Indigene Völker NordamerikasThema

Ein Tipi aufbauen

Kurz erklärt Ein Tipi bauten meist die Frauen auf: Sie banden drei oder vier Stangen zu einem Grundgerüst, lehnten die übrigen Stangen an und hoben die Plane mit einer eigenen Stange an die Rückseite. Vorn steckten sie die Plane mit Holzstiften zusammen, dann kamen Pflöcke und Rauchklappen, und die Tür zeigte meist nach Osten. Eine Frau der Blackfoot brauchte dafür nach Clark Wissler 1910 höchstens 30 Minuten.

Schlichtes, unbemaltes Tipi aus hellem Segeltuch mit geöffneten Rauchklappen und zwei langen Klappenstangen auf einer Graswiese in der Prärie, warmes Licht des späten Nachmittags
Bild: KI-generiert

Wie wurde ein Tipi aufgebaut?

Ein Tipi aufzubauen war bei den Nationen der Great Plains meist Arbeit der Frauen. Sie banden zuerst drei oder vier Stangen zu einem Gerüst zusammen, legten die übrigen Stangen daran und spannten die Plane darüber. Vorn schnürten sie die Plane vom Boden bis zu den Rauchklappen zusammen und ließen eine Öffnung für die Tür, zuletzt befestigten sie den unteren Rand am Boden. So fasst die Encyclopedia of the Great Plains den Vorgang zusammen.[1] Britannica beschreibt dasselbe Grundmuster: Je nach Vorliebe ihrer Nation begann eine Frau mit drei oder vier Stangen, an die sie 20 bis 30 leichtere lehnte.[6]

Was ein Tipi ist, wie alt es ist und wie es bemalt wurde, erklärt die Seite Das Tipi. Genauer aufgeschrieben haben den Aufbau Ethnologen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Planen meist schon aus Segeltuch waren. Clark Wissler vom American Museum of Natural History beschrieb 1910 die Arbeit bei den Blackfoot, Stanley Campbell 1915 bei den Cheyenne in Oklahoma, Robert Lowie 1922 bei den Crow.[2, 3, 4]

Wer baute das Tipi auf?

Nach der Encyclopedia of the Great Plains machten, errichteten, zerlegten und pflegten meist die Frauen die Tipis; die Männer malten die Muster.[1] Bei den Blackfoot gehörte das Tipi nach Wissler der Frau, die es gemacht hatte. Sie schnitt und bereitete auch die Stangen vor, ein älterer Ehemann half manchmal mit.[2] Todd Kristensen und Emily Moffat schreiben in der Zeitschrift Canada's History, früher hätten meist die Frauen die Tipis aufgestellt und instand gehalten, während die Männer oft den Lagerplatz wählten.[8]

Nach den Erinnerungen des Arapaho Carl Sweezy, die Althea Bass 1966 als Buch herausbrachte, war das Aufstellen und Abbauen eines Tipis immer Frauenarbeit, und die Frauen waren stolz darauf; wichtig waren außer dem Können vor allem lange, gerade und schlanke Stangen. So gibt die University of Northern Colorado die Stelle wieder.[10] Bei den Cheyenne, die sich selbst Tsistsistas nennen, teilten sich nach Campbell meist zwei Frauen die Arbeit.[3, 11] Die Herstellung der Tipis lag dort nach seiner Beobachtung in der Hand von Vereinigungen der Frauen, die über die Art der Arbeit wachten.[3]

Eine Frau brauchte bei den Blackfoot nach Wissler 30 Minuten oder weniger für den ganzen Aufbau.[2] John C. Ewers schreibt, erfahrene Frauen hätten ein Tipi in weniger als einer Stunde auf- oder abgebaut. Am Morgen bauten sie es ab, luden Decke und Stangen auf Packpferde, zogen mit dem Hausrat 15 Meilen (rund 24 Kilometer) oder weiter und stellten es vor Einbruch der Nacht am neuen Ort wieder auf.[5] Die Encyclopedia of the Great Plains nennt für Auf- oder Abbau dagegen wenige Stunden.[1]

