Cowboys und AlltagThema

Alkohol im Wilden Westen

Kurz erklärt Alkohol war im Wilden Westen Tauschware im Pelzhandel, Getränk in Saloons und Armeebars und ein Dauerthema der Gesetzgeber. Seit 1832 durfte kein Alkohol in das Indian Country gebracht werden, das Verbot des Bundes galt im Kern bis 1953. Kansas schrieb 1880 ein Alkoholverbot in seine Verfassung, in den ganzen USA galt die Prohibition vom 17. Januar 1920 bis 1933.

Hölzerner Tresen in einem nachgebauten Handelsposten mit gestapelten Bisonfellen, gefalteten Wolldecken und einem schlichten Holzfass, durch ein kleines Fenster fällt Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Welche Rolle spielte Alkohol im Wilden Westen?

Siedler in Kansas brachten nach dem Kansas Museum of History Branntwein mit, um Krankheiten zu behandeln und Feste zu feiern, und Saloons gehörten dort oft zu den ersten Geschäften einer neuen Stadt.[9] Für das Land der Nationen, das Indian Country, galt ab 1832 ein Alkoholverbot des Bundes, das im Kern bis 1953 bestand.[1, 12] Kansas verbot Alkohol 1880 nach einer Volksabstimmung im ganzen Staat, und die Abstinenzbewegung, die aus den evangelischen Kirchen kam, erreichte 1920 ein Verbot in den ganzen USA.[12, 13]

Was in den Saloons ausgeschenkt wurde und was ein Glas kostete, steht auf der Seite Der Saloon im Wilden Westen.

Wer trank im Westen, und was?

In Kansas brachten europäische Einwanderer, vor allem Deutsche, ihre Biertradition mit. Biergärten und Saloons gaben ihnen Arbeit als Brauer, Bierkutscher und Wirte und waren Treffpunkte für deutsches Essen, Musik und Gespräche.[9] Theodore Weichselbaum betrieb 1859 eine der ersten Brauereien in Kansas. Der aus Preußen eingewanderte John Walruff besaß in Lawrence eine große Brauerei mit Biergarten, den "Go Somewhere Saloon", in dem deutsche Musiker spielten.[9]

In Fort Laramie im heutigen Wyoming war Trunkenheit nach dem National Park Service eine ständige Gefahr für Disziplin, Sicherheit und Moral. Trotzdem erlaubte der Kommandant 1883 eine Bar auf dem Posten, den "soldiers barroom". Dort gab es Bier mehrerer Sorten, Schnaps aber nur auf ärztliche Anordnung.[8] Vorher waren die Soldaten regelmäßig zum Trinken in eine "hog ranch" gegangen. So hießen Lokale mit Bar, Kartentischen und Bordell (siehe Prostitution im Wilden Westen), wie sie bei den meisten Armeeposten an der Frontier entstanden; die Bar auf dem Posten sollte die Männer von dort fernhalten.[8]

Reihe unbeschrifteter brauner Glasflaschen und zwei kleine Holzfässer auf einem rohen Holztresen vor dunklem Hintergrund im warmen Licht des späten Nachmittags
Schlichter Holztresen mit Flaschen Bild: KI-generiert

Whiskey im Handel mit den Nationen

Im Pelzhandel am oberen Missouri war Alkohol eine begehrte Tauschware. 1828 gründete Kenneth McKenzie für die American Fur Company von John Jacob Astor den Handelsposten Fort Union im heutigen North Dakota, auf Bitten der Assiniboine. Die Nationen der nördlichen Plains tauschten dort vor allem Bisonfelle gegen Äxte, Gewehre und andere Waren.[3] 1832 richtete der Posten nach dem National Park Service eine Brennerei für Maiswhiskey ein, um mit dem Schnaps Bisonfelle einzuhandeln. Alkohol ins Indian Country zu bringen war verboten, und die Brennerei verschaffte Fort Union einen Vorteil vor den anderen Pelzhandelsfirmen. 1833 ordnete die Regierung an, sie zu zerstören. Der Vorfall beschädigte den Ruf der Firma und zwang McKenzie und Astor in den vorzeitigen Ruhestand; 1834 hatte der Posten eine neue Leitung.[3]

