie hat fünf Runden. Zu Beginn jeder Runde wird eine Karte aufgedeckt, die festlegt, wie oft reihum gespielt wird und wie die Aktionskarten gelegt werden: offen, verdeckt oder zwei auf einmal. In der ersten Phase legt jeder reihum eine Karte auf einen gemeinsamen Stapel oder zieht stattdessen drei Karten nach.[4] So plant jeder seine Züge im Voraus. In der zweiten Phase werden die gespielten Karten ausgeführt.[1, 3] Was bei diesem Vorausplanen herauskommt, zeigt sich erst am Ende der Runde.[1]
Ein Bandit kann im Wagen einen Wagen weitergehen oder auf dem Dach bis zu drei Wagen weit laufen, aufs Dach klettern oder in den Wagen zurück. Er kann einen Gegner mit der Faust in den Nachbarwagen stoßen, sodass dieser eine Beute verliert, auf einen Gegner schießen, Beute an sich nehmen oder den Marshal einen Wagen weiterschicken.[3] Wer getroffen wird, bekommt eine Kugelkarte in sein Kartendeck. Sie ist eine tote Karte und verstopft die Hand. Am Ende zählt jeder seine Beute, wer die meisten Kugeln verteilt hat, bekommt als bester Schütze 1.000 Dollar dazu, und der Reichste gewinnt.[3, 4]
Die Fahrgäste tragen Geldbeutel im Wert von 250 bis 500 Dollar und Juwelen zu je 500 Dollar. In der Lokomotive steht beim Marshal eine Geldkassette mit 1.000 Dollar. Der Marshal schützt die Fahrgäste und steigt nie aufs Dach; trifft ein Bandit im Wagen auf ihn, bekommt er eine Kugel und flieht aufs Dach.[4] Zu zweit führt jede Person zwei Banditen.[4]

Warum wurde Colt Express Spiel des Jahres?
Die Jury des Vereins Spiel des Jahres zeichnete Colt Express als Spiel des Jahres 2015 aus. Verliehen wurde der Preis am 6. Juli 2015 in Berlin, zusammen mit dem Kennerspiel des Jahres.[1, 2] In ihrer Begründung vergleicht die Jury das Spiel mit einer Westernparodie, fast schon in Slapstick-Manier: Die Banditen verlieren bei Schlägereien die sicher geglaubte Beute oder schießen ins Leere.[1]
Diese Mischung aus Planung und Chaos hat Charme und viel Witz.
Die Jury empfiehlt es für drei bis sechs Personen; der Verlag gibt es schon ab zwei an.[1, 3]
Welcher Zugüberfall steckt hinter Colt Express?
Die Spielregel beginnt mit einer kurzen Geschichte. Am 11. Juli 1899 um 10 Uhr vormittags verlässt der Union Pacific Express Folsom in New Mexico mit 47 Fahrgästen. Nach wenigen Minuten hört man schnelle Schritte auf dem Dach, dann Schüsse: Schwer bewaffnete Banditen nehmen den Reisenden Brieftaschen und Schmuck ab. Ihr großes Ziel ist die Wochenlohnkasse der Nice Valley Coal Company, die in Geldkassetten unter der Aufsicht von Marshal Samuel Ford mitfährt; für die Kohlefirma und den Marshal nennt keine Quelle dieser Seite ein historisches Vorbild.[4]
Datum und Ort passen zu einem echten Überfall. Nach Jeffrey Burton in der Zeitschrift Wild West stiegen am Abend des 11. Juli 1899 um 22.10 Uhr Sam Ketchum und Elzy Lay in Folsom heimlich auf den Gepäckwagen, während die Lokomotive Wasser nahm. Es war der Zug Nr. 1 der Colorado and Southern Railway in Richtung Süden; fast an derselben Stelle war im September 1897 schon der Zug Nr. 1 der Union Pacific, Denver and Gulf überfallen worden. Zwei Meilen weiter, in einer S-Kurve bei den Twin Mountains, brannte neben dem Gleis ein Feuer, das Will Carver entzündet hatte, und der Lokführer musste halten. Der Expressbote öffnete die Tür seines Wagens, und mit der zweiten Sprengladung brachen die Räuber den Tresor auf. Die meisten Beobachter meldeten einen vierten Räuber, doch Zugführer und Sheriffs hatten nur drei Männer gesehen.[12]
Wie viel sie mitnahmen, blieb unklar. Marshal Creighton Foraker sprach bald darauf von 30.000 Dollar. Nach einer Angabe, die Gouverneur Miguel Otero erreichte, waren es 70.000 Dollar.[12] Am 16. Juli 1899 stellte eine Posse aus sieben Männern unter Deputy U.S. Marshal Wilson Elliott die Räuber im Turkey Canyon. Sheriff Edward Farr aus Colorado und ein weiterer Mann der Posse kamen ums Leben. Sam Ketchum wurde verwundet zurückgelassen, gefasst und starb am 24. Juli 1899 in Santa Fe. Elzy Lay wurde im August gefasst und am 10. Oktober 1899 zu lebenslanger Haft verurteilt (mehr auf der Seite Zugüberfälle im Wilden Westen).[12]
Ob Christophe Raimbault oder Ludonaute diesen Überfall als Vorlage nahmen, sagt keine Quelle dieser Seite. Im Spiel fährt der Zug am Vormittag, die Banditen sind schon an Bord und rauben die Fahrgäste aus. Bei Folsom kamen die Räuber nachts, hielten den Zug an und hatten es auf den Tresor im Expresswagen abgesehen.[4, 12]
Wie echt ist der Zugüberfall im Spiel?
