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Deutsche im Wilden Westen

Kurz erklärt Deutsche gehörten im 19. Jahrhundert zu den größten Einwanderergruppen der USA. 1880 lebten laut Census Bureau 1.966.742 in Deutschland geborene Menschen in den USA, mehr als aus jedem anderen Land. Im Westen siedelten sie unter anderem in Missouri, in Texas, wo der Adelsverein 1845 New Braunfels und 1846 Fredericksburg gründete, und auf den Great Plains.

Steinernes Farmhaus mit Fachwerkgiebel hinter einer niedrigen Feldsteinmauer im Hügelland von Texas, dazu Eichen und trockenes Gras im späten Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Wie viele Deutsche lebten in den USA und im Westen?

Die meisten deutschen Einwanderer kamen nach der Encyclopedia of the Great Plains zwischen 1840 und 1890 nach Nordamerika. Einen deutschen Nationalstaat gab es erst ab 1871; die Auswanderer stammten aus den einzelnen deutschen Staaten.[2] Nach den Volkszählungen, die das U.S. Census Bureau zusammengestellt hat, lebten 1850 in den USA 583.774 in Deutschland geborene Menschen, 1860 waren es 1.276.075 und 1880 schon 1.966.742.[1] 1880 bildeten sie damit unter den im Ausland Geborenen die größte Gruppe aus einem einzelnen Land, vor den 1.854.571 Menschen aus Irland; 1890 zählte die Statistik 2.784.894 in Deutschland Geborene.[1]

Auf den Great Plains siedelten deutsche Einwanderer laut der Encyclopedia ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ihre Zahl war dort aber nicht annähernd so groß wie im Mittleren Westen. In den ersten Jahren nach dem Bürgerkrieg ließen sie sich überwiegend in den Prärien im Osten des Dakota-Territoriums, in Nebraska und Kansas und in Teilen von Zentraltexas nieder; die trockene Steppe im Westen der Great Plains zog die meisten deutschen Bauern weniger an. Gelockt hatte sie unter anderem der Homestead Act von 1862 mit freiem oder billigem Land. 1910 waren in den Staaten der Great Plains im Durchschnitt etwa 9 Prozent der Einwohner in Deutschland geboren, in North Dakota 18 Prozent, in Oklahoma und Texas 5 Prozent.[2]

Warum wanderten Deutsche nach Amerika aus?

Die Encyclopedia of the Great Plains beschreibt Druck und Sog. Die Fabrikproduktion zerstörte vor allem im Nordwesten Deutschlands die hergebrachte Lebensweise, und in Nordamerika lockte die Aussicht auf eigenes Land. Unter den Auswanderern des 19. Jahrhunderts waren vor allem kleine Bauern, landlose Pächter, Mägde und Knechte. Viele reisten in kleinen Familiengruppen, viele junge Männer und Frauen auch allein.[2] Für die Texas-Deutschen hält Terry G. Jordan im Handbook of Texas fest, dass sie weder verarmt noch unterdrückt waren: Es waren Bauernfamilien mit eigenem Land, Handwerker und einige Akademiker, die sich die teure Überfahrt leisten konnten.[3]

Oft zog eine Familie die nächste nach. Jordan beschreibt diese Kettenwanderung am Beispiel Texas: Ein Wortführer wanderte aus und schrieb lange Briefe nach Hause, sogenannte Amerika-Briefe, und aus kleinen Kirchspielen in Deutschland folgten ihm ganze Gruppen. Wer in Texas Nachbar war, war es oft schon in Deutschland gewesen.[3] Auch ein Buch lockte Auswanderer nach Missouri: Gottfried Duden schilderte in seinem viel gelesenen Reisebericht über die westlichen Staaten Nordamerikas seine Zeit auf einer Farm in Missouri in den 1820er Jahren; die State Historical Society of Missouri nennt das Bild romantisiert.[4, 5]

Missouri: Duden, Hermann und der Bürgerkrieg

Duden war Jurist aus Preußen. Nach einem Vortrag des Einwanderungshistorikers Dr. Luebbering, den das Missouri State Archives als Abschrift veröffentlicht, kaufte er eine kleine Farm bei Marthasville und blieb drei Jahre, in denen die Winter und Sommer mild waren. Sein Buch war eines von etwa 50, die in den 1830er Jahren in Deutschland für die Auswanderung in die USA warben.[5] Von den 1820er Jahren an und verstärkt in den 1830er und 1840er Jahren ließen sich Deutsche in Missouri nieder, vor allem in St. Louis und im Tal des Missouri. Meist trieben sie wirtschaftliche Gründe, manchmal politische. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 kamen viele politische Flüchtlinge.[4]

