WesternThema

Great Western Trail

Kurz erklärt Great Western Trail ist ein Brettspiel von Alexander Pfister, das eggertspiele im Oktober 2016 herausbrachte. Zwei bis vier Personen ab 12 Jahren treiben darin als Viehzüchter Rinder von Texas nach Kansas City, eine Partie dauert 75 bis 150 Minuten. Great Western Trail heißt manchmal auch das Wegenetz des Western Trail, über das nach dem Handbook of Texas von 1874 bis 1897 Rinder aus Texas nach Norden zogen.

Eine lange Herde Longhornrinder zieht durch hohes Präriegras unter weitem Himmel, zwei Reiter als kleine Silhouetten am Rand der Herde im goldenen Abendlicht
Bild: KI-generiert

Was ist Great Western Trail?

Great Western Trail ist ein Brettspiel von Alexander Pfister für zwei bis vier Personen ab 12 Jahren. Eine Partie dauert nach Angaben von Pegasus Spiele 75 bis 150 Minuten, der Verlag führt es unter seinen Expertenspielen. Als Erscheinungsdatum nennt Pegasus Spiele den 11. Oktober 2016, als Verlag des Spiels eggertspiele.[2] Die Jury Spiel des Jahres nennt in ihrer Datenbank eggertspiele und Pegasus Spiele als Verlage und stuft die Anforderung als sehr hoch ein.[1]

Die Spielenden sind Viehzüchter im Amerika des 19. Jahrhunderts. Immer wieder treiben sie ihre Herden von Texas nach Kansas City, wo die Rinder in den Zug verladen und nach Westen geschickt werden. Unterwegs nutzen sie die Gebäude am Weg und stellen Leute ein: Cowboys vergrößern die Herde, Handwerker bauen eigene Gebäude, Ingenieure bringen die Eisenbahnstrecke voran.[2]

Wie spielt man Great Western Trail?

Jede Person führt ihre Herden über verzweigte Pfade und nutzt unterwegs die Gebäude am Weg.[1, 2] Mit jedem Ritt gibt es mehr Möglichkeiten: Handwerker helfen beim Bau von Gebäuden, die neue Aktionen bringen.[1] Die Rinder sind Karten im eigenen Kartendeck. Cowboys kaufen auf dem Markt Tiere hinzu und verbessern damit den Zuchtwert der Herde. Je besser die Handkarten beim Verladen in Kansas City sind, desto größer ist der Erlös und desto mehr bringt der Weitertransport mit der Eisenbahn; deshalb gehört auch der Ausbau von Strecke und Bahnhöfen dazu. Außerdem gibt es Aufträge zu erfüllen.[1]

Zum Spielmaterial gehören nach Pegasus Spiele unter anderem 92 Rinderkarten, 28 Auftragskarten, 54 Arbeiterplättchen, 18 Gefahrenplättchen, 22 Tipiplättchen, 47 Gebäudeplättchen und vier Loks.[2] Laut Jury kommen im Spiel auch indigene Menschen Nordamerikas vor.[1]

Hölzerne Viehpferche mit Gattern neben einer Laderampe an einem Nebengleis, dahinter eine Reihe hölzerner Viehwaggons im staubigen Licht des späten Nachmittags
Viehpferche an einer Verladerampe der Eisenbahn, nachempfunden Bild: KI-generiert

Welche Auszeichnungen bekam Great Western Trail?

Die Jury Spiel des Jahres setzte Great Western Trail auf die Empfehlungsliste zum Kennerspiel des Jahres 2017.[1, 2] Die Preise dieses Jahrgangs wurden am 17. Juli 2017 in Berlin verliehen.[5] In ihrer Kurzbeschreibung nennt die Jury das Spiel einen Edelwestern.[1]

Ein Edelwestern eben: thematisch stilvoll umgesetzt, spielmechanisch meisterhaft verwebt.

Jury Spiel des Jahres, spiel-des-jahres.de, Spieledatenbank, Eintrag Great Western Trail[1]

Pegasus Spiele stellte Pfister bei der Vorstellung des Spiels als zweifachen Gewinner des Kennerspiels des Jahres vor.[2] In der Datenbank der Jury stehen dazu Broom Service als Kennerspiel des Jahres 2015 und Isle of Skye als Kennerspiel des Jahres 2016, beide von Pfister zusammen mit Andreas Pelikan.[6, 7]

Gab es den Great Western Trail wirklich?

