GlossarSachgruppe

Begriffe zur Kultur indigener Völker von A bis Z

Kurz erklärt Die Sachgruppe erklärt 23 Begriffe zur Kultur indigener Völker Nordamerikas, darunter Wampum, Travois, Ledger Art und Sandmalerei, mit den Nationen und, wo Quellen es belegen, der Herkunft des Wortes. Ein eigener Abschnitt erklärt belastete Wörter und Klischees aus Karl Mays Romanen, etwa "Howgh" und "Marterpfahl".

Schleppgestell aus zwei langen geschälten Holzstangen mit festgebundenen Querhölzern im hohen Präriegras, dahinter ein flacher Hügelzug unter weitem Himmel im Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Die Sachgruppe erklärt Wörter für Dinge, Bauten, Bräuche und Einrichtungen indigener Völker Nordamerikas, von Geistertanz bis Wigwam, und nennt, wo die Quellen es erlauben, die Nation, um die es geht. Viele der Wörter kamen aus indigenen Sprachen ins Englische: Tomahawk und Mokassin aus dem Algonkin Virginias, Powwow aus dem Narragansett oder Massachusett, Pemmikan aus dem Cree.[1, 2, 3, 4]

G

Geistertanz

Der Geistertanz (Ghost Dance) war eine religiöse Bewegung, die nach der Encyclopedia of the Great Plains um 1870 in Nevada entstand. 1869 oder 1870 lehrte Tävibo, ein Northern Paiute, die Weißen würden verschwinden und die Toten zurückkehren; dazu gehörte ein Tanz im Kreis. 1889 belebte Wovoka, ebenfalls ein Paiute, die Bewegung neu, und sie verbreitete sich über die Plains nach Osten bis in die Dakotas, nach Nebraska, Kansas, Oklahoma und Texas.[5] Behörden und weiße Nachbarn der Lakota hielten die Tänze für Kriegsvorbereitung.[5] Am 29. Dezember 1890 töteten Soldaten der 7. Kavallerie beim Massaker von Wounded Knee nach der Enzyklopädie Big Foot und mindestens 145 seiner Anhänger; ihre Schätzungen reichen bis über 300 Tote.[5] Die Quellen nennen unterschiedliche Zahlen, die Spanne zeigt die Seite zum Massaker. Die ganze Geschichte der Bewegung steht auf der Seite Der Geistertanz.

H

"Häuptling"

"Häuptling" ist im Duden der Stammesführer oder Vorsteher eines Dorfes bei indigenen Völkern Nordamerikas. Ursprünglich hieß so seit dem 17. Jahrhundert allgemein ein Familienoberhaupt oder Anführer. Für Oberhäupter indigener Völker in Nordamerika gebraucht man das Wort seit James Fenimore Coopers Erzählungen wie dem "Lederstrumpf" in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Übersetzung des englischen chief; das Etymologische Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer setzt dafür um 1825 an.[6, 7] Welche Ämter dahinter standen und wie die Nationen ihre Anführer heute nennen, erklärt die Seite Häuptling: Bedeutung und Geschichte des Begriffs.

K

Kachina-Puppen

Die kleinen bemalten Holzfiguren heißen bei den Hopi tithu, genauer katsintithu. Katsina meint nach dem Hopi Cultural Preservation Office vor allem die übernatürlichen Wesen, die nach dem Glauben der Hopi ein halbes Jahr lang die Dörfer besuchen. Die Figuren bekommen Mädchen und junge Bräute an Tanztagen geschenkt; an ihnen lernen die Kinder, wie jede Katsina aussieht. Figuren, die nicht von Hopi geschnitzt sind, gelten aus Sicht der Hopi nicht als Katsina-Puppen.[8] Das englische kachina geht nach Merriam-Webster auf das Hopi-Wort qacína zurück und ist seit 1888 belegt.[9] Zur Schnitzkunst siehe Kachina-Puppen.