Nach Luebbering zählte der Census in Missouri 1830 nur einige hundert Deutsche, 1850 waren es 45.000 und 1860 fast 90.000, also 7,5 Prozent der Bevölkerung des Staates.[5] Manche kamen in organisierten Gruppen. Die German Settlement Society of Philadelphia, eine deutsche Siedlungsgesellschaft, gab sich 1836 eine Satzung, verkaufte Anteile, erwarb 11.000 Acres (rund 4.450 Hektar) Land in Missouri und legte die Stadt Hermann an. Wegen dieses Erbes heißt die Gegend oft Little Rhineland, das kleine Rheinland am Missouri.[6] In Hermann druckten Carl Strehly und Eduard Muehl 1843 eine deutsche Zeitung; Strehlys Haus gehört heute zur Deutschheim State Historic Site. Missouri State Parks nennt sie die erste deutsche Zeitung westlich des Mississippi, die State Historical Society of Missouri verzeichnet dagegen den Licht-Freund, der seit 1840 in Hermann erschien, und den Anzeiger des Westens in St. Louis mit Beständen ab 1835.[6, 4]

Im Bürgerkrieg lehnten die meisten Deutschen in Missouri die Sklaverei ab, und viele kämpften dafür, dass der Staat in der Union blieb.[4] Als im Mai 1861 die Staatsmiliz bei St. Louis im Camp Jackson zusammenkam, warb Frank Blair Soldaten für die Union an; binnen zwei Wochen meldeten sich nach Luebbering 2.000 Deutsche. Am 10. Mai umstellte Nathaniel Lyon das Lager. Nach Luebbering hatte er 6.000 Mann gegen rund 900 Milizionäre, viele Regimenter standen unter deutschen Offizieren wie Franz Sigel und Heinrich Boernstein, und die Miliz ergab sich ohne einen Schuss; der National Park Service nennt 6.500 Mann und eine Garnison von 700.[5, 24] Auf dem Marsch mit den Gefangenen durch St. Louis fielen Schüsse zwischen der Menge und den Soldaten. Es starben 28 Zivilisten und nach Luebbering vier, nach dem National Park Service zwei Soldaten; wer zuerst schoss, ist nach Luebbering ungeklärt.[5, 24]

Weinberg an einem Hang über dem Tal des Missouri, darunter Backsteinhäuser einer kleinen Stadt im warmen Abendlicht
Nachempfundene Szene: Weinberg und Backsteinhäuser über dem Missouri Bild: KI-generiert

Texas-Deutsche: vom Adelsverein bis Fredericksburg

Am Anfang der deutschen Siedlung in Texas stand nach dem Handbook of Texas Friedrich Diercks, ein Gärtner aus dem Großherzogtum Oldenburg, der sich in Texas Johann Friedrich Ernst nannte. Eigentlich wollte er nach Missouri. In New Orleans erfuhr er von den Landzuteilungen in der Kolonie von Stephen F. Austin und erhielt 1831 mehr als 4.000 Acres (rund 1.600 Hektar) im heutigen Austin County. Seine Briefe beschrieben Texas als Land mit einem Klima wie auf Sizilien, ohne Winter, und zogen einen kleinen, aber stetigen Strom von Auswanderern aus Oldenburg, Westfalen und Holstein nach sich.[3]

Den Adelsverein gründeten 21 deutsche Adlige am 20. April 1842 in Biebrich am Rhein bei Mainz zunächst vorläufig; am 25. März 1844 entstand der "Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas" mit Carl Emich III. zu Leiningen als Präsident. Die Adligen wollten die wirtschaftliche Not des deutschen Proletariats lindern, indem sie die Auswanderung nach Texas lenkten, und zugleich Absatzmärkte für die deutsche Industrie schaffen.[7] Die ersten Einwanderer gingen im Dezember 1844 bei Carlshafen an Land, dem späteren Indianola. Nach dem Handbook brachte der Verein mehr als 7.000 Menschen nach Texas; die Encyclopedia of the Great Plains spricht von etwa 10.000, die er von 1844 bis 1846 über Bremerhaven nach Galveston verschiffte.[7, 2] Ende 1847 stand der Verein vor dem Bankrott, im September 1853 übertrug die Nachfolgegesellschaft ihren Besitz den Gläubigern.[7]