Aus dem Handel verschwand der Whiskey trotzdem nicht. Der Historiker Ray H. Mattison vom National Park Service schrieb 1961, die Händler der Kompanie hätten nach ihren Briefen geglaubt, ohne Alkohol nicht gegen die Konkurrenz bestehen zu können, die stets reichlich davon hatte. Innerhalb der Mauern der Posten wurde er offenbar nicht offen gehandelt, doch nach Charles Larpenteur gaben die Händler Whiskey außerhalb der Mauern bereitwillig ab.[3, 4] Rudolph Kurz, 1851 und 1852 auf mehreren Posten der Kompanie, nannte als Grund, warum die Händler den Whiskey als Ware zurückhaben wollten, den gewaltigen Gewinn.[3, 4]

Weite Prärie am Zusammenfluss zweier Flüsse mit Pappeln am Ufer und einem Handelsposten mit Palisade in der Ferne, warmes Licht am späten Nachmittag
Prärie an einem Flusszusammenfluss mit einem Handelsposten in der Ferne Bild: KI-generiert

Auch nördlich der Grenze handelten Amerikaner mit Whiskey. 1869 zog die Handelsfirma Hamilton and Healy aus Montana in das britische Gebiet, außer Reichweite der amerikanischen Behörden, und baute nahe dem heutigen Lethbridge einen Posten, der bald Fort Whoop-Up hieß. Zu den wichtigsten Waren gehörten Whiskey und Repetiergewehre, und bald folgten weitere "whiskey forts".[5] Der Historiker Hugh A. Dempsey schreibt in einem Bericht für das kanadische Ministerium Indian and Northern Affairs, der Whiskey habe bei den Blackfoot großen Schaden angerichtet; mit Whiskey und inneren Streitigkeiten sei ihre soziale und politische Ordnung zusammengebrochen.[5] Zu den wichtigsten Aufgaben der 1873 gegründeten North-West Mounted Police gehörte es, den illegalen Whiskeyhandel zu beenden. Als sie 1874 im Süden des heutigen Alberta ankam, waren die Händler schon geflohen.[5]

Wenn die Polizei nicht ins Land gekommen wäre, wo wären wir alle jetzt? Böse Männer und Whiskey töteten uns so schnell, dass heute nur noch sehr wenige von uns übrig wären.

Crowfoot, einer der beiden führenden Anführer der Blackfoot, bei den Verhandlungen über Treaty Seven 1877, Hugh A. Dempsey: Treaty Research Report, Treaty Seven (1877), 1987 Übersetzung der Redaktion[5]

Welche Gesetze verboten Alkohol im Indian Country?

Zum ersten Bundesgesetz trug nach Cohen zumindest teilweise die Bitte eines indigenen Anführers bei. Little Turtle, in seiner Sprache Mihšihkinaahkwa, war nach dem Myaamia Center von 1780 bis 1809 ein führender Mann der Myaamia (Miami).[2] Am 4. Januar 1802 bat er Präsident Thomas Jefferson, der Kongress möge jedem verbieten, unter seinen Leuten Branntwein zu verkaufen. Jefferson legte dem Kongress im selben Monat nahe, den Wunsch zu erfüllen, und fügte hinzu, der Missbrauch des Alkohols gefährde oft auch den Frieden mit den Nationen. So schildert es der Jurist Felix S. Cohen in seinem "Handbook of Federal Indian Law" von 1941.[1]

Als unsere weißen Brüder in dieses Land kamen, waren unsere Vorfahren zahlreich und glücklich; seit dem Umgang mit den Weißen und durch die Einführung dieses tödlichen Gifts sind wir weniger zahlreich und weniger glücklich geworden.

Little Turtle (Mihšihkinaahkwa) an Präsident Thomas Jefferson, Januar 1802, American State Papers, Indian Affairs, Bd. 1, zitiert bei Felix S. Cohen, Handbook of Federal Indian Law, 1941, Kapitel 17 Übersetzung der Redaktion[1]