Stangen, Plane und Stifte

Die Stangen der Blackfoot waren nach Wissler lang, schlank und gerade, meist aus Kiefer oder Fichte. Man holte sie aus den Vorbergen des Gebirges, schälte sie, stellte sie wie für ein Tipi auf und ließ sie trocknen; ein gut abgelagerter Satz galt als wertvoller Besitz. Ein Satz im Museum maß etwa 7 Meter in der Länge und unten etwa 7 Zentimeter im Durchmesser, die Enden waren angespitzt, damit sie auf dem Boden nicht rutschten.[2] Die Cheyenne nahmen nach Campbell am liebsten Zeder, weil sie weder fault noch reißt, gebräuchlich war aber auch Kiefer. Für gute Stangen fuhren manche mit dem Wagen von Oklahoma bis nach Montana.[3]

Wie viele Stangen ein Tipi hatte, schwankte stark. Wissler zählte bei sieben Tipis der Blackfoot, vom größten bis zum kleinsten im Lager, 13 bis 23 Stangen.[2] Campbell gab für die Cheyenne Stangen von 15 bis 30 Fuß (etwa 4,6 bis 9,1 Meter) Länge an und Tipis von 10 bis 25, manchmal sogar 30 Fuß Durchmesser (etwa 3 bis 9 Meter). Kleine Tipis hatten nach ihm rund ein Dutzend Stangen, große 30 oder mehr, im Schnitt eine Stange je 30 Zoll (rund 76 Zentimeter) Umfang.[3] Die Encyclopedia of the Great Plains nennt 15 bis 25 Stangen, zwei davon für die Rauchklappen.[1]

Die Plane war ein Halbkreis.[1] Bei den Cheyenne nähten 1915 mehrere Frauen im Frühjahr Bahnen aus Segeltuch zusammen; die Plane für ein Tipi von 20 Fuß (rund 6,1 Meter) Durchmesser hatte nach Campbell einen Radius von 22 Fuß (rund 6,7 Meter).[3] Für eine Decke aus Häuten nennt Wissler bei den Blackfoot früher 12 bis 14 Bisonhäute.[2] Die Encyclopedia of the Great Plains nennt für ein traditionelles Tipi von 15 bis 16 Fuß Durchmesser 13 bis 16 Häute, Ewers für die Mitte des 19. Jahrhunderts im Schnitt 12 bis 14 Häute von Bisonkühen.[1, 5] Bei den Crow leiteten nach Lowie eine oder mehrere Gestalterinnen das Nähen und zeigten den anderen Frauen, wie es ging; manchmal arbeiteten bis zu 20 Frauen mit. Für ein kleines Tipi reichten sieben oder acht Häute, das größte bestand aus bis zu 20. Nach einer Fußnote Lowies war die Zahl 20 laut Curtis und einem seiner Gewährsleute Medizinzelten vorbehalten; sonst waren es höchstens 18, im Schnitt 14.[4] Der Archäologe Jim Finnigan kam nach Kristensen und Moffat auf durchschnittlich 24 Häute, beim größten Tipi fast 60.[8]

Zum Schließen der Plane dienten Holzstifte. Wissler maß bei den Blackfoot Stifte von etwa 28 Zentimetern und Pflöcke für den Rand von etwa 42 Zentimetern Länge, beide aus Birke oder Traubenkirsche.[2] Die Cheyenne steckten ihre Plane nach Campbell mit Stiften aus Hartriegel zu, etwa so groß wie ein Bleistift.[3]

Mehrere geschälte Kiefernstangen, oben mit einem Lederriemen zusammengebunden und nach unten auseinanderfächernd, vor tiefblauem Himmel
Gebundene Kreuzung der Grundstangen eines Tipis Bild: KI-generiert

