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Lucky Luke

Kurz erklärt Lucky Luke ist eine Comicreihe des belgischen Zeichners Morris. Die erste Geschichte, Arizona 1880, erschien im Dezember 1946 im Almanach Spirou 1947, und von 1955 bis 1977 schrieb René Goscinny die Texte. Lucky Luke trifft darin Figuren nach echten Vorbildern wie die Dalton-Brüder, Billy the Kid, Calamity Jane und Jesse James.

Langer Schatten eines Anbindebalkens auf staubigem Boden, dahinter rote Tafelberge im Licht der tief stehenden Sonne
Bild: KI-generiert

Was ist Lucky Luke?

Lucky Luke ist ein Cowboy aus dem Comic. Nach dem Verlag Dargaud zieht er seit 1947 durch die Geschichte des amerikanischen Westens; Dargaud zählt ihn neben Asterix und Tim zu den berühmtesten Figuren des Comics.[1] Egmont, der deutsche Verlag, nennt ihn den Mann, "der schneller zieht als sein Schatten".[7] Zur festen Besetzung gehören das Pferd Jolly Jumper und die Brüder Dalton, die Lucky Luke immer wieder verfolgt und der Justiz übergibt. Dazu kommt der Hund Rantanplan, nach Dargaud der dümmste Hund des Wilden Westens.[1]

Erfunden und gezeichnet hat Lucky Luke der belgische Zeichner Morris.[4] Seine Kleidung trägt nach Focus on Belgium, einer Seite des belgischen Außenministeriums, die Farben Belgiens: schwarze Weste, gelbes Hemd und rotes Halstuch.[8]

Wer hat Lucky Luke erfunden?

Morris hieß eigentlich Maurice De Bévère. Die französische Nationalbibliothek (BnF) führt ihn als Zeichner und Szenaristen von Comics, geboren am 1. Dezember 1923 in Kortrijk (französisch Courtrai) in Belgien, gestorben am 16. Juli 2001.[5] Nach Dargaud lernte er das Zeichnen von Trickfilmen in einem Fernkurs und kam 1946 zur Compagnie belge d'actualités (CBA), einem Trickfilmstudio, wo er André Franquin kennenlernte. Als das Studio schloss, wechselte er zum Comic.[2]

Die erste Geschichte mit Lucky Luke, "Arizona 1880", erschien im Dezember 1946 im "Almanach Spirou" für 1947.[2] Egmont beschreibt sie als 20 Seiten lange Episode, in der der Held nur vier Finger hat, wie es damals im Zeichentrickfilm üblich war.[7] 1948 fuhr Morris mit Franquin und Jijé in die USA. Dort lernte er René Goscinny kennen, der ab 1955 die Texte schrieb.[2] Die Zusammenarbeit begann laut Focus on Belgium mit dem Album "Des rails sur la prairie" und endete mit Goscinnys Tod.[8]

Goscinny kam nach der BnF am 14. August 1926 in Paris zur Welt und starb am 5. November 1977 in Paris.[6] Dargaud nennt ihn als Erfinder von Asterix (mit Albert Uderzo) und vom kleinen Nick (mit Sempé); zusammen mit Jean-Michel Charlier leitete er die Zeitschrift Pilote.[3] Nach seinem Tod schrieben andere Szenaristen für Morris, unter ihnen Vicq, De Groot, Fauche und Léturgie, Lodewijk, Lo Hartog van Banda und Vidal.[1, 2] 1992 erhielt Morris den Großen Sonderpreis des 20. Comicfestivals von Angoulême.[2] Er starb nach Egmont an den Folgen eines Unfalls in seinem Haus in Brüssel.[7] Seit 2001 zeichnet Achdé (Hervé Darmenton) die Reihe, seit 2016 schreibt Jul (Julien Berjeaut) die Texte.[7]

Wo erschien Lucky Luke?

Den größten Teil seiner Laufbahn hatte Lucky Luke nach Dargaud in den Zeitschriften Spirou und Pilote und in einem eigenen "Journal de Lucky Luke".[1] Das erste Album, "La Mine d'Or de Dick Digger", kam nach dem Verzeichnis der Bibliothek der Michigan State University 1949 heraus; die dortige Liste der Alben von Morris endet mit "La Légende de l'Ouest" von 2002.[9] Ein Teil der Alben erscheint bis heute bei Dupuis, die übrigen bei Lucky Comics.[1]

Zeichentisch am Fenster mit leeren Papierbögen, Tuschefässern, Stahlfedern und Pinseln im warmen Licht des späten Nachmittags
Zeichentisch mit Tusche, Federn und leerem Papier Bild: KI-generiert

Seit wann gibt es Lucky Luke auf Deutsch?