Das Gesetz vom 30. März 1802 ermächtigte den Präsidenten, den Verkauf und die Verteilung von Branntwein unter den Nationen zu verhindern oder einzuschränken. Weil die Regierung ohnehin über Verträge, Händlerlizenzen und staatliche Handelshäuser bestimmte, vergingen nach Cohen 30 Jahre bis zu einem allgemeinen Verbot.[1] Es kam mit dem Gesetz vom 9. Juli 1832: Seitdem durfte kein Alkohol mehr ins Indian Country gebracht werden.[19] Als Indian Country galt für die Alkoholgesetze alles Land und jedes Reservat, dessen indigener Rechtstitel noch nicht erloschen war.[1] Zwei Jahre später übernahm der Kongress das Verbot in das Gesetz über Handel und Verkehr mit den Nationen (Trade and Intercourse Act) vom 30. Juni 1834. Es bestrafte auch den Verkauf und Tausch von Alkohol an Indigene im Indian Country, und sein Abschnitt 21 verbot dort Brennereien: Wer eine betrieb, zahlte 1.000 Dollar Strafe, und der Superintendent of Indian Affairs sollte die Anlage zerstören.[1, 6, 15]

Alkoholgesetze des Bundes für das Indian Country (nach Cohen 1941 und dem US-Senat)
JahrGesetzInhalt
1802Gesetz vom 30. März 1802, Abschnitt 21Der Präsident darf Verkauf und Verteilung von Branntwein unter den Nationen verhindern oder einschränken.[1]
1832Gesetz vom 9. Juli 1832, Abschnitt 4Erstes allgemeines Verbot: Alkohol darf nicht mehr in das Indian Country gebracht werden.[1, 19]
1834Trade and Intercourse Act vom 30. Juni 1834Verbot von Verkauf, Tausch und Einfuhr im Indian Country, Brennereiverbot mit 1.000 Dollar Strafe.[1, 15]
1862Zusatz vom 13. Februar 1862Das Verbot gilt für alle Indigenen unter der Aufsicht eines Superintendenten oder Agenten.[1]
1892Gesetz vom 23. Juli 1892Ale, Bier und Wein werden ausdrücklich genannt, weil Gerichte Bier nicht unter das alte Verbot gefasst hatten.[1]
1897Gesetz vom 30. Januar 1897Die Liste der verbotenen Getränke wird noch einmal erweitert.[1]
1953Gesetz vom 15. August 1953Alkohol ist im Indian Country erlaubt, wenn Recht des Bundesstaats und Verordnung der Nation es zulassen.[14, 15]
2018Public Law 115-304 vom 11. Dezember 2018Das Brennereiverbot von 1834 wird aufgehoben.[16]

Durchsetzen sollten die Gesetze die Agenten des Office of Indian Affairs; später stellte das Amt eigens Sonderbeamte und Deputies gegen den Alkoholhandel ein.[1] In der Fassung von 1938 galt das Gesetz von 1892 auch für Indigene, deren zugeteiltes Land der Bund treuhänderisch verwaltete, und für dieses Land selbst (zur Aufteilung der Reservate siehe Dawes Act).[1] Strafbar war nach dieser Fassung, wer Alkohol abgab oder in das Indian Country brachte, auch wenn er selbst Indigener war; wer ihn kaufte oder annahm, beging nach Cohen offenbar keine Straftat.[1]

Whiskey vor dem Obersten Gerichtshof

Wie mühsam die Durchsetzung war, zeigt ein Urteil des Supreme Court von 1876. Am 12. Februar 1872 hatte Bernard Lariviere Whiskey nach Crookston in Minnesota gebracht, in ein Gebiet, das die Red Lake und Pembina Bands der Chippewa (Ojibwe) 1863 an die USA abgetreten hatten. Ein Indian Agent ließ seine Waren durchsuchen, der Whiskey wurde beschlagnahmt.[6] Im Abtretungsvertrag stand, die Alkoholgesetze des Bundes sollten im abgetretenen Land weiter gelten, bis Kongress oder Präsident anders bestimmten. Das Gericht erklärte die Klausel für gültig, obwohl das Land inzwischen zu einem County des Staates Minnesota gehörte.[6] Die Anführer, schrieb Richter Davis, hätten wohl vorausgesehen, dass das abgetretene Land sonst als Lager für Alkohol dienen würde, den man an die jungen Männer ihres Volkes verkaufen wollte. Der Handel mit den Indigenen sei so einträglich, dass Weiße ständig in ihr Land eindrängen.[6]

Im Indianer-Territorium, dem heutigen Oklahoma, wurden sogar Gesetzeshüter angeklagt. Die Dalton-Brüder, damals Wachen, Deputies und Marshals, wurden nach der Kansas Historical Society beschuldigt, am 25. Dezember 1889 berauschende Getränke in die Osage Nation gebracht zu haben.[7]

Welche Folgen hatte der Alkoholhandel für die Nationen?