Drei oder vier Stangen: das Grundgerüst

Einen grundlegenden Unterschied sah Robert Lowie im ersten Schritt.[4] Die meisten Gruppen mit Sprachen der Sioux-Sprachfamilie begannen nach der Encyclopedia of the Great Plains mit drei Stangen, Nationen im Westen der Plains wie die Crow und die Blackfeet mit vier.[1] Lowie stellte 1922 eine Liste auf, gestützt auf Wissler, Angaben von G. L. Wilson zu den Arikara und eigene Nachfragen bei den Wind-River-Shoshone und den Süd-Ute.[4]

Grundgerüst des Tipis nach Robert Lowie (1922)
GrundgerüstNationen laut Lowie
vier StangenBlackfoot, Sarsi (Tsuut'ina)[13], Crow, Hidatsa, Shoshone, Ute, Comanche, Omaha
drei StangenTeton-Dakota (Lakota), Assiniboine, Cheyenne, Gros Ventre, Arapaho, Kiowa, Plains Cree, Mandan, Arikara, Pawnee

Für die Kiowa hatte Wissler auf Fotos eher die Form des Vier-Stangen-Gerüsts gesehen, James Mooney sagte ihm aber, sie nähmen inzwischen drei.[2] Am fertigen Tipi erkennt man den Unterschied an der Spitze: Beim Vier-Stangen-Gerüst kommen die beiden Stangen neben der Tür zuletzt, beim Drei-Stangen-Gerüst zuerst.[2] Die Canadian Encyclopedia schreibt, das Vier-Stangen-Gerüst ergebe eine etwas rundere Form und brauche weniger zusätzliche Stangen, sei aber weniger stabil gewesen als das mit drei; an Umriss, Klappen und Stangenlänge habe man ein Lager schon von Weitem einer Nation zuordnen können.[7]

Bei den Blackfoot: vier Stangen

Die Frau rollte nach Wissler zuerst die Plane aus, die mehrfach der Länge nach gefaltet war. Ihre gefaltete Länge gab das Maß vom Boden bis zur Rauchöffnung an. Dann wählte sie vier etwa gleich lange Stangen, legte zwei nebeneinander und die beiden anderen quer darüber, so weit von den unteren Enden entfernt, wie die gefaltete Plane lang war. Um die Kreuzung schlang sie einen etwa 15 Fuß (rund 4,6 Meter) langen Riemen und knotete ihn einfach.[2]

Dann richtete sie die vier Stangen auf und drehte sie in die Himmelsrichtungen, zwei nach Osten, zwei nach Westen. Weil dabei zwei Stangen die Seiten tauschten, verriegelte sich der Knoten von selbst. Die Füße der vier Stangen standen an den Ecken eines Rechtecks, die kurze Seite nach Osten. Es folgten die übrigen Stangen, je etwa gleich viele auf der Nord- und der Südseite, dann die Westseite bis auf die Mitte. Zuletzt kamen die beiden Türstangen auf der Ostseite; sie lagen oben in einer zweiten Gabel, die die übrigen Stangen bildeten.[2]

Bei den Cheyenne: drei Stangen

Die Cheyenne breiteten nach Campbell die Plane mit der Innenseite nach oben aus. Zwei kräftige Stangen kamen quer über ihre kurze Achse, eine dritte rechtwinklig darüber entlang einer geraden Kante. Wo die Stangen den Ansatz der Rauchklappen kreuzten, war die richtige Stelle für den Knoten; dort wickelte eine der Frauen das Ende eines langen Seils dreimal herum und knotete es fest.[3]

Die einzelne Stange des Dreibeins war die Türstange. Sie stand beim Hineingehen links von der Tür und kam beim Aufrichten auf die Ostseite, die beiden hinteren Stangen nach Westen. Die übrigen Stangen verteilten die Frauen etwa gleich auf die drei Seiten, die längsten und kräftigsten zuerst: von der Türstange nach Norden bis zur hinteren Nordstange, dann ebenso auf der Südseite, zuletzt den Raum zwischen den hinteren Stangen. Gegenüber der Tür blieb eine Lücke für die Stange, an der später die Plane hing.[3] Eine Frau ging dann mit dem Ende des Seils viermal außen um das Gerüst, in der Richtung des Sonnenlaufs, zog dabei kräftig und band das Seil an der hinteren Nordstange fest. Bei starkem Wind spannte man es von der Kreuzung zu einem großen Pflock nahe der Mitte des Tipis.[3] Bei den Teton beobachtete Wissler einen ähnlichen Ablauf, nur mit zwei Seilrunden, meist nach rechts.[2]

Wie kam die Plane auf das Gerüst?