Kriegergesellschaft

Kriegergesellschaften (englisch military societies oder warrior societies) gab es in vielen Nationen der Plains. Nach der Encyclopedia of the Great Plains nahmen sie nur die vielversprechendsten jungen Männer einer Gruppe auf und trugen Namen wie Dog Soldiers, Fox Soldiers oder Kit Foxes; die Mitgliedschaft war ein wichtiger Weg zu Ansehen als Krieger.[10] Bei den Cheyenne gehörten zur Ordnung der Nation laut National Park Service ein Rat von 44 Chiefs und Gesellschaften wie die Elkhorn Scrapers und die Dog Soldiers.[11] Nach der Überlieferung der Cheyenne, wie sie die Encyclopedia of Oklahoma History wiedergibt, richtete Sweet Medicine die Gesellschaften ein; geführt von Kriegsanführern, hielten sie Ordnung und sicherten das Jagdgebiet.[12]

Für Ansehen musste ein Krieger niemanden töten: Das Berühren eines Gegners mit der Hand oder einem besonderen Stock, das Coup-Zählen, galt in vielen Plains-Gesellschaften mehr als das Töten.[10] Bei den Kiowa erinnern Veteranen und Soldaten heute in Tänzen von Kriegergesellschaften wie dem Kiowa Gourd Clan und der Black Leggings Warrior Society an Anführer des 19. Jahrhunderts wie Set'aide (White Bear) und Setangya (Sitting Bear).[13]

L

Langhaus

In einem Langhaus der Haudenosaunee (früher Irokesen genannt) lebten mehrere Familien desselben Clans. Nach der Ganondagan State Historic Site war es etwa 20 Fuß (rund 6 Meter) breit und je nach Zahl der Familien 40 bis 200 Fuß (rund 12 bis 61 Meter) lang; je zwei Familien teilten sich ein Feuer in der Mitte. Beim Nachbau in Ganondagan bestanden Gerüst und Wände aus jungen Ulmen und Streifen von Ulmenrinde.[14] Das Langhaus ist zugleich ein Bild für den Bund der Haudenosaunee: Nach derselben Quelle verabredeten die Nationen, unter einem gedachten Langhaus quer durch den heutigen Staat New York zu leben, mit den Seneca als Hütern der westlichen und den Mohawk als Hütern der östlichen Tür und den Onondaga in der Mitte als Hütern des Zentralfeuers.[14] Bau und Leben beschreibt die Seite Das Langhaus.

Ledger Art

Ledger Art heißen Zeichnungen von Männern aus Plains-Nationen im 19. Jahrhundert, gemacht mit Bleistift, Tinte und Wasserfarbe auf Seiten alter Geschäfts- und Kontobücher (englisch ledger).[15] Früher hatten Männer der Plains die Taten großer Krieger und Anführer auf Fels, Bisonhäute, Umhänge und Tipis gemalt.[16] Auf Papier wurden die Bilder Teil der Kriegsehren: Die Männer hielten ihre Taten darin fest und erzählten sie dazu mündlich.[15] Das Hood Museum of Art nennt die Gattung auch Plains graphic arts.[16]

Bekannt sind vor allem die Blätter aus Fort Marion in St. Augustine (Florida). Nach dem National Museum of American History hielten die USA dort von 1875 bis 1878 72 Männer der Cheyenne, Kiowa, Comanche, Arapaho und Caddo gefangen, wegen ihrer Beteiligung an Ereignissen des Red-River-Kriegs. Das Hood Museum nennt ebenfalls 72 Gefangene, der National Park Service 74.[16, 59] 26 von ihnen, meist Cheyenne und Kiowa, schufen auf Anregung ihrer Bewacher Hunderte Zeichnungen und mehrere Bücher über ihr früheres Leben und die Haft.[15] Leutnant Richard Henry Pratt, der Leiter des Gefängnisses, gab ihnen Stifte, Farben und Bücher und ermunterte die Bürger der Stadt und die Feriengäste, die Bilder als Andenken zu kaufen. Pratt wollte, dass die Gefangenen ihre Sprache und Kleidung aufgaben.[16, 59] Zu den Künstlern gehörten Bear's Heart und Chief Killer, beide Southern Cheyenne; ein Buch mit 24 Zeichnungen von Bear's Heart schenkte Pratt William Tecumseh Sherman.[15, 16] Das Hood Museum nennt die Zeichnungen wichtige Primärquellen dieser schmerzhaften Zeit.[16]

M

"Manitu"

Der Duden erklärt Manitu als allem innewohnende, unpersönliche, auch als Geist personifizierte Macht; das Wort kommt aus dem Algonkin und hieß ursprünglich etwa geheimnisvoll oder heilig.[17] Im Ojibwe übersetzt das Ojibwe People's Dictionary manidoo mit Geist oder Gott.[18] Frühe Belege und Karl Mays Gebrauch des Wortes behandelt die Seite Manitu: Bedeutung und Herkunft.