Little Turtle sagte 1802, erst die Einführung dieses tödlichen Gifts halte seine Leute arm, und führte den Rückgang seines Volkes auf den Alkohol zurück.[1] In Kanada schilderte der Missionar Constantine Scollen den Vertragskommissaren die Folgen der "whiskey forts": Hunderte Indigene seien der Geldgier der Weißen zum Opfer gefallen, manche vergiftet, manche im Rausch erfroren, viele erschossen.[5] Der kanadische Vertragskommissar David Laird antwortete 1877 bei den Verhandlungen Medicine Calf, einem Anführer der Blood, der Geld für das von Polizei und Weißen verbrauchte Holz verlangt hatte: Die Nationen müssten der Regierung eigentlich etwas zahlen, weil sie mit der Polizei die "Händler mit Feuerwasser" vertrieben habe.[5]

Nicht jede Nation war gleich betroffen. Die Stoney, die unter dem Einfluss methodistischer Missionare standen, litten nach Dempsey weniger unter dem Whiskeyhandel und handelten weiter mit der Hudson's Bay Company.[5] Am oberen Missouri schrieb der Händler Edward Denig 1854, nach seiner Beobachtung tränken alle Nationen, wann immer sie Alkohol bekämen, nur die Crow rührten ihn nicht an. Das ist die Sicht eines Händlers: Denig gehörte selbst zu den Leitern von Fort Union, und nach Kurz hielt er den Alkohol sogar für unschädlich für die Indigenen.[3, 4]

Nach Cohen versuchten Indigene immer wieder selbst, ihren Alkoholkonsum einzudämmen.[1] Die Bitte von Little Turtle und die Klausel im Vertrag der Red Lake und Pembina Bands sind zwei Beispiele dafür.[1, 6] Das Gesetz von 1953, das die Verbote weitgehend aufhob, hieß in deutscher Übersetzung "Gesetz zur Beseitigung bestimmter diskriminierender Gesetze gegen Indigene in den Vereinigten Staaten".[15]

Wer kämpfte gegen den Alkohol?

Die Abstinenzbewegung (englisch temperance movement) entstand nach der Encyclopedia of the Great Plains im 19. Jahrhundert, weil viele den hohen Alkoholkonsum für schädlich hielten, für den Trinker, seine Familie und die Gemeinde. Ihre Wurzeln lagen in den evangelischen Kirchen. Zuerst setzte sie auf Erweckungsversammlungen und auf Gelübde, keinen Alkohol mehr zu trinken; später kämpfte die Bewegung für Verbote, zuerst über die "local option", mit der Gemeinden den Verkauf in ihren Grenzen untersagten.[12] Besonders wichtig war die Woman's Christian Temperance Union (WCTU), 1874 in den USA und im selben Jahr in Kanada gegründet.[12]

In Kansas durften Frauen bis 1912 bei Wahlen im ganzen Staat nicht abstimmen. Sie mussten deshalb die Männer überzeugen, wie das Kansas Museum of History schreibt; die WCTU tat es nach ihrem Motto "Agitate, Educate, Organize" mit Gebet und Überzeugungsarbeit.[10] Mit Hilfe von Frauen entstand 1876 die nationale Prohibition Party. Gouverneur John P. St. John brachte das Parlament von Kansas dazu, die Wähler entscheiden zu lassen.[10] Im November 1880 nahmen sie einen Verfassungszusatz an, der Herstellung und Verkauf berauschender Getränke verbot; er galt ab dem 1. Mai 1881. Nach der Kansas Historical Society war Kansas der erste Staat, der das Verbot in seine Verfassung schrieb; ein Alkoholverbot per Gesetz hatte nach dem Museum vorher schon Maine.[10, 11]

Viele hielten sich nicht daran. Saloons und Brauereien arbeiteten illegal weiter (gegen solche Kneipen zog später Carry Nation, siehe Der Saloon im Wilden Westen), und Apotheker und Ärzte durften Alkohol "zu medizinischen Zwecken" abgeben, was großzügig ausgelegt wurde.[10] Der Brauer John Walruff verlangte vor Gericht eine Entschädigung für entgangene Einnahmen, er hatte nach eigener Angabe 50.000 Dollar in seine Brauerei gesteckt. Der Fall ging bis zum Supreme Court, der das Gesetz von Kansas bestätigte, und Walruff eröffnete eine Brauerei in Missouri.[10] Wirksam durchgesetzt wurde das Verbot nach der Kansas Historical Society erst ab 1907, die Lücke für Apotheken schloss 1909 eine Neufassung des Gesetzes.[11]

