WesternFilm
Leichen pflastern seinen Weg (1968)
Kurz erklärt Leichen pflastern seinen Weg, im Original Il grande silenzio, ist ein italienisch-französischer Italowestern von Sergio Corbucci aus dem Jahr 1968. Jean-Louis Trintignant spielt den stummen Revolvermann Silence, Klaus Kinski den Kopfgeldjäger Loco. Die Handlung spielt 1898 in den verschneiten Bergen von Utah, gedreht wurde bei Cortina d'Ampezzo in den Dolomiten.

Worum geht es in Leichen pflastern seinen Weg?
Der Film spielt im Jahr 1898 in den verschneiten Bergen von Utah.[2] Bei dem Ort Snow Hill verstecken sich Gesetzlose, die laut Filmdienst unter dem Druck der sozialen Verhältnisse zu Räubern geworden sind. Filmstarts schreibt, sie stehlen in einem harten Winter, um nicht zu verhungern.[2, 3, 8] Sie warten auf eine Amnestie. Gejagt werden sie von Kopfgeldjägern, die Pollicut in die Gegend holt, um an den Belohnungen mitzuverdienen. Senses of Cinema nennt Pollicut einen Bankier. Das Trento Film Festival schreibt von einem Geldverleiher, der die Leute erst zu Gesetzlosen gemacht habe.[3, 4]
Der gefährlichste der Kopfgeldjäger ist Loco. Er erschießt Gesuchte lieber, als sie festzunehmen, und trägt jedes Opfer in ein kleines Buch ein.[3, 8, 10] Nachdem Loco einen Gesuchten getötet und das Kopfgeld kassiert hat, holt dessen Witwe Pauline den stummen Revolvermann Silence, der ihren Mann rächen soll.[3, 8] Silence ist seit seiner Kindheit stumm, laut Filmstarts haben ihm die Mörder seines Vaters die Kehle durchgeschnitten.[8, 9] Er tötet für Geld, steht aber auf der Seite der Verfolgten und schießt nie als Erster.[3]
Neben Silence kommt laut den Festivaltexten aus Trento und Turin auch ein Beauftragter der Regierung in die Gegend.[4, 5] Den Sheriff Burnett zeichnet Senses of Cinema als unbeholfene Figur, die Loco ohne große Mühe aus dem Weg räumt. Zwischen Silence und Pauline entsteht eine Liebesbeziehung über die Hautfarbe hinweg, die die Zeitschrift zu den subversiven Zügen des Films zählt.[3]
Wie endet Leichen pflastern seinen Weg?
Achtung, Schluss: Dieser Abschnitt verrät, wie die Geschichte ausgeht.
Im Ort kommt es zum letzten Kampf. Silence stellt sich gegen die Kopfgeldjäger und unterliegt laut Filmdienst ihrer Übermacht.[2] Silence tritt laut Senses of Cinema verletzt und in der Unterzahl an. Der Regisseur Alex Cox, den die Zeitschrift zitiert, hält seinen Tod für ehrenhaft, gerade weil er vorher weiß, dass er verlieren wird. Am Ende sind alle Guten tot, die Kopfgeldjäger haben gesiegt, und Loco will die Toten später holen, ganz legal. Ein Schrifttitel soll das Publikum zum Schluss beruhigen, dass das Blutvergießen nicht umsonst war; überzeugend findet Senses of Cinema das nicht.[3]
Gedreht wurde auch ein anderer Schluss. Laut Filmdienst sah der Produzent ein Happy End für Asien und Nordafrika vor: Der Sheriff taucht auf, erschießt Loco und gemeinsam mit Silence die ganze Bande, die Geiseln kommen frei. Die deutsche DVD von Kinowelt zeigt das Bildmaterial als Extra, ohne Ton.[2] Nach Senses of Cinema verlangten und bekamen Verleiher in Asien und Nordafrika dieses Ende.[3] Die Cinematheque der University of Wisconsin beschreibt zwei Varianten, eine mit dem überlebenden Sheriff und eine aus vorhandenem Material neu geschnittene, die nahelegt, dass Pauline und die Geiseln verschont werden. Laut den meisten Quellen, so die Cinematheque, lief keine davon je vor Publikum.[6] Eine englische Kopie mit beiden von Corbucci geplanten Enden besitzt laut dem Torino Film Festival das Filmmuseum München.[5]
Wer spielt in Leichen pflastern seinen Weg mit?
