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Bessy

Kurz erklärt Bessy ist ein Western-Comic aus Belgien. Willy Vandersteen und Karel Verschuere schufen die Abenteuer der Collie-Hündin Bessy und des Ranchersohns Andy Cayoon Ende 1952 für die Zeitung La Libre Belgique. In Deutschland brachte der Bastei-Verlag Bessy vom Februar 1965 bis November 1985 als eigene Heftreihe heraus, zuletzt nach Angaben des Bessy-Autors Peter Mennigen mit Nummer 992.

Holzzaun einer Ranch am Rand einer weiten Graslandschaft im warmen Licht des späten Nachmittags, in der Ferne grasen Rinder vor flachen Hügeln
Bild: KI-generiert

Was ist Bessy?

Bessy ist ein Western-Comic aus Belgien. Erfunden hat ihn Willy Vandersteen, geboren am 15. Februar 1913 in Antwerpen, der vor allem durch Suske und Wiske bekannt wurde.[1, 5] Weil er jede Woche viele Seiten liefern musste, stellte er 1952 zwei feste Mitarbeiter ein, darunter Karel Verschuere, der bis 1967 bei ihm blieb. Mit Verschuere begann er Ende 1952 die Serie Bessy, nach dem Lexicon van de jeugdliteratuur ein realistischer Western-Comic. Er erschien zuerst in der Zeitung La Libre Belgique, danach in vielen anderen Zeitungen und Zeitschriften.[1] Das Goethe-Institut nennt abweichend die Mitte der 1950er-Jahre als Zeit der Entwicklung.[4]

Vandersteen und Verschuere zeichneten so eng zusammen, dass sie ein gemeinsames Pseudonym benutzten: Wirel, aus ihren beiden Vornamen. Wie bei seinen anderen Serien schrieb und zeichnete Vandersteen die ersten Folgen weitgehend selbst und gab die Serie dann an die Mitarbeiter seines Studios weiter.[1] Als Alben erschien Bessy in Belgien beim Verlag Standaard in Antwerpen, von 1954 bis 1985 in 164 Bänden. Ab 1985 lief die Reihe unter dem Titel Bessy Natuurkommando weiter; das Lexikon zählt dafür 1993 gut 30 Bände.[1]

Besonders erfolgreich war Bessy in Deutschland. Der belgische Sender VRT schrieb 2013, die Serie sei dort ein gewaltiger Erfolg gewesen; das Studio habe die Nachfrage nach neuen Alben kaum bedienen können.[5]

Worum geht es in Bessy?

Im Mittelpunkt stehen der junge Ranchersohn Andy Cayoon und seine Collie-Hündin Bessy.[2] Die Geschichten spielen im 19. Jahrhundert im Westen der USA.[3] Jedes Bessy-Heft enthielt, wie die meisten Serien des Verlags, eine abgeschlossene Geschichte.[2] Ein Beispiel nennt der deutsche Bessy-Autor Peter Mennigen: Andy hat sich verwundet mit Bessy in einer verlassenen Hütte verschanzt, draußen belagern Desperados das Haus, und die beiden suchen einen Ausweg. Mennigen und Werner Geismar von der Bastei-Jugendredaktion legten die Geschichte bewusst auf einen engen Schauplatz an; die Handlung lief quasi in Echtzeit durch, während sich die meisten Bessy-Geschichten über einen längeren Zeitraum hinzogen.[3]

Für das Lexicon van de jeugdliteratuur lebt Vandersteens frühe Arbeit, auch Bessy, von der Stimmung: Spukschlösser, verlassene Hütten, undurchdringliche Wälder, einsame Strände bei Sturm.[1] Mennigen erinnert sich an Nebenhandlungen mit Tieren und an kleine Sachkästen mit Wissenswertem über Tiere, Gegenstände der Geschichte oder, wie er schreibt, die "Indianerkultur". Diese Elemente hatte er als junger Leser an der Serie besonders gemocht.[2]

Der Collie ist ein Hütehund. Der internationale Dachverband der Hundezüchter FCI führt die langhaarige Form in der Gruppe der Hüte- und Treibhunde, als Ursprungsland nennt er Großbritannien, auf Deutsch heißt die Rasse Langhaariger Schottischer Schäferhund.[6] Als Vorbild der Serie sieht ein Text des Goethe-Instituts den Lassie-Film von 1943 und die amerikanische Fernsehserie von 1954; Anleihen bei erfolgreichen Vorläufern gehörten dort zu den Rezepten der Bastei-Comics.[4]

Langhaariger Hütehund liegt im hohen Gras vor einem verwitterten Holzzaun, dahinter eine weite Prärie im warmen Licht des späten Nachmittags
Hütehund im Gras vor einem Weidezaun Bild: KI-generiert

Wie kam Bessy nach Deutschland?