"Medizinmann"

Der Duden erklärt den Medizinmann als Mann, der als Heiler und Priester wirkt und sich dabei der Magie bedient; salopp und scherzhaft heißt so auch ein Arzt.[21] Britannica beschreibt mit dem englischen medicine man ein Mitglied einer indigenen Gesellschaft, das die Kräfte von Heilmitteln kennt und die Rituale beherrscht, mit denen sie gegeben werden. Gebraucht wurde das Wort vor allem für die Kulturen der Native Americans. Solche Fachleute sollen Krankheiten Einzelner verhüten und heilen, aber auch Brüche in der Gemeinschaft, etwa nach einem Mord.[20] Begriff, Geschichte und heutige Heiler behandelt die Seite Medizinmann und Schamane.

Mokassins

Ein Mokassin ist nach Merriam-Webster ein weicher Lederschuh ohne Absatz, dessen Sohle an den Seiten des Fußes hochgezogen ist; das Wort stammt aus dem Virginia-Algonkin (mockasin) und ist im Englischen um 1612 belegt.[2] Bei den drei Gruppen der Blackfoot, den Kainai (Blood), Piikani (Peigan) und Siksika (das Museum schreibt Kainaiwa, Pii-kunii und Siksika), waren frühe Mokassins nach dem Canadian Museum of History weich und aus einem Stück genäht; sie hießen niit-tsi-tsi-kiin, "der wahre Mokassin". Die zweiteilige Form mit harter Sohle aus Rohhaut kam wahrscheinlich mit dem Pferd auf.[22] Formen der einzelnen Völker auf der Seite Mokassins.

P

Pemmikan

Pemmikan ist nach der Canadian Encyclopedia getrocknetes Fleisch, traditionell vom Bison, zu grobem Pulver gestampft und mit der gleichen Menge geschmolzenem Fett vermischt, manchmal auch mit Beeren. In Säcke aus Bisonhaut genäht, ließ er sich gut lagern und versenden und versorgte die Bootsleute (voyageurs) des Pelzhandels. Handelsposten am Red River, Assiniboine und North Saskatchewan kauften ihn bei indigenen Völkern und den Métis.[23] Das Wort kommt aus dem Cree, bei Merriam-Webster pimihka·n, belegt seit 1743; die Canadian Encyclopedia schreibt pimikan und übersetzt es mit "hergestelltes Fett".[4, 23] Zum Pemmikan-Krieg im Pelzhandel siehe Pemmikan.

Pfeil und Bogen

Pfeil und Bogen waren nach dem National Park Service spätestens um 250 n. Chr. unentbehrlich für die Völker der Great Plains, zur Jagd wie im Krieg; noch im späten 19. Jahrhundert zogen sie den Bogen dem Gewehr vor.[24] Die Bögen der Plains bestehen nach dem Buffalo Bill Center of the West im Norden meist aus Esche, Traubenkirsche oder Wacholder, im Süden aus Osagedorn.[25] Bauweisen und Geschichte auf der Seite Pfeil und Bogen indigener Völker.

Potlatch

Mit einem Potlatch begehen die Kwakwaka'wakw nach dem U'mista Cultural Centre Geburt, Heirat, Namensgebung, die Einsetzung eines neuen Chiefs und den Tod und erzählen dabei ihre Geschichten. Das Wort bedeutet in der Chinook-Sprache "geben": Die Gäste sind Zeugen und bekommen dafür Geschenke.[26] Kanada stellte den Potlatch mit einer Änderung des Indian Act vom 19. April 1884 unter Strafe. Nach einem Potlatch von Dan Cranmer auf Village Island 1921 wurden 45 Menschen festgenommen und angeklagt. Bei der Neufassung des Indian Act 1951 fiel der Paragraf weg, und 1952 gab Chief Mungo Martin in Victoria den ersten öffentlichen Potlatch.[26] Mehr zur Region auf der Seite Nordwestküste.