Für die Plane gab es eine eigene Stange. Bei den Blackfoot band die Frau nach Wissler die zwei Schnüre an der Spitze der Plane so an diese Stange, dass der untere Rand gerade den Boden berührte. Dann stellte sie die Stange mitsamt der Plane in die Mitte der Westseite, gegen die Kreuzung der übrigen Stangen.[2] Bei den Cheyenne legte man nach Campbell diese letzte Stange quer über die ausgebreitete Plane und band sie an einem Zipfel zwischen den Rauchklappen mit einem Riemen fest, dessen Enden über Kreuz um die Stange liefen.[3]

Danach trugen die Frauen die beiden Hälften der Plane um das Gerüst herum, bis sie sich an der Türstange trafen. Über der Tür steckten sie die Ränder mit den Holzstiften zusammen, bei den Cheyenne die linke Seite über die rechte.[3] Wissler zählte bei den Blackfoot über der Tür 6 bis 16 Stifte, unter der Tür 2 bis 5.[2] An die oberen Löcher eines großen Tipis kam man früher, indem man auf ein an das Tipi gelehntes Travois stieg, also auf das Schleppgestell aus Stangen; zu Wisslers Zeit trug man dafür oft eine kleine Leiter mit.[2, 3] Bei großen Tipis der Cheyenne nahmen zwei innen unter der Rauchöffnung verknotete Riemen den Zug von den Stiften.[3]

Bei den Ute, die mit vier Stangen begannen, ging es nach einer Beschreibung von Horace S. Poley, die Jan Pettit 1990 zitiert, so weiter: Gegenüber der Lücke für den Eingang hoben die Frauen zuerst die Stange mit der festgebundenen Plane an, danach stellten sie die übrigen Stangen in die Gabeln der gebundenen Stangen.[10]

Stangen ausrichten und den Rand befestigen

Stand die Plane, war das Tipi noch zu steil, und die Plane hing in Falten. Die Frau ging nach Wissler hinein und schob die Stangen nach außen oder innen, bis die Plane straff saß und ihre Kegelform hatte; den letzten Schliff gab sie von außen, indem sie unter die Plane griff.[2] Campbell beschreibt, wie die Cheyenne die Stangen nach außen rückten und dann mit einem angespitzten Pfahl oder einer Eisenstange Löcher machten, um die Stangen einige Zoll tief einzusetzen. Sollte das Tipi länger stehen, setzten sie die Stangen bis zu 18 Zoll (rund 46 Zentimeter) tief, zuerst die drei Grundstangen.[3]

Dann kam der Rand. Pflöcke von etwa 2 Fuß (rund 61 Zentimeter) Länge, oft aus einem gegabelten Ast, gingen bei den Cheyenne durch Schlaufen am Rand der Plane.[3] In der ältesten Zeit lagen nach Campbell Steine auf dem Rand; später schlug man Pflöcke durch Löcher in den Häuten. Segeltuch hält das nicht aus, deshalb nähten die Cheyenne Schlaufen an, und zwar auf eine Art, die nach Campbell deutlich auf eine ursprünglich indigene Erfindung hinweist: Ein Kiesel wurde von unten in den Stoff gedrückt, eine Schnur darunter festgebunden, und durch die Schlinge ging der Pflock.[3] Auch bei den Blackfoot lagen nach Wissler im Winter, oft auch sonst, Steine auf dem Rand der Plane; ihre Kreise sieht man noch in vielen Teilen des Blackfoot-Landes.[2] In Alberta maßen die Archäologen John Brumley und Barry Dau in den 1980er Jahren mehr als 700 solcher Tipi-Ringe, im Schnitt 4,6 Meter im Durchmesser, der kleinste 2,3 Meter, der größte fast 9 Meter.[8]