In Deutschland erschien Lucky Luke nach Egmont in den 1960er Jahren in den Heften von Rolf Kauka, unter anderem in Fix und Foxi. In den frühen 1970er Jahren lief die Serie in der Comiczeitschrift Zack des Verlags Koralle, der 1972 auch eine eigene Albumreihe begann; bis 1976 kamen darin 14 Bände heraus. Als der Ehapa Verlag, damals mit Sitz in Stuttgart, die Serie 1977 übernahm, zählte er deshalb mit Band 15 weiter.[7]

Der Katalog der Michigan State University verzeichnet einige dieser Ausgaben, darunter "Lucky Luke und der Großfürst" bei Koralle in Berlin von 1973 als Band 7 der Zack-Comic-Box und Bände des Ehapa Verlags aus Stuttgart und des Egmont Ehapa Verlags aus Berlin, übersetzt von Gudrun Penndorf.[9] Ihre Nachfolge als Bearbeiter trat nach Egmont 1995 Klaus Jöken an. In Deutschland wurden die Alben nach Angaben des Verlags 30 Millionen Mal verkauft, weltweit 300 Millionen Mal, und 2021 erschienen sie in 33 Sprachen.[7] Zum 80. Geburtstag der Figur zeigte das Schauraum, das Museum für Comic und Zeichentrick in Dortmund, vom 14. November 2025 bis 6. April 2026 Originalseiten und Zeichnungen von Morris.[4]

Welche echten Personen kommen in Lucky Luke vor?

Nach Dargaud ist Lucky Luke im Comic berühmten Personen wie Jesse James, Calamity Jane, Billy the Kid und Sarah Bernhardt begegnet.[1] Mehrere Alben tragen den Namen einer historischen Person oder handeln von ihr.[7, 9, 16]

Alben mit historischen Vorbildern (Albumjahr nach dem Katalog der Michigan State University, beim Band von 2020 nach Egmont)
AlbumJahrHistorisches VorbildBelegt über die reale Person
Hors-la-loi1954Dalton-Brüder[8, 9]Überfall auf zwei Banken in Coffeyville am 5. Oktober 1892[11]
Le Juge1959Roy Bean[9]Friedensrichter im Pecos County ab 2. August 1882, gestorben am 16. März 1903[12]
Billy the Kid1962Billy the Kid[9]Henry McCarty, geboren um 1859, erschossen im Juli 1881 in Fort Sumner[13]
Calamity Jane1967Calamity Jane[9]Martha Canary, gestorben am 1. August 1903 in Terry[14]
Jesse James1969Jesse James[9]geboren am 5. September 1847, erschossen am 3. April 1882[15]
Un cow-boy dans le coton2020Bass Reeves[16]einer der ersten schwarzen Deputy US Marshals westlich des Mississippi[16]

Die Dalton-Brüder

Die Daltons waren laut Focus on Belgium echte Banditen des Westens; als Gegner von Lucky Luke treten sie im Album "Hors-la-loi" auf.[8] Am 5. Oktober 1892 versuchten die Dalton-Brüder Bob, Emmett und Grat mit zwei Komplizen, die der National Park Service Bill Power und Dick Broadwell nennt, in Coffeyville in Kansas zwei Banken zugleich auszurauben. Bewaffnete Bürger schossen auf die Bande. Außer Emmett, der verletzt überlebte, starben alle vier Räuber und vier Bürger. Emmett wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach fünfzehn Jahren begnadigt wurde er laut National Park Service, nach 14 Jahren entlassen laut Kansas Historical Society; er starb 1937.[11, 18]

Weil die Daltons im Comic so gut ankamen, holte Morris sie nach derselben Quelle als Vettern zurück, zuerst im Album "Lucky Luke contre Joss Jamon", dann als Hauptfiguren in "Les Cousins Dalton".[8] Dieses Album erschien nach dem Katalog der Michigan State University 1958.[9] Die Vettern heißen Joe, William, Jack und Averell.[4, 10]

Wie enden die echten Daltons im Comic?

Achtung, Schluss: Dieser Abschnitt verrät, wie die Geschichte ausgeht.

