WesternFilm

Long Riders (1980)

Kurz erklärt Long Riders (Originaltitel The Long Riders) ist ein Western von Walter Hill, der am 16. Mai 1980 in den USA und am 31. Juli 1980 in Deutschland ins Kino kam. Er erzählt von der James-Younger-Bande bis zum gescheiterten Überfall von Northfield 1876 und zum Tod von Jesse James 1882. Die Brüder der Bande spielen echte Brüder: die Keaches, die Carradines, die Quaids und die Guests.

Staubige, unbefestigte Hauptstraße einer kleinen Südstaatenstadt mit Holzfassaden ohne Schilder und Anbindebalken, ein gesatteltes Pferd, dahinter Kiefern im warmen Abendlicht
Bild: KI-generiert

Worum geht es in Long Riders?

Der Film beginnt in Missouri mit einem Banküberfall, bei dem Jesse James einen Schuss in den Arm abbekommt. Danach wirft er Ed Miller wegen seines leichtsinnigen Verhaltens aus der Bande; Eds Bruder Clell hält zu Jesse.[2] Die Bande überfällt eine Postkutsche, und Cole Younger besucht Belle Starr, die im Film ein Bordell führt. Jesse heiratet Zee Mimms; auf der Hochzeit wollen sich die Brüder Charlie und Bob Ford der Bande anschließen, werden aber abgewiesen. Nach der Hochzeitsreise überfällt die Bande einen Zug.[2] Der Pinkerton-Detektiv Jacob Rixley jagt die Bande. Zwei Pinkerton-Männer erschießen John Younger, einen Cousin von Jim Younger, und bei einem Angriff auf das Haus der Mutter von Jesse und Frank explodiert eine Rauchbombe und tötet ihren Sohn Archie.[2]

Nach der Beerdigung erschießt die Bande die Männer, die sie für Archies Tod verantwortlich macht, und entkommt von einer Farm, die Pinkerton-Männer umstellt haben. Dann schlägt Clell Miller einen Überfall auf eine reiche Bank in Northfield in Minnesota vor.[2] Die Bande reitet ohne Erkundung in die Stadt. In der Bank droht Jesse einem Angestellten, der den Tresor wegen eines Zeitschlosses nicht öffnen kann, und schießt auf einen Kunden, der flieht. Auf der Straße kommt es zu einem Schusswechsel, die Bande bricht durch ein Gebäude und flieht in die Wälder. Weil Clell und die Younger-Brüder schwer verwundet sind, lassen Jesse und Frank sie zurück.[2] Die Gewaltszenen zeigt der Film laut Lexikon des internationalen Films in Zeitlupe.[1]

Wie endet Long Riders?

Achtung, Schluss: Dieser Abschnitt verrät, wie die Geschichte ausgeht.

Die gefangenen Youngers verraten im Krankenhaus nichts über die Brüder James. Charlie und Bob Ford aber vereinbaren mit Rixley eine Belohnung von 15.000 Dollar für Jesse. Nach einem Abendessen in Jesses Haus erschießen sie ihn, als er ein gerahmtes Stickbild an der Wand gerade rückt. Frank stellt sich Rixley unter der Bedingung, seinen Bruder begraben zu dürfen, und begleitet in Handschellen den Sarg im Zug nach Hause.[2]

Wer spielt in Long Riders mit?

Die Brüder der Bande spielen echte Brüder. Die Keaches sind die Brüder James, drei Söhne des Schauspielers John Carradine die Brüder Younger, die Quaids die Brüder Miller und die Guests die Brüder Ford.[1, 2, 6, 7, 8] James und Stacy Keach schrieben mit Bill Bryden und Steven Phillip Smith auch das Drehbuch und waren ausführende Produzenten.[1, 2]

Darsteller und Rollen laut Lexikon des internationalen Films[1]
DarstellerRolle
James KeachJesse James
Stacy KeachFrank James
David CarradineCole Younger
Keith CarradineJim Younger
Robert CarradineBob Younger
Randy QuaidClell Miller
Dennis QuaidEd Miller
Christopher GuestCharlie Ford
Nicholas GuestBob Ford
Pamela ReedBelle Starr
James RemarSam Starr