Am 21. März 1845 führte Nicolaus Zink einen Wagenzug deutscher Einwanderer den Guadalupe hinauf an den Comal Creek. Dort entstand New Braunfels, benannt nach dem Gut des Prinzen Carl zu Solms-Braunfels an der Lahn; im Sommer lebten 300 bis 400 Siedler dort.[8] 1850 soll New Braunfels nach dem Handbook die viertgrößte Stadt in Texas gewesen sein. Die Neu Braunfelser Zeitung erschien von 1852 bis 1957 auf Deutsch.[8]

Solms' Nachfolger als Generalkommissar war John O. Meusebach, geboren am 26. Mai 1812 in Dillenburg als Otfried Hans Freiherr von Meusebach; in Texas legte er seinen Adelstitel ab.[10] Im August 1845 suchte er einen Platz für eine zweite Siedlung und fand ihn an zwei Bächen, vier Meilen (gut 6 Kilometer) vom Pedernales entfernt. Am 8. Mai 1846 kam der erste Wagenzug mit 120 Siedlern aus New Braunfels an, und Meusebach benannte den Ort Fredericksburg nach Prinz Friedrich von Preußen, einem einflussreichen Mitglied des Adelsvereins. Jeder Siedler erhielt ein Grundstück in der Stadt und 10 Acres Ackerland. Eine Seuche, die von Indianola und New Braunfels kam, tötete im Sommer und Herbst 1846 100 bis 150 Einwohner; trotzdem wuchs Fredericksburg in zwei Jahren auf fast 1.000 Menschen.[9]

Wie viele Deutsche insgesamt in Texas lebten, geben die Quellen verschieden an. Nach Jordan stellten Menschen deutscher Geburt oder Herkunft schon 1850 mehr als 5 Prozent der Bevölkerung von Texas. In den 1850er Jahren verdoppelte sich die Zahl der in Deutschland Geborenen auf über 20.000, und von 1865 bis Anfang der 1890er Jahre kamen wahrscheinlich noch einmal 40.000.[3] Die Encyclopedia of the Great Plains nennt für 1857 eine Schätzung von 35.000 bis 40.000 in Deutschland Geborenen in Texas.[2]

In der Hill Country, dem Hügelland im Zentrum von Texas, bauten die Siedler Häuser aus Fachwerk und Stein, meilenlange Steinmauern und gotische Kirchen. Sie sprachen einen eigenen deutschen Dialekt, feierten Schützenfeste, und in Fredericksburg gab es Osterfeuer. 1880 war ein Drittel der Einwohner von San Antonio deutsch.[3] Fredericksburg blieb lange deutschsprachig: Die erste Zeitung des County, das Fredericksburger Wochenblatt von 1877, erschien auf Deutsch, und erst nach 1900 stellten die öffentlichen Schulen Lehrer ein, die nur Englisch sprachen.[9]

Der Vertrag mit den Comanche 1847

Das Fisher-Miller-Landgebiet zwischen Llano und Colorado, auf dem der Adelsverein siedeln wollte, war Jagdgebiet der Comanche. Am 22. Januar 1847 zog eine bewaffnete Gruppe aus Deutschen, Mexikanern und amerikanischen Landvermessern von Fredericksburg aus in das Gebiet, Meusebach kam zwei Tage später dazu. Der Gouverneur von Texas hatte ihn vor den Folgen gewarnt.[11] Am 1. und 2. März 1847 verhandelte Meusebach am unteren San Saba mit Buffalo Hump, Santa Anna und weiteren Anführern der Comanche. Der Vertrag erlaubte den Siedlern, unbehelligt in das Gebiet zu ziehen, und den Comanche, in die Siedlungen zu kommen; er sah gegenseitige Meldung von Unrecht vor, die Vermessung von Land am San Saba und eine Zahlung von mindestens 1.000 Dollar.[11] Nach dem Handbook wurde der Vertrag zwei Monate später in Fredericksburg ratifiziert: Die Anführer der Comanche kamen am 9. Mai 1847 dorthin, um ihn zu unterzeichnen und die Geschenke im Wert von 3.000 Dollar abzuholen, die Meusebach ihnen versprochen hatte.[11, 10] Der Vertrag öffnete laut Handbook mehr als 3 Millionen Acres (rund 1,2 Millionen Hektar) für die Besiedlung. Die Urkunde kam 1970 aus Europa zurück und liegt seit 1972 in der Texas State Library.[11]