Mehr Gelegenheiten für Zugüberfälle gab es nach PBS, als die transkontinentale Eisenbahn 1869 Osten und Westen verband. Die Räuber konnten den Ort selbst wählen, immer abgelegen und weit weg von Gesetzeshütern. Die Bande von Jesse James leerte meist den Tresor im Expresswagen und ließ die Fahrgäste in Ruhe, was ihrem Ruf in der Öffentlichkeit half.[13]
Ganz verschont blieben die Reisenden trotzdem nicht. Bei Adair in Iowa fand die James-Younger-Bande am 21. Juli 1873 im Tresor der U.S. Express Company nur etwa 2.000 Dollar und nahm danach den Fahrgästen Brieftaschen, Schmuck und andere Wertsachen ab. Bei Gads Hill in Missouri raubten fünf Männer am 31. Januar 1874 den 25 Fahrgästen Geld und Schmuck und plünderten Postsäcke und den Tresor der Adams Express Company.[14] Im Expresswagen fuhr ein Expressbote mit, bei Folsom war das Hamil Scott.[12]
Mythos und Wahrheit
Mythos
Wie im Spiel stürmten Zugräuber über die Dächer und raubten vor allem die Fahrgäste aus.
Was belegt ist
Die Räuber wählten den Ort selbst, immer abgelegen. Die James-Bande leerte meist den Tresor im Expresswagen und ließ die Fahrgäste nach PBS in Ruhe. Bei Folsom stiegen am 11. Juli 1899 zwei Räuber während eines Halts zum Wassernehmen auf und sprengten später den Tresor. Bei Adair 1873 und Gads Hill 1874 nahmen die Räuber aber auch Fahrgästen Geld und Schmuck ab.[13, 12, 14]

Welche Erweiterungen gibt es für Colt Express?
Die erste Erweiterung heißt im Original "Chevaux & Diligence", Pferde und Postkutsche. Die Banditen reiten zu Beginn an den Wagen, in den sie einsteigen wollen, kommen zu Pferd schneller voran, und neben dem Zug fährt eine Postkutsche als neue Beute.[7] Wie echte Kutschen ausgeraubt wurden, zeigt die Seite Postkutschenüberfälle. In "Marshal & Prisonniers", Marshal und Gefangene, übernimmt eine Person den Marshal. Sie gewinnt, wenn sie ihre eigenen Ziele vor dem Ende der fünften Runde erreicht, und am Ende des Zuges hängt ein Gefängniswagen.[8]
Die Big Box enthält das Grundspiel, die beiden Erweiterungen und einen zusätzlichen Banditen.[9] Zum zehnten Geburtstag kam im Oktober 2024 "Joyeux 10e anniversaire" heraus, mit zwei neuen Wagen, Spielsteinen aus Holz und zwei weiteren Banditen, sodass bis zu sieben Personen mitspielen können.[10] 2024 erschien auch Kids Express für ein bis vier Kinder ab 5 Jahren, von Christophe Raimbault und Cédric Lefebvre. Darin haben Banditen das Gold von Mountain Valley gestohlen und im Gepäck der Fahrgäste versteckt, und die Kinder holen es mit einer Postkutsche zurück.[11]
Wer steckt hinter Colt Express?