Welche Brüder mitspielen sollten, wechselte mehrmals. Im August 1978, als der Film noch Bandit Kings hieß, meldete der Hollywood Reporter laut AFI drei Brüderpaare: die Keaches, Timothy und Joseph Bottoms sowie Beau und Jeff Bridges. Im Februar 1979 waren die Carradines im Gespräch, und die Guests ersetzten später die Bridges als Brüder Ford.[2] Was über die echte Belle Starr belegt ist, steht auf ihrer eigenen Seite.

Wie entstand Long Riders?

Nach Daily Variety suchte das Projekt fünf Jahre lang nach Geld und Besetzung. Laut Los Angeles Times war es nacheinander als Theaterstück, Musical, Fernseh-Miniserie und schließlich als Kinofilm geplant. Arbeitstitel waren The James Family, Bandit Kings und Outlaws.[2] Der Film entstand für United Artists unter der Regie von Walter Hill, die Kamera führte Ric Waite.[1] Im Februar 1979 war von einem Budget von 5 Millionen Dollar die Rede, im Oktober 1979 meldete United Artists 8 Millionen Dollar.[2] Gedreht wurde vom 15. August bis zum 23. November 1979, fünfzehn Wochen lang, zuerst im Südwesten Georgias, zuletzt bei Sonora in Kalifornien.[2]

Die Musik von Ry Cooder

Die Musik komponierte und arrangierte Ry Cooder, der sie auch selbst einspielte. In einer Szene tritt er laut Daily Variety als Gitarrist in einem Bordell auf, ohne im Abspann genannt zu werden.[1, 2] Weitere Filmmusik des Genres stellt die Seite Die besten Western-Soundtracks vor.

Wo wurde Long Riders gedreht?

Ursprünglich sollte im Jackson County in Missouri gedreht werden, dem alten Gebiet der James-Younger-Bande. Laut den Produktionsnotizen, die AFI auswertet, sah die Gegend aber nicht mehr wie im 19. Jahrhundert aus, deshalb wich die Produktion nach Georgia aus.[2]

Drehorte laut AFI Catalog
DrehortStaatWas dort entstand
ClaytonGeorgiaSzenen, die in Missouri spielen[2]
Umgebung von AlbanyGeorgiadrei Wochen Außenaufnahmen[2]
LearyGeorgiaKulisse für Gallatin in Missouri[2]
ParrottGeorgiaKulisse für Northfield in Minnesota[2]
Tyler und PalestineTexasZugszenen[2]
The Burbank Studios, Los AngelesKalifornienweitere Aufnahmen[2]
SonoraKalifornienletzte Aufnahmen bis 23. November 1979[2]

Parrott hatte damals 264 Einwohner. Damit der Ort wie eine Stadt in Minnesota um 1876 aussah, ließen der Szenenbildner Jack T. Collis und seine Leute alle Strommasten entfernen, die Läden mit Fassaden des 19. Jahrhunderts verkleiden und die geteerte Hauptstraße mit fünfzig Lastwagenladungen Erde bedecken. Für den Überfall standen laut einer Pressemitteilung von United Artists fünf Tage lang 500 Statisten vor der Kamera.[2]

Alte Akustikgitarre und eine Mundharmonika auf der verwitterten Holzbank einer Veranda, dahinter Felder und Kiefern im Nachmittagslicht
Gitarre und Mundharmonika auf einer Veranda im ländlichen Georgia Bild: KI-generiert

Wie viel Wahrheit steckt in Long Riders?