Im Bürgerkrieg: das Gefecht am Nueces 1862

Viele deutsche Gemeinden in Zentraltexas hielten im Bürgerkrieg zur Union, so auch Fredericksburg, wo trotzdem ein Teil der Einwohner die Konföderation unterstützte.[9] Am Morgen des 10. August 1862 griffen konföderierte Reiter am Westufer des Nueces, etwa 20 Meilen (gut 30 Kilometer) von Fort Clark, ein Lager von Unionisten aus der Hill Country an, die nach Mexiko unterwegs waren. Die meisten von ihnen waren deutsche Intellektuelle unter Major Fritz Tegener. Von den 61 bis 68 Unionisten wurden 19 getötet und neun verwundet, die Verwundeten wurden einige Stunden später hingerichtet; auf konföderierter Seite starben zwei Mann.[12] Die Konföderierten sahen darin einen militärischen Einsatz gegen Aufständische, viele Deutsche in der Hill Country ein Massaker. In Comfort erinnert seit dem 10. August 1866 das Denkmal "Treue der Union" an die Toten; nach dem Handbook ist es im Süden das einzige deutschsprachige Denkmal für die Union, bei dem die Gefallenen begraben liegen.[12]

Deutsche auf den Great Plains: Kansas und die Russlanddeutschen

Viele deutschsprachige Siedler auf den Plains kamen aus Russland. Katharina die Große hatte 1763 Deutsche an die Wolga gerufen und ihnen Steuerfreiheit, ein Darlehen für die Reise und die Befreiung vom Militärdienst versprochen.[13] Nach der Kansas Historical Society gründeten von 1763 bis 1768 mehr als 25.000 Deutsche 104 Kolonien an Wolga und Karaman.[13] Die Encyclopedia of the Great Plains nennt etwa 23.184 Siedler und 104 Mutterkolonien zwischen 1764 und 1768.[15] 1871 hob Zar Alexander II. die Befreiung vom Militärdienst auf.[13] Von 1873 bis 1914 wanderten laut der Encyclopedia etwa 115.000 Russlanddeutsche in die USA aus und etwa 150.000 nach Westkanada.[15]

Die erste Gruppe aus den Wolgakolonien brach 1875 nach Topeka auf. Die Kansas Pacific Railroad warb die Familien für ihr Land in Ellis County und im Norden von Rush County, große Siedlungen entstanden auch in Russell County und in North Topeka.[13] Mennoniten aus Russland ließen sich in Marion County nieder, katholische Wolgadeutsche in Ellis County.[14] Die Wolgadeutschen hatten ihr Land in Russland gemeinsam bewirtschaftet und brachten kein Geld aus Landverkäufen mit; viele arbeiteten deshalb zuerst als Tagelöhner in den Eisenbahnorten oder als Wanderarbeiter auf Farmen.[15] Anfangs begegnete man den Russlanddeutschen in Kansas laut der Kansas Historical Society oft mit Feindseligkeit.[13] Nach der Volkszählung von 1910 lebten unter den Staaten der Great Plains die meisten Russlanddeutschen in North Dakota (31.910), gefolgt von Kansas (15.311), South Dakota (13.189) und Nebraska (13.020).[15]

Reifes Weizenfeld auf der Prärie von Kansas mit einem einfachen Holzfarmhaus und einer Windmühle am Horizont unter weitem Himmel
Nachempfundene Szene: Weizenfeld und Farmhaus auf der Prärie Bild: KI-generiert

Forscher, Schriftsteller und Unternehmer

Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied (1782 bis 1867), Naturforscher und Ethnologe, reiste 1832 mit dem Schweizer Maler Karl Bodmer nach Nordamerika. Die National Archives nennen die Expedition von 1832 bis 1834 die erste wissenschaftliche Erkundung des oberen Missouri seit Lewis und Clark fast dreißig Jahre zuvor.[16] Im April 1833 fuhr die Gruppe auf dem Dampfer Yellow-Stone von St. Louis den Missouri hinauf und überwinterte fünf Monate in Fort Clark, wo Bodmer das Leben der Mandan festhielt; im Juli 1834 verließ sie Amerika wieder.[17]