Im Album "Hors-la-loi" kommen laut Focus on Belgium alle vier Brüder bei ihrem letzten Überfall ums Leben.[8] Von der echten Bande überlebte Emmett Dalton den Überfall von Coffeyville und wurde nach fünfzehn Jahren Haft begnadigt (National Park Service) oder nach 14 Jahren entlassen (Kansas Historical Society).[11, 18]

Roy Bean, Billy the Kid, Calamity Jane und Jesse James

Roy Bean war ein echter Friedensrichter. Die Kommissare des Pecos County in Texas ernannten ihn am 2. August 1882. Nach dem Handbook of Texas behauptete Bean, er habe den Ort Langtry nach der Schauspielerin Lillie Langtry benannt; nach den Unterlagen der Eisenbahn hieß er nach George Langtry, einem Vorarbeiter beim Bahnbau. Bean starb am 16. März 1903 in seinem Saloon.[12] Das Album "Le Juge" von 1959 handelt nach dem Katalog der Michigan State University von ihm.[9]

Billy the Kid hieß eigentlich Henry McCarty und kam nach dem New Mexico Office of the State Historian um 1859 zur Welt, möglicherweise in New York City. Sheriff Pat Garrett erschoss ihn im Juli 1881 in Fort Sumner.[13] Calamity Jane war Martha Canary. Bekannt machte sie nach WyoHistory ein Groschenroman (Dime Novel) von Edward Wheeler, in dem sie am 15. Oktober 1877 als Heldin auftrat; sie starb am 1. August 1903 in Terry in South Dakota.[14] Jesse James kam am 5. September 1847 im Clay County in Missouri zur Welt, am 3. April 1882 erschoss ihn Robert Ford.[15]

Bass Reeves, einer der ersten schwarzen Bundespolizisten (Deputy US Marshal) westlich des Mississippi, trat nach der Encyclopedia of Arkansas 2020 im Lucky-Luke-Band "Un cow-boy dans le coton" auf, der 2021 auf Englisch als "A Cowboy in High Cotton" erschien.[16] Auf Deutsch heißt der Band nach Egmont "Fackeln im Baumwollfeld"; gezeichnet hat ihn Achdé, den Text schrieb Jul.[7]

Inneres eines hölzernen Gefängnisses in einer Westernstadt mit offener Gittertür, schmaler Pritsche und Blechbecher im schrägen Nachmittagslicht
Gefängniszelle aus Holz und Eisen in einer Westernstadt Bild: KI-generiert

Warum hat Lucky Luke einen Strohhalm im Mund?

Nach Egmont rollt und raucht Lucky Luke 1948 in "Grand rodéo" (deutsch "Rodeo") zum ersten Mal eine Zigarette. 1983 schwört er im Album "Fingers" dem Rauchen ab und hat seitdem einen Strohhalm zwischen den Lippen. Für diese Entscheidung zeichnete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf Morris nach Angaben des Verlags 1988 mit einer Medaille aus.[7] Auch der Katalog der Michigan State University führt "Fingers" unter den Alben von 1983.[9]

Lucky Luke im Film und Fernsehen

Im Kino war Lucky Luke nach Egmont zum Jahreswechsel 1971/72 zum ersten Mal zu sehen, im Zeichentrickfilm "Daisy Town", zu dem Goscinny das Drehbuch schrieb; 1983 machte Morris daraus einen Comic.[7] Beim Zeichentrickfilm "La Ballade des Dalton" führt die BnF Morris und Goscinny als Regisseure.[5, 6, 9]

1990 drehte Terence Hill einen Spielfilm, in dem er Lucky Luke spielte und Regie führte;[10] 1991 folgte eine Fernsehserie mit acht Folgen.[17] Nach Hills Website entstand für den Film die Westernstadt Daisy Town als erste Filmkulisse auf der Bonanza Creek Ranch bei Santa Fe in New Mexico.[10] Für eine neue Realserie nannte Dargaud im Februar 2026 den 23. März 2026 als Start bei Disney+, danach sollte sie bei France Télévisions laufen. Regie führt Benjamin Rocher, Lucky Luke spielt Alban Lenoir.[4]

Mehr zu Comics und Groschenheften

Häufige Fragen

Wer hat Lucky Luke erfunden?

Der belgische Zeichner Morris, mit bürgerlichem Namen Maurice De Bévère (1923 bis 2001). Er zeichnete die erste Geschichte 1946. Von 1955 bis 1977 schrieb René Goscinny die Texte, der auch Asterix mit erfunden hat.

Wann erschien Lucky Luke zum ersten Mal?

Im Dezember 1946: Die Geschichte Arizona 1880 stand im Almanach Spirou für das Jahr 1947. Das erste Album kam nach dem Katalog der Michigan State University 1949 heraus.

Wie heißen das Pferd und der Hund von Lucky Luke?