Der Bastei-Verlag des Verlegers Gustav Lübbe druckte bis dahin nur Romanhefte, als er im Juli 1958 sein erstes Comicheft herausbrachte, Felix, der Kater. Drei Monate später folgte das Magazin Pony für etwas ältere Leser, und darin stand neben Tim und Struppi auch das erste Bessy-Abenteuer auf Deutsch. Pony wurde schon im Juli 1960 eingestellt.[2] Den zweiten Anlauf nahm der Verlag im Heft Felix: Ab der Nummer 135 erschien Bessy dort in Fortsetzungen. Der Erfolg war so groß, dass Felix ab September 1962 eine zweite Serie von Vandersteen brachte, Ulla und Peter, im Original Suske und Wiske.[2]

Im Februar 1965 bekam Bessy ein eigenes Heft, mit einer Startauflage von 220.000 Stück. Nach sechs Monaten erschien es alle 14 Tage statt monatlich, ab Heft 58 jede Woche.[2] Einige Jahre gehörte Bessy laut Mennigen zu den umsatzstärksten Comicreihen der Bastei-Jugendredaktion und verkaufte bis zu 400.000 Hefte in der Woche. Dem Erfolg folgten weitere Westernserien des Verlags, darunter Lasso, Silberpfeil und Buffalo Bill.[3] Das Goethe-Institut rechnet Felix und Bessy, mit fast 1.000 Heften zwischen 1965 und 1985 und Millionenauflagen, zum Anfang der Erfolgsgeschichte der Bastei-Comics.[4]

Die Titelbilder malte von Heft 2 im Jahr 1965 bis 1979 Klaus Dill, der vorher als Maler von Filmplakaten bekannt geworden war. Die Umschläge der Hefte 915 bis 992 stammen überwiegend von Ertuğrul Edirne.[3] Neben den Heften gab Bastei zwei Taschenbuchreihen heraus: von März 1974 bis März 1981 mit 34 Bänden und von Mai 1981 bis Februar 1985 mit 19 Bänden, die nur Nachdrucke enthielten.[3]

Wer zeichnete und schrieb die Bastei-Hefte?

Für Deutschland musste jede Woche eine komplette Bessy-Geschichte gezeichnet werden. Deshalb gründete Vandersteen 1965 ein richtiges Studio und stellte junge Zeichner ein, die dort das Handwerk lernten, unter ihnen Karel Biddeloo, Frank Sels, Jef Broeckx und Ronald van Riet.[1] In seiner besten Zeit zählte das Studio mehr als zehn Zeichner, Autoren, Koloristen und Letterer, die meist ungenannt blieben.[1] Frank Sels hatte später mit seiner eigenen Serie Silberpfeil großen Erfolg.[2]

Peter Mennigen schrieb ab 1977 für die Bastei-Jugendredaktion; der Verlag residierte damals in Bergisch Gladbach.[2, 3] Im Frühjahr 1978 bekam er 26 fertig gezeichnete Bessy-Seiten ohne Text und ohne Drehbuch und sollte die Sprechblasen füllen. Die Redaktion kürzte seine Dialoge: Eine Sprechblase sollte höchstens ein bis zwei Sätze haben, Geräusche sollten deutsch klingen, also PENG statt BANG.[2] Im Frühjahr 1979 bot ihm Werner Geismar, Chefredakteur der Bastei-Jugendredaktion, an, die Geschichten selbst zu schreiben, weil die Redaktion die Vorlagen aus Belgien zu schematisch fand.[2, 3] Bis 1985 schrieb Mennigen nach eigener Zählung etwa 350 Bessy-Geschichten, Woche für Woche eine, die Taschenbücher eingerechnet; die Skripte gingen zum Zeichnen ins Studio Vandersteen nach Belgien.[3]

Wie endete die Bessy-Heftreihe?