Den stummen Silence spielt Jean-Louis Trintignant, den Kopfgeldjäger Loco Klaus Kinski. Frank Wolff ist Sheriff Burnett, Luigi Pistilli spielt Pollicut und Vonetta McGee die Witwe Pauline.[1, 2] Trintignant kam laut Senses of Cinema gerade vom weltweiten Erfolg mit Claude Lelouchs Un homme et une femme (1966). Weil er kein Italienisch sprach, schrieb Corbucci die Figur stumm, statt ihn synchronisieren zu lassen.[3] Film Forum in New York schreibt, Trintignant habe die Rolle angenommen, weil er keinen Text lernen musste.[9] Für die afroamerikanische Schauspielerin Vonetta McGee war es laut Senses of Cinema die erste Filmrolle.[3]
Die Namen der Figuren unterscheiden sich je nach Quelle: filmportal.de führt Kinskis Rolle als Loco und als Tigrero. Das Torino Film Festival nennt die Namen Tigrero, Gordon genannt Silenzio, Gedeon Corbett und Henry Podik.[1, 5]
| Darsteller | Rolle |
|---|---|
| Jean-Louis Trintignant | Silence[1] |
| Klaus Kinski | Loco, Tigrero[1] |
| Frank Wolff | Sheriff Burnett[1] |
| Luigi Pistilli | Pollicut[1] |
| Mario Brega | Charlie, Martin[1] |
| Vonetta McGee | Pauline[1] |
| Marisa Merlini | Regina[1] |
Wie entstand Leichen pflastern seinen Weg?
Produziert haben den Film die Adelphia Compagnia Cinematografica in Rom und Les Films Corona in Paris, als Produzenten nennt der Filmdienst Attilio Riccio und Robert Dorfmann.[1, 2] Die Geschichte stammt von Sergio Corbucci. Das Drehbuch schrieb er mit Bruno Corbucci, Mario Amendola und Vittoriano Petrilli, Kameramann war Silvano Ippoliti.[1, 2]
Corbucci galt damals laut Senses of Cinema in Italien als ebenso einflussreich für den Italowestern wie Sergio Leone. Sein dritter Western, Django (1966), hatte Franco Nero zum Star gemacht.[3] Den düsteren Ton erklärt die Zeitschrift auch mit Corbuccis Verzweiflung über die Morde an Malcolm X und Che Guevara. Film at Lincoln Center nennt den Film eine Allegorie gegen den Kapitalismus, beeinflusst von beiden Todesfällen.[3, 10] Mit dem Winter als Schauplatz erwies Corbucci laut Senses of Cinema älteren Western im Schnee die Ehre, etwa Track of the Cat (1954), Day of the Outlaw (1959) und John Fords Cheyenne Autumn (1964). Ein weiterer Grund sei gewesen, dass er während der Dreharbeiten in den nahen Dolomiten Ski fahren wollte.[3]
Die Musik von Ennio Morricone
Die Musik schrieb Ennio Morricone, dirigiert hat sie Bruno Nicolai.[1] Für Loco komponierte Morricone laut Senses of Cinema ein trillerndes, knisterndes Trompetenmotiv, das an Igor Strawinskys Geschichte vom Soldaten erinnert.[3]
Wo wurde Leichen pflastern seinen Weg gedreht?
Gedreht wurde laut filmportal.de in der Umgebung von Cortina d'Ampezzo und in den Studios von Elios Film in Rom.[1] Das Trento Film Festival nennt für die Außenaufnahmen vier Orte in den Dolomiten: Auronzo di Cadore, Misurina, Cortina d'Ampezzo und San Cassiano in Badia.[4] Laut der Cinematheque der University of Wisconsin mied Corbucci damit die sonnenverbrannten Drehorte anderer Italowestern und setzte auf die verschneiten Berge Italiens.[7] Die Schneewehen im Ort Snow Hill waren laut Senses of Cinema aus Rasierschaum.[3]
| Drehort | Land | Was dort entstand |
|---|---|---|
| Cortina d'Ampezzo und Umgebung | Italien | Außenaufnahmen[1, 4] |
| Auronzo di Cadore und Misurina | Italien | Außenaufnahmen[4] |
| San Cassiano in Badia | Italien | Außenaufnahmen[4] |
| Elios Film, Rom | Italien | Studioaufnahmen[1] |

Wie viel Wahrheit steckt in Leichen pflastern seinen Weg?