Alkoholverbote im Westen und in den USA
GebietVerbotQuelle
Indian CountryEinfuhr verboten ab 1832, Verbot des Bundes bis 1953[1, 12]
Kansasab 1. Mai 1881, aufgehoben 1948[11]
North Dakota1889 als erster Staat mit Verbot in die Union aufgenommen[12]
Oklahoma1907 als Staat ohne Alkohol aufgenommen, Verbot bis 1959[12]
Alberta, Manitoba, Saskatchewan1915, 1916 und 1917 per Volksabstimmung, bis 1925 wieder abgeschafft[12]
USA18. Zusatzartikel vom 17. Januar 1920 bis 1933[12, 13]

Bis 1917 hatten alle Staaten der Great Plains außer Texas und Wyoming eigene Prohibitionsgesetze.[12] Für das landesweite Verbot war nach der Constitution Annotated am stärksten die 1893 gegründete Anti-Saloon League verantwortlich.[13] Der Kongress schlug den 18. Zusatzartikel zur US-Verfassung am 18. Dezember 1917 vor, ratifiziert war er am 16. Januar 1919, in Kraft trat er am 17. Januar 1920.[13] Der 21. Zusatzartikel hob ihn 1933 wieder auf. Kansas hielt bis 1948 an seinem Verbot fest, Oklahoma bis 1959.[11, 12]

Wann endete das Alkoholverbot für die Nationen?

Den größten Teil des Gesetzes von 1834 hob der Kongress nach einem Bericht des US-Senats 1953 auf, mit dem Gesetz zur Beseitigung bestimmter diskriminierender Gesetze gegen Indigene.[15] Seit dem 15. August 1953 gelten die Alkoholgesetze für das Indian Country nicht mehr für Geschäfte, die sowohl dem Recht des Bundesstaats entsprechen als auch einer Verordnung der Nation, die dort die Hoheit hat; das Innenministerium muss die Verordnung bestätigen und im Federal Register veröffentlichen.[14] Ohne eine solche Verordnung gelten die Verbote weiter; ob auf ihrem Land Alkohol verkauft werden darf, hängt also auch von der Nation ab.[14]

Ein Rest des alten Rechts blieb bis ins 21. Jahrhundert: das Brennereiverbot von 1834. Nach dem Senatsbericht bremste die Unsicherheit, ob der Bund es noch durchsetzen würde, Investitionen der Nationen; die Confederated Tribes of the Chehalis Reservation planten eine eigene Brennerei.[15] Aufgehoben wurde das Verbot mit dem Public Law 115-304 vom 11. Dezember 2018.[16]