Ludonaute ist ein Spieleverlag, den Anne-Cécile und Cédric Lefebvre 2010 gründeten. Er saß zuerst in Istres in Südfrankreich und hat seinen Sitz heute in Nontron in der Dordogne. Nach eigenen Angaben brachte er jedes Jahr nur wenige Spiele heraus.[5] Inzwischen verlegt Ludonaute keine neuen Spiele mehr; die letzten erschienen Ende 2025.[6]
Mehr zu Zügen, Banditen und Western-Spielen
- Zugüberfälle im Wilden Westen und Postkutschenüberfälle
- Jesse James und die bekanntesten Outlaws
- Die Pinkerton-Detektei und berühmte Sheriffs und Marshals
- Die erste transkontinentale Eisenbahn und die Union Pacific Railroad
- Western-Spiele, Great Western Trail und Red Dead Redemption
Häufige Fragen
Für wie viele Spieler ist Colt Express?
Laut Ludonaute für zwei bis sechs Personen ab 10 Jahren. Die Jury Spiel des Jahres empfiehlt drei bis sechs Personen. Mit der Erweiterung zum zehnten Geburtstag können bis zu sieben mitspielen.
Wie lange dauert eine Partie Colt Express?
Der Verlag gibt etwa 40 Minuten an. Eine Partie hat fünf Runden, in denen alle zuerst Aktionskarten ausspielen und diese danach der Reihe nach ausführen.
Wann wurde Colt Express Spiel des Jahres?
Im Jahr 2015. Die Jury verlieh den Preis am 6. Juli 2015 in Berlin und verglich das Spiel in ihrer Begründung mit einer Westernparodie.
Wer hat Colt Express erfunden?
Christophe Raimbault. Herausgebracht hat das Spiel der Verlag Ludonaute im Oktober 2014.
Gab es den Zugüberfall aus Colt Express wirklich?
Die Geschichte der Spielregel beginnt am 11. Juli 1899 in Folsom in New Mexico. An diesem Abend überfielen nach Jeffrey Burton Sam Ketchum, Elzy Lay und Will Carver bei Folsom einen Zug der Colorado and Southern Railway; Burton rechnet auch Red Weaver dazu, der wohl Wache hielt. Ob das Spiel sich darauf bezieht, sagt keine Quelle dieser Seite. Mehr auf der Seite Zugüberfälle im Wilden Westen.
Welche Erweiterungen gibt es für Colt Express?
Ludonaute nennt unter anderem "Chevaux & Diligence" mit Pferden und Postkutsche, "Marshal & Prisonniers", in dem eine Person den Marshal spielt, die Big Box mit Grundspiel und zwei Erweiterungen sowie die Erweiterung zum zehnten Geburtstag von 2024. Für Kinder ab 5 Jahren gibt es Kids Express.
Quellen
- Colt Express (Spieledatenbank, Spiel des Jahres 2015, mit Begründung der Jury). Spiel des Jahres e.V.. Stand aktualisiert 19.10.2019. abgerufen am 27.10.2026
- Rückblick: Preisverleihungen. Spiel des Jahres e.V.. Stand aktualisiert 24.07.2026. abgerufen am 27.10.2026
- Colt Express (Angaben des Verlags über das Spiel). Ludonaute. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Colt Express, Spielregel (englische Ausgabe). Ludonaute. Stand 2016. abgerufen am 27.10.2026
- À propos: Ludonaute, les explorateurs ludiques (Angaben des Verlags über sich selbst). Ludonaute. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Startseite mit Hinweis zum Verlagsprogramm. Ludonaute. Stand 2026. abgerufen am 27.10.2026
- Colt Express: Chevaux & Diligence (Angaben des Verlags über die Erweiterung). Ludonaute. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Colt Express: Marshal & Prisonniers (Angaben des Verlags über die Erweiterung). Ludonaute. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Colt Express: Big Box (Angaben des Verlags). Ludonaute. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Colt Express: Joyeux 10e anniversaire (Angaben des Verlags über die Erweiterung). Ludonaute. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Kids Express (Angaben des Verlags über das Spiel). Ludonaute. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Presse Tom Ketchum and His Gang (Jeffrey Burton, zuerst in Wild West, Februar 2002). HistoryNet. Stand 12.06.2006, aktualisiert 05.08.2016. abgerufen am 27.10.2026
- Presse Jesse James' Bank Robberies. PBS American Experience, WGBH Educational Foundation. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Presse Donald L. Gilmore: When the James Gang Ruled the Rails (zuerst in Wild West, August 2000). HistoryNet. Stand 12.06.2006, aktualisiert 19.08.2022. abgerufen am 27.10.2026
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Alexander Müller Gründer und Herausgeber von Wilder-Westen.org
Alexander Müller hat Wilder-Westen.org gegründet und gibt es heraus. Er lebt in Bertingen in Sachsen-Anhalt, führt dort SEO NW und verantwortet Redaktion, Technik und Gestaltung.
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