Indigene Völker NordamerikasThema

Kriegsbemalung: was belegt ist

Kurz erklärt Kriegsbemalung nennt der Duden die Bemalung von Gesicht und Brust, besonders bei Kriegern indigener Völker. Belegt ist für Nationen der Great Plains, dass Männer ihren Körper für Zeremonien, Jagden und Kämpfe bemalten und Zeichen auf Schilde und Pferde malten, teils nach Visionen. Ein einheitliches Farbsystem aller Völker belegen die Quellen nicht; Kriegsbemalung kommt schon in Romanen wie Coopers "The Last of the Mohicans" von 1826 und in Schauen des 19. Jahrhunderts vor.

Ausgewaschene Lehmhügel mit Bändern in Rot, Ocker und hellem Gelb unter weitem Himmel, im Vordergrund einzelne Beifußbüsche, warmes Licht des späten Nachmittags
Bild: KI-generiert

Was bedeutet Kriegsbemalung?

Der Duden erklärt Kriegsbemalung als Bemalung des Gesichts und der Brust, besonders bei Kriegern indigener Bevölkerungsgruppen, und ordnet das Wort der Kulturanthropologie zu. Die Wendung "in voller Kriegsbemalung" ist scherzhaft gemeint: Soldaten tragen dann alle Orden und Ehrenzeichen, bei Frauen heißt sie, dass sie sehr stark geschminkt sind.[1] Auch das Wort "Rothaut" führt der Duden auf Körperbemalung zurück. Es ist eine Lehnübersetzung von englisch "redskin", nach der roten Körperbemalung, die unter indigenen Völkern Nordamerikas verbreitet war; der Duden kennzeichnet es als diskriminierend.[2]

Was ist über Bemalung in den Great Plains belegt?

Die Kunst der Bisonjäger in den Great Plains musste tragbar sein, weil sie oft weiterzogen. Ihre Bildträger reichten nach Joni L. Kinsey in der Encyclopedia of the Great Plains von großen bemalten Tipis über kleine Amulette, verzierte Kleidung und Schilde bis zu Pferden und dem eigenen Körper. Viele Bilder standen für heilige Ereignisse, Rituale und Naturkräfte. Auf einem Gegenstand dargestellt, sollten sie nach dem Glauben der Menschen deren Kraft auf ihn übertragen, den Besitzer vor Schaden schützen, Gesundheit bringen oder die Geister gnädig stimmen.[3] Die Männer waren nach Kinsey unter anderem für Gegenstände der Rituale zuständig und bemalten ihren eigenen Körper für Zeremonien, Jagden und Kämpfe.[3]

Schon bevor Europäer Glasperlen, Metall, Bänder und Stoff brachten, schmückten die Plains-Völker sich selbst, ihre Kleidung und ihren Hausrat nach Mary Jane Schneider mit Farbe und Naturstoffen. Farben waren mit Himmelsrichtungen verbunden, die Himmelsrichtungen mit heiligen Wesen, deren Verhalten die Menschen beeinflusste; mit der richtigen Farbe konnte man Segen von ihnen erhalten.[4] Bemalung für den Kampf ist in diesen Quellen also ein Anlass unter mehreren, neben Jagd und Zeremonie.[3, 4]

Ein festes Farbsystem, das bei allen Nationen gleich galt, belegen die Quellen dieser Seite nicht. Nach Schneider konnten schon einfache Muster in den vielschichtigen Weltbildern der Plains mehrere Bedeutungen haben.[4] Die Seite Glaube, Symbole und Zeremonien gibt einen Überblick über den Glauben der Nationen.

Bemalte Schilde

Viele Plains-Nationen glaubten nach Schneider, dass der Donnervogel den Donner mit dem Schlagen seiner Flügel erzeugt; dargestellt wurde er oft als geflügelte Figur in Form einer Sanduhr. Erschien der Vogel einem Mann in einer Vision oder einem Traum, durfte der Mann ihn auf seinen Schild malen. Das sollte ihn schützen und seine Erfolgsaussichten bei Jagd und Krieg erhöhen.[4]