Powwow

Ein Powwow ist nach der Encyclopedia of the Great Plains ein Treffen indigener Menschen zum Singen, Tanzen, Feiern und Beisammensein, mit Zeremonien, Tanzwettbewerben und Tänzen für alle. Die Sängergruppen heißen "drums", die Tänzer tragen aufwendige Festkleidung (regalia). Powwows reichen von kleinen Treffen einer Gemeinde bis zu großen Festen mit Gästen vom ganzen Kontinent; den heute verbreiteten Stil nennt die Enzyklopädie "intertribal", weil er Tänze und Lieder mehrerer Nationen verbindet.[27] Powwows sind nach dem National Museum of the American Indian soziale Veranstaltungen, offen für alle, für indigene wie nicht indigene Besucher. Das Museum leitet das Wort von einem Algonkin-Wort pau-wau für eine Heilungszeremonie ab.[28] Das Wort kommt nach Merriam-Webster aus dem Narragansett (powwaw) oder dem Massachusett (pauwau) und ist seit 1624 belegt. Wer es allgemein für ein geselliges Treffen oder eine Besprechung gebraucht, verwendet es nach dem Wörterbuch auf eine Weise, die als anstößig gilt.[3] Tänze und Regeln für Gäste beschreibt die Seite Powwow.

S

Sandmalerei

Sandbilder (englisch sand paintings oder dry paintings) heißen bei den Navajo iikááh. Nach dem Tony Hillerman Portal der University of New Mexico legt sie ein hataałii (englisch oft medicine man) aus farbigem Sand, zerstoßenen getrockneten Pflanzen, zerstoßenem Stein und anderen Farbpulvern auf den Boden. Die Bilder stellen Geschichten der Navajo-Überlieferung dar und gehören zu bestimmten Gesängen.[19]

Entstanden sind die Sandbilder als Teil religiöser Zeremonien und Heilungen, nicht als Kunst um ihrer selbst willen. Heute fertigen viele Navajo-Künstler Sandbilder für den Kunsthandel; diese enthalten meist bewusst Fehler, damit sie kein genaues Abbild eines heiligen Zeremonialbildes sind.[19]

Steilwand aus rotem, ockerfarbenem und hellem Sandstein in Schichten über einem trockenen Flussbett in der Wüste, im späten Nachmittagslicht
Farbige Sandsteinschichten im Hochland des Südwestens Bild: KI-generiert

Sonnentanz

Der Sonnentanz steht nach der Encyclopedia of the Great Plains im Mittelpunkt der religiösen Identität vieler Plains-Völker. Zu den Nationen, die ihn im 19. Jahrhundert hielten und bis heute halten, zählt sie Arapaho, Cheyenne, Blackfoot sowie Lakota und Dakota; von dort verbreitete er sich zu vielen anderen Nationen. Der englische Name geht auf Wi wanyang wacipi zurück, übersetzt "Tanz, bei dem man in die Sonne blickt"; die Enzyklopädie schreibt die Bezeichnung den "Sioux" zu, also Lakota und Dakota. Seinen Kern beschreibt die Enzyklopädie als Opfer im Austausch mit den geistigen Mächten, damit es Freunden, Familie und dem ganzen Volk gut geht.[29] Regeln des US-Innenministeriums verboten ab 1883 Bräuche wie diesen; formell aufgehoben wurde das Verbot nach der National Indian Law Library erst mit dem American Indian Religious Freedom Act von 1978.[30] Britannica nennt 1934 als Jahr, in dem die USA das Verbot zurücknahmen; der Sonnentanz ist bei vielen Plains-Völkern bis heute eine wichtige religiöse Zeremonie.[31] Bedeutung, das Verbot von 1883 und die Zeremonie heute beschreibt die Seite Der Sonnentanz.

Süßgras

Süßgras (englisch sweetgrass, Hierochloe odorata) ist ein duftendes Gras, das nach dem US-Landwirtschaftsministerium von vielen Nationen bis heute bei Zeremonien gebraucht wird, etwa von den Lakota, Cheyenne und Blackfeet: Die getrockneten, geflochtenen Halme werden als Räucherwerk verbrannt.[32] Die Fond du Lac Band, eine Gemeinschaft der Ojibwe in Minnesota, zählt Süßgras (Ojibwe weengushk) mit Tabak, Zeder und Salbei zu den vier heiligen Medizinen der Anishinaabe.[33] Auch Tabak, Salbei und Zeder behandelt die Seite Heilige Pflanzen: Tabak, Salbei, Süßgras und Zeder.

T

Tipi

Ein Tipi ist nach der Encyclopedia of the Great Plains ein kegelförmiges Zelt der Plains-Völker aus 15 bis 25 Stangen und einer Decke, die bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Bisonhäuten bestand und danach nach und nach aus Segeltuch. Fast alle Nationen der Great Plains von Texas bis ins südliche Kanada nutzten Tipis. Meist fertigten, bauten und pflegten Frauen das Tipi, Männer bemalten es. Nach der Enzyklopädie heißt das Wort wörtlich etwa "zum Wohnen benutzt"; der Duden leitet es aus dem Dakota ab.[34, 35] Heute leben nach dem National Museum of the American Indian die meisten Native Americans in gewöhnlichen Häusern und Wohnungen, über 70 Prozent in Städten oder Vororten.[28] Aufbau und Geschichte des Tipis beschreibt die Seite Das Tipi.