Den Namen gab es schon für einen Viehtriebsweg. Nach dem Handbook of Texas legten 1874 John T. Lytle und sein Partner Tom M. McDaniel den Western Trail an, als sie 3.500 Longhorns vom Medina County in Texas zur Red Cloud Agency bei Fort Robinson in Nebraska trieben. Lytle hatte einen Vertrag der Regierung, die neue Agentur mit Rindfleisch zu beliefern. Der Weg führte über Fort Griffin in Texas und Camp Supply im Indianer-Territorium nach Dodge City in Kansas.[8] Für die Saison 1876 baute die Atchison, Topeka and Santa Fe Railway ihre Viehhöfe und Verladeanlagen in Dodge City aus, und die Treiber folgten nun Lytles Route.[8]

Von 1875 bis 1884 legten die Treiber fünf Wege von Dodge City durch das westliche Kansas nach Ogallala in Nebraska an, einem großen Verladeort an der Union Pacific. Von dort zogen Herden weiter bis Montana und Kanada. Einige Longhorns liefen das ganze Wegenetz von Süden nach Norden ab, 2.600 Meilen, das manchmal Great Western Trail heißt.[8] In 21 Jahren brachten die Treiber nach dem Handbook of Texas rund vier Millionen Rinder über den Western Trail zu Märkten, Agenturen und Weiden im Norden. Den letzten belegten Trieb aus Texas führte 1897 "Scandlous John" McCanless von der XIT Ranch nach Montana.[8] Die Encyclopedia of the Great Plains schreibt den Weg dagegen Lucien Maxwell zu, der etwa ein Jahrzehnt nach 1867 von Belton in Texas nach Nordwesten zog, und nennt 1892 als Ende der Nutzung, als Siedler die Route im Oklahoma-Territorium einzäunten.[15]

Am 30. März 2009 unterzeichnete Präsident Obama ein Bundesgesetz, das den Chisholm Trail und den "Great Western Trail", auch Dodge City Trail genannt, als mögliche National Historic Trails prüfen ließ. Gemeint ist der Weg von der Gegend um San Antonio über Dodge City bis Ogallala. Der National Park Service übergab seine Studie am 17. Mai 2019 dem Kongress.[9] Warum das Spiel so heißt, steht in keiner Quelle dieser Seite. Den Namen Great Western trugen auch die Viehhöfe, die Joseph G. McCoy 1867 in Abilene baute, die Great Western Stockyards.[12]

Trieben Cowboys ihre Herden wirklich nach Kansas City?

Am Anfang taten das viele. 1866 brachten Texaner mehr als 260.000 Rinder auf verschiedene Märkte. Nach Norden brachen laut dem Eintrag zum Shawnee Trail schätzungsweise 200.000 bis 260.000 Longhorns auf,[11] die meisten Treiber folgten offenbar dem Shawnee Trail durch das Indianer-Territorium nach Kansas City oder nach Sedalia in Missouri. Beide Orte hatten Bahnanschluss, von dort ging das Vieh weiter nach Osten, vor allem zu den Fleischfabriken in Chicago.[10] Die Zweige des Shawnee Trail endeten nach dem Handbook of Texas in Orten wie St. Louis, Sedalia, Independence, Westport und Kansas City und in Baxter Springs in Kansas. Farmer in Missouri wehrten sich gegen die Herden, weil die Longhorns Zecken trugen, die das Texasfieber auf ihr eigenes Vieh übertrugen.[11]

Ab 1867 zogen die Herden zu den Bahnhöfen in Kansas. Joseph G. McCoy, ein Viehhändler aus Illinois, machte Abilene zum Verladeort, im ersten Jahr kamen etwa 35.000 Rinder. Später übernahmen Ellsworth, Wichita, Dodge City und Caldwell große Teile des Handels.[12] Den Weg nach Abilene kennt man heute als Chisholm Trail. Vermessungen und Karten der Zeit nannten ihn in Kansas aber Abilene Cattle Trail oder Texas Cattle Trail, und für die ganze Strecke setzte sich der Name Chisholm Trail erst nach 1911 durch.[14]

Kansas City blieb ein Ziel des Viehhandels, nur kamen die Rinder nun mit der Bahn. 1871 entstanden die Kansas City Stockyards am Kansas River, an den Gleisen der Kansas Pacific und der Missouri Pacific. Sie wurden zu einem der führenden Viehmärkte der USA.[13] Von Hunnewell an der Grenze zum heutigen Oklahoma etwa brachte die Bahn texanische Rinder in den 1880er Jahren schnell zu den Viehhöfen von Kansas City.[12] Im Spiel fahren die Rinder ab Kansas City nach Westen.[2] Die Bahnen der Rinderstädte in Kansas brachten das Vieh dagegen zu den Märkten im Osten.[12]

Wie echt ist der Viehtrieb im Spiel?