Bei den Kiowa beruhte das Weltbild des 19. Jahrhunderts nach Benjamin R. Kracht auf daudau, einer Kraft, die alles in der Welt durchdrang. Wer sie suchte, ging auf Visionssuche in die Wichita Mountains und andere Höhen. Wenige erhielten eine Vision; sie wurden große Krieger oder Heiler, die Zeichen dieser Kraft auf ihre Schilde malten. Vor der Reservatszeit gab es bei den Kiowa mehrere Schildgesellschaften, die nach 1875 verschwanden.[5]

Bemalte Gesichter in Berichten des 19. Jahrhunderts

Der Mandan Mah-to-toh-pa (Four Bears) erklärte George Catlin 1832 die Bilder auf seinem Bisonfell, auf dem er zwölf Kämpfe festgehalten hatte. Auf dem ersten Bild tötet er einen Anführer der Sioux (so die Quelle); nach Catlins Beschreibung trägt dieser schwarze Kriegsfarbe im Gesicht.[6] Mehr über die Mandan steht auf der Seite Mandan.

Im Südwesten beschrieb General Oliver O. Howard den Chiricahua-Apachen Cochise, den er 1872 mit dem Scout Tom Jeffords in der Cochise Stronghold aufsuchte, dem Rückzugsort des Anführers in Arizona; Howard und Cochise verhandelten über ein Reservat.[8] Beim ersten Treffen war sein Gesicht nach Howard leicht mit Zinnoberrot gefärbt. Später, auf dem Ritt zu einem Treffen mit Offizieren, hatte Cochise das Gesicht frisch bis zum Haaransatz rot bemalt. Howard schrieb dazu 1907 in seinen Erinnerungen, das Gesicht sei "freshly and hideously painted" gewesen, frisch und scheußlich bemalt, und gebe Cochise ein wildes, abstoßendes Aussehen.[7] Das Urteil zeigt, wie ein Offizier der Armee die Bemalung sah; was sie für Cochise bedeutete, sagt die Quelle nicht.[7]

Der Oglala-Lakota Crazy Horse hatte nach dem National Park Service als Jugendlicher eine Vision, in der ihm aufgetragen wurde, sich vor dem Kampf Staub über den Körper zu reiben; er folgte dieser Vision. Von Farbe ist in dieser Quelle nicht die Rede.[9]

Granitfelsen und mit Eichen bewachsene Hänge eines Gebirgszugs in der Wüste Arizonas, im Vordergrund trockenes Gras, warmes Licht des späten Nachmittags
Granitfelsen und Eichen in einem Gebirge im Südosten Arizonas Bild: KI-generiert

Bemalte Pferde

Zur Eröffnung der Ausstellung "A Song for the Horse Nation" im National Museum of the American Indian kündigte das Smithsonian für Oktober 2011 in Washington eine Vorführung an: Der Reiter und Künstler Kennard Real Bird von den Crow sollte zeigen, wie ein Kriegspferd bemalt wird. Der Autor S. D. Nelson (Lakota, Standing Rock Sioux) sollte die kulturelle und geschichtliche Bedeutung bemalter Pferde und ihrer Zeichen erklären.[10] Die Ausstellung zeigte auch ein Tipi der Lakota aus dem 19. Jahrhundert, auf das 110 galoppierende Pferde gemalt sind, manche mit Reitern; die Szenen von Kämpfen und Pferderaubzügen erzählen nach dem Smithsonian von den Taten des Kriegers, der in dem Tipi lebte.[11]

Welche Zeichen ein Pferd im Einzelnen trug und was sie bedeuteten, geben diese Mitteilungen nicht an.[10, 11] Mehr über die Rolle der Pferde steht auf der Seite Pferde im Wilden Westen, über bemalte Tipis auf der Seite Das Tipi.

Kleine Herde brauner und fuchsfarbener Pferde grast auf weitem Grasland neben einem Bach mit Pappeln, im Hintergrund flache Hügel im goldenen Abendlicht
Pferde auf dem Grasland der Plains Bild: KI-generiert

Bemalung heute

Das Blackfoot Resource Hub der Blood Tribe (Kainai) in Lethbridge in Kanada vermittelt indigenen Familien und Einzelpersonen den Kontakt zu Ältesten und zu traditionellen Zeremonien der Blackfoot, darunter Gesichtsbemalung ("face painting"), Schwitzhütte sowie Räuchern und Gebet.[12] Mehr über die Nation steht auf der Seite Blackfoot.