Zeitleiste: Alkohol und Alkoholverbote im Westen

Zeitleiste: Alkohol und Alkoholverbote im Westen
  1. 04.01.1802Little Turtle (Mihšihkinaahkwa) von den Myaamia bittet Präsident Jefferson, den Verkauf von Branntwein an sein Volk zu verbieten.[1]
  2. 30.03.1802Ein Bundesgesetz ermächtigt den Präsidenten, Verkauf und Verteilung von Branntwein unter den Nationen zu verhindern.[1]
  3. 1832Erstes allgemeines Verbot: Alkohol darf nicht mehr in das Indian Country gebracht werden.[1]
  4. 1832Der Handelsposten Fort Union am oberen Missouri richtet eine Brennerei für Maiswhiskey ein.[3]
  5. 1833Die Regierung ordnet an, die Brennerei von Fort Union zu zerstören.[3]
  6. 30.06.1834Der Trade and Intercourse Act verbietet Verkauf und Einfuhr von Alkohol im Indian Country und dort jede Brennerei.[1, 15]
  7. 1859Theodore Weichselbaum betreibt eine der ersten Brauereien in Kansas.[9]
  8. 1869Händler aus Montana bauen nahe dem heutigen Lethbridge den Whiskeyposten Fort Whoop-Up.[5]
  9. 1873Kanada gründet die North-West Mounted Police; zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört es, den Whiskeyhandel zu beenden.[5]
  10. 1874Die Woman's Christian Temperance Union wird in den USA und in Kanada gegründet.[12]
  11. 1876Der Supreme Court bestätigt im Fall United States v. Forty-Three Gallons of Whiskey das Alkoholverbot in einem abgetretenen Gebiet der Chippewa.[6]
  12. November 1880Die Wähler in Kansas nehmen das Alkoholverbot in die Verfassung auf; es gilt ab dem 1. Mai 1881.[11]
  13. 1883In Fort Laramie öffnet eine Bar auf dem Posten, damit die Soldaten nicht in die hog ranches gehen.[8]
  14. 1889North Dakota wird als erster Staat mit einem Alkoholverbot in die Union aufgenommen.[12]
  15. 23.07.1892Ein Bundesgesetz nennt Ale, Bier und Wein ausdrücklich im Alkoholverbot für Indigene.[1]
  16. 1907Oklahoma wird als Staat ohne Alkohol aufgenommen; in Kansas beginnt die wirksame Durchsetzung des Verbots.[11, 12]
  17. 17.01.1920Der 18. Zusatzartikel tritt in Kraft: Alkoholverbot in den ganzen USA.[13]
  18. 1933Der 21. Zusatzartikel hebt die landesweite Prohibition auf.[12]
  19. 1948Kansas beendet sein Alkoholverbot im ganzen Bundesstaat.[11]
  20. 15.08.1953Ein Bundesgesetz erlaubt Alkohol im Indian Country, wenn Recht des Bundesstaats und eine Verordnung der Nation es zulassen.[14]
  21. 1959Oklahoma hebt sein Alkoholverbot auf.[12]
  22. 11.12.2018Public Law 115-304 hebt das Brennereiverbot für das Indian Country von 1834 auf.[16]

Mythos und Wahrheit

Mehr zum Leben in der Westernstadt

Häufige Fragen

Was tranken die Menschen im Wilden Westen?

Getrunken wurden Whiskey und Bier. In Kansas brauten deutsche Einwanderer Bier, Theodore Weichselbaum betrieb dort 1859 eine der ersten Brauereien. In der Bar von Fort Laramie gab es ab 1883 Bier, aber keinen Schnaps ohne ärztliche Anordnung.

War Alkohol für Indigene verboten?

Verboten war vor allem der Handel. Seit 1832 durfte kein Alkohol in das Indian Country gebracht werden, seit 1834 war dort auch der Verkauf an Indigene strafbar. Wer ihn kaufte, beging nach Cohen offenbar keine Straftat. Das Verbot des Bundes galt im Kern bis 1953. Seitdem ist Alkohol im Indian Country erlaubt, wenn das Recht des Bundesstaats und eine Verordnung der jeweiligen Nation es zulassen.

Was war Fort Whoop-Up?

Fort Whoop-Up war ein Handelsposten nahe dem heutigen Lethbridge in Kanada, den Händler aus Montana 1869 bauten. Sie verkauften dort vor allem Whiskey und Repetiergewehre. Der Whiskey richtete bei den Blackfoot großen Schaden an; die 1873 gegründete North-West Mounted Police sollte den Handel beenden.

Seit wann gab es in Kansas ein Alkoholverbot?

Die Wähler in Kansas nahmen im November 1880 einen Verfassungszusatz an, der Herstellung und Verkauf berauschender Getränke verbot. Er galt ab dem 1. Mai 1881. Wirksam durchgesetzt wurde er erst ab 1907, aufgehoben 1948.

Was bedeutet "Feuerwasser"?

Feuerwasser ist ein verhüllendes, scherzhaftes Wort für Branntwein. Es entspricht dem englischen "firewater", das Merriam-Webster seit 1817 belegt und auf ein Wort aus dem Ojibwe oder einer verwandten Algonkin-Sprache zurückführt.

Was war eine "hog ranch"?

So hießen Lokale mit Bar, Kartentischen und Bordell, die nach dem National Park Service in der Nähe der meisten Armeeposten an der Frontier entstanden. Um die Soldaten davon fernzuhalten, erlaubte der Kommandant von Fort Laramie 1883 eine Bar auf dem Posten.

Wann endete die Prohibition?

Der 18. Zusatzartikel zur US-Verfassung trat am 17. Januar 1920 in Kraft und wurde 1933 aufgehoben. Kansas blieb bis 1948 bei seinem eigenen Verbot, Oklahoma bis 1959. Das Verbot des Bundes für das Indian Country wurde 1953 weitgehend aufgehoben.