Die wahre Geschichte dahinter

  • PersonJesse James

    Bank- und Zugräuber, mit seinem Bruder Frank und den Younger-Brüdern in der James-Younger-Bande

  • PersonBelle Starr

    "Bandit Queen" der Groschenromane; 1883 in Fort Smith wegen Pferdediebstahls verurteilt

Der Film erzählt nach dem Lexikon des internationalen Films die Geschichte der James-Younger-Bande in einer um historische Echtheit bemühten, balladenartigen Form, baut aber das Bild der Gesetzlosen als Sozialrebellen weiter aus.[1] Wer Jesse James war und wie die Bande Banken und Züge ausraubte, steht auf seiner Seite und unter Zugüberfälle im Wilden Westen.

Laut PBS kam im März 1874 John Younger bei einem Schusswechsel mit Detektiven der Pinkerton-Detektei ums Leben, bei dem auch ein Detektiv und ein Helfer der Detektei starben. Der Film macht John Younger zum Cousin von Jim Younger.[2] Am 24. April 1874 heiratete Jesse seine Cousine Zerelda "Zee" Mimms.[5] Am 25. Januar 1875 überfielen Detektive und Männer aus der Gegend das Haus der Mutter. Ein Brandsatz explodierte, verletzte sie und tötete Jesses achtjährigen Halbbruder Archie; im Film ist Archie laut AFI ein 15 Jahre alter behinderter Junge.[2, 5] Im April 1875 wurde Daniel Askew, ein Nachbar, der den Detektiven geholfen hatte, in seinem Hof erschossen. Wer schoss, nennt PBS nicht.[5]

In Northfield verlief der Überfall am 7. September 1876 anders als im Film. Nach der Minnesota Historical Society ritten die Brüder Younger, Clell Miller, Charlie Pitts und wohl auch Frank und Jesse James in die Stadt, der achte Mann war vermutlich Bill Chadwell. In der Bank behauptete der Buchhalter Joseph Lee Heywood, der Tresor habe ein Zeitschloss. Das war gelogen: Während der Geschäftszeit war das Schloss offen, nur die Riegel standen so, dass der Tresor verschlossen wirkte. Erschossen hat Heywood nach MNopedia Frank James.[4] Gegen die Bande kämpften Bürger der Stadt. Der Medizinstudent Henry Wheeler erschoss Clell Miller, der im Film schwer verwundet mit den Youngers zurückbleibt, und der Eisenwarenhändler Anselm Manning tötete Bill Chadwell.[2, 4] Im September 1876 stellten der Sheriff des Watonwan County und fünf Helfer die Youngers und Pitts bei Madelia. Die drei Younger-Brüder kamen lebenslang ins Gefängnis von Stillwater, Frank und Jesse James bestritten bis an ihr Lebensende, in Minnesota gewesen zu sein.[4] Mehr zum Überfall steht auf der Seite Die bekanntesten Banküberfälle.

Beim Ende vereinbaren im Film die Fords die Belohnung mit dem Pinkerton-Detektiv Rixley, und Frank stellt sich ihm.[2] Nach PBS traf Bob Ford am 13. Januar 1882 Gouverneur Crittenden, der ihm Begnadigung und Belohnung zusagte, wenn er Jesse tötete. Am 3. April 1882 schoss Ford Jesse von hinten in den Kopf, als dieser ein Bild an der Wand abstaubte. Frank stellte sich am 5. Oktober 1882 den Behörden und wurde später freigesprochen.[5]

Bankgebäude aus Backstein an einem stillen Platz am Flussufer in Minnesota, daneben eine Mühle und Bäume mit gelbem Herbstlaub, die Straße leer
Bankgebäude an einem Platz in einer Kleinstadt in Minnesota im Herbst Bild: KI-generiert

Wie wurde Long Riders aufgenommen?

1980 lief der Film im Wettbewerb des Festivals von Cannes.[3] In Los Angeles und New York kam er am 16. Mai 1980 ins Kino.[2] Die Kritiken reichten laut AFI von gut bis schlecht: Time und New West lobten im Juni 1980 viele Darsteller, Janet Maslin schrieb am 16. Mai 1980 in der New York Times, schöne Bilder und Liebe zum Detail glichen ein Drehbuch nicht aus, das wenig über die Figuren verrate.[2] Das Lexikon des internationalen Films meint, der effektvoll fotografierte Film bleibe häufig in Äußerlichkeiten stecken, besonders in den Gewaltszenen in Zeitlupe.[1]

In Deutschland kam der Film am 31. Juli 1980 in die Kinos, auf DVD erschien er am 23. August 2001. Das Lexikon des internationalen Films führt ihn mit dem Produktionsjahr 1979. Er dauert 99 Minuten und ist ab 16 Jahren freigegeben.[1] Einen anderen Blick auf das Ende von Jesse James wirft der Film Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford.