Tomahawk

Das Wort Tomahawk stammt nach Merriam-Webster aus dem Virginia-Algonkin (tomahack) und ist im Englischen um 1612 belegt.[1] Merriam-Webster erklärt es als leichte Axt, die vor allem indigene Völker Nordamerikas als Wurf- und Hiebwaffe gebrauchten.[1] Die Handelsbeile (trade tomahawks) mit Klinge aus Metall wurden nach dem Smithsonian meist in Europa hergestellt, und Siedler nutzten sie als Tauschware im Handel mit indigenen Völkern.[36] Pfeifentomahawks und Geschichte auf der Seite Tomahawk.

Totempfahl

Totempfähle stehen bei Völkern der Nordwestküste, etwa bei den Tlingit und Haida. Nach dem National Park Service in Sitka zeigen sie meist die Abstammung eines Clans (Wappenpfähle), seine Geschichte, Überlieferungen oder Erlebnisse, oder sie erinnern an einen bedeutenden Menschen.[37] Merriam-Webster belegt das englische totem pole seit 1880.[38] Arten und Geschichte der Pfähle auf der Seite Totempfahl.

Traumfänger

Auf Ojibwe heißt der Traumfänger izhi'on. Nach einer Seite der Great Lakes Indian Fish and Wildlife Commission hängt er bei vielen Ojibwe-Familien traditionell über dem Bett; sein Netz gleicht einem Spinnennetz und soll in der Nacht die schlechten Träume festhalten und die guten durchlassen.[39] Herkunft und Geschichte auf der Seite Der Traumfänger.

Travois

Ein Travois ist ein Schleppgestell aus Holz, das ein Hund oder Pferd mit einem Ledergeschirr zieht. Nach der Encyclopedia of Saskatchewan besteht das einfache Hundetravois aus zwei Stangen aus Espe oder Pappel, die an einem Ende eingekerbt und mit Bisonsehnen zusammengebunden sind; nahe den gespreizten Enden verbinden Querhölzer die Stangen. Das Gestell sieht aus wie ein großes A. Die Spitze, mit Bisonfell umwickelt, liegt auf den Schultern des Hundes, die Enden schleifen über den Boden.[40]

Alle Plains-Nationen nutzten das Travois; außerhalb Nordamerikas ist es nach derselben Quelle nicht bekannt. Im Grasland gleiten die Enden fast ohne Widerstand, in Busch und Schluchten kommt es kaum voran. Frauen der First Nations bauten die Travois und führten die Hunde; typische Lasten waren Bisonfleisch und Brennholz. Mit dem Pferd entstanden viel größere Travois, auf denen auch Kinder oder Kranke reisen konnten.[40] Mit Hunden kam eine Familie mit ihrem Tipi nach der Encyclopedia of the Great Plains fünf bis sechs Meilen (etwa 8 bis 10 Kilometer) am Tag voran; mit Pferden, die die Tipistangen als Travois zogen, waren es 10 bis 15 Meilen (etwa 16 bis 24 Kilometer).[34] Das Wort kam über das kanadische Französisch ins Englische, von travail, der Deichsel eines Karrens; Merriam-Webster belegt travois seit 1847.[41]

W

Wampum

Wampum sind röhrenförmige Perlen aus Muschel- und Schneckenschalen, aufgefädelt zu Schnüren oder gewebt zu Gürteln.[42] Die violetten Perlen stammen nach der Ganondagan State Historic Site aus der Schale der Venusmuschel (Quahog, Mercenaria mercenaria), die weißen aus verschiedenen Wellhornschnecken; eine Perle herzustellen war und ist mühsam.[43] Das Wort übernahmen englische Siedler aus einer östlichen Algonkin-Sprache. Wampumpeag, die längere Form, heißt nach Britannica "Schnüre aus weißen Perlen"; Merriam-Webster belegt wampum seit 1636.[42, 44] Die Seneca sagen Ote-ko-a.[45]

