GlossarBegriff
Revolverheld im Wilden Westen
Kurz erklärt Revolverheld ist ein abwertendes Wort für einen Mann, der leicht in Streit gerät und bedenkenlos schießt; im Englischen heißen die Männer des Wilden Westens gunslinger oder gunfighter. Zweikämpfe Auge in Auge wie der zwischen Wild Bill Hickok und Davis Tutt am 21. Juli 1865 in Springfield waren selten. Nach dem National Cowboy & Western Heritage Museum brach Gewalt meist bei Streit unter Betrunkenen, beim Glücksspiel oder aus dem Hinterhalt aus.

Was ist ein Revolverheld?
Revolverheld ist im Deutschen ein abwertendes Wort. Der Duden versteht darunter einen Mann, der sich leicht in Streitereien verwickelt und dann bedenkenlos um sich schießt.[2] Das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache von 1974, heute im DWDS, spricht von einem großsprecherischen Raufbold, der gewissenlos mit dem Revolver umgeht. Als Beispiel nennt es die rücksichtslos mordenden Revolverhelden in den Wildwestfilmen; als bedeutungsverwandt führt das DWDS Pistolero.[1]
Für die Männer des historischen Westens hat das Englische zwei Wörter. Ein gunslinger ist nach Merriam-Webster jemand, der für Schnelligkeit und Geschick im Umgang mit der Schusswaffe bekannt ist, besonders im amerikanischen Westen.[4] Ein gunfighter wurde durch Schießereien bekannt oder durch sein Können darin.[5] Roger D. McGrath schreibt in der Encyclopedia of the Great Plains, manche dieser Männer hätten den größten Teil ihres Erwachsenenlebens auf der Seite des Gesetzes gestanden, wenige seien ganz außerhalb des Gesetzes geblieben. Viele bewegten sich nach ihm in einer Grauzone, die aus der Reconstruction nach dem Bürgerkrieg entstand, aus Fehden unter Ranchern oder aus politischen Lagern, die ihre Gegner zu Verbrechern erklärten.[6]
Woher kommt das Wort Revolverheld?
Das Wort ist aus Revolver und Held zusammengesetzt.[1] Revolver, die Pistole mit drehbarer Trommel, kam nach dem Etymologischen Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche. Es ist von englisch to revolve abgeleitet, sich drehen, und geht auf lateinisch revolvere zurück, zurückrollen.[3]
Das englische gunslinger ist laut Merriam-Webster seit 1875 belegt.[4] Zur Zeit der Rinderstädte in Kansas, deren gewaltsame Todesfälle Robert R. Dykstra für die Jahre 1870 bis 1885 zählt, gab es das Wort gunfighter nach seinen Angaben noch nicht; die bekannten Revolvermänner hießen damals "bad men", schlimme Männer.[7]
Revolverhelden im Wilden Westen: was belegt ist
McGrath nennt Namen wie Jack Slade, Wild Bill Hickok, John Wesley Hardin, Bill Longley, Clay Allison, Kid Curry, Ben Thompson, Luke Short und Billy the Kid. Solche Männer waren in den Great Plains von Texas und New Mexico bis in die Dakotas und nach Montana unterwegs. Die Zahl ihrer Kämpfe und Toten ist nach McGrath teils maßlos übertrieben, teils stark unterschätzt worden.[6] Wie viele Gegner einzelne von ihnen töteten, geben die Quellen verschieden an.[6, 9, 12]
| Name | Angabe | Quelle |
|---|---|---|
| Wild Bill Hickok | sieben Männer, ohne Bürgerkrieg und Kämpfe gegen indigene Gruppen | Encyclopedia of the Great Plains[6] |
| Wild Bill Hickok | 100 Männer, eine übertriebene Behauptung Hickoks, die Henry Morton Stanley 1867 im New York Herald als Tatsache meldete | Britannica[9] |
| John Wesley Hardin | mindestens elf oder zwölf | Encyclopedia of the Great Plains[6] |
| John Wesley Hardin | mehr als 30 Kerben an seiner Waffe | Handbook of Texas[12] |
| Bill Longley, Jim Miller | je mindestens elf oder zwölf | Encyclopedia of the Great Plains[6] |
| Kid Curry (Harvey Logan) | neun | Encyclopedia of the Great Plains[6] |
| Billy the Kid | sechs oder sieben, nach manchen bis zu neun | Encyclopedia of the Great Plains[6] |
Das Handbook of Texas schließt aus Hardins mehr als 30 Kerben, dass nie ein gefährlicherer Revolvermann in Texas unterwegs war.[12]
Die Kämpfe selbst liefen ganz unterschiedlich ab. Manche glichen nach McGrath fast förmlichen Ehrenhändeln, andere waren Schlägereien Betrunkener im Saloon oder Schießereien mit mehreren Beteiligten, und einige wenige liefen auf eine Hinrichtung hinaus, weil der Gegner nicht auf der Hut war.[6] Nach dem Podcast des National Cowboy & Western Heritage Museum brach Gewalt im Westen meist bei Streit unter Betrunkenen, beim Glücksspiel oder bei Überraschungsangriffen aus.[10] Für die fünf großen Rinderstädte in Kansas zählt Dykstra von 1870 bis 1885 insgesamt 45 gewaltsam gestorbene Erwachsene, Tötungen durch die Polizei eingeschlossen. Niemand starb dort in einem Duell, wie Hollywood es zeigt. Weniger als ein Drittel der Opfer schoss zurück, und auf die bekannten "bad men" gingen nur wenige dieser Toten zurück.[7]