Rauchklappen und Tür

Zwei Stangen blieben bis zum Schluss übrig. Sie gehörten zu den beiden Klappen links und rechts der Rauchöffnung, die Wissler mit Segeln vergleicht und wie Ewers "ears" nennt, also Ohren. Bei den Blackfoot steckte die Frau vom Boden aus das dünne Ende jeder Stange durch ein Loch in der Spitze einer Klappe.[2] Bei Tipis und Modellen der Omaha, Arapaho, Cheyenne, Assiniboine und Teton steckten die Stangen dagegen in kleinen Taschen an den Ecken.[2] Die Cheyenne banden zusätzlich Schnüre vom unteren Ende der Klappen an einen Pflock.[3]

Mit diesen Stangen verstellte man die Klappen, regelte den Zug und hielt den Wind aus der Rauchöffnung. Nachts, wenn das Feuer niedrig brannte, oder bei Regen ließ sich die Öffnung damit ganz oder teilweise schließen.[2] Zeichnungen von George Catlin, die bei den Comanche nur eine Klappe zeigen, wertete Wissler als Hinweis auf eine ältere Form mit einer einzigen Klappe.[2] Zum Schluss hängten die Cheyenne die Türdecke an den untersten Stift.[3] Die Tür der Blackfoot war ein langes, schmales Oval, unten etwa 18 Zoll (rund 46 Zentimeter) über dem Boden, verschlossen mit einem Vorhang aus Haut, später aus alten Decken, den zwei Querhölzer beschwerten.[2]

Vorderseite eines schlichten, unbemalten Tipis aus Segeltuch mit einer senkrechten Reihe hölzerner Stifte über einer ovalen Türöffnung, seitliches Abendlicht auf Gras und Stangen
Holzstifte schließen die Plane über der Tür Bild: KI-generiert

Warum zeigt der Eingang nach Osten?

Bei den Blackfoot zeigten die Türen nach Ewers immer nach Osten zur aufgehenden Sonne. Die Rückseiten waren steiler, damit sie sich gegen die vorherrschenden Westwinde stemmten; die Tipis waren deshalb keine genauen Kegel, sondern leicht geneigt.[5] Wissler nennt den Wind aus Westen als möglichen Grund und fügt hinzu, oft werde auch ein religiöser Grund angegeben; die Ausrichtung nach Osten scheine überall üblich zu sein, wo man Tipis nutze.[2] Auch die Tipis der Cheyenne zeigten nach Campbell in der Regel nach Osten. Hinten waren sie steiler als vorn, um besser gegen die Stürme aus Westen zu stehen, und der Boden war kein Kreis, sondern ein Oval.[3]

Die Canadian Encyclopedia verbindet beides: Der Eingang zeigte meist nach Osten, zur aufgehenden Sonne und weg vom vorherrschenden Wind.[7] Kristensen und Moffat schreiben, die steile Seite stehe gegen die Westwinde, die flachere trage Tür und Rauchöffnung und stütze den Bau; Halteseile wurden manchmal innen und außen gespannt.[8] Die Encyclopedia of the Great Plains beziffert den Unterschied zwischen langer und kurzer Achse des Grundrisses auf weniger als zehn Prozent.[1]

Innenbehang und Feuerstelle

Innen hing in den meisten Tipis eine zweite Wand, ein Behang. Bei den Blackfoot bestand er nach Wissler um 1910 aus Decken oder Stoff, selten noch aus weich gegerbten Häuten, und hing an einem Seil, das von Stange zu Stange lief. Er hielt Wind und Wasser ab, das an den Stangen herunterlief. Die Luft kam unter dem Rand der Plane herein, stieg zwischen Plane und Behang auf und zog über den Köpfen ab.[2] Bei den Cheyenne reichten die Behänge nach Campbell etwa sechs Fuß (rund 1,8 Meter) hoch; bei starkem Regen waren sie der eigentliche Schutz.[3] Das Hood Museum of Art nennt noch einen Zweck: Der Behang fängt die Schatten ab, die das Feuer nachts auf die Zeltwand wirft.[9]