Das Handbook of Texas beschreibt einen gewöhnlichen Trieb so: Eine Herde von Vertragstreibern zählte bis zu 3.000 Tiere und beschäftigte etwa elf Leute. Bei zehn bis fünfzehn Meilen am Tag weideten sich die Rinder in rund sechs Wochen zum Markt, und die meisten Tage verliefen ohne besondere Vorkommnisse (mehr auf der Seite Viehtriebe und Cattle Trails).[10]

Hindernisse gibt es auch im Spiel, zu dem 18 Gefahrenplättchen gehören.[2] Auf den echten Trails verlangten die Nationen im Indianer-Territorium zunehmend Weidegebühren von den Treibern, die ihr Land durchquerten. Nach 1873 sperrten Quarantäneregeln gegen das Texasfieber Abilene, Ellsworth und Wichita für texanische Herden.[10] Treiber und Rinderzüchter aus Südtexas baten den Kongress um einen eigenen nationalen Viehtriebsweg, doch der Gesetzentwurf scheiterte im Repräsentantenhaus. Bis dahin war der Western Trail an unzähligen Stellen mit Stacheldraht versperrt, legal oder nicht, und die Rinderzüchter in Texas wichen immer mehr auf die Eisenbahn aus.[10] Nach 1885 endete die Zeit der großen Triebe nach Kansas: Ein Fieberausbruch, niedrige Preise für Rindfleisch und immer weniger freies Weideland kamen zusammen (mehr auf der Seite Stacheldraht und das Ende der offenen Weide).[12]

Seichte Furt eines Flusses mit sandigen Ufern und Pappeln in der Prärie von Texas im warmen Abendlicht
Flache Flussfurt mit sandigen Ufern in der Prärie von Texas Bild: KI-generiert

Welche Ausgaben und Nachfolger gibt es?

2018 kam die Erweiterung Rails to the North heraus.[3] Im Februar 2021 kündigten Plan B Games und eggertspiele, das inzwischen zu Plan B Games gehörte, für den Sommer eine zweite Auflage an. Sie sollte neue Spielelemente und neue Bilder von Chris Quilliams bringen und eine Trilogie eröffnen: Für den Sommer 2022 war Great Western Trail: Argentina angekündigt, für den Sommer 2023 Great Western Trail: New Zealand, jedes als eigenständiges Spiel.[3] Im März 2025 meldete ICv2, dass Lookout Games am 25. April 2025 Great Western Trail: El Paso herausbringe, ein neues, kompaktes Spiel der Reihe, das in Texas im 19. Jahrhundert spielt.[4]

Mehr zu Viehtrieben, Trails und Rinderstädten

Häufige Fragen

Für wie viele Spieler ist Great Western Trail?

Die erste Ausgabe ist laut Pegasus Spiele für zwei bis vier Personen ab 12 Jahren. Eine Partie dauert nach diesen Angaben 75 bis 150 Minuten.

Wer hat Great Western Trail erfunden?

Alexander Pfister. Als Erscheinungsdatum nennt Pegasus Spiele den 11. Oktober 2016. Verlag ist eggertspiele, das Spiel steht auch im Programm von Pegasus Spiele.

Hat Great Western Trail einen Preis gewonnen?

Die Jury Spiel des Jahres setzte es 2017 auf die Empfehlungsliste zum Kennerspiel des Jahres. Alexander Pfister hatte das Kennerspiel des Jahres zuvor schon zweimal gewonnen, 2015 mit Broom Service und 2016 mit Isle of Skye, beide zusammen mit Andreas Pelikan.

Gab es den Great Western Trail wirklich?

Ja, als Name eines Viehtriebswegs. Nach dem Handbook of Texas heißt das ganze Wegenetz des Western Trail mit 2.600 Meilen manchmal Great Western Trail. Ein Bundesgesetz von 2009 nennt den Great Western Trail auch Dodge City Trail, von der Gegend um San Antonio über Dodge City bis Ogallala in Nebraska.

Warum führt der Weg im Spiel nach Kansas City?