Kriegsbemalung in Romanen, Versepen und Schauen des 19. Jahrhunderts

Kriegsbemalung kommt schon in Romanen, Versepen und Schauen des 19. Jahrhunderts vor. James Fenimore Cooper veröffentlichte "The Last of the Mohicans" 1826 als Band seiner Lederstrumpf-Romane.[14] Gleich im ersten Kapitel lässt er die Farben der Kriegsbemalung im Gesicht eines indigenen Läufers so verlaufen, dass es "still more savage and repulsive" wirkt, noch wilder und abstoßender; im sechsten Kapitel spricht er von den "artificial terrors of the war paint", den künstlichen Schrecken der Kriegsbemalung.[13] Mehr zu Cooper steht auf der Seite Lederstrumpf von James Fenimore Cooper.

George Catlin, der die Plains-Völker selbst besucht hatte, segelte im November 1839 nach England; in London, Brüssel und Paris ließ er danach Schauspieler aus der jeweiligen Stadt mit Federn und Kriegsbemalung auftreten.[15] In Henry Wadsworth Longfellows Versepos "The Song of Hiawatha", das nach der Einführung der Gutenberg-Ausgabe von Woodrow W. Morris am 10. November 1855 erschien, befiehlt Gitche Manito den Völkern, die Kriegsbemalung abzuwaschen und als Brüder zu leben; die Krieger waschen sie im Fluss ab.[16] Longfellows Hiawatha ist eine Dichtung, keine Quelle über die Völker selbst (mehr auf der Seite Hiawatha).

Bei Karl May tragen indigene Figuren Kriegsfarben im Gesicht. In "Winnetou I", 1893 im Verlag Fehsenfeld erschienen (zitiert nach der Ausgabe letzter Hand von 1909), sieht der Erzähler sechs Kiowa mit einem blauen und einem roten Strich quer über dem Gesicht, und Sam Hawkens folgert: "Sie tragen die Kriegsfarben im Gesicht und sind also wahrscheinlich Kundschafter." Später berichtet Sam von einem Reitertrupp der Apachen, "mit den Kriegsfarben bemalt".[17, 18] Mays Romane sind Literatur und keine Quelle über indigene Völker; mehr zu den Romanen steht auf der Seite Winnetou: Figur, Bücher, Filme, zum Film auf der Seite Indigene Völker im Western.

Kriegsbemalung als Verkleidung

Für das National Museum of the American Indian ist es nie angemessen, sich als Native American zu verkleiden. Die Aufmachungen, mit denen Menschen "indianisch" aussehen wollen, haben nach dem Museum oft nichts mit den Menschen und ihren Kulturen zu tun. Sie vermitteln Schülern ein verallgemeinertes, falsches Bild und lassen die Kulturen oft wirken, als gebe es sie nur in der Vergangenheit. Der Text richtet sich an Lehrkräfte und nennt Kriegsbemalung nicht ausdrücklich.[19] Mehr dazu steht auf den Seiten Darf man "Indianer" sagen? und Federschmuck und Federhaube.

Mehr zu Bildern und Klischees

Häufige Fragen

Was ist Kriegsbemalung?

Der Duden erklärt das Wort als Bemalung von Gesicht und Brust, besonders bei Kriegern indigener Bevölkerungsgruppen, und ordnet es der Kulturanthropologie zu. Scherzhaft heißt "in voller Kriegsbemalung" auch, dass Soldaten alle Orden tragen oder eine Frau sehr stark geschminkt ist.

Haben sich Indianer wirklich bemalt?

Für Nationen der Great Plains ist es belegt: Nach der Encyclopedia of the Great Plains bemalten Männer ihren Körper für Zeremonien, Jagden und Kämpfe. Der Maler George Catlin gab 1832 eine Bildgeschichte des Mandan Mah-to-toh-pa wieder, auf der ein Anführer der Sioux (so die Quelle) schwarze Kriegsfarbe im Gesicht trägt. Für alle indigenen Völker belegen die Quellen dieser Seite das nicht.

Was bedeuten die Farben der Kriegsbemalung?

Eine Farbtabelle für alle Völker belegen die Quellen dieser Seite nicht. Nach Mary Jane Schneider waren Farben in der Kunst der Plains mit Himmelsrichtungen verbunden und diese mit heiligen Wesen; die richtige Farbe konnte Segen bringen. Manche Zeichen, etwa der Donnervogel auf Schilden, gingen nach Schneider auf Visionen oder Träume einzelner Männer zurück.