Balduin Möllhausen, am 27. Januar 1825 bei Bonn geboren, zog 1851 mit Prinz Paul von Württemberg über die Plains nach Fort Laramie. 1853 und 1854 zeichnete er für die Eisenbahnvermessung von Lieutenant Amiel Weeks Whipple entlang des 35. Breitengrads, 1857 holte ihn Lieutenant Joseph Christmas Ives zur Erkundung des Colorado. Die Bilder im Bericht von Ives gehören laut Handbook of Texas zu den ersten veröffentlichten Ansichten des Grand Canyon. Zurück in Deutschland schrieb er zahlreiche Romane über Amerika und wurde als "der deutsche Cooper" bekannt.[18]

Friedrich Gerstäcker (1816 bis 1872) aus Hamburg ging im März 1837 als Auswanderer in die USA. Auf seinen Wanderungen von der kanadischen Grenze bis Texas lernte er Land und Leute kennen, im September 1843 kehrte er zurück. Sein erster Roman "Die Regulatoren in Arkansas" erschien 1846 in drei Bänden; auf einer zweiten großen Reise ab 1849 besuchte er auch das neue Goldland Kalifornien.[19]

Johann August Sutter wurde laut Britannica am 15. Februar 1803 in Kandern in Baden geboren, verbrachte aber einen großen Teil seines frühen Lebens in der Schweiz und war Schweizer Bürger. 1839 erreichte er Kalifornien und gründete am Sacramento die Kolonie Nueva Helvetia, 1841 baute er Sutter's Fort. Die indigenen Menschen der Gegend beutete er als Arbeitskräfte aus. Nach dem Goldfund von 1848 auf seinem Land, mit dem der Kalifornische Goldrausch begann, war er 1852 bankrott.[20]

Levi Strauss wurde nach der Firmengeschichte von Levi Strauss & Co. 1829 in Buttenheim in Bayern geboren. Nach der Arbeit im Großhandel seiner Brüder in New York ging er 1853 in das San Francisco des Goldrauschs und eröffnete ein eigenes Geschäft für Textilwaren, das die kleinen Läden des Westens belieferte. 1873 erhielten das Unternehmen und Jacob Davis ein US-Patent auf Nieten an Arbeitshosen, die später Blue Jeans hießen.[21]

Auch in der Armee dienten Deutsche. Das 7. Kavallerieregiment, 1866 aufgestellt, hatte zu seiner stärksten Zeit rund 850 Mann. Über 40 Prozent von ihnen waren im Ausland geboren, die meisten in Irland oder in den deutschen Staaten; das Regiment kämpfte 1876 in der Schlacht am Little Bighorn.[22]

Und Karl May?

Wo Karl Mays Wilder Westen heute in Deutschland weiterlebt, auf Freilichtbühnen, in Museen und Westernstädten, zeigt die Seite Wilder Westen in Deutschland; über den Schriftsteller selbst steht mehr auf Karl May: Leben, Werk und Wilder Westen. Karl May, der Autor der Winnetou-Romane, wurde am 25. Februar 1842 in Ernstthal in Sachsen geboren und starb am 30. März 1912. Seine Reiseerzählungen spielen nach dem Deutschen Historischen Museum meist im Nordwesten der USA oder im Vorderen Orient, der vierteilige Roman "Winnetou" erschien von 1893 bis 1910.[23]