Bei den Haudenosaunee halten Gürtel aus Wampum Geschichte, Überlieferungen und Gesetze fest; Muster und Farben helfen beim Erinnern.[43] Weiß steht nach der Haudenosaunee Confederacy für Frieden, Violett für ernste oder politische Botschaften.[45] Jeder Chief und jede Clanmutter hat Schnüre als Nachweis des Amtes, die an den Nachfolger übergehen; Boten bewiesen mit Wampum, dass sie eine Nachricht überbringen durften. Die Onondaga Nation verwahrt die Wampum der Konföderation.[45, 46] Der Two Row Wampum hält nach Ganondagan den Vertrag von 1613 mit Vertretern der Niederlande fest: zwei Reihen violetter Perlen auf weißem Grund für ein Kanu und ein Schiff, die nebeneinander auf demselben Fluss fahren, ohne sich zu berühren.[43] Im Herbst 1989 kamen Gürtel, die der Staat New York in sein Museum gebracht hatte, zur Onondaga Nation zurück.[46]

Geld war Wampum zunächst nicht. Vor der Ankunft der Europäer hatte er nach Britannica vor allem zeremoniellen Wert, als Zeugnis von Verträgen und als Geschenk. Im frühen 17. Jahrhundert diente er im Handel zwischen Siedlern und indigenen Völkern als Zahlungsmittel, weil europäisches Geld knapp war. Als Mitte des 18. Jahrhunderts Maschinen Wampum in Massen herstellten, endete der Gebrauch als Geld im Osten der USA.[42] Die Haudenosaunee Confederacy schreibt, dass zuerst die Kolonisten Wampum als Geld benutzten.[45] Den Handel im Nordosten beschreibt die Seite Haudenosaunee.

Weiße und violett gefleckte Muschelschalen und Schneckengehäuse im nassen Sand eines Atlantikstrands bei tief stehender Sonne
Schalen von Venusmuschel und Wellhornschnecke, aus denen Wampum entsteht Bild: KI-generiert

Wigwam

Ein Wigwam ist nach Merriam-Webster eine Hütte der indigenen Völker im Gebiet der Großen Seen und weiter östlich, meist mit einem gewölbten Gerüst aus Stangen, das mit Rinde, Matten oder Häuten bedeckt ist. Das Wort kommt aus dem östlichen Abenaki (wìkəwαm, Haus) und ist im Englischen seit 1628 belegt.[47]

Sprachkritik: belastete Wörter und Klischees

Manche Wörter, die man im Deutschen mit indigenen Völkern verbindet, kennt man aus Karl Mays Romanen, andere gelten als Beleidigung. Karl May lässt seine Figuren in "Winnetou I" (1893) von "Bleichgesichtern" und "Squaws", vom "Marterpfahl" und vom ausgegrabenen "Kriegsbeil" sprechen und Reden mit "Howgh" beenden.[48] Mays Romane sind Literatur und keine Quelle über indigene Völker (mehr auf der Seite Winnetou).

"Bleichgesicht"

Der Duden erklärt "Bleichgesicht" umgangssprachlich als jemanden, der sehr blass aussieht, und, oft scherzhaft, als Weißen, ursprünglich aus der Sicht nordamerikanischer indigener Völker.[49] Das englische paleface für einen weißen Menschen belegt Merriam-Webster seit 1823 und kennzeichnet es als herabsetzend.[50] In "Winnetou I" lässt Karl May den Anführer seiner Apachen von der Zeit sprechen, "welche die Bleichgesichter eine Stunde nennen".[48] Ein Vorbild in einer bestimmten indigenen Sprache nennen Duden und Merriam-Webster nicht.[49, 50]

"Howgh"

Bei Karl May beendet Intschu tschuna, der Anführer seiner Apachen, eine Rede mit "Howgh!". May erklärt das Wort direkt danach selbst als "indianisches Bekräftigungswort", das so viel heiße wie Amen oder basta.[48] Aus welcher Sprache es stammen soll, gibt er nicht an.[48]

"Das Kriegsbeil begraben"

"Das Kriegsbeil begraben" heißt im Deutschen nach dem DWDS bildlich und umgangssprachlich, einen Streit beizulegen; die Gegenform ist "das Kriegsbeil ausgraben".[51] Das Vorbild ist die englische Wendung bury the hatchet, nach dem Online Etymology Dictionary seit 1754 belegt im Sinn von "die Waffen niederlegen, Kränkungen vergessen und Frieden schließen". Die Wendung geht danach auf einen Brauch indigener Völker beim Friedensschluss zurück, der seit 1680 beschrieben ist.[52] Bei Karl May droht Intschu tschuna, sonst werde "das Kriegsbeil ausgegraben".[48] Mehr zur Redewendung auf der Seite Tomahawk.