Das Pferd heißt Jolly Jumper, der Hund Rantanplan. Der Verlag Dargaud nennt Rantanplan den dümmsten Hund des Wilden Westens.

Gab es die Daltons wirklich?

Ja, die Dalton-Brüder waren eine echte Bande. Am 5. Oktober 1892 überfielen Bob, Emmett und Grat Dalton mit zwei Komplizen zwei Banken in Coffeyville in Kansas, nur Emmett überlebte. Joe, William, Jack und Averell aus den späteren Alben sind im Comic ihre Vettern.

Warum raucht Lucky Luke nicht mehr?

Nach dem Verlag Egmont schwört er 1983 im Album Fingers dem Rauchen ab und hat seitdem einen Strohhalm zwischen den Lippen. Die Weltgesundheitsorganisation zeichnete Morris dafür nach Angaben des Verlags 1988 mit einer Medaille aus.

Wer spielte Lucky Luke im Film?

Terence Hill spielte ihn 1990 in einem Spielfilm, bei dem er auch Regie führte, und 1991 in einer Fernsehserie. In der Realserie, die nach Dargaud ab dem 23. März 2026 bei Disney+ starten sollte, spielt Alban Lenoir die Hauptrolle.

Seit wann gibt es Lucky Luke auf Deutsch?

Nach Egmont seit den 1960er Jahren, in den Heften von Rolf Kauka wie Fix und Foxi. Koralle brachte von 1972 bis 1976 eine Albumreihe mit 14 Bänden heraus, seit 1977 erscheinen die Alben bei Ehapa, heute Egmont.

Quellen

  1. Lucky Luke (Serienseite). Dargaud. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  2. Morris (Autorenseite). Dargaud. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  3. Goscinny (Autorenseite). Dargaud. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  4. Joyeux anniversaire, Lucky Luke ! (L'équipe Dargaud). Dargaud. Stand 17.02.2026. abgerufen am 27.10.2026
  5. Archiv Morris (1923-2001), Notice de personne FRBNF11916919. Bibliothèque nationale de France, Catalogue général. Stand aktualisiert 16.11.2002. abgerufen am 27.10.2026
  6. Archiv Goscinny, René (1926-1977), Notice de personne. Bibliothèque nationale de France, Catalogue général. Stand aktualisiert 25.12.2018. abgerufen am 27.10.2026
  7. Pressemitteilung Ein Jubiläumsjahr zu Ehren des berühmten Cowboys! mit 10 Daten und Fakten zum Lonesome Cowboy (zusammengestellt von Horst Berner). Egmont Ehapa Media und Egmont Comic Collection (Story House Egmont). Stand 11.02.2021. abgerufen am 27.10.2026
  8. Amtliche Stelle Morris created the most famous comic book cowboy. Focus on Belgium, Föderaler Öffentlicher Dienst Auswärtige Angelegenheiten des Königreichs Belgien. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  9. Archiv Reading Room Index to the Comic Art Collection: Lucky Lady to Lucy's (Eintrag Lucky Luke). Michigan State University Libraries, Special Collections. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  10. Lucky Luke (Filmseite mit Besetzung und Drehorten). Terence Hill Offizielle Webseite. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  11. Amtliche Stelle The Coffeyville Affair (Juliet Galonska). National Park Service, Fort Smith National Historic Site. Stand März 1996, aktualisiert 10.04.2015. abgerufen am 27.10.2026
  12. Nachschlagewerk C. L. Sonnichsen: Bean, Roy (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1952, überarbeitet 22.07.2015. abgerufen am 27.10.2026
  13. Amtliche Stelle Billy the Kid (Autor William H. Wroth). New Mexico Office of the State Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  14. Nachschlagewerk Rebecca Hein: Calamity Jane. Heroine of the West or Ordinary Woman?. WyoHistory.org, Wyoming State Historical Society. Stand 08.11.2014. abgerufen am 27.10.2026
  15. Amtliche Stelle Historic Missourians: Jesse James (Text Carlynn Trout). State Historical Society of Missouri. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  16. Nachschlagewerk Art T. Burton: Bass Reeves (Encyclopedia of Arkansas). Central Arkansas Library System, Encyclopedia of Arkansas. Stand Last updated 17.09.2026. abgerufen am 27.10.2026
  17. Lucky Luke, TV (Filmseite zur Fernsehserie von 1991 mit acht Folgen). Terence Hill Offizielle Webseite. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  18. Nachschlagewerk Emmett Dalton (Kansapedia). Kansas Historical Society. Stand Februar 2013. abgerufen am 27.10.2026

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