Eine historische Vorlage nennt keine der Quellen, die Geschichte stammt laut filmportal.de von Sergio Corbucci.[1] Film at Lincoln Center sieht im Film die Kämpfe der 1960er Jahre, verlegt in das Utah der Jahrhundertwende. Für die Cinematheque der University of Wisconsin zeigt er ein kapitalistisches Amerika, in dem Mord Geld bedeutet.[7, 10] Der Filmdienst erkennt sozialkritische Bezüge, die der Film mit seinen Gewaltexzessen aber selbst in Frage stelle.[2]
Wie Festnahmen bezahlt wurden, zeigt das Beispiel des Bundesgerichts in Fort Smith: Seine Hilfsmarshals (deputy marshals) bekamen laut National Park Service nach dem Gebührensatz von 1894 kein festes Gehalt, sondern Gebühren: 2 Dollar je Festnahme, gleich für welches Verbrechen, dazu 6 Cent je Meile auf dem Hinweg und 10 Cent je Meile für sich und jeden Gefangenen auf dem Rückweg. Wer niemanden festnahm, bekam nichts. Tötete ein Hilfsmarshal einen Verdächtigen bei der Festnahme, musste er ihn auf eigene Kosten begraben, wenn sich keine Angehörigen oder Freunde fanden.[11] Belohnungen setzten Behörden der Bundesstaaten und Gemeinden, Privatleute sowie Bahn- und Expressgesellschaften aus; Belohnungen der Bundesregierung durften die Hilfsmarshals nicht annehmen. Ein festes Gehalt bekamen sie erst um die Jahrhundertwende.[11]
Eine Verbindung zum Film stellt keine der Quellen her, doch Verstecke von Gesetzlosen gab es in Utah wirklich: Die Bande um Butch Cassidy, die er 1896 gründete und die als Wild Bunch bekannt wurde, nutzte laut WyoHistory unter anderem Robbers Roost in Utah. Gejagt wurde sie von Kopfgeldjägern, Gesetzeshütern und Detektiven der Agentur Pinkerton.[12]
Mythos und Wahrheit
Mythos
Leichen pflastern seinen Weg erzählt eine wahre Geschichte aus Utah.
Was belegt ist
Die Geschichte stammt von Sergio Corbucci, eine historische Vorlage nennt keine Quelle. Belegt ist nur der Hintergrund: Die Bande um Butch Cassidy, die 1896 entstand, nutzte auch Verstecke in Utah, und Hilfsmarshals des Bundes bekamen nach den Sätzen von 1894 Gebühren statt eines festen Gehalts, 2 Dollar je Festnahme.[1, 11, 12]

Wie wurde Leichen pflastern seinen Weg aufgenommen?
Die Uraufführung in Frankreich war laut filmportal.de am 27. Januar 1969 in Paris. In der Bundesrepublik gab die FSK den Film am 3. Februar 1969 ab 18 Jahren frei, am 21. Februar 1969 kam er im Verleih der Centfox in die Kinos.[1, 2] Das Lexikon des internationalen Films lobt die Inszenierung "mit zwingender Konsequenz", sieht die sozialkritischen Bezüge aber durch die Brutalität in Frage gestellt.[2] Im Fernsehen lief der Film erstmals am 25. März 1988 bei SAT 1. Auf der DVD von Kinowelt ist er laut Filmdienst in Deutschland erstmals ungeschnitten zu sehen.[2]
In den USA kam der Film lange nicht heraus. Laut Senses of Cinema weigerte sich der Produzent Darryl F. Zanuck nach einer Vorführung, ihn in den USA oder in England herauszubringen; zu sehen war er in den USA erst 2001 auf DVD.[3] Die Cinematheque der University of Wisconsin schreibt, 20th Century Fox habe 1969 die Rechte für Nordamerika gekauft und angeblich eine Neuverfilmung mit Clint Eastwood erwogen. Zanuck fand den Film zu düster für das amerikanische Kinopublikum.[6] Einen offiziellen Start in den USA bekam er laut der Cinematheque erst 50 Jahre nach seinem Erscheinen in Europa.[7]
Eine Restaurierung zum 50. Jahrestag zeigte das Trento Film Festival 2018 als italienische Premiere. Die Festivaltexte aus Trento und Turin zählen den Film zu den besten politischen Italowestern.[4, 5] Senses of Cinema sieht seinen Einfluss bei Alex Cox und in Quentin Tarantinos The Hateful Eight (2015).[3]
- 27.01.1969Uraufführung in Frankreich, in Paris.[1]
- 03.02.1969Prüfung durch die FSK, freigegeben ab 18 Jahren.[1]
- 21.02.1969Kinostart in der Bundesrepublik im Verleih der Centfox.[1, 2]
- 25.03.1988Erste Ausstrahlung im deutschen Fernsehen bei SAT 1.[2]
- 2001Erste Veröffentlichung in den USA, auf DVD.[3]
- 25.09.2001DVD-Veröffentlichung in Deutschland.[2]
- 2018Das Trento Film Festival zeigt eine Restaurierung zum 50. Jahrestag als italienische Premiere.[4]
Häufige Fragen
Wo wurde Leichen pflastern seinen Weg gedreht?