Die Feuerstelle lag bei den Blackfoot nahe der Mitte, meist etwas näher zur Tür, weil die Rauchöffnung vor der Kreuzung der Stangen lag; sie war ein kleiner Kreis aus Flusssteinen.[2] Bei den Cheyenne lag sie dagegen etwas näher zur Rückseite, eine Grube von etwa 12 mal 8 Zoll (rund 30 mal 20 Zentimeter).[3] Der Ehrenplatz lag gegenüber dem Eingang, dort, wo es am wenigsten zog.[3, 7]

Abbauen und weiterziehen

Nach Kristensen und Moffat zogen Familien, die in Tipis lebten, mit ihrem Lager bis zu dreißigmal im Jahr den Bisons nach, und ein typisches Tipi wog mit Stangen und Häuten etwa 220 Kilogramm. Vor der Ankunft der Europäer hatte jede Familie nach mündlicher Überlieferung zehn oder mehr Hunde, die das Gepäck trugen, einzeln etwa 34 Kilogramm auf einem Travois; die Blackfoot nennen das Schleppgestell manistsi.[8] Mit dem Pferd wurden die Tipis nach Ewers größer, weil die Tiere schwerere Lasten tragen konnten (mehr dazu unter Wie alt ist das Tipi?).[5]

Werden Tipis heute noch aufgebaut?

Ja, für besondere Anlässe: Nach der Canadian Encyclopedia werden Tipis heute manchmal dafür aufgestellt.[7] Wie es bei der Crow Fair in Montana aussieht, beschreibt die Seite Das Tipi. Zum Wohnen dienen sie kaum noch: Die meisten Native Americans leben laut National Museum of the American Indian in gewöhnlichen Häusern und Wohnungen; Tipis sind die traditionelle Wohnung der Plains-Völker.[12] Das Wissen, wie man ein Tipi aufstellt, gehört nach der Encyclopedia of the Great Plains bis heute zum geschätzten Erbe der Plains-Nationen.[1]

Schon um 1910 war das Tipi im Wandel. Die Blackfoot wohnten nach Wissler im Hochwinter in kleinen Häusern aus Balken, den größten Teil des Jahres aber in Tipis aus Segeltuch.[2] Bei den Cheyenne verdrängten nach Campbell Wandzelte aus dem Handel das Tipi; beim letzten Sonnentanz ergab nach seinem Bericht eine Zählung im Lagerkreis etwa fünf solcher Zelte auf ein Tipi.[3]

Mythos und Wahrheit

Mehr zu Tipi und Plains-Nationen

Häufige Fragen

Wer hat das Tipi aufgebaut?

Meist die Frauen. Bei den Blackfoot machte und besaß nach Clark Wissler die Frau das Tipi und schnitt auch die Stangen. Bei den Cheyenne stellten nach Stanley Campbell 1915 meist zwei Frauen ein Tipi gemeinsam auf.

Wie lange dauerte es, ein Tipi aufzubauen?

Eine Frau der Blackfoot brauchte nach Clark Wissler 1910 dreißig Minuten oder weniger. John C. Ewers schreibt, erfahrene Frauen hätten ein Tipi in weniger als einer Stunde auf- oder abgebaut. Die Encyclopedia of the Great Plains nennt dagegen wenige Stunden.

Drei oder vier Stangen: Wie begann man ein Tipi?

Mit einem Grundgerüst aus drei oder vier zusammengebundenen Stangen. Nach der Encyclopedia of the Great Plains nahmen die meisten Gruppen mit Sioux-Sprachen drei, Nationen im Westen der Plains wie Crow und Blackfeet vier. Robert Lowie zählte 1922 auch Hidatsa, Shoshone, Ute und Comanche zu den Vier-Stangen-Völkern.