Zeitleiste: Long Riders
  1. 15.08.1979Beginn der Dreharbeiten im Südwesten Georgias.[2]
  2. 23.11.1979Ende der Dreharbeiten bei Sonora in Kalifornien.[2]
  3. 1980Wettbewerb des Festivals von Cannes.[3]
  4. 16.05.1980Kinostart in Los Angeles und New York.[2]
  5. 31.07.1980Deutsche Erstaufführung.[1]
  6. 23.08.2001Erscheinen auf DVD in Deutschland.[1]

Häufige Fragen

Beruht Long Riders auf einer wahren Geschichte?

Ja, der Film erzählt von der James-Younger-Bande um Jesse und Frank James und die Brüder Younger. Den Überfall auf die First National Bank in Northfield am 7. September 1876 und den Tod von Jesse James am 3. April 1882 gab es wirklich. Viele Einzelheiten weichen aber ab, etwa wer in Northfield gegen die Bande kämpfte.

Welche Brüder spielen in Long Riders mit?

James und Stacy Keach spielen Jesse und Frank James, David, Keith und Robert Carradine die Brüder Cole, Jim und Bob Younger. Randy und Dennis Quaid sind Clell und Ed Miller, Christopher und Nicholas Guest Charlie und Bob Ford.

Wo wurde Long Riders gedreht?

Vor allem in Georgia, weil das Jackson County in Missouri nicht mehr wie im 19. Jahrhundert aussah. Der Ort Parrott stellte Northfield dar, Leary die Stadt Gallatin. Die Zugszenen entstanden bei Tyler und Palestine in Texas, weitere Aufnahmen bei Sonora in Kalifornien und in den Burbank Studios.

Wer hat die Musik zu Long Riders geschrieben?

Ry Cooder. Er komponierte und arrangierte die Musik und tritt laut AFI ohne Namensnennung kurz als Gitarrist in einem Bordell auf.

Wie lang ist Long Riders?

Der Film dauert 99 Minuten, so nennen es der Filmdienst und der AFI Catalog. Freigegeben ist er ab 16 Jahren.

Wann kam Long Riders in die deutschen Kinos?

Die deutsche Erstaufführung war am 31. Juli 1980. In den USA lief der Film schon ab dem 16. Mai 1980 in Los Angeles und New York, außerdem 1980 im Wettbewerb von Cannes.

Quellen

  1. Filmdatenbank Long Riders (USA 1979). filmdienst.de, Lexikon des internationalen Films. Stand Aktualisiert am 29.12.2001. abgerufen am 27.10.2026
  2. Filmdatenbank The Long Riders (1980), AFI Catalog of Feature Films. American Film Institute. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  3. Filmdatenbank The Long Riders, Wettbewerb 1980. Festival de Cannes. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  4. Nachschlagewerk Northfield Bank Raid (Leslie Moore, MNopedia). Minnesota Historical Society. Stand 28.03.2016, zuletzt geändert 17.06.2025. abgerufen am 27.10.2026
  5. Presse The Life and Death of Jesse James (Zeitleiste). PBS American Experience, WGBH Educational Foundation. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  6. Nachschlagewerk John Carradine. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  7. Nachschlagewerk Dennis Quaid (Fred Frommer). Encyclopaedia Britannica. Stand 22.05.2026. abgerufen am 27.10.2026
  8. Nachschlagewerk Christopher Guest (Kelly Gisonna). Encyclopaedia Britannica. Stand 01.02.2026. abgerufen am 27.10.2026

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