Um 1982 kamen die Western-Comics von Bastei nach Mennigen bei den Lesern immer schlechter an. Der Verlag sparte: Ab Mitte 1983 schrieb Mennigen die Dialoge gleich mit, ab Oktober 1983 war jedes zweite Heft ein Nachdruck einer alten Geschichte. Mennigen sieht auch den Wettbewerb mit Egmont Ehapa als Grund, dessen Disney- und Superhelden-Hefte sich besser verkauften.[3]

Die letzte neue Geschichte der Heftreihe erschien im Januar 1985 in Heft 974, danach druckte Bastei nur noch alte Geschichten nach. Mit Heft 992 war im November 1985 Schluss; ein schon bestelltes Titelbild für Heft 993 erschien nicht mehr.[3] Im April 1986 versuchte der Verlag einen Neustart als Album mit dem Titel Bessy: Rettung für die bedrohten Tiere, geschrieben von Marck Meul und gezeichnet von Jeff Broeckx. Nach dem Konzept, das Mennigen schildert, sollten die Geschichten in der Gegenwart spielen und Andy und Bessy mit der Journalistin Aneka für eine Organisation zum Schutz der Tiere arbeiten. Nach sieben Alben endete diese Reihe im Juli 1988. Eine großformatige Heftreihe mit dem Untertitel Die Abenteuer der Naturschützer brachte es von März 1989 bis Januar 1990 auf vier Ausgaben.[3]

Willy Vandersteen starb am 28. August 1990 im Alter von 77 Jahren. Sein Studio war darauf angelegt, dass die Serien nach seinem Tod weiterlaufen konnten; das Lexicon van de jeugdliteratuur zählt Bessy 1993 ausdrücklich dazu.[1]

Grüne Wiese mit einem klaren Bach und Pappeln, dahinter ein Blockhaus und ein Holzpferch, im warmen Licht des späten Nachmittags; Unterschrift: Weide am Bach, nachempfunden
Zeichentisch mit Tusche und leeren Blättern Bild: KI-generiert

Wie zeigt Bessy den Wilden Westen?

Keine der Quellen dieser Seite nennt eine historische Vorlage für Andy Cayoon oder seine Hündin. Mennigen schreibt, er habe sich die meisten seiner Geschichten selbst ausgedacht. Manchmal regten ihn Zeitschriftenartikel über abenteuerliche Ereignisse oder Expeditionen an.[3] Mit seinem ersten eigenen Entwurf, voller Tiergeschichten und Sachkästen, scheiterte er beim zuständigen Redakteur Kurt Köppe. Danach schrieb er geradlinige Geschichten nach dem Muster, ein Problem aufzuwerfen und zu lösen.[2]

Wie Bessy indigene Figuren zeichnet, untersucht keine der hier ausgewerteten Quellen im Einzelnen. Für die Zeichentrickserie nach der Comicreihe Yakari gibt es eine solche Untersuchung; zum Wort "Indianer" und seiner Geschichte siehe Darf man "Indianer" sagen?. Bei Bastei stand Bessy neben weiteren Westernserien wie Lasso und Silberpfeil.[3] Das Goethe-Institut nennt Silberpfeil mit 768 Heften von 1970 bis 1988, eine Serie um einen jungen Kiowa-Anführer und seinen weißen Blutsbruder, und sieht darin unübersehbare Anleihen bei Mays Personal.[4] Vandersteen selbst hatte 1962 eine Comic-Reihe nach den Büchern von Karl May begonnen.[1]

Mythos und Wahrheit

Zeitleiste: Bessy von 1952 bis 1990

Zeitleiste: Bessy
  1. 1952Willy Vandersteen und Karel Verschuere beginnen Ende 1952 die Western-Serie Bessy in der Zeitung La Libre Belgique.[1]
  2. 1954Bei Standaard in Antwerpen erscheint das erste Bessy-Album; bis 1985 werden es 164.[1]
  3. 1958Bastei druckt das erste Bessy-Abenteuer im neuen Comic-Magazin Pony.[2]
  4. Juli 1960Bastei stellt das Magazin Pony ein; Bessy erscheint später in Fortsetzungen im Heft Felix.[2]
  5. 1965Vandersteen gründet ein Studio, weil für den deutschen Markt jede Woche eine ganze Bessy-Geschichte entstehen muss.[1]
  6. Februar 1965Bastei bringt Bessy Nr. 1 mit einer Startauflage von 220.000 Heften heraus.[2]
  7. März 1974Die erste Bessy-Taschenbuchreihe beginnt; bis März 1981 erscheinen 34 Bände.[3]
  8. 1979Der deutsche Autor Peter Mennigen schreibt ab dem Frühjahr die Bessy-Geschichten für Bastei.[2]
  9. Januar 1985Mit Heft 974 erscheint die letzte neue Bessy-Geschichte der Heftreihe.[3]
  10. November 1985Mit Heft 992 endet die Bastei-Heftreihe Bessy, zuletzt nur mit Nachdrucken.[3]
  11. April 1986Bastei startet Bessy als Album in der Gegenwart mit dem Titel Rettung für die bedrohten Tiere; bis Juli 1988 erscheinen sieben Alben.[3]
  12. 28.08.1990Willy Vandersteen stirbt mit 77 Jahren.[1]