Wenige belegte Zweikämpfe
Ein Zweikampf, der dem Bild aus dem Western nahekommt, fand am 21. Juli 1865 in Springfield in Missouri statt. Hickok und Davis K. Tutt hatten am Abend zuvor beim Poker gestritten, und Tutt hatte Hickoks goldene Taschenuhr als Pfand für eine angebliche Schuld genommen. Am nächsten Tag blieben beide auf dem Platz stehen, nach dem History Museum on the Square in etwa 75 Yards Abstand, rund 69 Metern. Nach Zeugen zog Tutt zuerst; Hickok stützte die Pistole auf seinen Arm und traf ihn in die Brust.[8] Roger D. McGrath schreibt dagegen, beide hätten plötzlich gezogen und geschossen.[6] Nach einem dreitägigen Prozess sprachen die Geschworenen Hickok vom Vorwurf des Totschlags frei.[8] Ausführlich schildert den Fall die Seite Gab es im Wilden Westen wirklich Duelle? Das National Cowboy & Western Heritage Museum sieht in dem Kampf das Vorbild fast aller erfundenen Schießereien danach.[10]
Am 8. Februar 1887 erschoss Luke Short in Fort Worth Jim Courtright, der zuvor Marshal der Stadt gewesen war. Das Handbook of Texas zählt den Kampf zu den berühmtesten Schießereien des Westens und, entgegen den Filmlegenden, zu den wenigen, bei denen sich die Gegner Auge in Auge gegenüberstanden.[11] Weitere Fälle stehen auf der Seite Die berühmtesten Schießereien. Wer am schnellsten zog, lässt sich nur schätzen: Nach Ansicht der meisten Kenner, so das Handbook, waren Courtright und Clay Allison schneller als Hickok, Wyatt Earp und Bat Masterson.[11]
Wie Revolverhelden starben
Die meisten starben selbst gewaltsam. Nach McGrath wurden Hickok, Billy the Kid, Hardin, John Selman, Kid Curry, Dallas Stoudenmire und Ben Thompson erschossen, Longley und Miller gehängt. Ein hohes Alter erreichten wenige: Earp wurde 80 Jahre alt, und auch Bat Masterson starb eines natürlichen Todes.[6] Hickok saß am 2. August 1876 in Deadwood beim Pokerspiel im Saloon, ausnahmsweise mit dem Rücken zur Tür, als Jack McCall ihn von hinten erschoss.[9] Hardin wurde am 19. August 1895 im Acme Saloon von Constable John Selman erschossen und in El Paso begraben.[12]

Mythos und Wahrheit
Mythos
Revolverhelden stellten sich ihren Gegnern fair Mann gegen Mann.
- 21.07.1865Wild Bill Hickok erschießt auf dem Platz von Springfield in Missouri Davis K. Tutt; der Kampf gilt als Vorbild der schnellen Revolverduelle im Western.[8] Wild Bill Hickok
- 02.08.1876Jack McCall erschießt Wild Bill Hickok in Deadwood beim Pokerspiel von hinten.[9] Wild Bill Hickok
- 08.02.1887Luke Short erschießt in Fort Worth Jim Courtright, in einer der wenigen Schießereien Auge in Auge.[11]
- 19.08.1895Constable John Selman erschießt John Wesley Hardin im Acme Saloon.[12] John Wesley Hardin
Revolverhelden im Western
Hickoks Ruf verbreiteten Zeitschriften und Groschenhefte. Laut Britannica wurde er durch den Bericht von George Ward Nichols in Harper's New Monthly Magazine vom Februar 1867 über Nacht zur Legende, und seine Schießkünste wurden Stoff für Dime Novels. Er war einer der frühen "Helden des Westens", die diese Hefte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert bekannt machten.[9] Romanautoren und Filmemacher haben nach dem National Park Service auch das Bild des einsamen Gesetzeshüters wirksam ausgeschlachtet; die Wirklichkeit sei deshalb wenig bekannt.[13]
Das Wort gunfighter steht im Titel eines Western von Henry King: "The Gunfighter" (USA 1950). Britannica zählt ihn zu den ernsthaften Western der 1950er Jahre, die ihre Hauptfiguren als vielschichtige und fehlbare Menschen zeigten.[14] Gregory Peck spielt nach dem AFI Catalog Jimmie Ringo, der in den 1880er Jahren als schnellster Schütze des Südwestens gilt. Er ist das Töten leid, doch in einem Saloon fordert ihn ein junger Angeber heraus, zieht, und Ringo muss ihn erschießen.[15] Nach dem Podcast des Cowboy-Museums übernahmen Romanautoren, Filmemacher und Fernsehwestern die Schießerei von Springfield als Vorlage, bis hin zum Mann ohne Namen, den Clint Eastwood spielte.[10]
Verwandte Begriffe
- Showdown und High Noon
- Desperado
- Sheriff im Wilden Westen und US Marshal
- Recht und Ordnung von A bis Z und Waffen von A bis Z
- Gab es im Wilden Westen wirklich Duelle?