Warum wurden Pferde bemalt?

Nach der Encyclopedia of the Great Plains gehörten Pferde zu den Bildträgern der Plains-Kunst, und viele Zeichen sollten nach dem Glauben der Menschen Kraft übertragen und vor Schaden schützen. Eine Vorführung, wie ein Kriegspferd bemalt wird, kündigte das National Museum of the American Indian 2011 mit Kennard Real Bird an.

Woher kommt das Wort "Rothaut"?

Der Duden erklärt "Rothaut" als Lehnübersetzung von englisch "redskin", nach der roten Körperbemalung, die unter indigenen Völkern Nordamerikas verbreitet war. Er kennzeichnet das Wort als diskriminierend.

Ist Kriegsbemalung als Verkleidung in Ordnung?

Das National Museum of the American Indian hält es für nie angemessen, sich als Native American zu verkleiden. Solche Aufmachungen haben nach dem Museum oft nichts mit den Menschen und ihren Kulturen zu tun und vermitteln ein falsches, verallgemeinertes Bild. Kriegsbemalung nennt der Text des Museums dabei nicht ausdrücklich.

Quellen

  1. Nachschlagewerk Kriegsbemalung. Duden online. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  2. Nachschlagewerk Rothaut. Duden online. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  3. Nachschlagewerk Joni L. Kinsey: Art (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 26.10.2026
  4. Nachschlagewerk Mary Jane Schneider: Native American Traditional Art (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 26.10.2026
  5. Nachschlagewerk Benjamin R. Kracht: Kiowas (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 26.10.2026
  6. Amtliche Stelle The Apache Wars Part I: Cochise. National Park Service, Chiricahua National Park. Stand 07.04.2023. abgerufen am 26.10.2026
  7. Amtliche Stelle Crazy Horse (tashunka witco). National Park Service, Little Bighorn Battlefield National Monument. Stand 23.04.2025. abgerufen am 26.10.2026
  8. Museum D.C. Mounted Police and Crow Nation Equestrian Celebrate Horses on the Mall (Pressemitteilung). Smithsonian Institution, National Museum of the American Indian. Stand 18.10.2011. abgerufen am 26.10.2026
  9. Museum "A Song for the Horse Nation" Gallops into Washington (Pressemitteilung). Smithsonian Institution, National Museum of the American Indian. Stand 31.10.2011. abgerufen am 26.10.2026
  10. Tribal Nation Blackfoot Resource Hub. Blood Tribe (Kainai). Stand 15.06.2026. abgerufen am 26.10.2026
  11. Primärquelle James Fenimore Cooper: The Last of the Mohicans. A Narrative of 1757, Kapitel 1 und 6. Project Gutenberg, eBook 940. Stand 1826 (Gutenberg-Ausgabe 2006, aktualisiert 26.08.2025). abgerufen am 26.10.2026
  12. Nachschlagewerk James Fenimore Cooper (George G. Dekker). Encyclopaedia Britannica. Stand 11.09.2026. abgerufen am 26.10.2026
  13. Presse Bruce Watson: George Catlin's Obsession. Smithsonian Magazine. Stand Dezember 2002. abgerufen am 26.10.2026
  14. Primärquelle Henry Wadsworth Longfellow: The Song of Hiawatha, Introductory Note und Kapitel I The Peace-Pipe. Project Gutenberg, eBook 19. Stand 1855 (Gutenberg-Ausgabe 2004, aktualisiert 14.10.2025). abgerufen am 26.10.2026
  15. Primärquelle Karl May: Winnetou I, Drittes Kapitel: Winnetou in Fesseln (S. 149, 150 und 188 der Textfassung). Karl-May-Gesellschaft, Textfassung nach der Ausgabe letzter Hand. Stand 1909 (Ausgabe letzter Hand). abgerufen am 26.10.2026
  16. Karl May: Winnetou I bis III (Übersicht und Zur Textgeschichte). Karl-May-Gesellschaft. Stand ohne Datum. abgerufen am 26.10.2026
  17. Museum Native American Cultures and Clothing: Native American Is Not a Costume (Native Knowledge 360). Smithsonian, National Museum of the American Indian. Stand 15.10.2021. abgerufen am 26.10.2026

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