Das sagen die Verlagsangaben nicht. 1866 trieben die meisten Texaner ihre Herden nach dem Handbook of Texas offenbar über den Shawnee Trail nach Kansas City oder Sedalia in Missouri. Ab 1867 endeten die Triebe meist an Bahnhöfen in Kansas, und 1871 entstanden in Kansas City die Stockyards, einer der großen Viehmärkte der USA.

Gibt es Great Western Trail: Argentinien und Neuseeland?

Plan B Games und eggertspiele kündigten im Februar 2021 eine zweite Auflage an, dazu Great Western Trail: Argentina für den Sommer 2022 und Great Western Trail: New Zealand für den Sommer 2023, jeweils als eigenständige Spiele. 2025 folgte nach ICv2 Great Western Trail: El Paso bei Lookout Games.

Quellen

  1. Great Western Trail (Spieledatenbank, Empfehlungsliste Kennerspiel des Jahres 2017). Spiel des Jahres e.V.. Stand aktualisiert 18.02.2021. abgerufen am 27.10.2026
  2. Great Western Trail, Empfohlen Kennerspiel 2017 (eggertspiele), Produktbeschreibung des Verlags. Pegasus Spiele. Stand ohne Datum, Erscheinungsdatum laut Seite 11.10.2016. abgerufen am 27.10.2026
  3. Presse William Niebling: Plan B and Eggertspiele Return to the Great Western Trail. ICv2. Stand 16.02.2021. abgerufen am 27.10.2026
  4. Presse Jeffrey Dohm-Sanchez: The Great Western Trail Continues. ICv2. Stand 10.03.2025. abgerufen am 27.10.2026
  5. Rückblick: Preisverleihungen. Spiel des Jahres e.V.. Stand aktualisiert 24.07.2026. abgerufen am 27.10.2026
  6. Broom Service (Spieledatenbank, Kennerspiel des Jahres 2015). Spiel des Jahres e.V.. Stand aktualisiert 19.10.2019. abgerufen am 27.10.2026
  7. Isle of Skye (Spieledatenbank, Kennerspiel des Jahres 2016). Spiel des Jahres e.V.. Stand aktualisiert 18.10.2019. abgerufen am 27.10.2026
  8. Nachschlagewerk Jimmy M. Skaggs, überarbeitet von Gary und Margaret Kraisinger: Western Trail. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1976, überarbeitet 01.07.2026. abgerufen am 27.10.2026
  9. Amtliche Stelle Chisholm and Great Western NHT Feasibility Study/Environmental Assessment (Projektseite). National Park Service, Planning, Environment and Public Comment (PEPC). Stand Übergabe an den Kongress 17.05.2019. abgerufen am 27.10.2026
  10. Nachschlagewerk Jimmy M. Skaggs: Cattle Trailing. Texas State Historical Association, Handbook of Texas. Stand 1976, überarbeitet 07.10.2020. abgerufen am 27.10.2026
  11. Nachschlagewerk Wayne Gard: Shawnee Trail. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1952, überarbeitet 11.10.2016. abgerufen am 27.10.2026
  12. Nachschlagewerk Cowtowns (Kansapedia). Kansas Historical Society. Stand Juli 2010, geändert Februar 2013. abgerufen am 27.10.2026
  13. Archiv Kansas City Stockyards, Kansas City Missouri (Foto der 1920er Jahre, Kansas Historical Society, KHS-222246-0001). Kansas City Public Library, The Pendergast Years. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  14. Nachschlagewerk Wayne Ludwig: Chisholm Trail. Texas State Historical Association, Handbook of Texas Online. Stand 1952, überarbeitet 26.07.2025. abgerufen am 27.10.2026
  15. Nachschlagewerk Richard W. Slatta: Cattle Trails (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026

Fehler entdeckt? Hinweis an die Redaktion. Jeder Hinweis wird an der Quelle geprüft.

Passt dazu

  • WesternWestern

    Westernfilme, Serien, Karl May und DEFA-Indianerfilme mit Handlung, Besetzung und Drehorten.

  • WesternDie besten Western aller Zeiten

    Welche Western gelten als die besten?

  • WesternItalowestern

    Was Italowestern ausmacht, wie viele es gab und was sie vom US-Western trennt.

  • Indigene Völker NordamerikasGreat Basin und Plateau

    Great Basin und Plateau: zwei Kulturareale im US-Westen, oft Great-Basin- und Plateau-Indianer genannt.