"Marterpfahl"

Der Duden erklärt den Marterpfahl als hölzernen Pfahl, an den Gefangene gebunden und an dem sie gefoltert wurden, und setzt in Klammern dazu: früher bei nordamerikanischen indigenen Bevölkerungsgruppen üblich. Ob, bei welchen Völkern und wann es das gab, nennt der Wörterbucheintrag nicht.[53] In "Winnetou I" sagt Tangua, bei May der Anführer der Kiowa, über gefangene Apachen: "Sie kommen an den Marterpfahl."[48]

"Rothaut"

"Rothaut" ist nach dem Duden eine Lehnübersetzung des englischen redskin und spielt auf die rote Körperbemalung an, die unter indigenen Völkern Nordamerikas verbreitet war. Der Duden kennzeichnet das Wort als diskriminierend.[54] Merriam-Webster belegt redskin seit etwa 1769 und nennt es eine beleidigende, verächtliche Bezeichnung für indigene Menschen Amerikas.[55]

"Squaw"

Das englische "squaw" stammt nach Merriam-Webster aus dem Massachusett (squa, ussqua: Frau) und ist seit 1622 belegt. Das Wörterbuch kennzeichnet es als beleidigend, in der Bedeutung "Frau, Ehefrau" auch als veraltet und herabsetzend.[57] Mit der Secretarial Order 3404 vom 19. November 2021 stufte das US-Innenministerium das Wort offiziell als abwertend ein: Es sei historisch als beleidigende ethnische, rassistische und sexistische Bezeichnung gebraucht worden, besonders für indigene Frauen. Damals trugen nach einer Datenbank des Board on Geographic Names mehr als 650 Flächen des Bundes das Wort im Namen; Montana, Oregon, Maine und Minnesota hatten es in Ortsnamen schon per Gesetz verboten.[56] Der Duden erklärt "Squaw" als Frau, die von einer nordamerikanischen indigenen Bevölkerungsgruppe abstammt, und leitet es aus dem Algonkin ab; einen Hinweis auf den abwertenden Gebrauch gab er im Dezember 2024 nicht.[58] In Karl Mays "Winnetou I" sagt der Erzähler zu einem Anführer der Kiowa, er habe gedacht, sie würden die gefangenen Apachen "in Gegenwart eurer Squaws und Kinder" am Marterpfahl sterben lassen.[48]

Häufige Fragen

Was ist Wampum?

Wampum sind röhrenförmige Perlen aus Muschel- und Schneckenschalen, aufgefädelt zu Schnüren oder gewebt zu Gürteln; die violetten stammen von der Venusmuschel, die weißen von Wellhornschnecken. Bei den Haudenosaunee halten Gürtel Geschichte, Gesetze und Verträge fest. Als Zahlungsmittel diente Wampum erst im frühen 17. Jahrhundert im Handel mit den Siedlern.

Was ist Ledger Art?

So heißen Zeichnungen von Männern aus Plains-Nationen im 19. Jahrhundert, gemacht mit Bleistift, Tinte und Wasserfarbe auf Seiten alter Geschäftsbücher. Bekannt sind die Blätter aus Fort Marion in Florida, wo die USA von 1875 bis 1878 Männer der Cheyenne, Kiowa, Comanche, Arapaho und Caddo gefangen hielten.

Was ist ein Travois?

Ein Schleppgestell aus zwei Stangen, an einem Ende zusammengebunden und mit Querhölzern verbunden, das ein Hund oder später ein Pferd zog. Alle Plains-Nationen nutzten es; gebaut haben es die Frauen. Das Wort kam über das kanadische Französisch ins Englische.

Was ist die Sandmalerei der Navajo?

Sandbilder, auf Navajo iikááh, legt ein hataałii aus farbigem Sand, Pflanzen- und Steinpulver für religiöse und heilende Zeremonien. Sie stellen Geschichten der Navajo-Überlieferung dar. Sandbilder für den Kunsthandel enthalten meist bewusst Fehler, damit sie kein genaues Abbild eines heiligen Bildes sind.

Warum gilt das Wort "Squaw" als Beleidigung?

Das US-Innenministerium stufte es am 19. November 2021 offiziell als abwertend ein: Es sei historisch als beleidigende ethnische, rassistische und sexistische Bezeichnung gebraucht worden, besonders für indigene Frauen. Merriam-Webster kennzeichnet das Wort als beleidigend.