Quellen

  1. Amtliche Stelle Felix S. Cohen: Handbook of Federal Indian Law, Kapitel 17: Indian Liquor Laws. United States Government Printing Office; Digitalisat University of Oklahoma Law Center Library. Stand 1941 (Druck 1945). abgerufen am 25.10.2026
  2. Tribal Nation George Ironstrack: Mihšihkinaahkwa: A Brief Biography of 'Little Turtle'. Aacimohtaatiiyankwi, Myaamia Center (Miami University) und Cultural Resources Office der Miami Tribe of Oklahoma. Stand 20.01.2020. abgerufen am 25.10.2026
  3. Amtliche Stelle North Dakota: Fort Union Trading Post National Historic Site. National Park Service. Stand 13.05.2020. abgerufen am 25.10.2026
  4. Amtliche Stelle Ray H. Mattison: The Upper Missouri Fur Trade: Its Methods of Operation (Nachdruck aus Nebraska History, Bd. 42, Nr. 1). National Park Service, Historical Handbook. Stand März 1961 (Onlinefassung 2004). abgerufen am 25.10.2026
  5. Amtliche Stelle Hugh A. Dempsey: Treaty Research Report, Treaty Seven (1877). Indian and Northern Affairs Canada, Treaties and Historical Research Centre; Crown-Indigenous Relations and Northern Affairs Canada. Stand 1987 (Seite geändert 15.09.2010). abgerufen am 25.10.2026
  6. Primärquelle United States v. Forty-Three Gallons of Whiskey, 93 U.S. 188. Supreme Court of the United States; Ausgabe Legal Information Institute, Cornell Law School. Stand October Term 1876. abgerufen am 25.10.2026
  7. Nachschlagewerk Emmett Dalton (Kansapedia). Kansas Historical Society. Stand Februar 2013. abgerufen am 25.10.2026
  8. Amtliche Stelle Soldiers Bar at Fort Laramie. National Park Service, Fort Laramie National Historic Site. Stand 27.03.2025. abgerufen am 25.10.2026
  9. Museum Sinners and Saints, Part 02: Alcohol (Online-Ausstellung Vice and Reform in Kansas). Kansas Historical Society, Kansas Museum of History. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  10. Museum Sinners and Saints, Part 03: Agitate, Educate, Organize! (Online-Ausstellung Vice and Reform in Kansas). Kansas Historical Society, Kansas Museum of History. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  11. Nachschlagewerk Prohibition (Kansapedia). Kansas Historical Society. Stand Februar 2023. abgerufen am 25.10.2026
  12. Nachschlagewerk K. Austin Kerr: Temperance Movement (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 25.10.2026
  13. Amtliche Stelle Amdt21.S1.2.1 The Eighteenth Amendment and Prohibition (Constitution Annotated). Congressional Research Service; Ausgabe Legal Information Institute, Cornell Law School. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  14. Gesetz und Vertrag 18 U.S. Code § 1161: Application of Indian liquor laws (Gesetz vom 15. August 1953, 67 Stat. 586, geändert 1984). U.S. Code; Ausgabe Legal Information Institute, Cornell Law School. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  15. Amtliche Stelle Senate Report 115-363: An Act to repeal section 2141 of the Revised Statutes to remove the prohibition on certain alcohol manufacturing on Indian lands. U.S. Senate, Committee on Indian Affairs; U.S. Government Publishing Office. Stand 14.11.2018. abgerufen am 25.10.2026
  16. Gesetz und Vertrag Public Law 115-304 (H.R. 5317), 132 Stat. 4401. U.S. Congress; U.S. Government Publishing Office. Stand 11.12.2018. abgerufen am 25.10.2026
  17. Nachschlagewerk firewater (Definition und Etymologie). Merriam-Webster. Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  18. Nachschlagewerk Feuerwasser (Bedeutung nach eWDG 1967). Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Stand ohne Datum. abgerufen am 25.10.2026
  19. Gesetz und Vertrag An Act to provide for the appointment of a commissioner of Indian Affairs, and for other purposes (Act of July 9, 1832, ch. 174, Sec. 4, 4 Stat. 564). Library of Congress, Law Library, Statutes at Large, 22nd Congress, 1st Session. Stand 9. Juli 1832. abgerufen am 25.10.2026

Fehler entdeckt? Hinweis an die Redaktion. Jeder Hinweis wird an der Quelle geprüft.

Passt dazu