Zeitleiste: Deutsche im Westen der USA

Zeitleiste: Deutsche im Westen der USA
  1. 1831Friedrich Ernst aus Oldenburg erhält in der Kolonie von Stephen F. Austin in Texas mehr als 4.000 Acres Land; seine Briefe ziehen weitere Auswanderer nach.[3]
  2. 1832Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied bricht mit dem Schweizer Maler Karl Bodmer zu seiner Expedition nach Nordamerika auf.[16] Prinz Maximilian zu Wied und Karl Bodmer
  3. 1836Die German Settlement Society of Philadelphia gibt sich eine Satzung und verkauft Anteile; danach erwirbt sie 11.000 Acres in Missouri und legt die Stadt Hermann an.[6]
  4. März 1837Friedrich Gerstäcker reist als Auswanderer in die USA.[19] Friedrich Gerstäcker
  5. 1839Johann August Sutter erreicht Kalifornien.[20] Johann August Sutter
  6. 20.04.184221 deutsche Adlige gründen in Biebrich bei Mainz vorläufig den Adelsverein.[7]
  7. Dezember 1844Die ersten Einwanderer des Adelsvereins gehen bei Carlshafen in Texas an Land.[7]
  8. 21.03.1845Unter Nicolaus Zink entsteht am Comal Creek die Siedlung New Braunfels.[8]
  9. 08.05.1846Der erste Wagenzug mit 120 Siedlern aus New Braunfels erreicht Fredericksburg.[9]
  10. 01.03.1847Meusebach verhandelt am unteren San Saba mit Anführern der Comanche; die Verhandlungen enden am 2. März.[11] Comanche
  11. 09.05.1847Anführer der Comanche kommen nach Fredericksburg und unterzeichnen den Vertrag mit John O. Meusebach.[10] Comanche
  12. 1853Levi Strauss geht nach San Francisco und gründet dort sein Unternehmen.[21]
  13. 1857Balduin Möllhausen schließt sich der Expedition von Joseph Christmas Ives an den Colorado an.[18] Balduin Möllhausen
  14. 10.05.1861Unionstruppen unter Nathaniel Lyon, darunter viele deutsche Regimenter, umstellen bei St. Louis das Camp Jackson.[5]
  15. 10.08.1862Gefecht am Nueces: Konföderierte Reiter greifen deutsche Unionisten aus der Hill Country an.[12]
  16. 10.08.1866In Comfort in Texas wird das Denkmal Treue der Union eingeweiht.[12]
  17. 1873Levi Strauss & Co. und Jacob Davis erhalten ein US-Patent auf Nieten an Arbeitshosen.[21]
  18. 1875Die erste Gruppe Wolgadeutscher bricht nach Topeka in Kansas auf.[13]
  19. 1880In den USA leben 1.966.742 in Deutschland geborene Menschen, mehr als aus jedem anderen einzelnen Land.[1]

Mythos und Wahrheit

Mehr zur Besiedlung des Westens

Häufige Fragen

Wie viele Deutsche lebten im 19. Jahrhundert in den USA?

Nach den Tabellen des U.S. Census Bureau lebten 1850 in den USA 583.774 in Deutschland geborene Menschen, 1880 waren es 1.966.742 und 1890 2.784.894. 1880 waren sie damit die größte Gruppe unter den im Ausland Geborenen.

Warum wanderten so viele Deutsche nach Texas aus?

Am Anfang standen die Briefe von Friedrich Ernst, der 1831 Land in Texas erhielt und es als Land ohne Winter beschrieb. Ab 1844 brachte der Adelsverein, ein Verein deutscher Adliger, nach dem Handbook of Texas mehr als 7.000 Menschen ins Land. Die meisten suchten bessere wirtschaftliche Aussichten.

Wer gründete Fredericksburg in Texas?

John O. Meusebach, Generalkommissar des Adelsvereins, wählte den Platz aus. Am 8. Mai 1846 kam der erste Wagenzug mit 120 Siedlern aus New Braunfels an. Den Namen gab Meusebach nach Prinz Friedrich von Preußen, einem Mitglied des Vereins.

Was war der Adelsverein?

Der Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas wurde am 20. April 1842 in Biebrich bei Mainz von 21 Adligen vorläufig gegründet. Er gründete New Braunfels und Fredericksburg und stand Ende 1847 vor dem Bankrott.

Gab es Deutsche in Kansas?

Ja, viele von ihnen kamen aus Russland. Wolgadeutsche zogen ab 1875 nach Kansas und siedelten auf Land der Kansas Pacific Railroad in Ellis und Rush County, Mennoniten aus Russland in Marion County.

War Johann August Sutter Deutscher?

Sutter wurde 1803 in Kandern in Baden geboren, verbrachte aber einen großen Teil seines frühen Lebens in der Schweiz und war Schweizer Bürger. Britannica nennt ihn einen in Deutschland geborenen Schweizer Pionier. Auf seinem Land in Kalifornien begann 1848 der Goldrausch.