Was bedeutet "Howgh"?

Bei Karl May beendet der Anführer seiner Apachen eine Rede mit "Howgh!". May erklärt es selbst als Bekräftigungswort, das so viel heiße wie Amen oder basta, nennt aber keine Sprache, aus der es stammen soll.

Quellen

  1. Nachschlagewerk tomahawk (Wörterbucheintrag mit Etymologie und First Known Use). Merriam-Webster. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  2. Nachschlagewerk moccasin (Wörterbucheintrag mit Etymologie). Merriam-Webster. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  3. Nachschlagewerk powwow (Wörterbucheintrag mit Etymologie und Gebrauchshinweis). Merriam-Webster. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  4. Nachschlagewerk pemmican (Wörterbucheintrag mit Etymologie). Merriam-Webster. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  5. Nachschlagewerk Todd M. Kerstetter: Ghost Dance (Encyclopedia of the Great Plains, hrsg. von David J. Wishart). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026
  6. Nachschlagewerk Häuptling. Duden online. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  7. Nachschlagewerk Häuptling (Bedeutungen nach eWDG 1969; Etymologie nach Wolfgang Pfeifer, Eintrag Haupt). Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  8. Tribal Nation Katsina Dolls. Hopi Cultural Preservation Office (Seite bei der Northern Arizona University). Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  9. Nachschlagewerk kachina (Wörterbucheintrag mit Etymologie). Merriam-Webster. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  10. Nachschlagewerk James O. Gump: War Chiefs (Encyclopedia of the Great Plains, hrsg. von David J. Wishart). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026
  11. Amtliche Stelle Cheyenne. National Park Service, Little Bighorn Battlefield National Monument. Stand 28.08.2025. abgerufen am 27.10.2026
  12. Nachschlagewerk John H. Moore: Cheyenne, Southern (The Encyclopedia of Oklahoma History and Culture, Eintrag CH030). Oklahoma Historical Society. Stand 15.01.2010. abgerufen am 27.10.2026
  13. Nachschlagewerk Benjamin R. Kracht: Kiowa (tribe) (The Encyclopedia of Oklahoma History and Culture, Eintrag KI017). Oklahoma Historical Society. Stand 15.01.2010. abgerufen am 27.10.2026
  14. Museum Seneca Bark Longhouse (Ganondagan State Historic Site). Friends of Ganondagan. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  15. Museum Keeping History: Plains Indian Ledger Drawings (Albert H. Small Documents Gallery). Smithsonian, National Museum of American History. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  16. Museum Chief Killer, Southern Tsistsistas (Native American Art Teacher Resources, Plains: Economics). Hood Museum of Art, Dartmouth College. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  17. Nachschlagewerk Manitu. Duden online. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  18. Nachschlagewerk manidoo (na). The Ojibwe People's Dictionary, University of Minnesota (Hrsg. Nora Livesay, John D. Nichols). Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  19. Nachschlagewerk sand painting (The Tony Hillerman Portal). University of New Mexico, University Libraries. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  20. Nachschlagewerk medicine man. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  21. Nachschlagewerk Medizinmann. Duden online. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  22. Museum Moccasins: Kainaiwa (Blood) (Ausstellung im Netz). Canadian Museum of History. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  23. Nachschlagewerk John E. Foster, aktualisiert von Daniel Baird: Pemmican. The Canadian Encyclopedia, Historica Canada. Stand veröffentlicht 07.02.2006, bearbeitet 04.03.2015. abgerufen am 27.10.2026
  24. Amtliche Stelle Contrary to Popular Belief (Arrows, Guns and Buffalo, Dana Dick). National Park Service, Fort Union Trading Post National Historic Site. Stand 23.04.2021. abgerufen am 27.10.2026
  25. Museum Ernest Gendron: Plains Indian Weapons, part I: the Bow and Arrows. Buffalo Bill Center of the West. Stand 21.07.2017, geändert 28.04.2021. abgerufen am 27.10.2026
  26. Tribal Nation The History of the Potlatch Collection. U'mista Cultural Centre. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
  27. Nachschlagewerk Kenton Bales: Powwows (Encyclopedia of the Great Plains, hrsg. von David J. Wishart). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 27.10.2026
  28. Museum Excerpts from Do All Indians Live in Tipis? (Native Knowledge 360). Smithsonian, National Museum of the American Indian. Stand ohne Datum. abgerufen am 27.10.2026
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