Laut filmportal.de in der Umgebung von Cortina d'Ampezzo und in den Studios von Elios Film in Rom. Das Trento Film Festival nennt für die Außenaufnahmen vier Orte in den Dolomiten: Auronzo di Cadore, Misurina, Cortina d'Ampezzo und San Cassiano in Badia.
Wer spielt in Leichen pflastern seinen Weg mit?
Jean-Louis Trintignant spielt den stummen Silence, Klaus Kinski den Kopfgeldjäger Loco. Frank Wolff ist Sheriff Burnett, Luigi Pistilli Pollicut und Vonetta McGee die Witwe Pauline.
Warum spricht Silence im Film nicht?
Im Film ist Silence seit seiner Kindheit stumm, weil ihm Mörder die Kehle durchgeschnitten haben. Laut Senses of Cinema schrieb Sergio Corbucci die Figur stumm, weil Jean-Louis Trintignant kein Italienisch sprach.
Beruht Leichen pflastern seinen Weg auf einer wahren Geschichte?
Eine historische Vorlage nennt keine der Quellen dieser Seite, die Geschichte stammt laut filmportal.de von Sergio Corbucci. Laut Senses of Cinema prägten die Morde an Malcolm X und Che Guevara den düsteren Ton. Wie Festnahmen im Westen bezahlt wurden, erklärt die Seite über Kopfgeldjäger.
Wer hat die Musik zu Leichen pflastern seinen Weg geschrieben?
Ennio Morricone, dirigiert hat Bruno Nicolai. Für den Kopfgeldjäger Loco schrieb Morricone laut Senses of Cinema ein trillerndes Trompetenmotiv.
Wie lang ist Leichen pflastern seinen Weg?
Filmdienst und filmportal.de geben 105 Minuten an, filmportal.de dazu 2.882 Meter Film. Die FSK gab ihn am 3. Februar 1969 ab 18 Jahren frei.
Wann kam Leichen pflastern seinen Weg in die deutschen Kinos?
Am 21. Februar 1969 im Verleih der Centfox. Die Uraufführung in Frankreich war laut filmportal.de am 27. Januar 1969 in Paris, im deutschen Fernsehen lief der Film erstmals am 25. März 1988 bei SAT 1.
Quellen
- Filmdatenbank Il grande silenzio (Leichen pflastern seinen Weg), Filmdatenbank. filmportal.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- Filmdatenbank Leichen pflastern seinen Weg, Lexikon des internationalen Films. filmdienst.de. Stand Aktualisiert am 13.12.2023. abgerufen am 26.10.2026
- Fachaufsatz Brad Weismann: The Great Silence (Sergio Corbucci, 1968), CTEQ Annotations on Film. Senses of Cinema, Ausgabe 87. Stand Juni 2018. abgerufen am 26.10.2026
- Il Grande Silenzio, Special Screenings 2018. Trento Film Festival. Stand 2018. abgerufen am 26.10.2026
- Il grande silenzio, 20. Torino Film Festival. Torino Film Festival. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- THE GREAT SILENCE: Supplemental Viewing. UW-Madison Cinematheque, University of Wisconsin. Stand 19. Juni 2020. abgerufen am 26.10.2026
- Hear Alexander Payne and See THE GREAT SILENCE for Free!. UW-Madison Cinematheque, University of Wisconsin. Stand 18. Juni 2020. abgerufen am 26.10.2026
- Presse Leichen pflastern seinen Weg, Filmseite mit Inhaltsangabe und Kritik. FILMSTARTS. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- The Great Silence, Programmtext. Film Forum, New York. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- The Great Silence, Programmtext. Film at Lincoln Center, New York. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
- Amtliche Stelle Payment of Deputy Marshals. National Park Service, Fort Smith National Historic Site. Stand 05.12.2024. abgerufen am 26.10.2026
- Nachschlagewerk Butch Cassidy in Wyoming (Mac Blewer, WyoHistory.org). Wyoming State Historical Society. Stand 08.11.2014. abgerufen am 26.10.2026
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Alexander Müller Gründer und Herausgeber von Wilder-Westen.org
Alexander Müller hat Wilder-Westen.org gegründet und gibt es heraus. Er lebt in Bertingen in Sachsen-Anhalt, führt dort SEO NW und verantwortet Redaktion, Technik und Gestaltung.
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