Wie viele Stangen hatte ein Tipi?

Das war verschieden. Wissler zählte bei sieben Tipis der Blackfoot 13 bis 23 Stangen. Campbell nannte für die Cheyenne etwa ein Dutzend bei kleinen und 30 oder mehr bei großen Tipis, ungefähr eine Stange je 30 Zoll (rund 76 Zentimeter) Umfang.

Wie kam die Plane auf das Tipi?

Die Plane wurde oben an eine eigene Stange gebunden, mit ihr angehoben und an die Rückseite des Gerüsts gestellt. Dann trugen die Frauen die beiden Hälften um das Gerüst herum und steckten sie über und unter der Tür mit Holzstiften zusammen.

Warum zeigt der Eingang eines Tipis nach Osten?

Bei den Blackfoot zeigte die Tür nach Ewers immer nach Osten zur aufgehenden Sonne, die steilere Rückseite stand gegen die Westwinde. Wissler nannte den Wind als möglichen Grund und fügte hinzu, oft werde auch ein religiöser Grund genannt.

Wozu dienten die Rauchklappen?

Mit den beiden Klappen links und rechts der Rauchöffnung regelte man den Abzug. Man verstellte sie mit zwei Stangen von außen, hielt so den Wind aus der Öffnung und konnte sie bei Regen oder in der Nacht ganz oder teilweise schließen.

Quellen

  1. Nachschlagewerk Ken Deaver, Sherri Deaver: Tipis (Encyclopedia of the Great Plains, hrsg. von David J. Wishart). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 26.10.2026
  2. Primärquelle Clark Wissler: Material Culture of the Blackfoot Indians (Anthropological Papers of the American Museum of Natural History, Bd. 5, Teil 1), Abschnitt Shelter, S. 99 bis 114. American Museum of Natural History, New York; Digitalisat im Internet Archive (Library of Congress). Stand 1910. abgerufen am 26.10.2026
  3. Fachaufsatz Stanley Campbell: The Cheyenne Tipi (American Anthropologist, Neue Folge, Bd. 17, Nr. 4, S. 685 bis 694). American Anthropological Association; Digitalisat JSTOR Early Journal Content im Internet Archive. Stand Oktober 1915. abgerufen am 26.10.2026
  4. Primärquelle Robert H. Lowie: The Material Culture of the Crow Indians (Anthropological Papers of the American Museum of Natural History, Bd. 21, Teil 3), Abschnitt Shelter, S. 222 bis 224. American Museum of Natural History, New York; Digitalisat im Internet Archive (Getty Research Institute). Stand 1922. abgerufen am 26.10.2026
  5. Fachbuch John C. Ewers: Painted Tipis of the Blackfeet Indians (aus: Blackfeet Indian Tipis: Design and Legend, Museum of the Rockies). Montana State University Library, Indian Peoples of the Northern Great Plains. Stand 1975. abgerufen am 26.10.2026
  6. Nachschlagewerk tepee (Britannica Editors, überarbeitet von Elizabeth Prine Pauls). Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  7. Nachschlagewerk René R. Gadacz, Michelle Filice: Tipi. The Canadian Encyclopedia, Historica Canada. Stand 27.09.2017. abgerufen am 26.10.2026
  8. Presse Todd Kristensen, Emily Moffat: Home on the Plains. Canada's History, Heft Oktober/November 2024. Stand 26.09.2024. abgerufen am 26.10.2026
  9. Museum Plains: Tools and Technology, Work 3: Model tipi (Native American Art Teacher Resources). Hood Museum of Art, Dartmouth College. Stand 2017. abgerufen am 26.10.2026
  10. Tribal Nation Language and Culture. Cheyenne and Arapaho Tribes. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  11. Museum Excerpts from Do All Indians Live in Tipis? (Native Knowledge 360). Smithsonian, National Museum of the American Indian. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  12. Tribal Nation Tsuut'ina Nation (Startseite). Tsuut'ina Nation. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026

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