Mehr zu Comics, Romanen und Helden des Westens

Häufige Fragen

Wer hat Bessy erfunden?

Der belgische Zeichner Willy Vandersteen, der auch Suske und Wiske schuf. Er zeichnete Bessy ab Ende 1952 eng zusammen mit Karel Verschuere; beide nutzten das gemeinsame Pseudonym Wirel. Ab 1965 zeichnete vor allem das Studio Vandersteen.

Wie heißt das Herrchen von Bessy?

Andy Cayoon, ein junger Ranchersohn. Mit seiner Collie-Hündin erlebt er die Abenteuer der Serie, die im 19. Jahrhundert im Westen der USA spielen.

Wie viele Bessy-Hefte gibt es?

Nach dem Bessy-Autor Peter Mennigen kam die Bastei-Heftreihe auf 992 Nummern, von Februar 1965 bis November 1985; das Goethe-Institut nennt fast 1.000 Hefte zwischen 1965 und 1985. Dazu kamen zwei Taschenbuchreihen mit 34 und 19 Bänden, von 1986 bis 1988 sieben Alben und 1989 und 1990 vier großformatige Hefte. In Belgien erschienen bei Standaard von 1954 bis 1985 164 Alben.

Seit wann gibt es Bessy in Deutschland?

Bastei druckte ein erstes Bessy-Abenteuer schon 1958 im Magazin Pony, später erschien die Serie in Fortsetzungen im Heft Felix. Das eigene Heft Bessy kam im Februar 1965 nach Mennigen mit einer Startauflage von 220.000 Stück auf den Markt.

Welche Hunderasse ist Bessy?

Bessy ist eine Collie-Hündin. Den langhaarigen Collie führt der internationale Dachverband FCI als Hütehund mit Ursprungsland Großbritannien, auf Deutsch heißt er Langhaariger Schottischer Schäferhund.

Ist Bessy eine Kopie von Lassie?

Das Goethe-Institut nennt den Lassie-Film von 1943 und die amerikanische Fernsehserie von 1954 als klar erkennbare Vorbilder der Reihe; Anleihen bei erfolgreichen Vorläufern gehörten zu den Rezepten der Bastei-Comics. Bessy spielt im 19. Jahrhundert im Westen der USA.

Warum wurde Bessy eingestellt?

Nach dem Bessy-Autor Peter Mennigen fanden die Western-Comics von Bastei ab etwa 1982 immer weniger Leser. Ab Oktober 1983 war jedes zweite Heft ein Nachdruck, im Januar 1985 erschien die letzte neue Geschichte und im November 1985 das letzte Heft.

Quellen

  1. Nachschlagewerk R. van Eijck: Willy Vandersteen (Lexicon van de jeugdliteratuur). DBNL, Digitale Bibliotheek voor de Nederlandse Letteren. Stand Oktober 1993. abgerufen am 27.10.2026
  2. Presse Peter Mennigen: Bessy, Teil 1 oder: Wie eine Collie-Hündin zu einer Verlags-Ikone wurde. Comic.de. Stand 04.09.2019. abgerufen am 27.10.2026
  3. Presse Peter Mennigen: Bessy, Teil 2 oder: Alles hat einmal ein Ende. Comic.de. Stand 12.09.2019. abgerufen am 27.10.2026
  4. Presse Matthias Bischoff: Comics. Vom "Schmuddelheft" zum Kult. Goethe-Institut, Magazin Gegenüber. Stand Januar 2023. abgerufen am 27.10.2026
  5. Presse Wie was Willy Vandersteen?. VRT NWS. Stand 15.02.2013. abgerufen am 27.10.2026
  6. Collie Rough (Nr. 156), Rassenomenklatur. Fédération Cynologique Internationale (FCI). Stand Standard vom 08.09.2026. abgerufen am 27.10.2026

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