Quellen

  1. Nachschlagewerk Timothy G. Anderson: Germans (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 24.10.2026
  2. Nachschlagewerk Terry G. Jordan: Germans (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1976, überarbeitet 29. November 2019. abgerufen am 24.10.2026
  3. Archiv German American Experience Research Guide (A Brief History). The State Historical Society of Missouri. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  4. Amtliche Stelle I Goes to Fight mit Siegel: Missouri's Germans and the Civil War (Vortrag von Dr. Luebbering, Abschrift). Missouri State Archives, Presentation Videos. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  5. Amtliche Stelle Historic Site History: Deutschheim State Historic Site. Missouri State Parks, Missouri Department of Natural Resources. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  6. Nachschlagewerk Louis E. Brister: Adelsverein (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand überarbeitet 25. August 2018. abgerufen am 24.10.2026
  7. Nachschlagewerk Daniel P. Greene: New Braunfels, TX (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand überarbeitet 24. September 2020. abgerufen am 24.10.2026
  8. Nachschlagewerk Martin Donell Kohout: Fredericksburg, TX (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand überarbeitet 27. September 2023. abgerufen am 24.10.2026
  9. Nachschlagewerk Cornelia Marschall Smith und Otto W. Tetzlaff: Meusebach, John O. (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1952, überarbeitet 28. Mai 2020. abgerufen am 24.10.2026
  10. Nachschlagewerk Otto W. Tetzlaff: Meusebach-Comanche Treaty (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand 1976, überarbeitet 8. Dezember 2020. abgerufen am 24.10.2026
  11. Nachschlagewerk Nueces, Battle of the (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand überarbeitet 8. August 2025. abgerufen am 24.10.2026
  12. Nachschlagewerk Germans from Russia in Kansas (Kansapedia). Kansas Historical Society. Stand Dezember 2017. abgerufen am 24.10.2026
  13. Museum Turkey Red Wheat (Kansapedia). Kansas Historical Society, Kansas Museum of History. Stand März 2011, geändert April 2015. abgerufen am 24.10.2026
  14. Nachschlagewerk Renee M. Laegreid: German Russians (Encyclopedia of the Great Plains). University of Nebraska-Lincoln. Stand 2011. abgerufen am 24.10.2026
  15. Archiv The North American Journals of Prince Maximilian of Wied, 1832-1834 (Publishing Projects Catalog). National Archives, National Historical Publications and Records Commission. Stand zuletzt geprüft 22. Mai 2025. abgerufen am 24.10.2026
  16. Amtliche Stelle Kathleen Moenster: Karl Bodmer Aquatint The Steamer Yellowstone/On The/ 9th April 1833, Artifact of the Month for December 2012. National Park Service, Gateway Arch National Park. Stand 6. Dezember 2012, aktualisiert 10. April 2015. abgerufen am 24.10.2026
  17. Nachschlagewerk Kathleen Doherty: Mollhausen, Heinrich Balduin (Handbook of Texas Online). Texas State Historical Association. Stand überarbeitet 21. April 2016. abgerufen am 24.10.2026
  18. Nachschlagewerk Fritz Lenz: Gerstäcker, Friedrich Wilhelm Christian (Neue Deutsche Biographie 6, S. 323 f.), mit dem ADB-Artikel von Friedrich Ratzel (1879). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 1964. abgerufen am 24.10.2026
  19. Nachschlagewerk John Sutter (Encyclopaedia Britannica). Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  20. Levi's History (Angaben des Unternehmens über sich selbst). Levi Strauss & Co.. Stand ohne Datum. abgerufen am 24.10.2026
  21. Amtliche Stelle 7th Cavalry. National Park Service, Little Bighorn Battlefield National Monument. Stand 22.09.2025. abgerufen am 24.10.2026
  22. Museum Karl May 1842 bis 1912 (Susanne Eckelmann). Deutsches Historisches Museum, LeMO Lebendiges Museum Online. Stand 14.09.2014. abgerufen am 24.10.2026
  23. Amtliche Stelle Ulysses S. Grant's Experiences During the Camp Jackson Affair. National Park Service, Ulysses S. Grant National Historic Site. Stand zuletzt aktualisiert 29. April 2021. abgerufen am 24.10.2026

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