- Die berühmtesten Schießereien und die Schießerei am O.K. Corral
- Die bekanntesten Outlaws und Berühmte Sheriffs und Marshals
- Colt Single Action Army und Waffen des Wilden Westens
- Gab es das wirklich? Mythen und Wahrheit
Häufige Fragen
Was ist ein Revolverheld?
Ein abwertendes Wort für einen Mann, der leicht in Streit gerät und dann bedenkenlos schießt, so der Duden. Für die Männer des Wilden Westens, die für ihren Umgang mit dem Revolver bekannt waren, steht im Englischen gunslinger oder gunfighter.
Wer war der gefährlichste Revolverheld?
Eine feste Rangfolge gibt es nicht. Die Encyclopedia of the Great Plains nennt John Wesley Hardin, Bill Longley und Jim Miller mit je mindestens elf oder zwölf Getöteten. Das Handbook of Texas schreibt Hardin mehr als 30 Kerben an seiner Waffe zu und hält ihn für den gefährlichsten Revolvermann, der je in Texas unterwegs war.
Wer war der schnellste Revolverheld?
Das lässt sich nur schätzen. Nach dem Handbook of Texas waren nach Ansicht der meisten Kenner Jim Courtright und Clay Allison schneller als Wild Bill Hickok, Wyatt Earp und Bat Masterson.
Woher kommt das Wort Revolverheld?
Es ist aus Revolver und Held zusammengesetzt. Das Wort Revolver kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche. Das englische gunslinger ist seit 1875 belegt; nach Robert R. Dykstra gab es gunfighter zur Zeit der Rinderstädte in Kansas noch nicht.
Wie starben die meisten Revolverhelden?
Gewaltsam. Hickok, Billy the Kid, Hardin, Kid Curry, Dallas Stoudenmire und Ben Thompson wurden erschossen, Bill Longley und Jim Miller gehängt. Wyatt Earp wurde 80 Jahre alt, und auch Bat Masterson starb eines natürlichen Todes.
Quellen
- Nachschlagewerk Revolverheld (Bedeutung nach eWDG 1974). Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Nachschlagewerk Revolverheld (Rechtschreibung und Bedeutung). Duden online, Bibliographisches Institut. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Nachschlagewerk Revolver (Etymologie nach Wolfgang Pfeifer). Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Nachschlagewerk gunslinger (Wörterbucheintrag mit First Known Use). Merriam-Webster. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Nachschlagewerk gunfighter (Wörterbucheintrag). Merriam-Webster. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Nachschlagewerk Roger D. McGrath: Gunslingers. Encyclopedia of the Great Plains, University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026
- Nachschlagewerk Robert R. Dykstra: Cattle Towns. Encyclopedia of the Great Plains, University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026
- Museum Wild Bill Hickok: Bringing the Dueling Wild West to Springfield, Missouri. History Museum on the Square, Springfield. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Nachschlagewerk Joseph J. Di Certo: Wild Bill Hickok. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
- Museum This Week in the West, Episode 90: Wild Bill Hickok and the Original Wild West Gunfight (Mike Koehler). National Cowboy & Western Heritage Museum. Stand 20.07.2026. abgerufen am 27.10.2026
- Nachschlagewerk Carol E. Williams: Courtright, Timothy Isaiah (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1994, überarbeitet 19.09.2019. abgerufen am 27.10.2026
- Nachschlagewerk Leon C. Metz: Hardin, John Wesley (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1976, überarbeitet 22.03.2022. abgerufen am 27.10.2026
- Amtliche Stelle U.S. Marshals and Deputy Marshals for the Western District of Arkansas. National Park Service, Fort Smith National Historic Site. Stand 10.04.2015. abgerufen am 27.10.2026
- Nachschlagewerk western (Erzählgattung in Literatur und Film). Encyclopaedia Britannica, Britannica Editors. Stand 17.10.2026. abgerufen am 27.10.2026
- Filmdatenbank The Gunfighter (1950), AFI Catalog of Feature Films. American Film Institute. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
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Alexander Müller Gründer und Herausgeber von Wilder-Westen.org
Alexander Müller hat Wilder-Westen.org gegründet und gibt es heraus. Er lebt in Bertingen in Sachsen-Anhalt, führt dort SEO NW und verantwortet Redaktion, Technik und Gestaltung.
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